Wet but true

11. Juli 2014 (19:32 h) – Tags: ,

Musik: Metallica - St. Anger (hat übrigens die Abstimmung gewonnen gehabt) 

Irgendeinen Fluch scheine ich auf mich geladen zu haben, dass ich Livekonzerte neuerdings so oft in strömendem Regen erleben darf. Aber fangen wir von vorne an: Die Lieblingsband, die größte, wichtigste, die überhaupt EINE, ist auf Europatournee. Sogar in der netten Hansestadt. Aber Tickets, obwohl astronomisch teuer, waren ganz fix ausverkauft. Und zwar schon im Herbst letzten Jahres, meine ich. Ich schmollte also kurz und suchte dann nach Alternativen. Geh ich die Band halt im Ausland anschauen. Vielleicht nicht unbedingt im teuren Helsinki. Als ich Natron und Red fragte ob sie mit mir zu Metallica nach Prag fahren wollten sagten beide ohne zu zögern Ja.

Wir entschieden noch einen Tag für Stadtbummel dranzuhängen, buchten ein Gründerzeit-Hotel und kauften Front-Of-Stage-Konzertkarten für deutlich weniger Geld als sie in Deutschland gekostet hätten. Und vergangenen Sonntag gings dann los. Ich traf die Hamburger im Zug, wo wir uns die nicht ganz kurze Fahrzeit erfolgreich mit Brettspielchen, Mischgetränken und nicht zuletzt dem Ausblick auf das Elbsandsteingebirge vertrieben. So schnell sind fünf Stunden selten vergangen.

Der schöne Prager Hauptbahnhof erinnerte mich gleich wieder daran warum ich die Stadt so mag: Jugendstil. Überall, nicht zu knapp. Da geht mir echt das Herz auf. Ich war schon oft in Prag, öfter zumindest als in jeder anderen europäischen Großstadt. Es ist da ein bisschen wie zu Hause, aber die Architektur ist viel schöner. Die touristische Innenstadt, die Burg, die Moldau, alles was da im Schulterschluss abgegrast werden muss, sowas hat Berlin auch zu bieten. Und auch diese szenig verranzten Stadtbereiche mit Kneipen und Klamottenläden und zuplakatierten Wänden. Diese Atmosphäre macht mich glauben, ich würde ohne Probleme nach Prag ziehen, Tschechisch lernen und zB im Renommiergebäude des Goethe-Instituts am Moldauufer arbeiten können. Im nächsten Leben vielleicht.

Fürs erste gaben wir entspannte Touristen und tauschten unsere ollen Euros gegen schöne Kronen, suchten die Tramstation, sprachen alles falsch aus und blieben dauernd mitten im Weg stehen um „Ahhh!“ und „Ohh!“ und „Lékárna heißt Apotheke!“ zu rufen.

Das Hotel hatte auf der Webseite wie eine abenteuerliche Mischung aus Historismus, Kitsch und Blümchentapeten ausgesehen, tatsächlich war es dann aber durchaus geschmackvoll und edel. Ich war beinahe ein wenig enttäuscht. Bis ich hinter der Rezeptionstheke ein veritables Jugendstil-Schränkchen entdeckte und wir das Frühstück am nächsten Morgen im neunzehnten Jahrhundert unter böhmischen Kristalllüstern einnahmen.

Vom Sonntag war noch ein Abend übrig, also bummelten wir schonmal an der Moldau entlang und zur Karlsbrücke. Ach, guck mal, wie schön! Und die Tretboote auf dem Wasser, das machen wir morgen auch! Die niedrig stehende Sonne ließ die Karlsbrücke in ganzer Schönheit wirken und ich meine, dass ich 1998, als ich das erste Mal mit Natron dort war, schonmal so ähnliche Fotos gemacht habe.

Meine Mutter hatte uns dran erinnert, die Abbildung des heiligen Nepomuk zu berühren und was zu wünschen, also taten wir das und wünschten uns einen Halbfinalsieg für die DFB-Elf. Die brasilianischen Touristen, die durchaus auch in der Stadt unterwegs waren, hatten diese Gelegenheit offenbar ausgelassen, wie sich später herausstellen sollte.

Am Ende der Brücke trafen wir noch unverhofft auf Jamie Lannister mit seinem goldenen Schwert. Und dann dauerte es auch gar nicht mehr lange und wir hatten den nächsten Gasthof gefunden um endlich wieder tschechisches Bier zu trinken. Ahhh.

Danach hielten wir noch die Füße in die Moldau und nannten es dann einen Tag. Weil Prag uns ja nicht ganz neu ist, wollten wir das Besichtigungsprogramm nicht übertreiben und hatten für den folgenden Tag nur Sachen geplant die Spaß machen und mit B anfangen: Burg, Bier, Boot, Briefpost schreiben.

Den Anfang machte die Burg. Es gab fantastischen Sonnenschein und aus Erfahrung wußte ich wie schön der in die Glasfenster des Veitsdoms reinleuchtet. Man hätte vom Hotel auch laufen können, aber wir nahmen die Tram um das Rumgerenne nicht gleich ausufern zu lassen. Immerhin steigt man da ja auch einen ganz schönen Berg hinauf. Aber wir wurden reich entlohnt. Die Burg, der Dom, alle schön wie eh und je. Und dann entdeckt man Dinge an die man sich plötzlich wieder erinnert und lauter Neues dazu. Fremde Städte wieder zu besuchen hat einen ganz eigenen Reiz.

Die Aussenseite des Doms und die restliche Burganlage galt es natürlich auch noch zu erwandern. Die großartige gotische Fassade der Kathedrale kommt gar nicht dazu anständig zu wirken weil man kaum weit genug zurücktreten kann um sie anzuschauen. Das ist ziemlich ungewöhnlich, aber so guckt man dann wenigstens mal auf die Details.

Das ist ja fast eine kleine Stadt da innerhalb der Burgmauern und man hätte mit Leichtigkeit noch einen ganzen Tag dort verbringen können. Aber wir machten ja Tourismus light, tranken also nur noch einen Eiskaffee, schlenderten noch ein Ründchen und ließen dann vom Vorplatz der Burg das gigantische Stadtpanorama auf uns wirken. Ach, guck mal, hier gibt es schon wieder Pivo. Also noch schnell eines der traditionellen „Wir-hocken-irgendwo-zusammen-und trinken-was“-Fotos für alle Freunde in der WhatsApp-Gruppe gemacht.

Die Hitze war inzwischen echt drückend geworden, deshalb ließen wir den Abstieg langsam angehen, setzten uns dann in einen schattigen Park und sahen zwei Menschen zu die riesige Seifenblasen über die Wiese schweben ließen. Voll schön.

Ein paar Schritte weiter lockte das Moldauufer schon wieder mit Schatten, Ausblick und Schwänen und was besseres hatten wir eh nicht zu tun. Füße ins Wasser, Blick auf die Karlsbrücke fotografieren.

Erst als der Himmel sich später zugezogen hatte und die Temperaturen etwas runterkamen machten wir uns daran, auf einer Moldauinsel ein Tretboot auszuleihen. Mal eine Auszeit von all dem Trubel in der Stadt war echt angenehm. Nur die Moldau und wir. Eine Insel umrunden, die Brücken durchfahren. Zwischenzeitlich ließen wir das Boot einfach treiben. Fehlte nur noch was zu Trinken. Moment, ist das eine schwimmende Bar?

Es war eine schwimmende Bar an die wir mehr oder weniger geschickt andockten. Tolle Geschäftsidee. Wir stießen mit dem nächsten Bier an und Wolkenexpertin Natron zeigte uns am inzwischen recht dunkel gewordenen Himmel die Nibostratus Pannus, die sie als „Die Fünf-Minuten-Wolke“ vorstellte. Sieht man sie und es regnet noch nicht, dann fängt es innerhalb der nächsten fünf Minuten an. Echt? Ist ja total spannend… Warte, hast du auch grad einen Tropfen abgekriegt?!

Gewitter war angekündigt und nach der Dämse des Tages auch zu erwarten gewesen. Noch tröpfelte es aber nur, so dass wir das Tretboot zurückbrachten und dann ganz entspannt Richtung Hotel schlenderten. Unterwegs kamen wir an dem Esoterikladen vorbei der am Sonntag schon durch die geschlossene Ladentür total nach Rächerwerk gerochen hatte. Da konnte ich natürlich nicht dran vorbei. Red ging es ähnlich als wir anschließend eine Pivnice passierten. „Pivnice“ heißt „Bierlokal“ und ich sehe wie sich das Wort schon in unserem Sprachgebrauch als Bezeichnung für eine bestimmte Art von Kneipe festgesetzt hat. Also noch ein Bierchen. Und dann, dann regnete es endlich richtig. Als wir auf dem Heimweg waren.

Immerhin war es nicht kalt. Und wir konnten im Hotel was Trockenes anziehen und die Schuhe föhnen. Halb so schlimm.

Unterbrochen von einer guten Auswahl tschechischer Biere durch Prag zu spazieren hatte einen formidablen, unanstrengenden Touristentag am Montag abgegeben. Dienstag war anders. Dienstag war das Konzert. Und Fußball. Und Unwetter. Dienstag wurde ein wirklich verrückter Tag.

Der Auftritt meiner Lieblingsband war Teil des Aerodrome-Festivals bei dem ausserdem noch Kvelertak, Children Of Bodom und Alice In Chains spielen sollten. Insofern fing die Veranstaltung schon am frühen Nachmittag an. Wir machten uns entsprechend zeitig auf den Weg zum Messegelände hinter dem Bahnhof Holešovice, wo die Sause staffinden sollte. Messegelände klang erstmal total unromantisch.

Auf dem Weg durch die Stadt begegnete uns der einzige Hinweis auf die zeitgleich in der restlichen Welt stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft.

Hier zeigen Red und Natron wie sie sich den Ausgang des Spiels Brasilien-Deutschland wünschen: 0 zu 2. Little did we know.

Die Tschechen sind keine große Fußballnation und sie ignorieren die WM größtenteils. Was völlig okay ist, reist man nicht mit einem Paar was schon jetzt darüber nachdenkt wie einem zukünftigen Kind der jeweils favorisierte Bundesligaverein schmackhaft zu machen ist („Bei Mamas Club gibt es aber keinen Dinosaurier!“ „Dafür sind wir alle Piraten!“). Angefixt von den Hamburgern und vorgeprägt von meiner WM-verrückten Heimat sah ich bald auch überall nur Fußbälle.

Zum Beispiel in dem Blumenrelief an den Wänden unserer Hotelzimmer.

Oder in den Straßenlaternen mit ihren entzückenden Krönchen.

Wir hatten tatsächlich auch Schminkstifte dabei. Wenn man wegen Sodas Schlagerkapelle das Halbfinale verpasst dann muss man sein Team unterstützen wie man nur kann.

Vor den Fußball hatten die Götter aber glücklicherweise das Festival gesetzt. Und uns wurde schnell klar, dass „Messegelände“ hier nicht die Leipziger Agra bedeutet. Die Bühne stand inmitten einer wilden Mischung verschiedener Archtekturstile. Imperiale Schnörkel und Türmchen von 1848, verrottende Sowjetbauten, eine hochmoderne gläserne Pyramide. Und ein nostalgischer Lunapark mit Riesenrad und Achterbahn. Zoo und irgendwas mit Dinosauriern gleich angeschlossen. Das war.. surreal, to say the least. Ich meine, es war ein ganz normaler Festivaltag mit Bands, Merch, Bier und überproportional viel Fressiständen. Aber es fühlte sich auch irgendwie an wie ein Endzeitfilm. Als Natron mich später darauf hinwies, dass während Metallica spielen Trip durch Prag rennt, auf der Suche nach dem Laster, dabei in Straßenschlachten gerät und an Ende im Kampf mit dem Reiter die Stadt in Schutt und Asche legt, war die Illusion perfekt (das ist die Handlung von Metallicas großartigem, poetisch-apokalyptischen Meta-Konzertfilm „Through The Never“).

Ich schätze, dass etwa 10.000 Besucher da waren. Dass die ersten die durch den Einlass kamen sofort die Beine in die Hand nahmen und Richtung Bühne sprinteten, zeigte schon: Hier spielt nicht irgendwer. Wir hatten das Gerenne zum Glück nicht nötig (Und, mal ehrlich, dann steht man fünf Stunden angewurzelt auf seinem Platz bis Metallica anfängt?) denn wir hatten ja Golden Circle Tickets. Der Golden Circle ist der Bereich direkt vor der Bühne, abgegrenzt durch Gitter und Security. Ich bin von der Zwei-Klassen-Gesellschaft auch nicht komplett überzeugt und fühlte mich schon komisch wenn ich nach hinten guckte wo sich die anderen drängelten, aber man muss zugeben, der Circle hat die Sache wirklich total entspannt gemacht.

Hier sieht man hinter meinem Metallica-Grinsen die Absperrung mit Gedränge während wir entspannt auf dem Rasen sitzen. Bis zur Hauptband war der Circle halbleer, wir konnten problemlos rein und raus, Getränke holen, im Schatten sitzen, mal einen Blick auf die Band werfen, wieder was zu Essen holen, etc.

Den Anfang machten Kvelertak, die ich musikalisch viel schrabbeliger erwartet hatte. Was man aber vor allem über sie sagen muss ist: Der Typ trägt eine Eule auf dem Kopf. Eine ausgestopfte Eule, wie eine Maske oder einen Helm. Eine Eule. Das hat mich etwas verstört und als er sie nach dem ersten Song abnahm war ich immernoch zu verwirrt um mir ein musikalisches Urteil über Kvelertak zu bilden.

Was wir auch festgestellt haben ist, die Tschechen tragen keine Kutten. Dafür Sandalen, wenn sie aufs Konzert gehen. Das sah nach einer ganz doofen Idee aus, es ist doch vorprogrammiert, dass dir einer auf die Zehen steigt.

Nach der Eule sahen wir uns Children Of Bodom an. Mit dem finnischen Hipster-Look des Sängers kam ich viel besser klar. Das Keyboard war offenbar deutlich prominenter ausgesteuert als sonst, ich musste jedenfalls sofort an Wintersun denken. Was ja nichts schlechtes ist. COB haben mir gefallen.

In der Umbaupause war es dann Zeit den WM-Ticker aufs Handy zu buchen und sich kleine Nationalflaggen ins Gesicht zu malen. Umgehend outeten sich nicht wenig andere Konzertbesucher als Deutsche oder zumindest fußball-affine Polen.

Was wir auch noch machen mussten war Abstimmen. Das Konzept der aktuellen Metallica-Tour basiert darauf, dass die Besucher der jeweiligen Konzerte im Vorfeld online aus allen Metallica-Songs auswählen dürfen welche sie live hören wollen. Dabei darf man aber keine obskuren Raritäten erwarten, es herrscht ein ziemlich umfassender Konsens darüber welche Songs als Klassiker auf jeder Show gespielt werden müssen. Was ich mir altes oder seltenes gewünscht habe ist gnadenlos rausgeflogen. Womit ich leben kann. Einen Song hat die Band bestimmt, nämlich einen ganz neuen Song der grade erst veröffentlicht wurde. Und einer wurde dann vor Ort noch per Handy ausgewählt, aus den drei Songs die es ganz ans Ende der Liste geschafft hatten. In unserem Fall waren das „The Day That Never Comes“, „St. Anger“ und „Unforgiven II“. In den Umbaupausen liefen auf den Leinwänden kleine Promo-Clips in denen uns die Metallicas das Wahlsystem vorstellten und zum Abstimmen anfeuerten. Total niedlich.

Erstmal kamen aber noch Alice In Chains auf die Bühne. Die habe ich seit den Neunziger gar nicht mehr auf dem Zettel gehabt. Und obwohl sie ja wohl ein tolles Comeback-Album abgeliefert haben und auch beim Aerodrome astrein performten war ihr Grunge-Style nicht das Richtige um auf Metallica vorzubereiten. Zu chillig. Zu eintönig.

In der Zwischenzeit hatten die Wolken, die den ganzen Tag konsequent an der Sonne vorübergezogen waren und uns in der Hitze hatten sitzen lassen, es geschafft den Himmel vollzumachen. Da waren auch schon die Fünf-Minuten-Wolken und los ging der Regen. Wie gut, dass wir feste Schuhe anhatten und auch Regenponchos die *rein zufällig* unsere Landesfarben abbildeten.

Der Circle füllte sich nun richtig und was dahinter abging mag ich mir gar nicht vorstellen. Wir hatten gute Plätze in der Nähe des Laufstegs der von der Bühne U-förmig ins Publikum und zurück reichte. Durch diese Nähe zur Bühne fühlte sich das ganze Konzert am Ende anders an. Nicht die Stadionatmosphäre die ich bei Metallica sonst erlebt habe. Das da vorne hätten auch Blind Guardian sein können. Metallica waren auf einmal richtige Menschen, nicht die Halbgötter an die man nie rankommt. Sie werden nass wenn sie auf die Bühne kommen. Genau wie wir fünf Meter weiter. Weil man das was hinter einem passiert ja nie mitbekommt wirkte es wie ein ganz kleines Konzert. Meine Helden in meinem Wohnzimmer. Total toll. Insofern haben sich die Golden Circle Tickets auf jeden Fall mehr als gelohnt.

Die Band fing um acht Uhr an und bretterte gleich mit „Battery“ und „Master Of Puppets“ los. Das hat grade den zweiten Über-Song angenehm von seinem Thron gehoben. Wir haben so viele geile Songs, wir müssen den hier nicht bis zum Ende aufheben, wir sind schließlich Metallica.

Statt Backdrop gab es LED-Leinwände die gestochen scharfe Aufnahmen von der Bühne zeigten und auch einen Teil der Visualisierungen die bei „Through The Never“ zum Einsatz gekommen waren. Dadurch fühlte man sich noch mehr als wäre man in dem Film und fragte sich unweigerlich was am Ende von Prag noch stehen würde.

Der Regen hatte mächtig zugelegt. Also so richtig. Unwetterartig. Man sieht es hier ein wenig wo Kirk sich ganz schnell wieder vom Laufsteg verdrückt.

Zwischen den Songs schob ein Wischerkommando das Wasser von der Bühne und James Hetfield kommentierte: „It’s like playing in a fucking swimming pool!“ Das Wasser lief von der Ponchokapuze in den Ausschnitt und Regen klatschte einem direkt in die Augen, der Boden war eine riesige Matschsuppe geworden in der meine Turnschuhe mit Schlamm vollliefen und gerne noch drin stecken geblieben wären (eindeutiger Vorteil Badelatschen). Plastikfolie klebte an der Sonnencreme auf den Armen, die Hosen zogen das Wasser hoch und wir froren nur nicht weil wir wie die Pinguine zusammgedrängt standen. Ging der Pinguin neben dir Bier holen merktest du das sofort. James zog sich laufend neue, trockene Shirts an, aber ich wagte irgendwann nicht mehr meine Kamera rauszuholen weil die Linse schon total beschlagen war und einem klitschnass auch alles aus der Hand rutschte. Das war Beastivalwetter mit Ausschlag nach oben.

Immerhin sahen die Laserstrahlen die unter anderem beim Intro von „One“ zum Einsatz kamen im Regen total toll aus. Die Wassertropfen brachen das farbige Licht auf und glitzten wie bunte Diamanten in den Lichtstrahlen. Der Stimmung unter den sehr sangesgewaltigen Tschechen tat der Regen auch keinen Abbruch. Bei „Nothing Else Matters“ stoppte das Unwetter dann kurz, kaum kommentierte James den Umstand ging es aber auch schon weiter.

Am Ende hatten Metallica fast zweieinhalb Stunden gespielt, die Stimmung mit „Whiskey In The Jar“ nochmal hochgerissen und als sie uns dann traditionell mit „Seek And Destroy“ verabschiedeten und das Publikum mitsang wie ein Mann fielen von der Bühne und den Türmen lauter schwarze Wasserbälle mit Bandlogo und von irgendwo rollten riesige farbige Versionen an, die dann unermüdlich hin und hergeworfen wurden.

Ganz großes Konzert. Party. Kindergeburtstag. Matschgetümmel. Meine Lieblingsband ist mir, wenn überhaupt möglich, noch ein wenig näher ans Herz gerückt. Red hat mir einen von den schwarzen Wasserbällen als Souvenir aufgefangen den ich an die Brust drücken konnte als wir uns schließlich unseren Weg durch den Schmodder und die tausend pfandfreien Plastikbecher bahnten. Danke, Metallica!

Aber huch, Fußball war ja auch noch. Ein Blick aufs Handy: Zwei zu Null, nee Moment, Fünf zu Null?! Meine Fußballfans flippten in ungläubiger Begeisterung aus und auch die anderen Deutschen die mit uns auf die Tram warteten hatten wenig weitere Gesprächsthemen. Immerhin schafften wir es noch rechtzeitig in eine Kneipe wo die letzten beiden Tore miterlebt werden konnten.

Als am nächsten Tag unser Zug Verspätung hatte, das Gleis ewig nicht bekanntgegeben wurde und irgendwelche anderen Ärgerlichkeiten passierten, zeigten wir nur gelassen sieben und einen Finger in die Höhe. Wenn an einem einzigen Tag so viel unglaublicher Scheiß passiert, dann ist es klar, dass das Universum das danach wieder ausgleichen muss.

5 Kommentare zu “Wet but true”

  1. Centi schrieb:

    Hach, Prag. *soifz* So schön!
    Das sieht echt nach einem sehr gelungenen Ausflug aus, Regen hin oder her.

    Das mit der schwimmenden Bar find ich toll. :D

  2. Cori schrieb:

    Das klingt so richtig toll. :D
    Die schwimmende Bar ist genial!

  3. Kathi schrieb:

    Wow das klingt ja nach einem absolut geilen Prag-Ausflug :D! Die Bootsbar, was ne Idee, sehr geschäftstüchtig.
    In welchem Hotel wart ihr denn, wenn ich fragen darf? Prag steht ja schon ewig auf der Städte, wo ich (mal wieder) hin möchte.. nur diesmal bitte mit sommerlichen Temperaturen :). Und auf der Burg war ich damals gar nicht. Sollte man aber wohl nachholen, wenn ich deinen Bericht hier so sehe.

  4. Soda schrieb:

    @Kathi: Das Hotel heißt „Hotel Praga 1885“.

  5. ufi schrieb:

    Prag ist große Liebe!
    Ich find die Stadt perfekt für Kozerte deutscher (düsterer) Bands. Zum einen sind die Tickets günstiger, zum anderen sind die Konzerte nicht so überlaufen.
    ich glaube, wir müssen da auch ma wieder hin :)

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