Der Fischer un sin Buex

9. Mai 2011 (13:19 h) – Tags: , , ,

Wie bereits mehrfach erwähnt, schlägt die berüchtigte Burdastyle-Thai-Fischerhose immer größere Wellen. Erst gab es ja nur eine Natron-Version. Dann kam meine Glitzerhose, nun plant Natron eine für Muttern und ich habe ebenfalls noch eine Hose genäht. Dabei habe ich stumpfdumm von Natron nachgemacht. Das ist überhaupt der große Trend momentan bei meinen Nähaktivitäten: Einfach Natron kopieren. Thai-Fischerhose, Ruby, Minigonna, Aladins Jogginhose, Festivaltasche … stand oder steht alles auf meiner Nähliste. Hat Natron eigentlich schonmal was von mir nachgemacht?

Hier also: die Fischerhose. Ich sage gleich, meine Version des Burdaschnittes gab es damals noch kostenlos zum Runterladen, es kann durchaus sein, dass sie den nochmal überarbeitet haben, jetzt wo er sagenhafte 2,50 Dollar kostet. Wenn nicht, wäre das vielleicht mal nötig. Ich bin nämlich voll davon überzeugt, dass wer auch immer den Schnitt und die Anleitung verzapft hat, dabei noch was anderes getan hat. Sowohl im Print-At-Home-Schnitt als auch in den Instructions fehlen Informationen, sind welche falsch oder doppelt. Nichts, was die Herstellung der Hose unmöglich macht, so schwer ist sie ja nun auch wieder nicht. Aber für einen Anfänger vielleicht unnötig verwirrend.

Durch die Klippen in der Anleitung wurde ich also ärgerlicherweise gezwungen mein Gehirn anzuschalten. Und habe es dann als ich die Anleitung verstanden hatte, vergessen wieder auszuschalten. Deshalb habe ich, genau wie Natron damals, zu viel mitgedacht und eine meiner Taschen erstmal spiegelverkehrt platziert. Merke: Bei dieser Hose sind alle Teile genau gleich! Nichts wird gegengleich zugeschnitten! Also musste ich trennen. Weil meine Taschen (Natrons Taschen) aber mit Klett geschlossen werden, musste ich auch eine Hälfte des Kletts wieder runterrupfen. Große Freude! Beim erneuten Annähen war dann erstmal der Unterfaden leer, dann zerbrach die Nadel und als ich dann bereits ein riesiges Garnknäul von zwei gescheiterten Nähversuchen auf dem Klett hatte, wollte ich eigentlich am liebsten ins Bett gehen.

Hier sieht man den abgesteppten Klett nur sehr schlecht. Das kommt auch in echt nicht stärker raus. Die großen Taschen sind meiner Meinung nach eine der besten Änderungen an der Hose. Die machen nicht viel Arbeit (wenn man sie denn gleich richtig platziert) sind praktisch und geben der Hose etwas fast schon Skatermäßiges. Mit weißem Wifebeater-Hemdchen kombiniert kann man die schwarze Version auch als Kampfhose tragen.

Die zweite wichtige Änderung am Originalschnitt ist die Verlängerung der Hosenbeine um zehn Zentimeter. Ich bin ja, bedingt durch traumatische Erfahrungen während meiner Schulzeit, allergisch gegen zu kurze Hosen. Das muss stuken! Auf dem Boden schleifen! Und gut, wenn es regnet kann man die Hosenbeine ja zusammenraffen. Natrons Tunnel mit Bindeband habe ich ebenfalls übernommen, allerdings aus reiner Verpeiltheit die Knopflöcher für den Bändchenauslass innen an den Saum gemacht. Wollte ich nicht mehr ändern und ist eigentlich auch okay so. Meine Knopflöcher werden ja sowieso niemals Schönheitsköniginnen.

Kommen wir nun endlich mal zu dem Teil, den ich nicht bei Natron nachgemacht habe. Dem Umklappbund. Bei Burdas wird der nicht gefüttert, sie machen sich aber auch nicht die Mühe die Nahtzugaben ordentlich zu versäubern. Ich schon. Ich habe zwei Nähte auf dem Bund (anders  ging es nicht aus dem Stoff) und beide sind mit Schrägband eingefasst. Die Oberkannte habe ich doppelt umgeschlagen. So sieht der Bund auch schon innen ordentlich aus und man kann ihn getrost umklappen. Leinen ist ja von beiden Seiten schön.

Wenn man zuerst die Nahtzugaben der senkrechten Nähte mit Schrägband einfasst und dann die waagerechte Kante doppelt umschlägt, dann hat man an zwei Stellen sehr viele Stofflagen übereinander. Es gibt aber einen Trick wie man die problemlos übernähen kann, zeige ich euch mal. Und zwar näht man bis an die dicke Stelle ran. Meine Maschine näht auch immer ganz gut rauf, runter kommt sie aber nicht mehr ohne Stiche auszulassen. Also nähe ich bis auf den Knubbel. Dann versenke ich die Nadel im Stoff und hebe den Nähfuss an. Und nun kommen unsere Helfer ins Spiel. Zwei Plastikverpackungen von Nähnadeln. Es gibt da dickere und dünnere, die Dünnen von Schmetz funktionieren bei mir am besten. Vor den Knubbel legen wir jetzt die zwei Nadelpäckchen, und zwar so, dass eine Gasse frei bleibt in der die Nadel weiternähen kann.

Seht ihr was ich meine? Wenn man nun weiternäht gleitet der Nähfuss auf die Plastikpäckchen, der Druck wird aber auf den Stoff weitergeleitet. Ich nähe so weit auf dem Plastik bis das hintere Ende vom Nähfuss über die dicke Stelle ist. Dann wieder Nadel versenken, Fuß hoch, die Verpackungen entfernen, Fuß runter und weiternähen als wäre nichts passiert. Mit dieser Technik kann man sicher auch auf den Hubbel „aufsteigen“, wenn die Nähmaschine da schon Probleme macht. Wichtig ist halt, die Nadelpäckchen so zu platzieren, dass die Nadel nicht behindert wird und ganz normal weiternähen kann. Ich finde diese Technik super und man muss auch kein extra Zubehör dafür kaufen (wobei es das auch gibt).

Die Fischerhose war dann auch ganz schnell fertig, hat wirklich nur einen Sonntag gebraucht. Ein toller Schnitt der an sich nicht kompliziert ist und schnell genäht. Super Projekt! Es geht aber noch schneller. Wo ich grade bei asiatischer Folklore war, habe ich nämlich noch schnell einen Lungi genäht. Der Lungi ist quasi die Rockversion der Fischerhose und wird von den Männern die keine Fischer sind fast überall auf dem asiatischen Kontinent getragen. Es ist eigentlich nur eine Röhre aus Stoff die wie die Fischerhose eingefaltet und am Bund traditionell eingerollt wird.

Ich habe aber fischerhosenmäßig ein Bindeband angesetzt. Der von mir verwendete (paillettenfreie!) Saristoff ist nämlich ziemlich durchsichtig und wenn man den am Bund umschlägt, hat man immerhin schonmal zwei Stofflagen über dem Hintern. In der Öffentlichkeit sollte man wohl trotzdem besser was druntertragen. Ich habe hier, weil es insgesamt zwei Meter Stoff sind, zwei Falten gelegt. Kann man bei der Hose übrigens auch machen.

Ein ganz, ganz einfacher Schnitt der echt in dreißig Minuten umgesetzt ist. Hätte ich nicht die Schnittkanten begradigen müssen, hätte es nichtmal Verschnitt gegeben. Perfekt für großgemusterte Stoffe die man vielleicht auch noch für was anderes verwenden will. Eine Naht, eine Bindeband. Der einfachste Rock der Welt.

8 Kommentare zu “Der Fischer un sin Buex”

  1. Tenshi schrieb:

    Soda, du bist meine Heldin! Du bist ja ein Genie! Für den Tipp mit den Nadelpäckchen hast du mindestens zwei Nobelpreise verdient! :)

    Der Saristoff gefällt mir gut, so schön sommerlich und bunt, ohne zu knallig zu sein.

  2. denocte schrieb:

    Kann die Lösung so einfach sein? Die Idee ist genial! Ich wusste ja, warum ich alle Nadelpackungen aufheben muss.

    Und so einen Lungi brauch ich auch. Wo krieg ich jetzt Saristoff her? *Zum Stoffvorrat schleich*

    lg denocte

  3. Damaris schrieb:

    Die Fischerhosen von Natron und dir sind super. Was braucht man den ungefähr an Stoff? Zwei Meter?

  4. Soda schrieb:

    @Damaris: Der Originalschnitt (ohne verlängerte Hosenbeine und große Taschen) veranschlagt zwei Yards. Natron sagt sie kommt mit zwei Metern knapp hin. Dazu der Garniturstoff falls man den Bund mit Innenschön arbeiten möchte.
    Ich würde dir zu zweieinhalb bis drei Metern Stoff raten, dann bist du auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Von den drei Metern Leinen die ich dachte gekauft zu haben ist nur weniger als ein Meter übrig geblieben.

  5. Damaris schrieb:

    Danke dir!
    Da muss ich dann wohl doch nochmal los Stoff holen… aber dann kommt die Fischerhose jetzt ebenfalls auf meine „to sew“ Liste ^^

    Erstaunlich wieviel Stoff selbernähen frisst… da sag mal einer man käme günstiger, wenn man selber näht, son firlefanz! ^^

  6. smultron schrieb:

    Oh Soda, die Lösung mit den Nadelpäckchen ist ja wirklich genial! Das macht mich immer ganz wütend, wenn die Nähmaschine dann auf der Stelle näht. Die uralte aus den 60ern, sie ruhe in Frieden, hat sowas _immer_ gepackt, während das hypermoderne freche Stück jedes Mal hängen bleibt. Und der Rock ist ja auch cool – kannte sogar mal einen, der sowas hatte, aber ich wusste nie, wie es heißt.

  7. Lina Luna schrieb:

    Woaaah! Genau so eine Fischerhose suche ich gerade… möchte ich für einen Freund nähen.
    Ich hab aber noch nie eine Hose genäht. Denkst Du, das ist zu schwierig?
    :(
    Welches ist genau das Schnittmuster, welches Du verwendet hast? Hast Du einen Link für mich? :)
    Sieht superklasse aus bei Dir, auch der Rock. Und der Sari-Stoff ist ja der Hammer! :)

  8. Soda schrieb:

    @Lina Luna: Der Schnitt, den ich – mit Änderungen (Taschen und Hosenbeinlänge/Säume) – verwendet habe ist dieser hier: http://www.burdastyle.com/pattern_store/patterns/thai-fishermens-pants–2
    Der ist wirklich nicht schwer und ich denke, als erste Hose wunderbar geeignet. Viel Erfolg und Spaß bei dem Projekt!

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