Imperiale Schützenhilfe

5. Dezember 2012 (17:19 h) – Tags: , , , ,

Musik: Machine Head - Beautiful Mourning 

Schichtarbeit ist manchmal eine ziemlich perverse Sache. Heute hatte ich frei und bin um halb sechs aufgestanden. Länger zu schlafen hätte sich nicht gelohnt, ich geh ja nur von einer Frühschicht in die nächste. Lange bevor die Sonne aufging war ich also schon mit meinem aktuellen Wohnungsprojekt beschäftigt.

Man mag es auf den ersten Blick nicht glauben, aber auch das hier ist ein Projekt fürs Schlafzimmer. Fürs schnörkelige Kitschzimmer. Das hat nämlich keine Tür. Also, einen Türrahmen hat es natürlich schon, aber keine Türe. Die hat irgendein Schlaumeier mal durch eine Falttür ersetzt und das originale Türblatt ist dann offenbar verschwunden. Die Hausmeisterin konnte jedenfalls auch nicht weiterhelfen. Nun war diese Falttür… naja, sagen wir mal alt. Siffig. Kaputt. Die konnte ich nicht ertragen, also steht sie jetzt im Keller und wartet geduldig auf ihr Schicksal.

Mein Plan war anstelle einer Tür einen Vorhang anzubringen. Keinen mit Stange oder Schiene, sondern das was ich einen Jurtenvorhang nenne: Ein glatter Stoff auf einer Leiste, den man wie den Eingang einer Jurte zur Seite schlagen muss wenn man durch will. Und dann ging meine überreiche Fantasie mit mir noch eine Runde weiter. Wenn der Jurtenvorhang auf der Flurseite ist, dann verdeckt er quasi wie ein Wandbehang den Türrahmen. Man sieht also gar nicht auf den ersten Blick, dass da noch ein Zimmer ist. Das Schlafzimmer ist also gar nicht richtig da. Es ist ein magisches Zimmer. Um es zu betreten muss man eine symbolische Grenze überqueren, diese markiert ein Jurtenvorhang viel stärker als eine Tür. Genau wie Parzival einen Fluss überqueren muss um ins Reich des Gralkönigs zu kommen. Sir Orfeo durch einen Berg ins Feenreich gelangt und seine Dame Heurodis wiederholt. Auch Frodo betritt Mordor übrigens nicht zufällig durch diese Berghöhle wo er Kankra begegnet. Ich denke, ihr versteht was ich meine. Die Zäsur hinter der sich das Zauberland verbirgt. In diesem Fall ein Ort von Traum und Heilung und Sicherheit. Das mag ein wenig durchgeknallt und spirituell klingen, aber mir gefällt die Idee total.

Auf der praktisch-realistischen Ebene brauche ich also nun einen Vorhang. Für die Schlafzimmerseite hatte ich sofort eine Idee. Da liegt noch so ein Saristoff in meinem Bestand, dunkelblau mit türkisfarbenen Rändern und goldfarbenen Pailletten, ein wenig wie ein Sternenhimmel.

Der hier, meine ich. Das ist ein altes Bild, da wollte ich ihn schon mal verarbeiten. Der Stoff liegt schon relativ lange, insofern freu ich mich umso mehr, dass er jetzt seine Bestimmung findet. Dass da eine Katze drauf sitzt ist sehr passend, ihr werdet gleich sehen, dass sie mir heute auch nicht von der Seite gewichen sind.

So, Schlafzimmerseite also Sari. Den muss ich mit einem dunklen Stoff hinterlegen, sonst wirkt er nicht. Ist recht transparent. Und die andere Seite? Langfristig möchte ich da gerne ein großes Patchwork mit Regenbogenfarbverlauf und selbst gebatikten Stoffen machen, aber es wird ganz bestimmt noch eine Weile dauern bis ich zu sowas komme. Hm… Die Idee für eine kurzfristige Lösung (die dann gerne ein paar Jahre hängen darf) kam mir neulich sehr spontan. Ich war der Meinung noch etwa zehn Meter Leopardenstoff zu haben, der würde farblich in den Flur passen, und da wollte ich dann einen lebensgroßen Sturmtruppler draufmalen. Als Palastwache für das unwirkliche Zimmer. Yeah, Sturmtruppler!

Den Leopardenstoff habe ich offenbar nicht mit umgezogen oder irgendwas ist schon vorher damit passiert, jedenfalls finde ich ihn nicht mehr. Ist aber egal, den Sturmtruppler mache ich natürlich trotzdem. Und weil ich inzwischen die dunkelblauen Samtvorhänge genäht (aber noch nicht angemessen für euch fotografiert) habe, sind meine alten Schlafzimmervorhänge nun quasi arbeitslos.

Ich spreche von denen hier. Mittelbrauner Möbelbezugsstoff in Jacquardwebung. Hat so ein puristenbarockes Schnörkelmuster. Die Vorhänge, beziehungsweise einer davon, bieten sich insofern an, als dass sie schon mit schwarzem Leinen gedoppelt sind. Immer noch edgy, aber nicht mehr ganz so schräg wie Leopardenmuster.

Nachdem ich dann also das Internet nach Bildern von Sturmtrupplern mit Füßen durchkämmt habe, einen ausgesucht, aufgearbeitet und ausgedruckt, konnte ich ihn heute auf Lebensgröße vergrößern. Damit auch Prinzessin Leia nicht mosern kann „Aren’t you a little short for a stormtrooper?“ habe ich den jungen Mann gleich mal auf 198 cm aufgezogen. Das habe ich mit Rastervergrößerung gemacht. Eine Methode die ich vergleichsweise selten verwende, die dann aber immer tolle Ergebnisse bringt.

Zuersteinmal, um sechs Uhr früh, habe ich einen entsprechend großen Bogen Packpapier mit einem Raster vorbereitet. Ich habe die Vorlage 1:9 vergrößert, also was auf dem A4 Blatt ein Zentimeter ist sind auf dem Packpapier neun.

Und dann habe ich den Sturmtruppler Kästchen für Kästchen abgemalt. Zwei begeisterte Katzen waren dabei nur mit Mühe vom Papier fernzuhalten.

Das hat inklusive Frühstückspause etwa drei Stunden gebraucht. Dann war es spät genug um zu duschen und sich auf den Weg zum Einkaufen zu machen. Um auf Nummer sicher zu gehen habe ich noch drei Gläser Stoffmalfarbe gekauft: weiß, schwarz und grau. Außerdem lauter anderen Bastelkram über den ich so kurz vor Weihnachten nicht sprechen kann und ein Abstecher in die Drogerie musste auch noch sein. Beautykram, Bodylotion und Duschgel kaufe ich total gerne.

Da hängt Herr Sturmtruppler schonmal in voller Größe an meinem Stoffregal. Das hatte ich wie neulich angedeutet ja nach oben verlängert und habe es dann hinter Ikea-Vorhängen versteckt. Sieht das ganze Zimmer gleich viel ordentlicher aus.

So, die alten Vorhänge hatte ich letzte Woche schon gewaschen, die musste ich nur noch bügeln. Und dann stellte sich die Frage, wie die Vorlage für den Sturmtruppler da eigentlich drauf kommen sollte.

Erstmal habe ich den Papierkameraden ausgeschnitten und die Umrisse sehr prosaisch mit Edding nachgemalt. Für die innenliegenden Details wollte ich Kopierpapier verwenden. Wollte. War aber keins da. Und damit fand das Projekt dann sein heutiges Ende und ich konnte es noch ausführlich bloggen. Muss also in den nächsten Tagen nochmal los und das Papier besorgen. Für heute geh ich ins Bett, die Frühschicht dräut.

 

11 Kommentare zu “Imperiale Schützenhilfe”

  1. Lukas schrieb:

    Wow.

    Beeindruckend. Gefällt mir sehr gut.

    Das mit der Rastervergrößerung werde ich auch gleich mal versuchen, das sollte auch für den ungeübten nichtzeichner möglich sein!

  2. aka schrieb:

    sieht gut aus, die idee gefällt mir.
    nur das recht des troopers sieht noch leicht deformiert aus ;)

  3. aka schrieb:

    *rechte bein…. (tippen is schwer :P )

  4. Amy schrieb:

    Wow. Einfach nur wow! Was du dir alles ausdenkst. Absolut geniale Idee, eine geheime Pforte… der Saristoff ist wunderschön und der Sturmtruppler witzig! Hoffentlich beschützt er dich brav.

  5. Trollkatze schrieb:

    Himmel, das darf ich meinem Mann nicht zeigen…. °.°

  6. Noctua schrieb:

    Ich bin zwar immer noch kein Fan der Schience fiction, aber die Idee finde ich trotzdem super!

    Und spirituell-esoterisch hin oder her, die Idee mit einem magischen Geheimzimmer ist soooo schön!

    Abgesehen davon gefällt mir sehr, wie du diese Wohnung immer mehr zu _deinem_ Zuhause machst. Die Wohnung wird sehr Soda!

  7. Grilka schrieb:

    Sehr geile Idee! Aber das mit dem deformierten Knie ist mir auch sofort aufgefallen. Das würde mich auf Dauer echt nerven! Ich bin sehr auf das Ergebnis gespannt!

  8. Mina schrieb:

    Aaaaaawesome.
    Ich bin SOOO Neidisch.
    So ein großer muskulöser Truppler würde sich an meiner Schlafzimmertür auch gut machen..
    Wenn du ihn nicht zerlegen musst, kauf ich ihn dir gerne ab :D

    Ich bin auf das Endergebnis gespannt.
    Allgemein dein Wohnungsumzug und die Renovierung interessieren mich sehr, bei mir ist alles weiß geblieben, weil ich mich einfach nicht an Farbe traue und dann beim Auszug auch ein wenig Malerfaul bin xD

  9. Lu von Kreta schrieb:

    Jetzt lese ich deinen Blog schon so lange und habe noch nie was dazu gesagt. Aber heute kann ich nicht anders : Woooooooooooooooooooow …. genial …. DAS wäre was für meinen Mann :)
    Sehr geniale Idee …Der Trooper ist genial!!!
    Und die Tür Idee finde ich auch super !!!
    lG

  10. ette schrieb:

    Wow, das gefällt mir. Sowohl die Idee mit dem Vorhang als auch der Sturmtruppler und dass die Rückseite so komplett anders ist. Wobei mir der Mix aus Saristoff, blauem Barock und Star Wars wohl zu viel wäre, aber genau das mag ich an deinen Projekten: Dass du unheimlich viel machst wo ich sage ‚wow, gefällt mir, toll‘ und gleichzeitig auf Ideen und Kombinationen kommst, die mir im Leben nicht in den Sinn kämen, also wo ich noch nicht mal eine solche Idee hätte, selbst wenn ich sie vielleicht verwerfen würde. Ich liebe deinen furchtlosen Umgang mit Stilbrüchen, wo andere nichtmal die Möglichkeit zum brechen sehen, sagen wir es so!

  11. Kathi schrieb:

    Yeah, ist das cool! Auf die Kombi wäre ich nie im Leben gekommen, aber passt super. Sternenreich und Sturmtruppler, geheime Hintertür und das Universum.. hach. Und super umgesetzt bislang, ich bin gespannt aufs Endergebnis!

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