Alte Freunde

24. Februar 2016 (17:48 h) – Tags:

Musik: Testament - Cold Embrace 

Wow, Leute! Ich bin sehr beeindruckt von euren Kommentaren zu meinen Bekenntnissen eines uncoolen Teenagers. Ich wusste, dass ich nicht die einzige bin, die es in der Schulzeit schwer hatte. Und ich hatte irgendwo auch gehofft, mit dem Eintrag andere zu trösten oder zu ermutigen. Aber wie lieb, mitfühlenden und persönlich die Kommentare dann sind, das hat mich doch unvorbereitet erwischt und sehr tief berührt. Ich möchte jeden von euch drücken. Vielen, vielen Dank für die tollen Worte!

Und ein bisschen sentimental geht es hier auch weiter. Zumindest habe ich im Laufe dieser Geschichte auch das eine oder andere Tränchen zerdrückt.

Es war einmal ein kleines Mädchen, das hatte ein liebstes Kuscheltier. Einen Hund, den es Asta nannte. Solange sich das Mädchen erinnern konnte, war Asta immer bei ihr gewesen (die Wissenschaft geht inzwischen davon aus, dass Asta ein Geschenk der Großmutter war).

Auf diesem Bild ist das Mädchen, was natürlich ich bin, drei Jahre alt. Ich trage mein allerliebstes Sonnenhemdchen und schleppe Asta durch die Gegend. So sahen wir mal aus. Ich hatte Zahnlücken und Asta war sehr flauschig.

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wohnte Asta ständig bei mir im Bett. Es fiel mir schwerer einzuschlafen wenn ich sie nicht im Arm hatte, also war sie in jedem Urlaub dabei. In jeder Lebensphase. In jeder selig durchgeschlafenen Nacht und auch immer wenn ich Trost brauchte.

Erwartungsgemäß blieb sie nicht lange flauschig. Ihr Fell wurde dünn, irgendwo ging mal eine Naht auf. Eines Tag fiel ihre Plastiknase ab und meine Mutter nähte eine aus dunklem Filz drauf. Später verlor Asta dann erst das eine Auge was ich noch durch ein Glasauge ersetzte, beim zweiten kümmerte ich mich nicht sofort drum, und dann geschah es nie. Ich dachte zu dem Zeitpunkt ich sollte erwachsen werden und verbannte die morschen Stofftiere in den Schrank.

Und dort fand Netti dann mein einst heißgeliebtes Kuscheltier. Ich glaube sie war ein bisschen entsetzt über dessen maroden Zustand. Heimlich steckte sie Asta in ihre Reisetasche und nahm sie mit nach Hamburg. Asta ging ohne mich auf Reisen! Und zwar zum Beauty-Doc.

Netti besserte fadenscheinige Stellen im Fell aus. Ersetzte beide Augen. Stopfte den Hund wieder ordentlich aus. Um mir dann ein Geburtstagsgeschenk zu machen mit dem ich nie gerechnet hätte.

Verjüngt, stabilisiert und bereit wieder mein Leben und Bett zu teilen. Willkommen zurück, alte Freundin! Unnötig zu erwähnen wie unsagbar gerührt ich war, dass Asta sofort wieder in mein Schlafzimmer eingezogen ist und dass ich seither mit Hund und Katze im Bett schlafe. Das mit dem Erwachsenwerden war ohnehin keine so tolle Idee.

16 Kommentare zu “Alte Freunde”

  1. windgetrieben schrieb:

    Ach, das ist eine schöne Geschichte. Und du hast Recht – Erwachsenwerden wird vollkommen überbewertet!
    Mein Kuscheltier (Plüschel) hat seinen Schwanz, ein Ohr und seine Zunge dauerhaft verloren, er ist an tausend Stellen geflickt (naürlich mit Betäubung vor dem Nähen *g*) und war sogar mal 1,5 Jahre verloren. Jetzt wohnt er bei mir ihm Wohnzimmer auf dem Kanin und kuschelt mit dem Teddy meines Freundes :D

  2. Frigga schrieb:

    Das ist so rührend. Eine tolle Aktion von Netti!

  3. Stitched Teacups schrieb:

    Das ist so süß!
    Weißt du was? Bei meinem nächsten Umzug packe ich mein Lieblings-Kindheits-Kuscheltier auch wieder ein. Es ist zwar nicht so abgeliebt und kaputtgeschmust, aber trotzdem hat er es nicht verdient, auf mein Bücherregal gequetscht herumzusitzen.

    Liebe Grüße!

  4. teleri schrieb:

    Das ist wirklich extrem lieb. Mehr kann man dazu fast nicht sagen.

    Oder doch. Ich habe meine zwei liebsten Kuscheltiere (+ ein neues, das der Ninja mir zr ersten Fernbeziehzngszeit schenkte) auch immer (noch, wieder) im Bett. Mit Kuscheltier im Arm schläft es sich einfach besser. Punkt. Wahrscheinlich täte es auch ein zusammengeknülltes Shirt, aber irgendwas muss im Arm liegen. Mittlerweile erzähle ich das auch ganz offen und lächle über die Leute, die das kindisch finden. Ihr habt irgendwie nicht verstanden, dass erwachsen sein auch heißt, dass man sich selbst Regeln aufstellt und Prioritäten setzt. Das ist, wenn ihr mich fragt, viel kindischer.

  5. Centi schrieb:

    Oh, was ist Asta jetzt wieder niedlich! So eine liebe Idee. =)

    Ich brauch auch ein Kuscheltier zum Schlafen, was vor allem daran liegt, dass ich am liebsten auf dem Bauch liege und dann was brauche, was die eine Schulter seitlich ein bisschen abstützt. Kein Schnuffeltier = Schulterschmerzen.

    Und wenn man mal schlecht träumt, hilft so ein Plüschi natürlich auch. :D

  6. irrlicht schrieb:

    Was für eine total niedliche Aktion von Netti! So fantasische Freunde hätte wohl jeder gerne.

    Mein Lieblingskuscheltier war übrigens ein Teddy,den mir meine kleine Schwester geschenkt hatte. Nachdem er einen langen Abschnitt seines Daseins in einer Kiste fristete, sitzt er mittlerweile als Ewok verkleidet auf einem Sessel im Wohnzimmer und bewacht unsere Katze beim Schlafen.

  7. Evelyn schrieb:

    Absolut rührende Geschichte… Ganz besonders steh ich drauf, wie sie ihn heimlich eingesteckt hat!! Gratuliere zu der tollen Freundschaft. :D

  8. Ophelia schrieb:

    Awwww, das ist so süß! :D

  9. Schwarzes_Schaf schrieb:

    So viel Liebe! Ist das schön :-)

    Ich schlafe auch mit Plüschi. Mein kleines Enti ist erst bei mir eingezogen, als ich 14 war. Es hat mir auch in den schwersten Zeiten die Tränen getrocknet. Das Fell hat sich so gelegt, wie meine Hand es immer umfasst und das ehemals fluffige Haupthaar liegt unlösbar angefilzt am Kopf.
    Eines Tages werde ich es wohl ins Altenheim mitnehmen ;-)

  10. Fait schrieb:

    OH MEIN GOTT!! Coincidence <3 Same Story here :)

    Mein Stofftier hieß Fufu weil ich Fuchs nicht sagen konnte und dieses Tier fand ebenfalls durch Omis Hände zu mir. Als ich noch garnicht wusste was ein Kuscheltier ist!

    Einschlafen kann ich heute noch nicht ohne das er nicht mindestens im Bett liegt und er war wirklich 26 Jahre lang mein Kopfkissen. Auf allen Reisen dabei und immer ein treuer Zuhörer wenn ich abends nicht einschlafen konnte. Er hat die gleichen Spuren davongetragen wie Asta.

    Das dich und Netti ein unglaubliches Band verbindet wusste ich schon immer, das merkt man einfach. ;) Und ihre Geste ist mal wieder ein wirklich tiefer Liebesbeweiss der nur von Menschen kommt die einen bis ins tiefste, ehrliche Innerste kennen! Es ist so wunderbar zu lesen das du sojemanden um dich hast. :) Aber das weisst du bestimmt schon ganz, ganz lange ;)

    Viele wundersame und seelige Nächte mit Asta wünsch ich dir!
    Fait

  11. Kleine Frau schrieb:

    Was Netti da gemacht hat, ist so süß und rührend, das ist eine absolut wunderbare Geste.
    Ich wünsch dir viele, viele geruhsame Nächte mit zweierlei Tieren im Bett.

    Ich hab noch mein Lieblings-Plüschi von „damals“. Sonni ist ein ca. 70cm großes Plüschpferd, das ich zum 8. Geburtstag bekommen habe und auch in sämtliche Ferienlager mitgeschleppt habe. Erst kam das Pferd in den großen Rucksack, die Klamotten hab ich ringsrum gestopft.
    Mittlerweile wohnt sie im Regal, aber zum Kuscheln hab ich inzwischen sehr gerne eins der kleineren Einhörner.

    Und ja, Erwachsenwerden ist nicht so das allergeilste. Auto fahren, Schokolade vorm Abendbrot essen und lange aufbleiben dürfen sind ja schön und gut, aber danach…naja. :D

  12. thalea schrieb:

    Ganz toll und rührend, ich hätte bestimmt auch geweint wie nix!

  13. Fiona Ferret schrieb:

    ich les immer wieder gerne deinen Blog und der Bericht ist echt süß, weil er mich gerade an mein Lieblingskuscheltier Meli ( ein Stoff-Dromedar) erinnert – bei mir war es genauso, bin jetzt über 30 und hab meine Meli immer noch, natürlich ist sie schon ziemlich ramponiert, total zerissen und x-mal wieder zusammengeflickt – aber ich würd sie NIE wieder hergeben ;) Sie war auch überall im Urlaub mit dabei und würde auch schon zig Male irgendwo vergessen, so dass meine Eltern immer wieder genervt mit dem Auto umdrehen mussten, damit ich mein Stofftierchen wiederhaben kann ;)

  14. Nomaj schrieb:

    Awww, ist das niedlich. So lieb von Netti! Da fällt mir auf, ,ein Plüschkater Schluribumbi könnte auch mal ein bisschen neue Watte gebrauchen – und ein paar geflickte Nähte…
    Und das Erwachsenwerden ist eh total überbewertet.

  15. Sunny schrieb:

    Oh mein Gott, das ist ja Lumpi! So hieß der Hund bei mir, nur dass er bei mir noch etwas mehr Ähnlichkeit zum ersten Bild, als zu den aktuellen hat. Das liegt aber wohl daran, dass er mein „zweiter“ war. Nachdem im Kindergarten einer der Rüpeljungs die Plastik-Nase abgerissen hat, war ich untröstlich. Deshalb hatte mir Oma ihren eigenen überlassen, der bei ihr auf der Couch saß (Lumpi I war auch von ihr. Ich glaube, die Plüschis gab es damals als Aktion bei einem Kaffeeröster oder so, weshalb die Wiederbeschaffung unmöglich gewesen wäre)… Ich musste jetzt gleich in den Keller laufen und ihn aus dem Vakuumbeutel ziehen ;o)

    Viele Grüße,
    Sunny (und Lumpi)

  16. pinguinkaiserin schrieb:

    Ich weine. Das ist so schön.

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