You’re all about to make a fool of yourself

19. November 2014 (15:54 h) – Tags: ,

Musik: Avantasia - Stargazers | Stimmung: Fühlt sich an wie drei Wochen Urlaub

Auch in diesem Jahr hat sich die Festivalsaison bis in den November hingezogen. Am letzten Wochenende konnten wir den Metalurlaub für dieses Jahr würdig abschließen und haben nicht nur grandiose Bands gesehen sondern auch ein riesiges Badeland unsicher gemacht sowie in Ferienwohnungen zusammen WG-Erfahrung gesammelt. Die Rede ist, natürlich, vom

Das Festival ist in diesem Jahr noch toller gewesen als bei der Premiere 2013. Wirklich. Das lag vermutlich zum einen am Lineup mit dem sie mir persönlich eine große Freude gemacht haben, zum anderen aber sicher auch daran, dass diesmal fast alle Tribemitglieder dabei waren.

Ich bin Donnerstag mit Ophelia und Freund angereist. Spät, weil nach der Arbeit. Die anderen hatten also schon unsere WG bezogen, das Wohnzimmer mit Nerf-Darts vollgeschossen und ihre Musikanlage auf der Terrasse aufgebaut. Nach dem Begrüßen machten wir uns trotzdem erstmal gemeinsam auf zum Ostseestrand. Auf die Düne davor hatte man einen sehr amtlichen MHP-Schriftzug gebaut der wie in der Hollywood Hills angestrahlt wurde. Das sah echt toll aus. Und wurde geentert.

Ein paar Schritte weiter eröffnete sich die Ostsee. Wassertemperatur vergleichbar mit der Tolminka hinter dem Festivalgelände vom Metalcamp, Luft aber November in Deutschland statt mediterranem August. Trotzdem musste da gebadet werden. Manche von meinen Freunden kennen echt kein Pardon. Die waren jede Morgen da drin.

Red hat hier beim Gruppenfoto noch nichtmal wieder Schuhe an. Ich war nicht kalt baden. Mir hat die Seebrücke und später unsere Campparty draußen vor der Ferienwohnung gereicht. Man hätte im November ja ruhig mal drinnen feiern können. Aber draußen ist irgendwie mehr Festival und es hat immerhin nicht geregnet. Also haben wir alle anwohnenden Gäste der Ferienanlage mit unserem Mitgegröhle zu den üblichen Songs belästigt.

Ich habe hier tatsächlich selbstgepressten Orangensaft mit Zitrone und Ananas im Becher. Dass ich keinen Alkohol getrunken habe, ist lustigerweise niemandem aufgefallen. An den folgenden Abenden vor der Bühne hab ich auch mal Bier gehabt, aber im Großen und Ganzen echt wenig getrunken. Und das scheint der Weg zu sein. Mir gings super, ich war abends nicht weniger gut drauf und morgens auf jeden Fall fit.

Bevor es Freitag dann aber mit den Bands losging waren wir erstmal im Spaßbad. Und das heißt rutschen! Leider war die „Blaue Rutsche“ gesperrrt, das ist die bei der man durch die Dunkelheit in ein Sternenmeer rutscht. War ein bisschen schade, aber wir haben dafür umso mehr Kilometer auf der Reifenrutsche absolviert.

Und der Church Of The Bucket gehuldigt. Da befindet sich ein riesiger Eimer auf diesem Klettergerüst in den immer wieder Wasser läuft. Ist er voll läutet eine Glocke zum Gottesdienst. Wir versammelten uns dann unten und brachten uns mehr oder weniger andächtig in Position. Dann knallte das Wasser auf uns herunter, riss gnadenlos an zu locker sitzenden Bikinihöschen und verschaffte im allgemeinen eine ziemliche Tauferfahrung. Grandios. Das haben wir immer wieder gemacht.

Ansonsten kam der Aufpuste-Morgenstern den die Freunde im Sommer bei der epischen Schlacht von Skelfir bekommen hatten auch gerne mit auf die Reifenrutsche. Die war überhaupt das tollste.

Es gibt ein Video vom Rutschen bei dem ich mich immer wieder wegschmeißen kann, aber leider kriege ich es hier nicht eingebunden. Deshalb nur ein Link den ihr dann auf dem Player euer Wahl abspielen könnt: Badespaß für Metaller.

Wie man dort schon sieht liegt die Gefahr des Rutschens nicht auf der Strecke sondern im Auffangbecken am Ende. Benutzt man die Rutsche wie vorgesehen alleine kommt man ungeschoren davon. Hat natürlich keiner gemacht. Und so sind wir nach jeder Partie alle übereinandergepurzelt und haben riesige Auffahrunfälle produziert. Ich sage euch, so viele blaue Flecken bekommt man in keinem Moshpit.

Neben Eimer und Reifenrutsche gab es noch die Wildwasserbahn, Whirlpools, eine kurze aber sehr steile Rutsche an deren Ende man wie Jesus einige Meter übers Wasser schlittern konnte, die Grotte mit farbwechselndem Licht und lauter anderen nassen Unterhaltungskram. Ganz viel Spaß.

Achso, und Musik gab es auch noch. Am Freitag gleich ganz ordentlich. Ich finde kaum etwas erfüllender als mit lauter anderen Metallern vor einer Bühne zu stehen und eine Lieblingsband abzufeiern. Lärm, Schweiß und totale Begeisterung. Reißt einen auf eine angenehme Art aus dem Alltag.

Von den Headlinern habe ich nur einen gesehen, dafür aber ein fantastisches Powermetal-Wochenende gemacht. Ab und zu kriege ich ganz üble Phasen in denen ich nur heroischen Kitsch mit guten Stimmen hören mag. Und dazu haben die Bands die ich im Vorfeld auf der Running Order markiert hatten nicht ganz wenig beigetragen.

Angefangen haben wir aber mit Dr. Living Dead! die ich bisher nicht auf dem Zettel hatte. Aber im Programmheft standen das Wort „Thrash“ und dann kann es so verkehrt nicht sein, dachte ich. Also hin. Vier Schweden mit Totenkopfmasken, die erfreulicherweise noch vom kleinen Riff Rondell in den etwas größeren Ballroom umgezogen waren, spielten achtzigerlastigen Crossover-Thrash. Yup, Crossover. Es gab eine Zeit, da wäre das für mich inakzeptabel gewesen und Korn galten mir damals als der Untergang des Abendlandes. Glücklicherweise verändern sich aber Horizonte und weil ich inzwischen ua Disturbed und die Beastie Boys mag, hatte ich auch bei Dr. Living Dead! viel Spaß. Ein gelungener, schneller Einstieg ins Festival und auf dem Player zu Hause sind sie auch schon gelandet.

Ebenfalls am Freitag spielten Knorkator. Und die kann ich einfach nicht nachvollziehen. Meine Freunde sind fast alle von Knorkator begeistert, sogar Natron sagte, dass sie live, wenn man in der richtigen Stimmung ist, ganz unterhaltsam wären. Also bin ich mal für zwei Songs mitgegangen. Hm. War irgendwie… nicht meins. Hier sehr schön fotografisch festgehalten: Ich ziehe ein WTF-Gesicht, Red ist glücklich und die Freunde hinter uns gehen total ab. Mag ich, das Bild.

Im weiteren Verlauf des Abends kamen wir dann auch endlich zu den Bands denen ich entgegengehibbelt hatte. Die Party fand komplett im kleinen Baltic Ballroom statt. Ein Nasenquetsche, aber irgendwie funktionierte es trotzdem. Zuerst spielten Freedom Call.

Was es mit denen ist, weiß ich nicht. Bei Freedom Call habe ich sofort ein Grinsen im Gesicht. Das ist Happy Metal. Man kann (und muss!) alles mitsingen und die Band hat so eine unerklärliche positive, motivierende Ausstrahlung, dass ich denen sofort eine Fitness-DVD abkaufen würde.

Die Stimmung bei Freedom Call hätte besser kaum sein können. Wir hatten uns sofort auf Betriebstemperatur gefeiert was auch nicht schlecht war, denn nach dem Umbau ging es gleich powerlastig weiter.

Ja, Kai Hansen hat ein bisschen zugenommen. Aber piepegal. Ich habe mich spätestens seit Veröffentlichung von Empire Of The Undead darauf gefreut Gamma Ray wieder live zu sehen. Ich mag das Album total und vor allem die Über-Hymne „Avalon“. Und weil sie das wohl ahnten haben die Hamburger auch gleich mit dem Song eröffnet. Das war ganz groß. Überhaupt ein Hammer-Konzert. „I Want Out“, den ich als Zugabe erwartet hatte, haben sie ziemlich früh gespielt, dafür aber später andere Klassiker wie „Rebellion In Dreamland“ und noch zwei neue Stücke. Vielen Dank, Gamma Ray! Am Ende fing ich noch zwei (!) von Hansens Plektren auf und hätte durchgeschwitzt und ein weniger heiser nicht glücklicher sein können.

Ich hatte mir die Aftershowparty nach Gamma Ray gespart und auch nicht Within Temptation angeschaut, war also „früh“ im Bett und Samstag wieder fit für das Spaßbad. Das hieß noch mehr Rutschen, noch mehr blaue Flecke, Eistee und Schwimmbad-Pommes und Chlor in den Augen. Alles super.

Ich brachte dann mit Red den bisher aufgelaufenen Pfand in den Supermarkt auf dem Gelände der Ferienanlage, das waren immerhin fast 12 Euro. Wir kauften dafür gleich wieder ein und versammelten uns dann in unserer WG-Küche, einer kochte Nudeln und ich brachte den anderen den Refrain von „Defenders Of the Crown“ bei weil ich sowieso seit Tagen schon nichts anderes als Edguy im Ohr hatte.

Bevor es später aber wieder Powermetal gab durften die anderen auch mal eine von ihren Bands genießen. Satyricon hatten ja schon beim Metalcamp abgeräumt und diesmal, wo ich nicht erst beim dritten Song mit einem Cocktail vom Strand eintrudelte, waren sie fast noch besser. Total präziser Sound, erfrischend wenig Bühnenshow und wie höflich Satyr sich nach jedem Applaus bedankt hat!

Satyricon spielten auf der großen Bühne im Zelt aber aus irgendeinem Grund waren total wenig Leute da. Das war ungewohnt, aber nicht negativ. Immerhin standen wir so weit vorne, dass ich mehr als ein überstrahltes, unscharfes Foto schießen konnte.

Dieses mit perfekter Gitarrenheldenpose mag ich ziemlich gerne. Allerdings hat Tourgitarrist Diogo Bastos mitbekommen, dass ich ihn fotografiert habe und anschließend die einzige Person mit grauem Glitzershirt (es ist immerhin von behemoth!) im Publikum von der Bühne runter abgecheckt.

Nach Satyricon standen Powerwolf auf dem Programm. Und bei aller Liebe: Der Kontrast war wirklich ein bisschen hart. Also sind wir erstmal ins Riff Rondell ausgewichen um ein Auge auf Mantar zu werfen. Zwei Mann die ordentlich Krach machten und wenigstens habe ich jetzt einen Eindruck was „Sludge“ für ein Genre sein soll. Genauso guckten wir später noch ganz kurz bei Powerwolf rein, mussten aber zwischenzeitlich vor allem noch den Merchbereich in der „Mall“ durchkramen. Ich schleppte sechs CDs ab, darunter das nagelneue Album von Machine Head, und ein Shirt. In rot, kann man wieder nicht auf leeren Konzerten anziehen.

Beute in die Wohnung gebracht war es dann endlich, endlich Zeit für den Headliner am Samstag. Seit mir last fm neulich den Titeltrack von „Space Police“ untergejubelt hat klebt mir Edguy im Ohr. Lange mehr keinen so hartnäckigen Sound im Kopf gehabt.

In meinem Freundeskreis gehen die Meinungen zu Edguy ziemlich auseinander. Ich habe mich unheimlich drauf gefreut und boah, es war unglaublich. Das Publikum war wieder übersichtlich, aber neben mir standen zwei Typen die jedes einzelne Wort mitsingen konnten. Partyfaktor war da vorne also gegeben.

Tobi Sammet, wie erwartet ein bisschen hyperaktiv, machte vor einem Song mal eine vermeintlich ernste Ansage, sie würden den jemandem widmen der normalerweise nicht gebührend Aufmerksamkeit bekäme und so: … Ihm. Es folgte „Superheroes“. Eins zu Null, Sammet.

Es gab endlich mal wieder ein anständiges Schlagzeugsolo, im Laufe dessen der Drummer den Imperialen Marsch auf der Blockflöte (!) anspielte und dann zuende trommelte, sie spielten ihr mutiges Falco-Cover und als „Space Police“ kam wußte ich: Mein Festival ist komplett. Die Bands auf die ich hingefiebert hatte haben restlos überzeugt, dazu hat man noch ein paar neue mit nach Hause genommen. Auch Machine Heads neues Album ist fantastisch, hat es aber grade ein bisschen schwer gegen den ganzen klebrigen Powermetal anzukommen. Rutschenparadies war super, allgemeine Stimmung total entspannt, mit Natrons Haaren kann man tolle Flechtfrisuren machen und ich würde sofort mit den Freunden in eine WG ziehen. Metal ist super.

Ein Kommentar zu “You’re all about to make a fool of yourself”

  1. Cori schrieb:

    Hach ja, schön war’s. Nächstes mal auch gerne in fit. ;)
    Das Video kann ich übrigens albernerweise am Ende vom Post sehen, wenn ich im Feedreader vom Mimimifon bin, aber nicht am Laptop. Muss ich nicht verstehen. ;)

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