Die schwebend unbeschwerten Abgründe und die Gärten

9. April 2015 (18:16 h) – Tags: , ,

Musik: Manowar - The Gods Made Heavy Metal | Stimmung: Weihrauch-Räucherstäbchen machen Atmosphäre wie in einer katholischen Kirche

Übrigens habe ich den Hausaltar inzwischen fertig. Also sagen wir mal „einstweilig fertig“. Ich möchte auf keinen Fall ausschließen, dass ich da noch weiter fummeln und dekorieren werde.

Jetzt ist also das Regalbrett fertig bemalt und ich habe es an die Wand geschraubt. Zu dem Schnörkel und dem Auge habe ich noch mehr Spruch gemalt, und dazwischen ein Heiliges Herz. Es fehlte noch irgendwas kleines und ich entschied über das Herz noch ein paar winzige Sterne zu setzen. Wie viele? Natron bestand auf vier. Aus ballsportlichen Gründen.

Die blaue Glitzerrückwand ist mit dem Styropor-Rahmen zusammengeleimt und die beiden habe ich sorglos an die Tapete geklebt. Es ist möglich, dass ich mich dafür irgendwann verfluchen werde, dann nämlich wenn ich die Rückwand runternehmen will und die Tapete mit abreiße. Aber damit kann sich Zukunfts-Soda beschäftigen wenn es soweit ist.

Man sieht hier, dass ich den Altar schon wieder ziemlich voll gestellt habe. Meinem vage pantheistischen Universumsglauben folgend wollte ich ein paar unterschiedliche sakrale Figuren zusammenstellen. Maria, ein Buddha, gerne auch Bastet oder Ganesha. Dazu Räucherstäbchenhalter und Kerzen. Auf der Suche nach Kerzenhaltern stieß ich dann in einer Kiste auf eine Tüte voller Halbedelsteine und sternförmiger Muscheln, deshalb habe ich noch jede Menge Kleinstkram dazu dekoriert.

Um unter dem Brett die Winkel zu verdecken die es an der Wand halten habe ich ein Glitzerhalstuch an die Brettkante getackert. Aus einem Rest dunkelblauem Samt habe ich unter viel Aufwand eine Art Zaddelstreifen genäht und diesen zusammen mit einer gold-schwarzen Borte über die Tackerklammern genagelt. Nachtblau auf schwarz fällt der Zaddelstreifen jetzt viel zu wenig auf, und ich behalte mir vor da noch mehr Deko ranzuschmeißen. Auch unten, wo ein Zopfgummi das Tuch rafft, könnte noch irgendwas Güldenes dran.

Ich konnte noch zwei Styroporkonsolen aus dem Ärmel zaubern, die habe ich mit Acryl so ähnlich wie den Altarrahmen bemalt. Damit man da auch was draufstellen kann sind an die Wand breite Winkel geschraubt, die wurden mit dunkelblauem Samt bezogen und die Konsolen nur druntergeklebt. Wo die Winkel ein Minimum zu breit waren habe ich sie knallhart in Wandfarbe bemalt, sieht man wirklich kaum.

Rechts steht der Foo-Hund vom Trödel drauf. In den Halter auf seinem Rücken passen nur sehr kleine Kerzen, so wie für Weihnachtsbäume oder -pyramiden. Und um diese zu besorgen ist definitiv die falsche Jahreszeit, aber ich hatte noch Christbaumkugeln. Matt dunkelblau mit glitzernden Sternen, die stammen aus der gleichen Deko-Kampagne wie die Rückwände vom Hausaltar. Eine habe ich mit goldfarbenen Sternen bemalt und kopfüber in den Kerzenhalter gesetzt. So trägt der Wächterlöwe jetzt das All auf dem Rücken. Das war mehr eine spontane Idee ohne bedeutungsschwere Hintergedanken, aber inzwischen finde ich die Vorstellung einer solchen Kreatur die alles trägt und beschützt total poetisch.

Links steht eine Buddhafigur die ich mal irgendwo geschenkt bekommen habe. Sie sitzt auf einem Kästchen in dem profanerweise nur ein Katzenspielzeug drin ist. Weiß ja keiner. Um die Proportionen zum Universums-Wächter auszugleichen habe ich hinter die Figur einen kleinen Messingteller an die Wand geklebt, nur mit Haftgummis um den Teller nicht zu beschädigen. Der stammt nämlich aus dem Nachlass meines Großonkels welcher ihn aus Persien mitgebracht hat.

Ich bin mit dem Hausaltar sehr zufrieden. Abends werfen die Kristalle im Wohnzimmerfenster dort regenbogenfarbene Lichtsprenkel drauf und alles glitzert und leuchtet. Als nächstes könnte ich jetzt die nicht ganz wenigen goldfarbenen Bilderrahmen und Dekodinge von der Ablage hinter dem Sofa nehmen und um den Altar herum an der Wand positionieren. Aber damit tue ich mich noch etwas schwer. Und so ist es ja auch schon ziemlich schön.

8 Kommentare zu “Die schwebend unbeschwerten Abgründe und die Gärten”

  1. Stitched Teacups schrieb:

    „Schon ziemlich schön“ ist in meinen Augen zwar eine Untertreibung, aber andererseits bin ich mir ziemlich sicher, dass ich auch beim nächsten Wohnzimmerpost wieder denken werde „Heiliges Kanonenrohr! Das wird ja immer besser!“
    Ich bin ziemlich begeistert von deinem Weltenträger. Der Gute ist zwar kein Elefanten-Quartett auf einer Schildkröte, aber unsere Welt ist ja auch keine Scheibe…

  2. Amy schrieb:

    So einen Hausaltar in der selben „wie es mir eben gefällt“ Herangehensweise wie du würde ich mir auch gerne mal werkeln – wenn ich mal den Platz dafür haben sollte. Ich finde, total eingepefercht wo geht das auch nicht, da geht dann die Wirkung verloren.
    Deiner ist absolut wunderschön und ich bin gespannt, was da noch kommt! (Wenn es denn kommt. Aber wie man dich kennt, ich glaub schon! ;) )

  3. lenelein schrieb:

    Eine tolle Komposition und wieviel Liebe und Hirnschmalz da drin steckt!

  4. Bronwen schrieb:

    Der Hausaltar ist super geworden. Much occult, so eclectic, wow. Ernsthaft, klasse. Und ich bin immer wieder hin und weg, nicht nur von deinen künstlerisch-handwerklichen Fähigkeiten, sondern auch von deinem Gefühl für Form, Farbe und Anordnung.
    Ganz großes Kino.

  5. chaotic schrieb:

    Ich finde den Altar auch wunderschön. Ich würde „fertig“ bei Wohnungsdeko oder -einrichtung in der eigenen Wohnung immer als „muss man nicht mehr verändern“ definieren, aber nie als „muss immer so bleiben“.

    Die beiden kleinen Konsolen finde ich genial! Wenn du den Trick nicht verraten hättest, hätte ich sie für ein Teil, das an der Wand hängt, gehalten.

  6. Centi schrieb:

    Ah… jetzt kapiere ich endlich, wie das zusammengehört! :D
    Der Altar ist wirklich sehr schön geworden. Schön und völlig einzigartig. =)

  7. Thalliana schrieb:

    Ich finde dein Wohnzimmer einfach nur großartig :D

  8. Kleine Frau schrieb:

    Ich schwanke zwischen Staunen, Erheiterung, ein bisschen „Wow“ und ein bisschen „WTF?“.
    Von der hndwerklichen Umsetzung her ist es wirklich ganz großes Kino, die – mehr oder minder tiefgehenden – Bedeutungen zu den einzelnen Elementen sind klasse und ach, ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll, außer: Mein Fall wäre es nicht, nichtsdestotrotz bin ich schwer begeistert.

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