Man erreicht mehr mit einem freundlichen Wort und einer Pistole als mit einem freundlichen Wort allein.

6. Februar 2013 (20:40 h) – Tags: , ,

Musik: Sabaton - Lion From The North 

Erstaunlich was man in elterlichen Kommoden noch findet wenn man was ganz anderes sucht. Und das kam so: Ich habe eine Vorliebe für alte Dinge, das wisst ihr. Alte Dinge erzählen Geschichten, haben Charakter. Wenn sie dann noch Familienerbstücke sind, umso besser. Als solches kam eine Armbanduhr in meinen Besitz. Die hatte mal mein Vater getragen. Das gute Stück ist ein wunderbares Relikt der Siebziger, ein dicker Wecker mit Sekundenzeiger der wie bei einer Automatikuhr schleicht und nicht ruckweise um die Stunde tickt. Die Uhr läuft aber mit Batterie. Kurios, toll, ein Erinnerungsstück an meinen Vater, ich liebe sie. Weil sie aber schon so alt ist krankt sie etwas und frisst Batterien in drei Monaten leer. Ich wollte bereits ein neues Uhrwerk einbauen lassen, aber solche Uhrwerke gibt es nicht mehr. Also werde ich der Uhr alle Vierteljahre eine neue Batterie spendieren, das ist sie mir wert, damite ich sie nur tragen kann. Und weil ich auf Arbeit ja irgendwie an der Quelle sitze, bat ich neulich meinen Kollegen mir die Uhr zu öffnen und die Batterie rauszuholen. Aber. Beim Zudrücken des Gehäusedeckels würde der Druck auf dem leicht vorstehenden Acrylglas lasten. Um das zu vermeiden bekam ich den Auftrag, etwas zu suchen, wo die Uhr so reinpasst, dass nur das Gehäuse aufliegt und nicht das Glas. Einen Plastikdeckel oder sowas.

Und mit diesem Auftrag durchkämmten meine Mutter und ich dann heute ihre Schränke. Es fand sich eine Dose Sunblock, Preisetikett sagte 4,99 DM, die war eh hoffnungslos abgelaufen. Den Deckel habe ich zurechtgefeilt und werde ihn mal meinem Kollegen präsentieren. Das war das. Und dann zogen wir noch die Schubladen einer anderen Kommode auf.

Und darin lagen diese beiden alten Luftpistolen. Mit dem langen Lauf (wenn man ihn spannt wird er kürzer) haben sie so etwas revolvermäßiges, deshalb wollte ich sie für mein Kuriositätenkabinett von Schlafzimmer haben. Ich musste zwar erstmal in den Garten gehen und ahnungslos an den Pistolen rumfummeln bis ich sicher war, dass da auch wirklich keine Munition mehr drin ist, aber davon abgesehen kann ein alleinstehendes Cowgirl sich ruhig ein paar Waffen ins Schlafzimmer hängen, man weiß ja nie, hier im Wilden Westen.

Die silberfarbene Luftpistole ist eine Diana Modell 2. Das steht drauf. Die andere scheint irgendwas ähnliches zu sein. Kurios ist auch das Motiv der Firma, das Modell 2 oben auf den Lauf geprägt hat.

Diana, die Göttin der Jagd, wirft Pfeil und Bogen fort während sie mit der anderen Hand triumphierend ein Gewehr in die Höhe streckt. Cupid bought a gun.

Zuhause bin ich dann mit meiner Beute durchs Schlafzimmer getigert und habe einen guten Platz zur Präsentation gesucht. Sie hätten auch gut über den Böcklin gepasst, aber da hätte ich das Bett abrücken müssen und so. Mindestens genauso schön sind die Pistolen nun an anderer Stelle.

Hab sie mit vier sehr langen Nägeln befestigt. Die hatte meine Mutter glücklicherweise auch noch parat.

Und so hängen sie jetzt unter dem Mustertuch, zwischen den Klavierleuchtern. Hat was Salonhaftes und erinnert mich an eine Szene im Briefwechsel zwischen den Dichtern George und Hofmannsthal, wo einer den anderen beinahe zum Duell („dem was mit Ihrem oder meinem Tod endet“) gefordert hätte. Machte man in den 1890er Jahren wohl noch so.

Und jetzt, wo ich neulich still und heimlich noch das Kissen auf der Truhe in welcher ich meine Bettwäsche verwahre in blauem Samt bezogen habe, fehlt im Schlafzimmer wirklich nur noch das große Schablonenmotiv an der Stirnwand. Das will ich aber ums Verrecken nicht mit Schablone machen. Muss mal irgendwo einen Projektor ausleihen gehen.

3 Kommentare zu “Man erreicht mehr mit einem freundlichen Wort und einer Pistole als mit einem freundlichen Wort allein.”

  1. Amy schrieb:

    Sehr sehr stylisch machen sich die zwei Luftpistolen unter dem Mustertuch und zwischen den Kronleuchtern. Genial :) Und mit Geschichte auch umso genialer. Find ich gut. Ich hab ja auch Opas Schwert neben dem Bett hängen, man weiß ja nie ;)

  2. Centi schrieb:

    Wie nett! An der Wand machen sie sich ganz hervorragend.
    (Und einer von den beiden hat tatsächlich „dem was“ geschrieben?! Die Herren Dichter… tztztz)

  3. Phosphor schrieb:

    Ich musste spontan an Han Solo denken (okay das ist die von Skywalker: http://culttvman.com/main/wp-content/uploads/2010/02/scopeblaster8435.jpg).
    Ich selbst hätte sie mit dem Lauf nach oben angebracht, kann dir aber kein tolles Argument dafür liefern. Schade dass man solche alten Uhrwerke nicht mehr bekommt. Aber ein Batteriechen alle drei Monate… geht.

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