Noch einen Teller Eskapismus? Gerne!

26. November 2012 (22:53 h) – Tags: , , , , ,

Musik: Queen - Seven Seas Of Rhye | Stimmung: Nackenschmerzen

Ich komme langsam voran mit meiner Wohnung. Man kann auch schneller umgezogen sein. Wenn man nur Möbel in die Wohnung stellt. Wenn man in jedem Zimmer irgendeinen Traumspleen verwirklichen muss dauert es unter Umständen länger. Aber ich habe nicht das Gefühl, als hätte ich eine Wahl. Trotzdem, es ist schön etwas das man grade braucht aus dem Regal nehmen zu können, anstatt jedes Mal kramend in einer Umzugskiste zu verwinden. Außerdem bin ich von übersehenen oder nicht lieferbaren Ikea-Teilen und überheblichen Verkäufern im Technikladen mehr als bedient.

Was habe ich also getan, in den letzten Tagen? Ich war mehrmals, sowohl alleine als auch in Begleitung verschiedener motorisierter Freunde, bei Ikea und habe dort mehr als genug Geld gelassen. Dafür gab es aber auch schöne Möbel und das Arbeitszimmer konnte endlich Gestalt annehmen.

Der Rechner okkupierte den Nähtisch, deshalb stängelten die Nähmaschinen heimatlos herum, weshalb ich auch keine Gardinen nähen konnte. Die Klamotten lagerten gleichsam im Regal das für Stoffe und Kurzwaren vorgesehen war, so dass letztere nicht aus ihren Kisten kamen und massiv im Weg rumstanden. Ich brauchte also zwei Dinge: Schreibtisch und Kleiderschrank.

Und die habe ich nun. Der Kleiderschrank, den Siouxsie hier quasi schon zusammengebaut hat, punktet sogar mit Spiegeltüren und Innenbeleuchtung. Muhahaha. Wenn man die Türen aufmacht geht in meinem Schrank das Licht an, genau wie im Kühlschrank. Bin total begeistert.

An anderer Front, nämlich im Wohnzimmer, habe ich mich einem alten Kumpel zugewandt: Dem Untergang des Hauses Usher. Diesen auf einen Rahmen getackerten Stoff finde ich schon so lange schön, dass er jetzt mal einem anderen weichen konnte.

Weil mein Wohnzimmer irgendwann, wenn es groß ist, mal orientalistisch-opulent in gold und dunklen Juwelentönen erstrahlen soll, hat Heinrich VIII seinen Auftritt bekommen. Ein olivgrüner Samt mit mattem Golddruck.

Wo der am Ende seinen Platz findet ist noch nicht abzusehen. Im Wohnzimmer geht noch so einiges, gerade was Textilien angeht.

Im Bad habe ich auch endlich meinen Spiegel, Glasbord und Haken wieder an die Wände gebracht. Kurz bevor ich einen bleibenden Haltungsschaden vom ewigen Bücken nach Abschminklotion und Nachtcreme bekommen habe.

Und dann musste ja auch noch das Schlafzimmer nachziehen. Weil meine Pläne hier nicht ganz uneitel sind muss ich am Ball bleiben. Entweder man macht es sofort oder gar nicht mehr. Die Rede ist von Schnörkelborten. Gemalten Schnörkelborten. Nach historischen Vorbildern. Mit Schablone auf Rauhfaser. Ahem.

Erstmal habe ich Testschnörkel ausgedruckt und an die Wand gepinnt. Bis mir der hier gefallen hat. Den habe ich dann als Schablone gearbeitet. Schon das Ausschneiden aus zwei Lagen verleimtem Packpapier ging ganz schön auf die Handgelenke. Das Teppichmesser war dafür auch nur bedingt geeignet, aber das richtige mit der drehbaren Klinge lag noch irgendwo unauffindbar in einer Kiste…

Unter Zuhilfenahme verschiedener Kleber und Tricks habe ich die Schablonen (es gibt noch einen zweiten Schnörkel, natürlich) an die Wand gebracht. Dazwischen Abstände ausgemessen, Linien abgeklebt und schließlich mein Glück mit einem Spülschwamm und getupfter Abtönfarbe versucht.

Naja. Dem Perfektionisten ist es noch viiiel zu murkelig, aber der hätte sich halt eine Wohnung ohne Rauhfaser aussuchen sollen. Tatsächlich musste ich einiges mit dem Pinsel korrigieren, aber die Gesamtwirkung stimmt.

Und lässt sich bei Kunstlicht wirklich nicht fotografieren. Aber da soll ja eh noch mehr. Ein Tag mit Nackenschmerzen und blöder Arbeitshaltung hat mich noch nicht von meinen größenwahnsinnigen Plänen abgebracht. Projekt magisches Renaissanceporno-Präraffaeliten-Retrokitsch-Schlafzimmer geht weiter. Fotos kommen also ohnehin noch.

 

11 Kommentare zu “Noch einen Teller Eskapismus? Gerne!”

  1. Trollkatze schrieb:

    Oha, ich hab mich ja erst etwas gegruselt, als ich den dunklen Farbton in deinem Schlafzimmer gesehen habe, aber in Kombination mit den Goldschnörkeln sieht das ganz famos aus. Jetzt musst du noch dein Bett goldig streichen. ;o)

  2. Frigga schrieb:

    Jetzt hab ich akuten Schnörkelneid. Die gefallen mir richtig gut.

  3. Kasi schrieb:

    Größenwahnsinnig? – vielleicht
    kreativ? – ganz sicher
    und sonst? – sooooo schöööööööööööööön

  4. Goldkind schrieb:

    Wun-der-schön! *___*

  5. Holly schrieb:

    Hi…
    ich les hier schon ne ganze Weile mit und ich hätte einen Tipp für dich.
    Wenn du das Tesa aufklebst und erst mit der Grundfarbe Drüberstreichst, das trocknen lässt und dann mit dem Gold drübergehst, läuft nichts unter das Tesa. Je nachdem, wie der Untergrund beschaffen ist (also alte Anstriche und so)solltest du vielleicht anderes Tesa zum abkleben nehmen (es gibt extra welches für „schwierigere“ Untergründe), weil es ja länger kleben bleiben muss, oder föhnen, damit es rasch trocknet, das Gold drüberher und runter mit dem Tesa.

    Sonst kann ich nur sagen: Sieht gut aus bei dir, die Farbe gefällt mir! und viel Spaß noch beim Renovieren!

  6. Centi schrieb:

    Das nennst du langsam? Ahahahaaaa… ich hab anderthalb Jahre ohne Bett und Kleiderschrank dahinvegetiert. Und die Schlafzimmervorhänge hab ich immer noch nicht fertig. – Die Schnörkel sind total schön geworden. Ich finde, da macht die Rauhfaser überhaupt nix mehr aus.

    Aber Heinrich VII. kommt schon queer an die Wand, oder?

  7. Fanny schrieb:

    Alles was man dazu sagen kann ist folgendes, liebe Soda:
    Diese Wohnung wird grandios!

  8. Schwarzes_Schaf schrieb:

    Oh! Mein! Gott!
    Soda, Du bist ein Genie, ein wahnsinniges zwar, aber ein Genie!
    Das sieht soooooooo schön aus!

    ich hab ja sowas ähnliches seit 7 Jahren mit meinem roten schlafzimmer vor .. hmpf. Ich fang nochmal von vorne an ;)

  9. Amy schrieb:

    Gefällt mir sehr gut wie du deine Wohnung einrichtest. Einfach schick! Diese Schnörkel!! *_*

  10. Mara Macabre schrieb:

    Ich bin begeistert,
    ich liebe es, wenn Leute richtig aktiv ihre 4 Wände gestalten, also nicht nur Möbel rein, sondern richtig den eigenen Stil durch basteln, nähen und werkeln reinbringen.
    und es sieht wirklich toll aus, mit viel liebe zum Detail!

    ich bin neidisch, bei mir ist es noch lange nicht so weit, ich muss mich mit Handwerkern rumägrern, jeden Tag aufs Neue :(

  11. Wolfskind/Augenwassersucht schrieb:

    Da schließe ich mich Centi an: Langsam? Richtig flott! (Persönliches Leid hier einfügen) Und die Worte Renaissanceporno und Schnörkelneid kommen sofort in meinen Wörterschatz. Gleich neben Bartschutzzone ;)

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