„Mein Hund ist dunkelblau“

19. August 2015 (18:04 h) – Tags: , ,

Musik: Aktuell große Begeisterung für Slipknot - .5: The Gray Chapter 

Neulich erzählten sie auf Arbeit, dass man grade total gut Sternschnuppen sehen könnte. Als ich jedoch abends mit dem Fahrrad nach Hause fuhr war der Himmel bewölkt. Voll schade. Aber dann dachte ich drüber nach und mir wurde klar: Es gibt eigentlich gar nichts was ich mir momentan noch wünschen könnte.

Yup, mein Leben ist grade ziemlich toll. Beispiel gefällig? Das vergangene Wochenende in Hamburg. Das war total super. Ich hatte ein paar Tage Urlaub genommen, den Donnerstag aber schon regulär frei. Also bin ich spontan schon Donnerstag in den Norden gefahren und war mit Natron noch schnell in der „Tattoo“-Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe bevor die im September ihre Pforten schließt. Das MKG ist eins meiner absoluten Lieblingsmuseen, da habe ich schon sehr viele tolle Sachen gesehen. Und auch diese Ausstellung war keine Enttäuschung. Was für Motivation, Kulturgeschichte, soziale Einordnung steckt hinter Tätowierungen? Was kann Tinte unter der Haut außer dekorativ zu sein? Superspannend, mit unerwarteten Perspektiven und Bezügen. Selbst wenn man sich nur grob für das Thema interessiert gibt es jede Menge Denkanstöße und man geht erfrischt und begeistert nach draußen. So wie Museum sein sollte.

Abends stand ein weiterer Punkt auf dem Programm den ich in Hamburg immer gerne mitnehme: Dombesuch.

Mit Natron entspannt Riesenrad gefahren und den Sonnenuntergang über dem Hafen angeschaut. Zuckerzeug gegessen. Lichter fotografiert. Halb amüsiert, halb gegruselt soziale Dynamiken bei den Jugendlichen am Autoscooter beobachtet. Noch ein Bier getrunken und gute Unterhaltungen geführt. Das wieder komplette Stadion von Pauli gesehen. Viel geredet, viel gelacht.

Freitag früh gab es lecker Pancakes, aber mit Entspannung war es bei mir nicht so weit her, denn der Grund warum ich überhaupt in Hamburg war stand an: Mein erster Tattoo-Termin. Ich habe schon vor sehr langer Zeit mal über ein Motiv für eine Tätowierung gesprochen und hatte auch schon einiges gezeichnet.

Das war 2012 und weil ich sowohl Motiv als auch Idee immer noch mag lass ich es jetzt halt endlich mal machen. Schlussendlich nicht auf dem Rücken sondern auf dem Oberschenkel, aber im Großen und Ganzen so wie ich es schon vor drei Jahren geplant hatte. Jugendstil-Dame, Adler, Lamm und Pfau in Brauntönen, mit Pfauenfedern die bis aufs Knie reichen und von meiner dortigen Motorradunfall-Narbe ablenken können.

Ich war zugegeben sehr nervös, aber das hielt glücklicherweise nicht lange. Mit dem Tätowierer habe ich mich echt gut verstanden, ich bin auch ziemlich begeistert von seinen freihand gezeichneten Federn und weh getan hat es ebenfalls weniger als erwartet. Auf der Außenseite des Knies ist meine Haut seit dem Unfall sowieso taub, das kam mir hier endlich mal zupass. Als ich von meinen Plänen für den nächsten Tag erzählte, entschied der Chef mir eine Art Folienpflaster zu verpassen was drei Tage drauf bleiben kann und die Wunde erstmal gut vor Staub und Dreck schützt. Davon abgesehen, dass man die Haut zwischenzeitlich mit Alkohol reinigen musste, was natürlich gut gebrannt hat, war das Pflaster eine fantastische Idee und hat bis ich es Sonntag Mittag abgepult habe gute Dienste geleistet.

Am nächsten Tag sah es zugegeben etwas apokalyptisch aus…

Freitag Abend trudelten die anderen Berliner und westdeutschen Freunde ein und wir veranstalteten die Camp-Party die normalerweise an ersten Festivalabend auf dem Zeltplatz stattfindet bei Natron und Red im Wohnzimmer. Dem Kumpel der dabei vorzeitig und barfuß auf dem Sofa einschlief wurden sehr behutsam die Zehennägel lackiert, wir sahen uns noch Sabatons Wackenauftritt an, sangen wie immer alles mit und genossen es sehr am Ende nicht ins Zelt kriechen zu müssen sondern einfach nebenan auf eine Matratze fallen zu können.

Trotzdem ging das Festivalfeeling am nächsten Tag ungetrübt weiter, und zwar beim Elbriot auf dem Hamburger Großmarktgelände. Das Wetter gab sich große Mühe ein ganzes Wochenende abzubilden, mit Sonne, Wolken, ein bisschen Regen und dann wieder Sonne. Hoodie habe ich den ganzen Tag mitgeschleppt, am Ende aber gar nicht gebraucht.

Weil sie mich in Tolmin schon so begeistert hatten, wollte ich unbedingt Blues Pills nochmal live sehen. Das hieß, dass man die Freunde ein bisschen aus ihrem Frühstückskoma zum Aufbruch drängen musste, aber es lohnte sich definitiv. Ich habe normalerweise ein Problem mit Frauenstimmen, aber hier passt alles. Entspannter Retro-Rock/Blues mit ganz schön viel Gänsehaut bei „Devil Man“. Hab mir beim Merch-Stand gleich ein Shirt geholt, mit viel zu buntem, ganz tollem Artwork.

Für Callejon überließen wir den Kiddos den Platz vor der Bühne, aber Kvelertak standen dann wieder auf der Liste. Und deren death ’n‘ roll war ziemlich amtlich. Ein bisschen überraschend weil ich sie ja auch schon im letzten Jahr beim Aerodrome in Prag gesehen und nicht groß in Erinnerung behalten hatte. Waren Kvelertak damals auch schon so groovy? Egal, diesmal haben sie echt gefallen.

Opeth habe ich mir auf Anraten auch angeguckt und gemocht, obwohl die sonst nicht so in mein Beuteschema fallen würden. Aber es ist ja immer gut seinen Tellerrand zu erweitern.

Soweit ein echt entspannter Festivaltag mit chilliger Musik. Dann kamen Kreator auf die Bühne und nahmen den Laden auseinander. Ich mag das Intro mit den Bengalos auf der Bühne und mit den Papierstreifen die danach ins Publikum geschossen wurden, mussten wir uns während „Enemy Of God“ natürlich sofort verkleiden. Ich wollte wegen der frischen Tätowierung eigentlich nicht so viel Action, aber es gab dann doch tribe-interne Circle Pits die ein bisschen eskalierten und da hintem im Publikum nochmal für ordentlich Stimmung sorgten. Was am Ende schon viel Spaß machte. Kreator waren auch in Höchstform und es fühlte sich mal wieder wie nur zwanzig Minuten an weil die Zeit bei so vielen Übersongs viel zu schnell verging. Toller Auftritt. Danke, Leute!

Letzter Headliner waren In Flames die zumindest live jedes einzelne Mal abliefern. Die legendäre Lichtshow fiel diesmal noch recht bescheiden aus, aber blind waren wir anschließend trotzdem. Ungewöhnlich viel Redebedarf bei Anders Fridén bescherte uns minutenlange Ansagen im Style von Robb Flynn, was ich überhaupt nicht schlecht finde.

Nach Flames taten mir ziemlich die Füße weh und die gefühlte Ewigkeit, die wir am Hauptbahnhof noch beim Fastfood-Versorger anstanden half auch nicht. Trotzdem war es ein supercooler Festivaltag mit tollen Bands, prima Gesellschaft, Kinderschokoladen-Crêpes und ganz viel guter Laune. Und auf dem letzten Stück des Heimwegs schwang das Universum dann nochmal sein magisches Zepter und wir sahen doch noch eine. Eine Sternschnuppe.

 

5 Kommentare zu “„Mein Hund ist dunkelblau“”

  1. Frau Jule schrieb:

    hejhej, das hört sich wirklich nach einem tollen wochenende an. ich habe ein ähnliches „problem“ mit den sternschnuppen: keine wünsche. könnte schlimmer sein, was?
    andere (blöde) frage: haben die menschen vom elbriot mittlerweile die bierversorgung verbessert? als ich da mit den paar metalheads war, waren die deswegen ziemlich angefressen und wollen seit dem nicht mehr hin… wäre mal spannend zu wissen. nächstes jahr soll es ja gerüchteweise zwei tage lang werden.
    liebe grüße,
    jule*

  2. Centi schrieb:

    Oh, da bin ich ja gespannt, wie das Tattoo aussieht, wenn es fertig ist!

    Die Bilder vom Rummelplatz sind voll schön, vor allem das Kettenkarussell (schreibt man das mit so vielen s und l?). :)

  3. eli schrieb:

    das tattoo würde ich gern mal vollständig sehen! ;)

  4. Soda schrieb:

    @Frau Jule: Bierversorgung lief astrein. War aber mein erstes Elbriot, deshalb fällt mir der Vergleich schwer. Zwei Tage und Sabaton stand sogar offiziell auf einem Flyer, da können wir wohl mit rechnen.

  5. Aenn (sonnenfinsternis) schrieb:

    Das liest sich so wunderbar, ich möchte auch gern mal nach Hamburg :)

    Wo hast du das Tattoo denn stechen lassen, wenn ich fragen darf?
    Bin gespannt auf ein Komplettbild-Foto – was man so erahnen kann, sieht schon ganz wunderbar aus <3

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