Festivalprävention

26. Mai 2014 (22:19 h) – Tags: , ,

Musik: Schnell noch Behemoth - The Satanist anhören. | Stimmung: Dann mach wenigstens schönes Wetter, Universum!

Wie Natron bin auch ich bereits voll im Festival-Vorfreude-Modus. Bald gehts los und ich habe neulich schon hundert Euro im Internet gelassen und mein Campinggerümpel aufgestockt. Zu der von mir bestellten NVA-Plane sagte meine Mutter: „Hast du einen Gestellungsbefehl erhalten? Oder ist das Festivalprävention?“ Die Plane ist selbstverständlich letzteres und wird im Vorraum meines nagelneuen Zeltes den Boden abgeben. Ein neues Zelt brauchte ich wirklich. Seit es geliefert wurde kann ich kaum erwarten drin zu schlafen und hab das gute Stück natürlich auch schon im Arbeitszimmer probeaufgebaut.

Als es stand und passte kam mich die kleine Toyah besuchen, schnupperte alles ab und warf sich dann zum Putzen in eine Ecke. Davon abgesehen, dass die Haustiere normalerweise ja nie Gelegenheit haben das Zelt zu betreten, freue ich mich über Gebühr ein paar Katzenhaare mitnehmen zu können. So ein bisschen Zuhause für unterwegs.

Das war wie gesagt neulich. Heute bin ich mit üblen Halsschmerzen aufgestanden. Vor ein paar Tagen hatte ich schonmal Schmerzen, die sind aber wieder weggegangen. Heute nicht. Heute ging ich zum Arzt. Mandelentzündung.

Darf ich euch kurz an diesen Post erinnern? Genau das gleiche. Sie will aufs Festival fahren – Sie kriegt eine Mandelentzündung. Ich konsumiere seit Herbst einen Trinkjoghurt der das Immunsystem aufbauen soll. Grade erst habe ich bei Natron damit geprollt, dass ich dank des Zeugs den ganzen Winter über nicht krank war. Heute komme ich vom Arzt, mache den Kühlschrank auf und sage: „Was soll das, Motherfucker?“ Und der Joghurt so: „Mann, ich geb mir echt Mühe! Du warst ein halbes Jahr nicht krank. Ist das gar nichts?! Kann halt auch nicht zaubern.“ Hat er wohl Recht, aber das Timing ist ausgesprochen mies. Hallo Penicillin!

Oh, und: Hallo, alkoholfreies Festival! Das wird… äh, eine interessante Erfahrung. Werde ich diesen Haufen Bekloppter auch noch meine Freunde nennen wenn ich nüchtern sie drei Tage lang betrunken erlebt habe? Verpasse ich alle Headliner weil ich müde und maulig werde? Wie oft werde ich erklären müssen, dass ich nicht schwanger bin sondern Antibiotika nehme? Ich stelle mich mit Eistee und Cherry-Cola gewappnet der Herausforderung, aber ausgesucht hätte ich mir das Schicksal nicht.

Reden wir also schnell über was besseres. Über die anderen Vorbereitungen. Die, die ich genäht habe.

Das wichtigste dabei war die schon von Natron anmoderierte Gürteltasche. Ich hatte bisher eine Gürteltasche. Aber ich bin Weltmeisterin im Kamera-Verlieren. Ernsthaft, wie oft mir die schon aus der Tasche gefallen ist. Mal merkt man es, mal sammelt sie die Security auf und mal ist sie halt weg. Ich vermute, dass entweder der Reißverschluss von alleine aufgeht, oder ich ihn nicht richtig zumache wenn ich abgelenkt bin. Und das muss ja nun echt nicht sein. Festivaltasche 2.0 ist also entsprechend durchoptimiert.

Wie der Vorgänger wohnt sie an meinem Nietengürtel. Den, übrigens, hat irgendwer mal selber zusammengebaut, komplett mit handgeschweißter Schnalle. Ich habe ihn vor sehr vielen Jahren mal überglücklich aus dem Second-Hand geschleppt. Für die Tasche habe ich alle Stoffreste verwendet, die von meiner Kutte übrig geblieben sind. Damit die beiden Teile dann aber nicht zu ähnlich sind habe ich die Klappe noch mit Stoffmalfarbe bekleckert. Eigentlich wollte ich da noch ein Biohazard-Zeichen aus Reflektorfolie draufbügeln, so Zombiejäger-Style, aber es stellte sich heraus, dass meine Reflektorfolie gar nicht bügelbeschichtet ist und damit hatte sich das dann erstmal. Die Tasche hängt an drei „Ohren“ weil ich es nicht mag wenn sie in der Mitte durchbeult. Die äußeren Schlaufen haben noch eine Ringniete bekommen damit man da auch mal einen Taschengurt ranhaken kann falls es doch Situationen gibt in denen es praktischer ist eine Handtasche zu tragen. Gurt habe ich aber noch keinen passenden gebaut. Immerhin gibt es aber auf der Taschenrückseite ein Gummiband wo man das mittlere Ohr runterklemmen kann wenn die Tasche über der Schulter hängt. Sähe sonst vielleicht komisch aus.

Ihr seht, wir sind schon mittendrin in den optimierenden Gadgets die ich eingebaut habe. Und unter der Klappe gehts nochmal richtig ab. In die Haupttasche kommen Portemonnaie, Taschenlampe, Emergency-Poncho, Taschentücher und lauter son Zeug rein. Für schnellen Zugriff gibt es aussen eine Tasche für die Running Order und eine wo man die Ohrstöpsel unterbringen kann und bei der nächsten Band schnell wieder rausholt ohne das Bier abzustellen. Links an der Tasche befindet sich der Halteriemen für einen oder ein halbes Dutzend leere Plastikbecher. Den habe ich mit Gummiband und Klett gearbeitet, dann kann man ihn noch verstellen. Die Nerfgun passt leider trotzdem nicht rein weil der Lauf von Modell Maverik zu breit ist.

Unten an der Tasche habe ich wieder zwei Ringnieten angebracht. Da soll man auch mal einen Riemen einhängen können der dann so Han-Solo-Style um den Oberschenkel rumgeht. Für Aussehen, ob das praktisch ist bezweifle ich noch. Hab dementsprechend auch noch keinen Riemen genäht sondern erstmal nur einen Karabiner rangehängt, was der Tasche so einen lässigen Bergsteiger-Charme verleiht.

Rechts dann die Extratasche für die Kamera. Hier habe ich mich an der Hartschalenhülle orientiert in welcher die Kamera wohnt. Mitsamt dieser kommt sie nun hier rein und man kann das Ganze so weit aufziehen, dass die Kamera zu entnehmen ist. Durch die seitlichen Gummibänder zieht es sich von alleine wieder zu und der Klett geht auch eher selbstständig zu als ein Zipper. Trotzdem habe ich noch den Kameraretter angebaut. Das ist ein Zugband, wie für Skipässe, das mir meine Freunde geschenkt haben nachdem ich sie mal wieder hektisch suchend durch irgendeinen Laden gescheucht hatte. Der Kameraretter zieht sich aus wenn man fotografieren möchte, so dass die Kamera die ganze Zeit fest mit der Tasche verbunden ist. Ja, sagt ruhig was ihr denkt, ich komme mir manchmal auch vor wie ein Kleinkind dem Mutti die Handschuhe an die Jackenärmel nähen muss.

Das Innenfutter wollte ich zuerst knallhart aus dem Dolores-Umbridge-Gedenkstoff machen. Aber, wie Natron sehr richtig einwendete, das Innenfutter sollte was helles sein. Nicht nur, damit man selber irgendwas in der Tasche findet, sondern auch weil die Security am Einlass da ja immer reinguckt. Denen muss ich das Leben nicht schwerer machen als nötig. Ins Futter habe ich noch zwei Innentaschen eingebaut, eine definitiv für das Feuerzeug was Natron mir mal vom Summer Breeze mitbrachte und welches mit dem Sepultura-Schlachtruf „Roooooooooots“ graviert ist. Das zücke ich Nichtraucher immer wenn hübsche Männer nach Feuer fragen. Darüberhinaus gibt es im Innenleben der Gürteltasche noch einen weiteren der unvermeidlichen D-Ringe, dieser hält ein Ende der Kette an welcher das Portemonnaie befestigt ist.

Das war, wie man sich denken kann, gar nicht wenig Arbeit und wenn ich gewußt hätte, dass ich anschließend krankgeschrieben sein werde, hätte ich das nicht am Wochenende noch schnell runterreißen müssen. Aber egal, die Tasche ist soweit fertig, ich mag sie echt gerne und die Extras warten darauf in Aktion getestet zu werden.

Und dann waren auch noch ein paar Stunden Sonntag übrig und ich grad so im Taschenmodus. Da habe ich mein Campingstühlchen noch etwas aufgerüstet.

Das Stühlchen hat nämlich nur einen Getränkehalter. Da steckt normalerweise ein Becher drin. Und alles andere legt man auf die Sitzfläche, wo man dann jedes Mal seine Zahnbürste, Kontaktlinsenzubehör, Sonnencreme, eine Schachtel Kekse, Multivitaminsaft, den Sonnenhut von jemand anderem und mindestens eine Nerf wegräumen muss bevor man sich setzen kann.

Für wenigstens etwas von dem Geröll habe ich jetzt ein Utensilo an die Seite genäht. Das kann man einfach mit einfalten wenn man den Sessel zusammenpackt. Mal gucken ob es taugt.

Ich blicke dem ersten Festival der Saison also mit verbesserter Ausrüstung und angeschlagener Gesundheit entgegen. Ein paar Tage hat die Mandelentzündung ja noch um den Rückzug anzutreten. Hoffen wir mal das Beste.

9 Kommentare zu “Festivalprävention”

  1. Thalea schrieb:

    Ich drücke die Daumen für gute Besserung!
    Die Tasche ist genial und ich finde die Tatsache, dass du gegen deine Kameraverliererei etwas tust gar nicht kindisch. Im Gegenteil, es ist doch sehr erwachsen, seine Schwächen zu kennen und wo man kann, etwas dagegen zu tun!

  2. Centi schrieb:

    Oh, die Tasche ist ja mal richtig, richtig toll geworden! Von den ganzen sinnreichen Extras mal abgesehen find ich die gefleckte Oberseite schick. Und der Kameraretter ist auch eine super Idee. =)

    Dank meiner Erfahrung von mittlerweile 10 Jahren ohne Alkohol kann ich dich beruhigen: Festival geht auch gut ohne Alkohol. Man hat morgens keinen dicken Schädel mehr und möglicherweise weniger flüchtige Bekanntschaften gemacht, aber der Stimmung tut das eigentlich kaum Abbruch.
    Ein Kneipen- und/oder Discoabend ohne flüssige Unterstützung ist vergleichsweise oft weniger spaßig… find ich. ;-)

  3. oyle schrieb:

    GEILE tasche!
    ich müsste eigentlich auch mal eine richtig durchoptimierte tasche für die festivalzeit bauen, abe rirgendwie hat mich da noch nicht so der elan gepackt.
    deine sieht aber so gut aus, dass ich das definitiv in angriff nehme in nächster zeit.

  4. Freinaht schrieb:

    die Tasche macht mich sprachlos … da ist meine Festivalgürteltasche ja Steinzeit…
    aber die Idee mit dem Utensilio für den Campingsessel, werd ich mir gleich mitnehmen – vielleicht lässt sich das ja noch umsetzen!

  5. Mailin schrieb:

    Gute Besserung :)
    Wow, die Tasche ist ja echt super durchdacht.

  6. Kerstin schrieb:

    Das ist eine fantastische Tasche, ich bin nicht nur super hart neidisch, ich werde mir davon angefacht wahrscheinlich auch so eine nähen. Dafür habe ich ja noch locker ein Jahr Zeit, denn für mich gehts erst nächstes Jahr wieder in die Festivalsaison.
    Grüß mir das Festivalleben,
    Kerstin.

  7. Anja schrieb:

    Gute Besserung!
    Ich finde, du solltest die Tasche jetzt erstmal auf Herz und Nieren testen und dann damit in Produktion gehen – ich jedenfalls brauche genau sowas und bin denkbar weit davon entfernt, mir sowas selber machen zu können :)

  8. Elena schrieb:

    Da war ich grad im Netz unterwegs um mich mit Hüfttaschen inspirieren zu lassen und finde bei dir genau das, was ich suchte! Da hab ich also meine bisherigen Skizzen erweitert um Becherhalter, Handtaschenriemenösen und Gummiband, dass die Tasche auch hübsch zu bleibt. Danke dafür! :)

  9. Schwarzer Schwefel schrieb:

    […] oder dunklen Futter schwerer etwas findet). Auch wenn ich nicht so viel funktionale Details habe wie Soda, gibt es immerhin verschiedene Fächer für essentielle Dinge wie den Zettel mit der Running Order. […]

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