Nage Vegan!

30. März 2016 (22:12 h) – Tags:

Musik: Avantasia - The Story Ain't Over | Stimmung: satt und dankbar

Der Titel dieses Eintrags ist ein Palindrom (yay!). Außerdem ist er sehr passend, denn ich will heute mal ein Fazit meines „Fastenzeit vegan“-Experiments geben. Ich hatte schonmal erwähnt, dass ich die christliche Fastenzeit (Karneval bis Ostern) in diesem Jahr nutzen wollte um mal vierzig Tage keinerlei tierische Produkte zu essen. Nur Pflanzen. Das war also der Plan.

Was ist wirklich passiert?

In der Realität habe ich vielleicht dreißig Tage vegan gegessen und an zehn Tagen einen Kinderschokolade-Osterhasen verschlungen, vom Geburtstagskuchen einer Kollegin genascht oder in einem Café das keine veganen Alternativen hatte Latte Macchiato getrunken. Die unbestreitbare Leckerheit von Schokolade und die geringe Verfügbarkeit von veganen Alternativen wenn man außer Haus was essen muss oder will waren meine beiden Stolperfallen. Ich habe mich an diesen zehn Tagen sehr darüber geärgert meinen Plan sabotiert zu haben, aber im Nachhinein denke ich es ist okay. Ich habe gelernt wo das Problem liegt und kann deshalb nach Lösungen suchen. Ich will nicht zu hart mit mir selber sein, denn ich hatte ja grade erst angefangen eine neue Ernährungsweise umzusetzen. Mir fehlten Routine, Wissen und Alternativen. Alles Dinge die man sich mit der Zeit sicher aneignen würde.

Habe ich etwas vermisst (außer Kinderschokolade)?

Ehrlich gesagt: Nö. Ich ernähre mich schon seit mindestens zehn Jahren vegetarisch, es ging hier also „nur noch“ darum auf Eier, Honig und Milchprodukte zu verzichten. Und auf Bonbons die mit Bienenwachs überzogen sind. Und auf angeblich vegane Kekse deren Zutatenliste mit „Enthält Milch“ endet. Ja, ich habe viele Verpackungen gelesen und das hat das Einkaufen nicht unbedingt einfacher gemacht. Ich habe im Internet recherchiert und Google so Sachen gefragt wie: „Ist Hefe vegan?“ (Google sagte Ja). Das war alles Mehraufwand, aber gar kein negativer. Ich bin neugierig, ich will immer lernen. Und es gab auch große Aha-Erlebnisse als ich herausgefunden habe wie unproblematisch es ist ohne Eier zu backen bzw Pancakes zu machen. Eier habe ich also überhaupt nicht vermisst. Deren Geschmack mag ich schon seit Kindertagen nicht, mir würde nie einfallen ein gekochtes Ei zu essen. Käse habe ich auch nicht vermisst, das hat mich schon mehr gewundert. Parmesan habe ich durch Hefeflocken ersetzt, Honig durch Agavensirup. Milch und Joghurt habe ich sang- und klanglos als pflanzliche Alternativen erstanden und ihnen keine Sekunde hinterher getrauert. Natürlich ist Pflanzenmilch teurer als Kuhmilch. Aber je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, umso absurder erschien mir der Gedanke Kuhmilch zu konsumieren. Ich bin doch kein Kälbchen. Diese Milch ist überhaupt nicht für mich bestimmt. Kalzium und Eiweiß kriege ich auch aus anderer Quelle.

Was war toll?

Ich habe so viele neue Rezepte ausprobiert! Ich habe so gute Sachen gegessen! Buddha-Bowls, Oatmeal, Chiapudding, Zoodles, Bananenbrot, Zucchini-Zitronen-Muffins, Salate mit selbstgezogenen Sprossen! Ich habe mich noch nie so sehr und vor allem nicht mit einer so positiven Grundeinstellung mit Ernährung beschäftigt. Ich habe ein tolles veganes Kochbuch gekauft und jede Menge Rezepte aus dem Netz ausgedruckt, und es gibt so unendlich viel was ich noch nicht ausprobiert habe! Darüberhinaus war dies zwar nie ein Punkt der mich zur vegetarischen oder veganen Ernährung getrieben hat, aber ich möchte nicht leugnen, dass es sich gut anfühlt nicht zum Leid von „Nutztieren“ beizutragen. Und, auch ein eher überraschender Bonusnutzen: Meine Haut ist besser geworden. Sie neigt ein bisschen zu Unreinheiten, was mMn vor allem hormonell bedingt ist. Angeblich kann das aber auch durch Milchprodukte begünstigt werden, habe ich gelesen. Egal wie, ich meine die Haut verhält sich besser.

Wie haben die Mitmenschen reagiert?

Das ist eine interessante Sache. Da ich jegliche Art von Missionseifer zutiefst verabscheue habe ich mir große Mühe gegeben nicht den besseressenden Nerv-Veganer raushängen zu lassen. Es soll wirklich jeder machen wie er will. Insofern haben mich die meisten Leute auch in Frieden gelassen. Einige waren skeptisch, einige fühlten sich auf den Schlips getreten weil ihr eigenes latent schlechtes Gewissen anklopfte. Meine Mutter hat ganz großartig reagiert, sogar ein veganes Kochbuch angeschafft und sich im Bioladen beraten lassen was sie mir an Süßigkeiten zu Ostern schenken kann. Das hat mich ganz doll gerührt. Die berüchtigte Frage zur Eiweißversorgung hat mir tatsächlich noch niemand gestellt!

Wie gehts weiter?

Ihr ahnt es vermutlich schon: Ich geh nicht mehr zurück. Ich habe jetzt Blut(-orangensaft) geleckt und schon so positive Erfahrungen gemacht, dass ich das Projekt nicht so schnell an den Nagel hängen mag. Ich will noch viel mehr ausprobieren und lernen die Hürden zu überwinden die mir erstmal im Weg standen. Allerdings weiß ich auch, dass Ernährungsumstellung ein Prozess ist und nicht über Nacht passiert. Insofern akzeptiere ich, dass es sicher Rückschläge geben wird. Auf Anraten meiner Mutter will ich meine Blutwerte mal prüfen lassen. Ich nehme schon länger B12 als Nahrungsergänzung und habe heute mal ein anderes Präparat gekauft das noch mehr Vitamine/Mineralstoffe enthält, halt alles was Pflanzenfressern fehlen könnte. Ob ich nun auch meine Kosmetik und Kleidung vegan umstellen werde ist etwas, das ich erstmal noch nicht entscheiden will. Ein Schritt nach dem anderen. Zuersteinmal bin ich wirklich froh, das Experiment gewagt zu haben. Wie sagte Keith Haring so schön: Nichts ist so erfrischend wie ein beherzter Sprung über die eigenen Grenzen.

6 Kommentare zu “Nage Vegan!”

  1. Corinna schrieb:

    Das ist ein ganz tolles Fazit! Wir haben die Entwicklung in etwa so wie du durchgemacht und möchten nicht mehr zurück. Uns überrascht selbst nach einigen Jahren immer noch die Vielfalt an pflanzlichen Lebensmitteln und möglichen Kombinationen. Undja, es ist ein ewiger Lernprozess, der Zeit kostet. Da pflichte ich dir bei. Irgendwann liest man aber die Zutatenlisten so schnell, dass es einem kaum noch auffällt :D

    Wenn es für dich in Betracht kommt, kannst du Sojajoghurt auch selbst machen. Ich mag den selbst gemachten lieber, ich finde ihn milder.

    Du bist vermutlich schon drauf gestoßen, aber ich möchte dennoch Sarahs Blog veganguerilla nicht unerwähnt lassen. Sie hat so tolle Rezepte.

    Weiterhin viel Spaß beim Kochen und schlemmen!

    Corinna

  2. Momiji schrieb:

    Freut mich total, dass du dabeibleiben möchtest. Mein Übergangsprozess war auch mit ein paar „Ausrutschern“ gespickt, aber die spielen auf lange Sicht gesehen definitiv keine Rolle mehr, das steigert sich alles irgendwann zu einem Level, den man gerne erreichen möchte.
    Auch die Umgebung wird sich daran gewöhnen und Mütter sind ohnehin toll. Meine hat sich auch sofort darauf eingelassen. <3

  3. Sabine schrieb:

    Hallo, ich freu mich, dass ich endlich mal jemanden finde, der sich das mit der Hefe auch fragt. ;-) Bin zwar keine Veganerin, aber neugierig.

  4. Liz schrieb:

    Nur eine Notiz am Rande: Bis auf B12 brauchst du dir eigentlich keine Gedanken machen. Zumal wenn du regelmäßig zusätzlich B12 einnimmst. Der Körperspeicher dafür hält ein paar Jahre, wenn man komplett B12 frei lebt. Es lohnt sich aber, bei Zusatzpräparaten auf die Dosierung an Stoffen zu achten, die der Körper nicht gut ausscheiden kann. Das wären die fettlöslichen Vitamine (E, D, K, A), teilweise sind in Vitaminpräparaten da sehr hohe Dosen enthalten.

    Deine Freude und dein Eifer springen einem so aus dem Text entgegen, da kriegt man beim Lesen direkt gute Laune.

  5. conocara schrieb:

    Nur falls Du wieder rückfällig werden solltest wegen der Kinderschokolade (als „Bio“-Vegetarierin kenne ich das Problem) und für Dich Bio-Produkte keine Lüge sind: Man kann sie selber machen: Man braucht Magermilchpulver, weiße Kuvertüre und Vollmilchkuvertüre, was es alles auch in der Bio-Variante gibt. (Bio-Laden bei uns mit der Kuvertüre, Magermilchpulver aus dem Reformhaus, gibt es wahrscheinlich auch alles in Online-Shops).
    Eigentlich muss man nur die weiße Kuvertüre schmelzen, eine gewisse Menge Magermilchpulver einrühren (ich hab es nach Konsistenz gemacht und immer mal gekostet), das ganze als Stäbchen geformt aushärten lassen und zum Schluss mit Vollmilchkuvertüre oder -schololade (habe ich bei Real in vegan gekauft und schmeckt super, liegt allerdings nicht bei der Schokolade, sondern bei den Produkten für Diabetiker) überziehen, wenn man nicht die weißen Stäbchen schon alle so aufgegessen hat.
    Was es als Alternative in vegan für Magermilchpulver gibt, weiß ich nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass es nicht unmöglich ist, was zu finden, was man eventuell noch zuckern/süßen müsste.

  6. maharet schrieb:

    Ich habe, seit du Essensbeiträge zwischen das nähen mogelst immer gedacht, na, die Soda wird noch vegan ;)
    Mir ging es übrigens wie dir, mir hat kochen und essen mehr Spaß gemacht nach der „Umstellung“ nicht weniger.
    Und in Berlin können wir uns echt nicht beklagen was gute Alternativen angeht, auch nicht außerhalb.
    Ich kann dir den Dr.Pogo nur wärmstens empfehlen, müsste ja deine Ecke sein, oder?

    VG :)

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