Ungehindert durch plötzlich hereinbrechende neue Ideen und entsprechende Projekte habe ich endlich meinen Quilt fertig gestellt. Jawollo, er ist fertig. Ich habe noch die Randeinfassungsstreifen geschnitten und zusammengesetzt, probehalber aufgelegt, nochmal gekürzt, wieder aufgelegt, den Rand des Quilts entsprechend der Streifen zugeschnitten, die Streifen dann von hinten rechts auf rechts angenäht, nach vorne umgefaltet und alle nochmal abgesteppt. Dabei habe ich gleich die Aufhängung (ein Tunnel für eine an der Wand angeschraubte Holzleiste) mit eingebaut und natürlich noch ein Label. Ein Quilt sollte nach der ganzen Arbeit die er macht auch ordentlich beschriftet werden. Außerdem plane ich ja das Teil zu vererben und weiß aus eigener Erfahrung wie dankbar man ist wenn ein Vorfahre mal irgendwas beschriftet hat.
Sieht ein bischen aus wie “Sie verlassen den amerikanischen Sektor..” *g*
Heute habe ich dann nur noch den handwerklichen Teil der Sache umgesetzt. Holzleiste zusägen, Kanten rund schleifen, vorbohren, die Leiste an der Wand positionieren, mittig, im Wasser, Löcher in die Wand, Dübel, alles zusammenbauen, fertig. Ganz zum Schluss habe ich dann einige Quadrate nochmal gebügelt. An der Wand. Ging erstaunlich gut. Und hier ist er nun, mein Archivquilt. *stolz*

Damit wir alle noch ein bischen damit rumspielen können habe ich was an Fotos auf dem Rechner grade greifbar war mobilisiert und zeige euch mal was hinter einzelnen Quadraten für Projekte stecken. Dazu der Quilt nochmal als Schiffeversenken-Vorlage.

Ein Paar Quadrate sind richtig alt. B 3 war mal eine Babybettwäsche, ist also auch schon fast 30 Jahre alt. Bei E 6 gibt es einen fotographischen Beweis, dass meine Eltern diese Bettwäsche schon hatten bevor ich 2 Jahre alt war. J 6 ist ein Stück des Vorhangs den meine Eltern in den Siebzigern in ihrem Schlafzimmer hatten. Dazu gab es eine passende Tagesdecke, dunkelblauen Teppich und ganz helle Birkenholzwände. C 9 und G 8 sind Reste von Stoffen aus denen mein Vater für meine Schwester und mich Röcke genäht hatte. Da waren wir im Kindergarten. Und K 7 schließlich ist ja der Elefantenstoff von Natrons Hemdenrecycling-Rock. Ich weigere mich zu glauben, dass dieses Hemd nach den Siebzigern produziert wurde.
Von den neuen Sachen habe ich neulich ja schon B 4, H 10 und E 10 vorgestellt: Bambi-Girl (zu dem Projekt gehören auch noch E 4 und J 10), Holokleid und Fiftieskleid. Dann hätten wir noch C 3, das ist der Saristoff mit dem ich die Stehlampe in der Loggia bezogen habe. Hatte ich hier auch ausführlich dokumentiert. E 3 ist ein vanillefarbener Kreppsatin. Daraus hatte ich mal das Abiballkleid für die Schwester einer Kollegin genäht. Mit Corsage, Bahnenrock, Stola und Unterrock. Und dazu hat sie beim Abiball dann Turnschuhe getragen und sich hemmungslos zugeschüttet. Noch ein Grund keine Auftragsarbeiten mehr anzunehmen ;)
Eines meiner eindrucksvollsten WGT-Outfits war aus A 2, dem schwarz-weiß gestreiften Baumwollköper von Karstadt. Daraus hatte ich das legendäre und oft kopierte “Stripey Hollow”-Kleid genäht. Rock und Bluse, dazu ein Reifrock, das Jacquard-Korsett und ganz viel Getüddel in den Haaren. Kein doller Schnitt, den Effekt machten wirklich nur die Streifen.
Ebenfalls WGT aber mit deutlich weniger Show war mein kleiner Leinenrock aus dem Stoff von F 10. Der hatte einen Sattel und ganz viele Falten. Mag ich immer noch, geht aber nur mit fetten Schuhen. E 2 ist eine Baumwolle mit Polkadots, hatte ich auf dem Markt gekauft und zu einem Strawberry-Switchblade-inspirierten Kleidchen verarbeitet, später folgte ein Fiftieskleid aus dem gleichen Stoff. Das Strawberry-Kleid konnte man schön mit rot kombinieren, ich hatte aber auch einen schwarzen Unterrock und schwarz-weiße Accessoires. Auf jeden Fall gehörten dazu weiße Kniestrümpfe und Mary Janes.
Schlussendlich noch einer der sich nicht gut fotografieren lassen will. H 1, weißer Chiffon mit silber-hologlitzer Schneesternchen (hier ist er rechts, glitzert aber nicht). Eigentlich ein Dekostoff, ich habe daraus aber einen Überrock für einen Chiffon-Feenrock genäht. Dazu eine weiße Satincorsage mit Applikationen und Perlenschnüren, ein Collier aus Weihnachtsbaumschmuck und ein weißer Plüschbolero der auf dem Bild nicht mit dabei ist. Fertig war die Eisprinzessin.
Manche von den Projekten sind schon wirklich lange her. Das Polkadot-Kleid zB ist von 2004. Stripey Hollow war sogar noch auf dem WGT 2003. Ich weiß noch, dass ich damals begeistert von den Sachen war und mich richtig gut darin gefühlt habe. Aber man verändert sich halt doch. Inzwischen ist mein Look ein ganz anderer und viele von den Sachen die ich grade gezeigt habe besitze ich gar nicht mehr. Insofern schön, dass sie noch im Archivquilt weiterleben.