Ich glaube, dass ich normalerweise mehr schlafe als Durchschnittsmenschen. Bevor ich mir Volksverdummung im Fernsehen anschaue gehe ich lieber ins Bett, und dann hat die Nacht halt auch mal zehn Stunden. Herrlich.
Dass ich aber auch mit wesentlich weniger auskomme, habe ich Ende der letzten Woche gemerkt, als ich drei Nächte in Folge gearbeitet habe und mein Biorhythmus beim besten Willen nicht zu mehr als drei Stunden Schlaf pro Tag zu überreden war. Aber wer arbeitet soll auch feiern, also habe ich größenwahnsinnig entschieden nach der dritten Nachtschicht gleich nach Hamburg zu fahren und eine vierte in der Markthalle dranzuhängen.
Da haben am Sonntag Powerwolf den vorletzten Abend ihrer “Wolfsnächte”-Tour gespielt. Die habe ich schon im letzten Jahr mit Natron und Red dort gesehen. Natürlich gabs zwischenzeitlich auch einen Gig in Berlin, aber mal ganz ehrlich, Hamburg macht irgendwie mehr Spaß. Außerdem war Ophelia auch in der Hansestadt und weil wir inzwischen so dicke Freunde mit den Powerwölfen geworden sind, mussten wir nichtmal Eintritt bezahlen.

Ja, die anderen Partypeoples sehen ein bisschen fitter aus als ich. Aber ich habe gut durchgehalten. Das Lordi-Shirt was ich anhabe hatte ich von Natron geliehen. Dass man damit laufend blöde Kommentare einfängt, hat sie mir erst gesagt als es schon zu spät war *g*
Mit den Bands des Abends hatten wir viel Spaß. Stormwarrior kommen immerhin aus HH, haben dort also gut gerockt. Mystic Prophecy haben ja eher einfache Songstrukturen, sehr mitsingfreundlich. Als Ophelia fragte, ob die allen Ernstes “Satanic Christmas” singen, war es aber um den Song “Satanic Crusade” geschehen und nachdem wir uns vom Lachanfall erholt hatten, haben Natron und ich auch nur noch “Christmas” verstanden.
Auch Powerwolf haben mächtig Show gemacht. Sich direkt vor die Bühne durchzukämpfen ist in Hamburg deutlich schwieriger als in Berlin, aber wir haben es geschafft. Und dann sagt Sänger Attila, er möchte das Publikum teilen wie Moses das Rote Meer. Die umstehenden Fans gucken doof als wir vier kreischend rumspringen, denn die Aktion hatten wir im letzten Jahr mit Powerwolf zusammen ausgedacht. Lustig, dass sie das wirklich machen.
Ich hätte euch gerne noch ein paar verwackelte Bühnenfotos gezeigt, aber als ich in meine Tasche griff, war die Kamera weg. Offensichtlich hatte ich den Reißverschluss nicht richtig zugemacht. Wäre die Kamera vor der Bühne rausgefallen, wären etwa zweihundert Leute draufgetreten. Nach dem Konzert haben wir trotzdem danach gesucht. Red hat anstätten immerhin fünfzehn leere Plastikbecher gefunden und den einen Euro Pfand pro Stück sollte ich dann in die nächste Digitalkamera investieren.
Ich bin aber nochmal ohne Opfer an die Götter des Rock ‘n’ Roll ausgekommen, denn irgendein wunderbarer Mensch hatte meine kleine Kamera gefunden und im Office abgegeben. Vielleicht hilft es, dass sie rosafarben mit knietschpinker Neoprenhülle ist, sowas steckt Mann weniger gerne ein. Auf jeden Fall bin ich total dankbar. Ich habe auch mal ein Mobiltelefon in der U-Bahn gefunden und dem Besitzer zugeschickt, das hat vermutlich mein Kharmakonto entsprechend aufgeladen *g*
Also kann ich euch nun auch dieses wirklich epische Foto aus dem Backstagebereich der Markthalle zeigen:

Neben der kompletten Band ist auch Melanie aus Hamburg mit drauf, unsere Powerwolf-Freundin vom letzten Jahr. Schön, dich wiedergesehen zu haben!
Nachdem wir den gesundheitlich etwas angeschlagenen Attila ins Bett gebracht hatten und dabei den aktuellen Tourbus besichtigen konnten, mussten wir erstmal zum Hauptbahnhof. Die Männer hatten Hunger.
Glücklicherweise hat ein Fastfood-Tempel immer auf. Und hey, die beiden jungen Herren, die da am Nebentisch pennen, die waren doch auch auf dem Konzert. Sie haben sogar ein zusammengerolltes Poster zwischen sich zu liegen. Die Powerwölfe konnten es sich also nicht verkneifen, rüberzuschleichen und das Poster zu signieren. Und weil die beiden Posterbesitzer nicht aufwachten, gab es noch ein Erinnerungsfoto.

Gestreiftes Hoodie links hinten schläft tief und fest, sein Kumpel gegenüber macht die internationale Geste für “Wer sind diese Idioten und warum können sie mich nicht einfach in Ruhe lassen?!” während Schlagzeug-Wolf und Keyboard-Wolf vorne Mätzchen machen. Demnächst auf Facebook.
Weil es zugegeben etwas gemein ist, die Jungs mit so einer Erinnerungslücke sitzen zu lassen, haben wir noch eine Pommestüte mit Grüßen und Erklärung zurückgelassen.

Sucht euch also gut aus, auf welche Bands ihr steht, manchmal verfolgen sie euch ;)
Ich selber habe nach diesem wirklich sehr lustigen Abend luxuriöse sechs Stunden geschlafen. Nachdem wir noch opulent mit Natron und Red gefrühstückt hatten, sind Ophelia und ich dann wieder heim in die große Stadt gefahren. Das Roadtrip-Foto gibts trotzdem nur mit Sonnenbrille.

Ich habe jetzt noch ein paar Tage Zeit meinen Schlafrhythmus wieder zu normalisieren. Auf jeden Fall war es ein toller Ausflug nach Hamburg, ich hatte so viel Spaß mit meinen besten Freunden, bin happy die Kamera nicht wirklich verloren zu haben und hey, mein Urlaub für August ist neulich auch genehmigt worden. Das heißt ich werd dieses Jahr wieder aufs Metalcamp fahren können. Leben gut.