Chilli-eating vegan Satyricon Fans

26. April 2015 (00:06 h) – Tags: ,

Musik: DevilDriver - Devil's Son | Stimmung: Urlaub!

Neulich lud mich eine Kollegin ein, mit zu Social Distortion zu kommen. Ehrlich gesagt nicht ganz meine Musik, aber auch nicht so weit weg, dass ich nicht mitgekommen wäre. Wir machen da jetzt ein Austauschprogramm draus. Ich ging als Metaller mit zu Rock’n’Roll und die Kollegin kommt irgendwann mit, wenn Iced Earth mal wieder in der Stadt sind. Die hat sie nämlich schon im Vorprogramm von Volbeat kennengelernt.

Und wie ist Livemusik so wenn sie kein Metal ist? Erstmal will ich auf keinen Fall in Abrede stellen, dass Social Distortion was können. Die waren wirklich gut. Ich fand das Konzert toll, sehr entspannt, chillig. Und viel leiser als gewohnt. Ich hatte brav meine musikoptimierten Ohrstöpsel dabei, brauchte sie aber gar nicht. Das war überraschend angenehm, man hörte das Publikum viel besser mitsingen. Hat mir gefallen. Die Leute gingen auch ganz gut ab, sprangen, pogten und kamen total verschwitzt an die Bar zurück. Und ich stand daneben wie das Metalcore-Kiddo, was den Kopf über ein ausflippendes Rhapsody-Publikum schüttelt. Trotzdem war es ein total schöner Abend. Livemusik verdient Respekt und über den eigenen Tellerrand zu gucken ist eines der erfrischendsten Dinge die man so tun kann.

Nichtsdestoweniger habe ich mir gestern Kontrastprogramm gegeben. Ich habe nämlich frei und weil ich neulich nicht in Berlin auf das Konzert gehen konnte bin ich nach Hamburg gefahren um Satyricon zu sehen. Mit Natron, Red, Ophelia und einem weiteren Kumpel. Und ehe ich jetzt erzähle wie unglaublich toll Satyricon waren, halte ich noch diesen Moment fest: Ich kam mit Boots, Machine Head-Shirt, Bier in der Hand in die Markthalle, die erste Vorband spielte schon und dieser bestimmte Teil meiner Seele, den man nur dann spürt wenn er sich entspannt, atmete auf. Ja, hier bin ich richtig. Das ist meine Musik, das ist endlich wieder Krach.

Bevor aber mal wieder bewiesen war, dass mir halt nur Metal taugt, hatte ich schon einen echt entspannten Tag mit den Hamburgern. Ich war schon ziemlich früh losgefahren und deshalb schon mittags in meiner zweiten Heimatstadt aufgeschlagen. Natron und ich haben uns dann erstmal mit einem Käffchen in die prächtige Sonne auf den Balkon gesetzt. Frühling rockt total. Später haben wir (also eigentlich Natron) Chilli und Naanbrot gemacht und als wir so um den Küchentisch saßen und das lecker Essen verputzten fiel auf, dass es mal wieder aus Versehen vegan geworden war. Nicht Black Metal! Red prophezeite, dass uns Satyricon vermutlich rausschmeißen würden, spätestens wenn sie mitbekämen, dass ich auch noch alkoholfreies Bier im Becher hätte. Ein Risiko, das wir in Kauf nehmen mussten.

Vorband eins waren also Oslo Faenskap. Ein bisschen bescheuert aber wirklich unterhaltsam. Die mochte ich. Zuschauerraum war noch halb leer, vielleicht auch weil sie viel zu früh angefangen hatten, also turnten die Musiker zwischenzeitlich mang den Leuten rum, so weit es das Kabel am Mikro halt erlaubte. Respekt.

Anschließend folgten Vredehammer. Auch die waren gut. Es ging im Publikum schon ganz ordentlich ab, auch Red war sehr begeistert. Danach bauten sie ein bisschen lange um, aber okay, wir gingen dann erstmal Merch angucken und so. Immerhin hieß es Satyricon würden volle zwei Stunden spielen, da wartet man ja gerne drauf.

Und wir wurden nicht enttäuscht. Zwei Stunden fantastische Show, astreiner Sound, tolle Setlist. Ich bin kein klassischer Blackmetaller, aber ich mag die modernen Sachen. Das aktuelle Album von Satyricon hat Groove, das gefällt mir wirklich, wirklich gut. „Our World, It Rumbles Tonight“ haben sie als zweiten Song gespielt. Beeindruckend. Gänsehaut. Und weil so Sachen wie „Nekrohaven“ laut Natron „schon fast zu tanzbar“ klingen, war es nur angebracht, dass zwischenzeitlich auch ganz uralte Songs gespielt wurden. Bei einem Lied hatten sie einen Fan (kein professioneller Gastmusiker!) auf der Bühne, der mit ihnen gespielt hat, nämlich Querflöte. Wow.

Ich mag die respektvolle, unaufgeregte Art die Satyr bei seinen (spärlichen) Ansagen an den Tag legt. Und es war irgendwie cool, dass er mit unserer Leistung als Publikum (hä?) offenbar zufrieden war, jedenfalls sagte er am Ende „good job, well done, thank you“. Auch mein Freund Diogo Bastos war wieder an der Gitarre dabei. Nur hatte ich diesmal extra kein helles Shirt angezogen.

Es war mal echt angenehm, dass es keine Moshpits gab und uns kein Maurizio Iacono ständig zu Crowdsurfen und Circlepits durch die Gegend scheuchte. Einfach nur oldschoolig headbangen ohne ständig Angst zu haben, dass einem wer auf den Kopf fällt. Super. Spätestens mit „Mother North“ haben Satyricon uns dann komplett weggeblasen. Das war echt Wahnsinn. Danke, Leute!

Noch total euphorisch kehrten wir in den Norden der Stadt zurück. Bei Natron und Red hockten wir uns dann in Schlafklamotten aufs Sofa, tranken Cherrycola und rieten Bands anhand von Musikvideos.

Ophelia erkennt alles von In Flames nach zwei Sekunden. Red führte uns noch als Highlight das unzensierte Video zu „Mother North“ vor, was er als Teenager mit einem gefälschten Altersnachweis kaufen musste. Und ich konnte immerhin darauf bestehen, dass die anderen sich den furchtbaren Clip zu Avantasias „Lost In Space“ ansehen.

Am nächsten Vormittag haben wir sehr entspannt opulent zusammen gebruncht. Wie immer wurde mir die Tasse von unserem verkackten Flughafen untergejubelt. Dekoriert mit den Flunschploppern von Lidl die Natron und Red als Getränkemarkierer verwenden.

Um meine Haustiere nicht zu lange alleine zu lassen trat ich heute gleich wieder den Heimweg an. Hörte im Bus die zwei Songs die Satyricon mir live nicht gegönnt hatten und klebte zu Hause erstmal das Poster was ich beim Merch geschenkt bekommen hatte in die Küche. So. Tolles Wochenende gehabt.

 

*Dieser Blogeintragstitel! Bitte, der verdient doch Respekt, oder? Schon als er mir prustend am Mittagstisch eingefallen ist, habe ich mich darauf gefreut den Witz nochmal im Blog bringen zu können. In Reminiszenz an diesen Eintrag. *nichtganzwenigstolzaufdummenspruch*

3 Kommentare zu “Chilli-eating vegan Satyricon Fans”

  1. lenelein schrieb:

    Toller Titel, aber ich denke es gibt ausreichend vegane Metaller dass das kein Ausschlußkriterium (mehr) ist! Und schön, dass du deinen Horizont erweiterst, machen nicht viele Metaller…

  2. Thalea schrieb:

    Ah, das klingt entspannt! Und der Titel ist mal wieder mega! :D

  3. wahbet schrieb:

    Im Herzen bin ich Rohköstler und mag Satyricon trotzdem, ich hab auch einige vegetarische Metaller als Freunde, von daher ist das für mich alles auch nicht so ungewöhnlich und in letzter Zeit steigen wir auch oft auf Alkoholfrei um…

    Und der Titel kam mir so bekannt vor, von children-eating zu chilli-eating…soso;-)

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