And she’s building a stairway to heaven

5. Januar 2013 (22:08 h) – Tags: , , , ,

Musik: Machine Head - Locust | Stimmung: Mini Oreos must die!

Meine neue Wohnung entwickelt sich in Phasen. Nach der Phase in der man voller Elan alles möglich gebaut und geräumt hat und dann irgendwann erschöpft auf dem Sofa kollabiert ist, die restlichen Umzugskartons seelig ignorierend, ist ja schon so gemütlich, kommt jetzt der Teil wo mich der übrige Umzugsmist wieder total nervt. Weg mit dem Gerümpel, ich will endlich fertig werden. Was jetzt noch rumsteht würde gerne noch zehn Jahre rumstehen, es muss also am liebsten sofort weg. Gleichzeitig hab ich mal eine Liste geschrieben mit allem was noch zu tun ist, Zimmer für Zimmer. Und die – schluck – ist leider doch noch recht lang. Also Zähne zusammenbeißen und weitermachen.

In dem Urlaub den ich zwischen den Jahren hatte wollte ich ganz viel schaffen. Geschafft habe ich ein bisschen was. Zu viele Bierchen mit Freunden, zu viel gefeiert und dann hat das Universum mir noch ein kleines Bonbon zugesteckt um mein amourös nicht so doll gelaufenes Jahr doch noch sehr nett abzuschließen. Ich beschwer mich ja gar nicht.

Nachdem ich die ersten Tage auf Arbeit genutzt habe um mich von meinem Urlaub zu erholen, habe ich dieses Wochenende schon wieder frei. Und jetzt fühlt es sich so an, als würde ich tatsächlich was schaffen. Ich war heute einkaufen (gesundes Zeug und kein Alkohol bis zu meinem Geburtstag, bei H&M durft auch noch ein niedliches Sternchenshirt aus dem Sale mitkommen), habe Möhren-Brokkoli-Nudelauflauf gemacht, die Wohnung durchgesaugt und die letzten Bilder im Schlafzimmer aufgehängt. Damit hatten Natron und ich bereits neulich angefangen, sowas macht sich wirklich viel leichter wenn man es zu zweit macht, aber dann kam (natürlich!) wieder ein Kneipenabend dazwischen. Also lagen die restlichen Bilder eine Weile, ich habe mir ihr Schicksal dann für heute vorgenommen weil ich morgen am Sankt Sonntag ja keinen Krach machen darf.

Die Fotos sind leider ein ziemlicher Negerkampf im Tunnel, es war draußen schon Nacht und so sehr ich mein dunkles Schlafzimmer liebe, fotografieren ließe sich weiß besser. Bitte das zu entschuldigen.

Dieses Bild und die Jugendstil-Klavierleuchter habe ich heute als erstes angebaut. Für die Leuchter musste ich bohren, das macht ja am meisten Lärm. Irgendwo in der Wand gehen auch Heizungsrohre lang, man spürt die Wärme durch die Tapete, glücklicherweise habe ich keins davon angebohrt. In der letzten Wohnung hatte ich die Kerzen neben einem Spiegel, irgendwie sinnvoller, aber egal. Jetzt rahmen sie ein Mustertuch ein was meine Mutter für mich nach historischer Vorlage gestickt hat. Dieses Wandstück ist genau gegenüber der Tür, also das erste was man beim Betreten des Zimmers sieht. Ich hab es bewusst etwas spartanischer gestaltet denn der Rest, ihr werdet es gleich sehen, ist ziemlich… öhm, üppig zugehängt.

Schon nah an der Petersburger Hängung, irgendwann werde ich auch noch Rahmen an Rahmen hängen. Links davon ist der oben gezeigte Wandabschnitt, direkt entlang der Wand steht mein Bett. Rechts erahnt man mit viel gutem Willen den Samtvorhang vorm Fenster. Es ist wirklich kein großes Zimmer. Aber, ahhh, machen die Bilder nicht alle Welt an Unterschied? Meiner Meinung nach kommen die Schnörkel, der Kronleuchter und der ganze historisierende Rahmen erst jetzt richtig zur Geltung.

Mittig unter den fledermausförmigen Schnörkel habe ich einen mal von einer Userin geschenkten Goldrahmen mit Böcklin-Poster gehängt. Das war ein ziemlicher Akt, denn das Bild habe ich erstmal mit der Wasserwaage ausgerichtet, dabei stellte sich heraus, dass weder die Decke noch mein Schnörkel gerade waren. Nun sah das Bild schief aus. Also habe ich es zur Decke ausgerichtet. Das funktionierte solange man direkt davor stand, von der Tür aus sah es trotzdem nicht gerade aus. Ich glaube, dieses Problem hat sich erst durch die gewaltige Menge der anderen Bilder und Bildchen gegeben. Arnold Böcklin, man verzeihe mir diesen Ausbruch von Klugscheißerei, ist übrigens rein zufällig auch ein Symbolist, genau wie Stefan George. Ich schwöre, ich mochte das Bild schon lange vor meinem Studium! Das muss doch Vorbestimmung sein.

Entsprechend reiht sich da weiter links auch der Rahmen ein, in den ich das letztjährig auf dem Flohmarkt geschossene Foto vom Wanderer zusammen mit einem George-Gedicht montiert habe. Der Rest sind Mitbringsel, Verwandte, Wedgwood-Kopien und Erbstücke. Links unter dem Böcklin habe ich alle Hochzeitsfotos zusammengestellt. Auch von Natron und Red ist eins dabei, künstlich daguerrotypiert. Auf dem Wandvorsprung ganz links sind drei ähnlich gerahmte Fotos untereinander angeordnet. Zwei tatsächliche Vorfahren und die erste meiner adoptierten Verwandten. Zufällig ergab das die drei Lebensalter, also haben Natron und ich ganz tiefsinnig noch eine kleine goldene Taschenuhr aus dem Erbe meiner Großmutter dazugehängt.

Eigentlich wollte ich die gegenüberliegende Wand frei lassen. Damit man auf dem Weg zum Bett keine Bilder von der Wand fegt und um dem Auge auch mal Erholung zu gönnen. Aber. Da waren ja noch soooo viele Bilder. Also ist es immerhin eine übersichtliche tag-cloud neben der Tür geworden. Ein altmodischer Lichtschalter wäre jetzt noch die Sahnehaube. In dem konvexen Sonnenspiegel sieht man übrigens das Mustertuch und die Klavierleuchter reflektiert.

Was fehlt jetzt noch im Schlafzimmer? Vor allem natürlich der Boss-Schnörkel an der Stirnwand. Ich drücke mich davor den mit Schablone zu machen und will mal bei meinen büroarbeitenden Freunden rumfragen ob da wer einen OH-Projektor übers Wochenende ausleihen kann. Das Astra-Brettchen ist auch noch nicht wieder an der Wand. Beim Umzug war ein P runtergekommen, das hätte ich problemlos ausgebessert. Bis Katze Toyah das Brett nochmal umwarf und alle Buchstaben abfielen. Justamente liegt das Ding aber mit trocknendem Kleber im Arbeitszimmer und der morgige Tag wird zeigen ob UHU-Alleskleber den Job hinkriegt oder nicht. Dann wollte ich auch noch das Kissen auf der Truhe in der meine Bettwäsche wohnt mit einem Rest Vorhangsamt beziehen. Und Herr Böcklin hätte in seinem Rahmen gerne eine Scheibe Plexiglas, dann würde er sich mehr wie ein richtiges Bild fühlen und weniger wie das Poster das er ist.

So, fragt ihr euch jetzt auch schon die ganze Zeit was das ewige Gelaber mit dem Titel des Eintrags zu tun hat? Und ob gerade ich nicht weiß, dass Led Zeppelin natürlich singen „And she’s buying a stairway to heaven“?

Also, da ist noch ein zweites Projekt was Natron und ich geschafft haben. Schon länger angeplant aber durch Ikeas Lieferschwierigkeiten zu einem Weihnachtsgeschenk für meine Katzen verzögert. Der Stairway To Heaven.

Ich weiß wie gerne meine Katzen in luftiger Höhe rumkramen. Hätte ich es vergessen, hätten mich ihre Kletterkünste auf meterhohen Umzugskartonstapeln dran erinnert. 2006, in meiner rosafarbenen Einzimmerwohnung, hockte dauernd eine Katze auf dem Schrank oder warf Bücher aus dem Regal. In der letzten Wohnung gab es dann leider keine solchen Aufstiegsmöglichkeiten. Das fanden die Tiere und irgendwie auch Frauchen schade. Also wollte ich ihnen eine Klettergelegenheit bauen die nur für sie und entsprechend sicher sein sollte. Aber hübsch halt auch noch. Kein pfötchenbemusterter Kratzbaum.

Es sind beschlaglose Regalbretter aus dem Ikea geworden. Das populäre LACK-Regal und sein Kumpel PERSBY. Damit habe ich eine Treppe zwischen Fenster und Sofa gebaut. Wie ihr seht hätte ich mir das unterste Brett sparen können. Aber egal. Sie werden ja nicht jünger, da wird die seniorengerechte Aufstiegshilfe vielleicht irgendwann geschätzt werden. Die Regalbretter sollen zwischen 5 und fünfzehn Kilo aushalten. Müsste für meine kleinen Moppel eigentlich noch reichen.

Ich habe jedes Brett mit einem zugeschnittenen Platzset bzw Tischläufer aus der Grabbelkiste beklebt. Damit die Haustiere beim Abstieg nicht übers Ziel hinausschliddern. Auf das oberste Brett will ich auch noch ein Kissen legen, sollte das als Plätzchen angenommen werden würde es die Verweildauer deutlich erhöhen.

Bisher hat leider nur Siouxsie das Kletterparadies erobert. Das allerdings sofort nach dem Aufbau. Man kann aus der Höhe ja auch so gut aus dem Fenster gucken. Als neulich ein Freund zu Besuch war und wir die halbe Nacht durchgequatscht haben lag Prinzessin Siouxsie auf der obersten Etage, Pfötchen über den Rand baumelnd. Und, ganz ehrlich, was kann man sich schon Dekorativeres ins Regal stellen als eine Katze?

11 Kommentare zu “And she’s building a stairway to heaven”

  1. Amy schrieb:

    Einen „Stairway to Heaven“ habe ich auch dieses Jahr für meine Katzen eingeplant – die Idee hatte ich schon länger, aber letztes Jahr kam ich leider noch nicht es umzusetzen.

  2. Amy schrieb:

    „noch nicht dazu“ meine ich natürlich!

  3. Goldkind schrieb:

    Ich bin total beeindruckt von deiner Schlafzimmerwandgestaltung, das sieht so toll aus!

    Und bei der Katzentreppe hab ich sofort gesagt, wenn ich mal Flauschige Mitbewohner habe, bekommen die auch sowas! :D

  4. Centi schrieb:

    Also da warst du doch ziemlich fleißig… unser letzter Umzug ist knapp zwei Jahre später noch nicht vollständig abgewickelt. :D
    Das Schlafzimmer wird total schön! Ich finde die Wandfarbe so toll. Und die Katzentreppe ist auch sehr nett. Das wird den Süßen schon gefallen. =)

  5. Sina schrieb:

    magst du vielleicht zukünftig mal berichten, wie sich die katzentreppe so erhält?
    darüber, diese unsichtbar befestigten regalbretter für die miezen zu nehmen, denk ich auch schon lange nach – ich fürchte nur, dass mein acht-kilo-kater den exitus für die dübel bedeutet.

  6. Maja schrieb:

    Hi ^^

    Ich hab deine Idee heut in ner Zeitschrift gefunden “ Laura Wohnen Kreativ “ Nr2 2013. da war auch ein Plattenspieler für Katzen drin … musst mal nach suck UK – Cat scratch suchen ^^ vllt is das ja was für deine Mietzen

    liebe Grüsse Maja

  7. Kasi schrieb:

    Ich liebe Deine Klugscheißer-Einträge. Man kann immer was lernen *zwinker*
    Petersburger Hängung z.B.
    Jetzt weiß ich dass meine Sammlung von Familien- und Erinnerungsfotos im Flur einen Namen hat.

    Dein Schlafzimmer ist so toll stylilsch, da kann man neidisch werden.

  8. ette schrieb:

    Dein Schlafzimmer ist so schön geworden. Ich schrecke bisher immer vor sehr dunklen Wänden zurück, aber mit dem Gold und den Bildern sieht es so elegant aus und gar nicht zu duster.
    Kaufst du die Rahmen eigentlich zusammen mit den Bildern oder sammelst du die separat?
    Und so einen Katzenspielplatz sollte ich für die nächste Wohnung (in der man dann hoffentlich Dübel in die Wände schlagen darf) im Hinterkopf behalten. Wie du schon sagtest, es gibt schöneres als Kratzbäume, ausserdem hat unser die besten Zeiten hinter sich (immerhin ist er ohne Pfötchenprint).

  9. Soda schrieb:

    @ette: Die Bilder kaufe ich ja meist auf Flohmärkten, die Rahmen dann dort wo sie möglich wenig kosten. Also zum Beispiel im Schnurkesladen oder 1-Euro-Shop. Dann sind sie zwar häufig nur Plastik oder haben die falsche Farbe, aber ich bemale die auch gerne. Und wenn sie einmal an der Wand sind fällt die mindere Qualität auch kaum mehr auf.

  10. Nimue schrieb:

    Der Böcklin ist auch mein Lieblingsbild… Die Insel gibt es übrigens wirklich (natürlich etwas größer ;-) ) Sie heißt Sveti Stefan und liegt in Kroatien.

  11. Oma schrieb:

    […] interessantes altes Foto gestoßen. Auch wenn echte (und auserwählte) Vorfahren normalerweise eher Sodas Hobby sind mache ich hier mal mit, denn das Bild passt thematisch einfach zu […]

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