It’s all about the blood, the sweat, the tears

9. Dezember 2014 (13:04 h) – Tags: , , ,

Musik: Iced Earth - Dark Saga | Stimmung: Und geht weiter!

Von meinen vielen Überstunden konnte ich letzte Woche welche lohnenswert in einen freien Tag investieren. An diesem bin ich nach Hamburg gefahren, Natron holte mich vom Bahnhof ab und wir tingelten gleich los in Richtung Weihnachtsmarkt. Lustigerweise haben sie bei mir auf Arbeit Bildschirmhintergründe mit Hamburger Stadtansichten (Firma kommt aus HH) und der Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus ist auch dabei. Es gab also in absolut pittoresker Kulisse den ersten Glühwein der Saison und ein bisschen was eingekauft haben wir auch.

Ich habe es in diesem Jahr nicht zum Rixdorfer Weihnachtsmarkt bei mir um die Ecke  geschafft, wo ich mir eigentlich einen Herrnhuter Stern fürs Fenster kaufen wollte. Das hat man hier in unmittelbarer Nähe zum Böhmischen Dorf nämlich so dekoriert. Glücklicherweise gab es die Sterne aber auch in Hamburg und ich habe mir meinen dort mitgebracht. Außerdem Räucherstäbchen und ein paar Steine für mein esoterisches Wohnzimmer.

Bergkristall und Lapislazuli aussen hat mir neulich ein lieber Bekannter geschenkt, den sternförmigen Amethyst und das Fluorit-Klötzchen habe ich aus Prag mitgebracht, neu ist in der Mitte pinkfarbener Chalkopyrit der glitzert als wäre er mit Nagellack angemalt.

Außerdem habe ich noch diesen Ammoniten gekauft der noch 140 Millionen Jahre altes Perlmutt drauf hat. Wow.

Auf dem Weg zu Natron nach Hause stoppten wir noch bei ihrem Trödelladen und auch da konnte ich natürlich nicht an altem Scheiß vorbeigehen. Ich habe mich zwischenzeitlich verflucht so einen schweren Brocken nach Berlin schleppen zu müssen, aber diesen alten Kirchenleuchter musste ich mitnehmen.

Natron hatte vegetarisches Chilli und Naanbrot gemacht, ich begutachtete ihre aktuellen Nähprojekte und durfte an ihren Haaren rumschnippeln. Das war ein super entspannter Tag und schon total schön. Ich bin aber ja nicht zur Entspannung in den Norden gefahren. Sondern weil ich noch eine Rechnung offen hatte mit der Band die ich im Sommer nicht sehen konnte als Toyah krank war. Machine Head haben zum Glück zwischenzeitlich ein neues Album herausgebracht und sind deshalb nochmal in Europa unterwegs.

Weil das eine von meinen absoluten Lieblingsbands ist, war es nicht ganz einfach ein Shirt für den Abend auszuwählen. Normalerweise ziehe ich eine Band an die grob aus dem gleichen Genre stammt aber irgendwie größer und toller ist. Nur wer ist toller als Machine Head? Metallica kann man quasi immer tragen, das wollte ich nicht schon wieder tun. Schließlich zog ich was völlig abwegiges an, nämlich das rote Edguy-Shirt was ich neulich beim Paradise gekauft hatte. Und -ha!- das war gar keine schlechte Wahl, weil Machine Head ihre Bühne nämlich komplett in rot tapeziert hatten und die Löwen vom „Defenders Of The Crown“-Motiv auf dem Shirt fast genau die gleichen wie die vom Lioncrest auf der Bühne waren.

Natrons Mann verschließt sich der Großartigkeit dieser Band irgendwie, deshalb zog ich nur mit Natron los. Mädchenkonzert, wie in ganz alten Zeiten. Ich fürchte meine Glaubwürdigkeit leidet darunter, dass ich jedes Konzert über das ich hier schreibe als absoluten Hammer darstelle. Aber mich begeistert Livemusik immer wieder und jede Band ist ja anders toll.

Machine Head waren ein absolutes Stress-Konzert. Im positiven Sinne. Ich weiß gar nicht so richtig wie ich es beschreiben soll, ohne dass man denkt „Oh nee, das würde ich mir ja nicht antun!“. Fangen wir vielleicht mal so an, dass ich spätestens seit dem Paradise eine intensive Powermetal-Phase habe. Ich höre also Gamma Ray, Freedom Call, Edguy und -am heftigsten von allen- Avantasia. Das ist toll, macht gute Laune und verbessert mir jeden Tag. Aber es ist auch richtig viel Kitsch mit Effekten und Geträller. So ein bisschen als wenn man nur Süßigkeiten essen würde. Erstmal der Himmel auf Erden, aber dann kriegt man irgendwann so leichte Zahnschmerzen, nur kann man trotzdem noch lange nicht damit aufhören. Das Gegenteil von diesen ganzen Zuckerschnecken waren dann Machine Head. Die haben einen so durchgeprügelt, dass man am Ende wieder auf normal Null angekommen war.

Die Grosse Freiheit, wo sie gespielt haben, ist wirklich kein so riesiger Laden und war entsprechend auch ausverkauft. Ich finde es meist sehr angenehm eine große Band in einem kleinen Club zu sehen. Ist direkter, man sieht was von der Bühne und wenn du Glück hast schmeißt Robb Flynn einen halbvollen Becher nach dir. Es gab zwei Vorbands, Diablo Blvd und Devil You Know, die ersten waren sehr unterhaltsam, die zweiten haben mich nicht so umgehauen.

Aber Machine Head. Sie haben nicht, wie ich fast erwartet hatte, mit „Now We Die“ eröffnet. Der kam dann aber ziemlich bald und war live echt überwältigend. Das ist überhaupt vermutlich der überragendste Song auf dem sehr, sehr guten neuen Album. Es gibt auch schon ein Video dazu was zwischenzeitlich wirklich ein bisschen verstörend ist.

Live gab es insgesamt eine gute Mischung als altem Scheiß und neuem Scheiß, von der Bloodstone & Diamonds haben sie sogar „Sail Into The Black“ gespielt was ich nie für einen Livesong gehalten hätte. Aber vielleicht auch um das Tempo zwischenzeitlich mal rauszunehmen. Denn quasi ab der ersten Minute ist das Publikum total abgegangen. Keine Chance da mit verschränkten Armen zu stehen und mit dem Fuß zu wippen. In dem kleinen Laden riss immer wieder ein riesiger Circle Pit auf und verschlang teilweise zwei Drittel des Raumes. Die Leute sind gesprungen und ausgeflippt bis es gefühlte 80 Grad waren und der Schweiß von der Decke tropfte.

Ich habe irgendwann das T-Shirt hochgekrempelt und unter den BH gesteckt, meine Haare waren so eklig verschwitzt und verklebt und nur weil Natron mich noch zu Stahlkappenstiefeln überredet hatte blieben die Füße einigermaßen verschont. Aber wow, das war wirklich beeindruckend. „The Blood, The Sweat, The Tears“ ging unglaublich ab, „Davidian“ hat Robb Flynn so clever angesagt, dass wirklich jeder auf dem Zettel hatte wann „Let freedom ring with a shotgun blast!“ reinzubrüllen wäre und beim Anfang von „Aethetics Of Hate“ riefen sie im Publikum „Dimebag! Dimebag!“ was ein bisschen Gänsehaut war. Der Song fadete dann in „Game Over“ über und nachdem wir auch noch „Darkness Within“ mit zehnminütiger Ansage bekommen hatten beendeten Machine Head die Show traditionell mit „Halo“. Wir waren wie aus dem Wasser gezogen, nassgeschwitzt, erschöpft, glücklich und wiedergeboren. Das war richtig, richtig geil.

Zuhause tranken wir noch einen Rum-Cola mit Red, der vor der XBox gehockt und auch Halo gespielt hatte. Erst dann war ich soweit runtergekommen, dass ich auch irgendwann mal schlafen konnte.

Ich fuhr am nächsten Tag wieder mit der Bahn zurück, ein Luxus den ich mir gegönnt hatte weil meine Zeit in Hamburg ja dieses mal eher knapp bemessen war. Und im ICE kann man sogar noch viel entspannter stricken als im Auto, insofern bin ich mit den zweiten Socken auch gut vorangekommen.

4 Kommentare zu “It’s all about the blood, the sweat, the tears”

  1. Centi schrieb:

    Der Kerzenständer sieht ja mal extrem hochwertig aus. Kein Wunder, dass der schwer ist… aber praktisch: Wenn jetzt ein böser Einbrecher kommt, kannst du den damit damit k.o. hauen!

  2. Toast schrieb:

    Was alle an Machine Head so toll finden, konnte ich auch noch nie nachvollziehen. Aber ich gestehe ihnen ein, dass sie es live echt drauf haben. ;) Das Problem, dass man immer viel zu enthusiastisch über Konzerte schreibt, kenn ich. :D Livemusik fühlt sich nunmal einfach besser an, und jedes KOnzert ist auf eine andere Art genial.

  3. irrlicht schrieb:

    Ich bin immer schwer fasziniert, dass du überhaupt in der Lage bist, Konzertfotos zu fabrizieren, die man nicht als abstrakte Kunst könnte. ;)

    Und im Zug strickt es sich in der Tat gut, im ICE sogar noch besser als in S- oder U-Bahn. Nur Stadtbusse sind furchtbar. :D

  4. Die Rote IRis schrieb:

    Liebe Soda,
    ich finde es großartig wie du es schaffst in einem Blogpost Wohnungseinrichtungsgedanken, Heavy-Metal-Konzertberichte und danach Sockenstricken im Zug unterzubringen OHNE dabei ein Bild von einer arg zwiegespaltenen Persönlichkeit zu zeichnen!
    Ich finde diese Vielschichtigkeit sehr bewundernswert – wenn ich groß bin möchte ich auch mal so werden wie du
    :D

    lg
    iris

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