A Light From The Shadows Shall Spring

13. Juli 2013 (15:32 h) – Tags: , , ,

Musik: Iced Earth - V | Stimmung: Penicillin! Eine der größten Entdeckungen des zwanzigsten Jahrhunderts!

Es geht mit sehr großen Schritten Richtung Sommerfestival und ich hatte Lust meine Garderobe noch um was Einfaches zu erweitern. Ich kann zwar momentan nicht richtig am Sommer teilnehmen weil ich mit einer Mandelentzündung krankgeschrieben bin. Nach hundert Jahren nehme ich jetzt mal wieder Antibiotika, die natürlich sensationell angeschlagen haben. Ich fühle mich also nicht ganz mies. Aber neue Klamotten heben die Stimmung und das schadet ja nie.

Ich stieß also neulich erst im Internet und später auch im echten Leben auf eine schöne luftige Variante eines Sommershirts. Sowas hier, Ärmel raustrennen, Seiten aufschneiden, zusammenknoten, fertig. Stellte ich mir ganz einfach vor und als guten Kombipartner für neonfarbene Bikinioberteile (davon habe ich kürzlich jede Menge gekauft) oder Spitzen-BHs.

Am lässigstens wäre das Top natürlich aus einem opferbereiten Bandshirt oder irgendwas mit verwaschenem „Wolf heult Mond an, im Hintergrund Wasserfall oder Indianerhäuptling“-Motiv. Hatte ich beides nicht. Hab also auf ein simples schwarzes Shirt zurückgegriffen. Größe XL, stinklangweilig, aber immer gutes Ausgangsmaterial für Umgestaltungen.

Das wurde gewaschen und dann habe ich mutig die Schere gezückt. Kragen raus, Ärmel ab, Seitennähte weg. Anschließend habe ich die Saumzipfel von diesem Poncho geknotet und das Ding anprobiert. An den Seiten konnte unterhalb des ehemaligen Armausschnittes noch Stoff weg, an den Schultern auch, aber den habe ich erstmal zusammengerafft. So matschbirnig wie ich krankheitsbedingt bin wollte ich da nicht zu viel wegschneiden.

So sah es dann schonmal aus. Vorne habe ich eine Sicherheitsnadel an den Ausschnitt gepinnt damit ich es nicht verkehrt herum anziehe. Es stellte sich heraus, dass die Höhe in der man die Knoten setzt nicht ganz unerheblich ist, und auch an den Schultern habe ich später noch mehr Stoff untergefaltet. Die Form war aber nur eine von zwei Baustellen.

Ich meine: Nichts gegen schwarz! Aber da ginge noch mehr, dachte ich mir. Irgendein einfaches Schablonenmotiv. Wenn man doch bloß schon irgendeine Schablone hätte, von einem anderen Projekt, irgendwas das in Größe und Motiv passen würde…  Gab es leider nicht. Ich wollte mir aber wirklich nicht übermäßig viel Arbeit machen (ich weiß ja wo das bei mir schnell hinführt) und dachte über einfache Bandschriftzüge nach. Slayer. Schön unkompliziert. Oder nur das S von Sepultura. Wenn man das groß genug macht ist es auch nicht so fummelig. So ein Shirt wollte ich mir neulich schon fast kaufen. Außerdem könnte man Sepultura so tribalmäßig mit Bleiche umsetzen. Bleiche wollte ich gerne nochmal probieren. Sepultura hatte also gewonnen.

Ich teilte das Logo mittig damit ich es auf zwei Bögen Freezerpaper ausdrucken konnte. In fast DIN A3 waren die neunzigerjahremäßigen Knochentribaltattoomuster dann auch nicht mehr kompliziert auszuschneiden.

Jetzt kam der Chlorreiniger ins Spiel. Weil ich lange nicht mehr damit gearbeitet hatte und das Zeug ja viel flüssiger ist als Stoffmalfarbe, wollte ich erstmal ausprobieren wie es sich in Kombination mit einer Schablone verhält. Nicht, dass das am Ende alles drunterläuft. Ich griff mir also einen Jerseyrest und bügelte die Schablone erstmal da drauf. Dann zog ich Handschuhe an und tupfte die Bleiche mit einem Schwamm auf.

Da ist was verlaufen und die Farben sind auch nicht sehr gleichmäßig geworden. Man hat da nicht so viel Kontrolle drüber weil es ja immer einen Moment dauert bis die Bleiche wirkt und der Stoff heller wird. Das Fleckige ist prinzipiell keine Katastrophe, aber man erkennt das Motiv halt schlechter. So ganz zufrieden war ich nicht, vor allem weil die Ränder teilweise so unscharf waren. Hm. Irgendwo hatte ich doch mal gelesen, dass man Bleiche auch gut mit einem Zerstäuber aufsprühen kann (das war ua hier). Damit hatten andere Menschen ganz tolle Motive mit Helligkeitsabstufungen hinbekommen (hier sind ein paar sehr schöne dabei). Ich fühlte mich herausgefordert. Und war mein Sprühdeo nicht ohnehin grade leer geworden? Ich rettete die Flasche vor dem Müll. Vorteile: Sie ist aus Glas, da frisst nichts durch, und sie sprüht sehr fein.

Erstmal hatte ich aber die Sepultura-Schablone beim zu schnellen Ablösen vom Teststoff zerrissen. Kleine dünne Stellen die mit Flüssigkeit aufgeweicht waren und meinen hektischen Da-suppt-was-durch-ich-seh-es-genau! nicht standhalten konnten. Ich konnte das aber reparieren als ich die inzwischen getrocknete Schablone auf mein Shirt gebügelt habe. Über die gerissenen Stege habe ich einfach schmale Streifen Freezerpaper gebügelt, das hat gut funktioniert.

Dann bin ich mit der ganzen Aktion auf den Balkon umgezogen. Sprühen ist ja potentiell noch viel gefährlicher als Bleiche mit Schwämmchen aufzutupfen. Das geht überall hin. Da sollten keine neugierigen Haustiere rumkramen und einatmen muss das auch nicht jeder. Ein altes Shirt anzuziehen ist auch keine schlechte Idee.

Um die Schablone herum habe ich den Stoff mit aufgeschnittenen Plastiktüten abgeklebt. Außerdem Handschuhe getragen und sicherheitshalber mal eine Rolle Küchenpapier daneben gestellt. Und dann gings los.

Ich sprühte vorsichtig und wartete was passierte. Und der Stoff verfärbte sich langsam in ein sehr gleichmäßiges rostrot. Total gleichmäßig! Ich habe nichtmal einen (gewollten) Helligkeitsverlauf hinbekommen oder anständige Kleckse die dann wie Sterne aussehen könnten. Sowas. Davon abgesehen hat das Sprühen den großen Vorteil, dass die Schablone nicht so durchweicht weil man quasi in die Luft über dem Shirt sprüht und der Bleichenebel sich dann nur ganz leicht auf den Stoff und das Papier setzt. Ich hab die Schablone schnell runtergezogen weil ich panisch war, dass da wieder was runterläuft, aber das tat es nicht. Man könnte also ruhig abwarten bis es getrocknet ist und dann nochmal nachsprühen wo es heller sein soll. Mach ich beim nächsten Mal so.

Diesmal habe ich die Schablone beim zweiten Abziehen total runiniert, was aber nicht so schlimm ist. Im Wiederverwenden von mühsam aufbereiteten Schablonen bin ich ohnehin nicht annähernd so gut wie ich sein sollte. Ich freue mich mehr über die astreinen Kanten meines Motivs. Die habe ich mit Stoffmalfarbe noch nie so sauber hinbekommen.

Das Shirt ging dann erstmal in die Waschmaschine. Bleiche auswaschen. Über Nacht konnte das ganze nun trocknen und ich zeige euch heute wie das Shirt am Ende aussieht. Toll nämlich.

Der Ausschnitt wellt sich etwas weil er so weit ist, dabei hatte ich nur das Halsbündchen knapp herausgeschnitten. Egal. Ist lässig. Das Shirt sitzt locker, unten bildet sich eine Art engerer „Bund“ weil ich die Seiten relativ hoch geknotet habe und den Stoff darunter nicht abgeschnitten sondern  mit reingeknotet habe. Das könnte man aber noch ändern, auch noch last minute in Tolmin. Schere hat sicher irgendwer dabei.

Die Seiten sind offen, dadurch ist es total luftig. Aufgrund der großzügigen Einblicke würde ich es vielleicht nicht im Alltag zur Arbeit tragen, aber für Strand und Party ist es toll.

Der Farbton vom gebleichten Motiv passt toll zu meiner Haarfarbe, deshalb gefällt mir die Kombination mit schwarzem Bikinitop noch besser als neon. BH mit Seitenteil aus Spitze wirkt viel verbotener, aber auch das ist nicht ganz verkehrt. Je nach Anlass.

11 Kommentare zu “A Light From The Shadows Shall Spring”

  1. Teleri schrieb:

    Mir gefällt der verlaufene Testlauf eigentlich auch recht gut. Machst du daraus noch was? Ein Kosmetiktäschi oder Schlampermäppchen, bei dem man erst beim zweiten Hinschauen sieht, was das Motiv eigentlich darstellt?

  2. Medea schrieb:

    Das Shirt ist sooo genial, vor allem mit dem Motiv! Und die ausführliche Anleitung zum bleichen erst recht :)

  3. JJ schrieb:

    DU bist wunderschön.

  4. Centi schrieb:

    Mandelentzündung, du Ärmste! Das ist so fies… ich hoffe, du bist jetzt schnell wieder ganz auf den Beinen.
    Mir gefiel die erste Motiv-Variante auch sehr gut. Ich mag das Fleckige.
    Und die T-Shirt Umgestaltung ist super. Nichts fürs Büro, aber für den richtigen Anlass die perfekte Mischung aus sexy und schluffig. :)

  5. Miss Erable schrieb:

    Gaaanz toll geworden! Bin auch großer Sepultura-Fan und bin ganz angetan von der Idee. Hatte schon mal eine ähnliche, weil die Bleich-Farbe so perfekt dazu passt! Toll gemacht!!!

  6. Bronwen schrieb:

    Total super. Und so ordentlich! O.O (Naja, irgendwie hätte ich von dir aber auch nichts anderes erwartet. Klingt das jetzt blöde? Eigentlich sollte das ein Kompliment sein.)
    Auch von mir noch mal danke für die Anleitung. Ich hatte Bleichen nach ein, zwei ziemlich gräßlichen Experimenten vor vier, fünf Jahren eigentlich aufgegeben, aber vielleicht probier‘ ich’s jetzt doch noch mal aus. Merci. :)

  7. Eliandhra schrieb:

    Das sieht absolut klasse aus! Ich muss das unbedingt mal ausprobieren. Also, Bleiche und Schablone meine ich. Mir gefällt der fleckige erste Versuch eigentlich auch ziemlich gut, mit dem Motiv zumindest sieht es gewollt aus.
    Und von mir auch gute Besserung!

  8. Nebo schrieb:

    Hossa, das ist aber schick geworden!
    Ich hoffe, die fleckige Variante darf auch noch weiterleben, der Effekt ist so was von kuhl!

    Gute Besserung!

  9. Schwarzes_Schaf schrieb:

    Danke für die Inspiration, liebe Soda :-)
    Die große Hitze hat mich heute auch dazu bewogen, ein Shirt auf diese luftige Weise umzugustalten :-)
    So ists wahnsinnig fein, wenn der Wind ein bisschen an die Haut kann!

  10. Alekto schrieb:

    genial! wie kommt man bloß immer auf so erstaunliche ideen? ich will auch… gehirn, denk jetz was gscheits dir aus…. jetz mach endlich… gschschsch… flimmern….. -.-

  11. Bayernpirat schrieb:

    schick schick – saubere Arbeit!

    Habe auch schon diverse Sachen mit Chlorbleiche gemacht, mitunter auch das Tribal von Sepultura.
    Hier ist ein Link zu nem Shirt mit 5 Motiven drauf:

    http://tshirtslayer.com/tshirt-or-longsleeve/diy-longsleeve-bleached-thrash-allover

    Da ich aber Schablonen aus Folie oder Pappe zu fummelig zum herstellen finde und auch nicht so haltbar sind habe ich begonnen, sie aus Sperrholz auszuschneiden – Vorteil: länger haltbar und das Sperrholz saugt überflüssiges Material auf und es kann weniger unterlaufen.

    Wenn du Bock hast dann schau mal bei tshirtslayer.com rein, dort kannst du auch solche Sschen posten.

    Mich findest du dort unter Bayernpirat (habe da noch mehr Bleichsachen)
    http://tshirtslayer.com/patch/megadeth-diy-backpatches-testing-my-vic-rattlehead-stencil

    Pommesgabelgruss

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