Stick ‚em with the pointy end

13. April 2014 (18:25 h) – Tags: , ,

Musik: Savatage - Starlight 

Sonntag morgens um zehn sind nur Touristen unterwegs. Die Berliner schlafen noch. Ausser mir, ich bin schon wieder auf Trödelpirsch gewesen. Umgeben von Schweizern, Briten und Baden-Würtembergern.

Auf dem Fehrbelliner Platz gab es eine ganz beeindruckende Jugendstillampe für die Wand, aber ich bräuchte eher eine Tischlampe und für so großes hatte ich eh kein Budget eingeplant. Ansonsten schöne Bilderrahmen und Schnurkes ohne Ende. Ich hatte auf Dekoratives fürs Wohnzimmer spekuliert, was man an die Wand hängen kann, oder auch Figuren. Aber so richtig… Hm. Trotzdem habe ich aber den ganzen Markt abgegrast. Am vorletzten Stand jede Menge Bücher, oben drauf die Nibelungen als Reclamausgabe und darauf ein Schwert. Jup, ein Schwert. Ein dekoratives, keins zum Kämpfen, aber im Schmücken ungemein gut. Ich schätzte, dass die Händlerin vermutlich so um die fünfzig Euro dafür haben wollen würde, aber Fragen alleine kostet ja nix. Und dann sagte sie: „Fünf Euro.“ Ernsthaft? Die Dame hat mir die Überraschung wohl angesehen und erklärte sie wäre gar keine richtige Händlerin, sie löse hier nur den Haushalt ihrer Schwiegereltern auf. Okay. Deren Schwert war dann für ein Taschengeld meins.

Ich bin immernoch ein wenig baff, das war ja nun wirklich kein Preis. Entsprechend grinsend bin ich dann mit aus der Tasche ragendem Schwert zum U-Bahnhof gelaufen um den Weg Richtung 17. Juni anzutreten. Unterwegs wies mich eine ältere Dame auch gleich darauf hin, wie gefährlich das Metall da wäre. Kaum ist man bewaffnet kriegen die Leute Angst.

Und hier die Details, damit man auch was erkennt. Das Heft ist aus Messing, verziert mit historisierendem Dekor. Auf der Parierstange reißen irgendwelche Viecher (Löwen? Fische?) das Maul auf und die Enden bilden diese bemerkenswerten Kreuze. Leider sitzt die Klinge darin ziemlich locker, aber um Robb Stark zu rächen wird es eh nicht langen.

Die Klinge selber ist entsprechend auch kein Valyrischer Stahl. Ein bisschen angerostet, und die tollen Motive darauf sind auch stellenweise abgerieben. Eingerahmt von Schnörkelmuster findet in der Mitte eine Schlachtszene zu Pferde statt. Reiter mit erhobenen Säbeln und so. Voll schön gemacht.

Ich werde das Schwert ins Wohnzimmer hängen. Je mehr ich drüber nachdenke umso begeisterter bin ich nämlich davon. Ich mag, dass es so zierlich und mädchenhaft ist, aber gleichzeitig eine ritterliche Waffe. Als solche repräsentiert sie für mich die Ritterlichen Tugenden während gleichzeitig die Präraffaeliten, Beowulf, Tolkien und ein Rattenschwanz an Fantasy anklingen. Sowas kann man sich schonmal an die Wand hängen.

Mit Schwert bin ich also am 17. Juni aufgekreuzt um noch eine weitere Runde Trödelmarkt mitzunehmen. Das Wetter war inzwischen etwas garstiger geworden aber der Markt trotzdem proppenvoll. Ein ganz entzückender älterer Händler, der Wedgwood-Porzellan aus Großbritannien importiert, unterhielt sich mit mir über die unterschiedlichen Farben der Stücke. Blau ist am verbreitetsten, schwarz aus unerfindlichen Gründen immer am teuersten und neulich hatte er sogar eine rosafarbene Vase. Sensationell. Irgendwann werde ich ihm eine blaue Dose abkaufen, für Schmuck im Schlafzimmer.

Nachdem ein anderer Händler das Schwert sofort als solches erkannte und darauf bestand die Klinge in Zeitungspapier zu wickeln, suchte ich den Stand auf an dem ich neulich Möbelgriffe aus Messing gesehen hatte. Projekt Kommode, ihr wisst Bescheid. Ich hatte den einen verbleibenden Griff von der Kommodentür abgeschraubt und als Größenvergleich mitgenommen. „Zeigen Se ma her!“, sagte der Verkäufer. Und dann: „Dit is Bakelit und een Möbelgriff. Die hier sind Türknäufe.“ Erklärte warum sie so viel massiver und mit Holzschraube auf der Rückseite gearbeitet waren. Wir diskutierten die Verwendbarkeit von Türknäufen als Möbelgriffe, ich entschied, dass das machbar wäre und nahm zwei Messinggriffe mit.

Die haben nicht ganz wenig gekostet, aber sie sind halt sehr schön und passen zur Kommode. Wenn ich bei sowas spare ärgert mich das danach ewig, das habe ich inzwischen gelernt. Den weißlichen Belag in den Vertiefungen der Motive habe ich nach dem Foto noch entfernt bzw mit dunkler Acrylfarbe übergewischt.

Um die Knäufe anzubringen musste ich die Befestigungslöcher in den Türen aufbohren. Keine große Sache. Erfreulicherweise verschwanden die Schrauben auf der Rückseite fast vollständig im Holz und gucken innen nur ganz wenig raus. Deutlich geringere Gefahr hängenzubleiben als bei den Originalgriffen. Das Holzdekor was ursprünglich unter dem Griff war ist nun auch weggefallen, das heißt ich muss es auf der rechten Seite gar nicht mehr ergänzen. Umso besser. Und dann passt die Metallfarbe auch noch so gut zum Schlüsselloch!

Auf dem Trödel blieb ich noch im Bereich der Türbeschläge und schaute mir Klinken, Griffe, Jugendstil-Briefklappen und -awww!- Türklopfer an. So ein Ding wäre auch eine schöne, nutzlose Wandzier. Hm. Leider nicht ganz billig, aber irgendwann nehm ich mal einen mit. Heute gab etwas ähnliches, allerdings von vornherein als funktionslose Dekoration gedacht.

Der Ringlöwe stammt laut Verkäufer aus Tagen der Gründerzeit und war vielleicht zusammen mit seinem Pendant mal an den Seiten einer Uhr befestigt. Tatsächlich sieht er auch nur wuchtig und schwer aus, ist aber aus Messingblech geprägt, nichtmal der Ring ist massiv. Insofern gibt er ein astreines Dekoteil ab und erfreut mit seiner nutzlosen Schönheit mein ästhetizistisches Herz. Auch der wird seinen Platz an der Wohnzimmerwand finden.

Für die Wand sammle ich momentan Dekostücke an. Mit nur einem Teil kann ich ja keine Hängung beginnen, also warte ich bis was zusammenkommt. Schwert, Jugendstil-Rahmen, ein entsprechendes Medaillon, Ringlöwen und einen großen Bilderrahmen der darauf wartet umlackiert zu werden habe ich schon in petto.

6 Kommentare zu “Stick ‚em with the pointy end”

  1. Centi schrieb:

    Wuha! Ein Schwert für 5 €! Toll. Das hätte ich auch gekauft!
    Die Türknäufe und der Löwe sind aber auch fein. =)

  2. irrlicht schrieb:

    Sehr schicke Sachen hast du da erwoben!
    Und genau wegen der von dirbeschriebenen Phänomene des netten Schwatzens, unerwartet Sachenerstöberns und Tiefpreisüberraschungen bin ich sehr dankbar, dass mittlerweile wieder angenehmes Trödelwetter herrscht. ;)

  3. Eva schrieb:

    Hi Soda, ich hab genau dasselbe Schwert vor ca 15 Jahren in Norddeutschland auf einem Flohmarkt gekauft. Dazu hab ich Wappen-Schwert-Wandhalter und das ganze ist echt schick :-). Mir wurde gesagt, dass es sich um ein Raufschwert handelt, mit dem zwischen die Glieder von Rüstungen stechen konnte, das hab ich aber nie verifiziert.

    LG, Eva

  4. Annie schrieb:

    Das habe ich huete gesehen, da musste ich an dich denken:
    http://9gag.com/gag/av0Xo6E

  5. knaxgurke schrieb:

    Wow, da hast du ja wieder tolle Teile geschossen! Das Schwert ist echt genial, so schön detailverliebt, da wäre ich bestimmt auch nicht dran vorbei gekommen. Und der Ringlöwe macht bestimmt auch ohne Türklopfer zu sein an der Wand den Eindruck, als verberge sich da eine Geheimtür in deinem Wohnzimmer.

  6. mel schrieb:

    Ich finde, du hast ein absolutes Händchen für Inneneinrichtung, ich finde Deine Wohnungs-posts immer so richtig toll!

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