Schlafzimmer-Level completed.

14. August 2013 (07:45 h) – Tags: , , ,

Ganz weit unten auf meinem Klemmbrett, vergraben unter Zeichnungen und Notizen, befindet sich die Masterliste für alles was in meiner Wohnung noch zu tun ist. Diese hatte ich begeisterter Listenschreiber angefangen kurz nachdem ich hier eingezogen war. Nach Zimmern sortiert steht da alles drauf was ich noch machen will. Und wenn mir noch was einfällt wird die Liste natürlich immer länger. Der Punkt „Wohnzimmer“ sieht noch sehr traurig aus, aber ich stell mich wirklich an wenn es darum geht mit dem Raum mal voranzukommen. Wandfarbe und so. Sigh.

Das Arbeitszimmer dagegen ist laut Liste schon fertig. Deckenlampe, Rollos… alles angebracht. Das Badezimmer bedarf eigentlich nur noch ein paar Kleinigkeiten hätte ich nicht neulich noch eine genial-bescheuerte Idee für die wenige Wandfläche in dem Zimmer gehabt.

Einen anderen Raum konnte ich jetzt aber komplett abstreichen und da bin ich auch sehr stolz drauf, es ist dort ja nicht grade wenig geschehen. Das Schlafzimmer. Erst habe ich die Wände blau gestrichen, dann Stuck aufgeklebt, Vorhänge genäht, Schnörkelborten aufgemalt, Dutzende Bilder aufgehängt, etc. Es blieb als Endgegner nur noch der sogenannte Masterschnörkel über. Eine Art Torbogen den ich auf die Stirnwand malen wollte.

Eigentlich sollte das mit einer Projektion geschehen weil die Schablonen für die Bordüren angesichts der Rauhfasertapete nicht so gut funktioniert hatten. Aber einen Projektor zu improvisieren oder auszuleihen war gar nicht so einfach. Also habe ich das geknickt und schlussendlich doch wieder Schablonen gemacht.

Der Torbogen ist aus verschiedenen Motiven zusammengesetzt, ich habe mich hier aus dem Nachdruck eines Schablonenkatalogs von 1910 bedient. Bis das am Rechner erstellt, skaliert und auf A4-Größen aufgeteilt war dauerte es relativ lange. Dann konnte ich die Krone (=den oberen Teil des Tores), die Füße und seitlichen Ranken jeweils auf unzählige Bögen Papier ausdrucken und zusammenpuzzeln wie einen Schnitt von Burdastyle.

Entsprechend habe ich die Teile dann auch ausgeschnitten, allerdings so, dass Positive übrigblieben. Mithilfe einer Mittellinie habe ich die Kronenhälfte dann an die Wand positioniert, mit Klebestreifen fixiert und mit einem gelben Buntstift umrandet.

Und dann mussten die Formen ja nur noch mit Pinsel und Abtönfarbe ausgemalt werden. Haha. Nur noch. Das war ein ganz schönes Gefrickel. Überkopf, auf der Leiter, ohne irgendwo anzutatschen wo die Farbe noch nass ist.

Die Seiten habe ich, wie auch die Linien an den Bortenschnörkeln unter der Decke, mit Klebeband begrenzt. Dann entsprechend die Fußteile positioniert und ganz am Ende die kleinen Ranken die sich um die Seiten winden aufgesetzt. Da musste dann auch die blaue Wandfarbe nochmal ran. Konnte ich immerhin gleich meine Patzer an anderen Stellen korrigieren.

Am Boden rumzukrauchen und  diese Muster zu malen wo man eigentlich gar keinen Platz hat und mit dem Pinselstiel an die andere Wand stößt hat auch nicht so richtig Spaß gemacht. Aber nach zweieinhalb Tagen war der Schnörkel fertig.

Es war mir ein Bedürfniss die Schlafzimmerwände wie geplant fertig zu stellen. Ich hasse es wenn solche tollen Projekte erst verschleppt werden und dann irgendwann halbfertig dahinsterben weil man sich schon so an den Gedanken gewöhnt hat, dass das eh nich fertig wird. Davon abgesehen erfüllt der Torbogen eine metaphysische Aufgabe in dem unwirklichen Schlafzimmer was ich als Rückzugsort von der Welt betrachte.

So sieht es aus wenn man im Bett liegt. Ich habe die Truhe nonchalant vor einen der Füße des Torbogens gestellt. Da stand sie vorher auch und ich finde es ehrlich gesagt auch eher lässig wenn das Motiv so marginal verdeckt ist.

Also, die Methode mit Positivschablonen eigenet sich für Rauhfaserwände recht gut. Ich glaube nicht, dass es sehr viel länger dauert das Motiv mit Pinsel sauber auszufüllen als Schablonen auszumalen und dann alle Kanten mit der Wandfarbe korrigieren zu müssen. Ich würde es jedenfalls wieder so machen, auch wenn ich grade ein wenig von Wandmalereien geheilt bin.

Das wichtigste ist aber wie glücklich ich mit dem fertigen Zimmer bin. Überhaupt war es total schön, nach dem Urlaub in meine Wohnung zurückzukommen. Die entwickelt sich in die richtige Richtung. Insofern sollte ich Projekte Wohnzimmer/Balkon nun auch nicht mehr so ewig aufschieben…

14 Kommentare zu “Schlafzimmer-Level completed.”

  1. Alexia schrieb:

    Oh, wow! Das sieht ja wirklich genial aus. Die fummelige Arbeit hat sich da echt gelohnt. Das sieht wirklich wie ein Tor in eine andere Welt aus.

  2. racamiri schrieb:

    Wahnsinn. Dieser Masterschnörkel und du auch ein bisschen. Diese futzeligen Details…
    Ich wünschte, ich hätte nur ein Zehntel deines Elans, wenn es um solche Dinge geht. Deine letzte Wohnung war ja auch schon sehr liebevoll gestaltet, hast du das beim Auszug gnadenlos überstrichen oder konnte sich dein Nachmieter daran erfreuen? Ich glaube, ich würde so etwas nie kaputt machen, wenn ich es in einer potentiell neuen Wohnung vorfände.

  3. Farbenreaktion schrieb:

    Wow, das sieht wirklich absolut großartig aus! Die ganzen Details! Ein Dimensionstor in die Traumwelt.

  4. Hana Mond schrieb:

    Wow, wunderschön! Ich bin normalerweise kein Freund von Wandgemale, aber das kann mich tatsächlich begeistern.

  5. Soda schrieb:

    @racamiri: Bis jetzt habe ich noch nie an einen Nachmieter übergeben, also wurde schweren Herzens übergestrichen. Das tut schon weh. Aber hier plane ich ja, nie wieder auszuziehen ;)

  6. Tetris schrieb:

    Ahhh, das ist wirklich wahnsinnig toll geworden! *Wand ansabber* Ich bewundere deine Geduld :)

  7. Goldkind schrieb:

    Wow ist das schön! :D

  8. Kleine Frau schrieb:

    Die Arbeit hat sich echt gelohnt, es sieht richtig, richtig schön aus!
    Neben dem Motiv an sich gefällt mir auch noch deine Bedeutung dafür, dass es der Eingang zum „Rückzugsort von der Welt“ ist.
    So sehe ich mein Bett auch, deswegen hab ich da auch nur dunkle Vorhänge drumrummontiert. Vorhang zu, Welt aus, Rückzug perfekt. :D

  9. Eliandhra schrieb:

    Wunderschön geworden! Die Arbeit hat sich echt gelohnt!

    Ich mag das letzte Bild mit Katze. Katzen, so habe ich grad gestern wieder gehört (ich hab die „Wächter der Nacht“-Reihe als Hörbuch wieder angefangen), können sich gleichzeitig auf allen Realitätsebenen bewegen – und beim Anblick dieses Bildes habe ich daran überhaupt keine Zweifel mehr ;)

  10. Epimedia schrieb:

    Wunderschön! Da hat die Arbeit sich wirklich gelohnt. Erinnert mich ein bischen an das Tor nach Moria, was ja auch irgendwie etwas magisches hat und in eine „andere Welt“ führt. ;)

    Kleiner Tipp, wie man sowas auf Rauhfasertapete auch machen kann: Eine Negativschablone ankleben und erst mit der Wandfarbe ausfüllen. Dadurch werden die Lücken am Rand geschlossen und wenn man nach dem Trocknen dann nochmal mit der Motivfarbe drüber geht, werden die Ränder eigentlich auch sauber.
    Das hängt sber natürlich davon ab, wie stark deine Tapete strukturiert ist.

  11. Hexenstern schrieb:

    Ich bin kein Freund von Blau im Schlafzimmer ,weil es einfach nicht meine Farbe ist ,aber Dein Schlafzimmer sieht so toll aus .Ich liebe den Vorhang und ich mag den Winkel am Eingang mit der Truhe total.Tolles Nest hast Du Dir da gebaut

  12. Laura schrieb:

    Das ist ja total schön und es passt so gut zum Holzboden und den Tür-Holzrahmen. In welchem Bezirk wohnst du denn, das du so ne schöne Wohnung hast? Bei mir in Moabit haben sie viele Wohnungen mit so gruseligem Plastikboden ausgestattet und das schimpft sich dann saniert. Habe einen Bekannten beauftragt mit ein Plateau zu bauen, hab jetzt auch endlich mal in eine neue Schlafunterlage investiert.

  13. Soda schrieb:

    @Laura: Ich wohn in Neukölln. Dass ich so eine schöne und bezahlbare Wohnung bekommen hab hatte aber auch viel mit Glück zu tun. Seit wir als Kreuzkölln vermarktet werden ist der Wohnungsmarkt hier auch ein ziemlicher Albtraum geworden.

  14. Grilka schrieb:

    Du bist immer so wahnsinnig mutig mit Farbe. Ich traue mich immer nur, eine Wand knallig zu machen. Dabei plane ich schon ewig mein Schlafzimmer zu maritimieren ;o)
    Ich liebe dein Farbgefühl und dein Gespür für Ästhetik. Ich wünschte, ich hätte ein Zehntel davon!

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