Seltsamer Lauch

5. April 2016 (20:54 h) – Tags:

Musik: Originale Broadwayaufnahme von HAIR. <- Hippiephase. | Stimmung: Wildkräuter geninjat, Pesto gemacht, auf Pizza verwendet, superlecker gegessen. Ich bin so stolz auf mich!

Tatsächlich gibt es eine Pflanze die so heißt. Oder auch „Wunderlauch“. Ich nenne sie „Berliner Bärlauch“, denn sie wächst tatsächlich bei uns in der großen Stadt. Im letzten Frühjahr, als ich hochmotiviert und unverletzt sehr viel im Treptower Park und Plänterwald laufen war, fiel mir irgendwann ein zwiebeliger Geruch auf. Der kam von den schmalblättrigen Pflanzen am Wegesrand. Zwischenzeitlich bedecken sie auch den Boden ganzer Waldstücke. Ich googlete und stieß auf den Berliner Bärlauch. Zur Ernte war ich schon zu spät dran, aber das nahm ich mir fürs nächste Jahr fest vor.

Dieses Jahr also ist es soweit. Bevor der Bärlauch blüht habe ich ihm einen Besuch mit Küchenmesser abgestattet. Keine Sorge, man kann das Zeug essen und irgendwo habe ich auch gelesen, dass wir es sogar bitte ernten sollen weil es sich sehr stark ausbreitet und dabei andere Arten verdrängt. Also Dienst am Wald getan und gratis Biokräuter abgegriffen. Und das mitten in der Stadt. Yay!

Eine ganze Supermarkt-Gemüsetüte Bärlauch habe ich geerntet, das waren fast 200 Gramm. Aber auch gut so, ich habe nämlich Pesto draus gemacht und da bleibt ja erfahrungsgemäß nicht viel Volumen übrig. Ein paar frische Blätter sind auf Falafelburgern gelandet und im Salat würde der Wunderlauch sich sicher auch gut machen. Er schmeckt nicht zu scharf und eher mild nach Knoblauch und Zwiebel, das kommt mir sehr entgegen, ich reduziere nämlich notorisch die Knoblauchmengen in Rezepten und lasse rohe Zwiebeln immer und überall weg.

Wie geht also dieses vegane Berliner Bärlauchpesto?

Zutaten 
(ergibt ein kleines Marmeladenglas voll)

  • 200g Berliner Bärlauch
  • 80g Cashewnüsse
  • 40g ungesalzene Erdnüsse
  • 1-2 TL Zitronensaft
  • 1 TL Salz
  • 1-2 EL Hefeflocken (optional)
  • etwa 3 EL Olivenöl

Bärlauch gründlich waschen und schonmal grob hacken. Die Nüsse in einer Pfanne ohne Öl vorsichtig anrösten. Dann alle Zutaten mit dem Pürierstab zu einer groben Paste verarbeiten. Mehr Olivenöl lässt die Sache geschmeidiger werden.

Anstatt Cashews und Erdnüssen kann man natürlich auch andere Nüsse verwenden. Sonnenblumenkerne, Mandeln, Pinienkerne oder Walnüsse würden sicher auch gut passen. Für etwas Superfood kann man auch einen Teil der Nüsse durch Hanfsamen ersetzen. Die Hefeflocken geben eine leichte Käsenote, denn traditionell würde man so ein Pesto ja mit Parmesan herstellen. Natürlich darf man auch ganz stinknormalen Bärlauch im Supermarkt kaufen. Wer aber selber auf urbane Kräutersafari gehen mag findet zB bei mundraub.org Karten und Verzeichnisse wild wachsender Nahrungspflanzen. Informiert euch aber auf jeden Fall vorher wie Bärlauch aussieht und riecht und wie man ihn von Maiglöckchen und anderen ähnlich aussehenden (aber giftigen!) Pflanzen unterscheiden kann!

Das Pesto hält sich im Kühlschrank eine ganze Weile, wenn man sehr viel mehr macht und es länger aufbewahren möchte könnte man es auch einkochen, dann würde ich aber auf die Hefeflocken verzichten, deren Vitamine gehen in der Hitze sowieso kaputt. Wie das mit dem Einkochen geht weiß Experiment Selbstversorgung.

Mit meinem Berliner Bärlauchpesto habe ich dann gleich mal eine Pizzavariante ausprobiert. Und ohne Scheiß, das ist die leckerste vegane Pizza die ich jemals gegessen habe in der Geschichte von Pizza überhaupt! OMG, schon das erste Stück hat mich total begeistert. Und ist so einfach zu machen! Ich fürchte damit hat zumindest dieses Glas Pesto seine Bestimmung gefunden und wird zu nichts anderem mehr ausprobiert werden.

Vegane Naked Pizza mit Berliner Bärlauchpesto und Ruccola
(ergibt vier Stücke für 2-4 Personen)

Zutaten

  • 1 Packung fertiger Pizzateig auf Backpapier (auf die Zutatenliste schauen, manche Sorten enthalten tierische Produkte)
  • 4 EL Olivenöl
  • etwa 6 EL Berliner Bärlauchpesto
  • 2 Handvoll Ruccola
  • ein paar Blätter Basilikum

Den Pizzateig auspacken und auf einem Backblech ausbreiten. Mit Olivenöl bestreichen und nach Packungsangabe backen. Lieber kürzer und zwischendurch mal nachsehen, ohne Belag wird die Pizza schnell dunkel. Den fertig gebackenen Pizzaboden aus dem Ofen holen und gleich mit dem Pesto bestreichen. Gewaschenen Ruccola und Basilikum drauf streuen. Und nomnomnom…

10 Kommentare zu “Seltsamer Lauch”

  1. Epimedia schrieb:

    Hm, das sieht lecker aus! Bärlauch (und ich nehme mal an, das gilt auch für seine Berliner Verwandten – Berlauch? höhö) kann man übrigens super roh einfrieren und dann eignet er sich immernoch für Verwendung in Pesto, Kräuterfrischkäse, Saucen, Nudelteig, Kartoffelbrei oder was man sonst so daraus machen will! :) Beim Trocknen verliert er ja sein Aroma und wird doof, aber so lässt er sich sehr gut aufheben und dann blutet einem das Herz vielleicht ein bischen weniger in Anblick der Vergänglichkeit solcher riesigen Bestände

  2. p0lly schrieb:

    Als Tipp: Zum Aufheben größerer Mengen empfiehlt es sich auch den zerkleinerten Bärlauch in einer Dose mit Olivenöl abzudecken und einzufrieren ;)

    Sammel selbst fast jedes Jahr Bärlauch (den echten) und verpeste danach für ne weile meine Umwelt mit dem Geruch.

  3. lenelein schrieb:

    Ich würde Pesto nicht einkochen (eben wegen des Vitaminverlustes) sondern einfrieren! Ich mache auch immer relativ große Mengen Pesto und friere es Portionsweise ein – im Eiswürfelbehälter.

  4. Centi schrieb:

    Oh, die Pizza sieht aber echt gut aus!

    Von diesem Superlauch hab ich noch nie was gehört. Klingt gut, vor allem, dass er etwas milder ist. Ich mag ja den normalen Bärlauch gerne, aber der ist schon sehr kräftig in Geschmack und Geruch.

    Wenn du den so in der Stadt erntest, hast du keine Angst, dass da Hundehinterlassenschaften dran sein könnten? Ich meine, klar, man kann ihn waschen, aber das wäre mir irgendwie doch ein bisschen unheimlich.

  5. irrlicht schrieb:

    Das klingt echt lecker! Fürs Selberpflücken wäre ich aber wohl zu feige, weil ich zu viel Angst vor der Verwechslungsgefahr hätte. :D

    Übrigens, wenn du mal auswärts vegane Pizza essen möchtest, kannst du mal Sfizy Veg ausprobieren, falls du die noch nicht kennst. Die bieten die wildesten Kreationen an und machen sehr leckere Sachen, die selbst meine fleischessenden Eltern mochten.

  6. Sonnentau schrieb:

    Meine ersten Erfahrungen mit dem Bärlauch waren ja wie deine: „Das riecht so gut im Plänterwald, was ist das? Mal recherchieren.“

    Protip: Es ist wegen Fuchsbandwurm gut den Bärlauch erstmal einzufrieren, auch wenn man ihn frisch verwenden will. Oder man kann ihn mitkochen, -backen oder so.

  7. Waldkater schrieb:

    Oh, die Pizza sieht ja super lecker aus! Wo in Berlin hast du den Berlauch denn gesammelt? Mir ist der hier bisher nicht begegnet und ich würde auch gern welchen sammeln :)

  8. Soda schrieb:

    @Waldkater: Ich hab im Treptower Park geerntet. Wobei der jetzt schon blüht und ich dann lieber auf das nächste Jahr warten würde.

  9. Miracuja schrieb:

    Hallo Soda,

    dieser Blogbeitrag war der letzte Beitrag in 2016…haben sich nach dem Verzehr Langzeitfolgen ergeben, die Dich vom Bloggen abhalten ;-) ? Alles munter und gesund bei Dir? Schade, dass Du nicht mehr schreibst.

    Viele Grüße
    Janine

  10. Nina schrieb:

    Hallo Soda,

    ich habe immer gerne deinen Blog gelesen. Es ist schade das du nicht mehr schreibst. Alles klar bei dir?

    Beste Grüße
    Nina

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