Tutorial: Ausschnittverarbeitung bei Jersey

11. Januar 2011 (17:58 h) – Tags: , , , ,

Seit ich eine Kettelmaschine besitze, nähe ich mit anhaltender Begeisterung Shirts und Kleider aus Jersey. Am liebsten aus richtig dünnem, weichem Viskosejersey. Die Säume mache ich mit der Zwillingsnadel, alle unsichtbaren Nähte werden gekettelt, aber was macht man mit dem Ausschnitt? Es gibt verschiedene Lösungen für sowas, ich zeige euch hier meine Version mit hintergenähtem Jerseyband (eine andere Methode mit Jerseyschrägband findet ihr hier). Los gehts!

Das ist euer Ausgangsmaterial: Der Kandidat mit dem unversäuberten Ausschnitt und ein Streifen Band aus dem gleichen Stoff. Das Band sollte etwa 4 cm breit sein und in Längsrichtung elastisch. Ich schneide meist zu viel Band zu, also gerne mal 60 oder 70 cm. Wie viel wir wirklich brauchen hängt sehr von der Dehnbarkeit des verwendeten Stoffs ab und ergibt sich später beim Nähen. Wichtig ist, dass das Jerseyband nicht gedehnt wird, dann können sich nämlich die Kanten einrollen und es macht keinen Spaß mit unkooperativem Jersey zu arbeiten. Ihr faltet das Band der Länge nach links auf links und bügelt es mit Sprühstärke. Dadurch wird es etwas stabiler.

Schritt zwei: Das Band wird mit der offenen Kante rechts auf rechts entlang der Ausschnittkante platziert. Ich schneide den Ausschnitt mit fünf Millimeter Nahtzugabe zu, wenn man das so macht kann man das Band einfach an der Schnittkante entlangführen. Wir fangen an der Schulternaht an. Lasst das Ende des Bandes etwas überstehen.

Wenn die erste Stecknadel gesetzt ist, wird das Band etwas gedehnt weitergeführt und angesteckt. Das ist wie bei Schrägband, wenn man es etwas dehnt legt es sich besser um Rundungen. Wie doll man dehnt hängt von der Elastizität des Materials ab. Das Shirt darf bei dieser Arbeit jedenfalls nicht gedehnt werden, nur das Band. Natürlich wird sich das wieder zusammenziehen wenn man es loslässt, es ist also ganz normal, dass zwischen den einzelnen Stecknadeln Beulen entstehen.

Auf diese Art und Weise stecken wir das Band jetzt einmal um den Ausschnitt herum. Wenn wir wieder am Anfang ankommen schneiden wir das überschüssige Band  ab und lassen nur eine kleine Nahtzugabe stehen.

Die Enden des Bandes werden nun zusammengenäht, so dass ein geschlossener Ring entsteht. Erstmal falten wir die beiden Bandenden dafür auseinander und stecken sie rechts auf rechts aufeinander. Nur das Band auf sich selbst stecken, das Shirt hat damit noch nichts zu tun. Es ist einfacher wenn man die erste und letzte Stecknadel die das Band am Shirt hält wieder entfernt, dann hat man mehr Bewegungsfreiheit.

Jetzt werden die Bandenden zusammengenäht. Ich mache das gleich mit der Kettelmaschine, ist aber eigentlich egal. Dann klappt man die Nahtzugaben zu einer Seite und faltet das Band wieder so zusammen wie es ursprünglich gebügelt war.

Jetzt kann das Band wieder rechts auf rechts auf die Schulternaht gesteckt werden. Als wäre nichts passiert. Die Nahtstelle des Bandes befindet sich dabei etwa da wo auch die Schulternaht ist. Der dickeren Nahtzugaben wegen setzte ich die Nahtstelle des Bandes meist etwas hinter die Schulternaht.

Nun könnt ihr das Band an den Ausschnitt nähen. Man zieht dabei den Shirtstoff glatt, so dass sich das Band wieder dehnt und näht so von Stecknadel zu Stecknadel. Es empfiehlt sich, ein Auge darauf zu haben was der Shirtstoff macht, der ist mir anfangs nämlich auch schon mal aus der Naht gerutscht. Wenn man etwas rundes, ohne Anfang, mit der Kettelmaschine näht, dann kann man von seitlich auf die Nahtlinie einbiegen, diesen Anfang übernäht man am Ende einfach wieder und biegt genauso wieder ab, bis die Maschine nur noch Luftmaschen näht. Wichtig ist natürlich, dass man bei dieser Naht nichts mehr abschneidet, das wird einfach so an der Kante entlanggeführt, die Breite der Kettelnaht entspricht ja in etwa unserer Nahtzugabe. Dann fädelt man nur noch diese Luftmaschen durch das Öhr einer großen stumpfen Sticknadel und zieht sie zurück in die Naht um alles zu versäubern.

Wenn man das Shirt jetzt aufschüttelt wird sich das Band schon von alleine etwas aufrichten. Am besten man bügelt es aber nochmal schön in Form, dann sieht der Ausschnitt am Ende etwa so aus.

Und das wars. Ich hoffe, das Tutorial ist verständlich, wenn ihr Fragen habt könnt ihr die gerne in den Kommentaren stellen. Viel Spaß beim Nacharbeiten!

21 Kommentare zu “Tutorial: Ausschnittverarbeitung bei Jersey”

  1. TetrisVanPelt schrieb:

    Super danke! Die Anleitung scheint ziemlich idiotensicher zu sein (stellt sich dann bei der Umsetzung heraus :D).

    Die einzige Frage, die mir einfallen würde:
    Mit welcher Maschine arbeitest du?

    LG :)

  2. Soda schrieb:

    In diesem Fall habe ich alle Nähte bis auf die Zwillingsnaht am Shirtsaum mit der Kettelmaschine gemacht. Ich habe eine Toyota SL 3487. Alles elastische nähe ich mit der Kettelmaschine. Alles andere auf einer Necchi Supernova aus den fünfziger Jahren. Nur hat die die Nadel anders eingesetzt und kann deshalb keine Zwillingsnähte, für sowas muss ich auf meine kleine Necchi 559 zurückgreifen. Man kann also Arbeit auch auf drei Nähmaschinen verteilen ;)

  3. BlueMoon2056 schrieb:

    Ich hab neulich im Stoffladen noch gefragt, wie ich den Ausschnitt bei Jersey besser hinbekomme, sie meinte, mit Satinschrägband…. :/

    Danke für die Anleitung, das werd ich mal mit dem Overlockstich meiner Singer testen. :)

  4. Svea schrieb:

    Ooohhh super! Das sieht so aus, als ob ich das auch hinbekommen könnte… Danke für die so schön bebilderte Anleitung. :o)

  5. Mieze schrieb:

    Danke, das ist wirklich mal eine sehr nützliche Anleitung :) Ich muss endlich meine Overlock mal einweihen…

  6. Amy schrieb:

    Oh, das ist eine gute Methode. Das muss ich unbedingt ausprobieren.. Ich hab ja schon mit meiner normalen Nähmachine versucht Jersey zu nähen, aber der Ausschnitt hat immer furchtbar rumgezickt.
    Zu Weihnachten habe ich auch eine Kettelmaschine bekommen, aber noch kenn ich mich damit nicht aus.. aber wenn es soweit ist probiere ich diese tolle Methode auf jeden Fall aus :)

  7. denocte schrieb:

    Ui danke, die ist echt schön erklärt.
    Muss ich gleich mal bei buttinette bestellen und ausprobieren.

    lg denocte

  8. FrauHorror schrieb:

    Super Anleitung, Danke!
    Ich habe das vom Prinzip her schon gelernt, allerdings muss man da vorher berechnen wie lang das Band sein muss, daher war ich immer zu faul und verstürze meine Jerseyteile immer ;)
    So werde ich das aber sicher mal ausprobieren!

    Liebe Grüße

  9. Meri schrieb:

    Danke Soda, war sehr verständlich.
    Da ich auch Besitzerin einer Kettelmaschine bin und auch noch eine Uraltmaschine von meiner Oma habe (aber hey die läuft immer noch)schrecke ich vor Jersey auch nicht mehr zurück.
    Meine Frage bezieht sich daher auch eher auf den super schönen Stoff. Wo hast du den denn her? Ich befürchte, dass ich die Antwort bereits kenne (Türkenmarkt) aber man wird ja wohl noch hoffen dürfen!

  10. Lethe schrieb:

    Super Anleitung!
    So mache ich das auch immer, allerdings bin ich bisher noch nicht auf die Idee gekommen, das Jerseyband erst nach dem Feststecken auf die richtige Länge zu schneiden. Das hätte mir einiges Gefluche erspart ;)
    Danke dafür!

  11. Thalea schrieb:

    Juhu, danke! Ungefähr so hatte ich es mir gestern schon vorgestellt, aber mit Bildern ist es doch nochmal klarer.

  12. ladyshark schrieb:

    Dankeschön für die Mühe mit der Anleitung, werd’s gleich ausprobieren. Ich habe hier nämlich noch ein Shirt mit unfertigem Halsausschnitt liegen.

  13. Soda schrieb:

    @Meri: *löl* Ja, ich fürchte es ist genau so. Der Jersey kommt vom Türkenmarkt.
    Am besten ihr zieht alle nach Berlin! ;)

  14. batgirl schrieb:

    Danke für diese megatolle Anleitung! Damit wird Jersey vielleicht auch mein Freund.

  15. ada gripsholm schrieb:

    1000 Dank für diese grandiose Anleitung! Ich habe gerade danach gearbeitet und sie ist wirklich sehr idiotensicher, dank der vielen Bilder und der detailreichen Beschreibung.

  16. Ophelia schrieb:

    Yay, danke für das Tutorial. Die Variante werde ich bei nächster Gelegenheit gleich mal ausprobieren.

  17. SekundärSchick schrieb:

    Hallo, schöne Anleitung! Als fast „Jerseyexpertin“ möchte ich noch einen Tipp geben: damit das Bündchen sitzt und nicht schlabbert, den Halsauschnitt ausmessen (dafür die Rundung mit dem Maßband nachgehen) und das Bündchen 1 – 1,5 cm kürzer als das gemessene Maß zuscheiden. Dadurch legt es sich besser am Ausschnitt an.
    Allen weiterhin viel Freude beim selbstnähen und Kopf hoch! Wenn das Teil erst fertig und gelungen ist, ist auch der Frust „unterwegs“ dahin vergessen! ;0)

  18. Gelber Löwe auf grauem Grund - Natron&Blog schrieb:

    […] breiten Bündchen verlängern. Sieht aber gar nicht so verkehrt aus. Den Ausschnitt habe ich nach Sodas Anleitung mit einem Streifen aus dem selben Stoff gearbeitet, allerdings hier mit der glatten Seite nach […]

  19. the star-spangled red white and blue - Natron&Blog schrieb:

    […] Sodas Flatlocksaum- und Ausschnitt-Anleitungen konnte ich wirklich alle Nähte mit der Overlock machen. Das spart ja wirklich enorm […]

  20. Poloschlitz, quick & dirty - Natron&Blog schrieb:

    […] erstes habe ich dann den Ausschnitt mit einen Streifen Jersey verarbeitet wie es hier bei Soda beschrieben ist. Dazu habe ich den Schlitz oben ein Stück weit eingeschnitten um dort mit dem Band […]

  21. Yellow Rose Of Texas schrieb:

    […] später sein sollen und dann einen Streifen Jersey entlang der Kante aufgenäht (quasi wie wenn man einen Ausschnitt mit Bündchen näht). Dabei habe ich den Jerseystreifen etwas gedehnt, damit die Kante nicht ausleiert. Schließlich […]

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