Menage frei!

28. Dezember 2015 (17:23 h) – Tags:

Musik: Type O Negative - World Coming Down 

Weihnachten ist prinzipiell nicht meine liebste Jahreszeit. Turbokonsum, überzogene Erwartungen, Plastikmüll und der dezente mediale Druck jetzt gefälligst mal die schönste Zeit des Jahres zu verleben. Ganz ehrlich: Die Kombination von diesem Scheiß mit meinem ohnehin schon lädierten Seelenheil, dem fehlenden Tageslicht, Sorgen um Fräulein Siouxsie und einer ungünstigen Zyklusphase hat mich an den Rand einer veritablen Krise gebracht. Ich habe alle Weihnachtstage gearbeitet und statt mir danach entspannte Abende auf dem Sofa zu machen habe ich tiefschwarze Gedanken geschoben und versucht meine Dämonen mit Schokolade ruhig zu stellen.

Aber auch dieser Mist geht mal vorbei und ich bin so froh, dass jetzt erstmal wieder ein Jahr Ruhe ist. Heute habe ich das gemacht was in den letzten Tagen nicht möglich war: Einkaufen und Laufen gehen. Danach habe ich mich aufs Sofa geworfen und nichts getan. Und das fühlt sich schon viel besser an. Die Waage hat immerhin glimpflich auf fünf sportfreie Tage und hundert Weihnachtskekse reagiert und nur ein Pluskilo angezeigt. Alles wird wieder gut.

Und weil dann auch noch Tageslicht zu haben war, sogar Sonne, habe ich gleich mal meine Weihnachtsüberraschung fotografiert. Neben einer elektrischen Gesichtsreinigungsbürste (Clinique Sonic System) und neuen Laufschuhen (Asics GT-2000 3) die ich mir explizit ausgesucht hatte, gab es von der Familie nämlich auch noch ein Geschenk von dem ich gar nichts ahnte.

Diese Menage hat meine Mutter bei einem Trödler aufgetrieben. Sie stammt aus England aus der Zeit um 1900 und besteht aus sechs Gefäßen. Drei oder vier waren gängig, das hier ist schon vulgar display of decadence der gehobenen Schichten. In die Flaschen gehören Essig und Öl, in die Streuer (mit diesen entzückenden Spitzen auf den silbernen Deckeln!) Salz und Pfeffer, dazu gibt es eine Deckeldose mit Löffel für Senf. In einer weiteren, kleinen Flasche (die vielleicht auch aus einem anderen Set stammt, sie ist anders geschliffen als der Rest) könnte Pfeffersauce oder etwas ähnliches gewesen sein. Alle Glasbehälter stehen auf einem silbernen Tablett.

Im Licht glitzert des geschliffene Glas natürlich ganz toll und in den jeweils passenden Glasstopfen scheint eine ganze Kristallwelt drin zu sein.

Der entzückende Senflöffel lässt mit seinem kühnen Schwung noch den Jugendstil erahnen. Laut Trödler hat die Menage mal einem anglophilien Apotheker gehört, was so eine von diesen Hintergrundstories ist die fast das Beste an altem Kram sind.

Ich habe das Schmuckstück vorsichtig abgewaschen, das Silber lieber nicht geputzt weil es so pittoresk angelaufen ist. Jetzt ziert die Menage das Wohnzimmer und thront auf der Kommode wo ich extra Kristalle und Heligenfiguren umdekoriert habe. Auch bei künstlicher Beleuchtung absolut zauberhaft.

Charlatan Saviours

12. Dezember 2015 (18:22 h) – Tags:

Musik: The Sign Of The Southern Cross - Unwelcome In That House | Stimmung: Superlecker Sushi-Salat mit Superfoods gemacht. Njam!

Der letzte Beitrag liegt schon etwas zurück und nachdem ich in den Kommentaren einen lieben Schubser von Laura bekommen hab, wollte ich doch endlich mal wieder von mir hören lassen.

Die Fensterbilder auf den Balkontüren sind fertig ausgemalt, ich kriege sie bei den momentanen Lichtverhältnissen aber nicht so schön fotografiert wie ich gerne hätte. Vielleicht mache ich auch erst noch die zweiten Türen mit Spruch und kleinen Motiven fertig bevor ich das Projekt abschließend vorstelle.

Ich habe auch ein bisschen gestickt und ein neues Paar Handschuhe angefangen zu stricken. Beides liegt zur Zeit unangefasst, weil mir Beschäftigungen bei denen ich viel Zeit zum Denken habe grade nicht so gut bekommen. Anstätten machen ich viel Sport und probiere jede Menge Rezepte für Smoothies, Säfte und leckeren Kram aus. Darüber bloggt es sich nur leider nicht so gut.

Auf Instagram, wo ich neuerdings bin, poste ich allerdings schamlos Impressionen der Laufstrecke und Avocado-Protein-Smoothies. Und Katzenbilder und so Zeug aus dem Leben. Mit Filtern. Ihr seid herzlich eingeladen dem zu folgen @charlottedidntsaveya.

Der Tradition und meiner momentan nicht ganz so glamourösen Grundstimmung entsprechend habe ich meine Weihnachtsdeko auf wenig mehr als Lichterketten zusammengestrichen. Ein glitzernder Hirsch steht im Wohnzimmer auf dem Fensterbrett. Sonst gibt es lilafarbene Sterne, weiße Schneeflocken, rote, grüne, blaue, gelbe Sterne und welche die ihre Farben wechseln. In jedem Fenster was anderes weil mich die Dunkelheit wirklich runterziehen kann.

Mitunter sehen die Lichterketten sogar tagsüber vor ungeputzten Fenstern effektvoll aus.

Einen Weihnachtskaktus habe ich mir auch gekauft und obwohl mir prophezeit wurde, der würde erst im nächsten Jahr blühen weil diese Pflanze gerne ihre Knospen abwirft wenn man sie auch nur ganz wenig bewegt, hat er Einkauf, Heimweg und Positionierung auf dem Fensterbrett tapfer überstanden und blüht wunderbar hellrosa. Auf dem Balkon schräg unten steht ein pinkfarbener Kollege, die motivieren sich vermutlich gegenseitig.

Amaryllis habe ich auch gekauft, weiß und rosa, und als der Stiel vorzeitig einknickte gaben die Blüten noch sehr poetische Deko auf der Kommode ab.

Das ist Siouxsie, die grade versucht einen Verband vom Bein zu lecken. Hat nicht funktioniert. Frauchen hat ihn abgemacht. Wir waren beim Tierarzt und es wurde Blut abgenommen weil die Katze irgendwie unruhig ist und grade nachts furchtbar viel miaut. Ich hatte sie gewogen und abgenommen hat sie auch. Allerdings habe ich kein neueres Vergleichsgewicht weil die Ärztin sie beim Impfen nie gewogen hat, Siouxsie macht da nämlich immer ein Riesenbohei, faucht und spuckt und beißt. Also kann es auch sein, dass sie schon länger nur knapp vier Kilo wiegt. Blutwerte und alles was noch untersucht wurde war jedenfalls in Ordnung. Wir sollen im Januar nochmal vorstellig werden. Ich bin zur Hälfte total erleichtert und zur Hälfte ratlos.

Was aber lustig ist: Diese Transportkiste ist normalerweise der größte Feind meiner Katzen. Wenn ich damit in die Wohnung komme rennen sie sofort und verstecken sich unterm Bett. Wohlwissend habe ich die Box also schon ein paar Tage vor dem Arztbesuch aus dem Keller geholt. Und seitdem, und auch immernoch nachdem wir beim Arzt waren, ist das Ding ein Plätzchen. Toyahs neuer bevorzugter Rückzugsort. Auf Katzen kann man sich auch nicht verlassen.

 

*Mein Instagram-Name ist übrigens ein Verhörer aus „Rage Hard“ von Frankie Goes To Hollywood. Sie singen in Wirklichkeit „charlatan saviours“.

Wie viele Finger hat Yoda?

21. November 2015 (20:09 h) – Tags: , , , ,

Musik: Iced Earth - Dark City 

Neues aus meinem Elfenbeinturm. Zwei Wochen Urlaub sind so gut wie um, aber ich kann nicht klagen. Bin fleißig gewesen und hab viel gemacht. Zum Beispiel das hier:

Weil im Herbst traditionell gestrickt wird und ich mich mit den Socken und fingerlosen Handschuhen schon so gut in Fahrt gebracht hatte gab es gleich noch ein Paar warme Hände. Ich hab mich zuerst in das Garn (schwarz mit meinen geliebten Drachenfarben) verguckt (das Garn ist „Cascara“ von Schoeller + Stahl in Farbe 04), und dann zufällig eine Anleitung für Handschuhe auf dicken Nadeln gefunden (das ist Drops 103-25). Es war zugegeben wirklich seltsam mit 8er (!) Nadeln Handschuhe zu stricken und bei den einzelnen Fingern waren auch kaum noch genug Maschen für ein ganzes Nadelspiel übrig.

Aber diese ulkigen dreifingerigen Fäustlinge haben mich während ihrer Entstehung schon ungemein erheitert. Durch das dick-und-dünner Garn sehen Daumen und Zeigefinger total krumm aus und das ganze hat was von Sumpfmonsterhänden. Vom Unterhaltungsfaktor abgesehen ist der einzelne Zeigefinger aber auch ganz praktisch. Man kann ihn durch den winzigen Henkel von Glühweintassen auf Weihnachtsmärkten stecken. Und einen Stift oder eine Zigarette könnte man auch gut halten.

Vergangenes Wochenende war ich (dank angenehmerer Temperaturen noch ohne Handschuhe) mal wieder auf dem Trödel. Nur kurz, nur auf dem siebzehnten Juni, weil ich was ganz bestimmtes gesucht habe. Ein Händler dort verkauft Buchstaben die mal auf Grabsteinen drauf waren. Ich finde das nicht gruselig, mich faszinieren eher die vielen unterschiedlichen Schriftarten und -stile die dort alle in einer Kiste durcheinanderfliegen. Ich hatte schonmal einen Spruch mit solchen Buchstaben gebaut.

Dieser hier ist mir im Hirn geblieben als ich nach Zitaten für die Bleiglas-Bemalung der Balkontüren gesucht habe. Ein Credo meiner geliebten Ästhetizisten: L’art pour l’art. Kunst die nur für ihren Selbstwert existiert, keinen Dienst am Leben verrichtet, in keiner Wechselwirkung mit ihm steht und in gewisser Weise nichtmal ein Publikum braucht.

Für die Auslassungszeichen habe ich ein kleines „l“ und ein Asterisk verwendet. Mehr Sternchen und auch Kreuze habe ich lose auf dem Hausaltar verteilt.

Die Buchstaben sind mit Heißkleber direkt auf die Tapete geklebt. Ob das irgendwann wieder runtergeht ist mir wie immer momentan egal. Sagt selbst, ist das „P“ nicht zum Verlieben?

Und wo wir grade von den Balkontüren sprachen. Ja, ich habe die Jugendstilbilder auf dem Glas noch ausgemalt. Es fehlen noch die Details auf den vorderen Türen, aber hier schonmal ein kleiner Ausschnitt um zu zeigen wie fantastisch die Bilder in farbig aussehen:

Ansonsten war ich in den vergangenen Wochen sehr viel Laufen. Ohne Zeit zu messen, nur raus und loslaufen. Das ist Therapie für mich. Letzten Sonntag hat es in Strömen geregnet, aber ich habe mich lange nicht mehr so gut gefühlt wie dort im Park, Wasser in den Schuhen, pitschnass und außer Atem.

Der Sturm hat auch einen Baum in die Spree geworfen und etliche Äste abgeknickt. Ein paar kleine davon habe ich neulich aufgesammelt und heimgetragen um was draus zu bauen.

Das Netz habe ich mit dünner Wolle reingewebt. Die „Spinne“ sieht man auf diesen Fotos nicht so gut, es ist eine kleine Facettperle die das Licht zu Regenbogenflecken aufbrechen würde, wenn irgendwann mal wieder die Sonne schiene. Der Behang besteht aus Federn, Perlen, einer Lochmünze und kleinen Steinen die ich von irgendwo mitgebracht habe. Einer ist aus der Elbe in Dresden, meine ich. Aus noch mehr Ästen habe ich noch mehr Kreise gebogen und werde damit noch mehr Traumfänger bauen. Weil es manchmal auch voll Spaß macht ein berliner Hipstergirl zu sein.

Zu guter Letzt noch ein Update was die Stickerei der Zeichnung von Chiara Bautista angeht. Die Haare des Mädchens und die Schrift habe ich fertig, jetzt geht es mit dem vorderen Teil des Wolfes weiter. Rechts flauscht eine Katze ins Bild weil Katzen immer und überall dabei sein müssen.

 

 

 

*Der Titel war mal die einundzwanzigste von „Zwanzig Fragen zu Beowulf“, einem Test den mein damaliger Dozent zu Beginn seines sprachwissenschaflichen Seminars austeilte um abzufragen wer den Primärtext überhaupt gelesen hatte. Besagter Dozent war auch ein großer Filmfan, prägte den Ausspruch „Wenn Sie Pulp Fiction nicht gesehen haben können Sie unmöglich Mediävistik studieren!“ und diskutierte mit uns ein Semester lang über die Tolkien-Verfilmungen. Ein großer Held meiner Unizeiten. Achso, die richtige Antwort war drei. Yoda hat drei Finger, das ist offenbar bei Puppen in denen einer drinsteckt gängig weil man da seine fünf Finger besser aufteilen kann.

 

Hand und Fuss

17. November 2015 (16:41 h) – Tags: ,

Musik: Machine Head - Game Over 

Diese Socken habe ich schon im Sommer angefangen. Die erste war mit im Elbsandsteingebirge und auch Natron durfte ein paar Runden dran stricken. Blöderweise musste ich später komplett aufribbeln und der freundliche Gastbeitrag war dahin. Nach hin und her und Ausflug auch aufs Metalcamp sind nun endlich beide Socken fertig.

Weil ich ein Kind der Achtziger bin und Neonfarben mag, zumindest wenn man sie fast nicht sieht, habe ich hier das Garn „Fluormania Color“ in Farbe 07188 von Schachenmayr Regia verwendet.

Und das sind die Handschuhe die ich vor kurzem erwähnt hatte. Meine Mama hatte solche mal vor langer Zeit für mich gestrickt. Ich habe die Dinger total viel getragen und als sie anfingen auseinander zu fallen und ich Ersatz erbat, schlug Mama vor ich solle selber stricken. Was ich also tat. Meine ersten Handschuhe.

Immerhin musste ich nur den Daumen rausstricken, der Rest funktioniert mehr wie ein abgeschnittener Fäustling. Die Anleitung ist Drops 86-28 und war ziemlich fix gemacht. Ich habe nur 40 Maschen angeschagen und das obere Ende elastisch abgekettet, sonst genau nach Anweisung gestrickt. Das Garn ist auch von Schachenmayr, es heißt Extra Soft Merino Opera in Farbe 05349 aubergine. Für meine Freundin habe ich zum Geburtstag quasi die gleichen Handschuhe nur in schwarz ohne Glitzer gestrickt.

Ich mag solche fingerlosen Handschuhe weil man zum einen nicht dauernd was ausziehen muss wenn man wo ein Anfassgefühl braucht. Zum anderen sind meine Finger offenbar zu lang für standardisierte Größen und es nervt mich wenn ein Handschuh nicht richtig passt. In Zukunft werde ich aber sicher auch mal selber Handschuhe mit Fingern stricken, mit langen Fingern.

The air around me still feels like a cage

14. November 2015 (20:50 h) – Tags:

Musik: Slipknot - The One That Kills The Least | Stimmung: *sigh*

Zeit für meditative Handarbeiten. Ich habe fingerlose Handschuhe gestrickt, ein Paar für meine Freundin, eins für mich. Dann konnte ich das Muster erstmal nicht mehr sehen.

Aber Sticken würde gehen. Ich habe neulich die Künstlerin Chiara Bautista entdeckt und bin so beeindruckt wie selten. Also wählte ich eine ihrer Skizzen zu meiner Vorlage.

Ausgedruckt, mit sehr scharf gespitztem Bleistift auf Batist durchgezeichnet. Ob dieser Stoff die beste Wahl ist wird sich zeigen. Er ist sehr zart und die Fäden auf der Rückseite zeichnen sich vorne ab. Immerhin ist Glitzer aufgedruckt.

Sticken tue ich mit einfädigem Garn. Wo die Linien dicker oder dunkler sind sticke ich doppelte und dreifache Stiche, das entspricht mehr dem Charakter einer Zeichnung als das Garn mehrfädig zu nehmen, finde ich. Das ganze in schwarz und zwei Grautönen bzw das Herz in rot und dunkelrot.

Happy Gamma Ray!

5. November 2015 (20:36 h) – Tags: , ,

Musik: Slipknot - Vermilion 

Was sonst noch los war ohne viel Zusammenhang:

An Halloween war ich trotz allem mit Freunden feiern. Gelegenheiten sich zu verkleiden gibt es nicht so viele, also bin ich da immer gerne zur Stelle.

Ja, unter der Maske steckt Natron. Und trägt ihren Psychopathen-Einteiler. Ich hatte zum Voodoo-Skull-Makeup immerhin noch ein weißes Shirt in Rippenbögen zerschnitten.

Hätte ich mehr Zeit zum Stylen gehabt, hätte ich gerne auch mehr Aufwand getrieben. Aber wir waren vor der Party noch bei Gamma Ray und haben ein bisschen altmodischen Power-/Speedmetal mitgenommen.

Die Hanseaten und ihre Freunde (unter anderem Serious Black als Vorband) spielten im kleinen Columbia Club. Quasi ein Haus weiter befindet sich die größere Columbiahalle. Und dort traten am selben Abend die Deutschrocker von Madsen vors Publikum. Was erklärte warum in der U-Bahn so verdammt viele bunt gekleidete, kurzhaarige Leute unterwegs waren. Selbst am Einlass zum Club standen sie noch und wurden von den Kartenabreißern eine Tür weiter geschickt. „Das geht euch bestimmt den ganzen Abend so?“, sagte ich zu den Jungs. Worauf sie vielsagend nickten und meinten: „Jup. Einer ist schon drin.“

Ansonsten habe ich mich shoppenderweise im Internet rumgetrieben. Frierliesel hat tatsächlich noch eine Winterjacke gekauft, eine wattierte, die sich wie ein Mumienschlafsack trägt aber viel besser aussieht.

Und nachdem ich schon eine Weile damit liebäugle habe ich mir auch endlich einen Entsafter gekauft. Ich besitze seit etwas mehr als einen Jahr einen Mixer, damit mache ich regelmäßig Smoothies. In denen versuche ich neben Obst auch immer etwas Gemüse unterzubringen, aber so harte Sorten wie Rote Beete oder Möhren kann man im Mixer nur sehr schlecht verarbeiten.

Der Neue im Fuhrpark war wie immer nicht ganz billig, aber er kriegt die Wurzeln anstandslos klein und ich bin sehr begeistert von meinem Rote Beete-Möhren-Ingwer-Orangensaft. Auch Äpfel, Birnen und Pflaumen habe ich schon zu Saft verarbeitet und dann mit Zimt, Muskat und Ingwer in der Mikrowelle aufgewärmt für eine Art Fruchtpunsch. Gesunde Ernährung rockt.

pain is temporary

4. November 2015 (12:24 h) – Tags:

Musik: Machine Head. Die einzigen die mir nicht nach zwei Songs auf die Nerven gehen. 

Was sich zu schön anfühlt um wahr zu sein, kann am Ende auch nie sein. Ich habs verstanden, Danke Universum!

Ich wollte schon länger einen Dermal Anchor haben, hatte mich aber immer ein bisschen vor der Sache gedrückt weil ich nicht wusste wie sehr es weh tun würde. Jetzt ist mir der körperliche Schmerz aber grade herzlich egal. Der Piercer hatte freundlicherweise Rabattwoche, also hab ich endlich den Anchor über den Bauchnabel setzen lassen.

Schlussendlich hat es gar nicht sehr viel doller weh getan als das Bauchnabelpiercing. Einmal beim Punchen, klar. Das war mit dem Stechen beim Piercing vergleichbar. Dann haben wir gewartet bis es nicht mehr blutet und dann wurde erst der Schmuck eingesetzt. Das hat man natürlich auch nochmal gemerkt. Man muss also zwei Mal tief einatmen. War aber total aushaltbar, zumindest an einer so relativ unempfindlichen Stelle wie dem Bauch. Ich hoffe, dass es gut abheilt weil ich den Look mit drei Punkten die eine Linie bilden (wenn man grade steht) wirklich sehr gerne mag.

John Walker His Book

27. Oktober 2015 (18:53 h) – Tags: , , ,

Musik: Slipknot - Wait And Bleed 

Kaum ist es Herbst bin ich krank geworden. Hocke mit Mandelentzündung zu Hause und vertreibe mir die Zeit mit Wohnungsverbesserungsprojekten. Mein Balkon hat -vermutlich noch aus Zeiten in denen er nicht verglast war-  doppelte Holztüren mit Glaseinsätzen. Diese Scheiben wollte ich schon seit geraumer Zeit bemalen. Wie Bleiglas, dachte ich mir. Ich suchte im Internet nach Jugendstilfenstern und der Plan sah machbar aus. Dann nahm ich das Dover Pictorial Archives Buch „Treasury Of Art Nouveau Design & Ornament“ in die Hand. Aus diesem Buch stammt auch meine Tattoovorlage. Und so wie jene Element einer Speisekarte gewesen war, sprangen mir nun die hochformatigen Ex Libris ins Auge. Eins womit ein gewisser un-google-barer John Walker seine Bücher zu markieren pflegte empfand ich als besonders passend und daraus entwickelte ich dann zwei Motive.

Auf beiden sind Insignien des bildenden Künstlers dargestellt, das gefällt mir und ich war so frei noch Strickkunst und Nähhandwerk symbolisch unterzubringen.

Ich zog die Motive im Grafikprogramm auf die richtige Größe auf, teilte sie auf, druckte auf A4 und klebte dann alles im Stil eines Download-Schnittmusters zusammen. Diese Vorlagen konnte ich dann von hinten gegen die (frisch geputzten) Fensterscheiben kleben. Und dann ging es los.

Tagsüber habe ich hinter die Vorlage noch ein dunkles Handtuch gehängt, denn ohne Gegenlicht waren die Linien deutlich besser zu erkennen. Damit meine Hände beim Malen nicht wieder Fett auf dem Glas hinterlassen -worauf die Farbe dann nicht gut haftet- habe ich die rechte Hand mit Tüchern und Pflaster abgeklebt.

Die Linien und Flächen habe ich mit schwarzer Acrylfarbe aufgemalt. Man darf nicht so sehr mit Wasser verdünnen weil es dann nicht mehr gut deckt. Ansonsten malt Acryl sich hervorragend auf Glas. Über das Entfernen kann Zukunfts-Soda sich Gedanken machen finde ich.

Soweit sind beide Motive in ihren schwarzen Linien auf den Scheiben. Ich möchte sie noch farbig ausmalen, wie Bleiglasfenster halt. Wobei ich zugeben muss, dass das ganze auch so schon höchst elegant aussieht. Der Balkon wirkt durch die Jugendstilmotive wie ein Gewächshaus aus dem späten neunzehnten Jahrhundert!

Nichtsdestoweniger, ich habe schon Window Color gekauft. Lieber hätte ich die „Sonnenscheinfarben“ verwendet die es in meiner Kindheit gab, die haben sich leichter vermalen lassen meine ich. Aber die kann man offenbar nicht mehr kaufen. Also Window Color und auf das Beste hoffen.

Wenn es klappt soll es auf der zweiten Türen, die vor diesen -innerhalb der Zimmers- liegen noch ein paar Motive geben. Dann hätte man einen Zwei-Ebenen-Effekt wenn die Türen zu sind. In die leere Fläche zwischen den Säulen könnte noch sowas wie Sonne und Mond und ein Spruch in das Schriftband unten. Irgendwas Düsteres über Kunst und Leben was Stefan George gesagt hat.

October Rust

21. Oktober 2015 (19:47 h) – Tags: , ,

Musik: Neues Maiden-Album mag ich sehr, Trivium leider nicht besonders... 

Es ist definitiv Herbst und damit wieder Zeit sich in seiner Wohnung einzumurmeln. Ich habe mich zuerst sehr schwer getan den Sommer gehen zu lassen, aber jetzt ist die Aussicht auf Lichterketten, Glühwein und Strickprojekte auf einmal gar nicht mehr so schlimm. Was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass ich meine Wohnung noch ein wenig gemütlicher gemacht habe.

Den neulich aufgehübschten Balkon habe ich weiter dekoriert. Mit Grünpflanzen, der zerbrochenen Achatdruse, einem Puppenkopf aus Porzellan und diesem zauberhaften Fotoheftchen was ich neulich in einer Kiste mit Dias gefunden habe: „Das unterirdische Zauberreich der Attendorfer Tropfsteinhöhle“. Offenbar eine uralte Reiseerinnerung meiner Vorfahren.

Seit ich die Sukkulenten öfter wässere wachsen sie wie bescheuert und ich habe wieder was über Zimmerpflanzen gelernt. Auch Wüstenbewohner muss man gießen.

In die Balkontür habe ich die farbigen Laternen gehängt die schon fast überall in meiner Wohnung mal untergekommen waren.

Und dann habe ich im Wohnzimmer weiter gemacht. Weil ich sie ohnehin fast nie benutzt habe, sind Fernseher, XBox und Antenne wieder in ihre Kisten gewandert. Die mcgywer-mäßig an die Wand gefluchte Fernsehhalterung habe ich ebenso trickreich wieder abgebaut, worauf ich ein klein wenig stolz bin. Auch alle anderen Halterungen sind verschwunden, Löcher zugespachtelt, Wandfarbe drübergestrichen.

Ich wollte dann meine ertrödelten Goldrahmen an den Wänden verteilen, aber zu diesem Zwecke sollten wenigstens auch Bilder drin sein. Was im Schlafzimmer die alten Fotos sind sollen hier Kunstwerke meiner Lieblingsmaler werden. Könnte man ja im Copyshop drucken lassen, dachte ich mir. Und dann fiel mir ein, dass ich Jugendstil und Präraffaeliten nicht erst seit gestern schätze und deshalb diverse Kalender unter dem Arbeitstisch horte…

Perfekt! Ein paar Klassiker sind also sofort auf zugeschnittene Amazon-Kartonagen geklebt und in die Rahmen montiert worden.

An die Stelle des Fernsehers ist nun der tschechische Jugendstil gerückt. Sehr viel ästhetischer, wie ich finde.

Die Präraffaeliten, Jaime Lannisters Ringlöwen und ein asiatisches Hängedingens habe ich zwischen Kommode und Hausaltar geworfen und plötzlich beginnt die Wand eine ganz neue Wirkung zu entwickeln.

Ein paar Rahmen habe ich noch, aber spontan keine Bilder dafür. Waterhouse‘ „The Siren“ würde ich gerne noch unterbringen, irgendwas von Klimt oder Franz von Stuck und die russische Taschenikone die ich vor kurzem auf Arbeit gefunden habe.

Zunächst hat aber nur noch der Hausaltar ein kleines Update erhalten und damit ists fürs erste schonmal ganz gemütlich im Wohnzimmer.

Sieben zu eins

14. September 2015 (17:50 h) – Tags: , , , ,

Musik: In der Küche läuft Doom :) 

Es gibt in meinem engeren Freundeskreis eine 7:1-Geste, bei der man an einer Hand fünf Finger hochhält und bei der anderen nur Daumen, Zeigefinger und kleinen Finger. Die Geste stammt aus Tagen der Weltmeisterschaft und besagt so viel wie: „Wenn eine Sache absolut fantastisch läuft, dann kann was anderes ruhig mal schief gehen, das ist nicht so schlimm. Ärgere dich nicht drüber, freu dich lieber über das was da grade toll läuft.“

Die 7:1-Geste beschreibt mein jüngstes Wochenende in Hamburg ganz hinreichend. Hochgefahren war ich vor allem wegen der weiteren Vervollständigung meiner Tätowierung und weil es sich terminlich anbot auch um den großen Mittelaltermarkt in Öjendorf zu besuchen. Und dann renkt sich mein Tätowierer am Abend vor unserem Termin beim Sport die Schulter aus und im Mittelalter regnet es so ausgiebig, dass ich nicht das weiße Elfenkleid anziehen mag. Yeah.

Aber egal. Hab ehrlich gesagt auch keinen Grund mich zu beschweren. War ich am Freitag halt mit Natron endlich mal wieder im Secondhand und ausgiebig Kaffee trinken.

Dieses superkitschige Achtziger-Jahre-Partykleid hatte es mir irgendwie angetan, ich weiß auch nicht warum. Schwarzer Flockdruck mit buntem Glitzer, Ballonrock, gesmokter Rücken und eine riesige Schleife auf dem Schoß. Aber trotzdem… wüsste ich eine Gelegenheit sowas anzuziehen hätte ich es vermutlich gekauft. So blieb es da und ich schleppt nur ein weiteres der unvermeidlichen Grunger-Karohemden ab.

Der Mittelaltermarkt in Öjendorf war am Samstag trotz Regen total schön. Das ist ja ein riesiges Gelände! User getroffen, Malzbier getrunken, Feuershow angesehen und Edelsteine gekauft. Passt schon.

Zuhause in Berlin habe ich in letzter Zeit einen kleinen Aufräumflash bekommen. Ich hatte ja schon erzählt, dass ich angefangen habe den Balkon schön zu machen. Dort lagerten bisher die letzten (leeren!) Umzugskartons, Bierkisten von einer längst vergangenen Party sowie lauter Kram der eigentlich in den Keller gehört. Dazwischen konnte man noch so viel treten, dass Sprühaktionen mit Bleiche durchführbar waren, anders nutzte ich den Raum aber nicht. Was ein Skandal ist!

Nun habe ich also alles rausgeräumt, die verdammten Pfandkisten in den Supermarkt zurückgebracht, die Pappe in den Müll und das Gerümpel in den Keller. Das fühlte sich schonmal super an.

Dann konnte ich das Stück Teppich ausrollen was meine Mutter mir von ihrer Auslegware gerettet hat als sie sich Laminat hat legen lassen. Mit Siouxsies großartiger Hilfe hab ich das zugeschnitten und auf dem Betonboden verklebt. Nun ist der Balkon das einzige Zimmer in dem ich Teppich habe. Die Katzen finden Teppich offenbar total toll und rollen ständig darauf rum, ich bleibe weiterhin ein Fan von Holzböden. Auch wenn ich zugeben muss, dass der Balkon jetzt natürlich viel kuscheliger und der Raum irgendwie wärmer ist.

Der Balkon ist übrigens komplett verglast, mehr wie ein Wintergarten. Nur falls euch das mit dem Teppich grade verstört haben sollte. Langfristig will ich den anders ausbauen, aber fürs erste stehen ein alter Elchledersessel drin, ein Regal aus meinem Kinderzimmer und die Pflanzen die ich weder totgegossen noch in Hamburg vergessen habe. Und dezenter Dekokikki, versteht sich.

Die Laterne ist gestern schon wieder abgeschmiert, da muss ich wohl doch einen Haken in die Decke bohren. Ansonsten aber schon alles sehr hübsch. Und auf einmal gratis ein Zimmer mehr zu haben ist auch nicht verkehrt.

Wo ich grade so auf dem Wohnungskram-Trip war habe ich auch noch schnell den Spiegel im Schlafzimmer aufgehängt. Das gute Stück habe ich neulich einer Kollegin für nen Zehner abgekauft weil Bleiglas und goldfarbener Rahmen immer irgendwo bei mir reinpassen.