Wet but true

11. Juli 2014 (19:32 h) – Tags: ,

Musik: Metallica - St. Anger (hat übrigens die Abstimmung gewonnen gehabt) 

Irgendeinen Fluch scheine ich auf mich geladen zu haben, dass ich Livekonzerte neuerdings so oft in strömendem Regen erleben darf. Aber fangen wir von vorne an: Die Lieblingsband, die größte, wichtigste, die überhaupt EINE, ist auf Europatournee. Sogar in der netten Hansestadt. Aber Tickets, obwohl astronomisch teuer, waren ganz fix ausverkauft. Und zwar schon im Herbst letzten Jahres, meine ich. Ich schmollte also kurz und suchte dann nach Alternativen. Geh ich die Band halt im Ausland anschauen. Vielleicht nicht unbedingt im teuren Helsinki. Als ich Natron und Red fragte ob sie mit mir zu Metallica nach Prag fahren wollten sagten beide ohne zu zögern Ja.

Wir entschieden noch einen Tag für Stadtbummel dranzuhängen, buchten ein Gründerzeit-Hotel und kauften Front-Of-Stage-Konzertkarten für deutlich weniger Geld als sie in Deutschland gekostet hätten. Und vergangenen Sonntag gings dann los. Ich traf die Hamburger im Zug, wo wir uns die nicht ganz kurze Fahrzeit erfolgreich mit Brettspielchen, Mischgetränken und nicht zuletzt dem Ausblick auf das Elbsandsteingebirge vertrieben. So schnell sind fünf Stunden selten vergangen.

Der schöne Prager Hauptbahnhof erinnerte mich gleich wieder daran warum ich die Stadt so mag: Jugendstil. Überall, nicht zu knapp. Da geht mir echt das Herz auf. Ich war schon oft in Prag, öfter zumindest als in jeder anderen europäischen Großstadt. Es ist da ein bisschen wie zu Hause, aber die Architektur ist viel schöner. Die touristische Innenstadt, die Burg, die Moldau, alles was da im Schulterschluss abgegrast werden muss, sowas hat Berlin auch zu bieten. Und auch diese szenig verranzten Stadtbereiche mit Kneipen und Klamottenläden und zuplakatierten Wänden. Diese Atmosphäre macht mich glauben, ich würde ohne Probleme nach Prag ziehen, Tschechisch lernen und zB im Renommiergebäude des Goethe-Instituts am Moldauufer arbeiten können. Im nächsten Leben vielleicht.

Fürs erste gaben wir entspannte Touristen und tauschten unsere ollen Euros gegen schöne Kronen, suchten die Tramstation, sprachen alles falsch aus und blieben dauernd mitten im Weg stehen um “Ahhh!” und “Ohh!” und “Lékárna heißt Apotheke!” zu rufen.

Das Hotel hatte auf der Webseite wie eine abenteuerliche Mischung aus Historismus, Kitsch und Blümchentapeten ausgesehen, tatsächlich war es dann aber durchaus geschmackvoll und edel. Ich war beinahe ein wenig enttäuscht. Bis ich hinter der Rezeptionstheke ein veritables Jugendstil-Schränkchen entdeckte und wir das Frühstück am nächsten Morgen im neunzehnten Jahrhundert unter böhmischen Kristalllüstern einnahmen.

Vom Sonntag war noch ein Abend übrig, also bummelten wir schonmal an der Moldau entlang und zur Karlsbrücke. Ach, guck mal, wie schön! Und die Tretboote auf dem Wasser, das machen wir morgen auch! Die niedrig stehende Sonne ließ die Karlsbrücke in ganzer Schönheit wirken und ich meine, dass ich 1998, als ich das erste Mal mit Natron dort war, schonmal so ähnliche Fotos gemacht habe.

Meine Mutter hatte uns dran erinnert, die Abbildung des heiligen Nepomuk zu berühren und was zu wünschen, also taten wir das und wünschten uns einen Halbfinalsieg für die DFB-Elf. Die brasilianischen Touristen, die durchaus auch in der Stadt unterwegs waren, hatten diese Gelegenheit offenbar ausgelassen, wie sich später herausstellen sollte.

Am Ende der Brücke trafen wir noch unverhofft auf Jamie Lannister mit seinem goldenen Schwert. Und dann dauerte es auch gar nicht mehr lange und wir hatten den nächsten Gasthof gefunden um endlich wieder tschechisches Bier zu trinken. Ahhh.

Danach hielten wir noch die Füße in die Moldau und nannten es dann einen Tag. Weil Prag uns ja nicht ganz neu ist, wollten wir das Besichtigungsprogramm nicht übertreiben und hatten für den folgenden Tag nur Sachen geplant die Spaß machen und mit B anfangen: Burg, Bier, Boot, Briefpost schreiben.

Den Anfang machte die Burg. Es gab fantastischen Sonnenschein und aus Erfahrung wußte ich wie schön der in die Glasfenster des Veitsdoms reinleuchtet. Man hätte vom Hotel auch laufen können, aber wir nahmen die Tram um das Rumgerenne nicht gleich ausufern zu lassen. Immerhin steigt man da ja auch einen ganz schönen Berg hinauf. Aber wir wurden reich entlohnt. Die Burg, der Dom, alle schön wie eh und je. Und dann entdeckt man Dinge an die man sich plötzlich wieder erinnert und lauter Neues dazu. Fremde Städte wieder zu besuchen hat einen ganz eigenen Reiz.

Die Aussenseite des Doms und die restliche Burganlage galt es natürlich auch noch zu erwandern. Die großartige gotische Fassade der Kathedrale kommt gar nicht dazu anständig zu wirken weil man kaum weit genug zurücktreten kann um sie anzuschauen. Das ist ziemlich ungewöhnlich, aber so guckt man dann wenigstens mal auf die Details.

Das ist ja fast eine kleine Stadt da innerhalb der Burgmauern und man hätte mit Leichtigkeit noch einen ganzen Tag dort verbringen können. Aber wir machten ja Tourismus light, tranken also nur noch einen Eiskaffee, schlenderten noch ein Ründchen und ließen dann vom Vorplatz der Burg das gigantische Stadtpanorama auf uns wirken. Ach, guck mal, hier gibt es schon wieder Pivo. Also noch schnell eines der traditionellen “Wir-hocken-irgendwo-zusammen-und trinken-was”-Fotos für alle Freunde in der WhatsApp-Gruppe gemacht.

Die Hitze war inzwischen echt drückend geworden, deshalb ließen wir den Abstieg langsam angehen, setzten uns dann in einen schattigen Park und sahen zwei Menschen zu die riesige Seifenblasen über die Wiese schweben ließen. Voll schön.

Ein paar Schritte weiter lockte das Moldauufer schon wieder mit Schatten, Ausblick und Schwänen und was besseres hatten wir eh nicht zu tun. Füße ins Wasser, Blick auf die Karlsbrücke fotografieren.

Erst als der Himmel sich später zugezogen hatte und die Temperaturen etwas runterkamen machten wir uns daran, auf einer Moldauinsel ein Tretboot auszuleihen. Mal eine Auszeit von all dem Trubel in der Stadt war echt angenehm. Nur die Moldau und wir. Eine Insel umrunden, die Brücken durchfahren. Zwischenzeitlich ließen wir das Boot einfach treiben. Fehlte nur noch was zu Trinken. Moment, ist das eine schwimmende Bar?

Es war eine schwimmende Bar an die wir mehr oder weniger geschickt andockten. Tolle Geschäftsidee. Wir stießen mit dem nächsten Bier an und Wolkenexpertin Natron zeigte uns am inzwischen recht dunkel gewordenen Himmel die Nibostratus Pannus, die sie als “Die Fünf-Minuten-Wolke” vorstellte. Sieht man sie und es regnet noch nicht, dann fängt es innerhalb der nächsten fünf Minuten an. Echt? Ist ja total spannend… Warte, hast du auch grad einen Tropfen abgekriegt?!

Gewitter war angekündigt und nach der Dämse des Tages auch zu erwarten gewesen. Noch tröpfelte es aber nur, so dass wir das Tretboot zurückbrachten und dann ganz entspannt Richtung Hotel schlenderten. Unterwegs kamen wir an dem Esoterikladen vorbei der am Sonntag schon durch die geschlossene Ladentür total nach Rächerwerk gerochen hatte. Da konnte ich natürlich nicht dran vorbei. Red ging es ähnlich als wir anschließend eine Pivnice passierten. “Pivnice” heißt “Bierlokal” und ich sehe wie sich das Wort schon in unserem Sprachgebrauch als Bezeichnung für eine bestimmte Art von Kneipe festgesetzt hat. Also noch ein Bierchen. Und dann, dann regnete es endlich richtig. Als wir auf dem Heimweg waren.

Immerhin war es nicht kalt. Und wir konnten im Hotel was Trockenes anziehen und die Schuhe föhnen. Halb so schlimm.

Unterbrochen von einer guten Auswahl tschechischer Biere durch Prag zu spazieren hatte einen formidablen, unanstrengenden Touristentag am Montag abgegeben. Dienstag war anders. Dienstag war das Konzert. Und Fußball. Und Unwetter. Dienstag wurde ein wirklich verrückter Tag.

Der Auftritt meiner Lieblingsband war Teil des Aerodrome-Festivals bei dem ausserdem noch Kvelertak, Children Of Bodom und Alice In Chains spielen sollten. Insofern fing die Veranstaltung schon am frühen Nachmittag an. Wir machten uns entsprechend zeitig auf den Weg zum Messegelände hinter dem Bahnhof Holešovice, wo die Sause staffinden sollte. Messegelände klang erstmal total unromantisch.

Auf dem Weg durch die Stadt begegnete uns der einzige Hinweis auf die zeitgleich in der restlichen Welt stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft.

Hier zeigen Red und Natron wie sie sich den Ausgang des Spiels Brasilien-Deutschland wünschen: 0 zu 2. Little did we know.

Die Tschechen sind keine große Fußballnation und sie ignorieren die WM größtenteils. Was völlig okay ist, reist man nicht mit einem Paar was schon jetzt darüber nachdenkt wie einem zukünftigen Kind der jeweils favorisierte Bundesligaverein schmackhaft zu machen ist (“Bei Mamas Club gibt es aber keinen Dinosaurier!” “Dafür sind wir alle Piraten!”). Angefixt von den Hamburgern und vorgeprägt von meiner WM-verrückten Heimat sah ich bald auch überall nur Fußbälle.

Zum Beispiel in dem Blumenrelief an den Wänden unserer Hotelzimmer.

Oder in den Straßenlaternen mit ihren entzückenden Krönchen.

Wir hatten tatsächlich auch Schminkstifte dabei. Wenn man wegen Sodas Schlagerkapelle das Halbfinale verpasst dann muss man sein Team unterstützen wie man nur kann.

Vor den Fußball hatten die Götter aber glücklicherweise das Festival gesetzt. Und uns wurde schnell klar, dass “Messegelände” hier nicht die Leipziger Agra bedeutet. Die Bühne stand inmitten einer wilden Mischung verschiedener Archtekturstile. Imperiale Schnörkel und Türmchen von 1848, verrottende Sowjetbauten, eine hochmoderne gläserne Pyramide. Und ein nostalgischer Lunapark mit Riesenrad und Achterbahn. Zoo und irgendwas mit Dinosauriern gleich angeschlossen. Das war.. surreal, to say the least. Ich meine, es war ein ganz normaler Festivaltag mit Bands, Merch, Bier und überproportional viel Fressiständen. Aber es fühlte sich auch irgendwie an wie ein Endzeitfilm. Als Natron mich später darauf hinwies, dass während Metallica spielen Trip durch Prag rennt, auf der Suche nach dem Laster, dabei in Straßenschlachten gerät und an Ende im Kampf mit dem Reiter die Stadt in Schutt und Asche legt, war die Illusion perfekt (das ist die Handlung von Metallicas großartigem, poetisch-apokalyptischen Meta-Konzertfilm “Through The Never”).

Ich schätze, dass etwa 10.000 Besucher da waren. Dass die ersten die durch den Einlass kamen sofort die Beine in die Hand nahmen und Richtung Bühne sprinteten, zeigte schon: Hier spielt nicht irgendwer. Wir hatten das Gerenne zum Glück nicht nötig (Und, mal ehrlich, dann steht man fünf Stunden angewurzelt auf seinem Platz bis Metallica anfängt?) denn wir hatten ja Golden Circle Tickets. Der Golden Circle ist der Bereich direkt vor der Bühne, abgegrenzt durch Gitter und Security. Ich bin von der Zwei-Klassen-Gesellschaft auch nicht komplett überzeugt und fühlte mich schon komisch wenn ich nach hinten guckte wo sich die anderen drängelten, aber man muss zugeben, der Circle hat die Sache wirklich total entspannt gemacht.

Hier sieht man hinter meinem Metallica-Grinsen die Absperrung mit Gedränge während wir entspannt auf dem Rasen sitzen. Bis zur Hauptband war der Circle halbleer, wir konnten problemlos rein und raus, Getränke holen, im Schatten sitzen, mal einen Blick auf die Band werfen, wieder was zu Essen holen, etc.

Den Anfang machten Kvelertak, die ich musikalisch viel schrabbeliger erwartet hatte. Was man aber vor allem über sie sagen muss ist: Der Typ trägt eine Eule auf dem Kopf. Eine ausgestopfte Eule, wie eine Maske oder einen Helm. Eine Eule. Das hat mich etwas verstört und als er sie nach dem ersten Song abnahm war ich immernoch zu verwirrt um mir ein musikalisches Urteil über Kvelertak zu bilden.

Was wir auch festgestellt haben ist, die Tschechen tragen keine Kutten. Dafür Sandalen, wenn sie aufs Konzert gehen. Das sah nach einer ganz doofen Idee aus, es ist doch vorprogrammiert, dass dir einer auf die Zehen steigt.

Nach der Eule sahen wir uns Children Of Bodom an. Mit dem finnischen Hipster-Look des Sängers kam ich viel besser klar. Das Keyboard war offenbar deutlich prominenter ausgesteuert als sonst, ich musste jedenfalls sofort an Wintersun denken. Was ja nichts schlechtes ist. COB haben mir gefallen.

In der Umbaupause war es dann Zeit den WM-Ticker aufs Handy zu buchen und sich kleine Nationalflaggen ins Gesicht zu malen. Umgehend outeten sich nicht wenig andere Konzertbesucher als Deutsche oder zumindest fußball-affine Polen.

Was wir auch noch machen mussten war Abstimmen. Das Konzept der aktuellen Metallica-Tour basiert darauf, dass die Besucher der jeweiligen Konzerte im Vorfeld online aus allen Metallica-Songs auswählen dürfen welche sie live hören wollen. Dabei darf man aber keine obskuren Raritäten erwarten, es herrscht ein ziemlich umfassender Konsens darüber welche Songs als Klassiker auf jeder Show gespielt werden müssen. Was ich mir altes oder seltenes gewünscht habe ist gnadenlos rausgeflogen. Womit ich leben kann. Einen Song hat die Band bestimmt, nämlich einen ganz neuen Song der grade erst veröffentlicht wurde. Und einer wurde dann vor Ort noch per Handy ausgewählt, aus den drei Songs die es ganz ans Ende der Liste geschafft hatten. In unserem Fall waren das “The Day That Never Comes”, “St. Anger” und “Unforgiven II”. In den Umbaupausen liefen auf den Leinwänden kleine Promo-Clips in denen uns die Metallicas das Wahlsystem vorstellten und zum Abstimmen anfeuerten. Total niedlich.

Erstmal kamen aber noch Alice In Chains auf die Bühne. Die habe ich seit den Neunziger gar nicht mehr auf dem Zettel gehabt. Und obwohl sie ja wohl ein tolles Comeback-Album abgeliefert haben und auch beim Aerodrome astrein performten war ihr Grunge-Style nicht das Richtige um auf Metallica vorzubereiten. Zu chillig. Zu eintönig.

In der Zwischenzeit hatten die Wolken, die den ganzen Tag konsequent an der Sonne vorübergezogen waren und uns in der Hitze hatten sitzen lassen, es geschafft den Himmel vollzumachen. Da waren auch schon die Fünf-Minuten-Wolken und los ging der Regen. Wie gut, dass wir feste Schuhe anhatten und auch Regenponchos die *rein zufällig* unsere Landesfarben abbildeten.

Der Circle füllte sich nun richtig und was dahinter abging mag ich mir gar nicht vorstellen. Wir hatten gute Plätze in der Nähe des Laufstegs der von der Bühne U-förmig ins Publikum und zurück reichte. Durch diese Nähe zur Bühne fühlte sich das ganze Konzert am Ende anders an. Nicht die Stadionatmosphäre die ich bei Metallica sonst erlebt habe. Das da vorne hätten auch Blind Guardian sein können. Metallica waren auf einmal richtige Menschen, nicht die Halbgötter an die man nie rankommt. Sie werden nass wenn sie auf die Bühne kommen. Genau wie wir fünf Meter weiter. Weil man das was hinter einem passiert ja nie mitbekommt wirkte es wie ein ganz kleines Konzert. Meine Helden in meinem Wohnzimmer. Total toll. Insofern haben sich die Golden Circle Tickets auf jeden Fall mehr als gelohnt.

Die Band fing um acht Uhr an und bretterte gleich mit “Battery” und “Master Of Puppets” los. Das hat grade den zweiten Über-Song angenehm von seinem Thron gehoben. Wir haben so viele geile Songs, wir müssen den hier nicht bis zum Ende aufheben, wir sind schließlich Metallica.

Statt Backdrop gab es LED-Leinwände die gestochen scharfe Aufnahmen von der Bühne zeigten und auch einen Teil der Visualisierungen die bei “Through The Never” zum Einsatz gekommen waren. Dadurch fühlte man sich noch mehr als wäre man in dem Film und fragte sich unweigerlich was am Ende von Prag noch stehen würde.

Der Regen hatte mächtig zugelegt. Also so richtig. Unwetterartig. Man sieht es hier ein wenig wo Kirk sich ganz schnell wieder vom Laufsteg verdrückt.

Zwischen den Songs schob ein Wischerkommando das Wasser von der Bühne und James Hetfield kommentierte: “It’s like playing in a fucking swimming pool!” Das Wasser lief von der Ponchokapuze in den Ausschnitt und Regen klatschte einem direkt in die Augen, der Boden war eine riesige Matschsuppe geworden in der meine Turnschuhe mit Schlamm vollliefen und gerne noch drin stecken geblieben wären (eindeutiger Vorteil Badelatschen). Plastikfolie klebte an der Sonnencreme auf den Armen, die Hosen zogen das Wasser hoch und wir froren nur nicht weil wir wie die Pinguine zusammgedrängt standen. Ging der Pinguin neben dir Bier holen merktest du das sofort. James zog sich laufend neue, trockene Shirts an, aber ich wagte irgendwann nicht mehr meine Kamera rauszuholen weil die Linse schon total beschlagen war und einem klitschnass auch alles aus der Hand rutschte. Das war Beastivalwetter mit Ausschlag nach oben.

Immerhin sahen die Laserstrahlen die unter anderem beim Intro von “One” zum Einsatz kamen im Regen total toll aus. Die Wassertropfen brachen das farbige Licht auf und glitzten wie bunte Diamanten in den Lichtstrahlen. Der Stimmung unter den sehr sangesgewaltigen Tschechen tat der Regen auch keinen Abbruch. Bei “Nothing Else Matters” stoppte das Unwetter dann kurz, kaum kommentierte James den Umstand ging es aber auch schon weiter.

Am Ende hatten Metallica fast zweieinhalb Stunden gespielt, die Stimmung mit “Whiskey In The Jar” nochmal hochgerissen und als sie uns dann traditionell mit “Seek And Destroy” verabschiedeten und das Publikum mitsang wie ein Mann fielen von der Bühne und den Türmen lauter schwarze Wasserbälle mit Bandlogo und von irgendwo rollten riesige farbige Versionen an, die dann unermüdlich hin und hergeworfen wurden.

Ganz großes Konzert. Party. Kindergeburtstag. Matschgetümmel. Meine Lieblingsband ist mir, wenn überhaupt möglich, noch ein wenig näher ans Herz gerückt. Red hat mir einen von den schwarzen Wasserbällen als Souvenir aufgefangen den ich an die Brust drücken konnte als wir uns schließlich unseren Weg durch den Schmodder und die tausend pfandfreien Plastikbecher bahnten. Danke, Metallica!

Aber huch, Fußball war ja auch noch. Ein Blick aufs Handy: Zwei zu Null, nee Moment, Fünf zu Null?! Meine Fußballfans flippten in ungläubiger Begeisterung aus und auch die anderen Deutschen die mit uns auf die Tram warteten hatten wenig weitere Gesprächsthemen. Immerhin schafften wir es noch rechtzeitig in eine Kneipe wo die letzten beiden Tore miterlebt werden konnten.

Als am nächsten Tag unser Zug Verspätung hatte, das Gleis ewig nicht bekanntgegeben wurde und irgendwelche anderen Ärgerlichkeiten passierten, zeigten wir nur gelassen sieben und einen Finger in die Höhe. Wenn an einem einzigen Tag so viel unglaublicher Scheiß passiert, dann ist es klar, dass das Universum das danach wieder ausgleichen muss.

Wohnungs-Update

25. Juni 2014 (08:24 h) – Tags: , , , ,

Musik: Metallica - Sweet Amber | Stimmung: Voll schönes Regenwetter!

Kurz bevor die Festivalsaison sich so unbarmherzig in den Sommer gedrängt hat, habe ich noch ein paar lose Enden in der Wohnung verknotet. Unfertige Projekte kann ich immer nur bedingt lange tolerieren.

An der Kommode die ich im Frühjahr auf dem Trödel gekauft hatte ist nun endlich das Fries ausgebessert. Ich habe den weggebrochenen Teil durch ein Stück trompe-l’œil Malerei ersetzt.

Gemalt habe ich mit Aquarellfarben auf Pappe, anschließend das fertige Teil mit mattem Klarlack eingesprüht um die Farbe widerstandsfähiger zu machen. Die Pappe habe ich schließlich mit Hafties an die Kommode gepappt, daher kommt der kleine Abstand und Schatten der noch den letzten Schliff verleiht. Außerdem wird das Holz nicht beschädigt.

Auf den ersten Blick fällt die Reparatur tatsächlich nicht sofort auf und das war alles was ich wollte. Die Kommode ist wieder komplett.

Und ich musste auch kein Loch in die Rückwand schneiden. Ursprünglich hatte ich geplant die XBox in der Kommode unterzubringen und längere Kabel von dort zum Fernseher zu ziehen. Das scheiterte ziemlich schnell daran, dass es das Kabel fürs Kinect nicht in länger gibt. Also musste die XBox in der Nähe des Fernsehers bleiben. Entertainmentgeräte die sichtbar im Wohnzimmer rumstehen. Ich war nicht begeistert.

Übergangsweise stand die Konsole auf dem Katzensofa und die Zimmerantenne baumelte an ihrem Kabel unter dem Fernseher. Grauenvoll. Glücklicherweise fand ich dann heraus, dass man die XBox auch aufrecht hinstellen kann und damit war entschieden, dass das Fernsehgerümpel ein Regalbrett hinter dem eigentlichen Fernseher bekommen sollte.

Das Brett und die Winkel habe ich in Wandfarbe getarnt und einen zusätzlichen Winkel in schwarz lackiert der neben der XBox dafür sorgt, dass die Konsole keinen Abflug macht. Damit ist das Regal so mimetisch wie es nur sein kann..

Die Kabel habe ich erst hinter die Konsole geklemmt und dann in der Zimmerecke runtergeführt. Sie hängen jetzt nicht mehr direkt unter dem Fernseher runter und das ist schon viel wert. Eventuell verpasse ich ihnen auch noch einen Anstrich in jadegrün. Mal sehen.

Der Fernseher ist immer noch ein Angeber der das Wohnzimmer dominieren möchte, aber immerhin habe ich seine Gerätekumpels schonmal unter Kontrolle gebracht. Optisch ist das ganze ein Kompromiss, das ist mir schon klar. Mein durchgestyltes Wohnzimmer leidet unter diesem Einbruch moderner Technik etwas, ich möchte aber auch nicht leugnen wie gemütlich Lieblingsfilme, absurde Dokus und Konzert-DVDs vom Sofa aus sind. Und neulich habe ich die ganze Nacht lang Adventuregames gezockt bis es halb vier war und schon wieder hell wurde.

Ansonsten war ich noch in der Küche und habe mal wieder so eine Pinterest-Idee umgesetzt. Eine Tafel für Notizen, Einkaufslisten und Songzitate, das wäre doch total schön! Gesagt, getan. Ich besorgte Tafelfolie im Baumarkt und klebte sie erst auf eine Pappe und diese dann mit Powerstrips an den Kühlschrank. Noch zu gut erinnere ich mich an das schockierte Gesicht meiner Hauswartsfrau als sie beim Vormieter Aufkleber auf dem Kühlschrank entdeckte. Deshalb lieber kein Risiko eingehen und das ganze entfernbar.

Natron schreibt mir bei jedem Besuch ein Zitat ihrer Southern-Rock-Freunde an den Kühlschrank. Ansonsten benutze ich die Tafel für Einkaufsnotizen und To-Do-Erinnerungen. Ziemlich praktisch und den sich ständig wandelnden Charakter der Fläche mag ich auch total. Fehlt eigentlich nur noch bunte Kreide.

La Kutte

22. Juni 2014 (11:07 h) – Tags: ,

Musik: Machine Head - Wolves 

Meine Kutte. Zu der gabs ja auch noch was zu erzählen. Das letzte Mal habt ihr sie gesehen, da war sie eine umgenähte aber noch undekorierte italienische Armeejacke. Inzwischen sind ordentlich Aufnäher drauf gekommen.

Den Backpatch hat natürlich meine unübersehbare Lieblingsband gestellt, das war von vornherein klar. Um dem selbstauferlegten Farbschema schwarz-grau-weiß-rot-silber treu zu bleiben habe ich das Kill ‘em all-Plattenmotiv gewählt. Der Backpatch war also schnell ausgesucht, gekauft nicht so. Es gab ihn erstmal ewig nicht online und bis Festival wollte ich eigentlich auch nicht warten. Ein bisschen last minute habe ich ihn dann doch noch aufgetrieben. Weil solche Dinger aber natürlich für Männerrücken gemacht sind, sind sie entsprechend groß. Ich habe dem abgeholfen indem ich mutig abgekettelt und weggeschnitten habe. Nun ist der Backpatch geshaped, was ich ziemlich lässig finde und was mehr Platz für andere Aufnäher lässt.

Metallica sind neben dem Backpatch noch mit viel zu vielen anderen Aufnähern vertreten. Irgendwann reduziere ich das vermutlich zugunsten anderer Bands. Der alte Birth-School-Metallica-Death wird aber bleiben, den mag ich total. Cradle und Dimmu auf der Rückseite sind genauso uralt und entsprechend verknautscht. Ähnlich der Savatage-Patch auf der Vorderseite. Der ist etwas ganz besonderes, weil er dem Best of “From The Gutter To The Stage” beilag was ich irgendwann in den Neunzigern gekauft habe und was meine riesige Begeisterung für diese Band begründete.

Deshalb habe ich Sava auch prominent auf Brusthöhe vorne untergebracht, quasi als “Hello my name is”. Ungefähr auf gleicher Position befinden sich Machine Head die ich ebenso heiß und innig liebe. Der Rest ist nicht mehr nach Bedeutung sondern rein nach Farbe und Form der Patches angeordnet. Das runde Turisas-Logo mit den stilisierten Händen habe ich von Natron bekommen, Sepultura auf der Rückseite sind nicht nur bügelbeschichtet und damit viel zu dick zum Annähen sondern auch total ätzend verästelt. Und ausgerechnet den Patch musste ich bereits einmal verschieben. Für Saxon habe ich extra weißes Garn eingefädelt, alle anderen sind mit schwarz genäht. Bis auf Pantera, Disturbed und Led Zeppelin (“Zoso”) habe ich alle Bands die da drauf sind schon ein- oder auch dutzendmal live gesehen.

Auf die Knopfleiste habe ich noch einen D-Ring genäht, da kann man seine Sonnenbrille einhängen. Könnte man auch in den Knopflöchern, wenn die Leiste nicht verdeckt wäre. So macht es noch ein bisschen Schau. Über Savatage befindet sich übrigens ein Kronkorken vom Berliner Pilsener. Den habe ich auf eine kleine Plakette geklebt und jetzt gibt er als Anstecker einen Hinweis auf meine Heimat, denn seien wir mal ehrlich: Die meisten Bands sehe ich auf Festivals fernab der Spree.

Wo Natron ihre Aufnäher noch mit Stickerei verbessert hat, plane ich um den Backpatch herum und generell auf der Kutte noch ordentlich Nieten unterzubringen. Das geht aber erst wenn sie so voll ist, dass man ziemlich sicher nichts großes mehr verschieben möchte. Das wird dann Kutte V3.

Bis dahin tobe ich mich anderweitig aus, weil ein wenig hingebungsvolle Handarbeit auf jeden Fall zu einer Kutte dazugehört, finde ich. Anders als manche bin ich nicht der Meinung, dass der “Wert” oder die Glaubwürdigkeit eines solchen Kleidungsstückes daran zu messen wäre wie siffig und verranzt es ist. Wenn mir jemand vorwirft meine Kutte wäre zu sauber oder zu mädchenhaft, dann frage ich mich ernsthaft was da nicht verstanden wurde. Kutte ist wie Hochzeitskleid, das ist so persönlich, da krittelt man nicht dran rum! Und das ist auch kein Wettbewerb um den trvesten Auftritt. Ich persönlich schätze den gestickten Bon Jovi-Backpatch oder den auf Leder handgemalten Bolt Thrower-Aufnäher hundertmal mehr als ein uninspiriertes Teil das sich nur durch Alter und Dreckstarre auszeichnet. Aber wenn jemand anders sich nur mit so einem Ding wohlfühlt, dann ist das auch sein Recht was ich wiederum nicht herabzuwürdigen habe.

Was ist also mein Handarbeitsbeitrag? Ich habe angefangen Lücken zwischen den Bandaufnähern mit handgestickten Motivpatches zu füllen. Also so Stellen wo im Leben kein zweiter Patch mehr hingeht, wo man aber irgendwas thematisch und formmäßig passendes einsetzen kann. Auf die schmale Stelle neben Amon Amarth zB ein Schwert.

Diese beiden habe ich bisher gestickt. Das Schwert hat etwa zwei Stunden gebraucht, das Wappen länger. Es soll das Banner der Starks aus George Martins unvermeidlichem Song Of Ice And Fire darstellen. So wie ich es mir anhand der Bücher zusammenreime, die HBO-Serie habe ich (noch) nicht gesehen. Den Direwolf hätte Sansa sicher viel besser hinbekommen und die Mauerkrone, die eigentlich Winterfell andeuten sollte, lässt das ganze jetzt ein wenig nach dem Berliner Stadtwappen aussehen. Ich mag es trotzdem und ob irgendwer anders es erkennt ist letztlich auch irrelevant. Themenverwandte aber nicht musikalische Referenzen finde ich auf der Kutte ziemlich legitim. Ist ja auch nicht so, als würden Guardian nicht singen: “Walls they fall when the march of the Others begins…”

In der Innentasche habe ich noch eine Liste mit Bands von denen ich gerne noch Aufnäher hätte. Gamma Ray zum Beispiel. Supertoll wäre ein großer Kreator-Schriftzug den ich in den Nacken über den Backpatch setzen könnte. Solche habe ich schon auf andererleute Kutten gesehen, es muss sie also geben.

Ich hatte auf dem letzten Festival Ophelia gebeten ein Foto von Natrons und meiner Rückansicht zu machen weil ich es ganz interessant finde wie unterschiedlich unsere Kutten geworden sind. Im Gegensatz zu Natrons eher klassischer Kutte mit bunten Aufnähern auf Denim und Reds schwarzer Version mit schwarzweißen Aufnähern und farbigen Festivalbändchen wirkt meine Kutte durch ihr Farbschema ein bisschen mehr riot-mäßig. Was die Bands angeht sind die Überschneidungen zwischen Natron und mir deutlich größer, aber immerhin haben Red und ich den gleichen Dimmu Borgir-Aufnäher.

Was das Foto betrifft ist mein Plan der Dokumentation recht fatal an dem Zwischengrätschen der übermotivierten Freunde gescheitert. Mit dem festen Vorsatz mein gestelltes Foto zu entern warfen sie sich und ihren Fastfood-Becher dazwischen und das ist dann das Ergebnis. Vorenthalten mag ich es euch natürlich trotzdem nicht.

Rock ‘n’ Roll Gypsy

19. Juni 2014 (18:39 h) – Tags: , ,

Musik: Metallica - Casper | Stimmung: Internet! Ich habe dich so vermisst! Geh nie wieder weg.

Grade habe ich einen neuen Router angeschlossen und bin nun nach anderthalb Wochen ohne Internet und Festnetz wieder online. Die Downtime hat mich mehr mitgenommen als ich mir eingestehen möchte. Telefonieren konnte ich ja notfalls mit dem Handy, da ist es wenigstens mal aus seinem üblichen Dasein als nachrichtenverschickender MP3-Player rausgekommen. Aber das Internet, das Internet! Was ich plötzlich alles dringend bloggen, shoppen und nachlesen wollte. Zugegeben, ich habe noch nicht sofort rausgesucht wie der Tyrann im ersten Vers von Schillers Bürgschaft heißt, aber mit einem großen Einkaufswagen bin ich schon auf den amazon-Parkplatz geschoben. Und bloggen – tada! – tue ich nun auch unmittelbar.

Es hat sich ein wenig angesammelt über was ich erzählen will. Fangen wir mal mit der direkten Nachbereitung des Outiloudi Festivals an. Meine Festivaltasche übrigens, Danke der Nachfrage, hat hervorragende Dienste geleistet. Das Prinzip einer Extratasche für die Kamera ist voll aufgegangen, der Kameraretter ließ sich leicht und weit genug herausziehen um beim Fotografieren nicht zu stören, die griffbereiten Ohrstöpsel haben das Leben erfreulich einfacher gemacht. Nix verloren, nix zu beanstanden. Okay, man könnte die Kamerahülle noch in ihrer Tasche befestigen, so dass man wirklich nur die Kamera rausziehen kann, aber das ist marginal. Die Becher in Geiselwind waren größer als die in Wacken, damit hatte ich nicht gerechnet, aber den Becherhalter hatte ich zum Glück verstellbar gearbeitet. Meine Freunde schätzten die Abstellmöglichkeit für leeres Plastikgeschirr jedenfalls sehr. Beim Springen fallen die Becher aber raus. Das war klar. Ansonsten wüßte ich wirklich nicht, was ich an der Tasche noch ändern wollte. Sie taugt und hat in diesem Jahr noch etliche Dates mit dem großen Getümmel vor den Bühnen Berlins und Europas zu absolvieren.

Die Schwester der Tasche, la Kutte, hatte in Bayern ebenso ihren Einstand und hat ordentlich neue Aufnäher abgegriffen. Dazu aber mehr beim nächsten Mal, das möchte ich lieber ausführlich und nicht so runtergehuscht erzählen.

Neben dem Aufstöbern von Patches gilt es auf Festivals traditionell ja auch immer Bandshirts zu durchforsten. So auch beim Out & Loud. Ich hatte mir vorgenommen nicht *noch mehr* Shirts von der Lieblingsband zu kaufen und bin auch standhaft geblieben obwohl ich zwischenzeitlich ein sehr schönes Motiv gefunden hatte. Davon abgesehen kaufe ich Bandshirts eher leichten Herzens. Ich besitze zwar schon jede Menge, aber ich denke dann immer, dass sie ja auch irgendwann eine tolle Metalschmusedecke werden könnten und dafür kann man fast nicht genug Auswahl haben.

Das Shirt was ich schließlich mitgenommen habe weil es mich zwischen allen anderen direkt anstrahlte, sorgte bei meinen Freunden für Reaktionen wie: „Oh Gott, Batik!“ und „Sieht aus wie mit einem weißen Shirt auf ein Gwar-Konzert gegangen.“

Ich habe zugegeben eine nicht ganz kleine Schwäche für Batik und hier rechtfertigt das Motiv ja wohl jede Farborgie. Dieses tolle, fast jugendstilartige Artwork wird Led Zeppelin vollkommen gerecht und verlangt seinerseits nach einem angemessenen Hintergrund der wiederum nie und nimmer schwarz sein kann. Nichts gegen fünfzig verschiedene schwarze Bandshirts mit Totenköpfen, Gräbern und martialischem Gerät, dennoch finde ich es erstaunlich erfrischend auch mal was Buntes zu tragen. Und Led Zep sind eine von diesen ganz alten Bands die ich, obwohl zu spät geboren, inzwischen unheimlich schätze. Mit zwanzig hätte ich die als zu lahm weggelegt, aber mit dem Alter kapiert man ja auch einiges. Zum Beispiel, dass maximale Geschwindigkeit und ultimativer Krach nicht die einzige Erlösung sind.

Es gab dann auch einen Händler der seinen Stand mit diesen tollen Batik-Dekotüchern ausstaffiert hatte. So eins möchte ich schon ganz lange haben. Und, oh guck mal, sogar mit Drachenmotiv! Drache ist wenigstens ein bisschen Blind Guardian, oder? Ehrlich gesagt ist es mir egal ob das metal ist oder nicht. Wenn ich mein Leben oder mein Festivalcamp mit bunten Lampions und Batiktüchern zuhängen will dann werden meine Freunde zwar zwei bis dreißig doofe Sprüche machen, aber das wars auch. Und ich bin glücklich.

Den Drachen habe ich auf weiß gekauft weil ich ihn selber batiken will. Mit Farbverlauf. Das bunte Tuch werde ich dann erstmal ins Wohnzimmer hängen. Da sind die Wände zwar eigentlich schon durchgeplant, aber bis ich das alles umgesetzt habe darf auch gerne ein regenbögiger Lindwurm dort wohnen. Schwert läge ja immerhin griffbereit, sollte es dem Biest einfallen eine Jungfrau zu bedrohen.

Eine andere Sache, ebenfalls schon etwas länger glühend auf meiner Wunschliste, habe ich mir neulich, bevor ich gezwungen wurde meine Zeit kommunikationslos vor dem Fernseher totzuschlagen, bei Etsy gegönnt. Tribalesken Piercingschmuck. Messingtunnel mit Lotusblütenschnörkeln für die Ohren und einen passenden Ring fürs Septum.

Und ich bin total begeistert. Sowohl von der schnellen, unkomplizierten Abwicklung mit der britischen Händlerin, als auch von dem Schmuck selber. Diese Tunnel sind noch viel schöner als ich erwartet hatte und funktionieren in Messing erstaunlich gut mit meinem restlichen silberfarbenen Schmuck. Normalerweise mag ich die Kombination von verschiedenfarbigen Metallen nicht, aber hier hat es so einen patchworkartigen Sammelsuriumscharakter, dass ich mit meditativer Gelassenheit Mondstein und Silber mit Edelstahl, Glitzer und Messing gemischt habe. Ich schließe die Anschaffung von weiterem goldfarbenen Ohrschmuck trotzdem mal nicht kategorisch aus.

Um den Septumring habe ich länger rumgehampelt als um die Tunnel. Ist der nicht zu groß? Was, wenn sich der Stichkanal aufgrund der geringeren Materialstärke zusammenzieht und ich anschließend den 1,6 mm dicken Hufeisenring nicht mehr reinkriege den ich auf Arbeit immer trage und hochklappe? Auf erneutes Aufdehnen könnte ich gerne verzichten. Und steht mir das überhaupt?

Weil mir der Look aber an anderen Leuten total gut gefallen hat musste ich es wenigstens probieren. Und siehe da, alles ganz unkompliziert. Der Ring lässt sich ziemlich einfach auf und zubiegen, nach zwei Tagen Tragen konnte ich noch problemlos von 1 mm auf 1,6 mm wechseln und das Gesamtbild gefällt mir unheimlich gut. Der Ring ist auf keinen Fall zu groß, tatsächlich habe ich schon drüber nachgedacht mir noch einen zweiten zu kaufen, etwas größer und elaborierter. Jetzt bin ich angefixt.

Etsy ist damit neuer Bestandteil meines festen Shoppingreviers geworden und wenn ich mir angucke was noch so unterwegs zu mir ist, dann werden wir auch noch einiges an Hippiekram sehen in diesem Sommer. Warum auch nicht.

Blind Guardians of Asgard

4. Juni 2014 (15:44 h) – Tags: ,

Musik: Behemoth - Diamonos 

Bin wieder zurück vom offiziellen Auftakt der Festivalsaison, dem Out & Loud in Geiselwind/Bayern. Im letzten Jahr hieß die Veranstaltung noch Beastival und startete mit dem besten Lineup. Dieses Jahr hat, wenn das überhaupt möglich ist, die Bandauswahl noch überboten. Drei Tage lang sind wir fast gar nicht dazu gekommen im Camp rumzulungern weil dauernd irgendeine famose Kapelle beklatscht werden wollte. Die Zusammenstellung war dabei ein wenig “shuffle all” und so sind wir von Freedom Call zu Sepultura zu den Reitern gezogen oder haben Behemoth zwischen Rage und Doro genossen.

Es ging am Donnerstag auch schon sehr amtlich los. Ich war entspannt mit Lieblingsfahrgemeinschaft Ophelia unterwegs. Die schon Mittwoch angereisten Freunde hatten uns einen Zeltplatz freigehalten. Zum Aufbau kamen wir aber erstmal nicht, als wir eintrafen war es nämlich grad 14.oo h und Stormwarrior spielten. Also scheuchten uns Natron, Red und die anderen aus dem Auto zum Bändchenstand und schnell vor die Bühne. Wir waren rechtzeitig zu “Heading Northe” da und konnten gleich mitfeiern. Gelungener Kaltstart.

Aber was sehen wir da? Regnet es etwa schon wieder? Im letzten Jahr hat das Universum sich alle Mühe gegeben uns wegzuschwemmen. Hat das etwa nicht gereicht?! Doch, hat es. Der Regen gab bald auf und nach viel, viel Party bei Freedom Call konnten wir unsere anschließende Pizza schon im Trockenen genießen. Das restliche Wochenende wartete mit Wolken aber auch ordentlich Sonnenschein auf. Dafür waren die Nächte kalt. Oh, so kalt! “Like Christmas, ho, ho, ho!” wie ein gut gelaunter Biff Byford später von seinem warmen Plätzchen auf der Bühne runterkommentierte.

Ich hatte meine Campingausrüstung im Vorfeld erweitert und auch eine Isomatte mitgenommen. Die wollte ich unter mein Luftbett packen damit die Kälte aus dem Boden da nicht so durchkommt. Ich dachte Schlafsack, Fleecedecke und dicke Flauschidecke dazu müssten reichen. Taten sie nicht. Ich bin eine furchtbare Frierliesel, das ist bekannt. Aber es waren nachts wirklich nur 4°C! Am Ende habe ich die Isomatte mit *in* den Schlafsack gerollt und konnte so einigermaßen schlafen. Nicht toll, nicht wirklich warm, aber das Beste was in der Situation möglich war. Fürs nächste Jahr habe ich meine Lektion aber gelernt. Nicht am Equipment sparen. Dann kaufe ich mir einen Schlafsack mit Komfortbereich bis 0°C, auch wenn der wieder ein kleines Vermögen kostet.

Der Rest vom aufgestockten Campinggerümpel bestand aus neuem Zelt plus einer gescheiten Lampe dafür und der NVA-Plane, die Ostalgiker Red erfolgreich in unserer Gruppe verbreitet hat. Und ich bin von allem wirklich begeistert. Das Zelt hat gute Dienste geleistet und vor allem der zusätzliche Stauraum im Vorzelt ist der Wahnsinn. Sechserträger Wasser, dreckige Stiefel, Campingstühlchen. Alles hat sein Zuhause dort gefunden. Ich habe immer den Seiteneingang benutzt weil man den mit einer Hand aufzippen kann, wenn es warm ist kann man mit offenem Fronteingang aber sicher ganz gut durchlüften. Lustigerweise hat Ophelia fast das gleiche Zelt. Wir liefen aber nicht Gefahr das zu verwechseln, ich habe mein temporäres Zuhause nämlich gleich angefangen zu dekorieren.

Diese Wimpelkette (Natron und Red haben auch jeweils eine bekommen) war ein Weihnachtsgeschenk der rührigen User. Die einzelnen Wimpel sind mit Lieblingsband, Haustierchen, Rebellenlogo und lauter anderem personalisiertem Motiv verziert. Total schön. Die Wimpelkette kommt auf jeden Fall mit nach Slowenien und wird noch durch ein paar Solarleuchten ergänzt. Deko. Ich kann irgendwie nicht anders.

Aber gucken wir auch mal auf die Bands. Die vielen, tollen Bands die wir gesehen haben. Stormwarrior zum Ankommen, bei Solstafir haben wir unsere Zelte aufgebaut, die also nur aus der Ferne gehört. Freedom Call war dann nicht verhandelbar, da hatte ich mich schon voll drauf gefreut. Und sie sind einfach so eine unschlagbare Gute-Laune-Band. Der “happy metal party”-Refrain klebt mir ehrlich gesagt immer noch im Ohr.

Dann haben wir Pizza geholt, auf die hatte ich mich auch gefreut. Die Fressiversorgung ist auf dem Outiloudi ziemlich gut. Nach der Pizza brüllten uns Sepultura ein Ständchen und sie waren der Hammer. Ich bin nicht damit einverstanden, dass Derrick Green seine tollen, langen Dreads abgeschnitten hat, aber das ist auch der einzige Kritikpunkt den ich anbringen kann. Die Brasilianer haben den Laden echt gerockt und sogar Ratamahatta gespielt, den Song mit dem ich sie in den Neunzigern überhaupt entdeckt habe. Ganz groß. Natron hatte anschließend zwei Tage Nackenschmerzen.

Wir waren noch total geflasht von Sepultura als es dann mit den Reitern weiter ging. Die einzige Band die auch schon im letzten Jahr in Geiselwind gespielt hat. Damals vor allem mit alten Songs, was eine unerwartete Freude war. Inzwischen haben sie ein neues Album herausgebracht mit dessen Bewertung ich mich sehr schwer tue. Sagen wir mal so: Die Zeiten Mitte der 2000er, als wir die Reiter in Wacken abgefeiert haben und den Spaß unseres Leben hatten, sind vorbei. 2014 clashten ganz alte Sachen und genauso tolle mittelalte Songs mit dem Zeug der letzten drei Alben und die Liveshow wurde dadurch extrem heterogen. Geiler Song – komischer neuer Scheiß – was ganz neues was gar nicht sooo übel klingt – Seemann. Ungefähr so. Ich bin nicht überzeugt, habe mir aber trotzdem einen alten Reiter-Patch für die Kutte gekauft. In memoriam, sozusagen.

Headliner für Donnerstag waren Powerwolf. Die haben natürlich wie immer abgeliefert. Dem lückenhaften Mobilfunknetz in der bayerischen Pampa war zu verdanken, dass wir die Wölfe erst nach dem Auftritt getroffen haben. Da brachte mir das Artist-Bändchen was Falk Maria Schlegel für mich besorgt hatte natürlich nicht mehr viel, aber wir bekamen die restlichen Getränkegutscheine der Band geschenkt und konnten wenigstens noch kurz quatschen bevor Powerwolf den Tourbus Richtung Bratislava besteigen mussten. Nebenbei lief in der Konzerthalle Karaoke till death mit Liveband, was erstaunlich lustig war.

Freitag gingen wir duschen und lungerten dann in der Sonne rum. Sonne! Die erste Band zu der ich mit den anderen Richtung Infield aufbrach waren Rage. Ganz entspannt hockten wir uns vor die Bühne und lauschten drei Mann die ordentlich Stimmung machen. Bis Wagner und Smolski plötzlich beide ihre Amps zerschossen hatten und wir in den Genuss eines spontanen Schlagzeugsolos kamen. Weil danach immer noch nichts ging, ergiff der Drummer seine Chance, sprang ans Mikro und veranstaltete ein paar Singspielchen mit uns: “Das wollte ich schon immer mal machen!” Am Ende gab es wieder Gitarren und noch ein bisschen Musike, so dass Rage mir in allerbester Erinnerung bleiben werden.

Wir drehten eine Runde über den Merchbereich, Musik gab es zwar auch in den Hallen, aber die Bands die ich mir dort angucken wollte waren an einer Hand abzuzählen und so hingen wir fast ausschließlich draußen ab. War ja auch schönes Wetter. Und unverzeihlich wenn wir den Anfang von Behemoth verpasst hätten! Die unglaubliche Show vom Paradise funktionierte auch bei Sonnenschein und mit neuem Album. Bemoth waren einfach SO GUT! Gänsehaut, Pyros und Flitter. Obwohl musikalisch überhaupt nicht zu vergleichen standen die Polen Sepultura in nichts nach und ich fürchte die beiden haben mich vielleicht noch ein ganz klein wenig mehr begeistert als die unumstrittenen alten Helden mit ihren grandiosen Best-of-Shows.

Nach Bemoth wurde es dunkel und kalt. Ich ging mit einigen zum Camp zurück, wo wir in Decken gewickelt den rituellen Stuhlkreis bildeten, tranken und Blödsinn redeten während Doro auf der Bühne offenbar nicht ganz überzeugen konnte. Sagten die, die da waren. Ich trug inzwischen zwei Zipperjacken und einen Pullover übereinander und trotzdem war es kalt. Vielleicht hätte man sich noch eine Fleecedecke mitnehmen sollen zu Saxon. Aber irgendwer sagte, sie hätten eine besondere Pyroshow und daran hätte man sich ja auch wärmen können. Saxon hatten kurzfristig freundlicherweise ihren Slot mit Amon Amarth getauscht, so dass die Schweden Samstag spielen konnten und wir Freitag Abend mit eine ordentlichen Portion NWoBHM beendeten. Pyros hielten sich in Grenzen, aber die Setlist von Saxon war fantastisch. Normalerweise bestehen die darauf uns die erste Hälfte ihrer Auftriffe lang mit neuen Liedern zu belästigen bevor am Ende die Klassiker kommen die jeder hören will. Diesmal haben sie nur alten Scheiß gespielt. Davon gibt es auch wirklich genug und wir kamen unter anderem in den Genuss von Strong Arm Of The Law, 747 (Strangers In The Night), The Eagle Has Landed, Motorcycle Man, Rock ‘n’ Roll Gypsy und natürlich Crusader, Princess Of The Night und Denim And Leather. Es blieb ausser Ride Like The Wind gar nichts zu wünschen übrig und wer so eine unglaubliche Show spielt braucht meiner Meinung nach auch gar keine zusatzlichen Effekte. Daumen hoch für Saxon!

Nach einer weiteren durchfrorenen Nacht und Aufwärmen unter der Dusche und in der Sonne ging es Samstag recht früh vor der Bühne los. Eine von den Bands die ich mir auf Platte gar nicht anhöre, die aber live taugen und hoffentlich noch eine Karriere hinlegen werden sind Dust Bolt. Noch sehr jung, mit neiderweckenden Haaren, spielen sie sehr amtlichen Thrash zu dem wir uns wieder auf dem warmen Asphalt vor der Bühne versammelten. Anschließend wurde im Camp gegrillt aber irgendwas von dem was ich gegessen habe war nicht okay. Mir gings nicht so gut, ich ging aber trotzdem mit als die anderen Vader anschauen wollten. Danach spielten Tyrfing in der Halle. Nachdem wir ihr Logo auf der Running Order mit Mühe entziffert hatten waren sie auch auf der Bühne nur schwer wiederzuerkennen. Das knickte ich nach zwei Songs und ging ins Zelt. Schlafen. War noch hell und demnach warm und ich verpennte seelig den Rest von Tyrfing sowie Ensiferum und Hail of Bullets. Um die zweiten war es ein wenig schade, aber egal. Mir ging es anschließend so viel besser, das hatte sich gelohnt.

Wir hatten ja auch noch was vor. Nämlich Amon Amarth. Ich war, irrationalerweise, ein wenig stinkig mit Amoth weil das letzte Konzert in Hamburg total überfüllt war und es keinen Spaß gemacht hatte da nur rumgeschubst und eingedrängelt zu werden. Dafür konnte die Band nichts, aber irgendwie hatte es bei mir einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. In Geiselwind war es auch voll (Tageskarten), aber nicht zu voll. Eher so, dass man endlich mal nicht frieren musste. Und guck, da haben die Vikinger wieder richtig Party gemacht. Bei irgendeinem Song, vielleicht war es Pursuit Of Vikings, änderte sich die Struktur im Publikum und die Crowdsurfer mussten umgeleitet werden. Warum sitzen die da drüben alle am Boden? Oh, die RUDERN! Das war wirklich cool. Johan Hegg riss dann noch den Witz der Titel dieses Blogeintrags wurde und ich war versöhnt mit Amoth.

Anschließend verzichtete ich auf Moonspell in der Halle und wir sammelten uns wieder am Wellenbrecher um den letzten Hauptact randalefrei von weiter hinten genießen zu können. Da waren wirklich alle Campbewohner anwesend, denn solche Bands verpasst man nicht. Zumal sie zwei Jahre nicht live gespielt haben. Die Rede ist von Blind Guardian. In meinem Ranking deutscher Metalbands ganz weit vorne, wenn nicht die besten überhaupt. Der Veranstalter hatte sie gebeten eine Best-of Show zu spielen und wow! Der ganze alte Scheiß! Lord Of the Rings, Mordred’s Song, Bright Eyes. Es ist ja nicht so, dass diese Band jemals ein *schlechtes* Album gemacht hätte und gegen Nightfall und die Sachen von Edge Of Time ist nun wirklich nichts zu sagen, aber zum Beispiel Lord Of The Rings hatte ich überhaupt nicht auf dem Zettel. Nicht als Livesong und vermutlich habe ich es auch zehn Jahre lang nicht auf Platte gehört. Aber zum Glück war mein Hirn so: “Den kennen wir! Moment, ich such dazu schnell was raus!” und -bing!- war der Text wieder da. Natürlich haben wir auch den Bard’s Song gesungen, mein Tribe vermutlich lauter als alle anderen, und als Zugabe gab es Valhalla. Mehr kann man sich nicht wünschen. Das war weltspitzenklasse, Blind Guardian!

Als alle von Guardian zurückgekehrt waren versammelten wir uns nochmal im Camp um den letzten Abend ausklingen zu lassen. Zufällig entdeckt ein Kumpel zwischen dem üblichen Müll auf einem unserer Tische originalverpacktes Campingbesteck: “Hat einer von euch Campingbesteck bei Amazon bestellt?” Wir rätselten wo das hergekommen sein könnte, es fanden sich auf dem zweiten Tisch noch mehr Gabeln und Löffel. Offenbar eine Werbemaßnahme, die irgendeine arme Sau während der überwältigenden Performance von Guardian klammheimlich auf dem Zeltplatz verteilen musste. Und die Polizei hatte auf zahlreichen Postern gewarnt, dass uns was geklaut werden könnte! Wir verteilten das Besteck in der Gruppe und ich weiß jetzt schon, wie ich an den kalten Abend in Geiselwind zurückdenken werde wenn wir in Slowenien anfangen das Zeug auseinander zu sortieren. Meins ist das transparent blaue!

Grade die Nichtmetaller, die sich hier durch absätzelange Begeisterungsstürme zu einer nicht enden wollenden Anzahl von Bands lesen mussten, haben es schon längst erkannt: Dieses kleine Festival lebt von seinem riesigen Lineup. So viele so unglaubliche Bands werden wir das ganze Jahr über nicht mehr an einem Wochenende sehen. Das Outiloudi war ein furioser Auftakt für die Festivalsaison und hat richtig viel Spaß gemacht. Mein neues Campinggerümpel ist erfolgreich getestet und die entspannte Fahrgemeinschaft mit Ophelia hat so gut funktioniert, dass ich mir um die Mördertour nach Slowenien nun auch keine Sorgen mehr mache. Bring it on, Metalsommer!

 

Achso, noch ein Wort zum Thema Penicillin: Ihr erinnert euch, ich war krank und musste die ganze Woche über Antibiotika nehmen, was zur Folge hatte, dass ich in Geiselwind überhaupt keinen Alkohol getrunken habe. Und Festival ohne Alk, wie hat das nun funktioniert? Erstmal muss ich sagen, dass meine Freunde sehr rücksichtsvoll sind, für mich anstandslos Wasser geholt haben und keiner dabei war der doch immer noch versuchen musste einem ein Bier aufzuquatschen. Außerdem war die Stimmung wie immer gut, und das hat mich mitgerissen. Ich war mindestens genauso drauf wie sonst und teilweise erwischte ich mich dabei zu denken, das ich im Interesse des nächsten Morgens langsmal mal vorsichtig sein sollte mit dem Alkohol. Die anderen meinte da müsste in den Antibiotika irgendwas drin sein. Das hätte ich überhaupt nicht erwartet. Natürlich war es ein angenehmer Nebeneffekt morgens garantiert unverkatert aufzuwachen und auch körperlich etwas fitter zu sein, aber vor allem bin ich begeistert, dass alkoholfrei meiner Laune überhaupt gar keinen Abbruch getan hat. Die Notfall-Schokoriegel die ich für Stimmungstiefs eingekauft hatte, habe ich zwischenzeitlich total vergessen und erst Sonntag in Berlin wieder ausgepackt. Es gab zwei oder drei Momente wo ich dachte: “Jetzt wär ein Bier toll!” und vor allem hätte ich den Talisker Dark Storm und die Honigwhiskey-Gingerale-Mische gerne probiert, aber der Verzicht hat niemals wirklich weh getan. Ich muss sagen, ich bin ein wenig versucht das weiter durchzuziehen. Mal sehen.

Festivalprävention

26. Mai 2014 (22:19 h) – Tags: , , ,

Musik: Schnell noch Behemoth - The Satanist anhören. | Stimmung: Dann mach wenigstens schönes Wetter, Universum!

Wie Natron bin auch ich bereits voll im Festival-Vorfreude-Modus. Bald gehts los und ich habe neulich schon hundert Euro im Internet gelassen und mein Campinggerümpel aufgestockt. Zu der von mir bestellten NVA-Plane sagte meine Mutter: “Hast du einen Gestellungsbefehl erhalten? Oder ist das Festivalprävention?” Die Plane ist selbstverständlich letzteres und wird im Vorraum meines nagelneuen Zeltes den Boden abgeben. Ein neues Zelt brauchte ich wirklich. Seit es geliefert wurde kann ich kaum erwarten drin zu schlafen und hab das gute Stück natürlich auch schon im Arbeitszimmer probeaufgebaut.

Als es stand und passte kam mich die kleine Toyah besuchen, schnupperte alles ab und warf sich dann zum Putzen in eine Ecke. Davon abgesehen, dass die Haustiere normalerweise ja nie Gelegenheit haben das Zelt zu betreten, freue ich mich über Gebühr ein paar Katzenhaare mitnehmen zu können. So ein bisschen Zuhause für unterwegs.

Das war wie gesagt neulich. Heute bin ich mit üblen Halsschmerzen aufgestanden. Vor ein paar Tagen hatte ich schonmal Schmerzen, die sind aber wieder weggegangen. Heute nicht. Heute ging ich zum Arzt. Mandelentzündung.

Darf ich euch kurz an diesen Post erinnern? Genau das gleiche. Sie will aufs Festival fahren – Sie kriegt eine Mandelentzündung. Ich konsumiere seit Herbst einen Trinkjoghurt der das Immunsystem aufbauen soll. Grade erst habe ich bei Natron damit geprollt, dass ich dank des Zeugs den ganzen Winter über nicht krank war. Heute komme ich vom Arzt, mache den Kühlschrank auf und sage: “Was soll das, Motherfucker?” Und der Joghurt so: “Mann, ich geb mir echt Mühe! Du warst ein halbes Jahr nicht krank. Ist das gar nichts?! Kann halt auch nicht zaubern.” Hat er wohl Recht, aber das Timing ist ausgesprochen mies. Hallo Penicillin!

Oh, und: Hallo, alkoholfreies Festival! Das wird… äh, eine interessante Erfahrung. Werde ich diesen Haufen Bekloppter auch noch meine Freunde nennen wenn ich nüchtern sie drei Tage lang betrunken erlebt habe? Verpasse ich alle Headliner weil ich müde und maulig werde? Wie oft werde ich erklären müssen, dass ich nicht schwanger bin sondern Antibiotika nehme? Ich stelle mich mit Eistee und Cherry-Cola gewappnet der Herausforderung, aber ausgesucht hätte ich mir das Schicksal nicht.

Reden wir also schnell über was besseres. Über die anderen Vorbereitungen. Die, die ich genäht habe.

Das wichtigste dabei war die schon von Natron anmoderierte Gürteltasche. Ich hatte bisher eine Gürteltasche. Aber ich bin Weltmeisterin im Kamera-Verlieren. Ernsthaft, wie oft mir die schon aus der Tasche gefallen ist. Mal merkt man es, mal sammelt sie die Security auf und mal ist sie halt weg. Ich vermute, dass entweder der Reißverschluss von alleine aufgeht, oder ich ihn nicht richtig zumache wenn ich abgelenkt bin. Und das muss ja nun echt nicht sein. Festivaltasche 2.0 ist also entsprechend durchoptimiert.

Wie der Vorgänger wohnt sie an meinem Nietengürtel. Den, übrigens, hat irgendwer mal selber zusammengebaut, komplett mit handgeschweißter Schnalle. Ich habe ihn vor sehr vielen Jahren mal überglücklich aus dem Second-Hand geschleppt. Für die Tasche habe ich alle Stoffreste verwendet, die von meiner Kutte übrig geblieben sind. Damit die beiden Teile dann aber nicht zu ähnlich sind habe ich die Klappe noch mit Stoffmalfarbe bekleckert. Eigentlich wollte ich da noch ein Biohazard-Zeichen aus Reflektorfolie draufbügeln, so Zombiejäger-Style, aber es stellte sich heraus, dass meine Reflektorfolie gar nicht bügelbeschichtet ist und damit hatte sich das dann erstmal. Die Tasche hängt an drei “Ohren” weil ich es nicht mag wenn sie in der Mitte durchbeult. Die äußeren Schlaufen haben noch eine Ringniete bekommen damit man da auch mal einen Taschengurt ranhaken kann falls es doch Situationen gibt in denen es praktischer ist eine Handtasche zu tragen. Gurt habe ich aber noch keinen passenden gebaut. Immerhin gibt es aber auf der Taschenrückseite ein Gummiband wo man das mittlere Ohr runterklemmen kann wenn die Tasche über der Schulter hängt. Sähe sonst vielleicht komisch aus.

Ihr seht, wir sind schon mittendrin in den optimierenden Gadgets die ich eingebaut habe. Und unter der Klappe gehts nochmal richtig ab. In die Haupttasche kommen Portemonnaie, Taschenlampe, Emergency-Poncho, Taschentücher und lauter son Zeug rein. Für schnellen Zugriff gibt es aussen eine Tasche für die Running Order und eine wo man die Ohrstöpsel unterbringen kann und bei der nächsten Band schnell wieder rausholt ohne das Bier abzustellen. Links an der Tasche befindet sich der Halteriemen für einen oder ein halbes Dutzend leere Plastikbecher. Den habe ich mit Gummiband und Klett gearbeitet, dann kann man ihn noch verstellen. Die Nerfgun passt leider trotzdem nicht rein weil der Lauf von Modell Maverik zu breit ist.

Unten an der Tasche habe ich wieder zwei Ringnieten angebracht. Da soll man auch mal einen Riemen einhängen können der dann so Han-Solo-Style um den Oberschenkel rumgeht. Für Aussehen, ob das praktisch ist bezweifle ich noch. Hab dementsprechend auch noch keinen Riemen genäht sondern erstmal nur einen Karabiner rangehängt, was der Tasche so einen lässigen Bergsteiger-Charme verleiht.

Rechts dann die Extratasche für die Kamera. Hier habe ich mich an der Hartschalenhülle orientiert in welcher die Kamera wohnt. Mitsamt dieser kommt sie nun hier rein und man kann das Ganze so weit aufziehen, dass die Kamera zu entnehmen ist. Durch die seitlichen Gummibänder zieht es sich von alleine wieder zu und der Klett geht auch eher selbstständig zu als ein Zipper. Trotzdem habe ich noch den Kameraretter angebaut. Das ist ein Zugband, wie für Skipässe, das mir meine Freunde geschenkt haben nachdem ich sie mal wieder hektisch suchend durch irgendeinen Laden gescheucht hatte. Der Kameraretter zieht sich aus wenn man fotografieren möchte, so dass die Kamera die ganze Zeit fest mit der Tasche verbunden ist. Ja, sagt ruhig was ihr denkt, ich komme mir manchmal auch vor wie ein Kleinkind dem Mutti die Handschuhe an die Jackenärmel nähen muss.

Das Innenfutter wollte ich zuerst knallhart aus dem Dolores-Umbridge-Gedenkstoff machen. Aber, wie Natron sehr richtig einwendete, das Innenfutter sollte was helles sein. Nicht nur, damit man selber irgendwas in der Tasche findet, sondern auch weil die Security am Einlass da ja immer reinguckt. Denen muss ich das Leben nicht schwerer machen als nötig. Ins Futter habe ich noch zwei Innentaschen eingebaut, eine definitiv für das Feuerzeug was Natron mir mal vom Summer Breeze mitbrachte und welches mit dem Sepultura-Schlachtruf “Roooooooooots” graviert ist. Das zücke ich Nichtraucher immer wenn hübsche Männer nach Feuer fragen. Darüberhinaus gibt es im Innenleben der Gürteltasche noch einen weiteren der unvermeidlichen D-Ringe, dieser hält ein Ende der Kette an welcher das Portemonnaie befestigt ist.

Das war, wie man sich denken kann, gar nicht wenig Arbeit und wenn ich gewußt hätte, dass ich anschließend krankgeschrieben sein werde, hätte ich das nicht am Wochenende noch schnell runterreißen müssen. Aber egal, die Tasche ist soweit fertig, ich mag sie echt gerne und die Extras warten darauf in Aktion getestet zu werden.

Und dann waren auch noch ein paar Stunden Sonntag übrig und ich grad so im Taschenmodus. Da habe ich mein Campingstühlchen noch etwas aufgerüstet.

Das Stühlchen hat nämlich nur einen Getränkehalter. Da steckt normalerweise ein Becher drin. Und alles andere legt man auf die Sitzfläche, wo man dann jedes Mal seine Zahnbürste, Kontaktlinsenzubehör, Sonnencreme, eine Schachtel Kekse, Multivitaminsaft, den Sonnenhut von jemand anderem und mindestens eine Nerf wegräumen muss bevor man sich setzen kann.

Für wenigstens etwas von dem Geröll habe ich jetzt ein Utensilo an die Seite genäht. Das kann man einfach mit einfalten wenn man den Sessel zusammenpackt. Mal gucken ob es taugt.

Ich blicke dem ersten Festival der Saison also mit verbesserter Ausrüstung und angeschlagener Gesundheit entgegen. Ein paar Tage hat die Mandelentzündung ja noch um den Rückzug anzutreten. Hoffen wir mal das Beste.

Tonight live: Jan-Ingwer und die Achatscheiben!

19. Mai 2014 (07:45 h) – Tags: ,

Musik: Iced Earth - End Of Innocence | Stimmung: Bin tatsächlich ein bisschen erleichtert, dass der Hamburger Sportverein nicht abgestiegen ist.

Es würde mich nicht komplett überraschen wenn ich irgendwann mal einen Preis für den blödesten Blogeintrags-Titel verliehen bekäme. Aber egal.

Jan-Ingwer habe ich meine eingepflanzte Ingwerknolle genannt. Ingwer kann man einfach auf Erde legen, dann wächst er an und macht eine neue Ingwerpflanze, von der man irgendwann auch Knollen ernten können soll. Jan-Ingwer wächst so toll, dass meine Mutter mir das Fehlen eines Gärtner-Gens inzwischen absprechen möchte. Um zu beweisen, dass sie Unrecht hat, sind mir prompt zwei Salbeipflanzen hintereinander sang- und klanglos eingegangen. Aber was solls, wer braucht schon Salbei?! Ich habe ja Ingwer.

Hier sehen wir Siouxsie, die ihren Freund Jan-Ingwer besucht. Daneben wächst ein Waldmeister den Natron mir von ihrem Balkon importiert hat. Ingwer hat einen Trieb nach oben gemacht. Noch ist er relativ klein. Der lange Hals mit dem aufgerissenen Maul ist ein Blütenableger der Echeveria die dahinter steht. Direkt am Vorhang wohnt eine neue Aloë Vera die ich jüngst aus dem Baumarkt mitgebracht habe, mal eine andere Sorte. Auf dem Fensterbrett rechts stehen die Mini-Sukkulenten die ich mittlerweile auch umgetopft habe und die Schale mit dem Katzenstreu ist eine Anzucht von Katzengras.

Und inzwischen ist der Janni schon ganz groß geworden! Wo der hin will weiß ich nicht so recht. Bisher macht er sehr fleissig neue Blätter nach links und rechts. Waldmeister wächst auch prächtig und könnte demnächst in einen größeren Topf umziehen. Und sogar die Katzenminze die ich ausgesäht habe macht lauter kleine Pflänzchen. Ich bin total gerührt.

In der Küche gedeiht ein Basilikum den ich als Überbleibsel unser festival-untypischen Luxusverpflegung vom Paradise im November mitgebracht habe und eine Minze. Nur der verdammte Salbei will nicht! Jemand eine Ahnung wie man Salbei überleben lassen kann?

Jetzt ist die Show fast vorbei und ich will euch wenigstens noch die Band vorstellen. Im Hintergrund habt ihr sie ja schon performen sehen. Die Achatscheiben.

Diese Scheiben von gefärbten Achaten habe ich auf dem Türkenmarkt gekauft. Mit farblich passenden Perlen auf schlichtes Satinband aufgezogen hängen sie jetzt auf dem Balkon und können ein bisschen in der Sonne leuchten. Grade der Blaue hat eine tolle Streifenstruktur und sieht, wenn man ihn dreht, aus als wenn man aus einer Höhle aufs Meer gucken würde, finde ich. Auf spiritueller Ebene fördern Achate Selbstvertrauen und innere Stabilität. Könnte den Wachstumsdrang von Jan-Ingwer erklären.

Asymmetrische Zöpfe

13. Mai 2014 (20:38 h) – Tags:

Musik: Blind Guardian - Valkyries 

Das hier ist schon etwas älter. Ich habe diese Frisur und die Fotos gemacht bevor ich beim Friseur war. Inzwischen sind meine Haare wieder toll rot, aber wenn ich das jetzt nicht blogge vergesse ich es total und das wäre ja auch irgendwie schade.

Normalerweise kann ich ganz gut damit leben, dass das schöne Kupferrot in meinen Haaren rauswächst und dann am Ansatz wieder mein eigenes Straßenköterbraun zu sehen ist. Bis zu einem gewissen Punkt stört mich das gar nicht. Und dann nervt es auf einmal so sehr, dass ich gar nicht schnell genug zum Friseur gehen kann. Weil ich aber Kundin bei einem Friedrichshainer Szeneladen bin, muss ich meine Termine mit mindestens zwei Wochen Vorlaufzeit machen. Und in dieser quälenden zweiwöchigen Haarfarbenagonie gilt es dann irgendwie mit dem Ansatz aus der Hölle fertig zu werden.

Auf Arbeit stecke ich den ehemaligen Pony grade nach hinten weg, dann gibt es keinen direkten Scheitel und man kann ein wenig tricksen. Für privat habe ich aus der Not eine Tugend gemacht. Geflochten machen die zwei Farben wenigstens noch Effekt.

Inspiriert durch die asymmetrische Haaraufteilung hier habe ich zwei Bauernzöpfe am Kopf lang geflochten. Rechts mehr so Irokesen-Style, links mit mehr Haaren und weiter oben. Das sind dann nicht so Kleinmädchen-Zöpfe, aber man hat trotzdem alle Haare aus dem Gesicht. Eigentlich ziemlich praktisch. Vermutlich auch eine gute Festival-Frisur, wenn man da nicht dauernd headbangen müsste *g*

You will never find a more wretched hive of scum and villainy

8. Mai 2014 (14:13 h) – Tags: , , ,

Musik: Newsted - Skyscraper 

Die jüngsten Fortschritte des Wohnzimmers erlaube ich mir mal in einem Beitrag zusammenzufassen. Irgendwann wird es vielleicht auch langweilig. Also, was ist passiert?

Ich hatte schon vor einer Weile bei meinem liebsten Händler für Fernöstliches auf dem Türkenmarkt eine Fischglocke mitgenommen. Eine Schelle aus Messing die in Form eines lachenden Fisches gearbeitet ist. Tatsächlich hat sie sich schon hier auf den Fotos der Lampe eingeschlichen.

Nun habe ich noch eine breite Borte besorgt und diese recht aufwändig mit Pailletten, Schmucksteinen und Kaurischnecken bestickt. Letztere fand ich grade zum Fisch ganz passend.

Von den Jetstein-Imitaten die man unten sieht hatte ich nur noch zwei Ovale und einen Rhombus, deshalb habe ich weiter oben einfach schwarze Pailletten aufgestickt. Kaurischnecken sind auch keine mehr da.

Am unteren Ende habe ich die Borte mustergenau abgeschrägt und nochmal ordentlich Perlen angenäht. Jetzt hängt der Fisch neben der Balkontür und tut so, als könne man da nach Personal läuten. Kommt aber keiner, ich habs probiert.

Mit ganz anderer regionaler Inspiration ist noch ein Kissen auf meinem Sofa eingezogen. Im September 2011 war ich mit Ophelia auf dem holländischen Stoffmarkt in Potsdam und habe dort unter anderem einen recht abenteuerlichen Patchworkstoff, bedruckt mit mexikanischen Klischees, mitgenommen. Ich hatte daraus bisher einen Bezug für ein Dinkelkissen genäht, was allerdings auch schon wieder anderthalb Jahre her ist. Der Rest sollte immer ein Kissen werden, am besten eins mit Troddelborte.

Das längliche Format kam dem Druck sehr entgegen. Ich hatte es eigentlich nur der Abwechslung wegen bei Ikea mitgenommen aber inzwischen mag ich die Form zum Kuscheln total gerne. Wie man sieht ist auf dem Bezugsstoff sämtlicher Dia-de-los-Muertos-Kitsch vertreten, dazu Our Lady of Guadalupe, ein schundromanverdächtiger Inkaprinz mit lebloser Dame und eine Tequilaflasche darf natürlich auch nicht fehlen. Der Spruch “Me Equivoqué Contigo” bedeutet übersetzt so viel wie “Ich habe mich in dir geirrt” und ist der Titel eines offenbar wahnsinnig populären spanischsprachigen Liedes. Wieder was gelernt.

Ich habe die Rückseite aus rot-weißem Vichykaro gemacht, das lag grade parat. Und weil ich die Troddelborten erst nach dem Zusammensetzen aufgenäht habe und das teilweise von Hand geschehen musste, hatte ich Zeit mir vorzustellen wie in Mexico City vielleicht eine junge Frau sitzt und einen Stoff der mit Dirndlmädchen, Biergläsern und Schloss Neuschwanstein bedruck ist zu einem Kissenbezug zusammennäht. Für ihr europäisches Wohnzimmer. Statt “Me Equivoqué Contigo” steht dann “O’zapft is!” drauf, Eichenlaub statt Kakteen und Juanita wird auch erstmal Google anwerfen um das alles zu recherchieren.

In meinem eklektischen Wohnzimmer hat das Mexikokissen Verstärkung durch einen zweiten Our-Lady-Of-Guadalupe-Druck bekommen, ansonsten gliedert es sich aber erstaunlich schmerzfrei auf dem Sofa ein.

Gehen wir nun nochmal ein paar Schritte vom Sofa weg, zur Balkontür. Ursprünglich wollte ich da gar keinen Vorhang anbauen. Auf dem verglasten Balkon hängen dünne Vorhänge die ich nie aufziehe, das reicht um die Privatsphäre zu wahren. Nun passierte es aber so, dass Ophelia nach ihrem Umzug einen Fernseher zu viel hatte und mir das gute Stück als Dauerleihgabe anbot. Im gleichen Zug bekam ich auch meine XBox zurück die ich ihr für meine fernseherfreie Zeit überlassen hatte. Ich ließ beide Geräte ein paar Wochen stehen und dachte über Platzierung im Wohnzimmer nach. Auf GAR KEINEN FALL sollte der Fernseher an die Wand gegenüber des Sofas. Davon abgesehen, dass das für XBox-Kinect ungünstig ist will ich den Apparat auch nicht wie ein Goldenes Kalb mein Zimmer dominieren haben. Also entschied ich, den Fernseher an die Wand zwischen Fenster und Balkontür zu bauen, auf eine schwenkbare Halterung, dann kann man auf dem Sofa lümmeln und fernsehen. Nicht ganz die naheliegendste Lösung aber für mich die bessere.

Und da kommt der Vorhang ins Spiel. Durch die Balkontür und das Fenster kommt den ganzen Tag Sonne oder zumindest Tageslicht, das stellte ich mir als störende Hintergrundbeleuchtung vor. Also sollte ein verdunkelnder Vorhang her. Ich habe dafür einen dunkelgrünen Samt verwendet den mir Natron mal für ein Fantasygewand überlassen hatte. Und weil das natürlich an sich viel zu schlicht war kam noch ein Sari aus meinen Beständen dazu.

Es ist nur ein Schal der normalerweise nach links zusammengeschoben ist. Den Sari habe ich noch seitlich eingerafft und festgenäht, das sieht auch hübsch aus wenn der Vorhang nicht zugezogen ist.

Und natürlich kamen auch noch Borten zum Einsatz. Die wunderbare Brokatborte unten ist der Rest von den Schlafzimmervorhängen und spielt immer wieder toll mit Samt zusammen. Der Sari hat die senkrechten Borten schon aufgedruckt, deshalb gab es nur eine zugegeben eigentlich zu helle Fansenborte an den Saum.

Das letzte Wochenende habe ich dann damit verbracht eine TV-Wandhalterung zu kaufen und diese mit schier übermenschlichem Aufwand an die Wand zu bringen. Das hält bombenfest und sollte ich jemals einen anderen Platz für den Fernseher haben werde ich die Schrauben abflexen müssen, raus gehen die nicht mehr. Sonntag kam dann Ophelia nochmal kurz vorbei und zusammen bauten wir den Fernseher auf die Halterung. Anschließend habe ich alles verkabelt, die XBox wieder aktiviert und nach zwanzig Sicherheitsabfragen und dreihundert Updates konnte ich dann erstmal eine Runde Hexic spielen und danach, weil ja Star Wars Tag war, einen Lieblingsfilm auf DVD gucken.

Das Fernsehprogramm empfange ich noch nicht wieder, was egal ist weil ich Samstag zum Grand Prix ohnehin arbeiten muss. Die XBox soll auch definitiv nicht auf dem Katzensofa stehen bleiben, da muss ich noch längere Kabel für alles kaufen. Davon abgesehen war es aber wirklich entspannt mit einer Katze im Arm auf dem Sofa rumzuliegen und DVDs zu gucken. Das machen wir in Zukunft sicher noch öfter.

Vanille, Schoko und Verdammnis

4. Mai 2014 (11:08 h) – Tags: , ,

Musik: Slayer - Criminally Insane 

Meine Garderobe stellt sich grade auf die wärmere Jahreszeit um. Im Winter trage ich zu dicken Jacken und weiten Pullovern vor allem enge Hosen (=Leggins) und dazu wieder voluminöse Stiefel. Im Sommer kehrt sich die Silhouette um, da sind die Oberteile schmal, weil Tanktops und umgenähte Bandshirts, und dazu trage ich dann weite Cargohosen, die Thai-Fischerhose oder locker sitzende Shorts. Und Turnschuhe. Oder Jesuslatschen.

Dieses Frühjahr kann ich mich allerdings noch nicht so richtig von meinen geliebten Leggins verabschieden. Mit einem längeren Shirt, darüber ein Flanellhemd und Stulpen über Turnschuhen ist das mein aktueller Lieblingslook. Leggins besitze ich mehr als genug, Karohemden schleppe ich öfter aus dem Secondhand raus und meine zerfledderten Billigtreter habe ich neulich durch sauteure Markenturnschuhe ersetzt. Fehlten also noch die längeren Shirts.

Das erste habe ich zugegeben schon vor einer Weile genäht, aber es hat sich so schnell zu einem Grundbestandteil meiner Garderobe entwickelt, dass ich immer maulig war wenn es mal gewaschen werden musste. Also hat es Verstärkung in Form von zwei Kollegen bekommen. Ich mag, dass jedes Shirt etwas anders ist und seinen eigenen Look hat obwohl sie alle nach ähnlichen Schnitten gemacht sind.

Hier habe ich eine cremefarbene Spitze auf dem Türkenmarkt gekauft. Weil sie nicht elastisch ist habe ich zwei Meter genommen und diese gerafft an die Unterkante eines ziemlich simplen Tanktops genäht. Ich hatte da dieses kombifreundliche Shirt von meiner Pinnwand im Hinterkopf. Obwohl der Jersey für das Shirt auch nicht reinweiss war, gefiel mir am Ende der Farbunterschied zwischen Spitze und Shirt nicht und ich beschloss es mit schwarzem Tee zu überfärben. Die Spitze besteht sicher aus Polyester, die nimmt das dann nicht an und der Jersey kann sich angleichen. Haha. Die Spitze besteht nicht aus Kunstfaser, ich hatte den Türkenmarkt mal wieder unterschätzt. Insofern hat sie den Tee viel stärker angenommen als Jersey und nun haben beide einen neuen Farbunterschied. Den finde ich allerdings gar nicht so schlecht. Das Shirt darf so bleiben. Und obwohl ich anfangs spektisch war und lieber elastische Spitze verwendet hätte mag ich jetzt diesen röckchenartigen Effekt echt gerne.

Das zweite Shirt hat eine elastische Spitze bekommen. Vom gleichen Händler, für einen Euro/Meter. Den Jersey hatte ich noch da, der lag schon recht lange. Insofern hatte ich auch nicht mehr auf dem Zettel was der für einen hohen Kunstfaseranteil hat, das hätte ich heute nicht mehr so gekauft. Aber egal, jetzt ist er verarbeitet. Das Shirt wirkt insgesamt schmaler, und ich mag das fast jugendstilartige Muster auf der Spitze. Braun ist überhaupt eine schöne Neutralfarbe zum Kombinieren mit anderen Matsch- und Erdtönen. Wie bei allen Tanktops habe ich hier die Ausschnitte mit Jerseyband verarbeitet, dafür schneide ich die Träger dann entsprechend schmaler zu. Funktioniert ziemlich gut. Der Trick ist, den Jerseystreifen wirklich stark gedehnt anzunähen, dann klappen sich die Blenden von alleine hoch und bleiben so.

Das hier ist das älteste von den dreien. Ein bisschen länger als das braune und der Jersey ist viel weicher. Das habe ich vor einer Weile zur Arbeit getragen und eine Kollegin kommentierte wie praktisch und kombifreudig diese Shirts sind und schloss mit den Worten: “Ich glaube, das gleiche habe ich in weiss!” Ich musste innerlich grinsen. Nein, hast du nicht.

Diese drei Tops sind farblich ziemlich neutral, was ja auch gut ist, sie sind ja Basisstücke. Nichtsdestoweniger hätte ich auch Lust da mal eine knallfarbige Version von zu nähen. Wenn ich gelbe, violette oder türkisfarbene Spitzenborte finde mache ich das. Die Jerseys hätte ich noch da und viel Arbeit ist es nun wirklich nicht.