„Dattelmatschpaste“ ist ein heißer Anwärter auf das Wort des Jahres

6. März 2016 (19:49 h) – Tags:

Musik: Avantasia - Draconian Love 

Meine Instagram-Freunde wissen es schon: Ich versuche mich momentan an veganer Ernährung. Ich hab die christliche Fastenzeit von Fasching bis Ostern zum Anlass genommen um mal vierzig Tage keine tierischen Produkte zu essen. Und natürlich auch keine Tiere! Aber das mache ich ja eh schon seit Ewigkeiten.

Die Fastenzeit ist noch nicht vorbei, aber ein vorläufiges Resümee kann ich schonmal abgeben. In mancherlei Hinsicht ist vegan sehr viel unkomplizierter als ich es mir vorgestellt hatte. Von pflanzlichen Milchalternativen bin ich zB total begeistert. Ich vermisse auch Käse nicht besonders, vor allem seit ich Hefeflocken als Parmesanersatz entdeckt habe. Eier habe ich ohnehin nicht so oft verwendet, eigentlich nur zum Backen oder für Pancakes, aber da gibt es ja auch genug vegane Rezepte. Alles mögliche auszuprobieren und neue Sachen zu erforschen macht mir nach wie vor unheimlich viel Spaß. Leckere Rezepte entdecken, toll essen und alle möglichen Tricks lernen. Das ist es worum es mir nicht nur bei diesem Experiment sondern allgemein in der Küche geht.

Was nicht einfach ist sind vor allem zwei Sachen. Zum einen Schokolade. Ja, es gibt vegane Schokolade und ja, die schmeckt auch toll. Der Unterschied zu Milchschokolade ist fast nicht zu schmecken, es gibt Weiße und Nougat und Mandel-Orange. Aber: Halt nicht überall. Im Bioladen und bei machen dm-Filialen. Nicht am Kiosk wenn ich von der Arbeit komme, nicht im Automaten auf dem Bahnsteig, nicht im Supermarkt wenn man grade total Bock drauf hat. Von Kinderschokolade-Osterhasen fange ich gar nicht erst an! Das ist hart. Man *könnte* vegane Schokolade auf Vorrat kaufen, damit welche zu Hause ist wenn das Hirn sich einbildet ohne nicht überleben zu können. Aber so funktioniert es bei mir nicht. Wenn Süßkram, Chips oder Eis da sind, dann werden sie gegessen. Sofort. Komplett.

Das zweite Problem auf das ich gestoßen bin hat auch mit Vorausplanung zu tun. Es geht um die Situationen in denen ich mir unterwegs was zu Essen besorgen muss oder will. Also ein Quarkbrötchen vom Bäcker weil ich es nicht geschafft habe zu frühstücken bevor ich aus dem Haus musste. Oder zwischen Termin drei und vier irgendwo Minipizza einwerfen weil sonst meine Laune ganz dramatisch in den Keller fällt. Oder der Arbeitgeber läd zum Mittagessen ein und präsentiert stolz seine vegetarische Variante. Die ist mit Käse überbacken und da steht er dann, der undankbare Veganer.

Ich bin mir sicher, dass man auch draußen vegane Alternativen finden wird, aber das dauert vermutlich einfach etwas. Oder man plant ein bisschen besser voraus und frühstückt zu Hause bzw nimmt was zu Essen mit. Das wäre natürlich ideal, aber -seien wir mal ehrlich- immer wird das nicht funktionieren. Und manchmal will ich auch den Regler von „Kontrolle“ in Richtung „Freiheit“ schieben.

Soweit also der Zwischenstand meines veganen Abenteuers. Ich bin immernoch entschlossen das durchzuziehen, auch wenn es zwischendurch Rückschläge gegeben hat. Dafür macht es mir einfach zu viel Spaß neue Rezepte auszuprobieren und beim Zubereiten schon in ungläubiger Begeisterung den Löffel abzulecken. Das Frühstück ist in dieser Hinsicht eine sehr dankbare Mahlzeit. Ich habe mein Hipster-Breakfast nicht nur erfolgreich ersetzt, sondern darüberhinaus mit Chiapudding und Overnight Oats sogar Morgenvarianten entdeckt die das Aufstehen vor der Frühschicht ein gutes Stück erfreulicher machen.

Was ich hier mit euch teilen will ist das Frühstück was ich zubereite wenn ich Zeit habe. An freien Tagen oder vor der Spätschicht. Manchmal freue ich mich da schon eine halbe Woche vorher drauf.

Heißt das auf deutsch wirklich „Haferbrei“? Kein Wunder, dass ich da nicht früher drauf gestoßen bin. Klingt bei weitem nicht so lecker wie Oatmeal schmeckt. Und lässt auch nicht erahnen was man damit alles machen kann. Ich habe viele Varianten bei Earthling Ali im Blog gefunden und bin bei jedem Ausprobieren begeistert gewesen. Auch das Grundrezept was ich euch vorstelle basiert auf Alis Rezepten.

Das Grundrezept ist ziemlich simpel. Ich nehme etwa 1/4 Liter Wasser und 1/8 Liter vegane Milch (ich messe das mit amerikanischen Cup-Messbechern ab, da ist es 1 Cup Wasser und 1/2 Cup Milch) und koche die in einem kleinen Topf auf. Wenn die Flüssigkeit blubbert kommen etwa 70 Gramm (3/4 Cup) kleinblättrige Haferflocken dazu. Hitze runterdrehen und rühren bis es eine angenehm cremige Konsistenz hat. Und das war schon alles.

In der nackten Grundvariante schmeckt es allerdings genau so wie „Haferbrei“ klingt. Langweilig bis grauenvoll. Zum Glück gibt es eine Trilliarde Möglichkeiten das Oatmeal aufzumotzen. Ich ergänze das Grundrezept normalerweise um je einen Teelöffel Chiasamen und geschrotete Leinsamen die mit den Haferflocken zusammen in die Milch gerührt werden. Wenn die Pampe nicht mehr kocht wird noch ein Teelöffel Macapulver druntergerührt. Damit haben sich schon ein paar Superfoods eingeschlichen und sowohl Nährwert als auch Geschmack deutlich verbessert. Man kann an dieser Stelle auch Vanillepulver, eine halbe zermatschte Banane, Dattelkaramell*, Lucumapulver, gefrorene Himbeeren oder getrocknete Früchte unterbringen, um nur mal ein paar Varianten zu nennen.

Das Oatmeal fülle ich dann in meine rote Lieblingsschale um und dann geht es ans Topping. Das ist eigentlich das beste an diesem Frühstück. Hier wird alles unter frischem Obst, noch mehr Superfoods, Samen, Nüssen, getrockneten Früchten und Dressing begraben. Die Möglichkeiten sind unendlich. Ich verwende häufig eine halbe Banane, eine handvoll Blaubeeren und zwei bis drei Erdbeeren, alle gewaschen bzw kleingeschnitten. Physalis rocken auch total. Oder Himbeeren. Mango. Nektarinen. Weiche Birne. Kirschen. Pflaumen. Granatapfelkerne.

Darüber streue ich dann Hanfsamen und gemahlene Weizenkeime. Alternativ gepopptes Amaranth, Chiasamen, Sesam, Kokosraspel, gehackte Mandeln bzw Mandelblättchen, Pistazien, Aroniabeeren, Gojis, etc. Und wenn man Lust drauf hat gibt es auch noch eine Art Sauce drauf. Sehr einfach lässt sich ein Esslöffel Erdnussbutter mit etwa 1/2 bis 1 Teelöffel Kokosöl in einer kleinen Pfanne erwärmen und zu einer unwiderstehlichen Sauce verrühren. Oder man püriert weiche, getrocknete Datteln mit etwas warmem Wasser (fünfzehn Datteln auf etwa fünf Esslöffel Wasser lassen sich gut mit dem Pürierstab verarbeiten und ergeben genug Dattelkaramell für mehrere Portionen. Passt auch gut zu (Chia-)Pudding). Je nach Geschmack mit Meersalz verfeinern, denn es gibt kaum etwas besseres als Salzkaramell.

Je nachdem wie lange man für die Zubereitung des Toppings braucht kühlt das Oatmeal etwas ab. Meist laufe ich aber eher Gefahr mir die Zunge dran zu verbrennen. Aber das ist es wert! Probiert es aus, ihr werdet begeistert sein!

 

 

*Man kann hier im Prinzip das gleiche Dattelkaramell verwenden was ich weiter unten beschrieben habe. Ali macht aber in diesem Rezept eine Dattelmatschpaste für die sie zwei Datteln (drei sind auch okay) grade so mit kochendem Wasser bedeckt und etwas einweichen lässt. Die Datteln mit einer Gabel zermatschen und so lange rühren bis sie sich größtenteils aufgelöst haben. Dann salzen und vor den Haferflocken in den Topf geben.

14 Kommentare zu “„Dattelmatschpaste“ ist ein heißer Anwärter auf das Wort des Jahres”

  1. thalea schrieb:

    Ich mache den Haferbrei einfach mit Vanille(zucker) und dann ein bisschen Zimt. Sooo lecker!

  2. smultron schrieb:

    Unterwegs-Tipps, völig unkorrekt, weil Palmöl und nicht fair, und meist keine Schoki, aber für Notfälle hilfreich: Manner-Schnitten und Tomtom-Erdnussriegel gibt es fast in jedem Automaten. Ritter Sport Halbbitter aus dem Supermarkt ist auch vegan. Ebenso Oreos. Rewe hat von der Eigenmarke so Kokos-Bergchen mit Schokoüberzug. Bei Kamps, den es ja auch überall gibt, gibt es Apfeltaschen und Franzbrötchen. Viel Spaß beim Durchfuttern ^^

  3. Nina schrieb:

    Das sieht ja sehr lecker aus :)
    Ich bin zwar weder Vegetarierin noch Veganerin – ich lasse mich aber gerne zu neuen Rezepten inspirieren. Zum Thema vegane Küche kann ich Dir übrigens einen YouTube Kanal empfehlen, der wirklich sehenswert ist. Suche mal nach „Peaceful Cuisine“. Ein Japaner, der wundervolle Rezepte kocht, backt oder zusammenrührt – ein absoluter Augenschmauß und lässt sich durchaus gut nachmachen.

    Viel Erfolg bei der weiteren Fastenzeit!

  4. Centi schrieb:

    Datteln mag ich ja normalerweiese gar nicht, aber püriert mit ein bisschen Salz könnte ich mir echt vorstellen, dass die ganz gut sind. =)

  5. Soda schrieb:

    @smultron: Wow, super! Danke für die Tipps, dass klingt schonmal total gut. Oreos! ;)

  6. Hana Mond schrieb:

    Ich liebe Porridge – ich kann mich erinnern, dass ich schon als Kind das Rezept dafür auf der Haferflocken-Tüte entdeckt habe und ausprobieren wollte, aber von meiner Mutter immer mit „Neee das schmeckt nicht“ vom Testen abgehalten wurde. Irgendwann hat es dann ein Kumpel auf einem LARP gekocht und seitdem esse ich es regelmäßig. Meine Mutter mag es immer noch überhaupt nicht ;)
    Danke für deinen Post, einige Topping-Vorschläge sind neu für mich und werden bei erster Gelegenheit getestet – ich liebe es auch, Porridge mit Toppings zu überhäufen.

    Vegan wär nichts für mich – mein Geschmack ist wohl zu „mainstream“, ich habe diverse Pflanzenmilch-Sorten und Sojaprodukte probiert und mag das meiste gar nicht … und die meisten Vegan-Rezepte, die ich so finde, sind auch gar nicht mein Geschmack, viele der häufig verwendeten Zutaten sind leider so gar nicht meins.
    Dir aber viel Erfolg und auch Spaß mit dem Projekt „Vegan“ – hoffentlich findest du noch viele leckere Rezepte!

  7. Foxy schrieb:

    Probier mal, die Haferflocken vorher noch ein bisschen anzurösten – soo gut! Und auch geröstete Mandelsplitter, gleich mitgekocht, bringens total. Warmes Frühstück ist eh das beste, auch Hirse- oder Grießbrei sind im Winter super.

    Vegan unterwegs ist das beste für mich die Banane.:) aber auch Rosinen, Nüsse, Studentenfutter gibts fast überall. Und statt minipizza gehen immer Pommes!

  8. mela schrieb:

    Bei jedem größeren Supermarkt gibt es auch die Böhm Schokolade (auffällig bunt verpackt: Pfefferminz in komplett grün, Zitrone in gelb, Orange in – oh wunder! – orange). Kostet stolze 40Cent und ist vegan. Und sehr lecker.

    Ich lebe selber seit 20 Jahren vegetarisch, seit über einem Jahr vegan. Der Verzicht auf Eier, Milch und Honig tat meinem leiblichen Wohl auf jeden Fall gut. Doch seit geraumer Zeit verträgt mein Magen kein Soja noch Hülsenfrüchte mehr, Kohlenhydrate muss ich wegen der chronischen Migräne vermindern. Zur Zeit stehe ich also vor der Entscheidung, weiterhin Raubbau am Körper zu betreiben (ich merke nach dem Crossfit schon, dass ich kaum meinen Bedarf denken kann) oder meine Ernährungsweise einmal komplett neu zu überdenken…

  9. Judith schrieb:

    Wie smul schon geschrieben hat: Ritter Sport Halbbitter und auch Marzipan sind vegan (https://www.ritter-sport.de/blog/2015/09/09/vegane-schokolade-von-ritter-sport/), genauso wie Oreos(http://www.veganblatt.com/oreo). Man muss nur ein bisschen suchen, dann findet man echt viel :)

    Mir fällt der Verzicht auf Käse soooo schwer… ich hoffe, dass das irgendwann nachlässt.

  10. Frigga schrieb:

    Ich frühstücke auch schon seit ein paar Wochen Haferbrei mit Samen und Früchten und pimpe den gerne mit Zimt. Hast du nichts von geschrieben, darum wollte ich das mal hier einwerfen.
    Meine schnelle Variante im Büro ist Alnatura Frühstücksbrei Früchte aber ich weiß nicht ob das vegan ist.

  11. Stitched Teacups schrieb:

    Deine Fotos sehen so verdammt gut aus, dass ich am liebsten direkt losgehen würde, um die entsprechenden Zutaten zu besorgen.
    Dabei mag ich eigentlich überhaupt kein Essen, das über Nacht irgendwie eingeweicht wurde…

  12. heli schrieb:

    Backwerk hat derzeit so einge vegane Brötchen, Bagels und Wraps, mit Gemüse und/oder Räuchertofu/Falafel. Da kann man sich ganz gut auf die Schnelle was holen.

  13. Fait schrieb:

    noooaaaaaa! Lecker, Lecker!! Haferbrei ess ich schon mein lebengern, auch wenn ichs immer porridge nenne :D

    Die absolute Offenbahrung war für mich dieses Rohe Buchweizen Prridge:
    http://www.greenkitchenstories.com/raw-buckwheat-walnut-porridge/
    Durch die Walnüsse und den Apfel einfach unglaublich cremig und lecker schmecker!

    Und letzte Woche hab ich den ultimativen Nachtisch für mich entdeckt! Aus der Clean-Eating Challenge 2015 von Buzz-Feed life.
    Datteln mit Pistazien und Kokosflocken. Das ganze hab ich püriert und mit kokosdrink gestreckt, weil mir an dem Abend nach etwas cremigem war. Ein Gaumenschmaus höchster Güte für meine Geschmacksknospen :)

    viel Spaß weiterhin beim ausprobieren!

  14. Fait schrieb:

    ooohhh ganz vergessen, Haferflocken in Kokosmilch gekocht ist auch unbeschreiblich lecker meiner meinung nach. Und wem das zu fettig ist, der Kokosdrink von alpro/provamel macht auch nen guten Job :D
    Für den Piña Colada touch, noch etwas Ananas klein schneiden und Kokosflocken drüber streuen *herzchenaugen*

Hinterlasse einen Kommentar
(Alle Kommentare müssen freigeschaltet werden bevor sie angezeigt werden.)