king jeremy the wicked

17. September 2014 (14:53 h) – Tags: ,

Die Neunziger. Wer von euch alt genug ist denkt mal kurz an diese Dekade zurück. Was fällt euch dazu ein? Mir (völlig ungeordnet) die Loveparade, Girlies, Smileys, Sonnenblumen, Plastikschmuck, ein knallbuntes Siebziger-Jahre-Revival mit Polyesterschlaghosen von Orsay, Tigerenten, Buffalos, Jean Pascale Pullover, Hard Rock Café T-Shirts und die unsägliche 501 die damals schon sagenhafte 80 Mark kostete. Eine Schulfreundin ließ sich (total krass!) ein Bauchnabelpiercing stechen und wir gaben alle zu bedenken, dass da doch dauernd der Hosenbund dran scheuern würde. So saßen angesagte Hosen damals.

Ehrlich gesagt mochte ich die Neunziger während sie stattfanden schon nicht besonders. Ich war ein ruhiges Kind, ein Aussenseiter, und Techno ging mir wahnsinnig auf den Senkel. Zum Glück holte mich die alternative Seite der Neunziger genau da ab wo ich stand: Grunge. Ich hatte ursprünglich cremefarbene Chucks auf deren Kappe ich mit Kugelschreiber “Pearl Jam” schrieb, batikte meine weißen Jeans in schwarz, trug Flanellhemden und Eyeliner, blondierte meine Haare zum ersten Mal kaputt und fühlte mich sogar dann noch total verstanden wenn Kurt Cobain “I take all the blame / Aqua, seafoam, shame” nöhlte.

Und nun kommt die Mode 2014 daher und ruft das Revival der Neunziger aus. Natürlich abgestimmt auf die Leute die damals nicht oder nicht richtig dabei waren, weil sie einfach zu jung sind. Nicht für mich. Ich bin jetzt die alte Ziege die “So war das damals gar nicht!” rufen kann. Aber ein wenig nostalgisch hat mich das eine oder andere doch schon gemacht.

Also habe ich auch ein Stück Neunziger für mich genäht. Das Blümchenkleid. Wurde anno dazumal mit Boots kombiniert weil es ja auch wieder nicht zu mädchenhaft wirken sollte und mit einem engem Shirt drunter getragen weil der Ausschnitt und die Spaghettiträger für uns Teenager viel zu gewagt waren. Man hatte einfach noch nie was mit Dekolleté getragen. Die Boots übernehme ich gerne, das Shirt drunter… das muss vermutlich nicht mehr sein.

In meiner Erinnerung waren die Blümchenkleider vor allem schwarzgrundig, demnach habe ich einen schwarzen Stoff mit rosa Blümchen gekauft. Polyester. Deshalb musste er unterlegt werden. Als Futter dient ein dunkelblauer Leinenbatist. Ich habe beide Lagen am Ausschnitt verstürzt, die Blümchen unten ordentlich gesäumt und dem Futter eine Spitzenkante verpasst. Diese sogenannte “Spinnenspitze” habe ich in meinen Gruftiezeiten total gerne verwendet, glücklicherweise hatte ich noch einen Rest und konnte so noch mehr Nostalgie in das Kleid einarbeiten.

Der Schnitt basiert auf dem, den ich für das weiße Ibiza-Sommerkleid gezeichnet hatte, ist also selbstgemacht. Ich habe für das Blumenkleid aus den Brust- und Taillenabnähern Prinzessnähte gemacht und einen ausgestellten Rock angezeichnet. Die Träger habe ich so angesetzt, dass sie ungefähr über den Trägern vom Lieblings-BH entlanggehen. Hinten hat das Kleid ein völlig nutzloses Bindebändchen. Es ist nicht so locker, dass man es enger schnüren müsste, aber ich meine mich an solche Details aus den Neunzigern zu erinnern.

Blöderweise habe ich das Kleid in dem Moment fertig, wo sich der Sommer vom Acker macht. Ich denke aber, dass es mit Strumpfhosen und Strickjacke durchaus noch etwas mit in den Herbst kommen kann. Und rein spaßeshalber, just because I can, habe ich es auch mal zum Neunziger-Jahre-Cosplay gestylt.

Das ist zwar irgendwie süß, so mit allen Klischees die mir grad eingefallen sind, aber das bin ich ehrlich gesagt nicht. Sans Hut, Choker und mit Strickjacke statt Shirt sieht der Look schon wieder ganz anders aus. Die Overknees habe ich ewig nicht getragen, aber zu den klassischen Boots mag ich sie ganz gerne. Und die zweiundvierzig schmalen Silberreifen! Die sollte ich echt mal wieder ausführen.

Insgesamt mag ich dieses Projekt sehr gerne weil es eins von diesen ist, wo man auch den Schnitt selbst gemacht hat und er sitzt fantastisch. Dazu fühlt sich das Kleid so gut verarbeitet an weil ich einige Details von Hand gemacht habe und ein Futter ja auch immer so einen hochwertigen Look erzeugt. Den Schnitt werde ich also definitiv gerne weiterverwenden, auch wenn mir spontan noch nichts einfällt was in diese Richtung geht.

Das wollte ich schon länger mal bloggen

6. September 2014 (09:32 h) – Tags: , , ,

Musik: Pearl Jam - Ten (Woah, die Neunziger!) | Stimmung: Wordpress 4.0 hat mitscrollende Werkzeugleisten beim Schreiben, total super!

Heute gibts mehr von dem “Tanktop-Basisschnitt an dem ich diesen Sommer rumgedoktort habe” und ein Hippieteil. You in?

Der Tanktop-Schnitt soll neben Modell “T”, was ja ein enger Shirtschnitt mit Ärmeln ist, ein weiteres selbstgezeichnetes Basic für meine Schnittmustersammlung werden. Ein simples Tanktop war tatsächlich schnell entworfen und mehrfach probegenäht, so dass ich den Teil als erledigt betrachten würde. Mit der Ringerrückenversion habe ich mich dann etwas angestellt.

Hier sind zwei Versionen die immer noch nicht den *perfekten* Ringerrücken haben, die ich aber trotzdem mag.

Der schonmal erwähnte “zickige Streifenjersey” in schoko-erdbeer. Der ist ziemlich dünn und verleiert sich in alle Richtungen wobei er sich gleichzeitig an den Kanten einrollt. Aber ich mag ihn als fertige Klamotte gerne. Daraus habe ich schon ein kurz- und ein langärmeliges Modell “T”, und nun dieses lockere Top. Darunter muss man einen hautfarbenen BH mit gekreuzten Trägern anziehen weil der Stoff leicht durchscheinend ist und der Rücken zu schmal für normale Träger.

Den BH kann man hierfür gleich anlassen. Der Rücken ist der selbe, das Shirt ist aber enger. In verwaschenem Neongelb ein Verwandter von diesem Shirt und definitiv ein Teil was den Effekt von ein bisschen Sonnenbräune zu “Woah, bist du braun geworden!” verstärkt.

Neben den ganzen Tops, die ich gerne nähe um Stoffe aus meinem Bestand aufzubrauchen, habe ich mich aber auch noch an eine Hose gesetzt. Die ist nicht komplett selbstgenäht sondern basiert auf einer Jeans aus dem Secondhand die auch schon eine ganze Weile auf dem Stapel lag und bearbeitet werden wollte.

Den oberen Teil der Hose habe ich beibehalten. Oberhalb des Knies dann ausgestellte Hosenbeine angesetzt. Ich weiß, Schlaghosen sind nicht in Mode und Natron findet sie auch furchtbar, aber ich mag den Look. Das Schöne am Selbernähen ist ja ua die Unabhängigkeit von Trends.

Meine Hippiehosen habe ich dann noch mit Patches aus allen möglichen Denimresten benäht. Da waren Abschnitte von gekürzten Arbeitshosen bei und Stoff von den anderen Secondhand-Jeans aus denen ich Shorts gemacht hatte und Fischis von Natron. Ein paar Zierstiche und eine wirklich schöne hellblaue Spitzenborte habe ich auch noch untergebracht. So ganz fertig erscheint mir die Hose noch nicht, aber Aufnäher und Effekte kann man ja immernoch hinzufügen.

The Lords of Summer shall return

1. September 2014 (16:59 h) – Tags: , , ,

Musik: Best of Megadeth. Nice. 

Ich hätte gerne noch mehr vom Metalsommer. Den, den man mit einem Captain-Cola in der Hand und Doublebass im Ohr verbracht hat. Wo es für Bandshirts schon wieder zu warm war und man erst abends Boots und seine Kutte rausgeholt hat. Meine Metallerinnen-Sommergarderobe hat sich entsprechend um folgende Teile erweitert:

1. Das Spitzen-Festivaltop

Beim Metalcamp (es heißt Metaldays, da muss ich mich wirklich mal dran gewöhnen) kann man am letzten Tag immer schon Tickets fürs nächste Jahr kaufen. Zum Sonderpreis, direkt vor Ort. Das haben wir im letzten Jahr gemacht und bekamen zu den Karten auch Shirts dazu. Ich hatte eigentlich ein großes T-Shirt, das wollte ich irgendwie umnähen. Dann stellte sich heraus, dass mein Kumpel für seine zwei Meter Körpergröße ein Girlieshirt in Größe M erwischt hatte. Das hätte vermutlich lustig ausgesehen. Wir tauschten trotzdem und sogar mir war das Girlie zu eng. Deshalb habe ich es dann ebenfalls umgenäht.

Bei meinen Türken habe ich nämlich günstigen elastischen Spitzenstoff in schwarz bekommen. Deshalb ist aus dem Shirt ein Tanktop mit Spitzenrücken geworden. Die Ausschnitte habe ich klassisch mit Jerseyband verarbeitet. Hinten sieht man den BH durch. Und obwohl ich sonst immer die Erste bin die über sichtbare Träger mosert, kann ich hier ziemlich gut damit leben. Mit einem Vorderverschluss-Ringerrücken-BH sieht es zugegeben noch etwas besser aus.

2. Das UMF-Kleidchen

Das hier ist wirklich aus einem großen T-Shirt entstanden. Aus einem sehr großen. 2XL, glaube ich. Das war ein Probedruck für das Wackencamp-Shirt des Jahres 2010. Natron hatte damals dieses coole darkthrone-mäßige Blackmetal-Logo entworfen was so gut ankam, dass die Freunde bis zum heutigen Tag fragen ob man das nicht nochmal nachdrucken lassen kann. Ich war 2010 gar nicht in Wacken, aber immerhin habe ich eins der raren Shirts abgegriffen.

Daraus habe ich dieses ziemlich simple Kleidchen genäht. Die Träger und das Einfassband am Ausschnitt sind aus Jersey, wie Schrägband verarbeitet und in der zweiten Runde von Hand angenäht. Am unteren Ende habe ich die existierenden Säume erhalten und die unterschiedlichen Längen durch kleine Schlitze in den Seitennähten versöhnt. Dieser etwas zipfelige Effekt da unten am Saum gefällt mir tatsächlich ziemlich gut, auch wenn er ursprünglich der reinen Faulheit geschuldet war. Das UMF-Kleidchen habe ich dieses Jahr in Slowenien fast nur angehabt weil es super bequem und ein idealer Kumpel für 35 Grad im Schatten ist.

3. Das Camo-Schmusekleid

Camouflage muss natürlich auch sein. Da bin ich offenbar ein größerer Freund von als mir bewußt war. Als ich auf dem Türkenmarkt vor einer Weile einen Rippjersey mit schwarz-grauem Tarnfleckmuster entdeckte, habe ich davon natürlich gleich zwei Meter mitgenommen.

Die sind nicht komplett in dieses Kleid geflossen. Als Schnitt dient der Tanktop-Basisschnitt an dem ich diesen Sommer rumgedoktort habe. Den habe ich zu einem simplen Kleid verlängert und die Ausschnitte wieder mit Jerseyband hinternäht. Wirklich keine große Sache, aber ein total schönes lockeres Kleidchen mit Schmusefaktor. Der Camo-Jersey ist nämlich innen angerauht. Kuschelig. Damit war er allerdings mitunter auch zu warm für die Hitze beim Metalcamp und ich spekuliere deshalb darauf, das Kleid noch ein bisschen in den Herbst rein tragen zu können.

Flecht und Ordnung

26. August 2014 (08:44 h) – Tags:

Musik: Turisas - Piece By Piece | Stimmung: Brombeeren aus dem Garten meiner Kollegin!

Haar-Eintrag heißt es gibt irgendwas geflochtenes zu sehen. Da könnt ihr euch drauf verlassen. Ich habe grade nochmal den tag “Haare” zurückgescrollt und vorgeführt bekommen wie toll meine Haare in den letzten zwei Jahren gewachsen sind. Das merke ich natürlich auch im echten Leben. Heute zum Beispiel. Es war Schlappe auf Arbeit und ich langweilte mich. Und spielte mit meinem Pferdeschwanz und dachte: “Probierst du doch mal aus einen Fischgratzopf zu flechten.” Das habe ich bisher nur bei anderen Leuten bzw in den Extensions die ich vor anderthalb Jahren getragen habe gemacht. Mal gucken ob es bei mir selber hinter dem Kopf ohne Hingucken auch klappt. Es klappte und ich band das ganze mit einem Schnippsgummi ab, weil ich ja nur einen Zopfgummi dafür aber diverses Büromaterial da hatte.

Hier ist die Pracht zugegeben schon etwas hipstermäßig auseinandergefallen. Heute früh war es der Wahnsinn. Ich erinnere mich noch daran, dass ich diese Frisur entdeckte als meine Haare grade in einer ganz schlimm kaputten Phase waren und dacht es würde ja noch eeeewig dauern bis ich sowas mal tragen könnte. Leute, ich sage euch: So fühlt sich Glück an. Wieder lange Haare zu haben ist Glück.

Mit ein bisschen mehr Aufwand ist neulich diese Frisur entstanden. Den seitlichen Zopf mag ich wirklich ziemlich gerne weil er weniger streng aussieht als ein Zopf im Nacken.

Normalerweise binde ich die Haare auch einfach nur seitlich zusammen und lasse den Zopf dann in Ruhe, hier habe ich geflochten. Und zwar mehr als von vorne zu sehen ist.

Links noch zwei kleine Strähnen die dann mit in den schrägen französischen Zopf reingeflochten werden. Das war weniger Arbeit als es aussieht. Der französische Zopf ist ja auch wirklich nur Übung. Anfangs habe ich den überhaupt nicht hingekriegt inzwischen sogar seitlich oder schräg.

Die Haare sollen natürlich noch weiter wachsen. Ich habe mit meiner Friseurin den Deal, dass sie nur jedes zweite Mal einen Zentimeter Länge und 5 Millimeter in den Stufen wegschneidet. Ich denke so wenig ist es zwar in Wirklichkeit nicht, aber noch wenig genug um die Haare wachsen zu lassen. Ob sie nochmal taillenlang werden wage ich zu bezweifeln, als sie 2006 so lang waren hatte ich keine Blondierung drin. Immerhin pflege ich jetzt mehr, wasche deutlich weniger, benutze nur noch Naturkosmetik, kämme sie nicht mehr nass und föhne kühler. Könnte ja auch was bringen.

Dye, Dye My Darling

21. August 2014 (13:42 h) – Tags: , , , ,

Batikgerümpel war natürlich noch nicht komplett. Ich hatte ja noch mehr Farbe. Nämlich diesmal violett und dunkelblau. Die beiden hatte ich gekauft nachdem ich auf Pinterest diese Kombination mit lilafarben gebatikter Hose und Häkelspitzentop gesehen hatte. Ich musste sofort an meine mauvefarbene Aladinhose von 2011 denken und daran, dass ich sie zu wenig trage und ausserdem schon länger soetwas ähnliches wie ein Häkelspitzentop haben möchte. Der Plan war also: Häkelspitzenborte kaufen, Top nähen, Hose batiken.

Mein Freund der Türkenmarkt hatte natürlich Borte für mich. Oh ja. Erstmal kaufte ich bei dem üblichen Bortendealer zwei Sorten reinweiße Häkelborte, eine schmale und eine breite, die wollte ich zusammen mit einer Art Seersucker aus meinem Bestand verarbeiten. Damit hatte ich eigentlich ausgesorgt. Aber dann schlenderte ich weiter über den Markt und -huch!- die Gardinenhändler hatten auch Borte. Und was für welche! Ich konnte also nicht dran vorbeigehen und kaufte für 8 Euro noch einen Coupon mit 9 Metern cremefarbener Borte. Deren elegantes, schwungvolles Design mit Schlaufen und “Wimpern”, wie der Händler sagte, erinnert mich an Dekore aus dem späten neunzehnten Jahrhundert. Unheimlich schön. Und einen farblich passenden, ungebleichten Batist hätte ich auch noch da.

Es wurden also zwei Häkeltops. Der weiße erstmal zum Ausprobieren des Schnittes. Ich verwende hier Top 104 aus Burda 8/11, allerdings ohne den Reißverschluss in der Seitennaht. Der tut meines Erachtens nicht Not, was ich aber mag ist die Verarbeitung der Ausschnitte mit Schrägband. Self-Schrägband. Das stellte ich also erstmal aus dem Stoff her. Nicht ganz wenig Arbeit, aber die hat sich gelohnt. Das Ausrechnen wie viel Stoff man zu wie viel Schrägband welcher Breite verarbeiten kann mache ich immer mit Natrons Schrägband-O-Mat. Aufzeichnen, zuschneiden, nähen und vor allem bügeln muss ich dann halt noch selber.

Das erste Top ist, wie man sieht, schon ein luftiger Begleiter zu Sommeroutfits geworden. Die zwei Häkelspitzen ergeben einen netten Abschluss und passen sehr gut zu der etwas unruhigen Struktur des Stoffes. Ich habe danach am Schnitt noch zwei Dinge geändert: Die Träger sind an der Schulter noch einen Zentimeter breiter geworden und der Ausschnitt drei Zentimeter weniger tief.

Mit diesen Änderungen habe ich dann das cremefarbene Top in Angriff genommen. Wieder fing die Nummer mit dem Herstellen von Schrägband an. Ächz.

Das Aufnähen der Borte auf den Batist war allerdings fast genauso nervig wie die Schrägbandherstellung. Ich habe die volutenartigen Kringel über den Fransenteilen von Hand angenäht, den Rest aber musterfolgend mit der Maschine. Ich wollte mir die Option offenhalten auch hinter den nach oben zeigenden Schlaufen Stoff rauszuschneiden, denn zuerst habe ich nur die untere Kante weggeschnitten. Das war auch hübsch, aber so gefällt es mir nun noch viel besser. Die Borte passt sich organischer an den Stoff an, meine ich.

Zum Top trage ich die neu gebatikte Pluderhose. Die habe ich sowohl in violett als auch in dunkelblau gefärbt. Dadurch ist sie deutlich dunkler als vorher geworden, das finde ich aber ziemlich schön. Überhaupt bin ich mit dem Ergebnis des Neufärbens sehr zufrieden. Ich habe bewußt keine Kreise oder anderen klassischen Muster abgebunden, so dass die Farben hier mehr ineinander gemurkelt sind was ich mag. Die Hose ist nun noch mehr Hippieklamotte und als solche habe ich sie diesen Sommer schon deutlich häufiger getragen als im letzten.

Hat sich auch zu bunten und engen Oberteilen schon bewährt. Ich hatte zwischenzeitlich fast vergessen, wie bequem diese Hose ist.

Und weil ich natürlich nicht nur *ein* Teil färben kann, habe ich noch mehr Stoffe in die Farbbäder geworfen.

Das sind allesamt Jerseyreste. Im Uhrzeigersinn: Ein großes Stück türkisfarbener Jersey der violett drübergefärbt wurde. Ein kleiner Rest in weiß, jetzt auch violett gemustert, der könnte Shorts oder sowas werden. Daneben ein grauer Jersey mit dunkelblauem Muster und oben mein Favorit, blau über khaki. Davon habe ich noch genug um ein schlichtes Sommerkleidchen draus zu nähen. Falls es nochmal Sommer wird.

Bloodstone & Diamonds

17. August 2014 (18:28 h) – Tags: , ,

Musik: Behemoth - At The Left Hand Ov God 

Wie heißt es so schön: Pech mit Bands, Glück beim Trödel. Und das Trödelglück war mir heute richtig hold! Weil ich keine Aftershowparty in den Knochen zu stecken hatte konnte ich beizeiten aufstehen und mich in Richtung Fehrbelliner Platz aufmachen. Sonntag ist Trödeltag.

Wie immer guckte ich nach Bildern, Dekofiguren, Fotos und allem was Jugendstil ist. Letzteres fand sich als Kehrblech, als Klavierleuchter und als Kragenschachtel (wohl zur Aufbewahrung des Vatermörders). Ein Stand verkaufte alles für fünf Euro und für den Preis könnte ich ein kleines, ovales Bild mit schnörkeligem Messingrahmen schonmal mitnehmen. Den gleichen Rahmen, nur etwas größer und ohne Bild oder Glas bekam ich später von einem anderen Händler geschenkt.

Hier habe ich das total beliebige italienische Landschaftsbild schon entfernt. In ovale Rahmen gehören nämlich was? Genau, Portraits. Der kleine Rahmen ist etwa 14 cm hoch, der andere etwa 17 cm. Für den größeren hätte ich noch Plexiglas da, wenn ich das oval zugesägt bekomme (Laubsäge?) dann setze ich da ein Glas rein. Sonst halt nicht.

An einem anderen Stand kaufte ich silberne Ohrstecker mit Aventurin weil ich noch ein paar grüne Stecker gebrauchen konnte. Und Halbedelsteine haben es mir irgendwie angetan in letzter Zeit. Ich nahm noch einen Ring mit und genau genommen gabs den für lau als der Händler den Gesamtpreis nochmal “für Schüler und Studenten” augenzwinkernd reduzierte. Der Ring ist aus Blutstein (Hämatit). Neulich habe ich nämlich gelernt, dass der metallisch glänzende Stein beim Schleifen roten Staub abgibt der das Schleifwasser dann wie Blut erscheinen lässt, daher sein Name. Tatsächlich ist sogar die rote Farbe des Planeten Mars auf das Mineral Hämatit zurückzuführen. Krasser Scheiß, also wollte ich gerne was aus Blutstein haben.

Der beste Fund des Tages aber ist das fast 40 cm große Bild was ich bei einem Händler gefunden habe der sonst auch Taschenbücher und Porzellanfiguren hatte. Auf den Rahmen klebte der Preis, 34 Euro. Als ich das Stück in die Hand nahm, sagte der Händler gleich: “Das können Sie für 25 Euro haben. Hab heute schon gut verkauft.” Der Rahmen ist aus Holz, die Ornamente sind in Gips draufgesetzt. Das Bild selber ist auf Porzellan gedruckt. “Ein Druck, aber ist ein altes Bild. Aus dem Museum.” Ich wollte trotzdem noch drüber nachdenken und setzte erstmal meine Runde über den Markt fort.

Natürlich konnte ich das Stück aber nicht da lassen. Als ich zurückkehrte sprach der Händler grad mit einem anderen Kunden, also sah ich mich um und entdeckte den größeren ovalen Messingrahmen. Den hielt ich in der Hand als ich an der Reihe war und bekundete das Bild kaufen zu wollen. “Also 25 Euro, und den gebe ich ihnen so dazu”, sprach der Verkäufer und erzählte mir dann, dass zwischenzeitlich ein anderer Interessent für das Bild da gewesen wäre. Da hatte ich grad noch Glück gehabt, sonst wäre mein Prachtstück schon bald mit dem Zug nach Kiew unterwegs gewesen.

Zuhause recherchierte ich das Motiv auf der Porzellanplatte. Ein Hoch auf Googles invertierte Bildersuche! Wir haben es mit dem französischen Maler William Adolphe Bouguereau zu tun. Das Bild “Le crépuscule” (Die Abenddämmerung) ist 1882 entstanden und reiht sich mit Morgendämmerung, Tag und Nacht in eine Vierergruppe. Ich mag seine zarte Anmut und das schon den Jugendstil erahnen lassende Stoffgeflatter. Zwar ist der Rahmen dazu fast zu wuchtig, aber grade durch seine massige Form wird das ganze zu einem mächtigen Prunkstück was sich an der jadegrünen Wohnzimmerwand fantastisch machen wird.

Okkulter Landhausstil

16. August 2014 (15:57 h) – Tags: , , ,

Musik: last.fm Mixradio mit Videos. Nice. 

Es ist Samstag. In Hamburg spielen heute Machine Head beim Elb Riot. Ich liebe Machine Head, ich habe ein freies Wochenende und ich hatte auch eine Karte. Warum hocke ich trotzdem in Berlin vorm Rechner und blogge? Weil Katzen.

Toyah, die ja ohnehin öfter mal krank ist, ein Herzproblem und Futterunverträglichkeiten besitzt, hat eine Bindehautentzündung. Diese Montagskatze! Und weil ich niemanden verpflichten kann/will dem Tier drei Mal am Tag eine Salbe ins Auge zu schmieren, habe ich schweren Herzens entschieden heute nicht Robb Flynn anzuhimmeln sondern mein genervtes Haustier unterm Bett vorzuziehen und zu verarzten. Das tat schon ein wenig weh. Aber Familienmitglieder gehen immer vor Rockstars.

Um das Beste aus dem Wochenende zu machen habe ich mir ein paar Projekte vorgenommen und ein paar alte Filme auf DVD rausgesucht. Das erste Projekt betrifft mein Wohnzimmer. Seit die Wände dort immer weiter Gestalt annehmen wird zunehmend deutlich, dass die Decke und Deckenlampe etwas Unterstützung brauchen um dagegen anzustinken. Ursprünglich wollte ich um die Lampe ein Sonnenmotiv malen. Das wäre sicher schön geworden und hätte die Lampe prominenter wirken lassen. Dann fand ich neulich aber durch Zufall das hier. Ich konnte mir sofort vorstellen wie toll so ein achtzackiger Stern als Motiv an der Decke wirken würde.

Im Baumarkt kaufte ich also Styroporleisten. Holz wäre mir schon wieder zu schwer geworden. Die Decke ist hohl, deshalb ist alles was man ankleben kann und nicht bohren muss von Vorteil. Die Leisten sind nicht so das klassische Styropor, so porös und krümelig, sondern eher wie ganz leichtes Plastik. Man kann sie aber mit einer feinen Säge zuschneiden.

Ich hatte zuerst eine maßstabsgerechte Vorlage auf Packpapier gezeichnet und die Längen der Teilstücke abgemessen. Die Winkel haben zum Glück alle 45°, so konnte ich sie mit Hilfe einer Gehrungslade zusägen. Ein Grund warum ich den achtzackigen und keinen siebenzackigen Stern gewählt habe, obwohl letzterer bei behemoth immer so schick aussieht.

Die einzelne Teile habe ich dann auf der Vorlage schonmal zusammengelegt.

Da waren natürlich auch die Katzen nie fern.

Ich ging dann ich den Keller um weiße Dispersionsfarbe und Styroporkleber zu holen. Styropor ist ja empfindlich und reagiert mit Lösungsmitteln, deshalb war ich froh noch einen geeigneten Kleber zu besitzen. Und dann taugte der nichts. Der Styroporkleber hat mehr Schaden als Nutzen gebracht. Die kleinen Klebstellen der Leisten konnte er nicht zusammenhalten weil er ua total langsam trocknete. Das hat genervt.

Risikofreudig habe ich also zu dem Goldenen Kalb eines jeden Bastlers, dem Heißkleber, gegriffen. Und der hat den Job erledigt. Das Styropor leitet die Wärme ja nicht weg, deshalb hat der Kleber etwas länger gebracht bis er hart war, das war aber machbar und sollte mir später nochmal den Arsch retten. Fürs erste konnte ich nun meine Leisten schonmal zu etwas zusammenbauen was im amerikanischen Pinterest als “cottage barn window-style picture frame” mit kitschigen Hochzeitsfotos bestückt werden würde.

Dann habe ich den fertigen Stern weiß gestrichen. Ich hatte über andere Farben nachgedacht, erst wollte ich ihn dunkel machen. Aber in weiß sehen die Leisten halt schon am meisten nach Stuck aus und lassen die schöne Art Déco-Lampe im Wohnzimmer auch noch für sich wirken.

Nachdem zwei Anstriche über Nacht getrocknet waren ging es daran den Sternenstuck an die Decke zu bringen. Dafür habe ich mir clever die Vorlage aus dem Packpapier geschnitten und sie mit Hafties an die Decke gepappt. Das konnte ich korrigieren bis es grade war. Hier kam mir endlich mal die furchtbare Rauhfaser an der Decke zuhilfe und ich konnte meine geometrische Form an den Kanten der Tapetenbahnen ausrichten. Als es so saß wie geplant habe ich die Eckpunkte mit Bleistift auf die Decke markiert und das Papier wieder abgenommen.

Dann gab ich dem Styroporkleber noch eine Chance, strich den Stern damit ein und drückte ihn an die Decke. Und er fiel sofort wieder runter. Danke, du Arsch.

Ich habe dann einen kleinen Tobsuchtsanfall bekommen und nachdem ich mich wieder beruhigt hatte die Kleberreste von Decke und Stern gewischt. Also kein Styroporkleber. Hm… Heißkleber?

Da war ich skeptisch. Bis ich den Stern da oben habe und ausgerichtet ist der Heißkleber doch schon längst wieder erkaltet. Andererseits war ich aber auch verzweifelt und der Kleber war beim letzten Mal ja recht langsam abgekühlt. Also Heißkleber. Es hat damit auch funktioniert, nicht perfekt, aber das Ding ist an der Decke. Puh.

Jetzt, wo ich den ganzen Ärger mit dem Kleber schon wieder vergesse, gefällt mir das Projekt total gut. Der Sternenstuck lenkt den Blick an die Decke und die Lampe kommt ein bisschen besser raus, genau was ich erreichen wollte. Die achtzackige Form ist simple Geometrie, aber hat auch was okkultistisches ohne zu aufdringlich zu sein. In weiß wirkt der Stuck vor allem durch das Spiel von Licht und Schatten und von unten sieht man meine Ungenauigkeiten und Patzer glücklicherweise nicht mehr. Willkommen im Wohnzimmer, Achterstern.

Recycle or dye trying

13. August 2014 (11:31 h) – Tags: , ,

Musik: Kiss - Beth 

Ist ja immer schön, wenn die Freunde sich auch untereinander verstehen. Insofern bin ich echt froh, dass Natron sich jetzt mit meinem guten Kumpel Batik angefreundet hat. Können wir vielleicht mal zu dritt was unternehmen.

Bisher haben Batik und ich alleine Spaß gehabt. Auch nicht ganz wenig. Ich kann ja irgendwie die Finger nicht von den Farbpulvern lassen, auch wenn sie mir jedes Mal das Bad einsauen. Der aktuelle Trip begann harmlos damit, dass ich Bettlaken aussortiert habe. Und dann dachte ich drüber nach und statt sie für Probeteile zu nehmen fand ich man könnte sie auch einfach batiken. Wenn ich ehrlich bin habe ich vielleicht auch bloß in der Wäschetruhe rumgekramt weil Farborgien von Anfang an meine Intention waren.

Ich ging Batikfarben in schwarz, türkis, gelb und orange besorgen. Jeweils einen Beutel. Um ein ganzen Bettlaken schwarz zu färben hätte ich viel mehr gebraucht. Stellte ich zuhause fest. Dann wollte ich nicht nochmal los, also ist das schwarze Laken nur so grau-blau geworden. Was total okay ist.

Bei dem Projekt ging es auch nicht so sehr um die Farbe, sondern ich wollte ein Motiv in den Stoff bringen. Was total super funktioniert hat, da habe ich mich selber mit überrascht. Für den Stern habe ich folgendes getan: Erstmal die Mitte des Lakens gefunden, dann dort den sechszackigen Stern in entsprechender Größe hinkonstruiert, die Konturen habe ich dabei mit Schneiderkreide auf den Stoff gemalt. Dann nahm ich eine dünne Angelsehne, knotete einen Knopf an ein Ende und das andere an eine größere, spitze Nadel. Mit der Angelsehne habe ich den Stern in den Stoff geheftet, der Knopf verhindert, dass das Ende der Schnur einfach durchrutscht. Den Stern habe ich erstmal nur locker angezogen und das Laken in der Badewanne komplett nass gemacht und ausgedrückt. Wenn es nass ist werden die Farbverläufe der Batikfarbe schöner, meine ich. Dann habe ich die Angelsehne vorsichtig angezogen, so dass sich der Stern zusammenzieht und sein “Inneres” eine Art Beutel bildet. Ab dem Punkt ist es eigentlich egal ob man einen Stern oder einen großen Kreis abgebunden hat. Ich habe die zusammengezogene Stelle mit drei Kabelbindern abgeschnürt. Damit kann man richtig fest anziehen und kriegt so einen saubere Kontur. Die Ecken habe ich dann mit ganz klassischen Kreisen gefüllt und danach flog das Laken ins Färbebad. Da habe ich mich an die Anleitung auf der Packung gehalten. Am Ende ausspülen, vorsichtig die Bänder und Kabelbinder aufschneiden, nochmal spülen und das Laken schließlich in der Waschmaschine durchwaschen, so dass alle Farbe raus ist.

Weil es so wenig hippie ist wie Batik halt sein kann, habe ich dieses Teil mit aufs Metaldays genommen um die Seite eines Pavillons abzuhängen und niedrig stehende Sonne auszublocken (hier sieht man was ich meine). Manchmal haben wir da abends nämlich schon fast auf dem Weg gesessen weil die Sonne untern den Pavillon geschienen hat. Der Plan hat so gut funktioniert, dass ich mich ein wenig geärgert habe nur ein Laken mitgenmmen zu haben. Nächstes Jahr gibts noch mehr gebatikten Sonnenschutz.

Die anderen Farben habe ich dann für das zweite Laken und noch eine Klamotte verwendet. Erstmal das Laken (seht ihr die Katze, die hinter dem Vorhang schläft? *g*).

Hier ging es mir vor allem um die Farbabstufungen. Abgebunden habe ich einfach Streifen. Das gelb hätte besser rauskommen können, da habe ich zu fest gebunden und zu wenig am Stoff rumgezupft gehabt. Ansonsten mag ich aber diese sommerliche Farbzusammenstellung wirklich gerne. Ich habe schon überlegt meine Balkonvorhänge so zu färben. Wenn mache ich das aber erst nachdem der Balkon ausgebaut ist.

Das Laken benutze ich jetzt als Strand- und Picknickdecke oder als Fotohintergrund. Wenn es nicht so morsch wäre würde ich es auch wieder als Laken aufs Bett ziehen. Zu weißer Bettwäsche sähe das sicher toll aus.

Während das Sommerlaken seine Zeiten im Farbeimer absolvierte, überlegte ich ob ich nicht noch irgendwas anderes hätte was da mit rein könnte. Und dann fiel mir ein Modell “T”-Kleidchen ein was ich vor einer halben Ewigkeit (2008?) genäht habe und was dann lange Zeit mein absolutes Lieblingsteil war. Bis ich  irgendwann ein paar winzige aber total doofe schwarze Spritzer auf den Vorderteil entdeckte. Die ließen sich nicht rauswaschen, das Kleid war gelb, ich traute mich da nicht mit Bleiche dran. Das Kleid lag im Schrank und wäre fast schonmal aussortiert worden. Nun erinnerte ich mich also daran und wie die Bienen damals auf mich in meinem gelben Kleid geflogen sind. Wenn ich es batike würden die Flecken vielleicht weniger auffallen. Ich hatte etwas Angst das Kleid zu ruinieren, aber eigentlich habe ich es ja eh nicht angezogen. Also band ich Kreise rein und warf es mutig ins orangefarbene Wasser.

Und es ist so schön geworden! Die Flecken sind natürlich immer noch da, aber ausser mir sieht sie wohl keiner. Und ich gucke auch nicht mehr so genau hin weil ich die neuen Farben so schön finde. Ein tolles altes, neues Sommerkleidchen was ich auch schon als geknotetes Top zu einer violetten Hose getragen habe. Yeah!

Übrigens: Der doofe Titel bezieht sich auf ein Motto des Metalcamp-Festivals, was ja in einem Naturschutzgebiet stattfindet und deshalb aufruft: Recycle or die trying.

Präraffaelitische Poolparty

10. August 2014 (19:16 h) – Tags: ,

 Stimmung: GRRM soweit fertig gelesen. Oh, das furchtbare vorläufige Ende!

Mein Exfreund bracht mal einen großen hölzernen Bilderrahmen an. Auf etlichen alten Klamottenfotos steht der Rahmen dekorativ im Hintergrund. Hier zum Beispiel. Ein furchtbar schweres Teil, vor allem aufgrund der fünf Millimeter dicken Acrylglasscheibe die es umschloss. Ich habe den Rahmen behalten und wollte ihn nun Teil meines Wohnzimmers werden lassen. Aber zuerst musste das Acryl raus. Es war künstlerisch zerkratzt, wäre es durchsichtig gewesen hätte ich es gerne drin gelassen und mit dem Gewicht arbeiten wollen. So wog der Rahmen plötzlich nur noch die Hälfte.

Ich hielt den weiß gewischten Rahmen probeweiser an die jadegrüne Wand. Schön, aber passte nicht. In einem anderen Leben, in einem weißen Schlafzimmer mit Schnörkelmöbeln. Aber nicht in der Opiumhöhle die mein Wohnzimmer ist. Ich entschied den Rahmen neu zu lackieren. Erst wollte ich die alte Farbe anlaugen, aber dann bekam ich Angst vor den Chemikalien und wischte die Oberfläche nur mit Wasser und Seife ab. Wie sich herausstellte reichte das auch vollkommen um neue Acrylfarbe drüber zu malen.

Der erste Anstrich war schwarz, genau wie der zweite. Danach sah der Bilderrahmen einem Gruftietraum schon sehr ähnlich.

Das schöne Seerosenmuster kam in einfarbig ganz anders zur Geltung. Auf den ersten Blick sah schwarz cool aus, beim zweiten erschien es mir auf eine schlechte Art kitschig. Also fuhr ich fort wie geplant und mischte schwarze mit goldener Acrylfarbe. Das so abgetönte Gold versuchte ich nur auf die Höhen des Motivs zu wischen, so dass die Vertiefungen dazwischen dunkel blieben. Das war gar nicht so einfach, ich hatte aber mit einer ähnlichen Technik in der Vergangenheit schon gute Effekte erzielt, also blieb ich dran.

Nach einer Schicht Dunkelgold setzte ich noch Akzente mit der unverdünnten Goldfarbe. Die Seerosen kamen nun ziemlich gut heraus.

Weil der Rahmen auch alleine nicht komplett leicht war, schraubte ich ihm zwei stabile, flache Aufhänger auf die Rückseite. Dann maß ich alles von der Decke her aus und bohrte entsprechende Löcher in die Wand über der Kommode. Das alte Möbel, was ich dabei als Treppe missbrauchte, trug mein Gewicht ohne zu wackeln oder zu knarren. Ich kletterte hinunter, trat ein paar Schritte zurück und sah: Der Rahmen war schief. Oh, warum?! Wie konnte das nur? Ich hatte doch alles so sorgfältig gemessen! Das Ding wieder runtergewuchtet, nachgemessen. Stimmte doch alles. Rahmen wieder an die Wand, Wasserwaage drauf und diesmal hing alles total grade. Offenbar hatte ich mir diese Schreckensmomente selber eingebrockt als ich den Rahmen nicht sauber mit seinem Aufhänger an der Schraube eingehakt hatte. Also alles gut. Puh.

Unter den Rahmen, quasi zwischen ihn und die Kommode, montierte ich das Fünf-Euro-Schwert vom Flohmarkt. Offenbar verwendet man für sowas üblicherweise Garderobenhaken. Also kaufte ich schnörkelige, messingfarbene Mantelhaken die tatsächlich hervorragende Schwerthalter abgeben.

Der Gesamteindruck von Goldrahmen, Schwert und Kommode stimmte schonmal. Nur war ersterer noch leer. Laaangweilig! Bei der Wahl eines auszustellenden Bildes ließ ich mich vom Rahmen inspirieren. Von den Seerosen. Irgendwas mit Seerosen. Oder mit Wasser. Klimts Wasserschlangen II. Oder Waterhouses The Lady Of Shalott. Dann fiel mir das am meisten seerosenartige Gemälde ein, was ich kenne: Hylas And The Nymphs, auch von Waterhouse. Das war es! Ist auch das einzige Gemälde von Waterhouse dem ich tatsächlich schonmal in einer Ausstellung gegenüberstand.

Abgesehen von den wunderschönen Frauendarstellungen von John Waterhouse mag ich das Gemälde weil alles darauf auf Hylas’ Verderben hinweist. Der dunkle Hintergrund, der Ast der wie ein Speer durch seinen Rücken geht, die absteigende Linie seines Blickes zur Zentralnymphe. Der Künstler hat den Moment dargestellt in dem Hylas, den Wasserkrug noch in der Hand, denkt: “Was sollte ich nochmal holen? Ach, war bestimmt nicht so wichtig.” Und schon haben die Naturgeister ihn am Saum gepackt und da sinkt er dahin, der schöne Jüngling.

Ich besorgte das Poster bei amazon und erstand im Baumarkt eine schwarze Hartschaumplatte die ich als Hintergrund verwenden konnte. Der Bildausschnitt des Rahmens ist 101 x 57 cm. Wer baut denn sowas?! Handelübliche Platten, auch Plexigläser, haben 100 x 50 cm. Wäre das zu einfach gewesen? Mein Vater hätte den Rahmen auseinandergenommen, verkleinert und wieder zusammengesetzt. Ich traute mir das nicht zu und habe deshalb eine größere Platte gekauft und sie mittig zersägt bzw neu aneinandergesetzt, so dass hinter dem Poster eine senkrechte Mittelnaht runtergeht. Nicht ganz elegant, aber man sieht es glücklicherweise kaum.

Hylas’ Poolparty passt sich farblich sehr schön in die Wohnzimmerecke ein und die gesamte Ansicht mit Kommode, Literatur, nackten Buchstützerinnen, Schwert, Seerosen und ebenfalls nackten Nymphen gefällt mir sehr gut. Der Messington genau wie die Nymphenhaarfarbe der Kommode ziehen sich durch die ganze Ecke und spielen gut mit dem Jadegrün zusammen.

Langfristig möchte ich dem Bild gerne noch ein dünnes Plexiglas verpassen, aber da muss ich dann auch wieder eine (sehr viel) größere Platte kaufen und zusägen lassen. Das wird teuer, also schiebe ich es noch etwas auf die lange Bank.

Trollmachineheart

6. August 2014 (18:01 h) – Tags: ,

Musik: Newsted - Nocturus | Stimmung: Oder sind 65 Fotos zu viel?

So, das letzte Campinggerümpel ist getrocknet, gewaschen und in den Keller gebracht. Zeit mal über den Sommerurlaub zu sprechen. Traditionsgerecht war ich wieder beim METALDAYS in Tolmin / Slowenien. Das kleine Festival mit der unglaublich schönen Umgebung, den eiskalten Bergflüssen und der verdammt langen Anreise ist inzwischen fester Bestandteil meines Sommers geworden. Für fünf Tage Metal, Baden, Abenteuer und Blödsinn mit meinem Tribe lohnen sich tausend Kilometer Anreise immer wieder.

Erfreulicherweise ließ sich die ewige Fahrerei diesmal aufteilen und meine Fahrgemeinschaft und ich konnten sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg bei Ophelias Verwandten in Bayern zwischenübernachten. Das hat die Sache deutlich entspannt. Nachdem wir also Freitag Abend in München noch exzellent bewirtet und unterhalten wurden konnten wir am Samstag stressfrei in Richtung Alpen aufbrechen. Treffpunkt mit den Freunden: Lago del Predil. Normalerweise treffen wir uns auf Autobahnrasthöfen. Das Treffen diesmal kurz vor die italienisch-slowenische Grenze an den wunderschönen, türkisfarbenen Bergsee zu verlagern war eine fantastische Idee. Jedes Jahr fahren wir auf dem Weg über den Pass an diesem See vorbei und seufzen wehmütig, nun haben wir ihn endlich mal erbadet.

Die Stühlchen an der Passstraße, neben ziemlich dicht am Abgrund geparkten Autos, ergaben schon ein kleines Camp, tatsächlich erwägten wir sogar dort noch zu grillen, entschieden uns dann aber quasi demokratisch für Pizza in Tolmin. Zeit war noch jede Menge, denn die restliche Strecke ist überschaubar. Kaum ist man wieder ins Auto gestiegen hat man auch schon den Predilpass erklommen wo an der Staatsgrenze wieder ausgestiegen werden muss um das traditionelle Passfoto zu schießen.

Die Gruppe ist jedes Jahr neu gemischt, diesmal wieder etwas größer, weshalb sie vor allem funktioniert wenn man nicht versucht ALLE zu irgendwas zu motivieren sondern den Zerfall akzeptiert in die, die Heaven Shall Burn sehen wollen, die, die lieber nochmal zwei Stunden schlafen und die, die grade den richtigen Pegel haben um jetzt Projekt Kutte aufnähershoppend anzugehen. Was ganz gut geklappt hat.

Nachdem wir in Tolmin angekommen waren, die Soča begrüßt und den üblichen Anreisetrubel gesehen hatten gab es die abgestimmte Pizza. Fantastische Pizza. Und Lašco-Bier. Und zum Abschluss noch ein Eis vom Wirt. Womit man auch anstoßen kann.

Und dann mussten wir uns entscheiden: Fünfzehn Euro Frühanreisergebühr bezahlen und das Zelt im Hellen aufbauen oder bis Mitternacht warten obwohl man von der Fahrerei vielleicht schon völlig groggy ist. Ich blieb bei der Mitternachtstruppe, die ihre unvermeidlichen Campingstühlchen ans Sočaufer stellte. Gaslampe in die Mitte, Akkulautsprecher rausgeholt. Wir beobachteten wie Nebel auf dem Wasser aufzog, sahen die Sterne und -was war das denn?!- sogar ein paar Glühwürmchen. Davon bin ich immer noch begeistert. Hab noch nie zuvor Glühwürmchen gesehen. Natur, die leuchtet!

Später wurde gemeinsam “God Gave Rock ‘n’ Roll To You” gesungen und wir verbrachten den friedlichsten Abend der Woche bis es dann Sonntag war und wir unseren Acker beziehen konnten. Dank einer wahnsinnig kleidsamen Stirnlampe die sich bei meinen Eltern noch im Keller angefunden hatte konnte ich mein Zelt problemlos aufbauen, die Pavillons mussten aber bis zum Morgen warten.

Am Sonntag spielen noch keine Bands, wir benutzten den Tag zum Besorgen von Bändchen, Paycards und Pfand-Müllbeuteln, zum generellen Eingrooven, dem ersten Schritt ins grauenvoll kalte Wasser und dem unvermeidlichen Im-Camp-Rumlungern zu später Stunde. Wir waren angekommen.

Am Abend wurde zwei Camps weiter eine inoffizielle Warm-Up-Party gefeiert und wie gute Laubenpieper sind wir in Hausschuhen vorbeigeschlurft um mal nach dem Rechten zu sehen. Ganz schnell fanden wir uns aber mittem im Trubel wieder, Red trug dem DJ unsere Tribehymne an und kurz darauf gröhlten alle bei Grave Diggers “Rebellion” mit.

Auch die restliche Woche über wurde bei Nachbarns jede Nacht lautstark durchgefeiert, was ein wenig zu Lasten unserer Schlafqualität ging. Dennoch gab es diese magischen Festivalmomente, morgens um halb sieben, wenn die Brothers of Beer endlich ins Bett gegangen waren und die Krawalltüten von schräg links noch schliefen. Man kriecht aus dem Zelt, alle Generatoren sind aus, im Dämmerlicht hängt dicker, schwerer Nebel zwischen den Bergen und erste Sonnenstrahlen ziehen goldene Bahnen hinein, feuchte, süße Luft welche die Wärme des Tages schon ahnen lässt, ein paar Vögel zwitschern, ein paar zerstörte Gestalten schleichen in Richtung Dixies. Empfindliche Campingplatzpoesie die ein paar Stunden später von erbarmungsloser Sonne, “Guten Morgen”-Brüllerei und Instantkaffee vom Gaskocher gnadenlos in den Boden gestampft wird.

Am Montag ging die Party dann offiziell los und die Bühnen stiegen in den Trubel ein. Noch bevor ich aber die erste Band sah, machte sich die diesjährige Slowenien-Reise schon mal unvergesslich. Ein Kumpel, den es mit dem Arsch auch nicht richtig auf seinem Campingstühlchen hält, hatte im Vorfeld Freizeitaktivität organisiert an die wir anderen uns dann nach Laune ranhängen konnten. Wir gingen Raften. Und das war die beste Aktion der Woche.

In dem Sočatal, das als “Festivalley” unser launiges Metallertreffen beherbergt, kann man auch “normal” Urlaub machen. Dann geht man wandern, radfahren und vielleicht gleitschirmfliegen. Die Soča bietet etwas flussaufwärts aber auch moderate Stromschnellen und deshalb gibt es auch Leute die einen dort im Schlauchboot durchs Wasser manövrieren. Das klang nach Abenteuer, also war ich dabei. Wie nicht wenige meiner Freunde. Wir bekamen Helme, Schwimmwesten und Neoprenklamotten gestellt, unser Steuermann gab uns eine kurze Einweisung ins Paddeln (“And if you fall in the water… well, nice to have met you”) und dann stieg ich mit Natron, einer Freundin die tapfer ihre Wasserangst überwinden wollte und den beiden Feuerwehrleuten (=Rettungsschwimmer) ins Boot. Besser ging kaum.

Der Guide zeigte uns wie wir tatsächlich wieders ins Boot kämen, was wir lassen sollten um unsere Freunde nicht unnötig mit den Paddeln zu hauen und wie man die anderen Boote mit viel Wassergespritze zu begrüßen hat. Dann sollten wir alle erstmal ins Wasser springen. Da zeigte sich, dass Neopren doch erstaunlich warm hält, wie sinnvoll es war die Schwimmweste so eng zu ziehen, dass sie am Unterbrustumfang hängen bleibt und wie unelegant man im Zweifelsfall zurück ins Boot klettern kann. Schon das war viel Spaß.

Anfangs hing sogar noch etwas Nebel auf dem Fluss, der zog sich aber bald zurück um mit seiner dichterischen Schwermut nicht bei unserem unbeschwert nassen und lauten Abenteuer zu stören.

Der erste Teil der Strecke war ruhiger, also konnten wir ausgiebig unsere Leute in den anderen beiden Booten nassspritzen, ebenso einen brasilianischen Kanuten der uns -grade stolze Weltmeister geworden- augenzwinkernd erzählte er wäre für Agentinien gewesen. Auf der Hälfte der Strecke machten die Guides zwei Boote an einem Felsen fest, wir stiegen alle auf jenen Felsen aus und das dritte Boot wurde umgedreht und zur Rampe halb auf den Stein hochgezogen. Eine Rutsche! Ein Trampolin! Jeder musste ins Wasser, die abenteuerlustigen Männchen auch gerne mit Salto oder zur Kugel (“Ball of happiness! You want to try?”) zusammengerollt.

Danach ging es mit etwas unruhigerem Wasser weiter. Der Guide steuerte uns erbarmungslos auf jeden Felsen drauf und ich bin nachhaltig beeindruckt was so ein Schlauchboot alles mitmacht. Wenn man nicht grade kreischend über seine Freunde im Bootsinneren fiel oder über einen Felsen rutschte gab es tatsächlich genug Gelegenheit die wunderschöne Soča und ihre Ufer zu genießen. Es gibt dort ja keine Strände oder Möglichkeiten durch den dichten Bewuchs ans Ufer zu kommen, und so war man fast ganz allein mit dem glasklaren Wasser, wildromantischen Fluss, den Julischen Alpen und der ganzen Grandezza der Natur die ein Stadtkind wie mich total umgehauen hat. Fotografin Ophelia hatte glücklicherweise eine wasserfeste Kamera mitgebracht, sonst könnte ich nichts hiervon visuell mit euch teilen.

“Do you want to jump from a rock? Who wants to jump?!” fragt der Guide schließlich und ich war etwas unsicher, denn die Felsen in dieser Gegend sind mitunter nicht ganz klein. Dann kamen wir an den Felsen und naja… er war groß, also ganz schön riesig. Schon ziemlich hoch. Ähhh… Das Boot machte unten fest. “If you climb up the rock – you jump. There is no climbing down.” Ich guckte hoch. Die Kletterpartie sah verlockend aus. Ich guckte zu Natron, Natron schüttelte den Kopf. No way, punk. Dann sah ich wie Ophelia hochkletterte. Und ein bisschen angestachelt von dem Heldenmut unserer anderen wasserscheuen Freundin dachte ich herausforderungssuchend: “Wenn Ophelia das macht, dann will ich auch.” Und schon war ich aus dem Boot raus und hatte die Neoprenschuhe auf den Stein gesetzt. Ein Überhang machte das Klettern zu einer kleinen Herausforderung, aber da hatte mein Hirn schon auf Survival umgeschaltet. Wie das Boot unter mir weggefahren ist habe ich kaum mitbekommen. Mit rasendem Herzschlag stand ich dann oben. Wow, die Aussicht! Flussaufwärts und flussabwärts. Und sind das da etwa riesige Forellen im türkisfarbenen Wasser direkt unter uns? Mit Ophelias Freund, dem Koch, scherzten wir, dass mindestens eine davon mitzubringen sei bei der Landung im Wasser. Der Guide zeigte uns wie wir springen sollten. Arme an den Körper und etwa zwei Meter vom Stein weg springen. Dann sprang er und ich wusste genau, dass ich mich in ein paar Minuten wenn ich dort vorne stehen würde, ganz furchtbar hassen würde. Ich springe normalerweise nicht von irgendwo runter. Nichtmal vom 3-Meter-Brett im Schwimmbad. Auf keinen Fall. Warum habe ich bloß gedacht ich müsste das tun was Fallschirmspringerin Ophelia tut?! Oh Gott! Ich atmete ganz flach und machte zwei Deals mit mir selber: Erstens, nicht runtergucken. Zweitens, nicht lange humhampeln. Hingehen, springen. Puhh. Irgendwann war unweigerlich derjenige vor mit gesprungen, die winzigen Freunde in den winzigen Booten da unten hatte Applaus geklatscht und dann ich. Nicht runtergucken. Wie springt man nochmal zwei Meter von irgendwas weg? Ahhh. Ich kreuzte die Arme wie eine ägyptische Mumie vor der Brust und dann, dann bin ich irgendwie gesprungen. Keine Ahnung. Erinnerungslücke. Ich weiß noch, dass ich während des Fallens, in dem Moment wo es dir den Magen so furchtbar hebt, dachte: “Das Wasser müsste jetzt wirklich gleich kommen. Wann kommt denn das Wasser?! Kommt denn nie das Wasser?!” Platsch! Durch die Schwimmweste ist man nicht wirklich tief eingetaucht, Forellen hatten vermutlich auch schon Reißaus genommen, und ich bin mit einem unglaublichen Adrenalinspiegel zum Boot geschwommen. Sicher haben die anderen geklatscht, ich habe es gar nicht gehört. War dann viel zu zitterlich um alleine ins Boot zu klettern. Wow. Ich bin von dem Felsen gesprungen und von hier unten konnte man abschätzen, der war sicher sieben Meter hoch. Sieben Meter! Ich bin von einem Sieben-Meter-Felsen gesprungen und danach konnte mir NICHTS mehr passieren.

Wenn ich mir dieses Bild anschaue wird mir ehrlich gesagt immer noch mulmig.

Die Tour ging weiter, und weil die Bootsbesatzung jedes Mal ihre Plätze durchtauschte konnte ich nun auch mal ganz vorne sitzen, mit toller Aussicht und dem Job den Paddeltakt anzugeben. Auf die einzige wirklich gefährliche Stelle wies der Guide uns glücklicherweise erst hin nachdem wir sie passiert hatten. Schließlich landeten wir wieder am Strand und es hieß wir hätte drei Dinge zu tun: “First we have to carry the boat, then we drive you back to Tolmin, then you get a Šnops.” Das Boot zu tragen war harte Arbeit weil es wirklich recht schwer war, dann wechselten wir das Neopren und unsere klatschnassen Badesachen darunter wieder gegen trockenes Zeug, das fühlte sich schonmal richtig gut an. Nach kurzer Fahrt in zwei abenteuerlichen weißen Kleinbussen trafen wir im Orgabüro des Raftingveranstalters ein und zum Aufwärmen gab es für alle selbstgemachten Blaubeerschnaps. Borovničevec, der in Slowenien traditionell mit Gästen getrunken wird und uns sofort begeistert hat. Noch bevor wir zurück am Campground waren mussten wir den nächsten Supermarkt stürmen um das Zeug flaschenweise zum Zelt zu tragen wo es die ganze Woche über immer wieder und sehr gerne getrunken wurde. Grandios. Warum haben wir das nicht schon in den letzten Jahren entdeckt?

Nach dem Rafting war die Welt für mich zwar eine andere, aber auf dem Festival hatte sich natürlich nichts geändert. Bands spielten laut Running Order. Rising Storm aus Berlin und Alogia aus Serbien hatte ich grade verpasst. Seis drum. Die Bandsache nahm ich dieses Jahr sehr gelassen, denn es hatte auf der Running Order keine einzige Kapelle gegeben die ich *unbedingt* hätte sehen müssen. Megadeth und Sabaton, klar. Guckt man sich an. Aber es waren keine Ich-freu-mich-so-unglaublich-auf-Blind-Guardian oder Machine-Head-muss-ich-sehen-komme-was-wolle dabei. Das war nicht schlimm weil ich ja beim Outiloudi schon mehr als auf meine Kosten gekommen war. Im Gegenteil, ich nutzte die Situation um mal unbekannte Bands anzugucken. Auf der Webseite vom Metaldays konnte man im Vorfeld Infos zu allen noch so kleinen Bands abrufen, inklusive Hörprobe. Daran habe ich meine persönliche Running Order zusammengestellt und alle markiert die interessant klangen. Als Dekoverantwortliche des Camps oblag es mir, neben Solarlaternen, Batiktüchern und Wimpelketten, auch eine wasserfeste Version dieser Running Order an unsere Pavillons zu kleben und so fanden sich nicht wenig Freunde bei meinen ausgesuchten Bands wieder. Es stellte sich als wirklich gute Idee heraus mal Musik anzugucken die man noch nicht kannte und dann entweder total mitzufeiern oder nach zwei Songs Richtung Strand abzudrehen.

Montag habe ich aber wirklich nur Children Of Bodom gesehen, die den Slot einnahmen den Slayer vor drei Jahren hatten: Habe ich grade vor einer Woche als Support von Metallica gesehen, hätte uns eigentlich gleich mitnehmen können. Tolmin-COB waren deutlich weniger keyboardlastig als Prag-COB, insofern bin ich dankbar beide Versionen mal gehört zu haben. Nach den Kindern von Bodo M. liefen wir an der kleinen Bühne vorbei wo grade Turning Golem eine unglaubliche, theatralische Inszenierung ablieferten und Red total begeisterten. Wir anderen fanden uns am Strand wieder, diese Momente der plötzlichen Begeisterung für eine vorher unbekannte Band würden uns noch im Laufe der Woche ereilen.

Am Dienstag kam ich dann mal dazu mehr Bands anzugucken. Es fing an mit Roxin Palace aus Italien die sicher gut waren mir aber nicht nachhaltig in Erinnerung geblieben sind. Zu viele Bands gesehen. Mehr als jemals zuvor in Slowenien. Es verschwimmt insofern leider.

Danach fing es an zu regnen. Muss halt auch mal sein. Das Wetter war in diesem Jahr weniger knallheiß und öfter unterbrochen von Regen was gar nicht negativ war. Außerdem konnten wir dank Bewölkung und dank Zeltplatz in Baumnähe fast zwei Stunden länger schlafen als in den letzten Jahren. Das war toll. Regen war also kein Problem, den bin ich ja gewöhnt. Es regnet neuerdings ja dauernd wenn ich vor einer Bühne stehe. Turnschuhe hatte ich nutzloserweise nach Prag entschlammt, das Erdreich hatten sie sofort wieder drauf. Immerhin konnte ich auch Boots anziehen. Ein Poncho-Selfie mit der Crew die sich da vermutlich grad das Ende von Gold ansieht will ich euch natürlich auch nicht vorenthalten.

Danach tingelten wir zur kleinen Bühne wo die Ungarn von Crossholder spielten die ich gar nicht auf meine Liste geschrieben hatte. Während wir also der Band lauschten ergab sich neben uns eine dieser Situationen die gar nicht mal selten sind und für die man Metaller einfach lieben muss: Das Publikum stahl der Band die Show. Eine Rotte unerschrockener Badegäste hatte ein Schlauchboot mit vor die Bühne gebracht. Soweit nicht ungewöhnlich. Auch Crowdsurfer sieht man öfter mal in Booten. Wie sie da aber mit einer wachsenden Anzahl von Leuten das Schlauchboot durchs magere Publikum rannten, es vor der Bühne in den Graben und die Arme der Security entleerten, zurückrannten, Einen reinsetzten, das Boot wieder hochhievten, zurück zur Bühne rannten, es auskippten, zurück zum Turm, neu besetzten, nach vorne rennen, auskippen, und so weiter. Mit einem ameisenhaften Eifer. Das war groß.

Bei Crossholders letztem Ton war es 18:30 h. Eine angemessene Uhrzeit um mal vor der großen Bühne aufzuschlagen. Mit den Mädels aus dem Camp sahen Natron und ich uns Vaderbuyst aus den Niederlanden an. Klassischer Heavy Rock der wirklich gute Laune machte und ordentlich befeiert wurde. Gute Wahl, hätte ich mir normalerweise vielleicht nie angeguckt. Währenddessen ließ auch der Regen nach und aus den umliegenden Bergwäldern stieg die Feuchtigkeit sofort wieder gen Himmel, so dass uns die Wolken später mit dem gleichen Wasser nochmal nass machen konnten.

Vanderbuyst hatten richtig viel Spaß gemacht, deshalb trafen wir erst nach deren Auftritt an der zweiten Bühne ein. Hier spielten Scarab grade ihre letzten zwei Songs. Und verdammt, die Ägypter waren auch richtig gut! Das war total schade, aber ich werde Scarab dann mal vom heimischen Rechner aus verfolgen.

Wir sahen uns später noch Manilla Road an, die genausowenig begeistern konnten wie Borknagar zeitgleich auf der großen Bühne. Was tut man da also? Man geht an den Strand und trinkt Cocktails.

Im Partyzelt am Strand war die Stimmung bereits kurz vorm Siedepunkt und Natron und ich waren sofort dabei. Metalklassiker wurden lauthals vom Partyvolk gesungen, wir tranken Melonen-Mischgetränke und dann hätten wir irgendwann zu Satyricon vor die Bühne zurückkehren sollen. Aber hier war grad richtig Laune. Noch ein Cocktail oder Satyricon? “Machen wir das vom nächsten Song abhängig,” schlug Natron vor. Die ersten Takte von “Denim And Leather” erklangen. “Das klingt nach Cocktail!”

Tatsächlich schafften wir aber doch irgendwann den Absprung vom Partystrand und fanden unsere Freunde links neben dem Bierstand vor der Bühne. Darauf Satyricon die wirklich sehr beeindruckend waren. Also so richtig. Fantastischer Sound, großartige Show. Gerne wieder beim Paradise, Leute!

Wir waren schon am Dienstag, zwischen den Regenphasen, mit der sogenannten “Luftmatratzentour” unterwegs. Das heißt, man schnappt sich seine Schwimmunterlage, marschiert damit etwas fünfzehn Minuten lang zu einem Strand weiter flussaufwärts, geht dort ins Wasser und lässt sich eine entspannte halbe Stunde lang von der Strömung der Soča zurück zur Tolminka-Mündung treiben wo normalerweise gebadet wird und die anderen Freunde Quartier bezogen haben. Weil das wirklich viel Spaß macht nahmen Natron und ich es Mittwoch nochmal in Angriff. Diesmal packten wir Bierdosen in einen Turnbeutel und brachten sie als selbstkühlende Verpflegung mit ins Wasser. Die Luftmatratzentour wurde begleitet vom ganz üblichen Blödsinn eines Metalfestivals am Fluss: Strandbesatzungen bringen Wasserpistolen in Position und beschießen vorübertreibende Badeinseln, am Brüllstrand wird gebrüllt, die Österreicher vertäuen Schlauchboote, Matratzen und unendlich viel Kinderplantsch-Spielzeug zu einem riesigen Floss, übermotivierte Sabaton-Fans haben aus Plastikflaschen, Bierdosen und sehr viel Gaffatape Maschinengewehre gebaut und treiben auf dem Kriegsschiff Talvisoča flussabwärts (wenn sie nicht grade ihre ferngesteuerten Panzer gassiführen).

Wir entdeckten unterwegs einen Felsen, der nur sehr wenig aus dem Wasser ragte. Da könnte man sich gut dran festhalten… also wurde zurückgepaddelt und dann verweilten wir mitten auf dem Fluss. Für die Betreiber vorüberziehender Palmeninseln und Aufpuste-Einhörner war der Felsen nicht sofort zu erkennen und es muss ausgesehen haben als trotzten wir jeglichen Gesetzen der Physik. “What is this sorcery?!”, riefen sie.

Direkt vom Strand gingen wir zurück zur Bühne, denn die nächste Band kannte zwar keiner, aber sehen wollte sie jeder. Weil sie einen ulkigen Namen haben: Space Unicorn On Fire. Damit kriegt man meine Freunde. Gegen den oldschooligen Heavy Rock der Italienier war auch gar nichts zu sagen und wir hatten viel Spaß vor der Bühne. Als es wieder anfing leicht zu regnen suchten Natron und ich Zuflucht unter dem Krokodil. Gut wenn man immer eins dabei hat.

Der Regen hatten es auch gar nicht ernst gemeint. Kurz darauf war es schon wieder trocken und die Freunde sprangen lichtschwertkämpfend durch das Infield.

Wir sahen später noch Black Diamond aus Slowenien und Artillery aus Dänemark, bei Saltatio Mortis reichte es aber. Zurück ins Camp und grillen. Mittelaltergedudel von der Bühne, die Freunde die vom Konzert zurückkehrten fassten es als “Tröten und Flöten und flache Kapitalismuskritik” zusammen. Wohl nichts verpasst. Amorphis sparte ich mir ebenfalls, zumal Natron grade die perfekte Methode entdeckt hatte um Knoblauch zu grillen. Also ganze Knoblauchknollen. Ohne irgendwas anderes.

Die Party ging später erst bei Volbeat weiter. Ich bin nicht der größte Fan der dänischen Rock’n’Roll-Metaller, aber live ist immer noch was anderes als auf Platte, also fand ich mich auch im Laufe des ersten Songs an der üblichen Stelle links vom Bierstand ein. Und guck mal. Live sind Volbeat viel mehr metal als erwartet. Ziemlich cool. Es fing grade an richtig Spaß zu machen. Sänger Poulsen erklärte aber, dass er Stimmprobleme habe, räusperte sich auch ziemlich viel und ließ das Publikum “Ring Of Fire” singen. Nach etwa fünf Songs ging es dann wohl nicht mehr. Es verließen erst er, dann die Band die Bühne und jemand von der Orga kam heraus um zwischen vielen Entschuldigungen den Auftritt für beendet zu erklären. Voll schade. Ich gehe seit fast zwanzig Jahren auf Konzerte und Festivals und das war das erste Mal, dass ein Gig tatsächlich abgebrochen werden musste. Insofern kann ich mich nicht beschweren, aber für die, die sich total auf die Band gefreut hatten, tat es mir schon leid.

Wir machten das Beste draus, kehrten zum Camp zurück, stellten einen Lautsprecher in die Mitte des Stuhlkreises, drehten Volbeat auf und stießen mit Blaubeerschnaps auf die Gesundheit von Michael Poulsen an. Campparty!

Am Donnerstag wollten die Freunde, die noch nicht dort waren, die Burgruine besuchen die man vom Camp aus sehen kann. Ich bin zwar schon dort gewesen und wusste, dass von der Burg selber nicht viel übrig ist, der Blick von der sogenannten Ziegenklippe dafür aber ein grandioser. Also ging ich nochmal mit. Ein bisschen Wandern ist ja immer nett.

Tatsächlich hat man von der Burg aus einen tollen Ausblick nicht nur auf Tolmin und das Festivalgelände, sondern auch in die andere Richtung des Sočatals.

Ich habe mich allerdings relativ schnell wieder auf den Rückweg gemacht, denn Skelfir wollte ich wirklich ganz gerne sehen. Mit den im Camp gebliebenen Freunden versammelte ich mich vor der kleinen Bühne, wo die Viking-Deathmetaller ordentlich Stimmung machten. “Do you want an epic battle?”, brüllte der Sänger zwischen zwei Songs und aus einem schwarzen Müllsack verteilte die Band aufgepustete Plastik-Morgensterne ins Publikum. Die begeisterten Krieger vor der Bühne teilten sich wie zur Wall Of Death und beim nächsten Song ging die Schlacht zwischen links und rechts los. Ganz großes Kino.

Rechts hatte offenbar gewonnen und bekam von der Bühne eine Flasche Met oder ähnliches gereicht, welche die Runde unter den Kriegern machte und dann entleert (keine Glasflaschen im Naturschutzgebiet!) brav an den Sänger zurückgereicht wurde. Eine abschließende kleine Spitze gegen Volbeat hätten Skelfir sich vielleicht sparen können, aber sonst waren sie maximal unterhaltsam.

Danach gingen wir Kadaver aus Berlin anschauen. Die sollten ursprünglich am Freitag spielen, aber jeden Tag wurde die Running Order, grade für die kleine Bühne, nochmal ordentlich durchgemischt und das hat wirklich genervt. Einige Bands habe ich verpasst weil ich nicht mitbekommen hatte, dass deren Slot nach vorne getauscht worden war. Wenn man sich nicht ständig am Info Point aktualisierte war man mitunter Neese. Aber, Kadaver haben wir immerhin erwischt. Und das war auch gut so. Super entspannter Seventies-Retro-Rock mit Seifenblasen. Ich war danach total gechillt. Hat viel Spaß gemacht.

Im Camp mussten wir unbedingt noch mit unseren blau-roten Hamburger und Berliner Bundesliga-Bechern anstoßen. Alle vier Vereine waren vertreten.

Moonsorrow habe ich mir später auch angeschaut, aber wie bei Volbeat der Rock’n’Roll-Faktor live zurücksteckt, geht bei Moonsorrow der Folk-Anteil unter. Und das fand ich ziemlich schade.

Danach spielten kontrastreich Megadeth. Diejenigen die vor drei Jahren beim Big Four in Gelsenkirchen so grandios abgeluscht haben. Insofern war das Konzert jetzt Dave Mustaines letzte Chance. Megadeth fuhren LED-Rückwände mit hektischen Animationen auf, Dave sah furchtbar runtergekommen aus, performte auch nur mittelmäßig, aber der Sound war viel besser als beim letzten Mal und die Band rettete ihm wirklich den Arsch. Ich bin ein bisschen versöhnt. Zum eigentlichen Potential der Band ist noch viel Luft nach oben, das ist wohl wahr. Aber ich bin froh sie überhaupt wieder akzeptabel live gesehen zu haben, denn seien wir mal ehrlich: Unsere alten Thrash-Helden werden auch nicht fitter. Guckt Megadeth, Slayer und Metallica an wann immer ihr die Chance habt!

Freitag begann wieder am Strand wo sich abermals der Wasserstand geändert hatte und die Strömung der Tolminka mit sinkendem Pegel enorm zugenommen hatte. Also Luftmatratze rein und zum Mini-Rafting in den kalten Fluss. Und gleich nochmal!

Als wir vom Strand zurückkehrten entschied ein Kumpel seine leckgeschlagene Schwimmmatratze nicht wieder mit nach Hause zu nehmen sondern vor Ort schon zu entsorgen. Vorher musste das Ding aber nochmal prall aufgepustet werden damit sich dann alle mit Messern bewaffnet zum Massaker auf den Badekeks stürzen konnten.

Wir gingen später noch entspannt Lord Shades und Cruel Humanity anschauen, wobei mir grade letztere wirklich gut gefielen. Black Metal in Badelatschen.

Bei My Dying Bride wollten wir mal reingucken, aus Gruftiezeiten hatte ich den Namen noch vage in Erinnerung. Tatsächlich schafften sie einen beeindruckenden Spagat zwischen Gothic und Deathmetal. Im Publikum hielten sich gelangweilte Metalcore-Kiddies an ihrem Platz direkt vor der Bühne fest während neben ihnen dunkel geschminkte Mädchen total abgingen. Irgendwie lustig.

Als wir Ex-Grufties Natron, Ophelia und ich so nostalgieseelig beisammenstanden ergab sich auch der Titel für diesen Blogeintrag. Aus unseren T-Shirts.

In der Umbaupause wurden die erwähnten Kiddos dann immer hibbeliger und gingen später wohl bei Heaven Shall Burn total ab. Ich habe das nicht so gesehen weil ich weiter hinten stand und mir nur die ersten drei oder vier Songs anhörte. Metalcore halt. Nicht so meins. Vom Camp aus konnte man die Bühne aber auch noch gut hören und das Cover von Blind Guardians “Valhalla” was Heaven Shall Burn da hinlegten war schon nicht übel.

Ansonsten zogen wir lange Hosen an und diskutierten im Camp ausführlich welche Songs des neuen Albums Sabaton wohl gleich spielen würden. Wäre es wohl möglich, dass sie mit “Night Witches” statt traditionell mit “Ghost Division” eröffnen? Von ihrem fetten Bühnenaufbau hatten wir im Laufe des Tages schon Einzelteile rumstehen sehen. Als wir dann aber vor der Bühne standen und zehntausend Leute den Countdown mitsangen, da war schon klar: Sabaton machen keine Gefangenen. Das Schlagzeug war auf und in einen Panzer gebaut. Aus seinen Kanonenrohren schoss er zum Einmarsch der Band Pyros ab.

“We are Sabaton and this is Ghost Division!” Hätten wir das also geklärt. Die Party ging sofort los. Sabaton spielten ein paar neue Songs die wirklich gut ankamen, Herr Brodén quatschte zwischenzeitlich so viel, dass es sich seine Bandkollegen mit einer Dose Bier zum Picknick auf dem Panzer gemütlich machten und als sie für “Resist And Bite” drei Gitarren brauchten musste er tatsächlich auch selber zur Klampfe greifen. Zur Demonstration seiner Gitrarrenskills spielte der Sänger ein paar Metalklassiker an und mir ging das Herz auf als das Publikum nach drei Tönen die erste Strophe von “Master Of Puppets” sauber fertigsang. “You know your Metallica!”

Auch die Barleute waren mächtig am Mitfeiern, turnten auf ihrem Container rum und hatten irgendeine Konstruktion gebaut die Druckluft involvierte und es ihnen ermöglichte stapelweise Plastikbecher ins Publikum zu verschießen. Das bekam berechtigten Szenenapplaus aus der Menge.

Nachdem Sabaton dermaßen abgeräumt hatten war Tiamat auf der kleinen Bühne irgendwie keine Option mehr, außerdem dräute für den Abreisesamstag Unwetter und wir entschlossen uns, die Zelte eher zeitig abzubauen, was auch ein früheres Zubettgehen involvierte.

Der Samstag begann dann total unwetterfrei. Das Zelt was ich in seine Tasche faltete war trotzdem von oben noch taunass und hatte unten am Boden eine halbe Wiese kleben. Das wurde später auf dem Balkon getrocknet. Nach und nach machten sich die Fahrgemeinschaften vom Acker bis nur ein gut aufgeräumtes Stück Grün zurückblieb. Weil wir nur bis etwa Regensburg zu fahren hatten, gönnten Ophelia, ihr Freund und ich uns den Luxus erst noch im Tolminer Supermarkt Reiseverpflegung zu kaufen und dann gemächlich mit Option auf Zwischenstopps Richtung Predilpass aufzubrechen. Ich berichtete vom Fort Hermann was ich im letzten Jahr besucht hatte. Das lag auf dem Weg und für ein bisschen Wandern und Klettern waren die anderen beiden gerne zu haben. Also parkten wir an der Flitscher Klause, überquerten die mächtige Schlucht daneben und stiegen dann zur Ruine des Forts auf.

Auf dem Weg gab es schon einige Befestigungsanlagen, Munitionslager und Schützenposition. Und Kräuter. Der Koch kann an sowas nicht vorbeigehen. Ein Sträußchen Melisse schaffte es bis ins Auto und jedes Mal wenn man fortan die Kühlbox öffnete duftete das ganze Auto nach Melisse.

Im letzten Jahr hat mich das Fort schon total begeistert, weil ich aber ja meine Kamera damals verloren hatte konnte ich keine eigenen Bilder schießen. Das aufholen zu können war einer der Gründe warum ich meine Freunde zu diesem Ausflug gedrängt hatte. Und dann stehe ich endlich in der Ruine und zücke die Kamera und auf dem Display erscheint: “Akku fast leer. Bitte laden Sie die Kamera auf.” Das ist doch nicht fair!

Glücklicherweise hat mir Ophelia aber eine von ihren zwei Kameras geliehen. Es kontne also losgehen. Die Umgebung, die während unseres Aufstiegs schon eine astreine Kulisse für verschiedenste Rollenspiele abgegeben hätte, mündete nun in dieser atemberaubenden Ruine. Tatsächlich sind es Steine im Wald, aber die komplett unrestaurierte Festung, die zerstörten Räume in denen sich die Natur schon wieder angesiedelt hat, die Korrosionen der Wände, Moos, Pfützen auf den Bodenfliesen und nicht zuletzt das von draußen schon heranziehende Gewitter erschufen mit ihrer Farbpalette und dem gigantischen Rumpeln des Donners eine so dichte Atmosphäre, dass ich mich dem unmöglich entziehen konnte.

Außer uns kletterte keiner in der Festung herum, also pirschte ich die meiste Zeit alleine durch die Trümmer eingestürzter Decken und fühlte mich ein wenig wie der Geist von Harrenhal.

Ich wollte unbedingt noch ein paar Artefakte mitnehmen, irgendwas was Teil des Forts war und dort eine Funktion erfüllt hat. Es lag inzwischen ja alles wie Geröll durcheinander, aber ich fand ein paar Bruchstücke von Bodenfliesen die als magische Schätze im Arsenal meines Gamecharakters erschienen.

So sehr das dichter werdene Donnergrollen zur schaurigen Stimmung in der Ruine beitrug, wir waren vernünftig genug zu entscheiden, dass es wohl nicht die beste Idee sei das Gewitter auf der Spitze einer Berges zu erleben. Auf dem Rückweg zum Auto mussten wir das grade durchlebte Rollenspieler-Level noch weiter ausspinnen, dem Kräutersammler kam die Rolle des Heilers zu und mir mit den Artefakten die Position der Zauberin. Wetterzauber hatte ich aber offenbar noch keinen in der Hexenschule gehabt, jedenfalls gerieten wir sehr bald in fetten Regen. Was halb so schlimm war. Ich war noch seelig geflasht von meinen Eindrücken und im Auto konnten wir ja alle auch trockene Shirts anziehen.

Wir stoppten nach Überquerung des Passes noch kurz am Lago del Predil, der sogar im Regen noch total schön ist. Noch schöner wenn drei Ninjas schwarze Kapuzenpullover anhaben.

Dann ging es in Tarvisio noch Pizza essen und von dort zog sich die Strecke doch noch ziemlich hin. Zum Glück konnten wir wieder einen Zwischenstopp machen und die herzliche Unterbringung bei Ophelias Verwandschaft machte auch die Rückfahrt deutlich einfacher.

Die Bade- und Gamerausflüge auf Hin- und Rückfahrt hatten das diesjährige Metaldays wunderbar eingebettet, aber auch davon abgesehen war es ein fantastischer Urlaub in Slowenien. Anders als die letzten Jahre, aber grade das hat es gebracht. Wir waren diesmal nicht in der tollen Klamm, dafür haben wir uns die Soča erpaddelt. Aus beiden Flüssen habe ich inzwischen so viel Wasser getrunken, dass ich mich auch zuhause noch mit ihnen verbunden fühlen kann. Musikalisch hat sich das Festival auch anders angefühlt, mit weniger Erwartungen und mehr Überraschungen. Es war definitiv eine gute Idee im Vorfeld die kleineren Bands zu recherchieren. Ich habe gefühlt weniger im Camp rumgesessen, definitiv mehr Bands gesehen und Baden waren wir auch total viel. Dazu noch der Triumph der Selbstüberwindung beim Springen vom Riesenfelsen und ich wüsste kaum was ich mir noch wünschen sollte.

Danke Metaldays, du bist ein wunderbares Festival! Ich stimme dem Biersponsor zu: Mehr braucht kein Mensch.