We are legion, united in rain!

3. Juni 2013 (18:55 h) – Tags: ,

Musik: Kreator - Phantom Antichrist 

Bin zurück vom Beastival. Wir waren ja feiern in Bayern, und es war allem Spaß zum Trotz das nasseste Festival ever. Am Donnerstag hat für zwei Stunden die Sonne geschienen, das hat gereicht um uns allen einen Sonnenbrand zu verpassen. Danach sind wir nur noch abgesoffen. Kreator im Regen. Die Reiter im Regen. Kataklysm im Regen.

Zum Glück fahre ich ja nicht erst seit gestern auf solche Veranstaltungen. Mehr als eine Dekade Festivalerfahrung machen sich schon bewährt. Unsere Zelte waren sauber aufgebaut und stramm abgespannt. Mein Vermieter (aka der Kumpel in dessen Zelt ich eine Schlafkabine bewohnen darf) hatte sogar noch ein riesiges Tarp besorgt womit wir das Zelt noch zusätzlich abdecken konnten. Unsere Schlafplätze und Taschen sind also trocken geblieben. Gott sei es gedankt!


Kleiner Schuhvergleich. Am Donnerstag traut sich sogar noch einer Turnschuhe zu tragen. Vierundzwanzig Stunden später sieht die Sache schon ganz anders aus.

Und weil man nie, nie, nie nach Heimatwetter oder Laune packen darf, hatte ich auch in letzter Minute noch einen Friesennerz von meiner Mutter ausgeliehen. Meine eigene Regenjacke ist so eine mit kleinem Packmaß und wirklich nicht mehr dicht. Aber Mutters Nerz hat mir in Geiselwind mehr als den Arsch gerettet. Am Ende waren wir sogar zusammen crowdsurfen und jetzt darf ich ihn behalten. Die neuen Boots sind ebenfalls trocken geblieben und damit waren die wichtigstens Punkte abgehakt.

Das Beastival ist ja ein ganz neues Festival das zum ersten Mal stattgefunden hat. Und der einzige Kritikpunkt den ich wirklich anbringen muss ist, dass der Veranstalter im Vorfeld keine anständige Running Order zum Ausdrucken ins Netz gestellt hatte. Echt jetzt. Supertolles kleines Festival mit großen Bands.

Da das ganze hinter einem Autobahnrasthof (!) stattfindet ist die Infrastruktur bombastisch. Frühstück bei Subway, Käffchen bei McD und wenn die Festivalduschen voll sind geht man sich halt mit den Truckern duschen. Sonntag ist man auch gleich wieder auf der Autobahn und steht nicht noch zwanzig Käffer lang im Abreisestau.

Die kleinere Bühne befindet sich in einer Veranstaltungshalle in der man auch entspannt bei einem Captain-Cola mit dem Trocknen anfangen konnte. Korpiklaani lungerten da auch rum. Die große Bühne draußen stand auf Asphalt, was Schlammschlachten und Sabaton- Zitate („knee-deep in mud“) überflüssig machte. Der Zeltplatz ist eher hügelig, deshalb stehen die Autos extra und man muss sein Gerümpel tragen. Nagut. Ist immerhin das Wasser abgelaufen. Ein wenig.

Das einzige war also das Wetter. Und dafür kann kein Mensch was, also haben wir das beste draus gemacht und hatten WIRKLICH VIEL SPASS.

Am Mittwochabend haben wir nach dem erfolgreichen Aufbau von Zelten und Pavillions den Grill angeschmissen und gemütlich ins Festival reingefeiert. Zu späterer Stunde dann mit Flauschidecke und dicker Jacke. Im Laufe der Nacht lernten wir auch unsere bayerischen Zeltnachbarn kennen, die ihren Pavillion an unsere andockten und fortan amtlich mitfeierten.

Donnerstag führte uns erst auf eine falsche Fährte. Die Sonne schien. Alles total entspannt. Hier holen wir uns alle grade den Sonnenbrand der im Nachhinein einen völlig falschen Eindruck des Wochenendes vermitteln wird.

Und dann gingen wir irgendwann aufs Gelände um die ersten Bands zu sehen. Ganz fantastische Bands. Unter anderem Ex Deo die ich neulich in Berlin ja nicht sehen konnte. Männer in Römerrüstungen und Miniröckchen. Rrrr. Draußen haben die „Big Teutonic Four“ gespielt, also Tankard, Destruction, Sodom und Kreator. Das war Party, Regen, Bier und Party. Leider wurde es dann nachts auch kalt, meine Hose war vom Oberschenkel bis zum Saum klitschnass, der Regen lief einem den Nacken runter und wenn man jubelnderweise die Arme hob auch in die Ärmel, also haben wir vor dem Ende von Kreator die Segel gestrichen und sind zum Zelt zurück. Es tut mir so leid weil das neue Album auch so unglaublich toll ist, aber es ging dann nicht mehr. Kreator, wir sehen uns wieder! Irgendwo, wo es trocken ist.

Am Freitag dann weiter Regen. Wir gingen Shirts und Aufnäher kaufen (und Postkarten um Lücken in meiner Küche zu füllen!), stellten uns am Bierstand unter und wollten nur mal einen Blick auf die Reiter werfen. Die habe ich früher ja mal sehr geliebt und wir hatten viele Konzerte und Festivals lang großen Spaß zusammen, aber die letzten drei Alben sind nicht mehr meins. Aber da, im bayerischen Dauerregen, da eröffneten sie mit „Komm“ und spielten in der Folge fast nur alte Songs. Also ausgetrunken und ab nach vorne. Party on, wie früher. Das war meine Überraschungsband des Wochenendes und ich traue mich kaum zu hoffen, dass wir vielleicht doch nochmal zusammenkommen.

Anschließend traten unsere Römer nochmal auf, diesmal mit Camohosen, T-Shirt und offenen Haaren, als ihre eigentliche Band Kataklysm. Und die können halt einfach war. Meine Klamotten hatten den Kreator-Durchweichungsgrad zwar schon bei den Reitern erreicht, aber das war dann halt auch mal egal. Zugegeben war es aber weder so spät noch so kalt wie am vorherigen Abend. Wintersun und Trollfest habe ich mir anschließend aber trotzdem gespart.

Am Samstag merkte man dann einen deutlichen Anstieg der Besucherzahlen. Zwischenzeitlich war es leerer geworden weil etliche Camper mit ihren Zelten abgesoffen und vorzeitig abgereist waren, aber es gab auch Tageskarten. Die Tagesgäste konnte man sofort an ihren sauberen Schuhen erkennen und sie haben den Zuschauerraum auf den letzten Tag nochmal gut gefüllt.

Natron und ich hatten beschlossen keine Experimente mit nassen Bands auf der großen Bühne zu wagen und machten es uns drinnen mit Wisdom und Heidevolk gemütlich. Beide standen nicht auf meiner Liste, waren aber toll. Zuhause weiter reinhören. Erst kurz vor Mitternacht ging es wieder raus wo nach etlichen technischen Problemen dann eine von diesen Bands gespielt hat, die in meinem Freundeskreis eigentlich jeder mag und die noch kein einziges Konzert gegeben haben nach dem man nicht total begeistert war. Sabaton. Wie auch etliche andere Bands und der Veranstalter vorher, bedankte sich Sabaton bei „you crazy Germans“ fürs Durchhalten bei Mistwetter, es gab die „Noch! Ein! Bier!“-Spielchen und Pyros und exzellenten Powermetal zum Mitsingen und Rumfeiern. Was will man also mehr.

Jetzt bin ich also wieder zuhause, Stiefel sind wieder sauber, der Wäscheständer so voll wie lange nicht mehr und ich muss bloß noch den einzigen Kollateralschaden des Wochenendes reparieren, den zerstörten Reißverschluss in meinem Schlafsack. Umso mehr freue ich mich auf das zweite Festival der Saison. Bei schönem Wetter am slowenischen Strand. Dass es im nächsten Jahr wieder ein Beastival geben wird ist allerdings auch eine sehr gute Nachricht. Ich will das schließlich auch mal sehen, ohne dass nebenbei die Welt untergeht.


 

9 Kommentare zu “We are legion, united in rain!”

  1. Svensen schrieb:

    Danke fürs Bedanken, aber Sven reicht. Gott ist dann doch ein wenig over the top ;)

  2. Centi schrieb:

    Boah, wat Regen. Aber wenn man trotzdem Spaß hat, steigert dass den Erzählwert ja auch enorm.
    Am besten gefällt mir das Pizza-Bild. =)

  3. Hexenstern schrieb:

    Herr S. aus HH Harburg sieht aus als hätte er recht zugenommen *FG*Na Mann wird ja nicht jünger.

  4. B wie Benny schrieb:

    War nett euch kennengelernt zu haben.
    Mich wundert ein wenig, das dich der lange Fußweg vom Parkplatz zum Zeltplatz nicht gestört hat.
    Ansonsten fand ichs super.
    Gerne wieder :)

    Grüße aus Bayern.

  5. Svensen schrieb:

    Ja, das Foto erschreckt mich auch, Frau P. aus HH.
    So mopsig bin ich dann eigentlich doch nicht.
    Glaube ich zumindest. …

  6. Kathi schrieb:

    Muss das ein tolles Festivel gewesen sein, wenn du trotz des Wetters so begeistert warst. Ich war ja in der Nähe und weiß, wie es geschifft hat ;). Und trotzdem wünscht man sich fast, man wär dabei gewesen. Faszinierend. Coole Fotos auf alle Fälle, die richtig Lust auf Festival machen *schnüff* (wie soll es dann erst nach Slowenien werden??)

  7. ufi schrieb:

    nach der erzählung kommt dieses festival definitiv auf meine to-do-liste fürs nächste jahr!

  8. Hexenstern schrieb:

    Na Herr Svensen..woher soll ich das wissen .Ich hab euch alle ewig nicht gesehen ,seit ich es nicht mehr zu den jährlichen Helloween Parties schaffe .Vielleicht dieses Jahr mal wieder

  9. Auch eine Art Patchwork - Natron&Blog schrieb:

    […] Beastival hatte ich mir dann eine Liste gemacht, welche Aufnäher ich schon habe und welche ich noch suche, […]

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