Stick ‘em with the pointy end

13. April 2014 (18:25 h) – Tags: , ,

Musik: Savatage - Starlight 

Sonntag morgens um zehn sind nur Touristen unterwegs. Die Berliner schlafen noch. Ausser mir, ich bin schon wieder auf Trödelpirsch gewesen. Umgeben von Schweizern, Briten und Baden-Würtembergern.

Auf dem Fehrbelliner Platz gab es eine ganz beeindruckende Jugendstillampe für die Wand, aber ich bräuchte eher eine Tischlampe und für so großes hatte ich eh kein Budget eingeplant. Ansonsten schöne Bilderrahmen und Schnurkes ohne Ende. Ich hatte auf Dekoratives fürs Wohnzimmer spekuliert, was man an die Wand hängen kann, oder auch Figuren. Aber so richtig… Hm. Trotzdem habe ich aber den ganzen Markt abgegrast. Am vorletzten Stand jede Menge Bücher, oben drauf die Nibelungen als Reclamausgabe und darauf ein Schwert. Jup, ein Schwert. Ein dekoratives, keins zum Kämpfen, aber im Schmücken ungemein gut. Ich schätzte, dass die Händlerin vermutlich so um die fünfzig Euro dafür haben wollen würde, aber Fragen alleine kostet ja nix. Und dann sagte sie: “Fünf Euro.” Ernsthaft? Die Dame hat mir die Überraschung wohl angesehen und erklärte sie wäre gar keine richtige Händlerin, sie löse hier nur den Haushalt ihrer Schwiegereltern auf. Okay. Deren Schwert war dann für ein Taschengeld meins.

Ich bin immernoch ein wenig baff, das war ja nun wirklich kein Preis. Entsprechend grinsend bin ich dann mit aus der Tasche ragendem Schwert zum U-Bahnhof gelaufen um den Weg Richtung 17. Juni anzutreten. Unterwegs wies mich eine ältere Dame auch gleich darauf hin, wie gefährlich das Metall da wäre. Kaum ist man bewaffnet kriegen die Leute Angst.

Und hier die Details, damit man auch was erkennt. Das Heft ist aus Messing, verziert mit historisierendem Dekor. Auf der Parierstange reißen irgendwelche Viecher (Löwen? Fische?) das Maul auf und die Enden bilden diese bemerkenswerten Kreuze. Leider sitzt die Klinge darin ziemlich locker, aber um Robb Stark zu rächen wird es eh nicht langen.

Die Klinge selber ist entsprechend auch kein Valyrischer Stahl. Ein bisschen angerostet, und die tollen Motive darauf sind auch stellenweise abgerieben. Eingerahmt von Schnörkelmuster findet in der Mitte eine Schlachtszene zu Pferde statt. Reiter mit erhobenen Säbeln und so. Voll schön gemacht.

Ich werde das Schwert ins Wohnzimmer hängen. Je mehr ich drüber nachdenke umso begeisterter bin ich nämlich davon. Ich mag, dass es so zierlich und mädchenhaft ist, aber gleichzeitig eine ritterliche Waffe. Als solche repräsentiert sie für mich die Ritterlichen Tugenden während gleichzeitig die Präraffaeliten, Beowulf, Tolkien und ein Rattenschwanz an Fantasy anklingen. Sowas kann man sich schonmal an die Wand hängen.

Mit Schwert bin ich also am 17. Juni aufgekreuzt um noch eine weitere Runde Trödelmarkt mitzunehmen. Das Wetter war inzwischen etwas garstiger geworden aber der Markt trotzdem proppenvoll. Ein ganz entzückender älterer Händler, der Wedgwood-Porzellan aus Großbritannien importiert, unterhielt sich mit mir über die unterschiedlichen Farben der Stücke. Blau ist am verbreitetsten, schwarz aus unerfindlichen Gründen immer am teuersten und neulich hatte er sogar eine rosafarbene Vase. Sensationell. Irgendwann werde ich ihm eine blaue Dose abkaufen, für Schmuck im Schlafzimmer.

Nachdem ein anderer Händler das Schwert sofort als solches erkannte und darauf bestand die Klinge in Zeitungspapier zu wickeln, suchte ich den Stand auf an dem ich neulich Möbelgriffe aus Messing gesehen hatte. Projekt Kommode, ihr wisst Bescheid. Ich hatte den einen verbleibenden Griff von der Kommodentür abgeschraubt und als Größenvergleich mitgenommen. “Zeigen Se ma her!”, sagte der Verkäufer. Und dann: “Dit is Bakelit und een Möbelgriff. Die hier sind Türknäufe.” Erklärte warum sie so viel massiver und mit Holzschraube auf der Rückseite gearbeitet waren. Wir diskutierten die Verwendbarkeit von Türknäufen als Möbelgriffe, ich entschied, dass das machbar wäre und nahm zwei Messinggriffe mit.

Die haben nicht ganz wenig gekostet, aber sie sind halt sehr schön und passen zur Kommode. Wenn ich bei sowas spare ärgert mich das danach ewig, das habe ich inzwischen gelernt. Den weißlichen Belag in den Vertiefungen der Motive habe ich nach dem Foto noch entfernt bzw mit dunkler Acrylfarbe übergewischt.

Um die Knäufe anzubringen musste ich die Befestigungslöcher in den Türen aufbohren. Keine große Sache. Erfreulicherweise verschwanden die Schrauben auf der Rückseite fast vollständig im Holz und gucken innen nur ganz wenig raus. Deutlich geringere Gefahr hängenzubleiben als bei den Originalgriffen. Das Holzdekor was ursprünglich unter dem Griff war ist nun auch weggefallen, das heißt ich muss es auf der rechten Seite gar nicht mehr ergänzen. Umso besser. Und dann passt die Metallfarbe auch noch so gut zum Schlüsselloch!

Auf dem Trödel blieb ich noch im Bereich der Türbeschläge und schaute mir Klinken, Griffe, Jugendstil-Briefklappen und -awww!- Türklopfer an. So ein Ding wäre auch eine schöne, nutzlose Wandzier. Hm. Leider nicht ganz billig, aber irgendwann nehm ich mal einen mit. Heute gab etwas ähnliches, allerdings von vornherein als funktionslose Dekoration gedacht.

Der Ringlöwe stammt laut Verkäufer aus Tagen der Gründerzeit und war vielleicht zusammen mit seinem Pendant mal an den Seiten einer Uhr befestigt. Tatsächlich sieht er auch nur wuchtig und schwer aus, ist aber aus Messingblech geprägt, nichtmal der Ring ist massiv. Insofern gibt er ein astreines Dekoteil ab und erfreut mit seiner nutzlosen Schönheit mein ästhetizistisches Herz. Auch der wird seinen Platz an der Wohnzimmerwand finden.

Für die Wand sammle ich momentan Dekostücke an. Mit nur einem Teil kann ich ja keine Hängung beginnen, also warte ich bis was zusammenkommt. Schwert, Jugendstil-Rahmen, ein entsprechendes Medaillon, Ringlöwen und einen großen Bilderrahmen der darauf wartet umlackiert zu werden habe ich schon in petto.

Ein Platz für meine Kronjuwelen

11. April 2014 (20:36 h) – Tags: ,

Musik: Iced Earth - If I Could See You | Stimmung: Pizzaglücklich.

Hab frei. Und Pläne. Heute war ich erstmal im Baumarkt. In dem anderen, weil ich neulich zu wenig von dem was auf meiner Liste stand bekommen hatte. Aber jeder Baumarkt hat entweder das eine oder das andere. War wieder nicht komplett erfolgreich, aber immerhin habe ich diesmal keine Pflanzen als Frusteinkauf nach Hause getragen.

Was ich bekommen habe sind Regalbretter mit geschwungener Kante. So hell furniert. Eins davon habe ich angeschliffen und darauf trocknet grade die erste Schicht schwarzer Acrylfarbe. Das zweite ist schon an der Wand.

Als Schönheitsplätzchen im Schlafzimmer. Ich hatte neulich die ungute Organisation meines Schmuckes angesprochen und habe die Sache nun behoben.

Ein helles Regalbrett, zwei pseudo-schmiedeeiserne Schnörkelauflagen und viel Gefluche. An der von mir auserkorenen Stelle besteht die Schlafzimmerwand offenbar aus Käse. Schief. Die Dübel kamen unter großzügigem Verkrümeln von Wandmaterial wieder raus.

Ich musste ein wenig tricksen und mein liebster Trick ist, die Bohrlöcher mit Heißkleber zu füllen und dann schnell Dübel reinzudrücken. Ein paar Minuten später ist das fest und man kann neu anschrauben. Und da hielt das Brett auf einmal. Ich hoffe sehr, dass keine Katze auf die Idee eines Belastungstests kommt.

Auf dem Brett stehen der güldene Standspiegel, mein Ringdisplay, eine Muschelschale mit Ohrschmuck und die geflochtene Schachtel mit Echsendeckel in der Armbänder uä wohnen. Eine einzige Kette darf am Spiegel hängen.

Das passt ins Stilkonzept des Schlafzimmers, keine Frage. Ich benutze den Raum bisher allerdings echt nur zum Schlafen und jedes Mal wenn ich reinkomme streckt das Bett die Arme aus und zieht mich unter die Decke. Damit muss es jetzt auf jeden Fall aufhören. Wenn ich Schmuck aussuche heißt das, ich bin kurz davor aus dem Haus zu gehen.

A rainbow in the dark

7. April 2014 (18:36 h) – Tags: , , , , ,

Musik: Turisas - End Of An Empire 

Hier mal ein offizielles Danke an Pinterest für die Ideen, die es schon in mein Leben gebracht hat. Ich probier regelmäßig Sachen aus die ich da entdeckt habe. Ingwer selber züchten zum Beispiel (wie toll meine Ingwerknolle angewachsen ist zeige ich euch ein andermal). Oder, auch aus der Gewürzecke, Textilien färben mit Kurkuma. Dem Gewürz was für die gelbe Farbe von Curry verantwortlich ist.

Mir hat daran gefallen, dass man wirklich nur Kurkuma und Wasser braucht, keine Chemikalien, nichtmal Salz oder sowas. Also habe ich auf dem Türkenmarkt für anderthalb Euro einen großen Beutel von dem gelben Pulver mitgenommen. Und aus dem Schrank eines von meinen zahlreichen weißen Unterhemdchen gezogen.

Im Prinzip bin ich genau nach der Originalanleitung verfahren: Kurkuma in Wasser kochen, Stoff nassmachen, mit verschieden breiten Gummibänderresten abbinden und eine halbe Stunde in der warmen Brühe schwimmen lassen. Nach dem Ausspülen hab ich das Hemd gleich mal in die Waschmaschine geschmissen. Dabei sind die vorher noch ganz weißen Bereiche hellgelb geworden, die Farbintensität der gelben Flecken hat aber nicht merklich abgenommen. Wie das nach zwanzig Wäschen aussieht wird sich zeigen, der Anfang war aber schonmal sehr gut.

Wie man sieht, hat Kurkuma ein richtig schönes Currygelb ergeben und auch die Schattierungen der Batik super mitgemacht. Ich könnte mir vorstellen, dass man mit dem Gewürz auch flächig färben kann, also ohne abbinden und es wird dann trotzdem nicht von alleine fleckig. Hat auch schonmal jemand gemacht.

Und weil wir grade so schön im Farbrausch sind zeig ich euch noch was anderes Buntes. Dieses Projekt ist meinem inzwischen ziemlich vollen Stoffregal geschuldet. Ich stand neulich davor und fand, dass ich dringend mal ein paar von den Stoffen verarbeiten sollte. Diese ganzen bunten Jerseys zum Beispiel. Aus Jersey kann man ja lauter tolles Zeug machen. Und wenn der Jersey zu bunt für den Alltag ist dann macht man halt Schlafklamotten draus. Also sollten es Schlafis werden.

Das erste ist knallbunt mit Regenbogenfarbverlauf geworden. Warum ich diese ganzen Farben im Regal habe? Keine Ahnung. Aber hier kamen sie mir wirklich zupass. Einiges davon sind Reste, von gelb, meerblau, rot und violett habe ich auch noch ganze Meter. So unglaublich viel Material hat das Schlafi ja nun nicht verbraucht, aber immerhin. Ein Anfang.

Ich habe hier den Ringerrücken-Schnitt ausprobiert den ich neulich gezeichnet habe. Der Corpus basiert auf Modell-”T”, oben habe ich neu konstruiert. Ich bin soweit zufrieden damit. Der Ausschnitt könnte sowohl vorne als auch hinten noch ein wenig tiefer, aber das ist nicht weiter dramatisch.

Was mich beim Nähen wirklich aufgehalten hat war, dass ich zwischendrin plötzlich noch ein paar Farben tauschen musste. Das involvierte Auftrennen und neu Zuschneiden, aber ich hätte mich immer drüber geärgert wenn der Farbverlauf nicht gut gewesen wäre. Ansonsten war das Schlafi keine große Herausforderung. Saum habe ich mit der Flatlocknaht gemacht, die Ausschnitte mit Jerseyband hinternäht.

Während ich die Farbstreifen zugeschnitten habe kam mir die Idee, auf dem Kleidchen noch einen Glitzerstern unterzubringen. Die Farben haben mich an Regina Regenbogen erinnert, in der Grundschule hatte ich die als Puppe. Und ihr Pferd Sternschnuppe hat einen Stern auf der Stirn. Ich habe meinen auf den Rücken des Schlafis appliziert. Dafür verwendete ich einen irisierenden Organza den ich schon ewig im Stoffvorrat horte und heilig halte wie meinen Holobrokat. Weil der Organza ausfranst als gäbe es kein Morgen ist der Stern nicht ganz perfekt geworden. Nicht so schlimm. Hauptsache er füllt den violetten Bereich zwischen den Schultern aus.

Um noch mehr Jersey zu verarbeiten habe ich bereits lauter monochrome Drucke in schwarz und grau rausgelegt. Das könnte dann die Kontrastversion hierzu werden. Erstmal will ich den Schnitt aber noch aus einem hübschen aber eher zickigen Streifenjersey nähen. Der muss auch verarbeitet werden, zickig oder nicht.

Nebel und Grauen

2. April 2014 (16:17 h) – Tags: , , , ,

Musik: Kataklysm - As I Slither | Stimmung: Überall liegen Katzen in der Sonne rum.

Hm, es wird wohl langsam Zeit für eine Spiegelreflexkamera in meinem Haushalt. Heute habe ich mal wieder versucht genähte Klamotten für den Blog zu fotografieren und mal wieder sind die Bilder nichts geworden. Unscharf, zu dunkel, etc. Meine kleine Kompaktkamera kommt mit was anderem als idealen Lichtverhältnissen nicht so gut zurecht, dann fokussiert sie nicht anständig oder das Bild ist zum Teil überbelichtet und gleichzeitig an anderen Stellen zu dunkel.

Deshalb gibt es heute nur eine von tatsächlich inzwischen gar nicht mal so wenig Klamotten die darauf warten gezeigt zu werden. Und diese hier ist alle andere als neu.

Den schwarzen Jersey mit unmotiviertem grauen Druck, ich nenne ihn mal “Nebelfetzen die über schwarzes Wasser treiben”, habe ich auf dem Türkenmarkt gekauft. Und zwar an dem Tag als Natron den Stoff für ihren Echolot-Mantel kaufte. Das war im Sommer 2011. Irgendwann später fing ich an das Kleidchen zu nähen. Nach dem Modell “T”-Schnitt, ganz unspektakulär.

Ich schnitt ein Einfassband für den Halsausschnitt zu, aber zeichnete auch Schnittentwürfe für eine Kapuze. Ein Zettel mit solchen lag zwischen dem zusammengefalteten Stoff. Irgendwie muss mich damals die Motivation verlassen haben und das Projekt lag eine gefühlte Ewigkeit bis ich es neulich wieder rausgekramt und fertiggestellt habe. Mit Halsausschnitt, ohne Kapuze. Hat zwanzig Minuten gedauert.

Insofern war das Nebelkleid nun wirklich keine geheimwissenschaftliche Herausforderung und hatte, wenn ich ehrlich bin, gar keinen Grund so lange zu liegen. Aber egal, nun ist es fertig und ein schönes, schlunziges Teil für meine Grunge-Garderobe. Die Säume habe ich bewußt nicht versäubert, ich will mal gucken wie die altern. Wenn sie zerfleddern soll es mir nur Recht sein. Wahrscheinlicher aber wird der dicke Jersey gar nichts machen und das ist auch okay.

Projekt zwei, hm naja. Das ist auch eine nicht ganz frustfreie Angelegenheit. Ich war vorletzten Monat bei meinem Piercer weil das nervige, ewig nicht heilende Helix einen neuen Höhepunkt an Zickigkeit erreicht hatte. Der Piercer empfahl mir ein lokales Antibiotikum was dann in der Folge auch gute Wirkung zeigte. Weil ich aber nun schonmal im Studio war wollte ich auch nicht so richtig gehen ohne irgendwas Neues. Zwei alte Ohrlöcher sollten ohnehin wieder aufgestochen werden. Wir haben diskutiert was ich damit vorhabe und der Piercer entschied das ganz neu zu stechen. Also erstmal eine Seite. Okay. Keine Sache.

Allerdings ist das meiner Meinung nach schief geworden. Es ist ja nun nicht mehr geschwollen und trotzdem sitzt der Stab vom Ersteinsatz zur Seite schief. Wenn es komplett verheilt ist und ich anderen Schmuck tragen kann wird sich zeigen wie dramatisch das wirklich ist, aber komplett begeistert bin ich nicht.

Es handelt sich um das rechte Ohr, die silberne Kugel neben dem Mondstecker sieht an sich nicht schief aus, aber das andere Ende vom Stab geht hinten ziemlich dicht am Tunnel raus.

Es ergab sich dann so, dass ich neulich Ohrschmuck gekauft habe: Zwei Silberstecker die mit einem kurzen Kettchen verbunden sind. Das sieht in zwei Löchern im Ohrläppchen bestimmt total niedlich aus. Dachte ich und hielt es probeweise ans linke Ohr. Noch schöner würde es ja aussehen, dachte ich mir, wenn der äußere Stecker hier weiter oben sitzen würde. Also da wo das zweite Ohrloch zugewachsen ist.

Seht ihr wo die Geschichte hinsteuert? Ich hatte schon vor Ewigkeiten mal Piercingnadeln gekauft und war dann zu sehr Memme sie zu benutzen. Aber Freitag war ich irgendwie in der richtigen Stimmung. Was sollte auch passieren? Es wird schief? Haha. Habs also selber gestochen, das äußerste links. Ich weiß. Sollte ich nicht. Schädigt die wirtschaftliche Existenz von Piercingstudios und fand auch nicht unter komplett sterilen Bedingungen statt. Macht das bitte nicht nach.

Nichtsdestoweniger bin ich jetzt auch mit dem schiefen Piercing versöhnt. Ich habe inzwischen vierzehn Piercings, eins davon badassmäßig selber gestochen, da darf auch einer nicht ganz grade sein. Die beiden neuesten heilen gut und auch das Helix ist momentan friedlich. Hab mir dann glücklich noch die Bergkristallstecker gekauft um die ich schon länger rumschleiche und von denen links einer zu sehen ist. Mehr Löcher werden an den Ohren auch gar nicht dazukommen. Ich glaub ich muss mal auf Tätowierungen umschwenken wenn ich wieder was Neues will.

Kein Lannistergold

26. März 2014 (11:17 h) – Tags:

Musik: Lieblingsband hat nagelneuen Song veröffentlicht! | Stimmung: Sonnenschein!

In der letzten Wohnung hatte ich auf einer Kommode im Schlafzimmer einen schnörkeligen Standspiegel und meinen Schmuck in entzückenden Dosen geordnet. Das sah wirklich hübsch aus und ist auch nicht unpraktisch gewesen.

Nun steht die Kommode aber im Flur und so richtig organisiert ist das mit dem Schmuck noch nicht wieder. Der Standspiegel liegt noch in einem Karton und ich hebe meine Ohrstecker in einer leeren Directions-Dose auf. Ich habe den Plan da noch was im Schlafzimmer zu bauen, erstmal gab es aber Kleinkram. Organisierenden Kleinkram.

Aus einer flachen schwarzen Schachtel habe ich ein Display für die Ringe gebaut die ich oft trage. Da war sehr einfach. In schachtelbreite Fleece zuschneiden, zu mehrern Rollen aufwickeln und nebeneinander in die Schachtel sortieren. Ein Reststück nachtblauen Samt etwas breiter und deutlich länger drüberlegen und in alle Ritzen stopfen, so dass die Schnittkanten versteckt sind. Ich habe nichmal was festgeklebt, geschweige denn genäht.

Manche von den Ringen habe ich schon sehr lange, viele auf (Mittelalter-)Märkten gekauft. In der zweiten Reihe von unten stecken Opalith, Regenbogenmondstein und Perlmutt nebeneinander und beweisen meine Liebe für Effektsteine. Den einzigen goldfarbenen Ring oben rechts zeige ich euch nochmal genauer.

Eigentlich kaufe ich nur noch sehr ungerne Modeschmuck weil es furchtbar nervt wenn geliebte Stücke dann so kupferfarben werden. Hier habe ich aber mal eine Ausnahme gemacht, das war nämlich eine Ohrklemme. Die kriegt man ja nicht sooo häufig, also musste ich zuschlagen als sie im Modeschmuckladen drei für den Preis von zweien verkauft haben.

Zuhause stellte sich heraus, dass das goldfarbene Teil als Ohrklemme völlig ungeeignet war. Passte vorne und hinten nicht. Weil es aber so hübsch war wollte ich es auch nicht in der Schublade verschwinden lassen. Also habe ich vorsichtig dran rumgebogen bis das Blech so weil geöffnet war, dass es als Oberteil eines Ringes funktionieren könnte. Den unteren Teil habe ich aus dünnem Messingdraht gebaut. Nicht schön, aber mein erster Versuch in diese Richtung. Jetzt kann man den Ring auf dem kleinen Finger oder noch lieber als Midiring auf Ring- oder Mittelfinger tragen. Nichts worauf Cersei Lannister neidisch wäre, aber ich mags.

Keine Macht den Drogen

20. März 2014 (17:57 h) – Tags: ,

Musik: Kreator - We Are Legion 

Neulich schrieb ich darüber, dass ich im Baumarkt LED-Leisten gekauft hätte. Für den verglasten Balkon. Tatsächlich hatte ich diese farbwechselnden Lichtleisten schon bei einem meiner Möbelhaus-Besuche zur Zeit meines Umzugs vor fast anderthalb Jahren entdeckt und wußte sofort, dass ich sowas gerne irgendwo verwenden mag. Die Frage war nur wo. Die meisten Einsatzmöglichkeiten waren mir irgendwie zu offensichtlich oder es war eine farbige Wandfläche im Weg.

Als ich letzte Weihnachten meinen violetten Lichtervorhang wieder rausgeholt und auf den Balkon gehängt hatte erleuchtete das farbige Licht den ganzen Raum und fing sich in den weißen Vorhängen, so dass aus dem Balkon ein magisch-buntes Zimmer wurde. Im Kontrast zu den jadegrünen Wohnzimmerwänden sah die Farbe toll aus und ich konnte mir jetzt endlich vorstellen wo die LEDs zum Einsatz kommen würden.

Der Baumarkt hatte die Lichtleisten im Angebot und die Fünf-Meter-Variante kostete grade mal einen Euro mehr als die in drei Metern Länge. Ich habe also eine Leiste mit farbigen LEDs mitgenommen, fünf Meter lang, dimmbar, kürzbar, mit Eckverbindern und Fernbedienung.

Nachdem ich meinen Balkon nochmal sorgfältig ausgemessen hatte musste ich also nun ran und die Leiste zerschneiden. Einfach so, mit der Schere. Per Verbinder kann man die Teile dann so zusammenfügen, dass Ecken überwunden werden können. Ich habe Physik in der Oberstufe abgewählt weil ich Elektrik nicht verstanden hatte. Und nun soll ich da was bauen? Mir war etwas mulmig.

Aber ich bin stumpfdumm nach der Anleitung verfahren und zu meiner großen Überraschung funktionierte alles und die Lichter leuchteten auch nach zwei Verbinderstücken noch. Das war cool.

Auf dem Balkon habe ich die Decke an drei Seiten mit LED-Leisten beklebt. Eigentlich soll man die Dinger noch festschrauben, Material war dabei, aber die Schrauben gingen nicht in die Decke, und überhaupt klebte das Zeug auf der Tapete (irgendwer hat in dieser Wohnung alle Decken tapeziert!) bombig. Hab ich also so gelassen. Nur den Sender für die Fernbedienung habe ich angeschraubt.

Und jetzt gehe ich auf meinen Balkon, ziele rechts oben in die Ecke und kann per Knopfdruck fünfzehn Farben (auch weiß) anschalten und dimmen oder eins von vier Farbwechselprogrammen durchlaufen lassen. Ehrlich gesagt kommt aber nur das mit den soften Farbübergängen zum Einsatz, die anderen sind… naja, sie machen einer Dorfdisko alle Ehre.

Ich sitze nun also abends im Wohnzimmer und suche mir eine Farbe für den Balkon aus oder lasse alle durchlaufen. Das ist ziemlich schön.

Ich habe damit mal wieder ein Stück Einhorn-Regenbögen-Wunderland aus meinem Kopf umgesetzt und in der Realität Form annehmen lassen. Die einzige Erklärung die ich für meine Faszination mit diesem Zeug habe ist die mescalingeschwängerte Idee der inneren Vision die Aldous Huxley in seiner Drogenstudie “The Doors Of Perception” anbringt: Regenbögen, Edelsteine und sicher auch Hologlitzer erinnern uns unbewußt an eine Art paradiesische Urvision wie sie andererweise durch Drogen abrufbar wird. Regina Regenbogens Glücksbärchi-Wolkenland, die Kristalle aus den Defa-Filmen und der Hort der Nibelungen sind Paradiesvorstellungen die in der Grundbeschreibung meiner Seele abgeheftet sind und jede Manifestation dieser in der Wirklichkeit klingt daran und macht mich deshalb glücklich. Auch Regenbogen-LEDs.

Kommode flicken, quer durch die Kulturen

17. März 2014 (10:44 h) – Tags: , , , ,

Musik: Behemoth - Blow Your Trumpets Gabriel 

Die Kommode ist -wenig Wunder- schnell zur Königin des Wohnzimmers geworden. Ich habe Sessel umgestellt um die Möbel harmonischer zu verteilen und neulich war ich extra noch in der Drogerie um dunkle Möbelpolitur zu kaufen. Damit habe ich das alte Stück wirklich sehr schön aufpolieren können. Die Schrammen im Holz sind sehr viel weniger sichtbar und die Oberflächen glänzen nun wieder schön. Dolle Sache.

Was das fehlende Fries auf der rechten Tür angeht habe ich ein paar Pläne im Kopf bewegt. Ziemlich frei nach der japanischen Kintsugi-Technik, bei der zerbrochenes Porzellan mit einem metallhaltigem Kleber zusammengesetzt wird, so dass die Bruchstellen später sichtbar in zB gold hervorgehoben sind, überlegte ich den fehlenden Bereich als Schattenriss in messingfarben aufzumalen. Die Grundform ist ja auf dem ausgeblichenen Untergrund noch gut zu erkennen bzw kann sie gegengleich von der zweiten Tür abgenommen werden. Dazu würden Türgriffe aus Messing dann gut passen.

Das war die erste Idee und ich finde sie auch immernoch ziemlich schön, aber dahinter lauerte noch eine zweite. Die größere Herausforderung die ich deshalb annehmen musste. Wenn ich schon ein gemaltes Teil einsetze, dann kann ich auch versuchen das fehlende Ornament aufzumalen. Also trompe-l’œil: So schattiert, dass es eine Dreidimensionalität vortäuscht und den fehlenden Teil sozusagen hinillusioniert. Mir ist klar, dass das kein geringer Anspruch ist und ich sicher nicht in der Lage sein werde etwas zu malen, das den Betrachter am Ende wirklich hinters Licht führt. Man wird immer sehen, dass hier Farbe statt Holz wirkt. Das ist mir aber auch ganz recht so. Wenn ich die Möglichkeit hätte da aus Holz genau das fehlende Stück nachzuschnitzen, so dass die Tür am Ende aussieht wie vor dem Bruch, dann fände ich das fast zu langweilig. Die Idee hinter Kintsugi, dass etwas durch einen sichtbar nachwirkenden Schaden an Schönheit und Charakter gewinnt, die mag ich sehr gerne. Man soll meiner Kommode also ruhig ansehen, dass sie nicht mehr unversehrt ist.

Ich bin nun zur Tat geschritten und habe die Form des Holzornaments mit transparenter Folie abgenommen. Erst von der rechten Tür, später habe ich Details von der linken, intakten Seite ergänzt. Das ging ziemlich gut. Von der Folie habe ich das Motiv auf Transparentpapier übertragen, es nochmal an der Tür korrigiert und dann die Form aus dünner Pappe ausgeschnitten. Wenn ich auf Pappe male habe ich erstmal schon eine grundlegende Dreidimensionalität durch das aufgesetzte Material, zum anderen macht es mir die Arbeit leichter weil ich nicht senkrecht an der Tür malen muss sondern die Pappe hinlegen kann wo ich will.

Testweise habe ich das Pappstück passgenau in die Lücke gesetzt und obwohl es in weiß noch total rausleuchtet hat sich das Ausfüllen der Lücke schon so gut angefühlt. Wie eine Prothese für die Schönheit des Möbels. Als wenn das Ornament in seinen Formen wieder fließen konnte und die Kommode einmal zufrieden aufgeatmet hat. Ich sehe da auch keinen Widerspruch zur Akzeptanz von Fehlerhaftigkeit. Für mich bedeutet diese nicht zu sagen: “Tja, ist halt kaputt, ist aber okay wenn ich es so lasse”, sondern mit dem Schaden zu arbeiten und irgendwas draus zu machen was den Gegenstand insgesamt oder zumindest seine Ästhetik wieder funktionieren lässt.

Auf dem Boden vor dem Schränkchen hockend habe ich den Einsatz zuerst in einem passenden Braunton bemalt und dabei schonmal die Maserung angedeutet. Ich verwende meine geliebten Aquarellfarben auch wenn ich weiß, dass die nicht wasserfest sind. Mit Aquarell kann ich am besten schattieren und Farbtöne mischen. Die Auswahl an Grundfarben habe ich in Acryl einfach nicht und es lässt sich auch nicht so gut vermalen. Ich werde die Pappe am Ende mit Sprühlack versuchen widerstandsfähiger zu machen bzw den dezenten Glanz des Holzes nachahmen.

Das ist der Stand meiner Schattierungsarbeiten soweit. Weil das geschnitzte Holz so eine glatte Oberfläche hat muss ich ziemlich kräftige Lichter mit Deckweiss setzen. Eventuell muss ich auch die Schatten dazu stärker ausarbeiten. Auf dem Foto wirkt der gemalte Teil recht blaustichig. Das liegt an den mickrigen Lichtverhältnissen, in Wirklichkeit ist es noch ein bisschen schöner.

Ich bin mit dem Projekt bisher eindeutig zufrieden. Wenn ich die Gelegenheit dazu finde, werde ich nochmal nach Möbelgriffen trödeln gehen. Mit sehr viel Glück finde ich irgendwas das sich so gut einpasst, dass ich nur den rechten Griff austauschen muss und der linke, der aus irgendeiner Form von Proto-Plastik besteht, bleiben kann. Wahrscheinlicher werde ich aber beide austauschen. Dann bleibt noch das weggebrochene Ornament auf dem Aufsatz zu ergänzen. Dafür muss mir aber irgendeine Art von Relief in die Hände fallen. Nicht zu groß und thematisch passend.

Trés commode, Madame!

11. März 2014 (20:00 h) – Tags: , , , ,

Musik: Blind Guardian - Battlefield | Stimmung: Tetrislevel fertig gespielt!

Heute früh habe ich mir eine “Can-do Liste” gemacht weil mir so viele Dinge im Kopf rumschwirrten die ich alle an meinen zwei freien Tagen, also heute und morgen, machen könnte. Könnte, nicht müsste. Alles Sachen auf die ich tatsächlich Lust habe.

Als erstes bin ich dann, weil fantastisch sonniges Wetter war, zum Baumarkt geradelt. Mein erster Fahrradausflug in diesem Jahr, da bin ich etwas zimperlich und vermutlich Schönwetterradler. Der Baumarkt hatte neulich ein Prospekt durchgesteckt und darin waren LED-Lichtleisten beworben. Ich hatte Weihnachten meinen lilafarbenen Sternenlichtervorhang auf dem verglasten Balkon und mochte das farbige Licht was durch die Türen ins jadegrüne Wohnzimmer schien sehr gerne. Den Effekt will ich jetzt mit farbigen LEDs emulieren. Am besten mit Farbwechsel und Fernbedienung. Dafür habe ich heute Equipment gekauft.

Außerdem brauchte ich Blumentöpfe um meine fröhlich wuchernden Echeveria umzutopfen. Nachdem ich die in meinen Einkaufskorb geräumt hatte kamen noch ein Kratzbrett für die Kitties mit sowie Katzenfutter und drei ganz entzückend niedliche Mini-Sukkulenten.

Sind die nicht goldig?! Sukkulenten wachsen auf meinem Balkon wie bescheuert weil sie da viel Sonne haben, deshalb hab ich mich getraut noch mehr davon anzuschaffen. Das rechte sind Lithops, und sie sehen wirklich wie Steine aus. Oder wie Augen. Das mochte ich. Was die beiden anderen sind muss ich noch herausfinden. Sehen aus wie kleine Aliens. Ich finde die drei da auf ihrem gemeinsamen Untersetzer total niedlich und bin gespannt wie sie sich machen werden.

Nachdem ich das Fahrrad noch ein zweites Mal bemühen musste weil ich natürlich nicht daran gedacht hatte auch Kakteenerde mitzubringen, konnte ich auch die Echeveria umtopfen. Dabei habe ich der einen Pflanze gleich ihre Ableger abgeschnitten und diese einzeln eingepflanzt. Mal gucken ob sie werden.

Vorne steht der Ingwer den ich neulich eingepflanzt habe. Auch der ist so gut gewachsen, dass ich ihn heute umgetopft habe. Schon ein ganz hübscher Garten. Der allerdings *hust* auf leeren Umzugskartons steht. Wenn ich den Balkon mache wird das alles besser, versprochen!

Das Kratzbrett was ich den Haustieren gekauft habe legte ich erstmal auf den Teppich im Wohnzimmer. Seit ich nämlich eine total zerfledderte Kratzgelegenheit im Arbeitszimmer ausgetauscht habe, gehen die Katzen da nicht mehr dran und wetzen ihre Krallen lieber an meinen Orientteppichen. Da bin ich nicht so begeistert von, also legte ich das Brett etwa auf die Stelle die sie bekratzen. Toyah kam, schnupperte dran und drehte sich wieder um. Siouxsie ging schnurrstracks auf das Ding zu, stellte sich drauf und fing an zu kratzen als wenn das schon ewig da läge. Die gute Katze! Und so schlau! Eigentlich will ich das Brett lieber an der Wand haben, aber Hauptsache es wird erstmal angenommen.

Nachdem ich also mit Pflanzen und Katzen durch war hab ich nochmal auf die Can-do Liste geschaut. Was könnte noch? Oh, “Trödler aufsuchen – Kommode klarmachen” klingt gut. Also wieder aufs Rad, in die Richardstraße geradelt. Sie waren noch da, die Kommoden die ich in meine Auswahl genommen hatte. Dem Favoriten hatte man inzwschen sogar einen losen Türgriff festgeschraubt. Überhaupt strahlte der mich heute so richtig an. Also Händler aufgesucht, Preis erfragt. 85 Euro. Gebongt.

Im Hof stand grade der Lieferwaren, da boten sie mir an die Kommode gleich zu liefern. Nun musste ich mich tatsächlich beeilen um vorher zu Hause zu sein. Kaum war ich da, rief der Händler an um sich zu entschuldigen, dass er doch keinen Schlüssel für die Schranktür hat. Nagut, nicht so wichtig. Aber sehr nett, dass er extra angerufen hat. Kurz darauf klingelten auch schon seine Kollegen und schleppten mein tonnenschweres Möbel fluchend in den zweiten Stock. Und da ist sie nun, die Kommode.

Mit Möbeln kenne ich mich nicht so aus, deshalb tue ich mich recht schwer damit das Stück zu datieren. Vor dem zweiten Weltkrieg. Aber wie weit? Jahrhundertwende? Eigentlich zu wenig Jugendstil. Für Historismus zu schlicht, für Biedermeier schon wieder zu verspielt, finde ich.

Zu Hause habe ich meine Neuerwerbung erstmal geputzt. Stand beim Händler zwar überdacht aber trotzdem fast draußen. Da kam ganz gut Dreck runter. Natürlich ist das Stück nicht in Top-Zustand. Beim Aufsatz ist mittig das Zierelement weggebrochen und auf der rechten Tür fehlt es auch. Der Lack ist zerschrammt, hat Wachsflecken und kleine runde Stellen wo mal was drauf stand. Es würde mich ja brennend interessieren was das war und was die Kommode überhaupt schon so gesehen hat.

Der rechte Türgriff ist weg, da habe ich aber ja schon was auf dem Trödel am 17. Juni ausspioniert. Was ich anstelle der fehlenden Zierdinger mache weiß ich noch nicht, aber ein paar vage Ideen gibt es schon. Mich stören diese Blessuren ehrlich gesagt überhaupt nicht. Da hat jemand halt Geschichte und Charakter. Und gibt mir die Chance dem noch eine persönliche Note hinzuzufügen.

Die Kommode ist ziemlich groß, ich werde ohne Probleme meine Xbox, die Spiele und DVDs drin unterbringen. Und mehr. Auf dem Aufsatz (oder davor) sollen die Jugendstil-Buchstützen stehen und ein paar alte Bände halten. Und dann wäre noch Platz für eine Tischlampe. Ich habe erstmal diesen schwarzen Plastikleuchter draufgestellt, aber so richtig gefällt mir das nicht. Da kann gerne noch was altes. Die Innenfächer der Kommode waren mal mit Papier ausgeschlagen, es sind noch Reißnägel und ein Papierschnipsel drin gewesen. Das könnte ich auch wieder machen. Für Kabel werde ich schamlos ein Loch in die Rückwand bohren. Das hätte ich bei einer neuen Ikea-Kommode auch gemacht.

Das Wohnzimmer ist auf einmal deutlich voller, aber ich sehe jetzt die Gestaltung der ganzen Wand heranreifen. Da freu ich mich schon drauf.

Und bis die Katzen in und auf die Kommode geklettert waren hat es natürlich auch nicht lange gedauert.

Heute mit Schimpfwort

6. März 2014 (10:07 h) – Tags: , ,

Musik: Testament - Henchmen Ride | Stimmung: Und während die Haarfarbe einwirkt blogge ich das schnell!

So, ich habe endlich das Fenster im Wohnzimmer fertig. Bereits im September hatte ich Vorhänge und ein Gardinenrollo dafür genäht. Letzteres endet oben recht unromantisch in einer Klettleiste und auch die Vorhangstange darüber war nicht die reinste Schönheit. Beides galt es also zu verdecken, dafür habe ich einen Querbehang aus Stoff (=Schabracke) genäht.

Ursprünglich hatte ich darauf spekuliert für die Schabracke einen Rest braunen Samt vom Sofabezug verwenden zu können, aber so viel blieb gar nicht mehr übrig. Nun habe ich mich dazu entschieden, den Querbehang aus einem der Stoffe zu fertigen, die auch im Vorhang vorkommen: Aus dem braunen Chinajacquard. Ein absoluter Widerling in der Verarbeitung. Verschiebt sich ständig und verzieht sich in sich selbst, so dass schon das Aufzeichnen eines Rechtecks eine Herausforderung ist. Das hat wenig Spaß gemacht und musste alle naselang korrigiert werden.

Für die Schabracke habe ich mich grob hier dran orientiert. Eine rechteckige Grundform, einen zweiten Stoff mittig aufsetzen und ganz viel Borte drumherum. Und hier hatte ich die Idee her, seitlich eine breite Borte als senkrechten Abschluss zu verwenden. Die gestufte Unterkante gefiel mir auch, es stellte sich aber heraus, dass von den Bortenresten die ich für die Unterkante verwenden wollte nicht mehr genug für eine Stufe vorhanden war, also starb die Idee schnell dahin.

Nichtsdestoweniger entwickelte mein Stoffbehang schnell den königlichen Charme eines Krönungsornats. Das macht die Borte, es schadet aber auch nicht zwei gemusterte Stoffe mutig zusammenzustellen. Den dunkelblauen Sarirest hatte ich kürzlich in einer Kiste gefunden und seine längliche Form verlangte geradezu nach einem Einsatz auf der Schabracke.

Hölzer und Winkel für die Wandbefestigung hatte ich neulich schon gekauft. Als ich die anschrauben wollte stellte sich heraus, dass irgendein Depp (->ich) weder den Akku in der Bohrmaschine noch den Ersatzakku aufgeladen hatte. Also Unterbrechung. In der Zeit habe ich silber-goldene Münzpailletten mit Holoeffekt an die Unterkante der Schabracke gestickt. Jede mit acht Rocailles aufgefädelt, so dass sie schön locker hängen.

Die Münzpailletten sind groß genug um auch auf Abstand zu wirken und ich mag den Effekt wirklich gerne. Überhaupt bin ich mit der Schabracke sehr zufrieden. Ich konnte gut die Reste von verschiedenen Goldborten aufbrauchen, auch die Stoffe und Perlen/Pailletten stammen alle aus meinem Bestand. Es lohnt sich bei mir also durchaus Glitzerkram erstmal auf Vorrat zu horten und wenn man ein Projekt auflöst die Borten runterzurupfen. Die Troddelborte am Saum der Schabracke stammt zB von einem Wandbehang den ich in der Loggia meiner letzten Wohnung hatte.

So sieht das Fenster nun aus. Ich habe bei Kunstlicht fotografiert weil tagsüber einfach zu viel Gegenlicht ist und die Kamera damit überhaupt nicht klar kommt. So sind halt die Farben nicht ganz okay. Sorry.

Fürs Wohnzimmer fehlen damit noch vor allem das lange Tetriselement die Kommode, ein Vorhang vor der Balkontür und ganz viel Wanddeko. Ich warte auf den Moment wo es klick macht und aus der Dauerbaustelle eine gypsymäßige Höhle wird. Dafür braucht es mMn noch viel Kram und am Beleuchtungskonzept kann ich auch noch arbeiten. Ein oder zwei kleine Teppiche würden auch helfen. Und Bemalungen. Und Räucherstäbchen.

Guten Tag, kann ich Ihnen was aufschwatzen?

1. März 2014 (18:05 h) – Tags: , ,

Musik: Kiss - God Gave Rock 'n' Roll To You 

Es ist nicht besonders warm in der großen Stadt, aber dafür wunderbar sonnig. Ich habe ein freies Wochenende und musste mir für die bestandene Stresswoche was gönnen. Also war ich trödeln, was Besseres gibt es bei Sonnenschein und Frühlingsfrischluft fast gar nicht.

Am Freitag besuchte ich erstmal den Möbeldealer in der Richardstraße und sah mich nach einer Kommode fürs Wohnzimmer um. Die Kommode soll an die Wand gegenüber des Sofas und sie ist fürs Vorankommen des gesamten Wohnzimmers so etwas wie das lange Element für ein gewonnenes Tetris-Level: Ohne kommt man einfach nicht weiter. Ich will noch Bilder und anderen Scheiß an und vor die Wand hängen, aber ich weiß ja nicht wohin wenn ich nicht weiß wie groß die Kommode wird. Das bremst mich also schon eine Weile, deshalb hat die Kommode inzwischen eine recht hohe Priorität. Der Kieztrödler war nett und hatte auch ein paar Kommoden die er mir sogar nach Hause liefern würde. Alle nicht in Top-Zustand, aber ich habe ohnehin festgestellt, dass mich immer grade die schrabbeligen Exemplare interessieren. Viele Schränkchen waren ziemlich groß, mehr für die 200-qm-Wohnungen die man im neunzehnten Jahrjundert offenbar so eingerichtet hat. Ich hab jetzt zwei bis drei Modelle in die Auswahl genommen aber noch nichts gekauft.

Heute bin ich dann erstmal auf den Fehrbelliner Platz gefahren. Ohne irgendwas zu suchen, einfach so zum Stöbern. Die Gesellschaft von altem Kram macht mich glücklich. Ich hab ein paar Jugendstilbroschen angeschaut und einen mentalen Vermerk zum Teppichhändler gemacht, der hatte nämlich auch so kleine orientalische Brücken wie sie gerne noch bei mir ins Wohnzimmer einziehen dürfen. Neben dem ganzen Gerümpel was man kaufen könnte, mag ich Trödelmärkte aber auch für ihre Händler. Ich habe folgende wunderbare Konversation zwischen zwei älteren Herren mitbekommen als sich ein potentieller Kunde für ein Set Briefmarken interessierte: Kunde: “Und was sollen die kosten?” Händler: “Dieter, watt willste denn für die hier haben?” Dieter: “Wie viele sind denn da drauf?” Händler (betrachtet die Briefmarken): “Fünf Jute, der Rest is Kompott.” Dieter: “Dann zehn Euro.” Auch mein Titel ist das Zitat eines anderen Händlers bei dem ich später einkaufte und noch was geschenkt bekam.

Es hat mich nichts so richtig angesprungen, deshalb habe ich den Fehrbelliner Platz wieder verlassen ohne eingekauft zu haben. Aber es ist von dort ja nicht so weit zum 17. Juni. Wo der auch von Touristen gut frequentierte Trödelmarkt ist auf dem ich meine Wohnzimmerlampe gekauft habe. Die Händler dort haben mMn etwas hochwertigere Waren und der Markt ist auch deutlich größer. Es lohnt sich beide abzugrasen, dann sollte man aber mit dem Fehrbelliner Platz anfangen und gut Zeit einplanen um zwischenzeitlich auch mal was zu essen. Nur so als Veranstaltungstipp für Berlinbesucher.

Der 17. Juni war super heute. Gleich zu Anfang begegnete mir eine wunderschöne Tischlampe die perfekt ins Wohnzimmer gepasst hätte, nur habe ich gar keinen Tisch dafür. Vielleicht für die Kommode? Erstmal weitergegangen. Die Russin der ich meine Deckenlampe abgekauft hatte bot wieder tolle Art Déco Lampen an, ein anderer hatte ganz kleine Kronleuchter bei denen ich auch fast schwach geworden wäre. Sind ja schließlich zwei Anschlüsse an der Wohnzimmerdecke. Als ich es an einem anderen Stand dann erneut glitzern sah, erinnerte ich mich wieder daran, dass ich ja unbedingt noch einzelne Lüsterkristalle kaufen wollte um sie ins Schlafzimmerfenster zu hängen. Im Wohnzimmer habe ich bereits welche und wenn die Sonne da draufscheint werfen sie hundert Regenbogen-Lichtpunkte ins Zimmer.

Diese Auswahl habe ich heute mitgenommen, für acht Euro. Besonders fasziniert mich der blaue Kristall. In der Art gab es noch violette und orangefarbene. Total schade, dass wir nie erfahren werden an was für einer extravaganten Lampe die mal dran waren.

Ich hab wirklich viel angeschaut, auch viel Schmuck. Ich habe auch bei den Händlern rumgestöbert die “nur” die üblichen Silberringe mit Steinen oder ohne hatten. Ich trage auch auf Arbeit gerne Ringe und werd da so bald nicht zu viele haben. An einem Stand blieb ich hängen weil mir ein Ring mit Sichelmond und Stern so gut gefiel. “Kosten alle fünf Euro, ist Silber”, sagte der Händler. Für fünf Euro kann man ja nicht viel falsch machen, dachte ich mir. Wir quatschten noch ein bisschen und ich suchte mir drei Ringe aus. “Machen wir zehn Euro, ich wollte dir eh einen Ring schenken”, meinte der Händler als ich bezahlen wollte. Das war total niedlich und rührend.

Ich hab zwei schwarze Steine ausgesucht weil ich auf Arbeit oft Plugs und Ohrstecker mit solchen Steinen trag und dann passt es zusammen und das mag ich total. Der Mondring ist ein bisschen zu groß, passt nur auf den Zeigefinger, aber ich finde ihn so toll. Hab neulich auch schon Ohrstecker mit Mondsicheln gekauft. Den kleinen Ring hab ich bewußt so ausgesucht, dass er auf ein oberes Fingerglied passt. Midi-Ringe finde ich momentan total super.

Total glücklich aber auch zunehmend hungrig klapperte ich noch die zweite Hälfte vom Markt ab. Bekam eine Nachricht von einer Kollegin, dass sich der ganze Stress den wir diese Woche auf Arbeit hatten nun zum Guten geklärt hat. Alles schön. Was mache ich heute eigentlich zu Essen? Ich schrieb schonmal eine mentale Einkaufsliste und war eigentlich bereits dabei den Markt wieder zu verlassen. Aber ich hatte eben einen so reinrassigen Jugendstil-Bilderrahmen in der Hand gehabt… ich frag wenigstens was der kosten soll. Der Händler war grad nicht da, sein Kumpel mit der Ware etwas überfordert. “Zehn Euro?”, schlug er vor. Dann kam der Chef zurück und meckerte. Mein Türkisch ist sehr begrenzt, aber offensichtlich hatte der Kumpel ihm grade den Preis ruiniert. “Nee, also zwanzig muss ich auf jeden Fall dafür haben! Das ist alt!” Ich wendete ein, dass weder Glas noch Rückwand dran wären. “Aber das ist Holz! Nagut, fünfzehn.” Für fünfzehn war der Rahmen dann meins.

Ich denke der bleibt im Wohnzimmer. Eventuell habe ich noch genug Plexiglas im Keller um das Glas zu ersetzen. Was ich da rahmen will weiß ich noch nicht. Ist aber das kleinste Problem.

Auf dem 17. Juni habe ich neben den weiter verbreiteten Möbelgriffen aus Porzellan auch welche aus Messing gesehen, sogar mit Art Déco Mustern. Damit könnte ich die Griffe meiner in der Richardstraße favorisierten Kommode austauschen, wenn ich sie denn kaufen sollte. Die war ziemlich abgerockt, ein Griff fehlte, die Zierelemente auf der entsprechenden Tür ebenfalls. Dafür sollte sie fast nix kosten und ich weiß, wie viel Spaß ich am Aufarbeiten hätte. Wenn das Teil eh nicht mehr so edel ist kann ich da auch viel entspannter irgendwas mutiges mit machen. Hm. Ich glaube in dem Tetris-Vorschaufeld habe ich grade das lange Element gesehen.