Nützlich & Niedlich

20. Oktober 2014 (11:56 h) – Tags:

Musik: Kreator - Phantom Antichrist 

Angefixt von Natrons gar nicht so langweiligem Projekt des Höschennähens habe ich mal meine Jerseybestände durchgekramt und angefangen ebenfalls Schlüpper zu nähen. Wie auch Natron habe ich diesen Schnitt von indigorchid als Grundlage verwendet. Ich habe die Nahtzugaben rausgezeichnet, dann an den Säumen noch etwas Material weggenommen weil ich diese nicht mit Gummi sondern mit gedehnten Jerseystreifen verarbeiten wollte. Die Vorgehensweise ist dabei fast die gleiche wie beim Jerseystreifen am Shirt-Ausschnitt, nur habe ich halt deutlich mehr gedehnt, damit das Bündchen auch was hält.

Mein erster Versuch in grün scheiterte am Material. Der Stoff war nur in eine Richtung elastisch, das funktionierte nicht. Was gelernt. Zum Glück sind die meisten meiner erschreckend vielen gemusterten Jerseys bi-elastisch und ich habe schon ein paar schräge, grelle und niedliche Kandidaten verarbeitet. Passende einfarbige Reste für die Bündchen waren natürlich auch noch jede Menge da.

Das macht tatsächlich nicht viel Arbeit und daher auch ein wenig süchtig. Und nützlich sind die Höschen auch. Da ich kein übermäßig großer Fan von Kunstfaser und Spitzenwäsche bin kommt mir das hier sehr entgegen.

Die Kirschen links waren mein zweiter Versuch, danach habe ich den Schnitt noch etwas kürzer gemacht. Den Pünktchenjersey habe ich noch in rauhen Mengen bzw einer zweiten Farbe, der kommt sicher nochmal vor. Ansonsten alles was mir beim Durchstöbern der Restekisten so in die Hände fällt. Momentan liegen die nächsten schon zugeschnitten auf der Kettelmaschine und ich ahne was dem Probestoff aus meinem letzten Eintrag widerfahren wird.

Curiosity colored the cat

18. Oktober 2014 (11:48 h) – Tags: , ,

Musik: Disturbed - Haunted | Stimmung: Wochenende!

Erinnert sich noch jemand an das Drachentuch, das ich Anfang des Sommers auf dem Outiloudi gekauft habe? Das hier?

Ich hatte extra den Drachen auf weiß ausgesucht weil ich das Tuch selber färben wollte. Davon bin ich auch nicht abgekommen. Aber unkontrollierbare Batik mit ein oder zwei Farben (so schön das aussieht!) ist bei diesem Projekt nicht was ich will. Der Drache als König der Fantasywelt muss Fantasyfarben bekommen, und damit meine ich grün-türkis-blau-violett-pink. Die sollen nach Möglichkeit nicht völlig ineinandermatschen sondern einen groben Farbverlauf bilden. Die Herausforderung besteht also darin, eine Färbetechnik zu finden mit der ein solcher Farbverlauf auf das Tuch zu bekommen ist.

Das Problem mit meinen üblichen Batikfarben (Marabu EasyColor) ist, dass sie warm angemischt werden und der Stoff dann relativ lange in der Färbelauge liegen muss. Wenn man die angemischten Farben über den Stoff gibt (auch großzügig), dann sickern sie weg und färben nicht so intensiv. Das habe ich zum Beispiel bei der Regenbogenbatik vor zwei Jahren gemerkt. Ich brauchte also eher Farben die sofort funktionieren und in denen der Stoff nicht einweichen muss.

Meine erste Idee waren Stoffmalfarben. Die wollte ich verdünnen und dann grob auf den feuchten Stoff bringen. Ich besorgte also die entsprechenden Farbtöne und fischte ein zu Experimenten aufgelegtes weißes Top aus dem Schrank. Das wurde nass gemacht, ausgewrungen und auf eine (mit Plastiktüte bespannte) Pappe gezogen. Dann ging ich mit den Farben und einer Blumenspritze ans Werk. Durch das nachträgliche Aufsprühen von Wasser kann man die Farben noch besser ineinanderlaufen lassen. Natürlich wird die Arbeit so auch ganz schön nass, Folie auf dem Fußboden ist also auf jeden Fall angeraten.

Das Shirt trocknete in der Badewanne soweit, dass es nicht mehr tropfte, dann kam es auf den Wäscheständer. Anschließend bügeln und probewaschen.

Fazit dieses Tests: Die Stoffmalfarben lassen sich natürlich sehr gezielt auftragen, man kann genau steuern wo man welche Farbe haben mag. Auf nassem Stoff verlaufen sie sehr gut, auch noch beim Trocknen, das sollte man berücksichtigen. Davon abgesehen, dass das Shirt eine ziemliche Sargklamotte geworden ist weil ich die Rückseite einfach weiß gelassen habe, ist es ein hübsches Teil. Nachteil der Stoffmalfarben: Ich arbeite damit automatisch kleinteilig. Selbst mit größeren Pinseln verzettel ich mich in Details. Insofern glaube ich nicht, dass dies die richtige Technik für ein großes Tuch ist.

Ich recherchierte also weiter und stieß auf flüssige Batikfarben in Spritzflaschen. Das Internet ist voller Projekte und Anleitungen von Leuten die damit tolle Shirts, Bettlaken und anderes gemacht haben. In Amerika gibt es diese Farben offenbar überall zu kaufen. Hier nicht. Amazon hätte sie mir importiert, aber zu solchen Mondpreisen, dass ich dankend ablehnte.

Dann stieß ich aber auf Marabu Fashion-Spray. Eine ähnliche flüssig Stofffarbe, nur in Sprühflaschen. Praktischerweise verkauften sie neulich auf einem Shoppingsender so was ähnliches und führten mir (zu dem Zeitpunkt krank auf dem Sofa rumlungernd) vor was das Zeug alles kann. Das klang vielversprechend. Ich besorgte also das Fashion-Spray in vier Farben.

Diesmal gaben weiße Jerseyreste die Probekandidaten. Man sieht wie die Farbe sprüht: Mit Klecksen und nicht unbedingt sehr dicht. Die Kleckse finde ich als Effekte gar nicht verkehrt, aber etwas mehr Intensität dürfen die Farbtöne schon rüberbringen. Also habe ich wieder zur Blumenspritze gegriffen und siehe da, die Farben liefen hervorragend ineinander. Die irgendwann klitschnassen Stoffe habe ich testweise zusammengeknüllt wobei die Farben nochmal gut aufeinander abgefärbt haben.

Dann legte ich die tiefnassen Lappen in die Badewanne. Ich wollte sie wieder antrocknen lassen, möglichst waagerecht weil ich befürchtete, dass die Farbpigmente sonst abrutschen könnten und alles nach unten verläuft. Ich drehte mich einmal um, ging kurz aus dem Bad und kehrte dann zurück um meine Katze Siouxsie in der Badewanne, mit vier Füßen auf dem bunten Jersey stehend, vorzufinden. Ich versuchte sie runterzuheben, sie entkam, bunte Pfötchenabdrücke ins Bad stempelnd. Das Ende vom Lied war eine protestierende, unter den Arm geklemmte Katze der ich ihre blauen Füßchen zu putzen versuchte. Und dann eine kleine Badezimmer-Putzaktion.

Notgedrungen hing ich die tropfnassen Stoffe doch auf den Wäscheständer (Folie drunter) und es passierte genau was ich befürchtet hatte: Jede einzelne Stange auf der sie auflagen drückte sich in die Farbe und hinterließ dunkle oder helle Stellen. Nagut. Teststoffe, ist also nicht so schlimm.

Die trocknen Jerseys hätte ich dann bügeln können, aber man kann die Farben auch im Backofen fixieren, was ich prompt ausprobiert habe. Nach dem Testwaschen sind die Farben etwas blasser geworden, aber nicht viel.

Fazit zu den Sprühfarben: Wenn man zusätzliche Wasser aufsprüht laufen die Farben wunderbar ineinander und ergeben tolle Effekte. Das ist leicht hinzukriegen und verbraucht nur sehr wenig Farbe. Man kann damit auch großflächiger arbeiten, für Details könnte man sicher auch Stoffmalfarben dazukombinieren. Nachteil: Die Stoffe werden bei dieser Technik stark durchnässt und es ist fast unmöglich große Stücke so zu trocknen, dass dabei die Farbe nicht verrutscht.

Hinsichtlich meines Drachentuches stellt letzteres ein Problem dar. Die einzige Möglichkeit die ich sehe, ist das ganze an einem sehr warmen Sommertag auf einer Wiese zu machen und das Tuch dann einfach liegen und in der Sonne (an)trocknen zu lassen. Nur: Sommer, das ist die Jahreszeit die grade vorbei ist. Es kann also gut sein, dass der Drache noch etwas auf seine Fantasyfarben warten muss. Auch wenn ich das voll schade finde.

Numb and intoxicated

22. September 2014 (17:25 h) – Tags:

Musik: Blind Guardian - Lord Of The Rings 

Vor einer Woche bin ich mit ätzenden Halsschmerzen und allgemeiner Matschigkeit zum Arzt gegangen. Mandelentzündung, schon wieder, und das obwohl gar kein Festival ansteht. Glücklicherweise kann man die mit Antibiotika ja relativ fix in den Griff kriegen. Mir ging es also nach zwei Tagen schon wieder besser. So schnell wollte die Erkrankung dann aber doch nicht abziehen und lud sich noch ein paar Freunde ein: “Es ist grad keiner an der Tür, kommt rein!” “Aber das Antibiotikum…” “Ihr seid Viren, das kann euch gar nichts! Jetzt kommt schon!” “Achso, na dann..!” Und es machte sich feixend eine fette Erkältung breit. Nicht so eine mit ein bisschen Schnupfen und dann wieder fit sondern das volle Programm. Nächtelang habe ich gehustet statt geschlafen, zwischendurch schlapp und fiebrig auf dem Sofa rumgelegen und so viel ferngesehen, dass es für mindestens fünf Jahre reicht.

Die Katzen haben mir unerschrocken Gesellschaft geleistet und mein Krankenlager gehütet. Mein Pfötchen gehalten. Dank ihrer guten Pflege ist heute der erste Tag an dem ich mich wieder etwas besser fühle. Ich akzeptiere, dass mein Körper da offenbar einen unerwarteten Reboot machen musste, aber am Ende ist nichts besser als wieder gesund zu werden.

king jeremy the wicked

17. September 2014 (14:53 h) – Tags: ,

Die Neunziger. Wer von euch alt genug ist denkt mal kurz an diese Dekade zurück. Was fällt euch dazu ein? Mir (völlig ungeordnet) die Loveparade, Girlies, Smileys, Sonnenblumen, Plastikschmuck, ein knallbuntes Siebziger-Jahre-Revival mit Polyesterschlaghosen von Orsay, Tigerenten, Buffalos, Jean Pascale Pullover, Hard Rock Café T-Shirts und die unsägliche 501 die damals schon sagenhafte 80 Mark kostete. Eine Schulfreundin ließ sich (total krass!) ein Bauchnabelpiercing stechen und wir gaben alle zu bedenken, dass da doch dauernd der Hosenbund dran scheuern würde. So saßen angesagte Hosen damals.

Ehrlich gesagt mochte ich die Neunziger während sie stattfanden schon nicht besonders. Ich war ein ruhiges Kind, ein Aussenseiter, und Techno ging mir wahnsinnig auf den Senkel. Zum Glück holte mich die alternative Seite der Neunziger genau da ab wo ich stand: Grunge. Ich hatte ursprünglich cremefarbene Chucks auf deren Kappe ich mit Kugelschreiber “Pearl Jam” schrieb, batikte meine weißen Jeans in schwarz, trug Flanellhemden und Eyeliner, blondierte meine Haare zum ersten Mal kaputt und fühlte mich sogar dann noch total verstanden wenn Kurt Cobain “I take all the blame / Aqua, seafoam, shame” nöhlte.

Und nun kommt die Mode 2014 daher und ruft das Revival der Neunziger aus. Natürlich abgestimmt auf die Leute die damals nicht oder nicht richtig dabei waren, weil sie einfach zu jung sind. Nicht für mich. Ich bin jetzt die alte Ziege die “So war das damals gar nicht!” rufen kann. Aber ein wenig nostalgisch hat mich das eine oder andere doch schon gemacht.

Also habe ich auch ein Stück Neunziger für mich genäht. Das Blümchenkleid. Wurde anno dazumal mit Boots kombiniert weil es ja auch wieder nicht zu mädchenhaft wirken sollte und mit einem engem Shirt drunter getragen weil der Ausschnitt und die Spaghettiträger für uns Teenager viel zu gewagt waren. Man hatte einfach noch nie was mit Dekolleté getragen. Die Boots übernehme ich gerne, das Shirt drunter… das muss vermutlich nicht mehr sein.

In meiner Erinnerung waren die Blümchenkleider vor allem schwarzgrundig, demnach habe ich einen schwarzen Stoff mit rosa Blümchen gekauft. Polyester. Deshalb musste er unterlegt werden. Als Futter dient ein dunkelblauer Leinenbatist. Ich habe beide Lagen am Ausschnitt verstürzt, die Blümchen unten ordentlich gesäumt und dem Futter eine Spitzenkante verpasst. Diese sogenannte “Spinnenspitze” habe ich in meinen Gruftiezeiten total gerne verwendet, glücklicherweise hatte ich noch einen Rest und konnte so noch mehr Nostalgie in das Kleid einarbeiten.

Der Schnitt basiert auf dem, den ich für das weiße Ibiza-Sommerkleid gezeichnet hatte, ist also selbstgemacht. Ich habe für das Blumenkleid aus den Brust- und Taillenabnähern Prinzessnähte gemacht und einen ausgestellten Rock angezeichnet. Die Träger habe ich so angesetzt, dass sie ungefähr über den Trägern vom Lieblings-BH entlanggehen. Hinten hat das Kleid ein völlig nutzloses Bindebändchen. Es ist nicht so locker, dass man es enger schnüren müsste, aber ich meine mich an solche Details aus den Neunzigern zu erinnern.

Blöderweise habe ich das Kleid in dem Moment fertig, wo sich der Sommer vom Acker macht. Ich denke aber, dass es mit Strumpfhosen und Strickjacke durchaus noch etwas mit in den Herbst kommen kann. Und rein spaßeshalber, just because I can, habe ich es auch mal zum Neunziger-Jahre-Cosplay gestylt.

Das ist zwar irgendwie süß, so mit allen Klischees die mir grad eingefallen sind, aber das bin ich ehrlich gesagt nicht. Sans Hut, Choker und mit Strickjacke statt Shirt sieht der Look schon wieder ganz anders aus. Die Overknees habe ich ewig nicht getragen, aber zu den klassischen Boots mag ich sie ganz gerne. Und die zweiundvierzig schmalen Silberreifen! Die sollte ich echt mal wieder ausführen.

Insgesamt mag ich dieses Projekt sehr gerne weil es eins von diesen ist, wo man auch den Schnitt selbst gemacht hat und er sitzt fantastisch. Dazu fühlt sich das Kleid so gut verarbeitet an weil ich einige Details von Hand gemacht habe und ein Futter ja auch immer so einen hochwertigen Look erzeugt. Den Schnitt werde ich also definitiv gerne weiterverwenden, auch wenn mir spontan noch nichts einfällt was in diese Richtung geht.

Das wollte ich schon länger mal bloggen

6. September 2014 (09:32 h) – Tags: , , ,

Musik: Pearl Jam - Ten (Woah, die Neunziger!) | Stimmung: Wordpress 4.0 hat mitscrollende Werkzeugleisten beim Schreiben, total super!

Heute gibts mehr von dem “Tanktop-Basisschnitt an dem ich diesen Sommer rumgedoktort habe” und ein Hippieteil. You in?

Der Tanktop-Schnitt soll neben Modell “T”, was ja ein enger Shirtschnitt mit Ärmeln ist, ein weiteres selbstgezeichnetes Basic für meine Schnittmustersammlung werden. Ein simples Tanktop war tatsächlich schnell entworfen und mehrfach probegenäht, so dass ich den Teil als erledigt betrachten würde. Mit der Ringerrückenversion habe ich mich dann etwas angestellt.

Hier sind zwei Versionen die immer noch nicht den *perfekten* Ringerrücken haben, die ich aber trotzdem mag.

Der schonmal erwähnte “zickige Streifenjersey” in schoko-erdbeer. Der ist ziemlich dünn und verleiert sich in alle Richtungen wobei er sich gleichzeitig an den Kanten einrollt. Aber ich mag ihn als fertige Klamotte gerne. Daraus habe ich schon ein kurz- und ein langärmeliges Modell “T”, und nun dieses lockere Top. Darunter muss man einen hautfarbenen BH mit gekreuzten Trägern anziehen weil der Stoff leicht durchscheinend ist und der Rücken zu schmal für normale Träger.

Den BH kann man hierfür gleich anlassen. Der Rücken ist der selbe, das Shirt ist aber enger. In verwaschenem Neongelb ein Verwandter von diesem Shirt und definitiv ein Teil was den Effekt von ein bisschen Sonnenbräune zu “Woah, bist du braun geworden!” verstärkt.

Neben den ganzen Tops, die ich gerne nähe um Stoffe aus meinem Bestand aufzubrauchen, habe ich mich aber auch noch an eine Hose gesetzt. Die ist nicht komplett selbstgenäht sondern basiert auf einer Jeans aus dem Secondhand die auch schon eine ganze Weile auf dem Stapel lag und bearbeitet werden wollte.

Den oberen Teil der Hose habe ich beibehalten. Oberhalb des Knies dann ausgestellte Hosenbeine angesetzt. Ich weiß, Schlaghosen sind nicht in Mode und Natron findet sie auch furchtbar, aber ich mag den Look. Das Schöne am Selbernähen ist ja ua die Unabhängigkeit von Trends.

Meine Hippiehosen habe ich dann noch mit Patches aus allen möglichen Denimresten benäht. Da waren Abschnitte von gekürzten Arbeitshosen bei und Stoff von den anderen Secondhand-Jeans aus denen ich Shorts gemacht hatte und Fischis von Natron. Ein paar Zierstiche und eine wirklich schöne hellblaue Spitzenborte habe ich auch noch untergebracht. So ganz fertig erscheint mir die Hose noch nicht, aber Aufnäher und Effekte kann man ja immernoch hinzufügen.

The Lords of Summer shall return

1. September 2014 (16:59 h) – Tags: , , ,

Musik: Best of Megadeth. Nice. 

Ich hätte gerne noch mehr vom Metalsommer. Den, den man mit einem Captain-Cola in der Hand und Doublebass im Ohr verbracht hat. Wo es für Bandshirts schon wieder zu warm war und man erst abends Boots und seine Kutte rausgeholt hat. Meine Metallerinnen-Sommergarderobe hat sich entsprechend um folgende Teile erweitert:

1. Das Spitzen-Festivaltop

Beim Metalcamp (es heißt Metaldays, da muss ich mich wirklich mal dran gewöhnen) kann man am letzten Tag immer schon Tickets fürs nächste Jahr kaufen. Zum Sonderpreis, direkt vor Ort. Das haben wir im letzten Jahr gemacht und bekamen zu den Karten auch Shirts dazu. Ich hatte eigentlich ein großes T-Shirt, das wollte ich irgendwie umnähen. Dann stellte sich heraus, dass mein Kumpel für seine zwei Meter Körpergröße ein Girlieshirt in Größe M erwischt hatte. Das hätte vermutlich lustig ausgesehen. Wir tauschten trotzdem und sogar mir war das Girlie zu eng. Deshalb habe ich es dann ebenfalls umgenäht.

Bei meinen Türken habe ich nämlich günstigen elastischen Spitzenstoff in schwarz bekommen. Deshalb ist aus dem Shirt ein Tanktop mit Spitzenrücken geworden. Die Ausschnitte habe ich klassisch mit Jerseyband verarbeitet. Hinten sieht man den BH durch. Und obwohl ich sonst immer die Erste bin die über sichtbare Träger mosert, kann ich hier ziemlich gut damit leben. Mit einem Vorderverschluss-Ringerrücken-BH sieht es zugegeben noch etwas besser aus.

2. Das UMF-Kleidchen

Das hier ist wirklich aus einem großen T-Shirt entstanden. Aus einem sehr großen. 2XL, glaube ich. Das war ein Probedruck für das Wackencamp-Shirt des Jahres 2010. Natron hatte damals dieses coole darkthrone-mäßige Blackmetal-Logo entworfen was so gut ankam, dass die Freunde bis zum heutigen Tag fragen ob man das nicht nochmal nachdrucken lassen kann. Ich war 2010 gar nicht in Wacken, aber immerhin habe ich eins der raren Shirts abgegriffen.

Daraus habe ich dieses ziemlich simple Kleidchen genäht. Die Träger und das Einfassband am Ausschnitt sind aus Jersey, wie Schrägband verarbeitet und in der zweiten Runde von Hand angenäht. Am unteren Ende habe ich die existierenden Säume erhalten und die unterschiedlichen Längen durch kleine Schlitze in den Seitennähten versöhnt. Dieser etwas zipfelige Effekt da unten am Saum gefällt mir tatsächlich ziemlich gut, auch wenn er ursprünglich der reinen Faulheit geschuldet war. Das UMF-Kleidchen habe ich dieses Jahr in Slowenien fast nur angehabt weil es super bequem und ein idealer Kumpel für 35 Grad im Schatten ist.

3. Das Camo-Schmusekleid

Camouflage muss natürlich auch sein. Da bin ich offenbar ein größerer Freund von als mir bewußt war. Als ich auf dem Türkenmarkt vor einer Weile einen Rippjersey mit schwarz-grauem Tarnfleckmuster entdeckte, habe ich davon natürlich gleich zwei Meter mitgenommen.

Die sind nicht komplett in dieses Kleid geflossen. Als Schnitt dient der Tanktop-Basisschnitt an dem ich diesen Sommer rumgedoktort habe. Den habe ich zu einem simplen Kleid verlängert und die Ausschnitte wieder mit Jerseyband hinternäht. Wirklich keine große Sache, aber ein total schönes lockeres Kleidchen mit Schmusefaktor. Der Camo-Jersey ist nämlich innen angerauht. Kuschelig. Damit war er allerdings mitunter auch zu warm für die Hitze beim Metalcamp und ich spekuliere deshalb darauf, das Kleid noch ein bisschen in den Herbst rein tragen zu können.

Flecht und Ordnung

26. August 2014 (08:44 h) – Tags:

Musik: Turisas - Piece By Piece | Stimmung: Brombeeren aus dem Garten meiner Kollegin!

Haar-Eintrag heißt es gibt irgendwas geflochtenes zu sehen. Da könnt ihr euch drauf verlassen. Ich habe grade nochmal den tag “Haare” zurückgescrollt und vorgeführt bekommen wie toll meine Haare in den letzten zwei Jahren gewachsen sind. Das merke ich natürlich auch im echten Leben. Heute zum Beispiel. Es war Schlappe auf Arbeit und ich langweilte mich. Und spielte mit meinem Pferdeschwanz und dachte: “Probierst du doch mal aus einen Fischgratzopf zu flechten.” Das habe ich bisher nur bei anderen Leuten bzw in den Extensions die ich vor anderthalb Jahren getragen habe gemacht. Mal gucken ob es bei mir selber hinter dem Kopf ohne Hingucken auch klappt. Es klappte und ich band das ganze mit einem Schnippsgummi ab, weil ich ja nur einen Zopfgummi dafür aber diverses Büromaterial da hatte.

Hier ist die Pracht zugegeben schon etwas hipstermäßig auseinandergefallen. Heute früh war es der Wahnsinn. Ich erinnere mich noch daran, dass ich diese Frisur entdeckte als meine Haare grade in einer ganz schlimm kaputten Phase waren und dacht es würde ja noch eeeewig dauern bis ich sowas mal tragen könnte. Leute, ich sage euch: So fühlt sich Glück an. Wieder lange Haare zu haben ist Glück.

Mit ein bisschen mehr Aufwand ist neulich diese Frisur entstanden. Den seitlichen Zopf mag ich wirklich ziemlich gerne weil er weniger streng aussieht als ein Zopf im Nacken.

Normalerweise binde ich die Haare auch einfach nur seitlich zusammen und lasse den Zopf dann in Ruhe, hier habe ich geflochten. Und zwar mehr als von vorne zu sehen ist.

Links noch zwei kleine Strähnen die dann mit in den schrägen französischen Zopf reingeflochten werden. Das war weniger Arbeit als es aussieht. Der französische Zopf ist ja auch wirklich nur Übung. Anfangs habe ich den überhaupt nicht hingekriegt inzwischen sogar seitlich oder schräg.

Die Haare sollen natürlich noch weiter wachsen. Ich habe mit meiner Friseurin den Deal, dass sie nur jedes zweite Mal einen Zentimeter Länge und 5 Millimeter in den Stufen wegschneidet. Ich denke so wenig ist es zwar in Wirklichkeit nicht, aber noch wenig genug um die Haare wachsen zu lassen. Ob sie nochmal taillenlang werden wage ich zu bezweifeln, als sie 2006 so lang waren hatte ich keine Blondierung drin. Immerhin pflege ich jetzt mehr, wasche deutlich weniger, benutze nur noch Naturkosmetik, kämme sie nicht mehr nass und föhne kühler. Könnte ja auch was bringen.

Dye, Dye My Darling

21. August 2014 (13:42 h) – Tags: , , , ,

Batikgerümpel war natürlich noch nicht komplett. Ich hatte ja noch mehr Farbe. Nämlich diesmal violett und dunkelblau. Die beiden hatte ich gekauft nachdem ich auf Pinterest diese Kombination mit lilafarben gebatikter Hose und Häkelspitzentop gesehen hatte. Ich musste sofort an meine mauvefarbene Aladinhose von 2011 denken und daran, dass ich sie zu wenig trage und ausserdem schon länger soetwas ähnliches wie ein Häkelspitzentop haben möchte. Der Plan war also: Häkelspitzenborte kaufen, Top nähen, Hose batiken.

Mein Freund der Türkenmarkt hatte natürlich Borte für mich. Oh ja. Erstmal kaufte ich bei dem üblichen Bortendealer zwei Sorten reinweiße Häkelborte, eine schmale und eine breite, die wollte ich zusammen mit einer Art Seersucker aus meinem Bestand verarbeiten. Damit hatte ich eigentlich ausgesorgt. Aber dann schlenderte ich weiter über den Markt und -huch!- die Gardinenhändler hatten auch Borte. Und was für welche! Ich konnte also nicht dran vorbeigehen und kaufte für 8 Euro noch einen Coupon mit 9 Metern cremefarbener Borte. Deren elegantes, schwungvolles Design mit Schlaufen und “Wimpern”, wie der Händler sagte, erinnert mich an Dekore aus dem späten neunzehnten Jahrhundert. Unheimlich schön. Und einen farblich passenden, ungebleichten Batist hätte ich auch noch da.

Es wurden also zwei Häkeltops. Der weiße erstmal zum Ausprobieren des Schnittes. Ich verwende hier Top 104 aus Burda 8/11, allerdings ohne den Reißverschluss in der Seitennaht. Der tut meines Erachtens nicht Not, was ich aber mag ist die Verarbeitung der Ausschnitte mit Schrägband. Self-Schrägband. Das stellte ich also erstmal aus dem Stoff her. Nicht ganz wenig Arbeit, aber die hat sich gelohnt. Das Ausrechnen wie viel Stoff man zu wie viel Schrägband welcher Breite verarbeiten kann mache ich immer mit Natrons Schrägband-O-Mat. Aufzeichnen, zuschneiden, nähen und vor allem bügeln muss ich dann halt noch selber.

Das erste Top ist, wie man sieht, schon ein luftiger Begleiter zu Sommeroutfits geworden. Die zwei Häkelspitzen ergeben einen netten Abschluss und passen sehr gut zu der etwas unruhigen Struktur des Stoffes. Ich habe danach am Schnitt noch zwei Dinge geändert: Die Träger sind an der Schulter noch einen Zentimeter breiter geworden und der Ausschnitt drei Zentimeter weniger tief.

Mit diesen Änderungen habe ich dann das cremefarbene Top in Angriff genommen. Wieder fing die Nummer mit dem Herstellen von Schrägband an. Ächz.

Das Aufnähen der Borte auf den Batist war allerdings fast genauso nervig wie die Schrägbandherstellung. Ich habe die volutenartigen Kringel über den Fransenteilen von Hand angenäht, den Rest aber musterfolgend mit der Maschine. Ich wollte mir die Option offenhalten auch hinter den nach oben zeigenden Schlaufen Stoff rauszuschneiden, denn zuerst habe ich nur die untere Kante weggeschnitten. Das war auch hübsch, aber so gefällt es mir nun noch viel besser. Die Borte passt sich organischer an den Stoff an, meine ich.

Zum Top trage ich die neu gebatikte Pluderhose. Die habe ich sowohl in violett als auch in dunkelblau gefärbt. Dadurch ist sie deutlich dunkler als vorher geworden, das finde ich aber ziemlich schön. Überhaupt bin ich mit dem Ergebnis des Neufärbens sehr zufrieden. Ich habe bewußt keine Kreise oder anderen klassischen Muster abgebunden, so dass die Farben hier mehr ineinander gemurkelt sind was ich mag. Die Hose ist nun noch mehr Hippieklamotte und als solche habe ich sie diesen Sommer schon deutlich häufiger getragen als im letzten.

Hat sich auch zu bunten und engen Oberteilen schon bewährt. Ich hatte zwischenzeitlich fast vergessen, wie bequem diese Hose ist.

Und weil ich natürlich nicht nur *ein* Teil färben kann, habe ich noch mehr Stoffe in die Farbbäder geworfen.

Das sind allesamt Jerseyreste. Im Uhrzeigersinn: Ein großes Stück türkisfarbener Jersey der violett drübergefärbt wurde. Ein kleiner Rest in weiß, jetzt auch violett gemustert, der könnte Shorts oder sowas werden. Daneben ein grauer Jersey mit dunkelblauem Muster und oben mein Favorit, blau über khaki. Davon habe ich noch genug um ein schlichtes Sommerkleidchen draus zu nähen. Falls es nochmal Sommer wird.

Bloodstone & Diamonds

17. August 2014 (18:28 h) – Tags: , ,

Musik: Behemoth - At The Left Hand Ov God 

Wie heißt es so schön: Pech mit Bands, Glück beim Trödel. Und das Trödelglück war mir heute richtig hold! Weil ich keine Aftershowparty in den Knochen zu stecken hatte konnte ich beizeiten aufstehen und mich in Richtung Fehrbelliner Platz aufmachen. Sonntag ist Trödeltag.

Wie immer guckte ich nach Bildern, Dekofiguren, Fotos und allem was Jugendstil ist. Letzteres fand sich als Kehrblech, als Klavierleuchter und als Kragenschachtel (wohl zur Aufbewahrung des Vatermörders). Ein Stand verkaufte alles für fünf Euro und für den Preis könnte ich ein kleines, ovales Bild mit schnörkeligem Messingrahmen schonmal mitnehmen. Den gleichen Rahmen, nur etwas größer und ohne Bild oder Glas bekam ich später von einem anderen Händler geschenkt.

Hier habe ich das total beliebige italienische Landschaftsbild schon entfernt. In ovale Rahmen gehören nämlich was? Genau, Portraits. Der kleine Rahmen ist etwa 14 cm hoch, der andere etwa 17 cm. Für den größeren hätte ich noch Plexiglas da, wenn ich das oval zugesägt bekomme (Laubsäge?) dann setze ich da ein Glas rein. Sonst halt nicht.

An einem anderen Stand kaufte ich silberne Ohrstecker mit Aventurin weil ich noch ein paar grüne Stecker gebrauchen konnte. Und Halbedelsteine haben es mir irgendwie angetan in letzter Zeit. Ich nahm noch einen Ring mit und genau genommen gabs den für lau als der Händler den Gesamtpreis nochmal “für Schüler und Studenten” augenzwinkernd reduzierte. Der Ring ist aus Blutstein (Hämatit). Neulich habe ich nämlich gelernt, dass der metallisch glänzende Stein beim Schleifen roten Staub abgibt der das Schleifwasser dann wie Blut erscheinen lässt, daher sein Name. Tatsächlich ist sogar die rote Farbe des Planeten Mars auf das Mineral Hämatit zurückzuführen. Krasser Scheiß, also wollte ich gerne was aus Blutstein haben.

Der beste Fund des Tages aber ist das fast 40 cm große Bild was ich bei einem Händler gefunden habe der sonst auch Taschenbücher und Porzellanfiguren hatte. Auf den Rahmen klebte der Preis, 34 Euro. Als ich das Stück in die Hand nahm, sagte der Händler gleich: “Das können Sie für 25 Euro haben. Hab heute schon gut verkauft.” Der Rahmen ist aus Holz, die Ornamente sind in Gips draufgesetzt. Das Bild selber ist auf Porzellan gedruckt. “Ein Druck, aber ist ein altes Bild. Aus dem Museum.” Ich wollte trotzdem noch drüber nachdenken und setzte erstmal meine Runde über den Markt fort.

Natürlich konnte ich das Stück aber nicht da lassen. Als ich zurückkehrte sprach der Händler grad mit einem anderen Kunden, also sah ich mich um und entdeckte den größeren ovalen Messingrahmen. Den hielt ich in der Hand als ich an der Reihe war und bekundete das Bild kaufen zu wollen. “Also 25 Euro, und den gebe ich ihnen so dazu”, sprach der Verkäufer und erzählte mir dann, dass zwischenzeitlich ein anderer Interessent für das Bild da gewesen wäre. Da hatte ich grad noch Glück gehabt, sonst wäre mein Prachtstück schon bald mit dem Zug nach Kiew unterwegs gewesen.

Zuhause recherchierte ich das Motiv auf der Porzellanplatte. Ein Hoch auf Googles invertierte Bildersuche! Wir haben es mit dem französischen Maler William Adolphe Bouguereau zu tun. Das Bild “Le crépuscule” (Die Abenddämmerung) ist 1882 entstanden und reiht sich mit Morgendämmerung, Tag und Nacht in eine Vierergruppe. Ich mag seine zarte Anmut und das schon den Jugendstil erahnen lassende Stoffgeflatter. Zwar ist der Rahmen dazu fast zu wuchtig, aber grade durch seine massige Form wird das ganze zu einem mächtigen Prunkstück was sich an der jadegrünen Wohnzimmerwand fantastisch machen wird.

Okkulter Landhausstil

16. August 2014 (15:57 h) – Tags: , , ,

Musik: last.fm Mixradio mit Videos. Nice. 

Es ist Samstag. In Hamburg spielen heute Machine Head beim Elb Riot. Ich liebe Machine Head, ich habe ein freies Wochenende und ich hatte auch eine Karte. Warum hocke ich trotzdem in Berlin vorm Rechner und blogge? Weil Katzen.

Toyah, die ja ohnehin öfter mal krank ist, ein Herzproblem und Futterunverträglichkeiten besitzt, hat eine Bindehautentzündung. Diese Montagskatze! Und weil ich niemanden verpflichten kann/will dem Tier drei Mal am Tag eine Salbe ins Auge zu schmieren, habe ich schweren Herzens entschieden heute nicht Robb Flynn anzuhimmeln sondern mein genervtes Haustier unterm Bett vorzuziehen und zu verarzten. Das tat schon ein wenig weh. Aber Familienmitglieder gehen immer vor Rockstars.

Um das Beste aus dem Wochenende zu machen habe ich mir ein paar Projekte vorgenommen und ein paar alte Filme auf DVD rausgesucht. Das erste Projekt betrifft mein Wohnzimmer. Seit die Wände dort immer weiter Gestalt annehmen wird zunehmend deutlich, dass die Decke und Deckenlampe etwas Unterstützung brauchen um dagegen anzustinken. Ursprünglich wollte ich um die Lampe ein Sonnenmotiv malen. Das wäre sicher schön geworden und hätte die Lampe prominenter wirken lassen. Dann fand ich neulich aber durch Zufall das hier. Ich konnte mir sofort vorstellen wie toll so ein achtzackiger Stern als Motiv an der Decke wirken würde.

Im Baumarkt kaufte ich also Styroporleisten. Holz wäre mir schon wieder zu schwer geworden. Die Decke ist hohl, deshalb ist alles was man ankleben kann und nicht bohren muss von Vorteil. Die Leisten sind nicht so das klassische Styropor, so porös und krümelig, sondern eher wie ganz leichtes Plastik. Man kann sie aber mit einer feinen Säge zuschneiden.

Ich hatte zuerst eine maßstabsgerechte Vorlage auf Packpapier gezeichnet und die Längen der Teilstücke abgemessen. Die Winkel haben zum Glück alle 45°, so konnte ich sie mit Hilfe einer Gehrungslade zusägen. Ein Grund warum ich den achtzackigen und keinen siebenzackigen Stern gewählt habe, obwohl letzterer bei behemoth immer so schick aussieht.

Die einzelne Teile habe ich dann auf der Vorlage schonmal zusammengelegt.

Da waren natürlich auch die Katzen nie fern.

Ich ging dann ich den Keller um weiße Dispersionsfarbe und Styroporkleber zu holen. Styropor ist ja empfindlich und reagiert mit Lösungsmitteln, deshalb war ich froh noch einen geeigneten Kleber zu besitzen. Und dann taugte der nichts. Der Styroporkleber hat mehr Schaden als Nutzen gebracht. Die kleinen Klebstellen der Leisten konnte er nicht zusammenhalten weil er ua total langsam trocknete. Das hat genervt.

Risikofreudig habe ich also zu dem Goldenen Kalb eines jeden Bastlers, dem Heißkleber, gegriffen. Und der hat den Job erledigt. Das Styropor leitet die Wärme ja nicht weg, deshalb hat der Kleber etwas länger gebracht bis er hart war, das war aber machbar und sollte mir später nochmal den Arsch retten. Fürs erste konnte ich nun meine Leisten schonmal zu etwas zusammenbauen was im amerikanischen Pinterest als “cottage barn window-style picture frame” mit kitschigen Hochzeitsfotos bestückt werden würde.

Dann habe ich den fertigen Stern weiß gestrichen. Ich hatte über andere Farben nachgedacht, erst wollte ich ihn dunkel machen. Aber in weiß sehen die Leisten halt schon am meisten nach Stuck aus und lassen die schöne Art Déco-Lampe im Wohnzimmer auch noch für sich wirken.

Nachdem zwei Anstriche über Nacht getrocknet waren ging es daran den Sternenstuck an die Decke zu bringen. Dafür habe ich mir clever die Vorlage aus dem Packpapier geschnitten und sie mit Hafties an die Decke gepappt. Das konnte ich korrigieren bis es grade war. Hier kam mir endlich mal die furchtbare Rauhfaser an der Decke zuhilfe und ich konnte meine geometrische Form an den Kanten der Tapetenbahnen ausrichten. Als es so saß wie geplant habe ich die Eckpunkte mit Bleistift auf die Decke markiert und das Papier wieder abgenommen.

Dann gab ich dem Styroporkleber noch eine Chance, strich den Stern damit ein und drückte ihn an die Decke. Und er fiel sofort wieder runter. Danke, du Arsch.

Ich habe dann einen kleinen Tobsuchtsanfall bekommen und nachdem ich mich wieder beruhigt hatte die Kleberreste von Decke und Stern gewischt. Also kein Styroporkleber. Hm… Heißkleber?

Da war ich skeptisch. Bis ich den Stern da oben habe und ausgerichtet ist der Heißkleber doch schon längst wieder erkaltet. Andererseits war ich aber auch verzweifelt und der Kleber war beim letzten Mal ja recht langsam abgekühlt. Also Heißkleber. Es hat damit auch funktioniert, nicht perfekt, aber das Ding ist an der Decke. Puh.

Jetzt, wo ich den ganzen Ärger mit dem Kleber schon wieder vergesse, gefällt mir das Projekt total gut. Der Sternenstuck lenkt den Blick an die Decke und die Lampe kommt ein bisschen besser raus, genau was ich erreichen wollte. Die achtzackige Form ist simple Geometrie, aber hat auch was okkultistisches ohne zu aufdringlich zu sein. In weiß wirkt der Stuck vor allem durch das Spiel von Licht und Schatten und von unten sieht man meine Ungenauigkeiten und Patzer glücklicherweise nicht mehr. Willkommen im Wohnzimmer, Achterstern.