Tutorial: Ausschnittverarbeitung mit Jerseyschrägband

26. Januar 2011 (18:41 h) – Tags: , , ,

Ich musste den Ausschnitt bei meinem grauen Rebellenshirt nochmal neu machen, da hat die Methode mit hintergenähtem Jerseyband nicht funktioniert. Der graue Jersey zieht sich, wenn man ihn in so einen schmalen Streifen geschnitten hat, nicht wieder genug zusammen, deshalb hat der Ausschnitt zu sehr geleiert. Und wo ich schonmal dabei war eine andere Methode zur Ausschnittverarbeitung anzuwenden, habe ich euch gleich ein Tutorial dazu geschrieben. Diese Methode kommt ohne Kettelmaschine aus. Allerdings sollte der Ausschnitt so groß sein, dass man bequem mit dem Kopf durchkommt, er wird am Ende nicht mehr elastisch sein.

Wir fangen wieder mit dem Ausgangsmaterial an. Das Shirt mit dem Ausschnitt habe ich auf dem Bild schon vorbereitet. Entlang der Ausschnittkante bügeln wir nämlich Vlieseline Formband auf. Das ist ein schmales Schrägband mit eingesteppter Naht, man kann es gut um Rundungen legen, es ist aber nicht elastisch und verhindert so das Ausleiern von Stoffen. Kann man oft gebrauchen. Außerdem brauchen wir natürlich unser Jerseyschrägband. Das ist nicht wirklich schräg geschnitten, sowas tut bei Jersey nicht Not. Bei mir ist das Band vier Zentimeter breit und längs links auf links gebügelt (Sprühstärke verwenden!). Die Länge des Schrägbandes hängt natürlich vom Ausschnitt ab. Es empfielt sich aber, erstmal zu viel Band zuzuschneiden, wir kürzen es gleich auf die exakte Länge.

Das Schrägband (ich nenne es jetzt einfach Schrägband, auch wenn es nicht schräg geschnitten ist) wird entlang des Ausschnitts rechts auf rechts aufgesteckt. Beginnt kurz hinter der Schulternaht des Shirts und schlagt das Ende des Schrägbandes links auf links um.

Steckt das Band entlang der Ausschnittkante fest. Ich schneide den Ausschnitt mit fünf Millimeter Nahtzugabe zu, dann kann man das Band direkt an der Kante entlangführen. Beim Aufstecken sollte das Schrägband leicht gedehnt werden. Nur leicht, es legt sich dadurch besser nach oben. Wenn wir einmal um den Ausschnitt rum sind, schneiden wir das überschüssige Schrägband mit kurzer Nahtzugabe ab und stecken es oben auf den Anfang (wo wir das Schrägband auf sich selber zurückgefaltet haben).

Nun wird das Band mit ganz normalem Gradstich festgenäht. Wir brauchen hier keinen elastischen Stich verwenden weil der Ausschnitt durch das Formband ohnehin nicht mehr dehnbar ist. Beim Annähen wird das Schrägband wieder etwas gedehnt, so dass es glatt auf dem Shirt aufliegt.

Wenn das Band festgenäht ist, falten wir es wieder nach oben. Die obere Hälfte des Schrägbandes, also das was jetzt oberhalb der eingebügelten Linie ist, wird nach innen eingeschlagen und zwar so, dass die Kante an die gebügelte Linie stößt. Genau wie man es bei gekauftem Schrägband schon vorgebügelt hat.

Dann falten wir das Schrägband an der gebügelten Linie nach innen. Die obere Kante ist dann also doppelt eingeschlagen und es sind keine offenen Kanten mehr zu sehen. Das klingt jetzt sehr kompliziert, ist aber genau die gleiche Verarbeitung wie bei gekauftem Schrägband. Das Jerseyschrägband kann dann von aussen mit Stecknadeln festgesteckt werden.

Jetzt brauchen wir nur noch einmal auf dem Schrägband entlangzunähen und sind fertig. Man kann diese Naht natürlich auch unsichtbar von aussen im Nahtschatten des Schrägbandes machen, dann müsste man drauf achten, das Schrägband innen weit genug runterzuziehen. Mit sichtbarer Naht sieht das ganze am Ende etwa so aus.

Diese Methode hat gegenüber der Verarbeitung mit hintergenähtem Band den Vorteil, dass sich der Ausschnitt nicht mehr verleiern kann. Sowas ist von Vorteil wenn man zB ein langes Kleid aus schwerem Jersey näht. Außerdem kann man natürlich auch Armausschnitte und ähnliches so mit Schrägband einfassen. Allerdings hat man unter Umständen die sichtbare Naht auf dem Schrägband und man muss bedenken, dass die eingefasste Kante nicht mehr elastisch ist.

4 Kommentare zu “Tutorial: Ausschnittverarbeitung mit Jerseyschrägband”

  1. Thalea schrieb:

    Huh, toll, noch ein Tutorial! Danke!
    Mit den beiden Anleitungen an der Hand kann ich mich dann ja vielleicht auch mal an die Shirtproduktion wagen…

  2. ladyshark schrieb:

    Mal wieder ein spannendes und lehrreiches Tutorial, Dankeschön.
    Wenn ich Schrägband im Nahtschatten annähen will, dann schneide ich es etwas breiter zu und bügle dann den Mittelfalz bei etwa 1/3 der Breite hinein. So hat man Innen genügend Breite und muss das Schrägband nicht so arg ziehen. Das führt (bei mir zumindest) immer zu Beulen.

    Die erste Halsauschnitt-Methode hab ich erfolgreich nachgenäht. Allerdings habe ich geheftet, weil ich Angst hatte mit dem Messer eine Nadel zu treffen. Oder schaltest du das Messer dann einfach aus?

  3. Soda schrieb:

    @ladyshark: Heften schadet ja nie ;) Messer wegklappen wäre auch eine gute Methode, ich nähe aber immer mit vollem Risiko. Allerdings stecke ich die Nadeln auch entlang der Naht, nicht quer dazu, da muss man sich schon etwas bemühen die unters Messer zu kriegen.

  4. Szientistisch-technophile Flederechse… | mori & metal schrieb:

    […] zu guter Letzt noch einmal ein Detail vom Halsausschnitt. Für den habe ich das entsprechende Tutorial von Sodas Blog benutzt, mit dem ich sehr gut zurecht gekommen bin, und mit dem der Ausschnitt auch ein voller Erfolg […]

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