Damit Adolf Loos Recht behält

9. Oktober 2012 (14:20 h) – Tags: ,

Musik: Van Canto - The Mission 

Wer sich zu viel Zeit lässt, den bestraft das Universum. Mich, die ich mich in trügerischer Sicherheit bewogen hatte, nun damit, dass ich erstmal nicht mit meiner Retro-Sci-Fi-Jacke weitermachen kann. Ihr erinnert euch vielleicht noch, ich wollte so eine orangefarbene Riffeljacke nähen, wie Luke Skywalker sie am Anfang von „The Empire Strikes Back“ trägt, die sogenannte Hooth Snowspeeder Jacket. Und dafür hatte ich vor langer Zeit schon orangefarenes Nylon bei Extremtextil ausspioniert. Das wäre ziemlich ideal für die Jacke gewesen. Als ich es nun bestellen wollte, musste ich aber feststellen, dass die Farbe leider momentan nicht verfügbar ist. Dammich!

Also erstmal keine Jacke. Und was mache ich wenn ich nicht ins Weltall kann? Richtig, ich verstecke mich in meiner anderen Epoche, der Zeit um 1900. Die dort ansässigen Präraffaeliten sollen auch ein Projekt bekommen, dazu aber mehr wenn ich tatsächlich Stoff gekauft habe und es losgeht. Und wen kann man noch besuchen wenn man grad mal da ist? Achja, den Jugendstil. Da habe ich wieder meine Dover Pictorial Archive Ausgaben gewälzt und eigentlich Bordüren gesucht. Gefunden habe ich aber hübsche Frauen und dramatischen Faltenwurf. Und weil ich grad Lust drauf hatte, hab ich eine zweite Version einer Tattooidee gezeichnet.

Das hatte ich noch gar nicht hier erzählt. Es gibt die Idee in meinem Kopf, ein Tattoo machen zu lassen, was meine ästhetizistischen Freunde aus der Magisterarbeit würdigt. Genauer gesagt Hugo von Hofmannsthals „Lebenslied“ denn das sagt eigentlich alles und nichts über seine Zeit, das Leben, die Kunst und das All aus. Erscheint mir insofern eine gute Grundlage und ungemein dekorativ wäre es auch. Ich würde die Tiere aus dem Gedicht, also Adler, Lamm und Pfau, als Jugendstilgrafiken umsetzen wollen.

Das ist keine Idee die ich sofort machen muss, ich will erstmal sehen wie es sich entwickelt. Seit Geburt des Gedanken ist das Tattoo nämlich schon von der Wade auf den Rücken umgezogen und die Tiere habe ich durch eine generische Jugendstiltrutsche ergänzt. Frau mit Flatterlaken und Schnörkelhaaren ist gleich viel mehr Jugendstil als alles was ich mit den Tieren machen könnte.

Das hier war die erste Skizze. Ich war anfangs sehr skeptisch, ob es eine gute Idee ist sein Tattoo selber zu zeichnen, aber inzwischen mag ich den Gedanken. Und, mal ehrlich, ich kann das eh nicht aus der Hand geben, ich Kontrollfreak.

Ich wusste noch nicht so recht wohin mit dem Lamm, hatte es später noch links neben die Frau gesetzt. Aber die Adler auf dem Handgelenk (physikalisch zugegeben eine kleine Herausforderung) war schonmal super. Das Kleid brauchte ordentlich Bausch und dieser Sternennimbus gefiel mir auch sehr gut. Wenn überhaupt wäre die Frau eine Allegorie auf Leben, Kunst und All, da dürfte sie ruhig so gekrönt sein.

Die Zeichnung lag etwa ein Vierteljahr. Erst jetzt hatte ich, wie gesagt, Lust es nochmal neu zu versuchen. Diesmal andere Pose und dank Referenz auch besserer Faltenwurf.

Links oben sieht man noch ein wenig von meiner Vorlage, die ich aber freihand und gespiegelt abgemalt habe. Und dann alles außer Gesicht und Faltenwurf verändert. Ich mag die frontale Position der Frau, das gefällt mir besser als ein Profil, auch wenn der muchaeske Kopfschmuck nun natürlich weg ist. Ihre Haare könnten fast noch dramatischer sein. Der Adler sieht hier noch sehr nach Papagei aus, aber den habe ich auch noch nicht geübt. Eher unzufrieden bin ich mit dem unromantischen Kasten da unten. Ich brauche etwas wo das Lamm drauf stehen kann, sonst kommt es nicht an ihre Hand ran. Und die Berührung finde ich irgendwie ganz gut. Trotzdem gibt es bestimmt irgendeine elegantere Lösung für einen Schnörkelpodest oder sowas. Ich guck nochmal in meine Bücher.

10 Kommentare zu “Damit Adolf Loos Recht behält”

  1. Julischka schrieb:

    Liebe Soda,
    ich verfolge deinen Blog schon seit geraumer Zeit und bin immer sehr angetan von deinen schönen Ideen, Zeichnungen etc.

    Zum Jugendstiltattoo ist mir sofort Donna Tinta eingefallen: http://donnatinta.de/Galerie/Galerie.html – auch bei Facebook mit vielen Fotos verteten, auch Jugendstiltattoos dabei.
    Ich habe bereits mehrere ihrer Arbeiten in Natura gesehen und bin sehr begeistert. Leider hatte ich noch nicht die Gelegenheit, Wiebke persönlich kennen zu lernen. Das kommt aber sicherlich noch.

    Da ich selbst z.T. großflächig tätowiert bin und mir bereits vor inzwischen 17 Jahren mein erstes Tattoo habe stechen lassen, kann ich m.E. guten Gewissens eine Tätowiererin empfehlen.

    Viel Spaß beim weiteren Entwerfen und viele Grüße,
    Julischka

  2. Julischka schrieb:

    Hab noch etwas vergessen:
    Wie wäre es anstatt eines architektonischen Podests mit etwas Organischem bzw. Natürlichem für Lamm und Pfau?
    Hügel, Blätter, liegender Ast bzw. Baumstamm o.ä.?

  3. Centi schrieb:

    Ui, das wird… epochal. Aber auf dem Rücken hat man ja viel Platz. :)
    Wenn ich mir das tatsächlich als Tattoo vorstelle, würde ich eventuell die Umrissform des Gesamtmotivs ein bisschen mehr als Oval und weniger als Rechteck planen. Aber die Idee ist auf jeden Fall sehr schön. Ich hab da keine Sorge, dass du in der Lage bist, ein richtig großartiges Motiv zu entwerfen. :)
    Das Lamm hat allerdings im Moment noch ein bisschen was von Bambi. :D

  4. Anna schrieb:

    Wow *.*
    Die Pose wirkt zusammen mit den Tieren total elegant und so wie der Pfau die Frau anhimmelt wirkt sie wie eine Göttin.
    In mir weckt dieses Bild mehr den Gedanken „Mutter Natur“, das mag ich :)

  5. Miri schrieb:

    Ich hab nicht die geringste Ahnung von der Epoche und ich hab ebenfalls nicht die geringste Ahnung warum, aber: dieses Kopfdingsi mit den Sternen macht diese Frau für mich irgendwie zur Freiheitsstatue….ich bin ein schrecklicher Banause…

  6. FreiNaht schrieb:

    also sollte das irgendwann ein echtes Tattoo werden ist das der Hammer (sieht nämlich so schon genial aus)
    lg

  7. Wolfskind/Augenwassersucht schrieb:

    Ohne Anmaßend wirken zu wollen, fallen mir dazu ein paar Sachen ein:
    Wie groß hast du das Motiv geplant? Wenn es großflächig gedacht ist, würde ich – ähnlich wie Caro – den „Umriss“ etwas organischer anlegen. Nämlich oben und unten breiter als in der Mitte, die „Ecken“ abgerundet. Das wirkt harmonischer mit deiner Körperform zusammen und betont die schmale Taille. :)
    Und wenn es dich beruhigt: ein Falkner in meinem Bekanntenkreis trägt zum Arbeiten seine Tiere auch auf dem Handgelenk. Dann spüren sie eher seine kleinen Bewegungen und können reagieren. Kopf- und Flügelhaltung sowie Rückenrundung passen aber schon zu einem Greif, der sich ausbalanciert. Ein leichtes Absenken und Anwinkeln des Armes würde auch einige physikalische Probleme erleichtern. Hochheben würde auch gehen, aber für die Bildwirkung sollten vielleicht Frauenkop und Sternencorona den höchsten Punkt bilden.
    Das Lamm soll ein Schafslamm werden, oder. Im Augenblick wirkt es auf mich noch wie eine Mischung aus Zicklein und Rotwildkalb. Kleiner Tipp: Bei Schafen hängt der Schwanz immer. Bei den meisten Rassen sind die „x-Beine“ , gerade im juvenilen Stadium, noch nicht so ausgeprägt. Das Gelenk über dem Mittelhandknochen wirkt eher knubbelig statt scharf, das streckt das X etwas… Und für meinen Teil bilde ich mir auch ein, dass Lämmer einen runderen Popo/Beckenbereich haben als andere frisch geschlüpfte Wiederkäuer. ;) Sie haben (vorallem ungeschoren) eher einen zylindrischen Rumpf, währen Ziegen eher quadratisch wirken.
    Erm… ja… Gute Nacht!

  8. Soda schrieb:

    Um ein paar Sachen zu ergänzen, die ich im Eintrag nicht klar genug gemacht hatte: Die Zeichnung ist noch keineswegs fertig! Die Tiere sind nur sehr grob, quasi als Platzhalter hingeworfen. Ich werde natürlich noch recherchieren wie ihre ungefähre Anatomie aussieht, muss aber die Verfechter des Naturalismus schonmal enttäuschen: Im Ästhetizismus geht Dekorationswert immer vor Realität und genau daran werde ich mich halten.
    Die Tätowierung soll ausserdem nicht den ganzen Rücken bedecken, sondern nur eine Seite. Auf die andere kann dann immernoch Beowulf und der Drache ;-)

  9. CaroU schrieb:

    Herrlich, und während dann Beowulf den Drachen schnetzelt, starrt die Schönheit mit dem Streichenzoo in aller Seelenruhe den Betrachter an. :D

    Ich bin total begeistert, wie „echt“ deine zweite Zeichnung wirkt.
    Wir fallen in Kunstgeschichte gerade fröhlich in den Jugendstil ein und auch wenn bei Mucha teilweise viel mehr Haare durch die Gegend fliegen, sieht das so arg gut aus bei dir. ^^

  10. Wolfskind/Augenwassersucht schrieb:

    Ganz vergessen, dass ich hier noch schreiben wollte:
    Dir nahe zu treten oder ähnliches war nicht meine Absicht. Bei dem Thema gehen regelrecht die Pferde mit mir durch, gerade wenn ich nachts nicht schlafen kann. Allerdings bin ich gespannt, welche Entwicklung das Bild und Vorallem die Tiere durchlaufen werden.

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