The greatly loathed celery

17. Januar 2016 (21:09 h) – Tags:

Musik: Blind Guardian - Prophecies 

Es freut mich total, dass meine Hipster-Ernährungsvorschläge bei euch so gut angekommen sind. Ehrlich, damit hätte ich nicht gerechnet. Im echten Leben sind Freunde und/oder Kollegen oft nicht ganz so angetan („Trinkst du immernoch keinen Alkohol?!“ / „Und was isst du als Vegetarier? Nur Salat?“) womit ich allerdings die meiste Zeit sehr gut leben kann.

Ich hab heute nochmal zwei Rezepte für euch und entschuldige mich gleich vorweg, dass das zweite so elitär ist und einen Entsafter erfordert! Ich weiß, dass der keine Standardausstattung in der Küche ist. Deshalb gucken wir auch zuerst auf das Hipster-Müsli, mein Alltags-Frühstück. Das esse ich jeden Tag, außer wenn ich gleich früh Laufen gehe, dann gibts vorher nur eine Kleinigkeit und das Frühstück nach dem Heimkommen. Enthält nämlich echt viel Protein, ist also auch gut um Muskelaufbau zu unterstützen. Wer das nicht zu seinen Prioritäten zählt profitiert trotzdem von eiweißreichen Mahlzeiten die lange satt machen, und grade als Vegetarier muss man manchmal drauf achten genug Eiweiß zu bekommen.

Das Rezept basiert nicht auf einer Quelle die ich für euch anlinken könnte, deshalb versuche ich es mal selber so sinnvoll wie möglich aufzuschreiben. Alle Mengenangaben fungieren dabei bloß als grobe Orientierung. Im Prinzip funktioniert dieses Müsli auf einer Basis aus Milchprodukten die dann mit frischem Obst (Vitamine!), Nüssen/Samen und Cerealienflocken ergänzt wird. Dabei kann man die einzelnen Ergänzungen auch weglassen (nur Nüsse und Obst, keine Flocken) und natürlich austauschen wie man Lust hat.

Basis:
etwa 3 EL Magerquark mit ähnlich viel Milch glattrühren, so dass das ganze wieder flüssig ist

Obst:
hier kann man verwenden was man liebt bzw was grade Saison hat. Beeren, Nektarinen, Mango, Melone, Äpfel, Bananen, Pflaumen, sogar Ananas! Ich nehme gerne eine Handvoll Blaubeeren, schneide jede davon einmal durch damit sie ihr Aroma auch an den Quark abgeben und kombiniere dazu eine halbe kleingeschnittene Banane. Im allergrößten Notfall (keiner hat eingekauft) habe ich auch schon tiefgekühlte Beeren in der Mikrowelle aufgetaut und verwendet.

Nüsse/Samen:
standardmäßig gebe ich vier bis fünf kleingeschnittene Mandeln dazu (weil Eiweiß!), eine Handvoll Hanfsamen, 2 TL Chiasamen, Walnüsse, Cashews oder Haselnüsse sind aber definitv auch gute Alternativen!

Trockenfrüchte (optional):
Ich liiiebe Gojibeeren, deshalb kommen sie oft in dieses Müsli rein. Gerne auch 1 EL Aroniabeeren oder kleingeschnittene Datteln. Trockenobst gibt eine zusätzliche Süße und ein interessantes Essgefühl weil es ja ein bisschen zäh zu kauen ist.

Flocken:
Ich gebe am Ende 1-2 Handvoll Haferflocken drüber und rühre alles zusammen. Wenn es zu trocken ist kann man noch mehr Milch dazugeben, mehr Flocken wenn die ganze Sache noch zu flüssig erscheint (wobei Haferflocken und auch Chiasamen ja noch aufquellen und Flüssigkeit aufnehmen). Ich verwende die kernigen Haferflocken, zarte gehen aber genauso, ebenfalls sind Quinoaflocken eine gute Alternative (müssen aber etwas einweichen).

Wer mag kann das Müsli noch mit Honig, Stevia, Sirup oder Zucker süßen. Ich finde, dass es durch das frische Obst eigentlich süß genug ist, aber das ist echt Geschmackssache. Auf jeden Fall bietet das Hipsterfrühstück eine gute Menge an Nährstoffen aus verschiedenen Lebensmittelbereichen und ist deshalb kein schlechter Start in den Tag.

 

Und jetzt wo wir gefrühstückt haben gibts Shots. Saftshots. Manche Gemüsesäfte sind geschmacklich so intensiv, dass man gar kein ganzes Glas davon trinken könnte, die eignen sich dann prima um sie in ein Schnapsglas zu füllen und runterzustürzen.

Dieses Rezept (Lexie’s Wellness Juice Shots) hatte ich auf Pinterest gefunden und war anfangs seeehr skeptisch. Stangensellerie und ich, wir sind keine Freunde. Der Sellerie ist mir in neun von zehn Fällen viel zu dominant im Geschmack und wenn er in einem Rezept gefordert wird lasse ich ihn meist weg oder reduziere die Menge dramatisch. Es ist mir noch nicht gelungen seinen typischen Selleriegeschmack mit etwas Süßen auszubalancieren, denn er killt die Süße gnadenlos. Offenbar muss man den Süßtöter anders kombinieren. In diesem Fall passiert das mit Säure und Schärfe und funktioniert astrein!

Weil ich also von irgendeinem anderen Kochexperiement Stangensellerie im Kühlschrank hatte, habe ich mich nur an diese Shots gewagt. Überhaupt nicht schwer, wenn man einen Entsafter hat. Dann jagt man drei Stangen Sellerie, einen Granny Smith Apfel, ein gutes Stück Ingwer und eine Limette durch das Gerät. Der Saft hat eine tolle grüne Farbe und schmeckt gekühlt sowie mit etwas Cayennepfeffer bestreut absolut phänomenal! Es ergibt sich nicht so eine große Menge, dass man das nicht in zwei Tagen wegtrinken könnte, und so lange bewahre ich den Saft im Kühlschrank auf. Shots nach dem Essen, vor dem Frühstück, zwischendurch und jederzeit. Santé!

Your pace or mine?

16. Januar 2016 (13:50 h) – Tags:

Musik: Satyricon - Nekrohaven 

Ich bin immer noch krank geschrieben, weil ich diese Erkältung zuerst unterschätzt und dann verschleppt habe. War zu früh wieder auf den Beinen und mitten hinein in den Trubel, auch wieder Laufen gewesen. Das hat mir so gefehlt weil es bisher im Januar immer entweder eisige Minusgrade hatte oder ich krank war. Nun ist mir meine Ungeduld sauber auf die Füße gefallen. Also bleibe ich jetzt mit dem Arsch schön auf dem Sofa und warte, bis es mir *wirklich* wieder gut geht, ich habs ja verstanden.

Um meine kribbelnde Ruhelosigkeit was meinen Sport angeht wenigstens ein bisschen zu beruhigen habe ich mich an die Nähmaschine gesetzt und Gadgets genäht die das Laufen (im Winter) noch ein bisschen angenehmer machen sollen.

Das erste soll eine Alternative zur Pudelmütze sein. Denn es werden ja vor allem die Ohren kalt, auf dem restlichen Kopf ist es mir beim Laufen mit Mütze dann manchmal schon wieder zu warm. Also ist ein Stirnband eine gute Alternative. Das hier besteht aus einer Lage Fleece und einer Lage Jersey, miteinander verstürzt und so geformt, dass das Stirnband über den Ohren breiter und im Nacken sowie vorne mittig schmaler ist. Das war wirklich keine Atomphysik.

Ich habe neben dem ganz simplen schwarzen Fleece auch noch Reste von sogenanntem „Zottelfleece“. Man braucht für den Ohrenwärmer ja echt nicht viel Material, also werde sicher auch noch eine Version aus zwei Lagen Fleece nähen. Für wenn es dann wieder so richtig kalt wird.

Das zweite Teil ist Nettis Antwort auf die Frage: „Wohin mit meinem Kram wenn ich laufe?“ Wo bringe ich Telefon, Schlüssel und eventuell noch meine Fahrkarte (wenn ich zB auf der Tempelhofer Freiheit laufen will muss ich da drei Stationen mit der S-Bahn hinfahren) unter? Ich weiß: Jacken und Lauftights haben manchmal Taschen, es gibt Oberarm-Befestigungen fürs Smartphone und Täschchen fürs Handgelenk. Besitze ich alles. Aber manchmal brauche ich trotzdem noch andere Unterbringungsmöglichkeiten. Und da tritt er ins Rampenlicht, der Laufgürtel. Netti hat sich so einen genäht und ich habe ihn einfach nachgemacht.

Das Ding ist quasi ein Schlauch mit eingearbeitetem Zipper (in pink, weil hier dringend mal wer den Bestand an schwarzen Reißverschlüssen auffüllen muss). Alles was man da reintut kann sich in dem Schlauch bewegen bzw kann man es hin und herschieben. Telefon nach hinten mittig, Schlüssel an die Seite.

Es braucht ein wenig Probiererei bis man die richtige Länge für den Hüftgurt gefunden hat. Zu lang rutscht er über den Hintern (gaanz blöd!), zu kurz fluppt er dauernd nach oben um die Taille. Ein bisschen rutscht er immer beim Laufen, das ist klar. Aber wenn ich das Teil auf acht Kilometern zwei mal kurz nach unten ziehen muss, dann kann ich damit leben. Falls ihr mehr zur Herstellung des Laufgürtels wissen wollt: Hier hat jemand etwas ganz ähnliches genäht und erklärt wies geht.

Kulinarische Bekenntnisse eines Hipstergirls

10. Januar 2016 (17:15 h) – Tags:

Musik: Blind Guardian - Into The Storm 

Ich werde hier nichtmal versuchen zu lügen oder diese Sache schönzureden: Was meine Ernährung angeht bin ich ein echt ätzender Berliner Hipster.

Ich bin Vegetarier (und zwar schon seit zehn Jahren, ne?! *provokanter Blick durch die Hornbrille*) und sehr oft erwische ich mich dabei „aus Versehen“ vegan gekocht zu haben. In meinem Kühlschrank stehen neben verschreibungspflichtigen Medikamenten und sehr viel Kosmetik tütenweise Hafermilch, Reismilch, Kokoswasser, Kokos-Reis-Milch und so weiter.

Ich trinke seit März 2015 keinen Alkohol mehr, seit 2001 rauche ich nicht mehr, über Drogen brauchen wir eigentlich nichtmal zu reden, mehr als mal an einem Joint gezogen ist da nicht passiert. Ich denke, ich kann mich als straight edge bezeichnen. Das heißt nicht, dass ich auf alle aufputschenden Lebensmittel verzichte, das ist meines Erachtens nach auch nicht die Definition von straight edge. Tatsächlich trinke ich regelmäßig Grünen und Schwarzen Tee. Von Kaffee bin ich in letzter Zeit etwas abgekommen, den gibts fast nur noch auf Arbeit in Form von Latte Macchiato.

Ich bin die, die extra zum weiter entfernten Supermarkt läuft weil der ein besseres Sortiment an Bio-Lebensmitteln hat. Wenn ich die Wahl habe dann landet in den allermeisten Fällen die Bioversion von irgendwas im Einkaufswagen. Wenn ich bei Bio Company durch den Laden krame gebe ich teilweise erschreckend viel Geld aus. Meine Kosmetik und Pflege ist entsprechend Naturkosmetik und auch nicht ganz billig. Ich weiß, dass das Luxus ist und viele sich so einen Lebensstandard einfach nicht leisten *können*. Ich verdiene aber genug Geld, und deshalb fühle ich mich irgendwie auch verpflichtet nachhaltiger zu konsumieren als es jemand auf Mindestlohn oder der Teenager im ersten Ausbildungsjahr kann.

Es gab eine Phase in meinem Leben (ehrlich gesagt gab es davon mehrere) in der mich Ernährung Null begeistert hat. Ich interessierte mich nicht für Geschmack, Essen sollte keine Arbeit sondern mich satt machen. Entsprechend gab es jede Menge Convenience-Food, alles war viel zu „verarbeitet“ und ich habe auch etliche Kilo mehr gewogen als jetzt. Als Gegenpol gab es auch den Rand einer Essstörung an dem ich mich 2006 befand. Ich frühstückte immer erst im Büro und aß abends vielleicht noch einen Apfel nachdem ich jeden Feierabend im Fitnessstudio verbracht hatte. Ich war gleichzeitig euphorisiert und total sterbensunglücklich mit mir selber. Das möchte ich nie wieder erleben.

Im Sommer 2014, nach einer „Keinen Bock auf Ernährung, gebt mir Fast Food!“-Phase, hatte ich ein Schlüsselerlebnis. Die Firma für die ich arbeite veranstaltete ein Sommerfest. Ich wollte mich ein wenig schicki anziehen und zog eine schwarze Jeans aus dem Schrank die ich sonst offenbar nicht so häufig trug. Jedenfalls passte sie nicht. Ging nicht zu. Was war das! Ich hatte diese Hose doch früher mal problemlos tragen können! Nachdem ich das Sommerfest in anderer Garderobe verbracht hatte, fing ich an meinen Ernährungsstil zu ändern. Kaufte Kochbücher und einen Mixer, machte Grüne Smoothies und stellte fest, dass es gar nicht so ätzend ist sich um sein Essen selber zu kümmern. Klar nahm ich auch ab, vor allem aber änderte sich meine Einstellung zum Thema Ernährung. Es fing an mich zu interessieren. Es machte SPASS sich damit auseinanderzusetzen. Ich wurde neugierig und habe seither immer neue Sachen probiert, immer mehr Rezepte aus dem Netz ausgedruckt, noch einen Entsafter gekauft, mir eine bessere Pfanne schenken lassen, Glas- statt Plastikflaschen für meine Säfte angeschafft. Und da stehe ich jetzt. Hipstergirl mit Gojibeeren im Müsli, Kurkumaflecken auf dem Küchentisch und wäre es nicht toll selber Sprossen ziehen zu können?!

Warum erzähle ich das alles? Zum einen, damit ihr seht warum ich nicht mehr so viel blogge. Das alles verbraucht Zeit. Zeit, in der ich früher vielleicht was genäht hätte, was dann im Blog erschienen wäre. Und zum anderen weil ich jetzt, da ich ausnahmsweise doch mal über Nahrung blogge, wenigstens ein paar Rezepte mit euch teilen will. Das heißt mit denen, die noch nicht genervt weggeklickt haben (was okay ist! Ihr könnt meinen Lifestyle doof finden, einige meiner Freunde tun das auch!).

Fangen wir mal mit etwas an, das mir zu einem absoluten Grundnahrungsmittel geworden ist und das ich wirklich jeden Morgen trinke: Matcha Magic Tee

Das Rezept habe ich hier bei „My Life Cookbook“ gefunden, dort gibt es auch eine praktische Druckfunktion.

Der Grüntee darin macht wach, Kurkuma und Apfelessig sind verdammt gut für euch und durch den Honig schmeckt das ganze auch noch lecker. Und ist nicht schwer zu machen. Einen halben Teelöffel Matcha (Grünteepulver, grade total hip, gibt es entsprechend sogar bei Rossmann und dm), einen halben Teelöffel Kurkumapulver und einen Teelöffel Apfelessig in eine Tasse geben und schonmal zu einer Paste verrühren. Dadurch lösen sich die Pulver besser auf, grade Matcha klumpt sonst ganz schön (Für den Tee auf dem Foto habe ich ein nicht ganz fein gemahlenes Kurkuma verwendet, deshalb sind da noch Krümel zu sehen). Mit nicht mehr kochendem Wasser aufgießen. Ideal wären 70-80°C, aber ich habe auch (noch) kein Thermometer für den Wasserkocher. Dann je nach Geschmack etwa einen Teelöffel Honig (Hipster kaufen von regionalen Imkern, vielleicht habt ihr ja auch einen Kollegen der mit Honig dealt) einrühren und fertig.

Beim Trinken muss man den Tee immer wieder umrühren, denn die Pulver lösen sich nicht komplett auf und sammeln sich sonst am Boden. Es gibt daher auch ein etwas anderes Trinkgefühl. Netti mag zB keine Texturen in Getränken (Saft mit Fruchtfleisch, ihh!) und war auch beim Matcha Magic etwas zögerlich.

Als zweites gibt es noch was Süßes. Schokolade ist absolut lebenswichtig und in der dunklen Version mit höherem Kakaoanteil auch gar nicht mal so ungesund. Begleitet von allen möglichen Hipster-Superfoods kann man diesen Schokotalern eigentlich gar nichts mehr vorwerfen.

Inspiriert wurde ich durch das Rezept von „the view from great island“, aber ich würde mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen diesen Süßigkeiten das Buzzword „detox“ anzuheften. Lecker und in Maßen gesund sind sie aber auf jeden Fall.

Ich habe also dunkle Schokolade (je höher der Kakaoanteil, desto besser) geschmolzen. Beim ersten Versuch 100 Gramm, das reicht zum Ausprobieren, für ein Partymitbringsel bräuchte man deutlich mehr. Anders als im Originalrezept schmelze ich die Schokolade im Wasserbad. Dann habe ich die Rückseite von einem Backblech mit Alufolie bezogen, so kann man die Schokotaler transportieren (zum Beispiel irgendwohin wo keine Haustiere drankommen) auch wenn sie noch nicht getrocknet sind. Auf die Alufolie setzt man Kleckse von geschmolzener Schokolade. Bei mir etwa 3 bis 5 cm im Durchmesser, größer wäre sicher auch kein Problem. Die Schokolade braucht relativ lange bis sie wieder fest ist, also kann man schonmal ein halbes Dutzend Kleckse machen und sie dann alle mit Streuselkram berieseln.

Hier kann jede Sorte getrockneter Früchte, Nüsse und Samen zum Einsatz kommen. Bei mir waren Aroniabeeren, Sauerkirschen, Gojibeeren und kleingeschnittene Datteln dabei, außerdem Hanfsamen, gehackte Mandeln, Walnüsse, Chiasamen, Cashews und Kürbiskerne (Chiasamen gibt es inzwischen auch im Supermarkt, die exotischeren Zutaten kaufe ich aber im Bioladen oder Reformhaus). Ich habe darauf geachtet, dass auf jedem Schokotaler sowohl getrocknete Früchte als auch Samen/Nüsse drauf sind, aber ganz ehrlich, man kann echt machen was man will. Das ist das tolle an diesem Rezept. Außerdem ist es ziemlich einfach, man schmilzt die Schokolade, streut Kram drauf und lässt alles über Nacht fest werden. Dann kann man die Schokotaler einfach von der Alufolie abziehen und genießen. Je nach Garnitur ergeben sich tolle Kombinationen von weichen und knusprigen, süßen, herben und nussigen Erlebnissen.

Ich habe hier eine Liste auf der noch lauter andere Rezepte draufstehen die ich ausprobiert und geliebt habe. Ich würde euch auch die nach und nach vorstellen, aber ich will erstmal gucken, ob das Neuland was ich hier bloginhaltlich betreten habe stabiler Boden ist. Habt ihr Interesse ab und zu mal in meine Küche zu gucken und ein paar Rezeptideen abzugreifen? Oder ist das hier elitärer Hipsterscheiß? Ihr könnt eure Meinung gerne in den Kommentaren kund tun, es würde mir bei der Entscheidung sicher helfen.

Confetti on the floor

8. Januar 2016 (16:00 h)

Musik: Bester Song des Jahres: Iron Maiden - Empire Of The Clouds 

Ich tue mich etwas schwer das vergangene Jahr 2015 zu bewerten. In der zweiten Jahreshälfte ist es katastrophal abgestürzt und deshalb ist mein Blick zurück nicht ganz ungetrübt. Also gucken wir vorrangig auf die harten Fakten.

Ich habe Handarbeit betrieben im vergangenen Jahr, aber wirklich sehr wenig. Ein paar Geschenke, ein paar Sachen die ich tatsächlich brauchte, aber keine Prestigeprojekte. Nichts was nicht relativ schnell zusammengekommen ist (Sockenstricken ausgenommen…). Und viel Jersey, aber das ist ja nun wirklich nichts neues.

Meine Energie ist in andere Bereiche geflossen. Zum einen in den Sport, fürs Laufen habe ich immerhin auch zwei Tops genäht. Der therapeutische Effekt von gerannten Kilometern im Vergleich zu vernähten Stoffmetern ist vielleicht noch größer, und deshalb bin ich mehr draußen unterwegs gewesen als an der Nähmaschine.

Der zweite Konkurrent zur Handarbeit ist kein Neueinsteiger, sondern die nimmer endende Umgestaltung und Verschönerung meiner Wohnung. Da habe ich gefühlt die gleiche Energie reingesteckt wie 2014 schon. Stillleben arrangiert, Dinge an die Wände gehängt, Praktisches und Dekoratives und Bedeutsames gebaut. Ein paar Trödelfunde sind auch neu dazugekommen. Und dann gibt es noch das Projekt „John Walker“: Die jugendstilesk bemalten Balkontüren. Auf deren Enthüllung wartet ihr schon, ich weiß.

In Konzerten und Festivals gerechnet war es kein besonders geschäftiges Jahr. Ich hab allerdings zwei ganz tolle Urlaube verbracht (ich rechne das Metalcamp inzwischen eher als Urlaub ein, weil mir vor allem die sportlichen Aktivitäten außerhalb des eigentlichen Musikfestivals den Unterschied gemacht haben), war wandern, besichtigen, klettern, schwimmen und springen. Für Satyricon und das Elbriot bin ich nach Hamburg gefahren, für die Festung Königstein nach Sachsen, zu Ostern nach Chorin und im Sommer die immer gleichen tausend Kilometer nach Slowenien.

Gegen Ende des Jahres ist meine Musikbegeisterung irgendwie eingeschlafen und ich weiß nicht ganz warum. Wenn ich mein Album des Jahres bestimmen sollte würde ich auf die sichere Bank setzen und Blind Guardians „Beyond The Red Mirror“ wählen, einfach weil ich überhaupt nicht genug anderes Zeug gehört habe bzw mich für irgendwas begeistern konnte. Neuerscheinungen von Slayer, Trivium und Disturbed rangierten zwischen „Okay, das hatte ich erwartet“ und „Uhh, was soll das denn?“ Eine Ausnahme ist allerdings der Song „Empire Of The Clouds“ der auf dem aktuellen Maiden-Album drauf ist. In meinen Augen eine epische Meisterleistung, einem „Ancient Mariner“ absolut ebenbürtig. Hört ihn euch an, der ist ganz, ganz groß!

Zum Schluss noch ein Blick auf die bescheidene Kategorie „bodymod“. Im Januar habe ich mir ein Nostril stechen lassen, das zickt mitunter rum, ist aber immernoch drin. Im Sommer kamen die Anfänge des „Lebenslied“-Tattoos dazu. Seitdem sind immer entweder mein Tätowierer oder ich krank gewesen und wir haben schon viel zu viele Termine wieder absagen müssen. Vielleicht gehts im Februar endlich mal weiter. Erschreckend unproblematisch dagegen der Dermal Anchor den ich mir im Oktober habe übers Bauchnabelpiercing setzen lassen. Ich hatte erwartet, dass der lange zum Abheilen braucht, sich wie damals das Bauchnabelpiercing erstmal entzündet, aber nix. Eingesetzt, nach ein paar Tagen waren Bluterguss und Rötung weg, seitdem ist er einfach da und glitzert.

Für 2016 habe ich Pläne und auch schon fleißig begonnen sie umzusetzen. Bereits in der ersten Januarwoche habe ich mich für den Potsdamer Halbmarathon im Sommer angemeldet und meinen Job zumindest vorübergehend auf eine Teilzeitstelle reduziert. Ich will nicht leugnen, dass das alles Maßnahmen sind die mir helfen sollen mein derzeitiges mentales Tief in den Griff zu kriegen. Und dann werden wir sehen was 2016 so in der Schublade hat.

Day One

1. Januar 2016 (16:12 h)

Musik: Avantasia - Dying For An Angel 

Heute vor einem Jahr. Ich hatte mit Freunden Silvester gefeiert, damals habe ich auch noch Alkohol getrunken, und entsprechend saß ich ein wenig verkatert in der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Gegenüber am Fenster fielen mir zwei Mädchen auf, die Startnummern für einen Neujahrslauf an ihren dünnen Sportklamotten befestigt hatten. Ich fragte mich, was das für Menschen sind, die anstatt das alte Jahr hemmungslos in die Kiste zu feiern beizeiten ins Bett gehen um dann als allererstes im nächsten Jahr Sport zu machen. Erschloss sich mir nicht und ich glaubte ja auch, mir mit meinem rocknrolligen Lifestyle zu gefallen. Feiern, lässig sein. Abgenommen hatte ich ja auch ohne Bewegung, nicht wahr? Sport habe ich seit der Schule gehasst. Laufen mehr als alles andere.

Das sollte sich bald ändern. Eine Woche später hatte Netti (-> Natron, noch voll ungewohnt) mir den Floh ins Ohr gesetzt und ich druckte mir einen Vier-Wochen-Plan für Laufeinsteiger aus dem Netz aus. Der Einstieg klappte glücklicherweise und sehr bald merkte ich, dass Laufen noch so viel mehr als Konditionstraining ist. Seitdem bin ich viele, viele Kilometer durch den Treptower Park, Plänterwald und entlang des Neuköllner Schifffahrtskanals gerannt. Bei Regen, bei Schnee, mit Gegenwind, mit Vogelzwitschern, wenn ich eigentlich keine Lust hatte und wenn ich extra Schichten getauscht hatte um noch genug Tageslicht zum Laufen zu haben. Als der Sommer sehr heiß wurde habe ich zwischenzeitlich die Laufschuhe gegen mein Fahrrad getauscht und bin jeden Tag 26 Kilometer zur Arbeit und zurück geradelt. Das war super, und genug Training, sagten meine Freunde. Aber ich merkte zum ersten Mal, dass mir das Laufen da plötzlich fehlte. Weil es nämlich Spaß machte! Weil es etwas war, auf dass ich mich freute und das mir, egal wie beschissen es mir eigentlich ging, immer die Laune besserte. Inzwischen ist Laufen ein Teil meines Alltags geworden.

Ich habe gestern Abend gearbeitet, konnte also ohnehin nicht großartig feiern. Heute habe ich frei. Die Gelegenheit klopfte also förmlich an. Und weil ich heute sowieso Laufen gegangen wäre, ergriff ich die Möglichkeit mal nicht im Park, sondern Unter den Linden zu rennen. Beim 45. Berliner Neujahrslauf. Nagut, ein bisschen bin ich auch eine sentimentale Ziege die auf Gesten und Symbole steht und sich ein Zeichen nach einem Jahr Laufen setzen wollte.

Ich will nicht leugnen, wie nervös ich vorher war. Der Lauf geht nur über vier Kilometer, das ist eine Distanz die ich locker jeden zweiten Tag laufe. Es gibt keine Startnummern und keine Zeiten, der Fokus liegt auf entspanntem, gemeinsamen Start ins Jahr. Aber trotzdem. Wie sind die anderen Läufer drauf, bin ich im Vergleich total langsam, was wenn ich es irgendwie nicht schaffe??? Aber Grenzen, grade die eigenen, muss man überwinden. Also fand ich mich auf einmal in der S-Bahn wieder, Laufschuhe an, während die anderen Fahrgäste teilweise noch Konfetti in den Haaren hatten. Strange.

Am Brandenburger Tor sammelten sich etwa viertausend Läufer. Gut gelaunt wurde so viel Lärm gemacht, dass sich die Bewohner des Adlon neugierig in Unterhosen auf ihre Balkone wagten. Und dann gings los. Das Tempo wurde absichtlich gebremst um das Feld beisammen zu halten und die Sache auch wirklich nicht zu ambitioniert werden zu lassen. Das war sehr angenehm und einfach mit dem Flow zu laufen fiel mir überhaupt nicht schwer. Total cool da zwischen Bebelplatz, Zeughaus und Altem Museum langzulaufen, bis zur Baustelle vom Stadtschloss, dann um den Dom und wieder zurück zum Pariser Platz. Unter den Läufern waren Kinder, Touristen, Verkleidete und Eltern die ihren Babybuggy vor sich herschubsten. Schaulustige und Streckenposten jubelten und wünschten ein gutes neues Jahr.

Wieder am Brandenburger Tor gab es eine Urkunde zur Erinnerung, was zu trinken und noch ein Selfie mit dem Wahrzeichen, dann machte ich mich schnell auf den Heimweg weil es ja eigentlich kalt war und ich durchgeschwitzt. Alles in allem bin ich unheimlich froh, den Lauf gemacht zu haben. Ich bin so stolz auf mich und dankbar, dass ich zwischenzeitlich zu Tränchen gerührt war. Es gibt noch mehr Pläne für 2016, aber ich bin mir sicher, das neue Jahr schonmal auf die bestmögliche Art begonnen zu haben.

Menage frei!

28. Dezember 2015 (17:23 h) – Tags:

Musik: Type O Negative - World Coming Down 

Weihnachten ist prinzipiell nicht meine liebste Jahreszeit. Turbokonsum, überzogene Erwartungen, Plastikmüll und der dezente mediale Druck jetzt gefälligst mal die schönste Zeit des Jahres zu verleben. Ganz ehrlich: Die Kombination von diesem Scheiß mit meinem ohnehin schon lädierten Seelenheil, dem fehlenden Tageslicht, Sorgen um Fräulein Siouxsie und einer ungünstigen Zyklusphase hat mich an den Rand einer veritablen Krise gebracht. Ich habe alle Weihnachtstage gearbeitet und statt mir danach entspannte Abende auf dem Sofa zu machen habe ich tiefschwarze Gedanken geschoben und versucht meine Dämonen mit Schokolade ruhig zu stellen.

Aber auch dieser Mist geht mal vorbei und ich bin so froh, dass jetzt erstmal wieder ein Jahr Ruhe ist. Heute habe ich das gemacht was in den letzten Tagen nicht möglich war: Einkaufen und Laufen gehen. Danach habe ich mich aufs Sofa geworfen und nichts getan. Und das fühlt sich schon viel besser an. Die Waage hat immerhin glimpflich auf fünf sportfreie Tage und hundert Weihnachtskekse reagiert und nur ein Pluskilo angezeigt. Alles wird wieder gut.

Und weil dann auch noch Tageslicht zu haben war, sogar Sonne, habe ich gleich mal meine Weihnachtsüberraschung fotografiert. Neben einer elektrischen Gesichtsreinigungsbürste (Clinique Sonic System) und neuen Laufschuhen (Asics GT-2000 3) die ich mir explizit ausgesucht hatte, gab es von der Familie nämlich auch noch ein Geschenk von dem ich gar nichts ahnte.

Diese Menage hat meine Mutter bei einem Trödler aufgetrieben. Sie stammt aus England aus der Zeit um 1900 und besteht aus sechs Gefäßen. Drei oder vier waren gängig, das hier ist schon vulgar display of decadence der gehobenen Schichten. In die Flaschen gehören Essig und Öl, in die Streuer (mit diesen entzückenden Spitzen auf den silbernen Deckeln!) Salz und Pfeffer, dazu gibt es eine Deckeldose mit Löffel für Senf. In einer weiteren, kleinen Flasche (die vielleicht auch aus einem anderen Set stammt, sie ist anders geschliffen als der Rest) könnte Pfeffersauce oder etwas ähnliches gewesen sein. Alle Glasbehälter stehen auf einem silbernen Tablett.

Im Licht glitzert des geschliffene Glas natürlich ganz toll und in den jeweils passenden Glasstopfen scheint eine ganze Kristallwelt drin zu sein.

Der entzückende Senflöffel lässt mit seinem kühnen Schwung noch den Jugendstil erahnen. Laut Trödler hat die Menage mal einem anglophilien Apotheker gehört, was so eine von diesen Hintergrundstories ist die fast das Beste an altem Kram sind.

Ich habe das Schmuckstück vorsichtig abgewaschen, das Silber lieber nicht geputzt weil es so pittoresk angelaufen ist. Jetzt ziert die Menage das Wohnzimmer und thront auf der Kommode wo ich extra Kristalle und Heligenfiguren umdekoriert habe. Auch bei künstlicher Beleuchtung absolut zauberhaft.

Charlatan Saviours

12. Dezember 2015 (18:22 h) – Tags:

Musik: The Sign Of The Southern Cross - Unwelcome In That House | Stimmung: Superlecker Sushi-Salat mit Superfoods gemacht. Njam!

Der letzte Beitrag liegt schon etwas zurück und nachdem ich in den Kommentaren einen lieben Schubser von Laura bekommen hab, wollte ich doch endlich mal wieder von mir hören lassen.

Die Fensterbilder auf den Balkontüren sind fertig ausgemalt, ich kriege sie bei den momentanen Lichtverhältnissen aber nicht so schön fotografiert wie ich gerne hätte. Vielleicht mache ich auch erst noch die zweiten Türen mit Spruch und kleinen Motiven fertig bevor ich das Projekt abschließend vorstelle.

Ich habe auch ein bisschen gestickt und ein neues Paar Handschuhe angefangen zu stricken. Beides liegt zur Zeit unangefasst, weil mir Beschäftigungen bei denen ich viel Zeit zum Denken habe grade nicht so gut bekommen. Anstätten machen ich viel Sport und probiere jede Menge Rezepte für Smoothies, Säfte und leckeren Kram aus. Darüber bloggt es sich nur leider nicht so gut.

Auf Instagram, wo ich neuerdings bin, poste ich allerdings schamlos Impressionen der Laufstrecke und Avocado-Protein-Smoothies. Und Katzenbilder und so Zeug aus dem Leben. Mit Filtern. Ihr seid herzlich eingeladen dem zu folgen @charlottedidntsaveya.

Der Tradition und meiner momentan nicht ganz so glamourösen Grundstimmung entsprechend habe ich meine Weihnachtsdeko auf wenig mehr als Lichterketten zusammengestrichen. Ein glitzernder Hirsch steht im Wohnzimmer auf dem Fensterbrett. Sonst gibt es lilafarbene Sterne, weiße Schneeflocken, rote, grüne, blaue, gelbe Sterne und welche die ihre Farben wechseln. In jedem Fenster was anderes weil mich die Dunkelheit wirklich runterziehen kann.

Mitunter sehen die Lichterketten sogar tagsüber vor ungeputzten Fenstern effektvoll aus.

Einen Weihnachtskaktus habe ich mir auch gekauft und obwohl mir prophezeit wurde, der würde erst im nächsten Jahr blühen weil diese Pflanze gerne ihre Knospen abwirft wenn man sie auch nur ganz wenig bewegt, hat er Einkauf, Heimweg und Positionierung auf dem Fensterbrett tapfer überstanden und blüht wunderbar hellrosa. Auf dem Balkon schräg unten steht ein pinkfarbener Kollege, die motivieren sich vermutlich gegenseitig.

Amaryllis habe ich auch gekauft, weiß und rosa, und als der Stiel vorzeitig einknickte gaben die Blüten noch sehr poetische Deko auf der Kommode ab.

Das ist Siouxsie, die grade versucht einen Verband vom Bein zu lecken. Hat nicht funktioniert. Frauchen hat ihn abgemacht. Wir waren beim Tierarzt und es wurde Blut abgenommen weil die Katze irgendwie unruhig ist und grade nachts furchtbar viel miaut. Ich hatte sie gewogen und abgenommen hat sie auch. Allerdings habe ich kein neueres Vergleichsgewicht weil die Ärztin sie beim Impfen nie gewogen hat, Siouxsie macht da nämlich immer ein Riesenbohei, faucht und spuckt und beißt. Also kann es auch sein, dass sie schon länger nur knapp vier Kilo wiegt. Blutwerte und alles was noch untersucht wurde war jedenfalls in Ordnung. Wir sollen im Januar nochmal vorstellig werden. Ich bin zur Hälfte total erleichtert und zur Hälfte ratlos.

Was aber lustig ist: Diese Transportkiste ist normalerweise der größte Feind meiner Katzen. Wenn ich damit in die Wohnung komme rennen sie sofort und verstecken sich unterm Bett. Wohlwissend habe ich die Box also schon ein paar Tage vor dem Arztbesuch aus dem Keller geholt. Und seitdem, und auch immernoch nachdem wir beim Arzt waren, ist das Ding ein Plätzchen. Toyahs neuer bevorzugter Rückzugsort. Auf Katzen kann man sich auch nicht verlassen.

 

*Mein Instagram-Name ist übrigens ein Verhörer aus „Rage Hard“ von Frankie Goes To Hollywood. Sie singen in Wirklichkeit „charlatan saviours“.

Wie viele Finger hat Yoda?

21. November 2015 (20:09 h) – Tags: , , , ,

Musik: Iced Earth - Dark City 

Neues aus meinem Elfenbeinturm. Zwei Wochen Urlaub sind so gut wie um, aber ich kann nicht klagen. Bin fleißig gewesen und hab viel gemacht. Zum Beispiel das hier:

Weil im Herbst traditionell gestrickt wird und ich mich mit den Socken und fingerlosen Handschuhen schon so gut in Fahrt gebracht hatte gab es gleich noch ein Paar warme Hände. Ich hab mich zuerst in das Garn (schwarz mit meinen geliebten Drachenfarben) verguckt (das Garn ist „Cascara“ von Schoeller + Stahl in Farbe 04), und dann zufällig eine Anleitung für Handschuhe auf dicken Nadeln gefunden (das ist Drops 103-25). Es war zugegeben wirklich seltsam mit 8er (!) Nadeln Handschuhe zu stricken und bei den einzelnen Fingern waren auch kaum noch genug Maschen für ein ganzes Nadelspiel übrig.

Aber diese ulkigen dreifingerigen Fäustlinge haben mich während ihrer Entstehung schon ungemein erheitert. Durch das dick-und-dünner Garn sehen Daumen und Zeigefinger total krumm aus und das ganze hat was von Sumpfmonsterhänden. Vom Unterhaltungsfaktor abgesehen ist der einzelne Zeigefinger aber auch ganz praktisch. Man kann ihn durch den winzigen Henkel von Glühweintassen auf Weihnachtsmärkten stecken. Und einen Stift oder eine Zigarette könnte man auch gut halten.

Vergangenes Wochenende war ich (dank angenehmerer Temperaturen noch ohne Handschuhe) mal wieder auf dem Trödel. Nur kurz, nur auf dem siebzehnten Juni, weil ich was ganz bestimmtes gesucht habe. Ein Händler dort verkauft Buchstaben die mal auf Grabsteinen drauf waren. Ich finde das nicht gruselig, mich faszinieren eher die vielen unterschiedlichen Schriftarten und -stile die dort alle in einer Kiste durcheinanderfliegen. Ich hatte schonmal einen Spruch mit solchen Buchstaben gebaut.

Dieser hier ist mir im Hirn geblieben als ich nach Zitaten für die Bleiglas-Bemalung der Balkontüren gesucht habe. Ein Credo meiner geliebten Ästhetizisten: L’art pour l’art. Kunst die nur für ihren Selbstwert existiert, keinen Dienst am Leben verrichtet, in keiner Wechselwirkung mit ihm steht und in gewisser Weise nichtmal ein Publikum braucht.

Für die Auslassungszeichen habe ich ein kleines „l“ und ein Asterisk verwendet. Mehr Sternchen und auch Kreuze habe ich lose auf dem Hausaltar verteilt.

Die Buchstaben sind mit Heißkleber direkt auf die Tapete geklebt. Ob das irgendwann wieder runtergeht ist mir wie immer momentan egal. Sagt selbst, ist das „P“ nicht zum Verlieben?

Und wo wir grade von den Balkontüren sprachen. Ja, ich habe die Jugendstilbilder auf dem Glas noch ausgemalt. Es fehlen noch die Details auf den vorderen Türen, aber hier schonmal ein kleiner Ausschnitt um zu zeigen wie fantastisch die Bilder in farbig aussehen:

Ansonsten war ich in den vergangenen Wochen sehr viel Laufen. Ohne Zeit zu messen, nur raus und loslaufen. Das ist Therapie für mich. Letzten Sonntag hat es in Strömen geregnet, aber ich habe mich lange nicht mehr so gut gefühlt wie dort im Park, Wasser in den Schuhen, pitschnass und außer Atem.

Der Sturm hat auch einen Baum in die Spree geworfen und etliche Äste abgeknickt. Ein paar kleine davon habe ich neulich aufgesammelt und heimgetragen um was draus zu bauen.

Das Netz habe ich mit dünner Wolle reingewebt. Die „Spinne“ sieht man auf diesen Fotos nicht so gut, es ist eine kleine Facettperle die das Licht zu Regenbogenflecken aufbrechen würde, wenn irgendwann mal wieder die Sonne schiene. Der Behang besteht aus Federn, Perlen, einer Lochmünze und kleinen Steinen die ich von irgendwo mitgebracht habe. Einer ist aus der Elbe in Dresden, meine ich. Aus noch mehr Ästen habe ich noch mehr Kreise gebogen und werde damit noch mehr Traumfänger bauen. Weil es manchmal auch voll Spaß macht ein berliner Hipstergirl zu sein.

Zu guter Letzt noch ein Update was die Stickerei der Zeichnung von Chiara Bautista angeht. Die Haare des Mädchens und die Schrift habe ich fertig, jetzt geht es mit dem vorderen Teil des Wolfes weiter. Rechts flauscht eine Katze ins Bild weil Katzen immer und überall dabei sein müssen.

 

 

 

*Der Titel war mal die einundzwanzigste von „Zwanzig Fragen zu Beowulf“, einem Test den mein damaliger Dozent zu Beginn seines sprachwissenschaflichen Seminars austeilte um abzufragen wer den Primärtext überhaupt gelesen hatte. Besagter Dozent war auch ein großer Filmfan, prägte den Ausspruch „Wenn Sie Pulp Fiction nicht gesehen haben können Sie unmöglich Mediävistik studieren!“ und diskutierte mit uns ein Semester lang über die Tolkien-Verfilmungen. Ein großer Held meiner Unizeiten. Achso, die richtige Antwort war drei. Yoda hat drei Finger, das ist offenbar bei Puppen in denen einer drinsteckt gängig weil man da seine fünf Finger besser aufteilen kann.

 

Hand und Fuss

17. November 2015 (16:41 h) – Tags: ,

Musik: Machine Head - Game Over 

Diese Socken habe ich schon im Sommer angefangen. Die erste war mit im Elbsandsteingebirge und auch Natron durfte ein paar Runden dran stricken. Blöderweise musste ich später komplett aufribbeln und der freundliche Gastbeitrag war dahin. Nach hin und her und Ausflug auch aufs Metalcamp sind nun endlich beide Socken fertig.

Weil ich ein Kind der Achtziger bin und Neonfarben mag, zumindest wenn man sie fast nicht sieht, habe ich hier das Garn „Fluormania Color“ in Farbe 07188 von Schachenmayr Regia verwendet.

Und das sind die Handschuhe die ich vor kurzem erwähnt hatte. Meine Mama hatte solche mal vor langer Zeit für mich gestrickt. Ich habe die Dinger total viel getragen und als sie anfingen auseinander zu fallen und ich Ersatz erbat, schlug Mama vor ich solle selber stricken. Was ich also tat. Meine ersten Handschuhe.

Immerhin musste ich nur den Daumen rausstricken, der Rest funktioniert mehr wie ein abgeschnittener Fäustling. Die Anleitung ist Drops 86-28 und war ziemlich fix gemacht. Ich habe nur 40 Maschen angeschagen und das obere Ende elastisch abgekettet, sonst genau nach Anweisung gestrickt. Das Garn ist auch von Schachenmayr, es heißt Extra Soft Merino Opera in Farbe 05349 aubergine. Für meine Freundin habe ich zum Geburtstag quasi die gleichen Handschuhe nur in schwarz ohne Glitzer gestrickt.

Ich mag solche fingerlosen Handschuhe weil man zum einen nicht dauernd was ausziehen muss wenn man wo ein Anfassgefühl braucht. Zum anderen sind meine Finger offenbar zu lang für standardisierte Größen und es nervt mich wenn ein Handschuh nicht richtig passt. In Zukunft werde ich aber sicher auch mal selber Handschuhe mit Fingern stricken, mit langen Fingern.

The air around me still feels like a cage

14. November 2015 (20:50 h) – Tags:

Musik: Slipknot - The One That Kills The Least | Stimmung: *sigh*

Zeit für meditative Handarbeiten. Ich habe fingerlose Handschuhe gestrickt, ein Paar für meine Freundin, eins für mich. Dann konnte ich das Muster erstmal nicht mehr sehen.

Aber Sticken würde gehen. Ich habe neulich die Künstlerin Chiara Bautista entdeckt und bin so beeindruckt wie selten. Also wählte ich eine ihrer Skizzen zu meiner Vorlage.

Ausgedruckt, mit sehr scharf gespitztem Bleistift auf Batist durchgezeichnet. Ob dieser Stoff die beste Wahl ist wird sich zeigen. Er ist sehr zart und die Fäden auf der Rückseite zeichnen sich vorne ab. Immerhin ist Glitzer aufgedruckt.

Sticken tue ich mit einfädigem Garn. Wo die Linien dicker oder dunkler sind sticke ich doppelte und dreifache Stiche, das entspricht mehr dem Charakter einer Zeichnung als das Garn mehrfädig zu nehmen, finde ich. Das ganze in schwarz und zwei Grautönen bzw das Herz in rot und dunkelrot.