Guten Tag, kann ich Ihnen was aufschwatzen?

1. März 2014 (18:05 h) – Tags: , ,

Musik: Kiss - God Gave Rock 'n' Roll To You 

Es ist nicht besonders warm in der großen Stadt, aber dafür wunderbar sonnig. Ich habe ein freies Wochenende und musste mir für die bestandene Stresswoche was gönnen. Also war ich trödeln, was Besseres gibt es bei Sonnenschein und Frühlingsfrischluft fast gar nicht.

Am Freitag besuchte ich erstmal den Möbeldealer in der Richardstraße und sah mich nach einer Kommode fürs Wohnzimmer um. Die Kommode soll an die Wand gegenüber des Sofas und sie ist fürs Vorankommen des gesamten Wohnzimmers so etwas wie das lange Element für ein gewonnenes Tetris-Level: Ohne kommt man einfach nicht weiter. Ich will noch Bilder und anderen Scheiß an und vor die Wand hängen, aber ich weiß ja nicht wohin wenn ich nicht weiß wie groß die Kommode wird. Das bremst mich also schon eine Weile, deshalb hat die Kommode inzwischen eine recht hohe Priorität. Der Kieztrödler war nett und hatte auch ein paar Kommoden die er mir sogar nach Hause liefern würde. Alle nicht in Top-Zustand, aber ich habe ohnehin festgestellt, dass mich immer grade die schrabbeligen Exemplare interessieren. Viele Schränkchen waren ziemlich groß, mehr für die 200-qm-Wohnungen die man im neunzehnten Jahrjundert offenbar so eingerichtet hat. Ich hab jetzt zwei bis drei Modelle in die Auswahl genommen aber noch nichts gekauft.

Heute bin ich dann erstmal auf den Fehrbelliner Platz gefahren. Ohne irgendwas zu suchen, einfach so zum Stöbern. Die Gesellschaft von altem Kram macht mich glücklich. Ich hab ein paar Jugendstilbroschen angeschaut und einen mentalen Vermerk zum Teppichhändler gemacht, der hatte nämlich auch so kleine orientalische Brücken wie sie gerne noch bei mir ins Wohnzimmer einziehen dürfen. Neben dem ganzen Gerümpel was man kaufen könnte, mag ich Trödelmärkte aber auch für ihre Händler. Ich habe folgende wunderbare Konversation zwischen zwei älteren Herren mitbekommen als sich ein potentieller Kunde für ein Set Briefmarken interessierte: Kunde: „Und was sollen die kosten?“ Händler: „Dieter, watt willste denn für die hier haben?“ Dieter: „Wie viele sind denn da drauf?“ Händler (betrachtet die Briefmarken): „Fünf Jute, der Rest is Kompott.“ Dieter: „Dann zehn Euro.“ Auch mein Titel ist das Zitat eines anderen Händlers bei dem ich später einkaufte und noch was geschenkt bekam.

Es hat mich nichts so richtig angesprungen, deshalb habe ich den Fehrbelliner Platz wieder verlassen ohne eingekauft zu haben. Aber es ist von dort ja nicht so weit zum 17. Juni. Wo der auch von Touristen gut frequentierte Trödelmarkt ist auf dem ich meine Wohnzimmerlampe gekauft habe. Die Händler dort haben mMn etwas hochwertigere Waren und der Markt ist auch deutlich größer. Es lohnt sich beide abzugrasen, dann sollte man aber mit dem Fehrbelliner Platz anfangen und gut Zeit einplanen um zwischenzeitlich auch mal was zu essen. Nur so als Veranstaltungstipp für Berlinbesucher.

Der 17. Juni war super heute. Gleich zu Anfang begegnete mir eine wunderschöne Tischlampe die perfekt ins Wohnzimmer gepasst hätte, nur habe ich gar keinen Tisch dafür. Vielleicht für die Kommode? Erstmal weitergegangen. Die Russin der ich meine Deckenlampe abgekauft hatte bot wieder tolle Art Déco Lampen an, ein anderer hatte ganz kleine Kronleuchter bei denen ich auch fast schwach geworden wäre. Sind ja schließlich zwei Anschlüsse an der Wohnzimmerdecke. Als ich es an einem anderen Stand dann erneut glitzern sah, erinnerte ich mich wieder daran, dass ich ja unbedingt noch einzelne Lüsterkristalle kaufen wollte um sie ins Schlafzimmerfenster zu hängen. Im Wohnzimmer habe ich bereits welche und wenn die Sonne da draufscheint werfen sie hundert Regenbogen-Lichtpunkte ins Zimmer.

Diese Auswahl habe ich heute mitgenommen, für acht Euro. Besonders fasziniert mich der blaue Kristall. In der Art gab es noch violette und orangefarbene. Total schade, dass wir nie erfahren werden an was für einer extravaganten Lampe die mal dran waren.

Ich hab wirklich viel angeschaut, auch viel Schmuck. Ich habe auch bei den Händlern rumgestöbert die „nur“ die üblichen Silberringe mit Steinen oder ohne hatten. Ich trage auch auf Arbeit gerne Ringe und werd da so bald nicht zu viele haben. An einem Stand blieb ich hängen weil mir ein Ring mit Sichelmond und Stern so gut gefiel. „Kosten alle fünf Euro, ist Silber“, sagte der Händler. Für fünf Euro kann man ja nicht viel falsch machen, dachte ich mir. Wir quatschten noch ein bisschen und ich suchte mir drei Ringe aus. „Machen wir zehn Euro, ich wollte dir eh einen Ring schenken“, meinte der Händler als ich bezahlen wollte. Das war total niedlich und rührend.

Ich hab zwei schwarze Steine ausgesucht weil ich auf Arbeit oft Plugs und Ohrstecker mit solchen Steinen trag und dann passt es zusammen und das mag ich total. Der Mondring ist ein bisschen zu groß, passt nur auf den Zeigefinger, aber ich finde ihn so toll. Hab neulich auch schon Ohrstecker mit Mondsicheln gekauft. Den kleinen Ring hab ich bewußt so ausgesucht, dass er auf ein oberes Fingerglied passt. Midi-Ringe finde ich momentan total super.

Total glücklich aber auch zunehmend hungrig klapperte ich noch die zweite Hälfte vom Markt ab. Bekam eine Nachricht von einer Kollegin, dass sich der ganze Stress den wir diese Woche auf Arbeit hatten nun zum Guten geklärt hat. Alles schön. Was mache ich heute eigentlich zu Essen? Ich schrieb schonmal eine mentale Einkaufsliste und war eigentlich bereits dabei den Markt wieder zu verlassen. Aber ich hatte eben einen so reinrassigen Jugendstil-Bilderrahmen in der Hand gehabt… ich frag wenigstens was der kosten soll. Der Händler war grad nicht da, sein Kumpel mit der Ware etwas überfordert. „Zehn Euro?“, schlug er vor. Dann kam der Chef zurück und meckerte. Mein Türkisch ist sehr begrenzt, aber offensichtlich hatte der Kumpel ihm grade den Preis ruiniert. „Nee, also zwanzig muss ich auf jeden Fall dafür haben! Das ist alt!“ Ich wendete ein, dass weder Glas noch Rückwand dran wären. „Aber das ist Holz! Nagut, fünfzehn.“ Für fünfzehn war der Rahmen dann meins.

Ich denke der bleibt im Wohnzimmer. Eventuell habe ich noch genug Plexiglas im Keller um das Glas zu ersetzen. Was ich da rahmen will weiß ich noch nicht. Ist aber das kleinste Problem.

Auf dem 17. Juni habe ich neben den weiter verbreiteten Möbelgriffen aus Porzellan auch welche aus Messing gesehen, sogar mit Art Déco Mustern. Damit könnte ich die Griffe meiner in der Richardstraße favorisierten Kommode austauschen, wenn ich sie denn kaufen sollte. Die war ziemlich abgerockt, ein Griff fehlte, die Zierelemente auf der entsprechenden Tür ebenfalls. Dafür sollte sie fast nix kosten und ich weiß, wie viel Spaß ich am Aufarbeiten hätte. Wenn das Teil eh nicht mehr so edel ist kann ich da auch viel entspannter irgendwas mutiges mit machen. Hm. Ich glaube in dem Tetris-Vorschaufeld habe ich grade das lange Element gesehen.

4 Kommentare zu “Guten Tag, kann ich Ihnen was aufschwatzen?”

  1. Garn und Graphit schrieb:

    Oh toll :), nachdem ich deinen Post gelesen habe fühle ich mich ein wenig so, wie als wäre ich auch auf dem Trödelmarkt gewesen, das ist schön :).
    Ich frage mich wie es mit der Kommode weitergeht. Ob du sie nimmst? Ob du sie renovierst? Ist alles mal wieder spannend.

  2. Babs schrieb:

    Sehr super die Tetris-Analogie!

  3. Centi schrieb:

    Hihi, als wäre in dem Rahmen jemals Glas drin gewesen! Da kann man für 15 € nicht meckern, der ist wirklich sehr schön.
    Doe Lüsteranhänger find ich auch toll. Ich wusste gar nicht, dass es so alte auch in farbig gibt. =)
    Und ich bin sehr gespannt von wegen der Kommode. ;-)

  4. Bronwen schrieb:

    Ich liebe deine Flohmarktposts. Die Lüsterkristalle sind super. Und auf die Kommodenfortsetzung freue ich mich auch.

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