Huch, eine Burdakritik von mir? War das nicht früher immer Natrons Spezialität? War es. Aber die hat ja kein Abo mehr, ich allerdings schon. Wobei ich zugeben muss: Lange Zeit habe ich keine Burdakritiken geschrieben weil mir dieses selbstgefällige Ausgekotze auf Kosten Dritter, was in manchen Blogs oder Foren daraus geworden war, einfach sehr gegen den Strich geht. Also, bei mir solls ein bisschen positiver zugehen. Das wird auch nicht schwer, aus dem aktuellen Heft mag ich nämlich ziemlich viel.
Man findet ja nicht in jeder Ausgabe etwas das einen sofort begeistert. Manche leg ich auch erstmal weg und denke: ”Naja…” Die Erfahrung zeigt aber, dass solche Hefte ihre Daseinsberechtigung haben. Wie oft habe ich auf der Suche nach einem Schnitt ein uraltes Heft aus dem Regal gezogen. Ich wandel viele Schnitte ab oder bau sie komplett um, deshalb kann ich oft nicht sagen was für ein Potential das ungünstige Kleid auf Seite vierzehn in sechs Monaten vielleicht haben wird, wenn ich gerade auf der Suche nach genau diesen Abnähern bin. Mein liebstes Burdaheft ist übrigens auch schon steinalt, nämlich die sagenhafte Ausgabe 01/06. Aus keinem Heft habe ich mehr nachgenäht. Nichts davon allerdings 2006. Soviel also zu highlightlosen Ausgaben. Nun zum Heft 02/12.
Im Bastelteil am Anfang (der heißt offensichtlich “kreativ-trend”) geht es um am Gürtel befestigte Blasebalgtaschen, Stückwerk aus unterschiedlichen Denims und selbstgemachtes Plissee. Idee Eins finde ich gar nicht schlecht, so wie Burda es gemacht hat eher in einem Endzeit-Fantasy-Kontext, mit Änderungen aber auch als Festivaltaschen. Denim mag ich sowieso und die verschiedenen Blautöne haben was Nostalgisches. Gefällt. Ob ich mir allerdings jemals die Mühe machen werde Plisseefalten auch noch abzusteppen halte ich für fraglich. Aber andererseits nicht ausgeschlossener als siebenhundertundzwanzig Sechsecke mit der Hand zusammenzunähen ;)
Die erste Modestrecke: Streifen. Schon seit einigen Heften gibt es ja diese anfängerfreundlichen Schnitte, die extra als “leicht” markiert sind. Tolle Idee. Mir gefallen aber der Rock 123 B und alle seine Verwandten, egal ob lang oder kurz, nicht besonders. Ich glaube ich mag einfach dieses Rüschenköpfchen über dem Gürtel nicht. Cardigan 122 ist auch nicht so mein Look, aber den selbstgemachten Streifenstoff finde ich prima. Das kann man auf jeden Fall ausbauen. Und dann kommen wir auch schon zu meinem ersten Favoriten, dem Shirt 108 C. Das kommt noch in anderen Versionen, aber gerade in weißem Jersey mag ich es. Futuristisch. Sauber. Schöne Linien. Auf der nächsten Seite der nächste Volltreffer, das Kleid 119 C. In dem gestreiften Stoff kommt die Schnittführung zwar zu wenig zur Geltung, finde ich, aber ich mag diese Schultereinsätze. Und es hat Taschen, das ist nie verkehrt. Dürfte auch auf der Raumstation vorkommen auf die 108 C mich gedanklich katapultiert hat.
Die nächste Strecke heißt Color Blocking. Farbkonzepte sind ja immer etwas..beliebig. Alles in schwarz wäre eine ganz andere Strecke, aber mit den gleichen Schnitten. Okay, hier geht es außerdem in Richtung Seventies. Dann ist ja gut. Von dem weiten Oberteil 105 bin ich nicht soo begeistert, aber der Gürtel! Der ist super. Gerade auch mit gold. Verdammt, wieder ein Einsatzort für goldenes Kunstleder und keines aufzutreiben! Die kleine Jacke 101 mag ich auch. Die sieht nach einer hübschen Alternative zum Blazer aus. Und dann kommt unser Shirt mit dem Bateauausschnitt wieder, diesmal als Kleid 107 B aus unelastischem Material. Durch die glänzenden Partien ist es mir etwas zu dressy, sonst kann ich es mir aber gut aus einem leichten Sommerstoff vorstellen. Gibts natürlich auch als Shirt 107 A, in einem ganz wunderbaren Gelb.
Plusmode kommt diesmal als Hochzeitsstrecke daher. Die Plussachen haben oft ganz tolle Schnitte, da war ich schon ab und an neidisch. Hier hat es mir vor allem das Kleid 134 angetan. Tolle Linienführung, schöner Ausschnitt. Mädchenhaft aber nicht zu verspielt. Okay, über die Schleife können wir reden. Das Kleid 131 und die Jacke 129 finde ich auch eine tolle Kombination mit wunderbarer Silhouette. In lang gefällt mir Kleid 135 nicht mehr so gut. Da stimmen irgendwie die Proportionen nicht mehr so, finde ich. Zu viel Stoff. Vielleicht stimmt es wieder wenn man die Ärmel weglässt. Um die Arme zu bedecken finde ich dieses entzückende Spitzenjäckchen 136 sowieso die bessere Lösung. Ich mag die Bogenkante an den Säumen. Bei Kleid 132 und Mantel 130 liebe ich die Farbe! Und die Kombination von Spitze und glattem Stoff. Das Kleid alleine hat nicht halb so viel Wirkung.
Es folgt der Asia-Look. Kein ganz einfach zu beackerndes Feld, meine ich. Und der Papierschirm mit den Schriftzeichen auf Seite 42 stürzt auch gleich mal in die Faschingsfalle. Dafür gefällt mir der Mantel 113. Kann aber auch sein, dass mich bloß der Goldbrokat ködert. Kleid 117 A ist überhaupt nicht mein Fall. Zu eng, zu konstruiert. Da fehlt mir was lässiges, elegantes dran. Dafür aber die Kimonobluse 116! Hach! Der Stoff! Und die Ärmel sind auch nur weit, aber nicht übertrieben ausgestellt. Wirklich schönes Teil. Der goldene Mantel versucht es nochmal als Jacke 112, und diesmal hat er mich fast gekriegt. Sogar der Chinajacquard sieht hier gar nicht so verkleidet aus. Ob das in freier Wildbahn noch so wäre, bleibt dahingestellt. Aber ich wollte das Zeug ja ohnehin nicht mehr verarbeiten. Ich mag jedenfalls auch die Kontrastierung mit den schwarzen Elementen und die unerwartet schrägen Knopfzierer. Kleid 111 ist keine üble Interpretation des Suzie Wong-Themas, passt in meinem Kopf aber viel besser ins Weltall als in den japanischen Garten. Stellt euch das mal in weiß vor, oder in grau mit dunkelroter Blende. Besser als jede Star Trek Uniform ;) Dann noch mal schnell mein Freund 108 A aus wunderbaren Seidenstoffen. Spätestens jetzt muss man doch von diesem Schnitt überzeugt sein.
Lustigerweise hat Burda dann noch eine futuristische Strecke. Dabei hab ich meine Sci-Fi-Sachen doch schon längst gefunden. Jacke 118 finde ich gar nicht übel, weiß aber jetzt schon, dass mich die weiten Ärmel stören würden. Die glatte Front und der asymmetrische Verschluss punkten aber schonmal. Wir sehen auch gleich Kleid 119 B nochmal in einfarbig. Im Heft toll gestylt, so muss das wirken. Würde auch mit Gürtel funktionieren. Das unentspannte Kleid von eben gibt es auch als Bleistiftrock 121 A. Immernoch neunziger, aber ich mag den frivolen sichtbaren Reißverschluss auf der Rückseite. Wenn auch vielleicht nicht fürs Büro.
Dann hätten wir noch einen wiederaufgelegten Schnitt aus den Fünfzigern. Auch eine Rubrik die ich mag. Diesmal ist es eine kurze Jacke mit viel Weite im Rücken. Ich frage mich wie die ohne Pose aussieht. Das Material ist jedenfalls großartig. Auf der Webseite ist es noch nicht drauf, deshalb kein Bild dazu.
Und dann, oha, Umstandsmode. Hatten wir ja noch nie. Ich mag jedenfalls den Turtleneckkragen zum ansonsten schlichten Kleid bei Modell 127 C. Mal sehen ob ich mich daran noch erinnere wenn ich irgendwann mal in die Verlegenheit kommen sollte.
Kinderkleider und Deko lasse ich mal unkommentiert. Da waren ein paar hübsche Sachen bei, aber nichts was mich völlig aus dem Häuschen gebracht hätte.
Und das war Heft 02/12. Ein paar wunderbare futuristische Shirts und Kleider, reizvolle kurze Jacken, der tolle Gürtel mit dem Kunstleder und die grandiose Kimonobluse. Ganz schön viel Highlights für ein Heft. Und, habt ihrs gemerkt, ich habe keine einzige Hose kommentiert. Hat mich keine angelabert. Was ein gutes Zeichen ist. Ich habe im letzten Jahr nämlich überproportional viele Hosen genäht. Da kann auch mal was anderes kommen.