Präraffaelitische Poolparty

10. August 2014 (19:16 h) – Tags: ,

 Stimmung: GRRM soweit fertig gelesen. Oh, das furchtbare vorläufige Ende!

Mein Exfreund bracht mal einen großen hölzernen Bilderrahmen an. Auf etlichen alten Klamottenfotos steht der Rahmen dekorativ im Hintergrund. Hier zum Beispiel. Ein furchtbar schweres Teil, vor allem aufgrund der fünf Millimeter dicken Acrylglasscheibe die es umschloss. Ich habe den Rahmen behalten und wollte ihn nun Teil meines Wohnzimmers werden lassen. Aber zuerst musste das Acryl raus. Es war künstlerisch zerkratzt, wäre es durchsichtig gewesen hätte ich es gerne drin gelassen und mit dem Gewicht arbeiten wollen. So wog der Rahmen plötzlich nur noch die Hälfte.

Ich hielt den weiß gewischten Rahmen probeweiser an die jadegrüne Wand. Schön, aber passte nicht. In einem anderen Leben, in einem weißen Schlafzimmer mit Schnörkelmöbeln. Aber nicht in der Opiumhöhle die mein Wohnzimmer ist. Ich entschied den Rahmen neu zu lackieren. Erst wollte ich die alte Farbe anlaugen, aber dann bekam ich Angst vor den Chemikalien und wischte die Oberfläche nur mit Wasser und Seife ab. Wie sich herausstellte reichte das auch vollkommen um neue Acrylfarbe drüber zu malen.

Der erste Anstrich war schwarz, genau wie der zweite. Danach sah der Bilderrahmen einem Gruftietraum schon sehr ähnlich.

Das schöne Seerosenmuster kam in einfarbig ganz anders zur Geltung. Auf den ersten Blick sah schwarz cool aus, beim zweiten erschien es mir auf eine schlechte Art kitschig. Also fuhr ich fort wie geplant und mischte schwarze mit goldener Acrylfarbe. Das so abgetönte Gold versuchte ich nur auf die Höhen des Motivs zu wischen, so dass die Vertiefungen dazwischen dunkel blieben. Das war gar nicht so einfach, ich hatte aber mit einer ähnlichen Technik in der Vergangenheit schon gute Effekte erzielt, also blieb ich dran.

Nach einer Schicht Dunkelgold setzte ich noch Akzente mit der unverdünnten Goldfarbe. Die Seerosen kamen nun ziemlich gut heraus.

Weil der Rahmen auch alleine nicht komplett leicht war, schraubte ich ihm zwei stabile, flache Aufhänger auf die Rückseite. Dann maß ich alles von der Decke her aus und bohrte entsprechende Löcher in die Wand über der Kommode. Das alte Möbel, was ich dabei als Treppe missbrauchte, trug mein Gewicht ohne zu wackeln oder zu knarren. Ich kletterte hinunter, trat ein paar Schritte zurück und sah: Der Rahmen war schief. Oh, warum?! Wie konnte das nur? Ich hatte doch alles so sorgfältig gemessen! Das Ding wieder runtergewuchtet, nachgemessen. Stimmte doch alles. Rahmen wieder an die Wand, Wasserwaage drauf und diesmal hing alles total grade. Offenbar hatte ich mir diese Schreckensmomente selber eingebrockt als ich den Rahmen nicht sauber mit seinem Aufhänger an der Schraube eingehakt hatte. Also alles gut. Puh.

Unter den Rahmen, quasi zwischen ihn und die Kommode, montierte ich das Fünf-Euro-Schwert vom Flohmarkt. Offenbar verwendet man für sowas üblicherweise Garderobenhaken. Also kaufte ich schnörkelige, messingfarbene Mantelhaken die tatsächlich hervorragende Schwerthalter abgeben.

Der Gesamteindruck von Goldrahmen, Schwert und Kommode stimmte schonmal. Nur war ersterer noch leer. Laaangweilig! Bei der Wahl eines auszustellenden Bildes ließ ich mich vom Rahmen inspirieren. Von den Seerosen. Irgendwas mit Seerosen. Oder mit Wasser. Klimts Wasserschlangen II. Oder Waterhouses The Lady Of Shalott. Dann fiel mir das am meisten seerosenartige Gemälde ein, was ich kenne: Hylas And The Nymphs, auch von Waterhouse. Das war es! Ist auch das einzige Gemälde von Waterhouse dem ich tatsächlich schonmal in einer Ausstellung gegenüberstand.

Abgesehen von den wunderschönen Frauendarstellungen von John Waterhouse mag ich das Gemälde weil alles darauf auf Hylas‘ Verderben hinweist. Der dunkle Hintergrund, der Ast der wie ein Speer durch seinen Rücken geht, die absteigende Linie seines Blickes zur Zentralnymphe. Der Künstler hat den Moment dargestellt in dem Hylas, den Wasserkrug noch in der Hand, denkt: „Was sollte ich nochmal holen? Ach, war bestimmt nicht so wichtig.“ Und schon haben die Naturgeister ihn am Saum gepackt und da sinkt er dahin, der schöne Jüngling.

Ich besorgte das Poster bei amazon und erstand im Baumarkt eine schwarze Hartschaumplatte die ich als Hintergrund verwenden konnte. Der Bildausschnitt des Rahmens ist 101 x 57 cm. Wer baut denn sowas?! Handelübliche Platten, auch Plexigläser, haben 100 x 50 cm. Wäre das zu einfach gewesen? Mein Vater hätte den Rahmen auseinandergenommen, verkleinert und wieder zusammengesetzt. Ich traute mir das nicht zu und habe deshalb eine größere Platte gekauft und sie mittig zersägt bzw neu aneinandergesetzt, so dass hinter dem Poster eine senkrechte Mittelnaht runtergeht. Nicht ganz elegant, aber man sieht es glücklicherweise kaum.

Hylas‘ Poolparty passt sich farblich sehr schön in die Wohnzimmerecke ein und die gesamte Ansicht mit Kommode, Literatur, nackten Buchstützerinnen, Schwert, Seerosen und ebenfalls nackten Nymphen gefällt mir sehr gut. Der Messington genau wie die Nymphenhaarfarbe der Kommode ziehen sich durch die ganze Ecke und spielen gut mit dem Jadegrün zusammen.

Langfristig möchte ich dem Bild gerne noch ein dünnes Plexiglas verpassen, aber da muss ich dann auch wieder eine (sehr viel) größere Platte kaufen und zusägen lassen. Das wird teuer, also schiebe ich es noch etwas auf die lange Bank.

6 Kommentare zu “Präraffaelitische Poolparty”

  1. Hana Mond schrieb:

    Wäre ja absolut nicht meins (ich bin eher Typ „Pop Art-Winterfell neben Raumschiffwerft-Werbeposter“), aber passt SO gut zusammen, Bild und Schwert über der Kommode!

  2. lenelein schrieb:

    Ein schönes Bild in einem würdigen Rahmen, mit einer tollen Geschichte! :)

  3. Centi schrieb:

    Hey, das ist aber toll geworden! der Rahmen sieht in „altgold“ echt edel aus und das Motiv passt wunderbar dazu.

  4. Sina schrieb:

    Das sieht wirklich gut aus in der Gesamtkomposition. Ich freue mich immer wieder, wenn du neue Wohnideen uns zeigst. Ich bekomme dann immerdirekt Lust, auch irgendetwas in unserer Wohnung umzugestalten. :)

    Liebe Grüße
    Sina

  5. Devi schrieb:

    Hach, dir bei der Einrichtung deines Wohnzimmers zuzusehen ist die reinste Freude :)

  6. Kirsa schrieb:

    Wow, sehr schön geworden!
    Frag mal im Bauhaus am Holzzuschnitt nach dem Acrylglas. Du brauchst ja nur ein dünnes, könnte billiger sein als eine große Platte.
    LG

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