Curiosity colored the cat

18. Oktober 2014 (11:48 h) – Tags: , ,

Musik: Disturbed - Haunted | Stimmung: Wochenende!

Erinnert sich noch jemand an das Drachentuch, das ich Anfang des Sommers auf dem Outiloudi gekauft habe? Das hier?

Ich hatte extra den Drachen auf weiß ausgesucht weil ich das Tuch selber färben wollte. Davon bin ich auch nicht abgekommen. Aber unkontrollierbare Batik mit ein oder zwei Farben (so schön das aussieht!) ist bei diesem Projekt nicht was ich will. Der Drache als König der Fantasywelt muss Fantasyfarben bekommen, und damit meine ich grün-türkis-blau-violett-pink. Die sollen nach Möglichkeit nicht völlig ineinandermatschen sondern einen groben Farbverlauf bilden. Die Herausforderung besteht also darin, eine Färbetechnik zu finden mit der ein solcher Farbverlauf auf das Tuch zu bekommen ist.

Das Problem mit meinen üblichen Batikfarben (Marabu EasyColor) ist, dass sie warm angemischt werden und der Stoff dann relativ lange in der Färbelauge liegen muss. Wenn man die angemischten Farben über den Stoff gibt (auch großzügig), dann sickern sie weg und färben nicht so intensiv. Das habe ich zum Beispiel bei der Regenbogenbatik vor zwei Jahren gemerkt. Ich brauchte also eher Farben die sofort funktionieren und in denen der Stoff nicht einweichen muss.

Meine erste Idee waren Stoffmalfarben. Die wollte ich verdünnen und dann grob auf den feuchten Stoff bringen. Ich besorgte also die entsprechenden Farbtöne und fischte ein zu Experimenten aufgelegtes weißes Top aus dem Schrank. Das wurde nass gemacht, ausgewrungen und auf eine (mit Plastiktüte bespannte) Pappe gezogen. Dann ging ich mit den Farben und einer Blumenspritze ans Werk. Durch das nachträgliche Aufsprühen von Wasser kann man die Farben noch besser ineinanderlaufen lassen. Natürlich wird die Arbeit so auch ganz schön nass, Folie auf dem Fußboden ist also auf jeden Fall angeraten.

Das Shirt trocknete in der Badewanne soweit, dass es nicht mehr tropfte, dann kam es auf den Wäscheständer. Anschließend bügeln und probewaschen.

Fazit dieses Tests: Die Stoffmalfarben lassen sich natürlich sehr gezielt auftragen, man kann genau steuern wo man welche Farbe haben mag. Auf nassem Stoff verlaufen sie sehr gut, auch noch beim Trocknen, das sollte man berücksichtigen. Davon abgesehen, dass das Shirt eine ziemliche Sargklamotte geworden ist weil ich die Rückseite einfach weiß gelassen habe, ist es ein hübsches Teil. Nachteil der Stoffmalfarben: Ich arbeite damit automatisch kleinteilig. Selbst mit größeren Pinseln verzettel ich mich in Details. Insofern glaube ich nicht, dass dies die richtige Technik für ein großes Tuch ist.

Ich recherchierte also weiter und stieß auf flüssige Batikfarben in Spritzflaschen. Das Internet ist voller Projekte und Anleitungen von Leuten die damit tolle Shirts, Bettlaken und anderes gemacht haben. In Amerika gibt es diese Farben offenbar überall zu kaufen. Hier nicht. Amazon hätte sie mir importiert, aber zu solchen Mondpreisen, dass ich dankend ablehnte.

Dann stieß ich aber auf Marabu Fashion-Spray. Eine ähnliche flüssig Stofffarbe, nur in Sprühflaschen. Praktischerweise verkauften sie neulich auf einem Shoppingsender so was ähnliches und führten mir (zu dem Zeitpunkt krank auf dem Sofa rumlungernd) vor was das Zeug alles kann. Das klang vielversprechend. Ich besorgte also das Fashion-Spray in vier Farben.

Diesmal gaben weiße Jerseyreste die Probekandidaten. Man sieht wie die Farbe sprüht: Mit Klecksen und nicht unbedingt sehr dicht. Die Kleckse finde ich als Effekte gar nicht verkehrt, aber etwas mehr Intensität dürfen die Farbtöne schon rüberbringen. Also habe ich wieder zur Blumenspritze gegriffen und siehe da, die Farben liefen hervorragend ineinander. Die irgendwann klitschnassen Stoffe habe ich testweise zusammengeknüllt wobei die Farben nochmal gut aufeinander abgefärbt haben.

Dann legte ich die tiefnassen Lappen in die Badewanne. Ich wollte sie wieder antrocknen lassen, möglichst waagerecht weil ich befürchtete, dass die Farbpigmente sonst abrutschen könnten und alles nach unten verläuft. Ich drehte mich einmal um, ging kurz aus dem Bad und kehrte dann zurück um meine Katze Siouxsie in der Badewanne, mit vier Füßen auf dem bunten Jersey stehend, vorzufinden. Ich versuchte sie runterzuheben, sie entkam, bunte Pfötchenabdrücke ins Bad stempelnd. Das Ende vom Lied war eine protestierende, unter den Arm geklemmte Katze der ich ihre blauen Füßchen zu putzen versuchte. Und dann eine kleine Badezimmer-Putzaktion.

Notgedrungen hing ich die tropfnassen Stoffe doch auf den Wäscheständer (Folie drunter) und es passierte genau was ich befürchtet hatte: Jede einzelne Stange auf der sie auflagen drückte sich in die Farbe und hinterließ dunkle oder helle Stellen. Nagut. Teststoffe, ist also nicht so schlimm.

Die trocknen Jerseys hätte ich dann bügeln können, aber man kann die Farben auch im Backofen fixieren, was ich prompt ausprobiert habe. Nach dem Testwaschen sind die Farben etwas blasser geworden, aber nicht viel.

Fazit zu den Sprühfarben: Wenn man zusätzliche Wasser aufsprüht laufen die Farben wunderbar ineinander und ergeben tolle Effekte. Das ist leicht hinzukriegen und verbraucht nur sehr wenig Farbe. Man kann damit auch großflächiger arbeiten, für Details könnte man sicher auch Stoffmalfarben dazukombinieren. Nachteil: Die Stoffe werden bei dieser Technik stark durchnässt und es ist fast unmöglich große Stücke so zu trocknen, dass dabei die Farbe nicht verrutscht.

Hinsichtlich meines Drachentuches stellt letzteres ein Problem dar. Die einzige Möglichkeit die ich sehe, ist das ganze an einem sehr warmen Sommertag auf einer Wiese zu machen und das Tuch dann einfach liegen und in der Sonne (an)trocknen zu lassen. Nur: Sommer, das ist die Jahreszeit die grade vorbei ist. Es kann also gut sein, dass der Drache noch etwas auf seine Fantasyfarben warten muss. Auch wenn ich das voll schade finde.

5 Kommentare zu “Curiosity colored the cat”

  1. Katrin schrieb:

    Vielleicht könntet ihr es in der Wohnung auf dem Boden (mit Folie) liegen lassen. Vermutlich dauert, dass dann aber Jahre, bis der Stoff trocken ist.

    Ihr könnt aber ein (feines) Netz aufspannen und den Stoff darauf legen. Als Unterlage/Netz könnte man ein Fensterfliegengitter nehmen. Dann bräuchte man nur einen Rahmen der groß genug ist. Dadurch habt ihr nicht mehr die Stangen vom Wäscheständer. Evtl. hängt die Mitte etwas Tiefe aber sollten die Farben verrutschen, dann zumindest gleichmäßig zur Mitte.

    Wegen der Größe habe ich gerade mal geguckt, von Tesa gibts eins für Fenster mit 1,7m x 1,8m. Wenn ihr es größer braucht, findet ihr sicherlich irgendwo was.

  2. Calandryll schrieb:

    wow, die effekte sind ja grossartig mit dem sprayzeug.

    meine idee wäre einer der grossen seidenmalerei-rahmen. ansonsten kann man sowas leicht mit dachlatten auch nachbauen. da kann man den stoff mit spannklammern drin festmachen und es so dann auch trocknen lassen.

    gruss

  3. caly schrieb:

    Omg ich liebe die Farben! Autora Borealis. :)

  4. Hexenstern schrieb:

    Seodenmalfarbe ????und aufspannen??

  5. wahbet schrieb:

    Saucooler Blog, bin gerade darüber gestolpert, weil ich versuche herauszufinden wie man am besten Patches aufnäht. Näherfahrung hab ich schon, aber ich hab so ein Led Zeppelin Patch mit nem Eremiten und das scheint nicht so einfach..

    Super Themen, interessieren mich alle, ich werde hier öfter vorbeikommen und muss noch mehr hier stöbern!!!

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