king jeremy the wicked

17. September 2014 (14:53 h) – Tags: ,

Die Neunziger. Wer von euch alt genug ist denkt mal kurz an diese Dekade zurück. Was fällt euch dazu ein? Mir (völlig ungeordnet) die Loveparade, Girlies, Smileys, Sonnenblumen, Plastikschmuck, ein knallbuntes Siebziger-Jahre-Revival mit Polyesterschlaghosen von Orsay, Tigerenten, Buffalos, Jean Pascale Pullover, Hard Rock Café T-Shirts und die unsägliche 501 die damals schon sagenhafte 80 Mark kostete. Eine Schulfreundin ließ sich (total krass!) ein Bauchnabelpiercing stechen und wir gaben alle zu bedenken, dass da doch dauernd der Hosenbund dran scheuern würde. So saßen angesagte Hosen damals.

Ehrlich gesagt mochte ich die Neunziger während sie stattfanden schon nicht besonders. Ich war ein ruhiges Kind, ein Aussenseiter, und Techno ging mir wahnsinnig auf den Senkel. Zum Glück holte mich die alternative Seite der Neunziger genau da ab wo ich stand: Grunge. Ich hatte ursprünglich cremefarbene Chucks auf deren Kappe ich mit Kugelschreiber „Pearl Jam“ schrieb, batikte meine weißen Jeans in schwarz, trug Flanellhemden und Eyeliner, blondierte meine Haare zum ersten Mal kaputt und fühlte mich sogar dann noch total verstanden wenn Kurt Cobain „I take all the blame / Aqua, seafoam, shame“ nöhlte.

Und nun kommt die Mode 2014 daher und ruft das Revival der Neunziger aus. Natürlich abgestimmt auf die Leute die damals nicht oder nicht richtig dabei waren, weil sie einfach zu jung sind. Nicht für mich. Ich bin jetzt die alte Ziege die „So war das damals gar nicht!“ rufen kann. Aber ein wenig nostalgisch hat mich das eine oder andere doch schon gemacht.

Also habe ich auch ein Stück Neunziger für mich genäht. Das Blümchenkleid. Wurde anno dazumal mit Boots kombiniert weil es ja auch wieder nicht zu mädchenhaft wirken sollte und mit einem engem Shirt drunter getragen weil der Ausschnitt und die Spaghettiträger für uns Teenager viel zu gewagt waren. Man hatte einfach noch nie was mit Dekolleté getragen. Die Boots übernehme ich gerne, das Shirt drunter… das muss vermutlich nicht mehr sein.

In meiner Erinnerung waren die Blümchenkleider vor allem schwarzgrundig, demnach habe ich einen schwarzen Stoff mit rosa Blümchen gekauft. Polyester. Deshalb musste er unterlegt werden. Als Futter dient ein dunkelblauer Leinenbatist. Ich habe beide Lagen am Ausschnitt verstürzt, die Blümchen unten ordentlich gesäumt und dem Futter eine Spitzenkante verpasst. Diese sogenannte „Spinnenspitze“ habe ich in meinen Gruftiezeiten total gerne verwendet, glücklicherweise hatte ich noch einen Rest und konnte so noch mehr Nostalgie in das Kleid einarbeiten.

Der Schnitt basiert auf dem, den ich für das weiße Ibiza-Sommerkleid gezeichnet hatte, ist also selbstgemacht. Ich habe für das Blumenkleid aus den Brust- und Taillenabnähern Prinzessnähte gemacht und einen ausgestellten Rock angezeichnet. Die Träger habe ich so angesetzt, dass sie ungefähr über den Trägern vom Lieblings-BH entlanggehen. Hinten hat das Kleid ein völlig nutzloses Bindebändchen. Es ist nicht so locker, dass man es enger schnüren müsste, aber ich meine mich an solche Details aus den Neunzigern zu erinnern.

Blöderweise habe ich das Kleid in dem Moment fertig, wo sich der Sommer vom Acker macht. Ich denke aber, dass es mit Strumpfhosen und Strickjacke durchaus noch etwas mit in den Herbst kommen kann. Und rein spaßeshalber, just because I can, habe ich es auch mal zum Neunziger-Jahre-Cosplay gestylt.

Das ist zwar irgendwie süß, so mit allen Klischees die mir grad eingefallen sind, aber das bin ich ehrlich gesagt nicht. Sans Hut, Choker und mit Strickjacke statt Shirt sieht der Look schon wieder ganz anders aus. Die Overknees habe ich ewig nicht getragen, aber zu den klassischen Boots mag ich sie ganz gerne. Und die zweiundvierzig schmalen Silberreifen! Die sollte ich echt mal wieder ausführen.

Insgesamt mag ich dieses Projekt sehr gerne weil es eins von diesen ist, wo man auch den Schnitt selbst gemacht hat und er sitzt fantastisch. Dazu fühlt sich das Kleid so gut verarbeitet an weil ich einige Details von Hand gemacht habe und ein Futter ja auch immer so einen hochwertigen Look erzeugt. Den Schnitt werde ich also definitiv gerne weiterverwenden, auch wenn mir spontan noch nichts einfällt was in diese Richtung geht.

5 Kommentare zu “king jeremy the wicked”

  1. Centi schrieb:

    Hihi, also mit Hut und Overknees sieht das so dermaßen 90er aus, das ist schon heftig. Aber sehr süß. Ich mochte die 90er. Das liegt daran, dass ich in den 80er Teenie war und die folglich schlimmer fand. Zumindest die letzten Jahre.
    Das Kleid ist allerdings echt hübsch, quasi modeunabhängig.

  2. Kleine Frau schrieb:

    Oh Gott.
    Ich mag’s haben! *.* Das Kleid ist so unendlich klasse!
    Und ja, du hast den 90er-Look wunderbar hinbekommen. :D
    Was mir zu den 90ern einfällt? Frufo, Plasteschnuller zum Sammeln, furchtbare Jeansjacken und meine Grundschulzeit. Im Vergleich zu dir bin ich wirklich ein Küken.

  3. Medea schrieb:

    Ich liebe das Kleid (sowas schwebt mir schon den ganzen Sommer vor!) und noch mehr den 90er Cosplay Look – du könntest sofort so raus gehen.

  4. regenfrau schrieb:

    Das Kleid ist toll! <3 Ich stand damals schon total auf Blümchenkleider – gerne mit Rangern kombiniert. Warum man T-Shirts unter Kleidern/Tops mit Spaghettiträgern trägt, habe ich allerdings nie nachvollziehen können. Danke für die Erklärung!

    Jean Pascale Pullover würde *ich* jetzt übrigens eher in die 80er packen.

  5. Frau_Shmooples schrieb:

    Ich hab Blümchenmuster wirklich schon immer gehasst. Mit diesem Kleid machst Du sie mir aber irgendwie sympathisch.
    Die 90er waren schon eigenartig… In meiner Erinnerung kann ich sie aber nur schwer von den ersten Jahren der 2000er trennen.

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