With your leather and your spikes

26. Februar 2014 (10:49 h) – Tags: , ,

Musik: Machine Head - Left Unfinished | Stimmung: Ich mach sie doch fertig, Machine Head!

Neulich war ich mit Natron und Red bei Iced Earth in Hamburg. Die Vorbands haben schon mächtig Stimmung gemacht und erfahrungsgemäß ist das Publikum in der Markthalle ja auch immer entspannt und gut drauf. Wir standen also im Innenraum und warteten auf den Hauptact. Um uns herum wurden bereits begeistert die Pausenfüller-Songs vom Band mitgesungen. Dann tippte der Typ der hinter uns stand Natron auf die Schulter. Stellte sich heraus, er war total begeistert von ihrer Kutte, vor allem von dem Backpatch, in den sie ja noch einige Verschönerungsarbeit investiert hat. Das passiert regelmäßig wenn ich mit Natron auf Konzerten oder Festivals bin. Und klar, wir loben zumindest untereinander ja auch wenn jemand zB einen kompletten Dragonforce-Schriftzug auf seine Kutte gestickt hat. So absurd wie es auf den ersten Blick erscheint, in eine Metaller-Kutte fließt auch jede Menge Handarbeit. Und je origineller und liebevoller die umgesetzt ist, umso mehr beeindruckt mich das.

Ihr seht es also auch schon heraufdämmern: Da verbinden sich zwei meiner Leidenschaften. Es ist also bereits mehr als Zeit, dass ich auch eine Kutte trage. Den konkreten Plan hatte ich bereits beim Paradise im November gefasst und war danach bei einem Hamburgbesuch auch schon im Kleidermarkt um Ausgangsmaterial in Form einer Jacke zu kaufen. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, meine Kutte aus einer Armeejacke zu machen, weil ich neben Reds schwarzer und Natrons Denimkutte gerne eine eigene Grundfarbe hätte. Außerdem trage ich panzergrün inzwischen sehr gern weil es einen schönen Farbkontrast zu meiner Haarfarbe bildet. Also kaufte ich eine Armeejacke.

Das hier ist, wie sich später herausstellte, offenbar ein Modeklassiker. Eine italienische Armeejacke aus den später Siebzigern, an den Sternen auf dem Kragen, schrägen aufgesetzten Taschen und dem Gummizug in der Taille zu erkennen. Das ist wirklich eine lässige Jacke die sich bestimmt vielfältig hätte stylen lassen. Tatsächlich war ich sofort versucht sie nicht für eine Kutte zu kaufen, aber dann fand ich auf dem selben Ständer noch einen flecktarngemusterten Überzieher der den Zweck einer grungemäßigen Alltagsjacke wunderbar erfüllen konnte, und so durfte die Italienerin Kutte werden. Was ja auch nicht das schlechteste Schicksal ist.

Erstmal habe ich die Ärmel und daran angeschnittenen Seitenstreifen rausgenommen, den Gummizug entfernt, das Baumwollfutter komplett rausgerissen und die Jacke deutlich gekürzt. Die aufgesetzten Taschen mussten ebenfalls dran glauben, hinten habe ich die Bewegungsfalte rausgenommen und natürlich die Armausschnitte auch an einen deutlich schmaleren Korpus angepasst. Von der ursprünglichen Jacke ist gar nicht mehr so viel Material übrig geblieben.

Den Kragen mit den Sternen habe ich natürlich unberührt gelassen, sogar die untergeknöpfte Sturmklappe ist noch dran. Die Schulterriegel hatte ich rausgetrennt und habe sie dann ein kleines Stück nach innen versetzt wieder rangenäht. Auch den Klett fürs Namensschild, den ich abtrennen musste um die Armausschnitte anzupassen, habe ich wieder drangenäht. Es kann sein, dass der irgendwann der Patchgestaltung weichen muss, aber erstmal will ich ihn dranlassen.

Im Nacken habe ich einen waagerechten Abnäher gemacht, da beulte der Stoff weil er ja eigentlich eine weite Jacke mit beuteligem Rücken sein will. Diese Naht verschwindet vermutlich auch irgendwann unter Aufnähern.

Auf Anraten von Natron habe ich schlussendlich aus dem Futter noch eine kleine Innentasche mit Klett genäht und mit einer einzelnen Naht befestigt. Sollte das zu unhandlich sein kann man sie später noch weiter annähen, wenn die Aufnäher drauf sind. Ich denkte für so Kleinkram wie Ohrstöpsel, Paycard oder Pfandmarken kann man gut eine Innentasche gebrauchen.

Die Kutte befindet sich jetzt also in ihrem jungfräulichen Urzustand. Nicht mehr Armeejacke, aber auch noch keine Aufnäher drauf. Das wird auch nochmal eine ganz eigene Herausforderung werden. Ich habe mir in den Kopf gesetzt ein Farbschema einzuhalten und nur Patches in den Farben schwarz, weiß, rot und silber aufzunähen. Da gibt es viele, aber eher früher als später werde ich wohl *den* Patch finden der dann aber leider gelb oder grün ist und nicht mitmachen darf. Als Backpatch muss natürlich was von der Lieblingsband draufkommen. Lieblingsalbum „Ride The Lightning“ ist lila (da geht es schon los), also spekuliere ich auf das Motiv von „Kill ‚em All“. Online war es nicht dingfest zu machen, aber Aufnähershopping macht auf Festival eh mehr Spaß. Langfristig will ich dann noch viele Nieten für den Achtziger-Kitschfaktor dazubauen. Wir werden sehen.

Bisher habe ich die Kutte über Shirts mit Ärmeln, ärmellosen Shirts und Kapuzenjacke probiert und was soll ich sagen: Ich bin wirklich kein Freund von Westen, finde ich normalerweise schrecklich, aber die hier, die kann was. Die gefällt mir jetzt schon, deshalb wir sie mit Aufnäher dann später vermutlich fantastisch aussehen. Ich freu mich schon total auf die Festivalsaison.

6 Kommentare zu “With your leather and your spikes”

  1. irrlicht schrieb:

    *g* Das gleiche Farbschema hatte ich mir für meine Kutte auch vorgenommen, allerdings ist das exorbitant schnell mit dem gelben Blind Guardian-Patch gestorben, der mir beim Aufräumen in die Hände fiel.

    Panzergrün als Grundfarbe plus Details sind auf jeden Fall schon einmal toll.

  2. Teleri schrieb:

    Aber.. aber.. Blind Guardian!

  3. Frostwyrm schrieb:

    Meine Kutte ist aus einer Second Hand Jeansjacke entstanden, leider ist sie beim Färben statt schwarz nur dunkelblau geworden.
    Ich liebe Kuttendokus und bin sehr gespannt auf deine, Nieten für 80er Jahre Kitschfaktor klingt nach einem guten Plan (den verfolge ich auch) :)

  4. Soda schrieb:

    @Teleri: Keine Sorge, die habe ich schon. Drachenmotiv in schwarzweiß ;)

  5. Teleri schrieb:

    Puuuh, gerade noch so gerettet, Frau Soda!

  6. caly schrieb:

    Nach dem ersten Bild der Jacke konnt ich mir so überhaupt nicht vorstellen, dass das Ergebnis irgendwas gleich schauen kann, vorallem wegen dem Gummizug. Aber vom bisherigen Ergebnis bin ich absolut beeindruckt, stell ich mir toll mit Patches vor und erst recht zu deiner Haarfarbe. Hut ab, dass du in dem Originalding das Potential erkannt hast.

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