Dye, Dye My Darling

21. August 2014 (13:42 h) – Tags: , , , ,

Batikgerümpel war natürlich noch nicht komplett. Ich hatte ja noch mehr Farbe. Nämlich diesmal violett und dunkelblau. Die beiden hatte ich gekauft nachdem ich auf Pinterest diese Kombination mit lilafarben gebatikter Hose und Häkelspitzentop gesehen hatte. Ich musste sofort an meine mauvefarbene Aladinhose von 2011 denken und daran, dass ich sie zu wenig trage und ausserdem schon länger soetwas ähnliches wie ein Häkelspitzentop haben möchte. Der Plan war also: Häkelspitzenborte kaufen, Top nähen, Hose batiken.

Mein Freund der Türkenmarkt hatte natürlich Borte für mich. Oh ja. Erstmal kaufte ich bei dem üblichen Bortendealer zwei Sorten reinweiße Häkelborte, eine schmale und eine breite, die wollte ich zusammen mit einer Art Seersucker aus meinem Bestand verarbeiten. Damit hatte ich eigentlich ausgesorgt. Aber dann schlenderte ich weiter über den Markt und -huch!- die Gardinenhändler hatten auch Borte. Und was für welche! Ich konnte also nicht dran vorbeigehen und kaufte für 8 Euro noch einen Coupon mit 9 Metern cremefarbener Borte. Deren elegantes, schwungvolles Design mit Schlaufen und “Wimpern”, wie der Händler sagte, erinnert mich an Dekore aus dem späten neunzehnten Jahrhundert. Unheimlich schön. Und einen farblich passenden, ungebleichten Batist hätte ich auch noch da.

Es wurden also zwei Häkeltops. Der weiße erstmal zum Ausprobieren des Schnittes. Ich verwende hier Top 104 aus Burda 8/11, allerdings ohne den Reißverschluss in der Seitennaht. Der tut meines Erachtens nicht Not, was ich aber mag ist die Verarbeitung der Ausschnitte mit Schrägband. Self-Schrägband. Das stellte ich also erstmal aus dem Stoff her. Nicht ganz wenig Arbeit, aber die hat sich gelohnt. Das Ausrechnen wie viel Stoff man zu wie viel Schrägband welcher Breite verarbeiten kann mache ich immer mit Natrons Schrägband-O-Mat. Aufzeichnen, zuschneiden, nähen und vor allem bügeln muss ich dann halt noch selber.

Das erste Top ist, wie man sieht, schon ein luftiger Begleiter zu Sommeroutfits geworden. Die zwei Häkelspitzen ergeben einen netten Abschluss und passen sehr gut zu der etwas unruhigen Struktur des Stoffes. Ich habe danach am Schnitt noch zwei Dinge geändert: Die Träger sind an der Schulter noch einen Zentimeter breiter geworden und der Ausschnitt drei Zentimeter weniger tief.

Mit diesen Änderungen habe ich dann das cremefarbene Top in Angriff genommen. Wieder fing die Nummer mit dem Herstellen von Schrägband an. Ächz.

Das Aufnähen der Borte auf den Batist war allerdings fast genauso nervig wie die Schrägbandherstellung. Ich habe die volutenartigen Kringel über den Fransenteilen von Hand angenäht, den Rest aber musterfolgend mit der Maschine. Ich wollte mir die Option offenhalten auch hinter den nach oben zeigenden Schlaufen Stoff rauszuschneiden, denn zuerst habe ich nur die untere Kante weggeschnitten. Das war auch hübsch, aber so gefällt es mir nun noch viel besser. Die Borte passt sich organischer an den Stoff an, meine ich.

Zum Top trage ich die neu gebatikte Pluderhose. Die habe ich sowohl in violett als auch in dunkelblau gefärbt. Dadurch ist sie deutlich dunkler als vorher geworden, das finde ich aber ziemlich schön. Überhaupt bin ich mit dem Ergebnis des Neufärbens sehr zufrieden. Ich habe bewußt keine Kreise oder anderen klassischen Muster abgebunden, so dass die Farben hier mehr ineinander gemurkelt sind was ich mag. Die Hose ist nun noch mehr Hippieklamotte und als solche habe ich sie diesen Sommer schon deutlich häufiger getragen als im letzten.

Hat sich auch zu bunten und engen Oberteilen schon bewährt. Ich hatte zwischenzeitlich fast vergessen, wie bequem diese Hose ist.

Und weil ich natürlich nicht nur *ein* Teil färben kann, habe ich noch mehr Stoffe mit die Farbbäder geworfen.

Das sind allesamt Jerseyreste. Im Uhrzeigersinn: Ein großes Stück türkisfarbener Jersey der violett drübergefärbt wurde. Ein kleiner Rest in weiß, jetzt auch violett gemustert, der könnte Shorts oder sowas werden. Daneben ein grauer Jersey mit dunkelblauem Muster und oben mein Favorit, blau über khaki. Davon habe ich noch genug um ein schlichtes Sommerkleidchen draus zu nähen. Falls es nochmal Sommer wird.

Bloodstone & Diamonds

17. August 2014 (18:28 h) – Tags: , ,

Musik: Behemoth - At The Left Hand Ov God 

Wie heißt es so schön: Pech mit Bands, Glück beim Trödel. Und das Trödelglück war mir heute richtig hold! Weil ich keine Aftershowparty in den Knochen zu stecken hatte konnte ich beizeiten aufstehen und mich in Richtung Fehrbelliner Platz aufmachen. Sonntag ist Trödeltag.

Wie immer guckte ich nach Bildern, Dekofiguren, Fotos und allem was Jugendstil ist. Letzteres fand sich als Kehrblech, als Klavierleuchter und als Kragenschachtel (wohl zur Aufbewahrung des Vatermörders). Ein Stand verkaufte alles für fünf Euro und für den Preis könnte ich ein kleines, ovales Bild mit schnörkeligem Messingrahmen schonmal mitnehmen. Den gleichen Rahmen, nur etwas größer und ohne Bild oder Glas bekam ich später von einem anderen Händler geschenkt.

Hier habe ich das total beliebige italienische Landschaftsbild schon entfernt. In ovale Rahmen gehören nämlich was? Genau, Portraits. Der kleine Rahmen ist etwa 14 cm hoch, der andere etwa 17 cm. Für den größeren hätte ich noch Plexiglas da, wenn ich das oval zugesägt bekomme (Laubsäge?) dann setze ich da ein Glas rein. Sonst halt nicht.

An einem anderen Stand kaufte ich silberne Ohrstecker mit Aventurin weil ich noch ein paar grüne Stecker gebrauchen konnte. Und Halbedelsteine haben es mir irgendwie angetan in letzter Zeit. Ich nahm noch einen Ring mit und genau genommen gabs den für lau als der Händler den Gesamtpreis nochmal “für Schüler und Studenten” augenzwinkernd reduzierte. Der Ring ist aus Blutstein (Hämatit). Neulich habe ich nämlich gelernt, dass der metallisch glänzende Stein beim Schleifen roten Staub abgibt der das Schleifwasser dann wie Blut erscheinen lässt, daher sein Name. Tatsächlich ist sogar die rote Farbe des Planeten Mars auf das Mineral Hämatit zurückzuführen. Krasser Scheiß, also wollte ich gerne was aus Blutstein haben.

Der beste Fund des Tages aber ist das fast 40 cm große Bild was ich bei einem Händler gefunden habe der sonst auch Taschenbücher und Porzellanfiguren hatte. Auf den Rahmen klebte der Preis, 34 Euro. Als ich das Stück in die Hand nahm, sagte der Händler gleich: “Das können Sie für 25 Euro haben. Hab heute schon gut verkauft.” Der Rahmen ist aus Holz, die Ornamente sind in Gips draufgesetzt. Das Bild selber ist auf Porzellan gedruckt. “Ein Druck, aber ist ein altes Bild. Aus dem Museum.” Ich wollte trotzdem noch drüber nachdenken und setzte erstmal meine Runde über den Markt fort.

Natürlich konnte ich das Stück aber nicht da lassen. Als ich zurückkehrte sprach der Händler grad mit einem anderen Kunden, also sah ich mich um und entdeckte den größeren ovalen Messingrahmen. Den hielt ich in der Hand als ich an der Reihe war und bekundete das Bild kaufen zu wollen. “Also 25 Euro, und den gebe ich ihnen so dazu”, sprach der Verkäufer und erzählte mir dann, dass zwischenzeitlich ein anderer Interessent für das Bild da gewesen wäre. Da hatte ich grad noch Glück gehabt, sonst wäre mein Prachtstück schon bald mit dem Zug nach Kiew unterwegs gewesen.

Zuhause recherchierte ich das Motiv auf der Porzellanplatte. Ein Hoch auf Googles invertierte Bildersuche! Wir haben es mit dem französischen Maler William Adolphe Bouguereau zu tun. Das Bild “Le crépuscule” (Die Abenddämmerung) ist 1882 entstanden und reiht sich mit Morgendämmerung, Tag und Nacht in eine Vierergruppe. Ich mag seine zarte Anmut und das schon den Jugendstil erahnen lassende Stoffgeflatter. Zwar ist der Rahmen dazu fast zu wuchtig, aber grade durch seine massige Form wird das ganze zu einem mächtigen Prunkstück was sich an der jadegrünen Wohnzimmerwand fantastisch machen wird.

Okkulter Landhausstil

16. August 2014 (15:57 h) – Tags: , , ,

Musik: last.fm Mixradio mit Videos. Nice. 

Es ist Samstag. In Hamburg spielen heute Machine Head beim Elb Riot. Ich liebe Machine Head, ich habe ein freies Wochenende und ich hatte auch eine Karte. Warum hocke ich trotzdem in Berlin vorm Rechner und blogge? Weil Katzen.

Toyah, die ja ohnehin öfter mal krank ist, ein Herzproblem und Futterunverträglichkeiten besitzt, hat eine Bindehautentzündung. Diese Montagskatze! Und weil ich niemanden verpflichten kann/will dem Tier drei Mal am Tag eine Salbe ins Auge zu schmieren, habe ich schweren Herzens entschieden heute nicht Robb Flynn anzuhimmeln sondern mein genervtes Haustier unterm Bett vorzuziehen und zu verarzten. Das tat schon ein wenig weh. Aber Familienmitglieder gehen immer vor Rockstars.

Um das Beste aus dem Wochenende zu machen habe ich mir ein paar Projekte vorgenommen und ein paar alte Filme auf DVD rausgesucht. Das erste Projekt betrifft mein Wohnzimmer. Seit die Wände dort immer weiter Gestalt annehmen wird zunehmend deutlich, dass die Decke und Deckenlampe etwas Unterstützung brauchen um dagegen anzustinken. Ursrünglich wollte ich um die Lampe ein Sonnenmotiv malen. Das wäre sicher schön geworden und hätte die Lampe prominenter wirken lassen. Dann fand ich neulich aber durch Zufall das hier. Ich konnte mir sofort vorstellen wie toll so ein achtzackiger Stern als Motiv an der Decke wirken würde.

Im Baumarkt kaufte ich also Styroporleisten. Holz wäre mir schon wieder zu schwer geworden. Die Decke ist hohl, deshalb ist alles was man ankleben kann und nicht bohren muss von Vorteil. Die Leisten sind nicht so das klassische Styropor, so porös und krümelig, sondern eher wie ganz leichtes Plastik. Man kann sie aber mit einer feinen Säge zuschneiden.

Ich hatte zuerst eine maßstabsgerechte Vorlage auf Packpapier gezeichnet und die Längen der Teilstücke abgemessen. Die Winkel haben zum Glück alle 45°, so konnte ich sie mit Hilfe einer Gehrungslade zusägen. Ein Grund warum ich den achtzackigen und keinen siebenzackigen Stern gewählt habe, obwohl letzterer bei behemoth immer so schick aussieht.

Die einzelne Teile habe ich dann auf der Vorlage schonmal zusammengelegt.

Da waren natürlich auch die Katzen nie fern.

Ich ging dann ich den Keller um weiße Dispersionsfarbe und Styroporkleber zu holen. Styropor ist ja empfindlich und reagiert mit Lösungsmitteln, deshalb war ich froh noch einen geeigneten Kleber zu besitzen. Und dann taugte der nichts. Der Styroporkleber hat mehr Schaden als Nutzen gebracht. Die kleinen Klebstellen der Leisten konnte er nicht zusammenhalten weil er ua total langsam trocknete. Das hat genervt.

Risikofreudig habe ich also zu dem Goldenen Kalb eines jeden Bastlers, dem Heißkleber, gegriffen. Und der hat den Job erledigt. Das Styropor leitet die Wärme ja nicht weg, deshalb hat der Kleber etwas länger gebracht bis er hart war, das war aber machbar und sollte mir später nochmal den Arsch retten. Fürs erste konnte ich nun meine Leisten schonmal zu etwas zusammenbauen was im amerikanischen Pinterest als “cottage barn window-style picture frame” mit kitschigen Hochzeitsfotos bestückt werden würde.

Dann habe ich den fertigen Stern weiß gestrichen. Ich hatte über andere Farben nachgedacht, erst wollte ich ihn dunkel machen. Aber in weiß sehen die Leisten halt schon am meisten nach Stuck aus und lassen die schöne Art Déco-Lampe im Wohnzimmer auch noch für sich wirken.

Nachdem zwei Anstriche über Nacht getrocknet waren ging es daran den Sternenstuck an die Decke zu bringen. Dafür habe ich mir clever die Vorlage aus dem Packpapier geschnitten und sie mit Hafties an die Decke gepappt. Das konnte ich korrigieren bis es grade war. Hier kam mir endlich mal die furchtbare Rauhfaser an der Decke zuhilfe und ich konnte meine geometrische Form an den Kanten der Tapetenbahnen ausrichten. Als es so saß wie geplant habe ich die Eckpunkte mit Bleistift auf die Decke markiert und das Papier wieder abgenommen.

Dann gab ich dem Styroporkleber noch eine Chance, strich den Stern damit ein und drückte ihn an die Decke. Und er fiel sofort wieder runter. Danke, du Arsch.

Ich habe dann einen kleinen Tobsuchtsanfall bekommen und nachdem ich mich wieder beruhigt hatte die Kleberreste von Decke und Stern gewischt. Also kein Styroporkleber. Hm… Heißkleber?

Da war ich skeptisch. Bis ich den Stern da oben habe und ausgerichtet ist der Heißkleber doch schon längst wieder erkaltet. Andererseits war ich aber auch verzweifelt und der Kleber war beim letzten Mal ja recht langsam abgekühlt. Also Heißkleber. Es hat damit auch funktioniert, nicht perfekt, aber das Ding ist an der Decke. Puh.

Jetzt, wo ich den ganzen Ärger mit dem Kleber schon wieder vergesse, gefällt mir das Projekt total gut. Der Sternenstuck lenkt den Blick an die Decke und die Lampe kommt ein bisschen besser raus, genau was ich erreichen wollte. Die achtzackige Form ist simple Geometrie, aber hat auch was okkultistisches ohne zu aufdringlich zu sein. In weiß wirkt der Stuck vor allem durch das Spiel von Licht und Schatten und von unten sieht man meine Ungenauigkeiten und Patzer glücklicherweise nicht mehr. Willkommen im Wohnzimmer, Achterstern.

Recycle or dye trying

13. August 2014 (11:31 h) – Tags: , ,

Musik: Kiss - Beth 

Ist ja immer schön, wenn die Freunde sich auch untereinander verstehen. Insofern bin ich echt froh, dass Natron sich jetzt mit meinem guten Kumpel Batik angefreundet hat. Können wir vielleicht mal zu dritt was unternehmen.

Bisher haben Batik und ich alleine Spaß gehabt. Auch nicht ganz wenig. Ich kann ja irgendwie die Finger nicht von den Farbpulvern lassen, auch wenn sie mir jedes Mal das Bad einsauen. Der aktuelle Trip begann harmlos damit, dass ich Bettlaken aussortiert habe. Und dann dachte ich drüber nach und statt sie für Probeteile zu nehmen fand ich man könnte sie auch einfach batiken. Wenn ich ehrlich bin habe ich vielleicht auch bloß in der Wäschetruhe rumgekramt weil Farborgien von Anfang an meine Intention waren.

Ich ging Batikfarben in schwarz, türkis, gelb und orange besorgen. Jeweils einen Beutel. Um ein ganzen Bettlaken schwarz zu färben hätte ich viel mehr gebraucht. Stellte ich zuhause fest. Dann wollte ich nicht nochmal los, also ist das schwarze Laken nur so grau-blau geworden. Was total okay ist.

Bei dem Projekt ging es auch nicht so sehr um die Farbe, sondern ich wollte ein Motiv in den Stoff bringen. Was total super funktioniert hat, da habe ich mich selber mit überrascht. Für den Stern habe ich folgendes getan: Erstmal die Mitte des Lakens gefunden, dann dort den sechszackigen Stern in entsprechender Größe hinkonstruiert, die Konturen habe ich dabei mit Schneiderkreide auf den Stoff gemalt. Dann nahm ich eine dünne Angelsehne, knotete einen Knopf an ein Ende und das andere an eine größere, spitze Nadel. Mit der Angelsehne habe ich den Stern in den Stoff geheftet, der Knopf verhindert, dass das Ende der Schnur einfach durchrutscht. Den Stern habe ich erstmal nur locker angezogen und das Laken in der Badewanne komplett nass gemacht und ausgedrückt. Wenn es nass ist werden die Farbverläufe der Batikfarbe schöner, meine ich. Dann habe ich die Angelsehne vorsichtig angezogen, so dass sich der Stern zusammenzieht und sein “Inneres” eine Art Beutel bildet. Ab dem Punkt ist es eigentlich egal ob man einen Stern oder einen großen Kreis abgebunden hat. Ich habe die zusammengezogene Stelle mit drei Kabelbindern abgeschnürt. Damit kann man richtig fest anziehen und kriegt so einen saubere Kontur. Die Ecken habe ich dann mit ganz klassischen Kreisen gefüllt und danach flog das Laken ins Färbebad. Da habe ich mich an die Anleitung auf der Packung gehalten. Am Ende ausspülen, vorsichtig die Bänder und Kabelbinder aufschneiden, nochmal spülen und das Laken schließlich in der Waschmaschine durchwaschen, so dass alle Farbe raus ist.

Weil es so wenig hippie ist wie Batik halt sein kann, habe ich dieses Teil mit aufs Metaldays genommen um die Seite eines Pavillons abzuhängen und niedrig stehende Sonne auszublocken (hier sieht man was ich meine). Manchmal haben wir da abends nämlich schon fast auf dem Weg gesessen weil die Sonne untern den Pavillon geschienen hat. Der Plan hat so gut funktioniert, dass ich mich ein wenig geärgert habe nur ein Laken mitgenmmen zu haben. Nächstes Jahr gibts noch mehr gebatikten Sonnenschutz.

Die anderen Farben habe ich dann für das zweite Laken und noch eine Klamotte verwendet. Erstmal das Laken (seht ihr die Katze, die hinter dem Vorhang schläft? *g*).

Hier ging es mir vor allem um die Farbabstufungen. Abgebunden habe ich einfach Streifen. Das gelb hätte besser rauskommen können, da habe ich zu fest gebunden und zu wenig am Stoff rumgezupft gehabt. Ansonsten mag ich aber diese sommerliche Farbzusammenstellung wirklich gerne. Ich habe schon überlegt meine Balkonvorhänge so zu färben. Wenn mache ich das aber erst nachdem der Balkon ausgebaut ist.

Das Laken benutze ich jetzt als Strand- und Picknickdecke oder als Fotohintergrund. Wenn es nicht so morsch wäre würde ich es auch wieder als Laken aufs Bett ziehen. Zu weißer Bettwäsche sähe das sicher toll aus.

Während das Sommerlaken seine Zeiten im Farbeimer absolvierte, überlegte ich ob ich nicht noch irgendwas anderes hätte was da mit rein könnte. Und dann fiel mir ein Modell “T”-Kleidchen ein was ich vor einer halben Ewigkeit (2008?) genäht habe und was dann lange Zeit mein absolutes Lieblingsteil war. Bis ich  irgendwann ein paar winzige aber total doofe schwarze Spritzer auf den Vorderteil entdeckte. Die ließen sich nicht rauswaschen, das Kleid war gelb, ich traute mich da nicht mit Bleiche dran. Das Kleid lag im Schrank und wäre fast schonmal aussortiert worden. Nun erinnerte ich mich also daran und wie die Bienen damals auf mich in meinem gelben Kleid geflogen sind. Wenn ich es batike würden die Flecken vielleicht weniger auffallen. Ich hatte etwas Angst das Kleid zu ruinieren, aber eigentlich habe ich es ja eh nicht angezogen. Also band ich Kreise rein und warf es mutig ins orangefarbene Wasser.

Und es ist so schön geworden! Die Flecken sind natürlich immer noch da, aber ausser mir sieht sie wohl keiner. Und ich gucke auch nicht mehr so genau hin weil ich die neuen Farben so schön finde. Ein tolles altes, neues Sommerkleidchen was ich auch schon als geknotetes Top zu einer violetten Hose getragen habe. Yeah!

Übrigens: Der doofe Titel bezieht sich auf ein Motto des Metalcamp-Festivals, was ja in einem Naturschutzgebiet stattfindet und deshalb aufruft: Recycle or die trying.

Präraffaelitische Poolparty

10. August 2014 (19:16 h) – Tags: ,

 Stimmung: GRRM soweit fertig gelesen. Oh, das furchtbare vorläufige Ende!

Mein Exfreund bracht mal einen großen hölzernen Bilderrahmen an. Auf etlichen alten Klamottenfotos steht der Rahmen dekorativ im Hintergrund. Hier zum Beispiel. Ein furchtbar schweres Teil, vor allem aufgrund der fünf Millimeter dicken Acrylglasscheibe die es umschloss. Ich habe den Rahmen behalten und wollte ihn nun Teil meines Wohnzimmers werden lassen. Aber zuerst musste das Acryl raus. Es war künstlerisch zerkratzt, wäre es durchsichtig gewesen hätte ich es gerne drin gelassen und mit dem Gewicht arbeiten wollen. So wog der Rahmen plötzlich nur noch die Hälfte.

Ich hielt den weiß gewischten Rahmen probeweiser an die jadegrüne Wand. Schön, aber passte nicht. In einem anderen Leben, in einem weißen Schlafzimmer mit Schnörkelmöbeln. Aber nicht in der Opiumhöhle die mein Wohnzimmer ist. Ich entschied den Rahmen neu zu lackieren. Erst wollte ich die alte Farbe anlaugen, aber dann bekam ich Angst vor den Chemikalien und wischte die Oberfläche nur mit Wasser und Seife ab. Wie sich herausstellte reichte das auch vollkommen um neue Acrylfarbe drüber zu malen.

Der erste Anstrich war schwarz, genau wie der zweite. Danach sah der Bilderrahmen einem Gruftietraum schon sehr ähnlich.

Das schöne Seerosenmuster kam in einfarbig ganz anders zur Geltung. Auf den ersten Blick sah schwarz cool aus, beim zweiten erschien es mir auf eine schlechte Art kitschig. Also fuhr ich fort wie geplant und mischte schwarze mit goldener Acrylfarbe. Das so abgetönte Gold versuchte ich nur auf die Höhen des Motivs zu wischen, so dass die Vertiefungen dazwischen dunkel blieben. Das war gar nicht so einfach, ich hatte aber mit einer ähnlichen Technik in der Vergangenheit schon gute Effekte erzielt, also blieb ich dran.

Nach einer Schicht Dunkelgold setzte ich noch Akzente mit der unverdünnten Goldfarbe. Die Seerosen kamen nun ziemlich gut heraus.

Weil der Rahmen auch alleine nicht komplett leicht war, schraubte ich ihm zwei stabile, flache Aufhänger auf die Rückseite. Dann maß ich alles von der Decke her aus und bohrte entsprechende Löcher in die Wand über der Kommode. Das alte Möbel, was ich dabei als Treppe missbrauchte, trug mein Gewicht ohne zu wackeln oder zu knarren. Ich kletterte hinunter, trat ein paar Schritte zurück und sah: Der Rahmen war schief. Oh, warum?! Wie konnte das nur? Ich hatte doch alles so sorgfältig gemessen! Das Ding wieder runtergewuchtet, nachgemessen. Stimmte doch alles. Rahmen wieder an die Wand, Wasserwaage drauf und diesmal hing alles total grade. Offenbar hatte ich mir diese Schreckensmomente selber eingebrockt als ich den Rahmen nicht sauber mit seinem Aufhänger an der Schraube eingehakt hatte. Also alles gut. Puh.

Unter den Rahmen, quasi zwischen ihn und die Kommode, montierte ich das Fünf-Euro-Schwert vom Flohmarkt. Offenbar verwendet man für sowas üblicherweise Garderobenhaken. Also kaufte ich schnörkelige, messingfarbene Mantelhaken die tatsächlich hervorragende Schwerthalter abgeben.

Der Gesamteindruck von Goldrahmen, Schwert und Kommode stimmte schonmal. Nur war ersterer noch leer. Laaangweilig! Bei der Wahl eines auszustellenden Bildes ließ ich mich vom Rahmen inspirieren. Von den Seerosen. Irgendwas mit Seerosen. Oder mit Wasser. Klimts Wasserschlangen II. Oder Waterhouses The Lady Of Shalott. Dann fiel mir das am meisten seerosenartige Gemälde ein, was ich kenne: Hylas And The Nymphs, auch von Waterhouse. Das war es! Ist auch das einzige Gemälde von Waterhouse dem ich tatsächlich schonmal in einer Ausstellung gegenüberstand.

Abgesehen von den wunderschönen Frauendarstellungen von John Waterhouse mag ich das Gemälde weil alles darauf auf Hylas’ Verderben hinweist. Der dunkle Hintergrund, der Ast der wie ein Speer durch seinen Rücken geht, die absteigende Linie seines Blickes zur Zentralnymphe. Der Künstler hat den Moment dargestellt in dem Hylas, den Wasserkrug noch in der Hand, denkt: “Was sollte ich nochmal holen? Ach, war bestimmt nicht so wichtig.” Und schon haben die Naturgeister ihn am Saum gepackt und da sinkt er dahin, der schöne Jüngling.

Ich besorgte das Poster bei amazon und erstand im Baumarkt eine schwarze Hartschaumplatte die ich als Hintergrund verwenden konnte. Der Bildausschnitt des Rahmens ist 101 x 57 cm. Wer baut denn sowas?! Handelübliche Platten, auch Plexigläser, haben 100 x 50 cm. Wäre das zu einfach gewesen? Mein Vater hätte den Rahmen auseinandergenommen, verkleinert und wieder zusammengesetzt. Ich traute mir das nicht zu und habe deshalb eine größere Platte gekauft und sie mittig zersägt bzw neu aneinandergesetzt, so dass hinter dem Poster eine senkrechte Mittelnaht runtergeht. Nicht ganz elegant, aber man sieht es glücklicherweise kaum.

Hylas’ Poolparty passt sich farblich sehr schön in die Wohnzimmerecke ein und die gesamte Ansicht mit Kommode, Literatur, nackten Buchstützerinnen, Schwert, Seerosen und ebenfalls nackten Nymphen gefällt mir sehr gut. Der Messington genau wie die Nymphenhaarfarbe der Kommode ziehen sich durch die ganze Ecke und spielen gut mit dem Jadegrün zusammen.

Langfristig möchte ich dem Bild gerne noch ein dünnes Plexiglas verpassen, aber da muss ich dann auch wieder eine (sehr viel) größere Platte kaufen und zusägen lassen. Das wird teuer, also schiebe ich es noch etwas auf die lange Bank.

Trollmachineheart

6. August 2014 (18:01 h) – Tags: ,

Musik: Newsted - Nocturus | Stimmung: Oder sind 65 Fotos zu viel?

So, das letzte Campinggerümpel ist getrocknet, gewaschen und in den Keller gebracht. Zeit mal über den Sommerurlaub zu sprechen. Traditionsgerecht war ich wieder beim METALDAYS in Tolmin / Slowenien. Das kleine Festival mit der unglaublich schönen Umgebung, den eiskalten Bergflüssen und der verdammt langen Anreise ist inzwischen fester Bestandteil meines Sommers geworden. Für fünf Tage Metal, Baden, Abenteuer und Blödsinn mit meinem Tribe lohnen sich tausend Kilometer Anreise immer wieder.

Erfreulicherweise ließ sich die ewige Fahrerei diesmal aufteilen und meine Fahrgemeinschaft und ich konnten sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg bei Ophelias Verwandten in Bayern zwischenübernachten. Das hat die Sache deutlich entspannt. Nachdem wir also Freitag Abend in München noch exzellent bewirtet und unterhalten wurden konnten wir am Samstag stressfrei in Richtung Alpen aufbrechen. Treffpunkt mit den Freunden: Lago del Predil. Normalerweise treffen wir uns auf Autobahnrasthöfen. Das Treffen diesmal kurz vor die italienisch-slowenische Grenze an den wunderschönen, türkisfarbenen Bergsee zu verlagern war eine fantastische Idee. Jedes Jahr fahren wir auf dem Weg über den Pass an diesem See vorbei und seufzen wehmütig, nun haben wir ihn endlich mal erbadet.

Die Stühlchen an der Passstraße, neben ziemlich dicht am Abgrund geparkten Autos, ergaben schon ein kleines Camp, tatsächlich erwägten wir sogar dort noch zu grillen, entschieden uns dann aber quasi demokratisch für Pizza in Tolmin. Zeit war noch jede Menge, denn die restliche Strecke ist überschaubar. Kaum ist man wieder ins Auto gestiegen hat man auch schon den Predilpass erklommen wo an der Staatsgrenze wieder ausgestiegen werden muss um das traditionelle Passfoto zu schießen.

Die Gruppe ist jedes Jahr neu gemischt, diesmal wieder etwas größer, weshalb sie vor allem funktioniert wenn man nicht versucht ALLE zu irgendwas zu motivieren sondern den Zerfall akzeptiert in die, die Heaven Shall Burn sehen wollen, die, die lieber nochmal zwei Stunden schlafen und die, die grade den richtigen Pegel haben um jetzt Projekt Kutte aufnähershoppend anzugehen. Was ganz gut geklappt hat.

Nachdem wir in Tolmin angekommen waren, die Soča begrüßt und den üblichen Anreisetrubel gesehen hatten gab es die abgestimmte Pizza. Fantastische Pizza. Und Lašco-Bier. Und zum Abschluss noch ein Eis vom Wirt. Womit man auch anstoßen kann.

Und dann mussten wir uns entscheiden: Fünfzehn Euro Frühanreisergebühr bezahlen und das Zelt im Hellen aufbauen oder bis Mitternacht warten obwohl man von der Fahrerei vielleicht schon völlig groggy ist. Ich blieb bei der Mitternachtstruppe, die ihre unvermeidlichen Campingstühlchen ans Sočaufer stellte. Gaslampe in die Mitte, Akkulautsprecher rausgeholt. Wir beobachteten wie Nebel auf dem Wasser aufzog, sahen die Sterne und -was war das denn?!- sogar ein paar Glühwürmchen. Davon bin ich immer noch begeistert. Hab noch nie zuvor Glühwürmchen gesehen. Natur, die leuchtet!

Später wurde gemeinsam “God Gave Rock ‘n’ Roll To You” gesungen und wir verbrachten den friedlichsten Abend der Woche bis es dann Sonntag war und wir unseren Acker beziehen konnten. Dank einer wahnsinnig kleidsamen Stirnlampe die sich bei meinen Eltern noch im Keller angefunden hatte konnte ich mein Zelt problemlos aufbauen, die Pavillons mussten aber bis zum Morgen warten.

Am Sonntag spielen noch keine Bands, wir benutzten den Tag zum Besorgen von Bändchen, Paycards und Pfand-Müllbeuteln, zum generellen Eingrooven, dem ersten Schritt ins grauenvoll kalte Wasser und dem unvermeidlichen Im-Camp-Rumlungern zu später Stunde. Wir waren angekommen.

Am Abend wurde zwei Camps weiter eine inoffizielle Warm-Up-Party gefeiert und wie gute Laubenpieper sind wir in Hausschuhen vorbeigeschlurft um mal nach dem Rechten zu sehen. Ganz schnell fanden wir uns aber mittem im Trubel wieder, Red trug dem DJ unsere Tribehymne an und kurz darauf gröhlten alle bei Grave Diggers “Rebellion” mit.

Auch die restliche Woche über wurde bei Nachbarns jede Nacht lautstark durchgefeiert, was ein wenig zu Lasten unserer Schlafqualität ging. Dennoch gab es diese magischen Festivalmomente, morgens um halb sieben, wenn die Brothers of Beer endlich ins Bett gegangen waren und die Krawalltüten von schräg links noch schliefen. Man kriecht aus dem Zelt, alle Generatoren sind aus, im Dämmerlicht hängt dicker, schwerer Nebel zwischen den Bergen und erste Sonnenstrahlen ziehen goldene Bahnen hinein, feuchte, süße Luft welche die Wärme des Tages schon ahnen lässt, ein paar Vögel zwitschern, ein paar zerstörte Gestalten schleichen in Richtung Dixies. Empfindliche Campingplatzpoesie die ein paar Stunden später von erbarmungsloser Sonne, “Guten Morgen”-Brüllerei und Instantkaffee vom Gaskocher gnadenlos in den Boden gestampft wird.

Am Montag ging die Party dann offiziell los und die Bühnen stiegen in den Trubel ein. Noch bevor ich aber die erste Band sah, machte sich die diesjährige Slowenien-Reise schon mal unvergesslich. Ein Kumpel, den es mit dem Arsch auch nicht richtig auf seinem Campingstühlchen hält, hatte im Vorfeld Freizeitaktivität organisiert an die wir anderen uns dann nach Laune ranhängen konnten. Wir gingen Raften. Und das war die beste Aktion der Woche.

In dem Sočatal, das als “Festivalley” unser launiges Metallertreffen beherbergt, kann man auch “normal” Urlaub machen. Dann geht man wandern, radfahren und vielleicht gleitschirmfliegen. Die Soča bietet etwas flussaufwärts aber auch moderate Stromschnellen und deshalb gibt es auch Leute die einen dort im Schlauchboot durchs Wasser manövrieren. Das klang nach Abenteuer, also war ich dabei. Wie nicht wenige meiner Freunde. Wir bekamen Helme, Schwimmwesten und Neoprenklamotten gestellt, unser Steuermann gab uns eine kurze Einweisung ins Paddeln (“And if you fall in the water… well, nice to have met you”) und dann stieg ich mit Natron, einer Freundin die tapfer ihre Wasserangst überwinden wollte und den beiden Feuerwehrleuten (=Rettungsschwimmer) ins Boot. Besser ging kaum.

Der Guide zeigte uns wie wir tatsächlich wieders ins Boot kämen, was wir lassen sollten um unsere Freunde nicht unnötig mit den Paddeln zu hauen und wie man die anderen Boote mit viel Wassergespritze zu begrüßen hat. Dann sollten wir alle erstmal ins Wasser springen. Da zeigte sich, dass Neopren doch erstaunlich warm hält, wie sinnvoll es war die Schwimmweste so eng zu ziehen, dass sie am Unterbrustumfang hängen bleibt und wie unelegant man im Zweifelsfall zurück ins Boot klettern kann. Schon das war viel Spaß.

Anfangs hing sogar noch etwas Nebel auf dem Fluss, der zog sich aber bald zurück um mit seiner dichterischen Schwermut nicht bei unserem unbeschwert nassen und lauten Abenteuer zu stören.

Der erste Teil der Strecke war ruhiger, also konnten wir ausgiebig unsere Leute in den anderen beiden Booten nassspritzen, ebenso einen brasilianischen Kanuten der uns -grade stolze Weltmeister geworden- augenzwinkernd erzählte er wäre für Agentinien gewesen. Auf der Hälfte der Strecke machten die Guides zwei Boote an einem Felsen fest, wir stiegen alle auf jenen Felsen aus und das dritte Boot wurde umgedreht und zur Rampe halb auf den Stein hochgezogen. Eine Rutsche! Ein Trampolin! Jeder musste ins Wasser, die abenteuerlustigen Männchen auch gerne mit Salto oder zur Kugel (“Ball of happiness! You want to try?”) zusammengerollt.

Danach ging es mit etwas unruhigerem Wasser weiter. Der Guide steuerte uns erbarmungslos auf jeden Felsen drauf und ich bin nachhaltig beeindruckt was so ein Schlauchboot alles mitmacht. Wenn man nicht grade kreischend über seine Freunde im Bootsinneren fiel oder über einen Felsen rutschte gab es tatsächlich genug Gelegenheit die wunderschöne Soča und ihre Ufer zu genießen. Es gibt dort ja keine Strände oder Möglichkeiten durch den dichten Bewuchs ans Ufer zu kommen, und so war man fast ganz allein mit dem glasklaren Wasser, wildromantischen Fluss, den Julischen Alpen und der ganzen Grandezza der Natur die ein Stadtkind wie mich total umgehauen hat. Fotografin Ophelia hatte glücklicherweise eine wasserfeste Kamera mitgebracht, sonst könnte ich nichts hiervon visuell mit euch teilen.

“Do you want to jump from a rock? Who wants to jump?!” fragt der Guide schließlich und ich war etwas unsicher, denn die Felsen in dieser Gegend sind mitunter nicht ganz klein. Dann kamen wir an den Felsen und naja… er war groß, also ganz schön riesig. Schon ziemlich hoch. Ähhh… Das Boot machte unten fest. “If you climb up the rock – you jump. There is no climbing down.” Ich guckte hoch. Die Kletterpartie sah verlockend aus. Ich guckte zu Natron, Natron schüttelte den Kopf. No way, punk. Dann sah ich wie Ophelia hochkletterte. Und ein bisschen angestachelt von dem Heldenmut unserer anderen wasserscheuen Freundin dachte ich herausforderungssuchend: “Wenn Ophelia das macht, dann will ich auch.” Und schon war ich aus dem Boot raus und hatte die Neoprenschuhe auf den Stein gesetzt. Ein Überhang machte das Klettern zu einer kleinen Herausforderung, aber da hatte mein Hirn schon auf Survival umgeschaltet. Wie das Boot unter mir weggefahren ist habe ich kaum mitbekommen. Mit rasendem Herzschlag stand ich dann oben. Wow, die Aussicht! Flussaufwärts und flussabwärts. Und sind das da etwa riesige Forellen im türkisfarbenen Wasser direkt unter uns? Mit Ophelias Freund, dem Koch, scherzten wir, dass mindestens eine davon mitzubringen sei bei der Landung im Wasser. Der Guide zeigte uns wie wir springen sollten. Arme an den Körper und etwa zwei Meter vom Stein weg springen. Dann sprang er und ich wusste genau, dass ich mich in ein paar Minuten wenn ich dort vorne stehen würde, ganz furchtbar hassen würde. Ich springe normalerweise nicht von irgendwo runter. Nichtmal vom 3-Meter-Brett im Schwimmbad. Auf keinen Fall. Warum habe ich bloß gedacht ich müsste das tun was Fallschirmspringerin Ophelia tut?! Oh Gott! Ich atmete ganz flach und machte zwei Deals mit mir selber: Erstens, nicht runtergucken. Zweitens, nicht lange humhampeln. Hingehen, springen. Puhh. Irgendwann war unweigerlich derjenige vor mit gesprungen, die winzigen Freunde in den winzigen Booten da unten hatte Applaus geklatscht und dann ich. Nicht runtergucken. Wie springt man nochmal zwei Meter von irgendwas weg? Ahhh. Ich kreuzte die Arme wie eine ägyptische Mumie vor der Brust und dann, dann bin ich irgendwie gesprungen. Keine Ahnung. Erinnerungslücke. Ich weiß noch, dass ich während des Fallens, in dem Moment wo es dir den Magen so furchtbar hebt, dachte: “Das Wasser müsste jetzt wirklich gleich kommen. Wann kommt denn das Wasser?! Kommt denn nie das Wasser?!” Platsch! Durch die Schwimmweste ist man nicht wirklich tief eingetaucht, Forellen hatten vermutlich auch schon Reißaus genommen, und ich bin mit einem unglaublichen Adrenalinspiegel zum Boot geschwommen. Sicher haben die anderen geklatscht, ich habe es gar nicht gehört. War dann viel zu zitterlich um alleine ins Boot zu klettern. Wow. Ich bin von dem Felsen gesprungen und von hier unten konnte man abschätzen, der war sicher sieben Meter hoch. Sieben Meter! Ich bin von einem Sieben-Meter-Felsen gesprungen und danach konnte mir NICHTS mehr passieren.

Wenn ich mir dieses Bild anschaue wird mir ehrlich gesagt immer noch mulmig.

Die Tour ging weiter, und weil die Bootsbesatzung jedes Mal ihre Plätze durchtauschte konnte ich nun auch mal ganz vorne sitzen, mit toller Aussicht und dem Job den Paddeltakt anzugeben. Auf die einzige wirklich gefährliche Stelle wies der Guide uns glücklicherweise erst hin nachdem wir sie passiert hatten. Schließlich landeten wir wieder am Strand und es hieß wir hätte drei Dinge zu tun: “First we have to carry the boat, then we drive you back to Tolmin, then you get a Šnops.” Das Boot zu tragen war harte Arbeit weil es wirklich recht schwer war, dann wechselten wir das Neopren und unsere klatschnassen Badesachen darunter wieder gegen trockenes Zeug, das fühlte sich schonmal richtig gut an. Nach kurzer Fahrt in zwei abenteuerlichen weißen Kleinbussen trafen wir im Orgabüro des Raftingveranstalters ein und zum Aufwärmen gab es für alle selbstgemachten Blaubeerschnaps. Borovničevec, der in Slowenien traditionell mit Gästen getrunken wird und uns sofort begeistert hat. Noch bevor wir zurück am Campground waren mussten wir den nächsten Supermarkt stürmen um das Zeug flaschenweise zum Zelt zu tragen wo es die ganze Woche über immer wieder und sehr gerne getrunken wurde. Grandios. Warum haben wir das nicht schon in den letzten Jahren entdeckt?

Nach dem Rafting war die Welt für mich zwar eine andere, aber auf dem Festival hatte sich natürlich nichts geändert. Bands spielten laut Running Order. Rising Storm aus Berlin und Alogia aus Serbien hatte ich grade verpasst. Seis drum. Die Bandsache nahm ich dieses Jahr sehr gelassen, denn es hatte auf der Running Order keine einzige Kapelle gegeben die ich *unbedingt* hätte sehen müssen. Megadeth und Sabaton, klar. Guckt man sich an. Aber es waren keine Ich-freu-mich-so-unglaublich-auf-Blind-Guardian oder Machine-Head-muss-ich-sehen-komme-was-wolle dabei. Das war nicht schlimm weil ich ja beim Outiloudi schon mehr als auf meine Kosten gekommen war. Im Gegenteil, ich nutzte die Situation um mal unbekannte Bands anzugucken. Auf der Webseite vom Metaldays konnte man im Vorfeld Infos zu allen noch so kleinen Bands abrufen, inklusive Hörprobe. Daran habe ich meine persönliche Running Order zusammengestellt und alle markiert die interessant klangen. Als Dekoverantwortliche des Camps oblag es mir, neben Solarlaternen, Batiktüchern und Wimpelketten, auch eine wasserfeste Version dieser Running Order an unsere Pavillons zu kleben und so fanden sich nicht wenig Freunde bei meinen ausgesuchten Bands wieder. Es stellte sich als wirklich gute Idee heraus mal Musik anzugucken die man noch nicht kannte und dann entweder total mitzufeiern oder nach zwei Songs Richtung Strand abzudrehen.

Montag habe ich aber wirklich nur Children Of Bodom gesehen, die den Slot einnahmen den Slayer vor drei Jahren hatten: Habe ich grade vor einer Woche als Support von Metallica gesehen, hätte uns eigentlich gleich mitnehmen können. Tolmin-COB waren deutlich weniger keyboardlastig als Prag-COB, insofern bin ich dankbar beide Versionen mal gehört zu haben. Nach den Kindern von Bodo M. liefen wir an der kleinen Bühne vorbei wo grade Turning Golem eine unglaubliche, theatralische Inszenierung ablieferten und Red total begeisterten. Wir anderen fanden uns am Strand wieder, diese Momente der plötzlichen Begeisterung für eine vorher unbekannte Band würden uns noch im Laufe der Woche ereilen.

Am Dienstag kam ich dann mal dazu mehr Bands anzugucken. Es fing an mit Roxin Palace aus Italien die sicher gut waren mir aber nicht nachhaltig in Erinnerung geblieben sind. Zu viele Bands gesehen. Mehr als jemals zuvor in Slowenien. Es verschwimmt insofern leider.

Danach fing es an zu regnen. Muss halt auch mal sein. Das Wetter war in diesem Jahr weniger knallheiß und öfter unterbrochen von Regen was gar nicht negativ war. Außerdem konnten wir dank Bewölkung und dank Zeltplatz in Baumnähe fast zwei Stunden länger schlafen als in den letzten Jahren. Das war toll. Regen war also kein Problem, den bin ich ja gewöhnt. Es regnet neuerdings ja dauernd wenn ich vor einer Bühne stehe. Turnschuhe hatte ich nutzloserweise nach Prag entschlammt, das Erdreich hatten sie sofort wieder drauf. Immerhin konnte ich auch Boots anziehen. Ein Poncho-Selfie mit der Crew die sich da vermutlich grad das Ende von Gold ansieht will ich euch natürlich auch nicht vorenthalten.

Danach tingelten wir zur kleinen Bühne wo die Ungarn von Crossholder spielten die ich gar nicht auf meine Liste geschrieben hatte. Während wir also der Band lauschten ergab sich neben uns eine dieser Situationen die gar nicht mal selten sind und für die man Metaller einfach lieben muss: Das Publikum stahl der Band die Show. Eine Rotte unerschrockener Badegäste hatte ein Schlauchboot mit vor die Bühne gebracht. Soweit nicht ungewöhnlich. Auch Crowdsurfer sieht man öfter mal in Booten. Wie sie da aber mit einer wachsenden Anzahl von Leuten das Schlauchboot durchs magere Publikum rannten, es vor der Bühne in den Graben und die Arme der Security entleerten, zurückrannten, Einen reinsetzten, das Boot wieder hochhievten, zurück zur Bühne rannten, es auskippten, zurück zum Turm, neu besetzten, nach vorne rennen, auskippen, und so weiter. Mit einem ameisenhaften Eifer. Das war groß.

Bei Crossholders letztem Ton war es 18:30 h. Eine angemessene Uhrzeit um mal vor der großen Bühne aufzuschlagen. Mit den Mädels aus dem Camp sahen Natron und ich uns Vaderbuyst aus den Niederlanden an. Klassischer Heavy Rock der wirklich gute Laune machte und ordentlich befeiert wurde. Gute Wahl, hätte ich mir normalerweise vielleicht nie angeguckt. Währenddessen ließ auch der Regen nach und aus den umliegenden Bergwäldern stieg die Feuchtigkeit sofort wieder gen Himmel, so dass uns die Wolken später mit dem gleichen Wasser nochmal nass machen konnten.

Vanderbuyst hatten richtig viel Spaß gemacht, deshalb trafen wir erst nach deren Auftritt an der zweiten Bühne ein. Hier spielten Scarab grade ihre letzten zwei Songs. Und verdammt, die Ägypter waren auch richtig gut! Das war total schade, aber ich werde Scarab dann mal vom heimischen Rechner aus verfolgen.

Wir sahen uns später noch Manilla Road an, die genausowenig begeistern konnten wie Borknagar zeitgleich auf der großen Bühne. Was tut man da also? Man geht an den Strand und trinkt Cocktails.

Im Partyzelt am Strand war die Stimmung bereits kurz vorm Siedepunkt und Natron und ich waren sofort dabei. Metalklassiker wurden lauthals vom Partyvolk gesungen, wir tranken Melonen-Mischgetränke und dann hätten wir irgendwann zu Satyricon vor die Bühne zurückkehren sollen. Aber hier war grad richtig Laune. Noch ein Cocktail oder Satyricon? “Machen wir das vom nächsten Song abhängig,” schlug Natron vor. Die ersten Takte von “Denim And Leather” erklangen. “Das klingt nach Cocktail!”

Tatsächlich schafften wir aber doch irgendwann den Absprung vom Partystrand und fanden unsere Freunde links neben dem Bierstand vor der Bühne. Darauf Satyricon die wirklich sehr beeindruckend waren. Also so richtig. Fantastischer Sound, großartige Show. Gerne wieder beim Paradise, Leute!

Wir waren schon am Dienstag, zwischen den Regenphasen, mit der sogenannten “Luftmatratzentour” unterwegs. Das heißt, man schnappt sich seine Schwimmunterlage, marschiert damit etwas fünfzehn Minuten lang zu einem Strand weiter flussaufwärts, geht dort ins Wasser und lässt sich eine entspannte halbe Stunde lang von der Strömung der Soča zurück zur Tolminka-Mündung treiben wo normalerweise gebadet wird und die anderen Freunde Quartier bezogen haben. Weil das wirklich viel Spaß macht nahmen Natron und ich es Mittwoch nochmal in Angriff. Diesmal packten wir Bierdosen in einen Turnbeutel und brachten sie als selbstkühlende Verpflegung mit ins Wasser. Die Luftmatratzentour wurde begleitet vom ganz üblichen Blödsinn eines Metalfestivals am Fluss: Strandbesatzungen bringen Wasserpistolen in Position und beschießen vorübertreibende Badeinseln, am Brüllstrand wird gebrüllt, die Österreicher vertäuen Schlauchboote, Matratzen und unendlich viel Kinderplantsch-Spielzeug zu einem riesigen Floss, übermotivierte Sabaton-Fans haben aus Plastikflaschen, Bierdosen und sehr viel Gaffatape Maschinengewehre gebaut und treiben auf dem Kriegsschiff Talvisoča flussabwärts (wenn sie nicht grade ihre ferngesteuerten Panzer gassiführen).

Wir entdeckten unterwegs einen Felsen, der nur sehr wenig aus dem Wasser ragte. Da könnte man sich gut dran festhalten… also wurde zurückgepaddelt und dann verweilten wir mitten auf dem Fluss. Für die Betreiber vorüberziehender Palmeninseln und Aufpuste-Einhörner war der Felsen nicht sofort zu erkennen und es muss ausgesehen haben als trotzten wir jeglichen Gesetzen der Physik. “What is this sorcery?!”, riefen sie.

Direkt vom Strand gingen wir zurück zur Bühne, denn die nächste Band kannte zwar keiner, aber sehen wollte sie jeder. Weil sie einen ulkigen Namen haben: Space Unicorn On Fire. Damit kriegt man meine Freunde. Gegen den oldschooligen Heavy Rock der Italienier war auch gar nichts zu sagen und wir hatten viel Spaß vor der Bühne. Als es wieder anfing leicht zu regnen suchten Natron und ich Zuflucht unter dem Krokodil. Gut wenn man immer eins dabei hat.

Der Regen hatten es auch gar nicht ernst gemeint. Kurz darauf war es schon wieder trocken und die Freunde sprangen lichtschwertkämpfend durch das Infield.

Wir sahen später noch Black Diamond aus Slowenien und Artillery aus Dänemark, bei Saltatio Mortis reichte es aber. Zurück ins Camp und grillen. Mittelaltergedudel von der Bühne, die Freunde die vom Konzert zurückkehrten fassten es als “Tröten und Flöten und flache Kapitalismuskritik” zusammen. Wohl nichts verpasst. Amorphis sparte ich mir ebenfalls, zumal Natron grade die perfekte Methode entdeckt hatte um Knoblauch zu grillen. Also ganze Knoblauchknollen. Ohne irgendwas anderes.

Die Party ging später erst bei Volbeat weiter. Ich bin nicht der größte Fan der dänischen Rock’n’Roll-Metaller, aber live ist immer noch was anderes als auf Platte, also fand ich mich auch im Laufe des ersten Songs an der üblichen Stelle links vom Bierstand ein. Und guck mal. Live sind Volbeat viel mehr metal als erwartet. Ziemlich cool. Es fing grade an richtig Spaß zu machen. Sänger Poulsen erklärte aber, dass er Stimmprobleme habe, räusperte sich auch ziemlich viel und ließ das Publikum “Ring Of Fire” singen. Nach etwa fünf Songs ging es dann wohl nicht mehr. Es verließen erst er, dann die Band die Bühne und jemand von der Orga kam heraus um zwischen vielen Entschuldigungen den Auftritt für beendet zu erklären. Voll schade. Ich gehe seit fast zwanzig Jahren auf Konzerte und Festivals und das war das erste Mal, dass ein Gig tatsächlich abgebrochen werden musste. Insofern kann ich mich nicht beschweren, aber für die, die sich total auf die Band gefreut hatten, tat es mir schon leid.

Wir machten das Beste draus, kehrten zum Camp zurück, stellten einen Lautsprecher in die Mitte des Stuhlkreises, drehten Volbeat auf und stießen mit Blaubeerschnaps auf die Gesundheit von Michael Poulsen an. Campparty!

Am Donnerstag wollten die Freunde, die noch nicht dort waren, die Burgruine besuchen die man vom Camp aus sehen kann. Ich bin zwar schon dort gewesen und wusste, dass von der Burg selber nicht viel übrig ist, der Blick von der sogenannten Ziegenklippe dafür aber ein grandioser. Also ging ich nochmal mit. Ein bisschen Wandern ist ja immer nett.

Tatsächlich hat man von der Burg aus einen tollen Ausblick nicht nur auf Tolmin und das Festivalgelände, sondern auch in die andere Richtung des Sočatals.

Ich habe mich allerdings relativ schnell wieder auf den Rückweg gemacht, denn Skelfir wollte ich wirklich ganz gerne sehen. Mit den im Camp gebliebenen Freunden versammelte ich mich vor der kleinen Bühne, wo die Viking-Deathmetaller ordentlich Stimmung machten. “Do you want an epic battle?”, brüllte der Sänger zwischen zwei Songs und aus einem schwarzen Müllsack verteilte die Band aufgepustete Plastik-Morgensterne ins Publikum. Die begeisterten Krieger vor der Bühne teilten sich wie zur Wall Of Death und beim nächsten Song ging die Schlacht zwischen links und rechts los. Ganz großes Kino.

Rechts hatte offenbar gewonnen und bekam von der Bühne eine Flasche Met oder ähnliches gereicht, welche die Runde unter den Kriegern machte und dann entleert (keine Glasflaschen im Naturschutzgebiet!) brav an den Sänger zurückgereicht wurde. Eine abschließende kleine Spitze gegen Volbeat hätten Skelfir sich vielleicht sparen können, aber sonst waren sie maximal unterhaltsam.

Danach gingen wir Kadaver aus Berlin anschauen. Die sollten ursprünglich am Freitag spielen, aber jeden Tag wurde die Running Order, grade für die kleine Bühne, nochmal ordentlich durchgemischt und das hat wirklich genervt. Einige Bands habe ich verpasst weil ich nicht mitbekommen hatte, dass deren Slot nach vorne getauscht worden war. Wenn man sich nicht ständig am Info Point aktualisierte war man mitunter Neese. Aber, Kadaver haben wir immerhin erwischt. Und das war auch gut so. Super entspannter Seventies-Retro-Rock mit Seifenblasen. Ich war danach total gechillt. Hat viel Spaß gemacht.

Im Camp mussten wir unbedingt noch mit unseren blau-roten Hamburger und Berliner Bundesliga-Bechern anstoßen. Alle vier Vereine waren vertreten.

Moonsorrow habe ich mir später auch angeschaut, aber wie bei Volbeat der Rock’n’Roll-Faktor live zurücksteckt, geht bei Moonsorrow der Folk-Anteil unter. Und das fand ich ziemlich schade.

Danach spielten kontrastreich Megadeth. Diejenigen die vor drei Jahren beim Big Four in Gelsenkirchen so grandios abgeluscht haben. Insofern war das Konzert jetzt Dave Mustaines letzte Chance. Megadeth fuhren LED-Rückwände mit hektischen Animationen auf, Dave sah furchtbar runtergekommen aus, performte auch nur mittelmäßig, aber der Sound war viel besser als beim letzten Mal und die Band rettete ihm wirklich den Arsch. Ich bin ein bisschen versöhnt. Zum eigentlichen Potential der Band ist noch viel Luft nach oben, das ist wohl wahr. Aber ich bin froh sie überhaupt wieder akzeptabel live gesehen zu haben, denn seien wir mal ehrlich: Unsere alten Thrash-Helden werden auch nicht fitter. Guckt Megadeth, Slayer und Metallica an wann immer ihr die Chance habt!

Freitag begann wieder am Strand wo sich abermals der Wasserstand geändert hatte und die Strömung der Tolminka mit sinkendem Pegel enorm zugenommen hatte. Also Luftmatratze rein und zum Mini-Rafting in den kalten Fluss. Und gleich nochmal!

Als wir vom Strand zurückkehrten entschied ein Kumpel seine leckgeschlagene Schwimmmatratze nicht wieder mit nach Hause zu nehmen sondern vor Ort schon zu entsorgen. Vorher musste das Ding aber nochmal prall aufgepustet werden damit sich dann alle mit Messern bewaffnet zum Massaker auf den Badekeks stürzen konnten.

Wir gingen später noch entspannt Lord Shades und Cruel Humanity anschauen, wobei mir grade letztere wirklich gut gefielen. Black Metal in Badelatschen.

Bei My Dying Bride wollten wir mal reingucken, aus Gruftiezeiten hatte ich den Namen noch vage in Erinnerung. Tatsächlich schafften sie einen beeindruckenden Spagat zwischen Gothic und Deathmetal. Im Publikum hielten sich gelangweilte Metalcore-Kiddies an ihrem Platz direkt vor der Bühne fest während neben ihnen dunkel geschminkte Mädchen total abgingen. Irgendwie lustig.

Als wir Ex-Grufties Natron, Ophelia und ich so nostalgieseelig beisammenstanden ergab sich auch der Titel für diesen Blogeintrag. Aus unseren T-Shirts.

In der Umbaupause wurden die erwähnten Kiddos dann immer hibbeliger und gingen später wohl bei Heaven Shall Burn total ab. Ich habe das nicht so gesehen weil ich weiter hinten stand und mir nur die ersten drei oder vier Songs anhörte. Metalcore halt. Nicht so meins. Vom Camp aus konnte man die Bühne aber auch noch gut hören und das Cover von Blind Guardians “Valhalla” was Heaven Shall Burn da hinlegten war schon nicht übel.

Ansonsten zogen wir lange Hosen an und diskutierten im Camp ausführlich welche Songs des neuen Albums Sabaton wohl gleich spielen würden. Wäre es wohl möglich, dass sie mit “Night Witches” statt traditionell mit “Ghost Division” eröffnen? Von ihrem fetten Bühnenaufbau hatten wir im Laufe des Tages schon Einzelteile rumstehen sehen. Als wir dann aber vor der Bühne standen und zehntausend Leute den Countdown mitsangen, da war schon klar: Sabaton machen keine Gefangenen. Das Schlagzeug war auf und in einen Panzer gebaut. Aus seinen Kanonenrohren schoss er zum Einmarsch der Band Pyros ab.

“We are Sabaton and this is Ghost Division!” Hätten wir das also geklärt. Die Party ging sofort los. Sabaton spielten ein paar neue Songs die wirklich gut ankamen, Herr Brodén quatschte zwischenzeitlich so viel, dass es sich seine Bandkollegen mit einer Dose Bier zum Picknick auf dem Panzer gemütlich machten und als sie für “Resist And Bite” drei Gitarren brauchten musste er tatsächlich auch selber zur Klampfe greifen. Zur Demonstration seiner Gitrarrenskills spielte der Sänger ein paar Metalklassiker an und mir ging das Herz auf als das Publikum nach drei Tönen die erste Strophe von “Master Of Puppets” sauber fertigsang. “You know your Metallica!”

Auch die Barleute waren mächtig am Mitfeiern, turnten auf ihrem Container rum und hatten irgendeine Konstruktion gebaut die Druckluft involvierte und es ihnen ermöglichte stapelweise Plastikbecher ins Publikum zu verschießen. Das bekam berechtigten Szenenapplaus aus der Menge.

Nachdem Sabaton dermaßen abgeräumt hatten war Tiamat auf der kleinen Bühne irgendwie keine Option mehr, außerdem dräute für den Abreisesamstag Unwetter und wir entschlossen uns, die Zelte eher zeitig abzubauen, was auch ein früheres Zubettgehen involvierte.

Der Samstag begann dann total unwetterfrei. Das Zelt was ich in seine Tasche faltete war trotzdem von oben noch taunass und hatte unten am Boden eine halbe Wiese kleben. Das wurde später auf dem Balkon getrocknet. Nach und nach machten sich die Fahrgemeinschaften vom Acker bis nur ein gut aufgeräumtes Stück Grün zurückblieb. Weil wir nur bis etwa Regensburg zu fahren hatten, gönnten Ophelia, ihr Freund und ich uns den Luxus erst noch im Tolminer Supermarkt Reiseverpflegung zu kaufen und dann gemächlich mit Option auf Zwischenstopps Richtung Predilpass aufzubrechen. Ich berichtete vom Fort Hermann was ich im letzten Jahr besucht hatte. Das lag auf dem Weg und für ein bisschen Wandern und Klettern waren die anderen beiden gerne zu haben. Also parkten wir an der Flitscher Klause, überquerten die mächtige Schlucht daneben und stiegen dann zur Ruine des Forts auf.

Auf dem Weg gab es schon einige Befestigungsanlagen, Munitionslager und Schützenposition. Und Kräuter. Der Koch kann an sowas nicht vorbeigehen. Ein Sträußchen Melisse schaffte es bis ins Auto und jedes Mal wenn man fortan die Kühlbox öffnete duftete das ganze Auto nach Melisse.

Im letzten Jahr hat mich das Fort schon total begeistert, weil ich aber ja meine Kamera damals verloren hatte konnte ich keine eigenen Bilder schießen. Das aufholen zu können war einer der Gründe warum ich meine Freunde zu diesem Ausflug gedrängt hatte. Und dann stehe ich endlich in der Ruine und zücke die Kamera und auf dem Display erscheint: “Akku fast leer. Bitte laden Sie die Kamera auf.” Das ist doch nicht fair!

Glücklicherweise hat mir Ophelia aber eine von ihren zwei Kameras geliehen. Es kontne also losgehen. Die Umgebung, die während unseres Aufstiegs schon eine astreine Kulisse für verschiedenste Rollenspiele abgegeben hätte, mündete nun in dieser atemberaubenden Ruine. Tatsächlich sind es Steine im Wald, aber die komplett unrestaurierte Festung, die zerstörten Räume in denen sich die Natur schon wieder angesiedelt hat, die Korrosionen der Wände, Moos, Pfützen auf den Bodenfliesen und nicht zuletzt das von draußen schon heranziehende Gewitter erschufen mit ihrer Farbpalette und dem gigantischen Rumpeln des Donners eine so dichte Atmosphäre, dass ich mich dem unmöglich entziehen konnte.

Außer uns kletterte keiner in der Festung herum, also pirschte ich die meiste Zeit alleine durch die Trümmer eingestürzter Decken und fühlte mich ein wenig wie der Geist von Harrenhal.

Ich wollte unbedingt noch ein paar Artefakte mitnehmen, irgendwas was Teil des Forts war und dort eine Funktion erfüllt hat. Es lag inzwischen ja alles wie Geröll durcheinander, aber ich fand ein paar Bruchstücke von Bodenfliesen die als magische Schätze im Arsenal meines Gamecharakters erschienen.

So sehr das dichter werdene Donnergrollen zur schaurigen Stimmung in der Ruine beitrug, wir waren vernünftig genug zu entscheiden, dass es wohl nicht die beste Idee sei das Gewitter auf der Spitze einer Berges zu erleben. Auf dem Rückweg zum Auto mussten wir das grade durchlebte Rollenspieler-Level noch weiter ausspinnen, dem Kräutersammler kam die Rolle des Heilers zu und mir mit den Artefakten die Position der Zauberin. Wetterzauber hatte ich aber offenbar noch keinen in der Hexenschule gehabt, jedenfalls gerieten wir sehr bald in fetten Regen. Was halb so schlimm war. Ich war noch seelig geflasht von meinen Eindrücken und im Auto konnten wir ja alle auch trockene Shirts anziehen.

Wir stoppten nach Überquerung des Passes noch kurz am Lago del Predil, der sogar im Regen noch total schön ist. Noch schöner wenn drei Ninjas schwarze Kapuzenpullover anhaben.

Dann ging es in Tarvisio noch Pizza essen und von dort zog sich die Strecke doch noch ziemlich hin. Zum Glück konnten wir wieder einen Zwischenstopp machen und die herzliche Unterbringung bei Ophelias Verwandschaft machte auch die Rückfahrt deutlich einfacher.

Die Bade- und Gamerausflüge auf Hin- und Rückfahrt hatten das diesjährige Metaldays wunderbar eingebettet, aber auch davon abgesehen war es ein fantastischer Urlaub in Slowenien. Anders als die letzten Jahre, aber grade das hat es gebracht. Wir waren diesmal nicht in der tollen Klamm, dafür haben wir uns die Soča erpaddelt. Aus beiden Flüssen habe ich inzwischen so viel Wasser getrunken, dass ich mich auch zuhause noch mit ihnen verbunden fühlen kann. Musikalisch hat sich das Festival auch anders angefühlt, mit weniger Erwartungen und mehr Überraschungen. Es war definitiv eine gute Idee im Vorfeld die kleineren Bands zu recherchieren. Ich habe gefühlt weniger im Camp rumgesessen, definitiv mehr Bands gesehen und Baden waren wir auch total viel. Dazu noch der Triumph der Selbstüberwindung beim Springen vom Riesenfelsen und ich wüsste kaum was ich mir noch wünschen sollte.

Danke Metaldays, du bist ein wunderbares Festival! Ich stimme dem Biersponsor zu: Mehr braucht kein Mensch.

Wet but true

11. Juli 2014 (19:32 h) – Tags: ,

Musik: Metallica - St. Anger (hat übrigens die Abstimmung gewonnen gehabt) 

Irgendeinen Fluch scheine ich auf mich geladen zu haben, dass ich Livekonzerte neuerdings so oft in strömendem Regen erleben darf. Aber fangen wir von vorne an: Die Lieblingsband, die größte, wichtigste, die überhaupt EINE, ist auf Europatournee. Sogar in der netten Hansestadt. Aber Tickets, obwohl astronomisch teuer, waren ganz fix ausverkauft. Und zwar schon im Herbst letzten Jahres, meine ich. Ich schmollte also kurz und suchte dann nach Alternativen. Geh ich die Band halt im Ausland anschauen. Vielleicht nicht unbedingt im teuren Helsinki. Als ich Natron und Red fragte ob sie mit mir zu Metallica nach Prag fahren wollten sagten beide ohne zu zögern Ja.

Wir entschieden noch einen Tag für Stadtbummel dranzuhängen, buchten ein Gründerzeit-Hotel und kauften Front-Of-Stage-Konzertkarten für deutlich weniger Geld als sie in Deutschland gekostet hätten. Und vergangenen Sonntag gings dann los. Ich traf die Hamburger im Zug, wo wir uns die nicht ganz kurze Fahrzeit erfolgreich mit Brettspielchen, Mischgetränken und nicht zuletzt dem Ausblick auf das Elbsandsteingebirge vertrieben. So schnell sind fünf Stunden selten vergangen.

Der schöne Prager Hauptbahnhof erinnerte mich gleich wieder daran warum ich die Stadt so mag: Jugendstil. Überall, nicht zu knapp. Da geht mir echt das Herz auf. Ich war schon oft in Prag, öfter zumindest als in jeder anderen europäischen Großstadt. Es ist da ein bisschen wie zu Hause, aber die Architektur ist viel schöner. Die touristische Innenstadt, die Burg, die Moldau, alles was da im Schulterschluss abgegrast werden muss, sowas hat Berlin auch zu bieten. Und auch diese szenig verranzten Stadtbereiche mit Kneipen und Klamottenläden und zuplakatierten Wänden. Diese Atmosphäre macht mich glauben, ich würde ohne Probleme nach Prag ziehen, Tschechisch lernen und zB im Renommiergebäude des Goethe-Instituts am Moldauufer arbeiten können. Im nächsten Leben vielleicht.

Fürs erste gaben wir entspannte Touristen und tauschten unsere ollen Euros gegen schöne Kronen, suchten die Tramstation, sprachen alles falsch aus und blieben dauernd mitten im Weg stehen um “Ahhh!” und “Ohh!” und “Lékárna heißt Apotheke!” zu rufen.

Das Hotel hatte auf der Webseite wie eine abenteuerliche Mischung aus Historismus, Kitsch und Blümchentapeten ausgesehen, tatsächlich war es dann aber durchaus geschmackvoll und edel. Ich war beinahe ein wenig enttäuscht. Bis ich hinter der Rezeptionstheke ein veritables Jugendstil-Schränkchen entdeckte und wir das Frühstück am nächsten Morgen im neunzehnten Jahrhundert unter böhmischen Kristalllüstern einnahmen.

Vom Sonntag war noch ein Abend übrig, also bummelten wir schonmal an der Moldau entlang und zur Karlsbrücke. Ach, guck mal, wie schön! Und die Tretboote auf dem Wasser, das machen wir morgen auch! Die niedrig stehende Sonne ließ die Karlsbrücke in ganzer Schönheit wirken und ich meine, dass ich 1998, als ich das erste Mal mit Natron dort war, schonmal so ähnliche Fotos gemacht habe.

Meine Mutter hatte uns dran erinnert, die Abbildung des heiligen Nepomuk zu berühren und was zu wünschen, also taten wir das und wünschten uns einen Halbfinalsieg für die DFB-Elf. Die brasilianischen Touristen, die durchaus auch in der Stadt unterwegs waren, hatten diese Gelegenheit offenbar ausgelassen, wie sich später herausstellen sollte.

Am Ende der Brücke trafen wir noch unverhofft auf Jamie Lannister mit seinem goldenen Schwert. Und dann dauerte es auch gar nicht mehr lange und wir hatten den nächsten Gasthof gefunden um endlich wieder tschechisches Bier zu trinken. Ahhh.

Danach hielten wir noch die Füße in die Moldau und nannten es dann einen Tag. Weil Prag uns ja nicht ganz neu ist, wollten wir das Besichtigungsprogramm nicht übertreiben und hatten für den folgenden Tag nur Sachen geplant die Spaß machen und mit B anfangen: Burg, Bier, Boot, Briefpost schreiben.

Den Anfang machte die Burg. Es gab fantastischen Sonnenschein und aus Erfahrung wußte ich wie schön der in die Glasfenster des Veitsdoms reinleuchtet. Man hätte vom Hotel auch laufen können, aber wir nahmen die Tram um das Rumgerenne nicht gleich ausufern zu lassen. Immerhin steigt man da ja auch einen ganz schönen Berg hinauf. Aber wir wurden reich entlohnt. Die Burg, der Dom, alle schön wie eh und je. Und dann entdeckt man Dinge an die man sich plötzlich wieder erinnert und lauter Neues dazu. Fremde Städte wieder zu besuchen hat einen ganz eigenen Reiz.

Die Aussenseite des Doms und die restliche Burganlage galt es natürlich auch noch zu erwandern. Die großartige gotische Fassade der Kathedrale kommt gar nicht dazu anständig zu wirken weil man kaum weit genug zurücktreten kann um sie anzuschauen. Das ist ziemlich ungewöhnlich, aber so guckt man dann wenigstens mal auf die Details.

Das ist ja fast eine kleine Stadt da innerhalb der Burgmauern und man hätte mit Leichtigkeit noch einen ganzen Tag dort verbringen können. Aber wir machten ja Tourismus light, tranken also nur noch einen Eiskaffee, schlenderten noch ein Ründchen und ließen dann vom Vorplatz der Burg das gigantische Stadtpanorama auf uns wirken. Ach, guck mal, hier gibt es schon wieder Pivo. Also noch schnell eines der traditionellen “Wir-hocken-irgendwo-zusammen-und trinken-was”-Fotos für alle Freunde in der WhatsApp-Gruppe gemacht.

Die Hitze war inzwischen echt drückend geworden, deshalb ließen wir den Abstieg langsam angehen, setzten uns dann in einen schattigen Park und sahen zwei Menschen zu die riesige Seifenblasen über die Wiese schweben ließen. Voll schön.

Ein paar Schritte weiter lockte das Moldauufer schon wieder mit Schatten, Ausblick und Schwänen und was besseres hatten wir eh nicht zu tun. Füße ins Wasser, Blick auf die Karlsbrücke fotografieren.

Erst als der Himmel sich später zugezogen hatte und die Temperaturen etwas runterkamen machten wir uns daran, auf einer Moldauinsel ein Tretboot auszuleihen. Mal eine Auszeit von all dem Trubel in der Stadt war echt angenehm. Nur die Moldau und wir. Eine Insel umrunden, die Brücken durchfahren. Zwischenzeitlich ließen wir das Boot einfach treiben. Fehlte nur noch was zu Trinken. Moment, ist das eine schwimmende Bar?

Es war eine schwimmende Bar an die wir mehr oder weniger geschickt andockten. Tolle Geschäftsidee. Wir stießen mit dem nächsten Bier an und Wolkenexpertin Natron zeigte uns am inzwischen recht dunkel gewordenen Himmel die Nibostratus Pannus, die sie als “Die Fünf-Minuten-Wolke” vorstellte. Sieht man sie und es regnet noch nicht, dann fängt es innerhalb der nächsten fünf Minuten an. Echt? Ist ja total spannend… Warte, hast du auch grad einen Tropfen abgekriegt?!

Gewitter war angekündigt und nach der Dämse des Tages auch zu erwarten gewesen. Noch tröpfelte es aber nur, so dass wir das Tretboot zurückbrachten und dann ganz entspannt Richtung Hotel schlenderten. Unterwegs kamen wir an dem Esoterikladen vorbei der am Sonntag schon durch die geschlossene Ladentür total nach Rächerwerk gerochen hatte. Da konnte ich natürlich nicht dran vorbei. Red ging es ähnlich als wir anschließend eine Pivnice passierten. “Pivnice” heißt “Bierlokal” und ich sehe wie sich das Wort schon in unserem Sprachgebrauch als Bezeichnung für eine bestimmte Art von Kneipe festgesetzt hat. Also noch ein Bierchen. Und dann, dann regnete es endlich richtig. Als wir auf dem Heimweg waren.

Immerhin war es nicht kalt. Und wir konnten im Hotel was Trockenes anziehen und die Schuhe föhnen. Halb so schlimm.

Unterbrochen von einer guten Auswahl tschechischer Biere durch Prag zu spazieren hatte einen formidablen, unanstrengenden Touristentag am Montag abgegeben. Dienstag war anders. Dienstag war das Konzert. Und Fußball. Und Unwetter. Dienstag wurde ein wirklich verrückter Tag.

Der Auftritt meiner Lieblingsband war Teil des Aerodrome-Festivals bei dem ausserdem noch Kvelertak, Children Of Bodom und Alice In Chains spielen sollten. Insofern fing die Veranstaltung schon am frühen Nachmittag an. Wir machten uns entsprechend zeitig auf den Weg zum Messegelände hinter dem Bahnhof Holešovice, wo die Sause staffinden sollte. Messegelände klang erstmal total unromantisch.

Auf dem Weg durch die Stadt begegnete uns der einzige Hinweis auf die zeitgleich in der restlichen Welt stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft.

Hier zeigen Red und Natron wie sie sich den Ausgang des Spiels Brasilien-Deutschland wünschen: 0 zu 2. Little did we know.

Die Tschechen sind keine große Fußballnation und sie ignorieren die WM größtenteils. Was völlig okay ist, reist man nicht mit einem Paar was schon jetzt darüber nachdenkt wie einem zukünftigen Kind der jeweils favorisierte Bundesligaverein schmackhaft zu machen ist (“Bei Mamas Club gibt es aber keinen Dinosaurier!” “Dafür sind wir alle Piraten!”). Angefixt von den Hamburgern und vorgeprägt von meiner WM-verrückten Heimat sah ich bald auch überall nur Fußbälle.

Zum Beispiel in dem Blumenrelief an den Wänden unserer Hotelzimmer.

Oder in den Straßenlaternen mit ihren entzückenden Krönchen.

Wir hatten tatsächlich auch Schminkstifte dabei. Wenn man wegen Sodas Schlagerkapelle das Halbfinale verpasst dann muss man sein Team unterstützen wie man nur kann.

Vor den Fußball hatten die Götter aber glücklicherweise das Festival gesetzt. Und uns wurde schnell klar, dass “Messegelände” hier nicht die Leipziger Agra bedeutet. Die Bühne stand inmitten einer wilden Mischung verschiedener Archtekturstile. Imperiale Schnörkel und Türmchen von 1848, verrottende Sowjetbauten, eine hochmoderne gläserne Pyramide. Und ein nostalgischer Lunapark mit Riesenrad und Achterbahn. Zoo und irgendwas mit Dinosauriern gleich angeschlossen. Das war.. surreal, to say the least. Ich meine, es war ein ganz normaler Festivaltag mit Bands, Merch, Bier und überproportional viel Fressiständen. Aber es fühlte sich auch irgendwie an wie ein Endzeitfilm. Als Natron mich später darauf hinwies, dass während Metallica spielen Trip durch Prag rennt, auf der Suche nach dem Laster, dabei in Straßenschlachten gerät und an Ende im Kampf mit dem Reiter die Stadt in Schutt und Asche legt, war die Illusion perfekt (das ist die Handlung von Metallicas großartigem, poetisch-apokalyptischen Meta-Konzertfilm “Through The Never”).

Ich schätze, dass etwa 10.000 Besucher da waren. Dass die ersten die durch den Einlass kamen sofort die Beine in die Hand nahmen und Richtung Bühne sprinteten, zeigte schon: Hier spielt nicht irgendwer. Wir hatten das Gerenne zum Glück nicht nötig (Und, mal ehrlich, dann steht man fünf Stunden angewurzelt auf seinem Platz bis Metallica anfängt?) denn wir hatten ja Golden Circle Tickets. Der Golden Circle ist der Bereich direkt vor der Bühne, abgegrenzt durch Gitter und Security. Ich bin von der Zwei-Klassen-Gesellschaft auch nicht komplett überzeugt und fühlte mich schon komisch wenn ich nach hinten guckte wo sich die anderen drängelten, aber man muss zugeben, der Circle hat die Sache wirklich total entspannt gemacht.

Hier sieht man hinter meinem Metallica-Grinsen die Absperrung mit Gedränge während wir entspannt auf dem Rasen sitzen. Bis zur Hauptband war der Circle halbleer, wir konnten problemlos rein und raus, Getränke holen, im Schatten sitzen, mal einen Blick auf die Band werfen, wieder was zu Essen holen, etc.

Den Anfang machten Kvelertak, die ich musikalisch viel schrabbeliger erwartet hatte. Was man aber vor allem über sie sagen muss ist: Der Typ trägt eine Eule auf dem Kopf. Eine ausgestopfte Eule, wie eine Maske oder einen Helm. Eine Eule. Das hat mich etwas verstört und als er sie nach dem ersten Song abnahm war ich immernoch zu verwirrt um mir ein musikalisches Urteil über Kvelertak zu bilden.

Was wir auch festgestellt haben ist, die Tschechen tragen keine Kutten. Dafür Sandalen, wenn sie aufs Konzert gehen. Das sah nach einer ganz doofen Idee aus, es ist doch vorprogrammiert, dass dir einer auf die Zehen steigt.

Nach der Eule sahen wir uns Children Of Bodom an. Mit dem finnischen Hipster-Look des Sängers kam ich viel besser klar. Das Keyboard war offenbar deutlich prominenter ausgesteuert als sonst, ich musste jedenfalls sofort an Wintersun denken. Was ja nichts schlechtes ist. COB haben mir gefallen.

In der Umbaupause war es dann Zeit den WM-Ticker aufs Handy zu buchen und sich kleine Nationalflaggen ins Gesicht zu malen. Umgehend outeten sich nicht wenig andere Konzertbesucher als Deutsche oder zumindest fußball-affine Polen.

Was wir auch noch machen mussten war Abstimmen. Das Konzept der aktuellen Metallica-Tour basiert darauf, dass die Besucher der jeweiligen Konzerte im Vorfeld online aus allen Metallica-Songs auswählen dürfen welche sie live hören wollen. Dabei darf man aber keine obskuren Raritäten erwarten, es herrscht ein ziemlich umfassender Konsens darüber welche Songs als Klassiker auf jeder Show gespielt werden müssen. Was ich mir altes oder seltenes gewünscht habe ist gnadenlos rausgeflogen. Womit ich leben kann. Einen Song hat die Band bestimmt, nämlich einen ganz neuen Song der grade erst veröffentlicht wurde. Und einer wurde dann vor Ort noch per Handy ausgewählt, aus den drei Songs die es ganz ans Ende der Liste geschafft hatten. In unserem Fall waren das “The Day That Never Comes”, “St. Anger” und “Unforgiven II”. In den Umbaupausen liefen auf den Leinwänden kleine Promo-Clips in denen uns die Metallicas das Wahlsystem vorstellten und zum Abstimmen anfeuerten. Total niedlich.

Erstmal kamen aber noch Alice In Chains auf die Bühne. Die habe ich seit den Neunziger gar nicht mehr auf dem Zettel gehabt. Und obwohl sie ja wohl ein tolles Comeback-Album abgeliefert haben und auch beim Aerodrome astrein performten war ihr Grunge-Style nicht das Richtige um auf Metallica vorzubereiten. Zu chillig. Zu eintönig.

In der Zwischenzeit hatten die Wolken, die den ganzen Tag konsequent an der Sonne vorübergezogen waren und uns in der Hitze hatten sitzen lassen, es geschafft den Himmel vollzumachen. Da waren auch schon die Fünf-Minuten-Wolken und los ging der Regen. Wie gut, dass wir feste Schuhe anhatten und auch Regenponchos die *rein zufällig* unsere Landesfarben abbildeten.

Der Circle füllte sich nun richtig und was dahinter abging mag ich mir gar nicht vorstellen. Wir hatten gute Plätze in der Nähe des Laufstegs der von der Bühne U-förmig ins Publikum und zurück reichte. Durch diese Nähe zur Bühne fühlte sich das ganze Konzert am Ende anders an. Nicht die Stadionatmosphäre die ich bei Metallica sonst erlebt habe. Das da vorne hätten auch Blind Guardian sein können. Metallica waren auf einmal richtige Menschen, nicht die Halbgötter an die man nie rankommt. Sie werden nass wenn sie auf die Bühne kommen. Genau wie wir fünf Meter weiter. Weil man das was hinter einem passiert ja nie mitbekommt wirkte es wie ein ganz kleines Konzert. Meine Helden in meinem Wohnzimmer. Total toll. Insofern haben sich die Golden Circle Tickets auf jeden Fall mehr als gelohnt.

Die Band fing um acht Uhr an und bretterte gleich mit “Battery” und “Master Of Puppets” los. Das hat grade den zweiten Über-Song angenehm von seinem Thron gehoben. Wir haben so viele geile Songs, wir müssen den hier nicht bis zum Ende aufheben, wir sind schließlich Metallica.

Statt Backdrop gab es LED-Leinwände die gestochen scharfe Aufnahmen von der Bühne zeigten und auch einen Teil der Visualisierungen die bei “Through The Never” zum Einsatz gekommen waren. Dadurch fühlte man sich noch mehr als wäre man in dem Film und fragte sich unweigerlich was am Ende von Prag noch stehen würde.

Der Regen hatte mächtig zugelegt. Also so richtig. Unwetterartig. Man sieht es hier ein wenig wo Kirk sich ganz schnell wieder vom Laufsteg verdrückt.

Zwischen den Songs schob ein Wischerkommando das Wasser von der Bühne und James Hetfield kommentierte: “It’s like playing in a fucking swimming pool!” Das Wasser lief von der Ponchokapuze in den Ausschnitt und Regen klatschte einem direkt in die Augen, der Boden war eine riesige Matschsuppe geworden in der meine Turnschuhe mit Schlamm vollliefen und gerne noch drin stecken geblieben wären (eindeutiger Vorteil Badelatschen). Plastikfolie klebte an der Sonnencreme auf den Armen, die Hosen zogen das Wasser hoch und wir froren nur nicht weil wir wie die Pinguine zusammgedrängt standen. Ging der Pinguin neben dir Bier holen merktest du das sofort. James zog sich laufend neue, trockene Shirts an, aber ich wagte irgendwann nicht mehr meine Kamera rauszuholen weil die Linse schon total beschlagen war und einem klitschnass auch alles aus der Hand rutschte. Das war Beastivalwetter mit Ausschlag nach oben.

Immerhin sahen die Laserstrahlen die unter anderem beim Intro von “One” zum Einsatz kamen im Regen total toll aus. Die Wassertropfen brachen das farbige Licht auf und glitzten wie bunte Diamanten in den Lichtstrahlen. Der Stimmung unter den sehr sangesgewaltigen Tschechen tat der Regen auch keinen Abbruch. Bei “Nothing Else Matters” stoppte das Unwetter dann kurz, kaum kommentierte James den Umstand ging es aber auch schon weiter.

Am Ende hatten Metallica fast zweieinhalb Stunden gespielt, die Stimmung mit “Whiskey In The Jar” nochmal hochgerissen und als sie uns dann traditionell mit “Seek And Destroy” verabschiedeten und das Publikum mitsang wie ein Mann fielen von der Bühne und den Türmen lauter schwarze Wasserbälle mit Bandlogo und von irgendwo rollten riesige farbige Versionen an, die dann unermüdlich hin und hergeworfen wurden.

Ganz großes Konzert. Party. Kindergeburtstag. Matschgetümmel. Meine Lieblingsband ist mir, wenn überhaupt möglich, noch ein wenig näher ans Herz gerückt. Red hat mir einen von den schwarzen Wasserbällen als Souvenir aufgefangen den ich an die Brust drücken konnte als wir uns schließlich unseren Weg durch den Schmodder und die tausend pfandfreien Plastikbecher bahnten. Danke, Metallica!

Aber huch, Fußball war ja auch noch. Ein Blick aufs Handy: Zwei zu Null, nee Moment, Fünf zu Null?! Meine Fußballfans flippten in ungläubiger Begeisterung aus und auch die anderen Deutschen die mit uns auf die Tram warteten hatten wenig weitere Gesprächsthemen. Immerhin schafften wir es noch rechtzeitig in eine Kneipe wo die letzten beiden Tore miterlebt werden konnten.

Als am nächsten Tag unser Zug Verspätung hatte, das Gleis ewig nicht bekanntgegeben wurde und irgendwelche anderen Ärgerlichkeiten passierten, zeigten wir nur gelassen sieben und einen Finger in die Höhe. Wenn an einem einzigen Tag so viel unglaublicher Scheiß passiert, dann ist es klar, dass das Universum das danach wieder ausgleichen muss.

Wohnungs-Update

25. Juni 2014 (08:24 h) – Tags: , , , ,

Musik: Metallica - Sweet Amber | Stimmung: Voll schönes Regenwetter!

Kurz bevor die Festivalsaison sich so unbarmherzig in den Sommer gedrängt hat, habe ich noch ein paar lose Enden in der Wohnung verknotet. Unfertige Projekte kann ich immer nur bedingt lange tolerieren.

An der Kommode die ich im Frühjahr auf dem Trödel gekauft hatte ist nun endlich das Fries ausgebessert. Ich habe den weggebrochenen Teil durch ein Stück trompe-l’œil Malerei ersetzt.

Gemalt habe ich mit Aquarellfarben auf Pappe, anschließend das fertige Teil mit mattem Klarlack eingesprüht um die Farbe widerstandsfähiger zu machen. Die Pappe habe ich schließlich mit Hafties an die Kommode gepappt, daher kommt der kleine Abstand und Schatten der noch den letzten Schliff verleiht. Außerdem wird das Holz nicht beschädigt.

Auf den ersten Blick fällt die Reparatur tatsächlich nicht sofort auf und das war alles was ich wollte. Die Kommode ist wieder komplett.

Und ich musste auch kein Loch in die Rückwand schneiden. Ursprünglich hatte ich geplant die XBox in der Kommode unterzubringen und längere Kabel von dort zum Fernseher zu ziehen. Das scheiterte ziemlich schnell daran, dass es das Kabel fürs Kinect nicht in länger gibt. Also musste die XBox in der Nähe des Fernsehers bleiben. Entertainmentgeräte die sichtbar im Wohnzimmer rumstehen. Ich war nicht begeistert.

Übergangsweise stand die Konsole auf dem Katzensofa und die Zimmerantenne baumelte an ihrem Kabel unter dem Fernseher. Grauenvoll. Glücklicherweise fand ich dann heraus, dass man die XBox auch aufrecht hinstellen kann und damit war entschieden, dass das Fernsehgerümpel ein Regalbrett hinter dem eigentlichen Fernseher bekommen sollte.

Das Brett und die Winkel habe ich in Wandfarbe getarnt und einen zusätzlichen Winkel in schwarz lackiert der neben der XBox dafür sorgt, dass die Konsole keinen Abflug macht. Damit ist das Regal so mimetisch wie es nur sein kann..

Die Kabel habe ich erst hinter die Konsole geklemmt und dann in der Zimmerecke runtergeführt. Sie hängen jetzt nicht mehr direkt unter dem Fernseher runter und das ist schon viel wert. Eventuell verpasse ich ihnen auch noch einen Anstrich in jadegrün. Mal sehen.

Der Fernseher ist immer noch ein Angeber der das Wohnzimmer dominieren möchte, aber immerhin habe ich seine Gerätekumpels schonmal unter Kontrolle gebracht. Optisch ist das ganze ein Kompromiss, das ist mir schon klar. Mein durchgestyltes Wohnzimmer leidet unter diesem Einbruch moderner Technik etwas, ich möchte aber auch nicht leugnen wie gemütlich Lieblingsfilme, absurde Dokus und Konzert-DVDs vom Sofa aus sind. Und neulich habe ich die ganze Nacht lang Adventuregames gezockt bis es halb vier war und schon wieder hell wurde.

Ansonsten war ich noch in der Küche und habe mal wieder so eine Pinterest-Idee umgesetzt. Eine Tafel für Notizen, Einkaufslisten und Songzitate, das wäre doch total schön! Gesagt, getan. Ich besorgte Tafelfolie im Baumarkt und klebte sie erst auf eine Pappe und diese dann mit Powerstrips an den Kühlschrank. Noch zu gut erinnere ich mich an das schockierte Gesicht meiner Hauswartsfrau als sie beim Vormieter Aufkleber auf dem Kühlschrank entdeckte. Deshalb lieber kein Risiko eingehen und das ganze entfernbar.

Natron schreibt mir bei jedem Besuch ein Zitat ihrer Southern-Rock-Freunde an den Kühlschrank. Ansonsten benutze ich die Tafel für Einkaufsnotizen und To-Do-Erinnerungen. Ziemlich praktisch und den sich ständig wandelnden Charakter der Fläche mag ich auch total. Fehlt eigentlich nur noch bunte Kreide.

La Kutte

22. Juni 2014 (11:07 h) – Tags: ,

Musik: Machine Head - Wolves 

Meine Kutte. Zu der gabs ja auch noch was zu erzählen. Das letzte Mal habt ihr sie gesehen, da war sie eine umgenähte aber noch undekorierte italienische Armeejacke. Inzwischen sind ordentlich Aufnäher drauf gekommen.

Den Backpatch hat natürlich meine unübersehbare Lieblingsband gestellt, das war von vornherein klar. Um dem selbstauferlegten Farbschema schwarz-grau-weiß-rot-silber treu zu bleiben habe ich das Kill ‘em all-Plattenmotiv gewählt. Der Backpatch war also schnell ausgesucht, gekauft nicht so. Es gab ihn erstmal ewig nicht online und bis Festival wollte ich eigentlich auch nicht warten. Ein bisschen last minute habe ich ihn dann doch noch aufgetrieben. Weil solche Dinger aber natürlich für Männerrücken gemacht sind, sind sie entsprechend groß. Ich habe dem abgeholfen indem ich mutig abgekettelt und weggeschnitten habe. Nun ist der Backpatch geshaped, was ich ziemlich lässig finde und was mehr Platz für andere Aufnäher lässt.

Metallica sind neben dem Backpatch noch mit viel zu vielen anderen Aufnähern vertreten. Irgendwann reduziere ich das vermutlich zugunsten anderer Bands. Der alte Birth-School-Metallica-Death wird aber bleiben, den mag ich total. Cradle und Dimmu auf der Rückseite sind genauso uralt und entsprechend verknautscht. Ähnlich der Savatage-Patch auf der Vorderseite. Der ist etwas ganz besonderes, weil er dem Best of “From The Gutter To The Stage” beilag was ich irgendwann in den Neunzigern gekauft habe und was meine riesige Begeisterung für diese Band begründete.

Deshalb habe ich Sava auch prominent auf Brusthöhe vorne untergebracht, quasi als “Hello my name is”. Ungefähr auf gleicher Position befinden sich Machine Head die ich ebenso heiß und innig liebe. Der Rest ist nicht mehr nach Bedeutung sondern rein nach Farbe und Form der Patches angeordnet. Das runde Turisas-Logo mit den stilisierten Händen habe ich von Natron bekommen, Sepultura auf der Rückseite sind nicht nur bügelbeschichtet und damit viel zu dick zum Annähen sondern auch total ätzend verästelt. Und ausgerechnet den Patch musste ich bereits einmal verschieben. Für Saxon habe ich extra weißes Garn eingefädelt, alle anderen sind mit schwarz genäht. Bis auf Pantera, Disturbed und Led Zeppelin (“Zoso”) habe ich alle Bands die da drauf sind schon ein- oder auch dutzendmal live gesehen.

Auf die Knopfleiste habe ich noch einen D-Ring genäht, da kann man seine Sonnenbrille einhängen. Könnte man auch in den Knopflöchern, wenn die Leiste nicht verdeckt wäre. So macht es noch ein bisschen Schau. Über Savatage befindet sich übrigens ein Kronkorken vom Berliner Pilsener. Den habe ich auf eine kleine Plakette geklebt und jetzt gibt er als Anstecker einen Hinweis auf meine Heimat, denn seien wir mal ehrlich: Die meisten Bands sehe ich auf Festivals fernab der Spree.

Wo Natron ihre Aufnäher noch mit Stickerei verbessert hat, plane ich um den Backpatch herum und generell auf der Kutte noch ordentlich Nieten unterzubringen. Das geht aber erst wenn sie so voll ist, dass man ziemlich sicher nichts großes mehr verschieben möchte. Das wird dann Kutte V3.

Bis dahin tobe ich mich anderweitig aus, weil ein wenig hingebungsvolle Handarbeit auf jeden Fall zu einer Kutte dazugehört, finde ich. Anders als manche bin ich nicht der Meinung, dass der “Wert” oder die Glaubwürdigkeit eines solchen Kleidungsstückes daran zu messen wäre wie siffig und verranzt es ist. Wenn mir jemand vorwirft meine Kutte wäre zu sauber oder zu mädchenhaft, dann frage ich mich ernsthaft was da nicht verstanden wurde. Kutte ist wie Hochzeitskleid, das ist so persönlich, da krittelt man nicht dran rum! Und das ist auch kein Wettbewerb um den trvesten Auftritt. Ich persönlich schätze den gestickten Bon Jovi-Backpatch oder den auf Leder handgemalten Bolt Thrower-Aufnäher hundertmal mehr als ein uninspiriertes Teil das sich nur durch Alter und Dreckstarre auszeichnet. Aber wenn jemand anders sich nur mit so einem Ding wohlfühlt, dann ist das auch sein Recht was ich wiederum nicht herabzuwürdigen habe.

Was ist also mein Handarbeitsbeitrag? Ich habe angefangen Lücken zwischen den Bandaufnähern mit handgestickten Motivpatches zu füllen. Also so Stellen wo im Leben kein zweiter Patch mehr hingeht, wo man aber irgendwas thematisch und formmäßig passendes einsetzen kann. Auf die schmale Stelle neben Amon Amarth zB ein Schwert.

Diese beiden habe ich bisher gestickt. Das Schwert hat etwa zwei Stunden gebraucht, das Wappen länger. Es soll das Banner der Starks aus George Martins unvermeidlichem Song Of Ice And Fire darstellen. So wie ich es mir anhand der Bücher zusammenreime, die HBO-Serie habe ich (noch) nicht gesehen. Den Direwolf hätte Sansa sicher viel besser hinbekommen und die Mauerkrone, die eigentlich Winterfell andeuten sollte, lässt das ganze jetzt ein wenig nach dem Berliner Stadtwappen aussehen. Ich mag es trotzdem und ob irgendwer anders es erkennt ist letztlich auch irrelevant. Themenverwandte aber nicht musikalische Referenzen finde ich auf der Kutte ziemlich legitim. Ist ja auch nicht so, als würden Guardian nicht singen: “Walls they fall when the march of the Others begins…”

In der Innentasche habe ich noch eine Liste mit Bands von denen ich gerne noch Aufnäher hätte. Gamma Ray zum Beispiel. Supertoll wäre ein großer Kreator-Schriftzug den ich in den Nacken über den Backpatch setzen könnte. Solche habe ich schon auf andererleute Kutten gesehen, es muss sie also geben.

Ich hatte auf dem letzten Festival Ophelia gebeten ein Foto von Natrons und meiner Rückansicht zu machen weil ich es ganz interessant finde wie unterschiedlich unsere Kutten geworden sind. Im Gegensatz zu Natrons eher klassischer Kutte mit bunten Aufnähern auf Denim und Reds schwarzer Version mit schwarzweißen Aufnähern und farbigen Festivalbändchen wirkt meine Kutte durch ihr Farbschema ein bisschen mehr riot-mäßig. Was die Bands angeht sind die Überschneidungen zwischen Natron und mir deutlich größer, aber immerhin haben Red und ich den gleichen Dimmu Borgir-Aufnäher.

Was das Foto betrifft ist mein Plan der Dokumentation recht fatal an dem Zwischengrätschen der übermotivierten Freunde gescheitert. Mit dem festen Vorsatz mein gestelltes Foto zu entern warfen sie sich und ihren Fastfood-Becher dazwischen und das ist dann das Ergebnis. Vorenthalten mag ich es euch natürlich trotzdem nicht.

Rock ‘n’ Roll Gypsy

19. Juni 2014 (18:39 h) – Tags: , ,

Musik: Metallica - Casper | Stimmung: Internet! Ich habe dich so vermisst! Geh nie wieder weg.

Grade habe ich einen neuen Router angeschlossen und bin nun nach anderthalb Wochen ohne Internet und Festnetz wieder online. Die Downtime hat mich mehr mitgenommen als ich mir eingestehen möchte. Telefonieren konnte ich ja notfalls mit dem Handy, da ist es wenigstens mal aus seinem üblichen Dasein als nachrichtenverschickender MP3-Player rausgekommen. Aber das Internet, das Internet! Was ich plötzlich alles dringend bloggen, shoppen und nachlesen wollte. Zugegeben, ich habe noch nicht sofort rausgesucht wie der Tyrann im ersten Vers von Schillers Bürgschaft heißt, aber mit einem großen Einkaufswagen bin ich schon auf den amazon-Parkplatz geschoben. Und bloggen – tada! – tue ich nun auch unmittelbar.

Es hat sich ein wenig angesammelt über was ich erzählen will. Fangen wir mal mit der direkten Nachbereitung des Outiloudi Festivals an. Meine Festivaltasche übrigens, Danke der Nachfrage, hat hervorragende Dienste geleistet. Das Prinzip einer Extratasche für die Kamera ist voll aufgegangen, der Kameraretter ließ sich leicht und weit genug herausziehen um beim Fotografieren nicht zu stören, die griffbereiten Ohrstöpsel haben das Leben erfreulich einfacher gemacht. Nix verloren, nix zu beanstanden. Okay, man könnte die Kamerahülle noch in ihrer Tasche befestigen, so dass man wirklich nur die Kamera rausziehen kann, aber das ist marginal. Die Becher in Geiselwind waren größer als die in Wacken, damit hatte ich nicht gerechnet, aber den Becherhalter hatte ich zum Glück verstellbar gearbeitet. Meine Freunde schätzten die Abstellmöglichkeit für leeres Plastikgeschirr jedenfalls sehr. Beim Springen fallen die Becher aber raus. Das war klar. Ansonsten wüßte ich wirklich nicht, was ich an der Tasche noch ändern wollte. Sie taugt und hat in diesem Jahr noch etliche Dates mit dem großen Getümmel vor den Bühnen Berlins und Europas zu absolvieren.

Die Schwester der Tasche, la Kutte, hatte in Bayern ebenso ihren Einstand und hat ordentlich neue Aufnäher abgegriffen. Dazu aber mehr beim nächsten Mal, das möchte ich lieber ausführlich und nicht so runtergehuscht erzählen.

Neben dem Aufstöbern von Patches gilt es auf Festivals traditionell ja auch immer Bandshirts zu durchforsten. So auch beim Out & Loud. Ich hatte mir vorgenommen nicht *noch mehr* Shirts von der Lieblingsband zu kaufen und bin auch standhaft geblieben obwohl ich zwischenzeitlich ein sehr schönes Motiv gefunden hatte. Davon abgesehen kaufe ich Bandshirts eher leichten Herzens. Ich besitze zwar schon jede Menge, aber ich denke dann immer, dass sie ja auch irgendwann eine tolle Metalschmusedecke werden könnten und dafür kann man fast nicht genug Auswahl haben.

Das Shirt was ich schließlich mitgenommen habe weil es mich zwischen allen anderen direkt anstrahlte, sorgte bei meinen Freunden für Reaktionen wie: „Oh Gott, Batik!“ und „Sieht aus wie mit einem weißen Shirt auf ein Gwar-Konzert gegangen.“

Ich habe zugegeben eine nicht ganz kleine Schwäche für Batik und hier rechtfertigt das Motiv ja wohl jede Farborgie. Dieses tolle, fast jugendstilartige Artwork wird Led Zeppelin vollkommen gerecht und verlangt seinerseits nach einem angemessenen Hintergrund der wiederum nie und nimmer schwarz sein kann. Nichts gegen fünfzig verschiedene schwarze Bandshirts mit Totenköpfen, Gräbern und martialischem Gerät, dennoch finde ich es erstaunlich erfrischend auch mal was Buntes zu tragen. Und Led Zep sind eine von diesen ganz alten Bands die ich, obwohl zu spät geboren, inzwischen unheimlich schätze. Mit zwanzig hätte ich die als zu lahm weggelegt, aber mit dem Alter kapiert man ja auch einiges. Zum Beispiel, dass maximale Geschwindigkeit und ultimativer Krach nicht die einzige Erlösung sind.

Es gab dann auch einen Händler der seinen Stand mit diesen tollen Batik-Dekotüchern ausstaffiert hatte. So eins möchte ich schon ganz lange haben. Und, oh guck mal, sogar mit Drachenmotiv! Drache ist wenigstens ein bisschen Blind Guardian, oder? Ehrlich gesagt ist es mir egal ob das metal ist oder nicht. Wenn ich mein Leben oder mein Festivalcamp mit bunten Lampions und Batiktüchern zuhängen will dann werden meine Freunde zwar zwei bis dreißig doofe Sprüche machen, aber das wars auch. Und ich bin glücklich.

Den Drachen habe ich auf weiß gekauft weil ich ihn selber batiken will. Mit Farbverlauf. Das bunte Tuch werde ich dann erstmal ins Wohnzimmer hängen. Da sind die Wände zwar eigentlich schon durchgeplant, aber bis ich das alles umgesetzt habe darf auch gerne ein regenbögiger Lindwurm dort wohnen. Schwert läge ja immerhin griffbereit, sollte es dem Biest einfallen eine Jungfrau zu bedrohen.

Eine andere Sache, ebenfalls schon etwas länger glühend auf meiner Wunschliste, habe ich mir neulich, bevor ich gezwungen wurde meine Zeit kommunikationslos vor dem Fernseher totzuschlagen, bei Etsy gegönnt. Tribalesken Piercingschmuck. Messingtunnel mit Lotusblütenschnörkeln für die Ohren und einen passenden Ring fürs Septum.

Und ich bin total begeistert. Sowohl von der schnellen, unkomplizierten Abwicklung mit der britischen Händlerin, als auch von dem Schmuck selber. Diese Tunnel sind noch viel schöner als ich erwartet hatte und funktionieren in Messing erstaunlich gut mit meinem restlichen silberfarbenen Schmuck. Normalerweise mag ich die Kombination von verschiedenfarbigen Metallen nicht, aber hier hat es so einen patchworkartigen Sammelsuriumscharakter, dass ich mit meditativer Gelassenheit Mondstein und Silber mit Edelstahl, Glitzer und Messing gemischt habe. Ich schließe die Anschaffung von weiterem goldfarbenen Ohrschmuck trotzdem mal nicht kategorisch aus.

Um den Septumring habe ich länger rumgehampelt als um die Tunnel. Ist der nicht zu groß? Was, wenn sich der Stichkanal aufgrund der geringeren Materialstärke zusammenzieht und ich anschließend den 1,6 mm dicken Hufeisenring nicht mehr reinkriege den ich auf Arbeit immer trage und hochklappe? Auf erneutes Aufdehnen könnte ich gerne verzichten. Und steht mir das überhaupt?

Weil mir der Look aber an anderen Leuten total gut gefallen hat musste ich es wenigstens probieren. Und siehe da, alles ganz unkompliziert. Der Ring lässt sich ziemlich einfach auf und zubiegen, nach zwei Tagen Tragen konnte ich noch problemlos von 1 mm auf 1,6 mm wechseln und das Gesamtbild gefällt mir unheimlich gut. Der Ring ist auf keinen Fall zu groß, tatsächlich habe ich schon drüber nachgedacht mir noch einen zweiten zu kaufen, etwas größer und elaborierter. Jetzt bin ich angefixt.

Etsy ist damit neuer Bestandteil meines festen Shoppingreviers geworden und wenn ich mir angucke was noch so unterwegs zu mir ist, dann werden wir auch noch einiges an Hippiekram sehen in diesem Sommer. Warum auch nicht.