Seltsamer Lauch

5. April 2016 (20:54 h) – Tags:

Musik: Originale Broadwayaufnahme von HAIR. <- Hippiephase. | Stimmung: Wildkräuter geninjat, Pesto gemacht, auf Pizza verwendet, superlecker gegessen. Ich bin so stolz auf mich!

Tatsächlich gibt es eine Pflanze die so heißt. Oder auch „Wunderlauch“. Ich nenne sie „Berliner Bärlauch“, denn sie wächst tatsächlich bei uns in der großen Stadt. Im letzten Frühjahr, als ich hochmotiviert und unverletzt sehr viel im Treptower Park und Plänterwald laufen war, fiel mir irgendwann ein zwiebeliger Geruch auf. Der kam von den schmalblättrigen Pflanzen am Wegesrand. Zwischenzeitlich bedecken sie auch den Boden ganzer Waldstücke. Ich googlete und stieß auf den Berliner Bärlauch. Zur Ernte war ich schon zu spät dran, aber das nahm ich mir fürs nächste Jahr fest vor.

Dieses Jahr also ist es soweit. Bevor der Bärlauch blüht habe ich ihm einen Besuch mit Küchenmesser abgestattet. Keine Sorge, man kann das Zeug essen und irgendwo habe ich auch gelesen, dass wir es sogar bitte ernten sollen weil es sich sehr stark ausbreitet und dabei andere Arten verdrängt. Also Dienst am Wald getan und gratis Biokräuter abgegriffen. Und das mitten in der Stadt. Yay!

Eine ganze Supermarkt-Gemüsetüte Bärlauch habe ich geerntet, das waren fast 200 Gramm. Aber auch gut so, ich habe nämlich Pesto draus gemacht und da bleibt ja erfahrungsgemäß nicht viel Volumen übrig. Ein paar frische Blätter sind auf Falafelburgern gelandet und im Salat würde der Wunderlauch sich sicher auch gut machen. Er schmeckt nicht zu scharf und eher mild nach Knoblauch und Zwiebel, das kommt mir sehr entgegen, ich reduziere nämlich notorisch die Knoblauchmengen in Rezepten und lasse rohe Zwiebeln immer und überall weg.

Wie geht also dieses vegane Berliner Bärlauchpesto?

Zutaten 
(ergibt ein kleines Marmeladenglas voll)

  • 200g Berliner Bärlauch
  • 80g Cashewnüsse
  • 40g ungesalzene Erdnüsse
  • 1-2 TL Zitronensaft
  • 1 TL Salz
  • 1-2 EL Hefeflocken (optional)
  • etwa 3 EL Olivenöl

Bärlauch gründlich waschen und schonmal grob hacken. Die Nüsse in einer Pfanne ohne Öl vorsichtig anrösten. Dann alle Zutaten mit dem Pürierstab zu einer groben Paste verarbeiten. Mehr Olivenöl lässt die Sache geschmeidiger werden.

Anstatt Cashews und Erdnüssen kann man natürlich auch andere Nüsse verwenden. Sonnenblumenkerne, Mandeln, Pinienkerne oder Walnüsse würden sicher auch gut passen. Für etwas Superfood kann man auch einen Teil der Nüsse durch Hanfsamen ersetzen. Die Hefeflocken geben eine leichte Käsenote, denn traditionell würde man so ein Pesto ja mit Parmesan herstellen. Natürlich darf man auch ganz stinknormalen Bärlauch im Supermarkt kaufen. Wer aber selber auf urbane Kräutersafari gehen mag findet zB bei mundraub.org Karten und Verzeichnisse wild wachsender Nahrungspflanzen. Informiert euch aber auf jeden Fall vorher wie Bärlauch aussieht und riecht und wie man ihn von Maiglöckchen und anderen ähnlich aussehenden (aber giftigen!) Pflanzen unterscheiden kann!

Das Pesto hält sich im Kühlschrank eine ganze Weile, wenn man sehr viel mehr macht und es länger aufbewahren möchte könnte man es auch einkochen, dann würde ich aber auf die Hefeflocken verzichten, deren Vitamine gehen in der Hitze sowieso kaputt. Wie das mit dem Einkochen geht weiß Experiment Selbstversorgung.

Mit meinem Berliner Bärlauchpesto habe ich dann gleich mal eine Pizzavariante ausprobiert. Und ohne Scheiß, das ist die leckerste vegane Pizza die ich jemals gegessen habe in der Geschichte von Pizza überhaupt! OMG, schon das erste Stück hat mich total begeistert. Und ist so einfach zu machen! Ich fürchte damit hat zumindest dieses Glas Pesto seine Bestimmung gefunden und wird zu nichts anderem mehr ausprobiert werden.

Vegane Naked Pizza mit Berliner Bärlauchpesto und Ruccola
(ergibt vier Stücke für 2-4 Personen)

Zutaten

  • 1 Packung fertiger Pizzateig auf Backpapier (auf die Zutatenliste schauen, manche Sorten enthalten tierische Produkte)
  • 4 EL Olivenöl
  • etwa 6 EL Berliner Bärlauchpesto
  • 2 Handvoll Ruccola
  • ein paar Blätter Basilikum

Den Pizzateig auspacken und auf einem Backblech ausbreiten. Mit Olivenöl bestreichen und nach Packungsangabe backen. Lieber kürzer und zwischendurch mal nachsehen, ohne Belag wird die Pizza schnell dunkel. Den fertig gebackenen Pizzaboden aus dem Ofen holen und gleich mit dem Pesto bestreichen. Gewaschenen Ruccola und Basilikum drauf streuen. Und nomnomnom…

Nage Vegan!

30. März 2016 (22:12 h) – Tags:

Musik: Avantasia - The Story Ain't Over | Stimmung: satt und dankbar

Der Titel dieses Eintrags ist ein Palindrom (yay!). Außerdem ist er sehr passend, denn ich will heute mal ein Fazit meines „Fastenzeit vegan“-Experiments geben. Ich hatte schonmal erwähnt, dass ich die christliche Fastenzeit (Karneval bis Ostern) in diesem Jahr nutzen wollte um mal vierzig Tage keinerlei tierische Produkte zu essen. Nur Pflanzen. Das war also der Plan.

Was ist wirklich passiert?

In der Realität habe ich vielleicht dreißig Tage vegan gegessen und an zehn Tagen einen Kinderschokolade-Osterhasen verschlungen, vom Geburtstagskuchen einer Kollegin genascht oder in einem Café das keine veganen Alternativen hatte Latte Macchiato getrunken. Die unbestreitbare Leckerheit von Schokolade und die geringe Verfügbarkeit von veganen Alternativen wenn man außer Haus was essen muss oder will waren meine beiden Stolperfallen. Ich habe mich an diesen zehn Tagen sehr darüber geärgert meinen Plan sabotiert zu haben, aber im Nachhinein denke ich es ist okay. Ich habe gelernt wo das Problem liegt und kann deshalb nach Lösungen suchen. Ich will nicht zu hart mit mir selber sein, denn ich hatte ja grade erst angefangen eine neue Ernährungsweise umzusetzen. Mir fehlten Routine, Wissen und Alternativen. Alles Dinge die man sich mit der Zeit sicher aneignen würde.

Habe ich etwas vermisst (außer Kinderschokolade)?

Ehrlich gesagt: Nö. Ich ernähre mich schon seit mindestens zehn Jahren vegetarisch, es ging hier also „nur noch“ darum auf Eier, Honig und Milchprodukte zu verzichten. Und auf Bonbons die mit Bienenwachs überzogen sind. Und auf angeblich vegane Kekse deren Zutatenliste mit „Enthält Milch“ endet. Ja, ich habe viele Verpackungen gelesen und das hat das Einkaufen nicht unbedingt einfacher gemacht. Ich habe im Internet recherchiert und Google so Sachen gefragt wie: „Ist Hefe vegan?“ (Google sagte Ja). Das war alles Mehraufwand, aber gar kein negativer. Ich bin neugierig, ich will immer lernen. Und es gab auch große Aha-Erlebnisse als ich herausgefunden habe wie unproblematisch es ist ohne Eier zu backen bzw Pancakes zu machen. Eier habe ich also überhaupt nicht vermisst. Deren Geschmack mag ich schon seit Kindertagen nicht, mir würde nie einfallen ein gekochtes Ei zu essen. Käse habe ich auch nicht vermisst, das hat mich schon mehr gewundert. Parmesan habe ich durch Hefeflocken ersetzt, Honig durch Agavensirup. Milch und Joghurt habe ich sang- und klanglos als pflanzliche Alternativen erstanden und ihnen keine Sekunde hinterher getrauert. Natürlich ist Pflanzenmilch teurer als Kuhmilch. Aber je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, umso absurder erschien mir der Gedanke Kuhmilch zu konsumieren. Ich bin doch kein Kälbchen. Diese Milch ist überhaupt nicht für mich bestimmt. Kalzium und Eiweiß kriege ich auch aus anderer Quelle.

Was war toll?

Ich habe so viele neue Rezepte ausprobiert! Ich habe so gute Sachen gegessen! Buddha-Bowls, Oatmeal, Chiapudding, Zoodles, Bananenbrot, Zucchini-Zitronen-Muffins, Salate mit selbstgezogenen Sprossen! Ich habe mich noch nie so sehr und vor allem nicht mit einer so positiven Grundeinstellung mit Ernährung beschäftigt. Ich habe ein tolles veganes Kochbuch gekauft und jede Menge Rezepte aus dem Netz ausgedruckt, und es gibt so unendlich viel was ich noch nicht ausprobiert habe! Darüberhinaus war dies zwar nie ein Punkt der mich zur vegetarischen oder veganen Ernährung getrieben hat, aber ich möchte nicht leugnen, dass es sich gut anfühlt nicht zum Leid von „Nutztieren“ beizutragen. Und, auch ein eher überraschender Bonusnutzen: Meine Haut ist besser geworden. Sie neigt ein bisschen zu Unreinheiten, was mMn vor allem hormonell bedingt ist. Angeblich kann das aber auch durch Milchprodukte begünstigt werden, habe ich gelesen. Egal wie, ich meine die Haut verhält sich besser.

Wie haben die Mitmenschen reagiert?

Das ist eine interessante Sache. Da ich jegliche Art von Missionseifer zutiefst verabscheue habe ich mir große Mühe gegeben nicht den besseressenden Nerv-Veganer raushängen zu lassen. Es soll wirklich jeder machen wie er will. Insofern haben mich die meisten Leute auch in Frieden gelassen. Einige waren skeptisch, einige fühlten sich auf den Schlips getreten weil ihr eigenes latent schlechtes Gewissen anklopfte. Meine Mutter hat ganz großartig reagiert, sogar ein veganes Kochbuch angeschafft und sich im Bioladen beraten lassen was sie mir an Süßigkeiten zu Ostern schenken kann. Das hat mich ganz doll gerührt. Die berüchtigte Frage zur Eiweißversorgung hat mir tatsächlich noch niemand gestellt!

Wie gehts weiter?

Ihr ahnt es vermutlich schon: Ich geh nicht mehr zurück. Ich habe jetzt Blut(-orangensaft) geleckt und schon so positive Erfahrungen gemacht, dass ich das Projekt nicht so schnell an den Nagel hängen mag. Ich will noch viel mehr ausprobieren und lernen die Hürden zu überwinden die mir erstmal im Weg standen. Allerdings weiß ich auch, dass Ernährungsumstellung ein Prozess ist und nicht über Nacht passiert. Insofern akzeptiere ich, dass es sicher Rückschläge geben wird. Auf Anraten meiner Mutter will ich meine Blutwerte mal prüfen lassen. Ich nehme schon länger B12 als Nahrungsergänzung und habe heute mal ein anderes Präparat gekauft das noch mehr Vitamine/Mineralstoffe enthält, halt alles was Pflanzenfressern fehlen könnte. Ob ich nun auch meine Kosmetik und Kleidung vegan umstellen werde ist etwas, das ich erstmal noch nicht entscheiden will. Ein Schritt nach dem anderen. Zuersteinmal bin ich wirklich froh, das Experiment gewagt zu haben. Wie sagte Keith Haring so schön: Nichts ist so erfrischend wie ein beherzter Sprung über die eigenen Grenzen.

„Dattelmatschpaste“ ist ein heißer Anwärter auf das Wort des Jahres

6. März 2016 (19:49 h) – Tags:

Musik: Avantasia - Draconian Love 

Meine Instagram-Freunde wissen es schon: Ich versuche mich momentan an veganer Ernährung. Ich hab die christliche Fastenzeit von Fasching bis Ostern zum Anlass genommen um mal vierzig Tage keine tierischen Produkte zu essen. Und natürlich auch keine Tiere! Aber das mache ich ja eh schon seit Ewigkeiten.

Die Fastenzeit ist noch nicht vorbei, aber ein vorläufiges Resümee kann ich schonmal abgeben. In mancherlei Hinsicht ist vegan sehr viel unkomplizierter als ich es mir vorgestellt hatte. Von pflanzlichen Milchalternativen bin ich zB total begeistert. Ich vermisse auch Käse nicht besonders, vor allem seit ich Hefeflocken als Parmesanersatz entdeckt habe. Eier habe ich ohnehin nicht so oft verwendet, eigentlich nur zum Backen oder für Pancakes, aber da gibt es ja auch genug vegane Rezepte. Alles mögliche auszuprobieren und neue Sachen zu erforschen macht mir nach wie vor unheimlich viel Spaß. Leckere Rezepte entdecken, toll essen und alle möglichen Tricks lernen. Das ist es worum es mir nicht nur bei diesem Experiment sondern allgemein in der Küche geht.

Was nicht einfach ist sind vor allem zwei Sachen. Zum einen Schokolade. Ja, es gibt vegane Schokolade und ja, die schmeckt auch toll. Der Unterschied zu Milchschokolade ist fast nicht zu schmecken, es gibt Weiße und Nougat und Mandel-Orange. Aber: Halt nicht überall. Im Bioladen und bei machen dm-Filialen. Nicht am Kiosk wenn ich von der Arbeit komme, nicht im Automaten auf dem Bahnsteig, nicht im Supermarkt wenn man grade total Bock drauf hat. Von Kinderschokolade-Osterhasen fange ich gar nicht erst an! Das ist hart. Man *könnte* vegane Schokolade auf Vorrat kaufen, damit welche zu Hause ist wenn das Hirn sich einbildet ohne nicht überleben zu können. Aber so funktioniert es bei mir nicht. Wenn Süßkram, Chips oder Eis da sind, dann werden sie gegessen. Sofort. Komplett.

Das zweite Problem auf das ich gestoßen bin hat auch mit Vorausplanung zu tun. Es geht um die Situationen in denen ich mir unterwegs was zu Essen besorgen muss oder will. Also ein Quarkbrötchen vom Bäcker weil ich es nicht geschafft habe zu frühstücken bevor ich aus dem Haus musste. Oder zwischen Termin drei und vier irgendwo Minipizza einwerfen weil sonst meine Laune ganz dramatisch in den Keller fällt. Oder der Arbeitgeber läd zum Mittagessen ein und präsentiert stolz seine vegetarische Variante. Die ist mit Käse überbacken und da steht er dann, der undankbare Veganer.

Ich bin mir sicher, dass man auch draußen vegane Alternativen finden wird, aber das dauert vermutlich einfach etwas. Oder man plant ein bisschen besser voraus und frühstückt zu Hause bzw nimmt was zu Essen mit. Das wäre natürlich ideal, aber -seien wir mal ehrlich- immer wird das nicht funktionieren. Und manchmal will ich auch den Regler von „Kontrolle“ in Richtung „Freiheit“ schieben.

Soweit also der Zwischenstand meines veganen Abenteuers. Ich bin immernoch entschlossen das durchzuziehen, auch wenn es zwischendurch Rückschläge gegeben hat. Dafür macht es mir einfach zu viel Spaß neue Rezepte auszuprobieren und beim Zubereiten schon in ungläubiger Begeisterung den Löffel abzulecken. Das Frühstück ist in dieser Hinsicht eine sehr dankbare Mahlzeit. Ich habe mein Hipster-Breakfast nicht nur erfolgreich ersetzt, sondern darüberhinaus mit Chiapudding und Overnight Oats sogar Morgenvarianten entdeckt die das Aufstehen vor der Frühschicht ein gutes Stück erfreulicher machen.

Was ich hier mit euch teilen will ist das Frühstück was ich zubereite wenn ich Zeit habe. An freien Tagen oder vor der Spätschicht. Manchmal freue ich mich da schon eine halbe Woche vorher drauf.

Heißt das auf deutsch wirklich „Haferbrei“? Kein Wunder, dass ich da nicht früher drauf gestoßen bin. Klingt bei weitem nicht so lecker wie Oatmeal schmeckt. Und lässt auch nicht erahnen was man damit alles machen kann. Ich habe viele Varianten bei Earthling Ali im Blog gefunden und bin bei jedem Ausprobieren begeistert gewesen. Auch das Grundrezept was ich euch vorstelle basiert auf Alis Rezepten.

Das Grundrezept ist ziemlich simpel. Ich nehme etwa 1/4 Liter Wasser und 1/8 Liter vegane Milch (ich messe das mit amerikanischen Cup-Messbechern ab, da ist es 1 Cup Wasser und 1/2 Cup Milch) und koche die in einem kleinen Topf auf. Wenn die Flüssigkeit blubbert kommen etwa 70 Gramm (3/4 Cup) kleinblättrige Haferflocken dazu. Hitze runterdrehen und rühren bis es eine angenehm cremige Konsistenz hat. Und das war schon alles.

In der nackten Grundvariante schmeckt es allerdings genau so wie „Haferbrei“ klingt. Langweilig bis grauenvoll. Zum Glück gibt es eine Trilliarde Möglichkeiten das Oatmeal aufzumotzen. Ich ergänze das Grundrezept normalerweise um je einen Teelöffel Chiasamen und geschrotete Leinsamen die mit den Haferflocken zusammen in die Milch gerührt werden. Wenn die Pampe nicht mehr kocht wird noch ein Teelöffel Macapulver druntergerührt. Damit haben sich schon ein paar Superfoods eingeschlichen und sowohl Nährwert als auch Geschmack deutlich verbessert. Man kann an dieser Stelle auch Vanillepulver, eine halbe zermatschte Banane, Dattelkaramell*, Lucumapulver, gefrorene Himbeeren oder getrocknete Früchte unterbringen, um nur mal ein paar Varianten zu nennen.

Das Oatmeal fülle ich dann in meine rote Lieblingsschale um und dann geht es ans Topping. Das ist eigentlich das beste an diesem Frühstück. Hier wird alles unter frischem Obst, noch mehr Superfoods, Samen, Nüssen, getrockneten Früchten und Dressing begraben. Die Möglichkeiten sind unendlich. Ich verwende häufig eine halbe Banane, eine handvoll Blaubeeren und zwei bis drei Erdbeeren, alle gewaschen bzw kleingeschnitten. Physalis rocken auch total. Oder Himbeeren. Mango. Nektarinen. Weiche Birne. Kirschen. Pflaumen. Granatapfelkerne.

Darüber streue ich dann Hanfsamen und gemahlene Weizenkeime. Alternativ gepopptes Amaranth, Chiasamen, Sesam, Kokosraspel, gehackte Mandeln bzw Mandelblättchen, Pistazien, Aroniabeeren, Gojis, etc. Und wenn man Lust drauf hat gibt es auch noch eine Art Sauce drauf. Sehr einfach lässt sich ein Esslöffel Erdnussbutter mit etwa 1/2 bis 1 Teelöffel Kokosöl in einer kleinen Pfanne erwärmen und zu einer unwiderstehlichen Sauce verrühren. Oder man püriert weiche, getrocknete Datteln mit etwas warmem Wasser (fünfzehn Datteln auf etwa fünf Esslöffel Wasser lassen sich gut mit dem Pürierstab verarbeiten und ergeben genug Dattelkaramell für mehrere Portionen. Passt auch gut zu (Chia-)Pudding). Je nach Geschmack mit Meersalz verfeinern, denn es gibt kaum etwas besseres als Salzkaramell.

Je nachdem wie lange man für die Zubereitung des Toppings braucht kühlt das Oatmeal etwas ab. Meist laufe ich aber eher Gefahr mir die Zunge dran zu verbrennen. Aber das ist es wert! Probiert es aus, ihr werdet begeistert sein!

 

 

*Man kann hier im Prinzip das gleiche Dattelkaramell verwenden was ich weiter unten beschrieben habe. Ali macht aber in diesem Rezept eine Dattelmatschpaste für die sie zwei Datteln (drei sind auch okay) grade so mit kochendem Wasser bedeckt und etwas einweichen lässt. Die Datteln mit einer Gabel zermatschen und so lange rühren bis sie sich größtenteils aufgelöst haben. Dann salzen und vor den Haferflocken in den Topf geben.

Alte Freunde

24. Februar 2016 (17:48 h) – Tags:

Musik: Testament - Cold Embrace 

Wow, Leute! Ich bin sehr beeindruckt von euren Kommentaren zu meinen Bekenntnissen eines uncoolen Teenagers. Ich wusste, dass ich nicht die einzige bin, die es in der Schulzeit schwer hatte. Und ich hatte irgendwo auch gehofft, mit dem Eintrag andere zu trösten oder zu ermutigen. Aber wie lieb, mitfühlenden und persönlich die Kommentare dann sind, das hat mich doch unvorbereitet erwischt und sehr tief berührt. Ich möchte jeden von euch drücken. Vielen, vielen Dank für die tollen Worte!

Und ein bisschen sentimental geht es hier auch weiter. Zumindest habe ich im Laufe dieser Geschichte auch das eine oder andere Tränchen zerdrückt.

Es war einmal ein kleines Mädchen, das hatte ein liebstes Kuscheltier. Einen Hund, den es Asta nannte. Solange sich das Mädchen erinnern konnte, war Asta immer bei ihr gewesen (die Wissenschaft geht inzwischen davon aus, dass Asta ein Geschenk der Großmutter war).

Auf diesem Bild ist das Mädchen, was natürlich ich bin, drei Jahre alt. Ich trage mein allerliebstes Sonnenhemdchen und schleppe Asta durch die Gegend. So sahen wir mal aus. Ich hatte Zahnlücken und Asta war sehr flauschig.

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wohnte Asta ständig bei mir im Bett. Es fiel mir schwerer einzuschlafen wenn ich sie nicht im Arm hatte, also war sie in jedem Urlaub dabei. In jeder Lebensphase. In jeder selig durchgeschlafenen Nacht und auch immer wenn ich Trost brauchte.

Erwartungsgemäß blieb sie nicht lange flauschig. Ihr Fell wurde dünn, irgendwo ging mal eine Naht auf. Eines Tag fiel ihre Plastiknase ab und meine Mutter nähte eine aus dunklem Filz drauf. Später verlor Asta dann erst das eine Auge was ich noch durch ein Glasauge ersetzte, beim zweiten kümmerte ich mich nicht sofort drum, und dann geschah es nie. Ich dachte zu dem Zeitpunkt ich sollte erwachsen werden und verbannte die morschen Stofftiere in den Schrank.

Und dort fand Netti dann mein einst heißgeliebtes Kuscheltier. Ich glaube sie war ein bisschen entsetzt über dessen maroden Zustand. Heimlich steckte sie Asta in ihre Reisetasche und nahm sie mit nach Hamburg. Asta ging ohne mich auf Reisen! Und zwar zum Beauty-Doc.

Netti besserte fadenscheinige Stellen im Fell aus. Ersetzte beide Augen. Stopfte den Hund wieder ordentlich aus. Um mir dann ein Geburtstagsgeschenk zu machen mit dem ich nie gerechnet hätte.

Verjüngt, stabilisiert und bereit wieder mein Leben und Bett zu teilen. Willkommen zurück, alte Freundin! Unnötig zu erwähnen wie unsagbar gerührt ich war, dass Asta sofort wieder in mein Schlafzimmer eingezogen ist und dass ich seither mit Hund und Katze im Bett schlafe. Das mit dem Erwachsenwerden war ohnehin keine so tolle Idee.

A Tribute To The Strength Built Through The Years

13. Februar 2016 (13:29 h)

Musik: Slipknot - Killpop 

Es gibt auf meinem Rechner einen Ordner mit dem Namen „Throughtheyears“. Dort liegen aktuell 80 Fotos die meine ästhetischen Entscheidungen und den stilistischen Werdegang vom Teenager bis dato dokumentieren. Ich habe für jedes Jahr etwa drei bis fünf Fotos ausgewählt, hauptsächlich Portraits, die sich bemühen meinen jeweiligen Look abzubilden. Mit Erfindung des Selfies (frühe 2000er) stieg die Anzahl der verfügbaren Bilder sprunghaft an, aus den Jahren davor habe ich wenige, hauptsächlich gescannte Analogfotos.

Als ich neulich bei meiner Mutter war drückte sie mir einen Stapel Papierkram in die Hand. „Zeug aus der Schule, guck mal durch ob du was behalten willst, sonst schmeiß ich das weg,“ und natürlich fand ich was zum Behalten. Lichtbilder meiner Vergangenheit aus den Neunzigern. Ergänzungen für die Stilchronologie.

Mit dreizehn. Dafür, dass ich diese kurzen Haare nie so richtig mochte, habe ich sie echt lange getragen. Und L.A. Gear Turnschuhe mit vier verschiedenen, neonfarbenen Schnürsenkeln die man offenbar über den Hosen knoten musste.

Nun gucke ich mir den Ordner durch, vorzugsweise rückwärts. Und sehe wie meine Haare wieder lang geworden sind. Wie ich sie davor kaputtblondiert und in der Folge abgeschnitten hatte. Piercings die ich nicht mehr habe. Rockabella mit Pünktchenhaarband. Phasen mit viel Makeup und knappen Klamotten. Wechselnde Wohnungen im Hintergrund. Pink. Eine noch sehr unsichere aber total motivierte „Soda von Natron&Soda“ im Twilight-Kleid. Den Kindergruftie auf seinem ersten WGT. Die Abiturientin mit blonden Blocksträhnen und PLO-Tuch. Und ein etwa sechzehnjähriges Mädchen das mit bauchfreiem Top, Mum-Jeans und Bauchtasche vor einer römischen Sehenswürdigkeit in die Kamera lächelt.

So sah ich beim Abi aus. Die Haare ließ ich endlich wachsen, blondiert waren sie aber nur vorne. Alles was ich auf dem Foto trage habe ich geliebt. Diese Schlaghose besonders. Wärmflasche auf dem Bauch und Telefon am Ohr waren auch keine Seltenheit. Mein winziges Zimmer zeigt was ich im Herzen noch für ein Kind war: Plüschtiere im Bett und die Vorhänge stammen noch aus Grundschulzeiten.

Ich kann manchmal selber nicht glauben, was ich für ein hoffnungslos uncooler Teenager war. Könnte ich in meine Mittelstufenzeit zurückreisen, mein damaliges Ich würde mir nie und nimmer abnehmen, dass sie mal jemand wird der seinen Scheiß soweit auf der Reihe hat, dass er sich einen eigenen Stil und eine eigene Meinung leisten kann. Ich war damals kindlich, naiv und viel zu gut in der Schule (außer im Sport) während meine Mitschüler Markenklamotten trugen und Zungenküsse ausprobierten. Ich las nicht die Bravo, stand nicht auf New Kids On The Block und meine Hausaufgaben hat nie die Katze gefressen. Ich hatte das was Friseure einen „peppigen Kurzhaarschnitt“ nennen, meine Hosenbeine waren oftmals ein paar Zentimeter zu kurz (weil rausgewachsen) und obwohl ich beides nicht toll fand änderte ich es auch nicht. Mein Aussehen war mir überhaupt nicht wichtig. Es erschloss sich mir nicht, warum man für eine Levi’s 501 neunzig Mark ausgeben sollte. Meine lederne Schultasche war deutlich praktischer als ein Eastpak-Rucksack oder die geflochtenen Einkaufskörbe die kurzzeitig so angesagt waren. Dass ich damit wie die Ökotante aussah die ich irgendwie war, habe ich damals nicht verstanden. Und niemand in den Neunzigern fand Hipster cool!

Für all das verachteten mich die anderen Kinder. Ich war das ideale Opfer an dem sie ihr eigenes, miserables Selbstwertgefühl aufgeilen konnten. Sie luden mich sogar zu ihren Geburtstagsparties ein, ich sollte unbedingt kommen, weil sie hofften ich würde ihnen neue Lästervorlagen geben. Ich kam nicht, immerhin. Im Sportunterricht zeigte sich die Ablehnung gegen mich ganz besonders unverhohlen. Stand eines dieser furchtbaren Mannschaftsspiele an, wie Völkerball, wo mir regelmäßig Bälle ins Gesicht knallten, suchte der Sportlehrer zwei Kinder aus die ihre Mannschaften selber wählen sollten. Das lief immer so ab, dass das erste Kind den besten Sportler und/oder beliebtesten Klassenkameraden auswählte. Das andere dann den zweiten in der Rangfolge. Und so weiter. Es war ein zweistimmig aufgesagtes Beliebtheitsranking. Und ich wurde jedes Mal als allerletzte genannt. Manchmal blieb ich sozusagen „übrig“ und der Sportlehrer wies mich willkürlich einem Team zu, was dann in lautes Gezeter ausbrach: „Oh nee! Die nicht!“ „Warum muss die in unsere Mannschaft!?“ Irgendwie verständlich, dass ich sehr, sehr lange brauchte um Sport wieder irgendwas positives abgewinnen zu können.

Alles in allem war meine Mittelstufenzeit also ziemlich mies. Ich zog es irgendwie durch, aber nicht ohne Schäden davonzutragen. Wenn ich morgens zur Schule gehen sollte wurde mir schlecht. Ich glaubte mich übergeben zu müssen, aber der Arzt fand nichts körperliches. Ich fuhr dann auch im Winter mit dem Rad weil ich im Bus schon den Mitschülern hätte begegnen können. Es war keine gute Zeit.

Ein großer Schritt: Meine erste eigene Wohnung. Ich war einundzwanzig, besaß zwei Ratten aber offenbar keinen BH.

Ein paar Jahre später zu Hochzeiten von Natron & Soda. Ich glaubte an Eyeliner, rasierte Augenbrauen und Glitzerhaarspray. Das Chaos was in meiner Wohnung herrschte war symptomatisch. Der Rechner war aber damals schon alt.

Erst in der Oberstufe war ich soweit gekommen aus meinem Außenseiterdasein eine bewusste Einstellung zu machen. Ich ging auf eine Gesamtschule, also waren zumindest die dümmeren unter den Peinigern in der elften Klasse nicht mehr dabei. Das half. Genauso, dass Sitzenbleiber und neue Schüler dazukamen die den Kontakt zum nächsthöheren Jahrgang herstellten. Ich hörte Nirvana, Pearl Jam und Metallicas Schwarzes Album, ich hing mit den älteren Schülern rum die Cordhosen und Karohemden trugen und in Bands spielten. Je mehr ich mich aus den Konventionen der In-Crowd herausnahm, umso weniger konnten sie mich beurteilen, denn ihre Maßstäbe galten für mich gar nicht mehr. Es war die größte Befreiung überhaupt. Ich batikte mein Wrangler-Jeans, trug Converse und Hippieblusen. Endlich ließ ich die Haare wachsen. Probierte mit Kontaktlinsen und Eyeliner rum. Die Idioten aus der Mittelstufe waren still geworden, aber wenn sie scheißfreundlich ankamen ließ ich sie noch immer die Hausaufgaben abschreiben, die Angst war nicht weg.

Meine bei H&M gekaufte Mischung aus Grunge und Hippieklamotten war der Beginn einer anhaltenden Suche nach dem eigenen Ding. Damit meine ich nicht nur ein optisches Experimentieren. Wie ich Kleidung und wechselnde Mengen von Lidschatten ausprobierte, probierte ich gleichsam Lebenseinstellungen an.

Hier sehe ich die arrogante Ziege. Sehr dick aufgetragen, viel Makeup, viel Fassade. Das Kleid was ich trage hieß „Bloodroses“, dazu mein erstes Korsett.

Ich war zeitweilig eine oberflächliche Ziege die ihre Hilflosigkeit und Angst hinter falschen Wimpern und blasiertem Gequatsche versteckte. Ich schnitt meine Haare ab als ich eigentlich einen Schnitt in meinem Leben hätte machen sollen. Ich ließ mir Piercings stechen weil ich einen greifbaren, physischen Schmerz brauchte um den emotionalen zu bekämpfen. Erst war nichts wichtiger als ein „richtiger“ Grufti zu sein und nur schwarze Klamotten im Schrank zu haben, dann wollte ich mich wieder in gar keine Schublade stecken lassen. Heute Demonias, morgen Birkenstock. Ich landete natürlich auch mehr als einmal in einer Sackgasse, sortierte Klamotten aus die ich nie getragen hatte und schämte mich für Auftritte und Aussagen.

Eigentlich sieht es hier ganz niedlich aus, aber ich habe es sooo sehr bereut meine langen Haare Anfang 2010 abgeschnitten zu haben. Ich hatte kein schönes Jahr hinter mir und suchte vermutlich nach Veränderung. Wofür aber die Haare nichts konnten!

Und so wird es sicher weitergehen. Ich habe in meinem Leben schon öfter gedacht ich hätte jetzt den Punkt erreicht wo ich den Überblick über die Dinge habe, und nie hat es gestimmt. Also gehe ich davon aus, dass Veränderungen eine permanente Sache sind. Und das ist gut.

Wenn der „Throughtheyears“-Ordner dann in weiteren zwanzig Jahren 200 Fotos umfassen wird, dann werde ich hoffentlich zurückblicken und sagen: „Ah, das war die Hipsterphase. Ja, sowas hat man zweitausendsechzehn getragen. Immerhin waren meine Haare schön!“

Das war vor etwa vier Jahren. Man sieht wunderbar wie ich die Haare kaputtgefärbt habe. Kurz danach waren sie wieder ab. Den Eyeliner trage ich immernoch genau so, auch die Secondhand-Bluse habe ich noch.

The greatly loathed celery

17. Januar 2016 (21:09 h) – Tags:

Musik: Blind Guardian - Prophecies 

Es freut mich total, dass meine Hipster-Ernährungsvorschläge bei euch so gut angekommen sind. Ehrlich, damit hätte ich nicht gerechnet. Im echten Leben sind Freunde und/oder Kollegen oft nicht ganz so angetan („Trinkst du immernoch keinen Alkohol?!“ / „Und was isst du als Vegetarier? Nur Salat?“) womit ich allerdings die meiste Zeit sehr gut leben kann.

Ich hab heute nochmal zwei Rezepte für euch und entschuldige mich gleich vorweg, dass das zweite so elitär ist und einen Entsafter erfordert! Ich weiß, dass der keine Standardausstattung in der Küche ist. Deshalb gucken wir auch zuerst auf das Hipster-Müsli, mein Alltags-Frühstück. Das esse ich jeden Tag, außer wenn ich gleich früh Laufen gehe, dann gibts vorher nur eine Kleinigkeit und das Frühstück nach dem Heimkommen. Enthält nämlich echt viel Protein, ist also auch gut um Muskelaufbau zu unterstützen. Wer das nicht zu seinen Prioritäten zählt profitiert trotzdem von eiweißreichen Mahlzeiten die lange satt machen, und grade als Vegetarier muss man manchmal drauf achten genug Eiweiß zu bekommen.

Das Rezept basiert nicht auf einer Quelle die ich für euch anlinken könnte, deshalb versuche ich es mal selber so sinnvoll wie möglich aufzuschreiben. Alle Mengenangaben fungieren dabei bloß als grobe Orientierung. Im Prinzip funktioniert dieses Müsli auf einer Basis aus Milchprodukten die dann mit frischem Obst (Vitamine!), Nüssen/Samen und Cerealienflocken ergänzt wird. Dabei kann man die einzelnen Ergänzungen auch weglassen (nur Nüsse und Obst, keine Flocken) und natürlich austauschen wie man Lust hat.

Basis:
etwa 3 EL Magerquark mit ähnlich viel Milch glattrühren, so dass das ganze wieder flüssig ist

Obst:
hier kann man verwenden was man liebt bzw was grade Saison hat. Beeren, Nektarinen, Mango, Melone, Äpfel, Bananen, Pflaumen, sogar Ananas! Ich nehme gerne eine Handvoll Blaubeeren, schneide jede davon einmal durch damit sie ihr Aroma auch an den Quark abgeben und kombiniere dazu eine halbe kleingeschnittene Banane. Im allergrößten Notfall (keiner hat eingekauft) habe ich auch schon tiefgekühlte Beeren in der Mikrowelle aufgetaut und verwendet.

Nüsse/Samen:
standardmäßig gebe ich vier bis fünf kleingeschnittene Mandeln dazu (weil Eiweiß!), eine Handvoll Hanfsamen, 2 TL Chiasamen, Walnüsse, Cashews oder Haselnüsse sind aber definitv auch gute Alternativen!

Trockenfrüchte (optional):
Ich liiiebe Gojibeeren, deshalb kommen sie oft in dieses Müsli rein. Gerne auch 1 EL Aroniabeeren oder kleingeschnittene Datteln. Trockenobst gibt eine zusätzliche Süße und ein interessantes Essgefühl weil es ja ein bisschen zäh zu kauen ist.

Flocken:
Ich gebe am Ende 1-2 Handvoll Haferflocken drüber und rühre alles zusammen. Wenn es zu trocken ist kann man noch mehr Milch dazugeben, mehr Flocken wenn die ganze Sache noch zu flüssig erscheint (wobei Haferflocken und auch Chiasamen ja noch aufquellen und Flüssigkeit aufnehmen). Ich verwende die kernigen Haferflocken, zarte gehen aber genauso, ebenfalls sind Quinoaflocken eine gute Alternative (müssen aber etwas einweichen).

Wer mag kann das Müsli noch mit Honig, Stevia, Sirup oder Zucker süßen. Ich finde, dass es durch das frische Obst eigentlich süß genug ist, aber das ist echt Geschmackssache. Auf jeden Fall bietet das Hipsterfrühstück eine gute Menge an Nährstoffen aus verschiedenen Lebensmittelbereichen und ist deshalb kein schlechter Start in den Tag.

 

Und jetzt wo wir gefrühstückt haben gibts Shots. Saftshots. Manche Gemüsesäfte sind geschmacklich so intensiv, dass man gar kein ganzes Glas davon trinken könnte, die eignen sich dann prima um sie in ein Schnapsglas zu füllen und runterzustürzen.

Dieses Rezept (Lexie’s Wellness Juice Shots) hatte ich auf Pinterest gefunden und war anfangs seeehr skeptisch. Stangensellerie und ich, wir sind keine Freunde. Der Sellerie ist mir in neun von zehn Fällen viel zu dominant im Geschmack und wenn er in einem Rezept gefordert wird lasse ich ihn meist weg oder reduziere die Menge dramatisch. Es ist mir noch nicht gelungen seinen typischen Selleriegeschmack mit etwas Süßen auszubalancieren, denn er killt die Süße gnadenlos. Offenbar muss man den Süßtöter anders kombinieren. In diesem Fall passiert das mit Säure und Schärfe und funktioniert astrein!

Weil ich also von irgendeinem anderen Kochexperiement Stangensellerie im Kühlschrank hatte, habe ich mich nur an diese Shots gewagt. Überhaupt nicht schwer, wenn man einen Entsafter hat. Dann jagt man drei Stangen Sellerie, einen Granny Smith Apfel, ein gutes Stück Ingwer und eine Limette durch das Gerät. Der Saft hat eine tolle grüne Farbe und schmeckt gekühlt sowie mit etwas Cayennepfeffer bestreut absolut phänomenal! Es ergibt sich nicht so eine große Menge, dass man das nicht in zwei Tagen wegtrinken könnte, und so lange bewahre ich den Saft im Kühlschrank auf. Shots nach dem Essen, vor dem Frühstück, zwischendurch und jederzeit. Santé!

Your pace or mine?

16. Januar 2016 (13:50 h) – Tags:

Musik: Satyricon - Nekrohaven 

Ich bin immer noch krank geschrieben, weil ich diese Erkältung zuerst unterschätzt und dann verschleppt habe. War zu früh wieder auf den Beinen und mitten hinein in den Trubel, auch wieder Laufen gewesen. Das hat mir so gefehlt weil es bisher im Januar immer entweder eisige Minusgrade hatte oder ich krank war. Nun ist mir meine Ungeduld sauber auf die Füße gefallen. Also bleibe ich jetzt mit dem Arsch schön auf dem Sofa und warte, bis es mir *wirklich* wieder gut geht, ich habs ja verstanden.

Um meine kribbelnde Ruhelosigkeit was meinen Sport angeht wenigstens ein bisschen zu beruhigen habe ich mich an die Nähmaschine gesetzt und Gadgets genäht die das Laufen (im Winter) noch ein bisschen angenehmer machen sollen.

Das erste soll eine Alternative zur Pudelmütze sein. Denn es werden ja vor allem die Ohren kalt, auf dem restlichen Kopf ist es mir beim Laufen mit Mütze dann manchmal schon wieder zu warm. Also ist ein Stirnband eine gute Alternative. Das hier besteht aus einer Lage Fleece und einer Lage Jersey, miteinander verstürzt und so geformt, dass das Stirnband über den Ohren breiter und im Nacken sowie vorne mittig schmaler ist. Das war wirklich keine Atomphysik.

Ich habe neben dem ganz simplen schwarzen Fleece auch noch Reste von sogenanntem „Zottelfleece“. Man braucht für den Ohrenwärmer ja echt nicht viel Material, also werde sicher auch noch eine Version aus zwei Lagen Fleece nähen. Für wenn es dann wieder so richtig kalt wird.

Das zweite Teil ist Nettis Antwort auf die Frage: „Wohin mit meinem Kram wenn ich laufe?“ Wo bringe ich Telefon, Schlüssel und eventuell noch meine Fahrkarte (wenn ich zB auf der Tempelhofer Freiheit laufen will muss ich da drei Stationen mit der S-Bahn hinfahren) unter? Ich weiß: Jacken und Lauftights haben manchmal Taschen, es gibt Oberarm-Befestigungen fürs Smartphone und Täschchen fürs Handgelenk. Besitze ich alles. Aber manchmal brauche ich trotzdem noch andere Unterbringungsmöglichkeiten. Und da tritt er ins Rampenlicht, der Laufgürtel. Netti hat sich so einen genäht und ich habe ihn einfach nachgemacht.

Das Ding ist quasi ein Schlauch mit eingearbeitetem Zipper (in pink, weil hier dringend mal wer den Bestand an schwarzen Reißverschlüssen auffüllen muss). Alles was man da reintut kann sich in dem Schlauch bewegen bzw kann man es hin und herschieben. Telefon nach hinten mittig, Schlüssel an die Seite.

Es braucht ein wenig Probiererei bis man die richtige Länge für den Hüftgurt gefunden hat. Zu lang rutscht er über den Hintern (gaanz blöd!), zu kurz fluppt er dauernd nach oben um die Taille. Ein bisschen rutscht er immer beim Laufen, das ist klar. Aber wenn ich das Teil auf acht Kilometern zwei mal kurz nach unten ziehen muss, dann kann ich damit leben. Falls ihr mehr zur Herstellung des Laufgürtels wissen wollt: Hier hat jemand etwas ganz ähnliches genäht und erklärt wies geht.

Kulinarische Bekenntnisse eines Hipstergirls

10. Januar 2016 (17:15 h) – Tags:

Musik: Blind Guardian - Into The Storm 

Ich werde hier nichtmal versuchen zu lügen oder diese Sache schönzureden: Was meine Ernährung angeht bin ich ein echt ätzender Berliner Hipster.

Ich bin Vegetarier (und zwar schon seit zehn Jahren, ne?! *provokanter Blick durch die Hornbrille*) und sehr oft erwische ich mich dabei „aus Versehen“ vegan gekocht zu haben. In meinem Kühlschrank stehen neben verschreibungspflichtigen Medikamenten und sehr viel Kosmetik tütenweise Hafermilch, Reismilch, Kokoswasser, Kokos-Reis-Milch und so weiter.

Ich trinke seit März 2015 keinen Alkohol mehr, seit 2001 rauche ich nicht mehr, über Drogen brauchen wir eigentlich nichtmal zu reden, mehr als mal an einem Joint gezogen ist da nicht passiert. Ich denke, ich kann mich als straight edge bezeichnen. Das heißt nicht, dass ich auf alle aufputschenden Lebensmittel verzichte, das ist meines Erachtens nach auch nicht die Definition von straight edge. Tatsächlich trinke ich regelmäßig Grünen und Schwarzen Tee. Von Kaffee bin ich in letzter Zeit etwas abgekommen, den gibts fast nur noch auf Arbeit in Form von Latte Macchiato.

Ich bin die, die extra zum weiter entfernten Supermarkt läuft weil der ein besseres Sortiment an Bio-Lebensmitteln hat. Wenn ich die Wahl habe dann landet in den allermeisten Fällen die Bioversion von irgendwas im Einkaufswagen. Wenn ich bei Bio Company durch den Laden krame gebe ich teilweise erschreckend viel Geld aus. Meine Kosmetik und Pflege ist entsprechend Naturkosmetik und auch nicht ganz billig. Ich weiß, dass das Luxus ist und viele sich so einen Lebensstandard einfach nicht leisten *können*. Ich verdiene aber genug Geld, und deshalb fühle ich mich irgendwie auch verpflichtet nachhaltiger zu konsumieren als es jemand auf Mindestlohn oder der Teenager im ersten Ausbildungsjahr kann.

Es gab eine Phase in meinem Leben (ehrlich gesagt gab es davon mehrere) in der mich Ernährung Null begeistert hat. Ich interessierte mich nicht für Geschmack, Essen sollte keine Arbeit sondern mich satt machen. Entsprechend gab es jede Menge Convenience-Food, alles war viel zu „verarbeitet“ und ich habe auch etliche Kilo mehr gewogen als jetzt. Als Gegenpol gab es auch den Rand einer Essstörung an dem ich mich 2006 befand. Ich frühstückte immer erst im Büro und aß abends vielleicht noch einen Apfel nachdem ich jeden Feierabend im Fitnessstudio verbracht hatte. Ich war gleichzeitig euphorisiert und total sterbensunglücklich mit mir selber. Das möchte ich nie wieder erleben.

Im Sommer 2014, nach einer „Keinen Bock auf Ernährung, gebt mir Fast Food!“-Phase, hatte ich ein Schlüsselerlebnis. Die Firma für die ich arbeite veranstaltete ein Sommerfest. Ich wollte mich ein wenig schicki anziehen und zog eine schwarze Jeans aus dem Schrank die ich sonst offenbar nicht so häufig trug. Jedenfalls passte sie nicht. Ging nicht zu. Was war das! Ich hatte diese Hose doch früher mal problemlos tragen können! Nachdem ich das Sommerfest in anderer Garderobe verbracht hatte, fing ich an meinen Ernährungsstil zu ändern. Kaufte Kochbücher und einen Mixer, machte Grüne Smoothies und stellte fest, dass es gar nicht so ätzend ist sich um sein Essen selber zu kümmern. Klar nahm ich auch ab, vor allem aber änderte sich meine Einstellung zum Thema Ernährung. Es fing an mich zu interessieren. Es machte SPASS sich damit auseinanderzusetzen. Ich wurde neugierig und habe seither immer neue Sachen probiert, immer mehr Rezepte aus dem Netz ausgedruckt, noch einen Entsafter gekauft, mir eine bessere Pfanne schenken lassen, Glas- statt Plastikflaschen für meine Säfte angeschafft. Und da stehe ich jetzt. Hipstergirl mit Gojibeeren im Müsli, Kurkumaflecken auf dem Küchentisch und wäre es nicht toll selber Sprossen ziehen zu können?!

Warum erzähle ich das alles? Zum einen, damit ihr seht warum ich nicht mehr so viel blogge. Das alles verbraucht Zeit. Zeit, in der ich früher vielleicht was genäht hätte, was dann im Blog erschienen wäre. Und zum anderen weil ich jetzt, da ich ausnahmsweise doch mal über Nahrung blogge, wenigstens ein paar Rezepte mit euch teilen will. Das heißt mit denen, die noch nicht genervt weggeklickt haben (was okay ist! Ihr könnt meinen Lifestyle doof finden, einige meiner Freunde tun das auch!).

Fangen wir mal mit etwas an, das mir zu einem absoluten Grundnahrungsmittel geworden ist und das ich wirklich jeden Morgen trinke: Matcha Magic Tee

Das Rezept habe ich hier bei „My Life Cookbook“ gefunden, dort gibt es auch eine praktische Druckfunktion.

Der Grüntee darin macht wach, Kurkuma und Apfelessig sind verdammt gut für euch und durch den Honig schmeckt das ganze auch noch lecker. Und ist nicht schwer zu machen. Einen halben Teelöffel Matcha (Grünteepulver, grade total hip, gibt es entsprechend sogar bei Rossmann und dm), einen halben Teelöffel Kurkumapulver und einen Teelöffel Apfelessig in eine Tasse geben und schonmal zu einer Paste verrühren. Dadurch lösen sich die Pulver besser auf, grade Matcha klumpt sonst ganz schön (Für den Tee auf dem Foto habe ich ein nicht ganz fein gemahlenes Kurkuma verwendet, deshalb sind da noch Krümel zu sehen). Mit nicht mehr kochendem Wasser aufgießen. Ideal wären 70-80°C, aber ich habe auch (noch) kein Thermometer für den Wasserkocher. Dann je nach Geschmack etwa einen Teelöffel Honig (Hipster kaufen von regionalen Imkern, vielleicht habt ihr ja auch einen Kollegen der mit Honig dealt) einrühren und fertig.

Beim Trinken muss man den Tee immer wieder umrühren, denn die Pulver lösen sich nicht komplett auf und sammeln sich sonst am Boden. Es gibt daher auch ein etwas anderes Trinkgefühl. Netti mag zB keine Texturen in Getränken (Saft mit Fruchtfleisch, ihh!) und war auch beim Matcha Magic etwas zögerlich.

Als zweites gibt es noch was Süßes. Schokolade ist absolut lebenswichtig und in der dunklen Version mit höherem Kakaoanteil auch gar nicht mal so ungesund. Begleitet von allen möglichen Hipster-Superfoods kann man diesen Schokotalern eigentlich gar nichts mehr vorwerfen.

Inspiriert wurde ich durch das Rezept von „the view from great island“, aber ich würde mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen diesen Süßigkeiten das Buzzword „detox“ anzuheften. Lecker und in Maßen gesund sind sie aber auf jeden Fall.

Ich habe also dunkle Schokolade (je höher der Kakaoanteil, desto besser) geschmolzen. Beim ersten Versuch 100 Gramm, das reicht zum Ausprobieren, für ein Partymitbringsel bräuchte man deutlich mehr. Anders als im Originalrezept schmelze ich die Schokolade im Wasserbad. Dann habe ich die Rückseite von einem Backblech mit Alufolie bezogen, so kann man die Schokotaler transportieren (zum Beispiel irgendwohin wo keine Haustiere drankommen) auch wenn sie noch nicht getrocknet sind. Auf die Alufolie setzt man Kleckse von geschmolzener Schokolade. Bei mir etwa 3 bis 5 cm im Durchmesser, größer wäre sicher auch kein Problem. Die Schokolade braucht relativ lange bis sie wieder fest ist, also kann man schonmal ein halbes Dutzend Kleckse machen und sie dann alle mit Streuselkram berieseln.

Hier kann jede Sorte getrockneter Früchte, Nüsse und Samen zum Einsatz kommen. Bei mir waren Aroniabeeren, Sauerkirschen, Gojibeeren und kleingeschnittene Datteln dabei, außerdem Hanfsamen, gehackte Mandeln, Walnüsse, Chiasamen, Cashews und Kürbiskerne (Chiasamen gibt es inzwischen auch im Supermarkt, die exotischeren Zutaten kaufe ich aber im Bioladen oder Reformhaus). Ich habe darauf geachtet, dass auf jedem Schokotaler sowohl getrocknete Früchte als auch Samen/Nüsse drauf sind, aber ganz ehrlich, man kann echt machen was man will. Das ist das tolle an diesem Rezept. Außerdem ist es ziemlich einfach, man schmilzt die Schokolade, streut Kram drauf und lässt alles über Nacht fest werden. Dann kann man die Schokotaler einfach von der Alufolie abziehen und genießen. Je nach Garnitur ergeben sich tolle Kombinationen von weichen und knusprigen, süßen, herben und nussigen Erlebnissen.

Ich habe hier eine Liste auf der noch lauter andere Rezepte draufstehen die ich ausprobiert und geliebt habe. Ich würde euch auch die nach und nach vorstellen, aber ich will erstmal gucken, ob das Neuland was ich hier bloginhaltlich betreten habe stabiler Boden ist. Habt ihr Interesse ab und zu mal in meine Küche zu gucken und ein paar Rezeptideen abzugreifen? Oder ist das hier elitärer Hipsterscheiß? Ihr könnt eure Meinung gerne in den Kommentaren kund tun, es würde mir bei der Entscheidung sicher helfen.

Confetti on the floor

8. Januar 2016 (16:00 h)

Musik: Bester Song des Jahres: Iron Maiden - Empire Of The Clouds 

Ich tue mich etwas schwer das vergangene Jahr 2015 zu bewerten. In der zweiten Jahreshälfte ist es katastrophal abgestürzt und deshalb ist mein Blick zurück nicht ganz ungetrübt. Also gucken wir vorrangig auf die harten Fakten.

Ich habe Handarbeit betrieben im vergangenen Jahr, aber wirklich sehr wenig. Ein paar Geschenke, ein paar Sachen die ich tatsächlich brauchte, aber keine Prestigeprojekte. Nichts was nicht relativ schnell zusammengekommen ist (Sockenstricken ausgenommen…). Und viel Jersey, aber das ist ja nun wirklich nichts neues.

Meine Energie ist in andere Bereiche geflossen. Zum einen in den Sport, fürs Laufen habe ich immerhin auch zwei Tops genäht. Der therapeutische Effekt von gerannten Kilometern im Vergleich zu vernähten Stoffmetern ist vielleicht noch größer, und deshalb bin ich mehr draußen unterwegs gewesen als an der Nähmaschine.

Der zweite Konkurrent zur Handarbeit ist kein Neueinsteiger, sondern die nimmer endende Umgestaltung und Verschönerung meiner Wohnung. Da habe ich gefühlt die gleiche Energie reingesteckt wie 2014 schon. Stillleben arrangiert, Dinge an die Wände gehängt, Praktisches und Dekoratives und Bedeutsames gebaut. Ein paar Trödelfunde sind auch neu dazugekommen. Und dann gibt es noch das Projekt „John Walker“: Die jugendstilesk bemalten Balkontüren. Auf deren Enthüllung wartet ihr schon, ich weiß.

In Konzerten und Festivals gerechnet war es kein besonders geschäftiges Jahr. Ich hab allerdings zwei ganz tolle Urlaube verbracht (ich rechne das Metalcamp inzwischen eher als Urlaub ein, weil mir vor allem die sportlichen Aktivitäten außerhalb des eigentlichen Musikfestivals den Unterschied gemacht haben), war wandern, besichtigen, klettern, schwimmen und springen. Für Satyricon und das Elbriot bin ich nach Hamburg gefahren, für die Festung Königstein nach Sachsen, zu Ostern nach Chorin und im Sommer die immer gleichen tausend Kilometer nach Slowenien.

Gegen Ende des Jahres ist meine Musikbegeisterung irgendwie eingeschlafen und ich weiß nicht ganz warum. Wenn ich mein Album des Jahres bestimmen sollte würde ich auf die sichere Bank setzen und Blind Guardians „Beyond The Red Mirror“ wählen, einfach weil ich überhaupt nicht genug anderes Zeug gehört habe bzw mich für irgendwas begeistern konnte. Neuerscheinungen von Slayer, Trivium und Disturbed rangierten zwischen „Okay, das hatte ich erwartet“ und „Uhh, was soll das denn?“ Eine Ausnahme ist allerdings der Song „Empire Of The Clouds“ der auf dem aktuellen Maiden-Album drauf ist. In meinen Augen eine epische Meisterleistung, einem „Ancient Mariner“ absolut ebenbürtig. Hört ihn euch an, der ist ganz, ganz groß!

Zum Schluss noch ein Blick auf die bescheidene Kategorie „bodymod“. Im Januar habe ich mir ein Nostril stechen lassen, das zickt mitunter rum, ist aber immernoch drin. Im Sommer kamen die Anfänge des „Lebenslied“-Tattoos dazu. Seitdem sind immer entweder mein Tätowierer oder ich krank gewesen und wir haben schon viel zu viele Termine wieder absagen müssen. Vielleicht gehts im Februar endlich mal weiter. Erschreckend unproblematisch dagegen der Dermal Anchor den ich mir im Oktober habe übers Bauchnabelpiercing setzen lassen. Ich hatte erwartet, dass der lange zum Abheilen braucht, sich wie damals das Bauchnabelpiercing erstmal entzündet, aber nix. Eingesetzt, nach ein paar Tagen waren Bluterguss und Rötung weg, seitdem ist er einfach da und glitzert.

Für 2016 habe ich Pläne und auch schon fleißig begonnen sie umzusetzen. Bereits in der ersten Januarwoche habe ich mich für den Potsdamer Halbmarathon im Sommer angemeldet und meinen Job zumindest vorübergehend auf eine Teilzeitstelle reduziert. Ich will nicht leugnen, dass das alles Maßnahmen sind die mir helfen sollen mein derzeitiges mentales Tief in den Griff zu kriegen. Und dann werden wir sehen was 2016 so in der Schublade hat.

Day One

1. Januar 2016 (16:12 h)

Musik: Avantasia - Dying For An Angel 

Heute vor einem Jahr. Ich hatte mit Freunden Silvester gefeiert, damals habe ich auch noch Alkohol getrunken, und entsprechend saß ich ein wenig verkatert in der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Gegenüber am Fenster fielen mir zwei Mädchen auf, die Startnummern für einen Neujahrslauf an ihren dünnen Sportklamotten befestigt hatten. Ich fragte mich, was das für Menschen sind, die anstatt das alte Jahr hemmungslos in die Kiste zu feiern beizeiten ins Bett gehen um dann als allererstes im nächsten Jahr Sport zu machen. Erschloss sich mir nicht und ich glaubte ja auch, mir mit meinem rocknrolligen Lifestyle zu gefallen. Feiern, lässig sein. Abgenommen hatte ich ja auch ohne Bewegung, nicht wahr? Sport habe ich seit der Schule gehasst. Laufen mehr als alles andere.

Das sollte sich bald ändern. Eine Woche später hatte Netti (-> Natron, noch voll ungewohnt) mir den Floh ins Ohr gesetzt und ich druckte mir einen Vier-Wochen-Plan für Laufeinsteiger aus dem Netz aus. Der Einstieg klappte glücklicherweise und sehr bald merkte ich, dass Laufen noch so viel mehr als Konditionstraining ist. Seitdem bin ich viele, viele Kilometer durch den Treptower Park, Plänterwald und entlang des Neuköllner Schifffahrtskanals gerannt. Bei Regen, bei Schnee, mit Gegenwind, mit Vogelzwitschern, wenn ich eigentlich keine Lust hatte und wenn ich extra Schichten getauscht hatte um noch genug Tageslicht zum Laufen zu haben. Als der Sommer sehr heiß wurde habe ich zwischenzeitlich die Laufschuhe gegen mein Fahrrad getauscht und bin jeden Tag 26 Kilometer zur Arbeit und zurück geradelt. Das war super, und genug Training, sagten meine Freunde. Aber ich merkte zum ersten Mal, dass mir das Laufen da plötzlich fehlte. Weil es nämlich Spaß machte! Weil es etwas war, auf dass ich mich freute und das mir, egal wie beschissen es mir eigentlich ging, immer die Laune besserte. Inzwischen ist Laufen ein Teil meines Alltags geworden.

Ich habe gestern Abend gearbeitet, konnte also ohnehin nicht großartig feiern. Heute habe ich frei. Die Gelegenheit klopfte also förmlich an. Und weil ich heute sowieso Laufen gegangen wäre, ergriff ich die Möglichkeit mal nicht im Park, sondern Unter den Linden zu rennen. Beim 45. Berliner Neujahrslauf. Nagut, ein bisschen bin ich auch eine sentimentale Ziege die auf Gesten und Symbole steht und sich ein Zeichen nach einem Jahr Laufen setzen wollte.

Ich will nicht leugnen, wie nervös ich vorher war. Der Lauf geht nur über vier Kilometer, das ist eine Distanz die ich locker jeden zweiten Tag laufe. Es gibt keine Startnummern und keine Zeiten, der Fokus liegt auf entspanntem, gemeinsamen Start ins Jahr. Aber trotzdem. Wie sind die anderen Läufer drauf, bin ich im Vergleich total langsam, was wenn ich es irgendwie nicht schaffe??? Aber Grenzen, grade die eigenen, muss man überwinden. Also fand ich mich auf einmal in der S-Bahn wieder, Laufschuhe an, während die anderen Fahrgäste teilweise noch Konfetti in den Haaren hatten. Strange.

Am Brandenburger Tor sammelten sich etwa viertausend Läufer. Gut gelaunt wurde so viel Lärm gemacht, dass sich die Bewohner des Adlon neugierig in Unterhosen auf ihre Balkone wagten. Und dann gings los. Das Tempo wurde absichtlich gebremst um das Feld beisammen zu halten und die Sache auch wirklich nicht zu ambitioniert werden zu lassen. Das war sehr angenehm und einfach mit dem Flow zu laufen fiel mir überhaupt nicht schwer. Total cool da zwischen Bebelplatz, Zeughaus und Altem Museum langzulaufen, bis zur Baustelle vom Stadtschloss, dann um den Dom und wieder zurück zum Pariser Platz. Unter den Läufern waren Kinder, Touristen, Verkleidete und Eltern die ihren Babybuggy vor sich herschubsten. Schaulustige und Streckenposten jubelten und wünschten ein gutes neues Jahr.

Wieder am Brandenburger Tor gab es eine Urkunde zur Erinnerung, was zu trinken und noch ein Selfie mit dem Wahrzeichen, dann machte ich mich schnell auf den Heimweg weil es ja eigentlich kalt war und ich durchgeschwitzt. Alles in allem bin ich unheimlich froh, den Lauf gemacht zu haben. Ich bin so stolz auf mich und dankbar, dass ich zwischenzeitlich zu Tränchen gerührt war. Es gibt noch mehr Pläne für 2016, aber ich bin mir sicher, das neue Jahr schonmal auf die bestmögliche Art begonnen zu haben.