Warum denn so förmlich?
In meinem Job gibt es das Gebot, komplett schwarz gekleidet zur Arbeit zu erscheinen. Soweit kein Problem. Schwarz habe ich genug im Kleiderschrank. Als meine Chefin aber neulich verlauten lies, sie würde uns alle am liebsten im schwarzen Blazer sehen, da war ich ehrlich gesagt nicht so begeistert. Ich bin überhaupt nicht der Typ für formale Kleidung. Eigentlich komm ich mir in einer Bluse schon verkleidet vor. Und ein Blazer ist so ein typisches Kleidungsstück, in dem andere Frauen oft ganz toll aussehen, das bei mir aber nie sitzt und logischerweise grauenvoll aussieht. Bisher einen großen Bogen drum gemacht.
Ich habe aber trotzdem versucht einenn zu kaufen. Das ging schonmal schief. Was in mein Budget fiel bestand aus Polyester. Das geht gar nicht. Schlecht sitzende Schnitte mal ganz aussen vor gelassen. Also tat ich dann was mir immer öfter als die einzige Lösung in so einer Situation erscheint: selbermachen.
Der Schnitt ist aus der Burda, hab auch nichts mehr dran verändert. Wollte das Teil erst einmal nähen um zu gucken was anders werden muss. Auf der Wunschliste: schmale Schultern, Taillierung, darf über der Brust nicht klaffen, das Maximum an möglicher Bewegungsfreiheit rausholen.
Und was soll ich sagen: wider Erwarten saß der Blazer auf Anhieb sehr gut. Schmal aber ohne zu eng zu sein, mit nur sehr dezentem Schulterpolster und viel mehr “ich” als ich diesem Kleidungsstück je zugetraut hätte. Die nächste Version könnte einen Tick länger, aus leicht glänzendem, feinerem Stretchköper. Hab ich noch da, sogar genug für die passende Hose. Ein ganzer Anzug. Die Herausforderung hat mich gepackt. Aber privat trag ich trotzdem Cargohosen.
Hier also Madame Blazer in denim-artigem Stretchköper, damit es nicht zu edel wird, die Knöpfe ganz schlicht.

Mit dabei: mein erstes Revers und meine ersten Paspeltaschen. Ohne Natron hätte ich die nicht geschafft.

Das Futter wollte ich eigentlich erst knallbunt machen, das hätte ja keiner gesehen und ich steh auf Geheimnisse in der Innenverarbeitung. Dann ist mir auf dem Türkenmarkt aber dieser Jacquard begegnet und die Sache war entschieden. Knalliger Chinajacquard wäre auch eine schöne Idee. Für die nächste Jacke.

Und was ich sonst so auf der Arbeit trage zeige ich euch demnächst. Wenn ich wieder zur Arbeit gehe. Heute habe ich nämlich frei.

























