Stick ‚em with the pointy end

13. April 2014 (18:25 h) – Tags: , ,

Musik: Savatage - Starlight 

Sonntag morgens um zehn sind nur Touristen unterwegs. Die Berliner schlafen noch. Ausser mir, ich bin schon wieder auf Trödelpirsch gewesen. Umgeben von Schweizern, Briten und Baden-Würtembergern.

Auf dem Fehrbelliner Platz gab es eine ganz beeindruckende Jugendstillampe für die Wand, aber ich bräuchte eher eine Tischlampe und für so großes hatte ich eh kein Budget eingeplant. Ansonsten schöne Bilderrahmen und Schnurkes ohne Ende. Ich hatte auf Dekoratives fürs Wohnzimmer spekuliert, was man an die Wand hängen kann, oder auch Figuren. Aber so richtig… Hm. Trotzdem habe ich aber den ganzen Markt abgegrast. Am vorletzten Stand jede Menge Bücher, oben drauf die Nibelungen als Reclamausgabe und darauf ein Schwert. Jup, ein Schwert. Ein dekoratives, keins zum Kämpfen, aber im Schmücken ungemein gut. Ich schätzte, dass die Händlerin vermutlich so um die fünfzig Euro dafür haben wollen würde, aber Fragen alleine kostet ja nix. Und dann sagte sie: „Fünf Euro.“ Ernsthaft? Die Dame hat mir die Überraschung wohl angesehen und erklärte sie wäre gar keine richtige Händlerin, sie löse hier nur den Haushalt ihrer Schwiegereltern auf. Okay. Deren Schwert war dann für ein Taschengeld meins.

Ich bin immernoch ein wenig baff, das war ja nun wirklich kein Preis. Entsprechend grinsend bin ich dann mit aus der Tasche ragendem Schwert zum U-Bahnhof gelaufen um den Weg Richtung 17. Juni anzutreten. Unterwegs wies mich eine ältere Dame auch gleich darauf hin, wie gefährlich das Metall da wäre. Kaum ist man bewaffnet kriegen die Leute Angst.

Und hier die Details, damit man auch was erkennt. Das Heft ist aus Messing, verziert mit historisierendem Dekor. Auf der Parierstange reißen irgendwelche Viecher (Löwen? Fische?) das Maul auf und die Enden bilden diese bemerkenswerten Kreuze. Leider sitzt die Klinge darin ziemlich locker, aber um Robb Stark zu rächen wird es eh nicht langen.

Die Klinge selber ist entsprechend auch kein Valyrischer Stahl. Ein bisschen angerostet, und die tollen Motive darauf sind auch stellenweise abgerieben. Eingerahmt von Schnörkelmuster findet in der Mitte eine Schlachtszene zu Pferde statt. Reiter mit erhobenen Säbeln und so. Voll schön gemacht.

Ich werde das Schwert ins Wohnzimmer hängen. Je mehr ich drüber nachdenke umso begeisterter bin ich nämlich davon. Ich mag, dass es so zierlich und mädchenhaft ist, aber gleichzeitig eine ritterliche Waffe. Als solche repräsentiert sie für mich die Ritterlichen Tugenden während gleichzeitig die Präraffaeliten, Beowulf, Tolkien und ein Rattenschwanz an Fantasy anklingen. Sowas kann man sich schonmal an die Wand hängen.

Mit Schwert bin ich also am 17. Juni aufgekreuzt um noch eine weitere Runde Trödelmarkt mitzunehmen. Das Wetter war inzwischen etwas garstiger geworden aber der Markt trotzdem proppenvoll. Ein ganz entzückender älterer Händler, der Wedgwood-Porzellan aus Großbritannien importiert, unterhielt sich mit mir über die unterschiedlichen Farben der Stücke. Blau ist am verbreitetsten, schwarz aus unerfindlichen Gründen immer am teuersten und neulich hatte er sogar eine rosafarbene Vase. Sensationell. Irgendwann werde ich ihm eine blaue Dose abkaufen, für Schmuck im Schlafzimmer.

Nachdem ein anderer Händler das Schwert sofort als solches erkannte und darauf bestand die Klinge in Zeitungspapier zu wickeln, suchte ich den Stand auf an dem ich neulich Möbelgriffe aus Messing gesehen hatte. Projekt Kommode, ihr wisst Bescheid. Ich hatte den einen verbleibenden Griff von der Kommodentür abgeschraubt und als Größenvergleich mitgenommen. „Zeigen Se ma her!“, sagte der Verkäufer. Und dann: „Dit is Bakelit und een Möbelgriff. Die hier sind Türknäufe.“ Erklärte warum sie so viel massiver und mit Holzschraube auf der Rückseite gearbeitet waren. Wir diskutierten die Verwendbarkeit von Türknäufen als Möbelgriffe, ich entschied, dass das machbar wäre und nahm zwei Messinggriffe mit.

Die haben nicht ganz wenig gekostet, aber sie sind halt sehr schön und passen zur Kommode. Wenn ich bei sowas spare ärgert mich das danach ewig, das habe ich inzwischen gelernt. Den weißlichen Belag in den Vertiefungen der Motive habe ich nach dem Foto noch entfernt bzw mit dunkler Acrylfarbe übergewischt.

Um die Knäufe anzubringen musste ich die Befestigungslöcher in den Türen aufbohren. Keine große Sache. Erfreulicherweise verschwanden die Schrauben auf der Rückseite fast vollständig im Holz und gucken innen nur ganz wenig raus. Deutlich geringere Gefahr hängenzubleiben als bei den Originalgriffen. Das Holzdekor was ursprünglich unter dem Griff war ist nun auch weggefallen, das heißt ich muss es auf der rechten Seite gar nicht mehr ergänzen. Umso besser. Und dann passt die Metallfarbe auch noch so gut zum Schlüsselloch!

Auf dem Trödel blieb ich noch im Bereich der Türbeschläge und schaute mir Klinken, Griffe, Jugendstil-Briefklappen und -awww!- Türklopfer an. So ein Ding wäre auch eine schöne, nutzlose Wandzier. Hm. Leider nicht ganz billig, aber irgendwann nehm ich mal einen mit. Heute gab etwas ähnliches, allerdings von vornherein als funktionslose Dekoration gedacht.

Der Ringlöwe stammt laut Verkäufer aus Tagen der Gründerzeit und war vielleicht zusammen mit seinem Pendant mal an den Seiten einer Uhr befestigt. Tatsächlich sieht er auch nur wuchtig und schwer aus, ist aber aus Messingblech geprägt, nichtmal der Ring ist massiv. Insofern gibt er ein astreines Dekoteil ab und erfreut mit seiner nutzlosen Schönheit mein ästhetizistisches Herz. Auch der wird seinen Platz an der Wohnzimmerwand finden.

Für die Wand sammle ich momentan Dekostücke an. Mit nur einem Teil kann ich ja keine Hängung beginnen, also warte ich bis was zusammenkommt. Schwert, Jugendstil-Rahmen, ein entsprechendes Medaillon, Ringlöwen und einen großen Bilderrahmen der darauf wartet umlackiert zu werden habe ich schon in petto.

Kommode flicken, quer durch die Kulturen

17. März 2014 (10:44 h) – Tags: , , , ,

Musik: Behemoth - Blow Your Trumpets Gabriel 

Die Kommode ist -wenig Wunder- schnell zur Königin des Wohnzimmers geworden. Ich habe Sessel umgestellt um die Möbel harmonischer zu verteilen und neulich war ich extra noch in der Drogerie um dunkle Möbelpolitur zu kaufen. Damit habe ich das alte Stück wirklich sehr schön aufpolieren können. Die Schrammen im Holz sind sehr viel weniger sichtbar und die Oberflächen glänzen nun wieder schön. Dolle Sache.

Was das fehlende Fries auf der rechten Tür angeht habe ich ein paar Pläne im Kopf bewegt. Ziemlich frei nach der japanischen Kintsugi-Technik, bei der zerbrochenes Porzellan mit einem metallhaltigem Kleber zusammengesetzt wird, so dass die Bruchstellen später sichtbar in zB gold hervorgehoben sind, überlegte ich den fehlenden Bereich als Schattenriss in messingfarben aufzumalen. Die Grundform ist ja auf dem ausgeblichenen Untergrund noch gut zu erkennen bzw kann sie gegengleich von der zweiten Tür abgenommen werden. Dazu würden Türgriffe aus Messing dann gut passen.

Das war die erste Idee und ich finde sie auch immernoch ziemlich schön, aber dahinter lauerte noch eine zweite. Die größere Herausforderung die ich deshalb annehmen musste. Wenn ich schon ein gemaltes Teil einsetze, dann kann ich auch versuchen das fehlende Ornament aufzumalen. Also trompe-l’œil: So schattiert, dass es eine Dreidimensionalität vortäuscht und den fehlenden Teil sozusagen hinillusioniert. Mir ist klar, dass das kein geringer Anspruch ist und ich sicher nicht in der Lage sein werde etwas zu malen, das den Betrachter am Ende wirklich hinters Licht führt. Man wird immer sehen, dass hier Farbe statt Holz wirkt. Das ist mir aber auch ganz recht so. Wenn ich die Möglichkeit hätte da aus Holz genau das fehlende Stück nachzuschnitzen, so dass die Tür am Ende aussieht wie vor dem Bruch, dann fände ich das fast zu langweilig. Die Idee hinter Kintsugi, dass etwas durch einen sichtbar nachwirkenden Schaden an Schönheit und Charakter gewinnt, die mag ich sehr gerne. Man soll meiner Kommode also ruhig ansehen, dass sie nicht mehr unversehrt ist.

Ich bin nun zur Tat geschritten und habe die Form des Holzornaments mit transparenter Folie abgenommen. Erst von der rechten Tür, später habe ich Details von der linken, intakten Seite ergänzt. Das ging ziemlich gut. Von der Folie habe ich das Motiv auf Transparentpapier übertragen, es nochmal an der Tür korrigiert und dann die Form aus dünner Pappe ausgeschnitten. Wenn ich auf Pappe male habe ich erstmal schon eine grundlegende Dreidimensionalität durch das aufgesetzte Material, zum anderen macht es mir die Arbeit leichter weil ich nicht senkrecht an der Tür malen muss sondern die Pappe hinlegen kann wo ich will.

Testweise habe ich das Pappstück passgenau in die Lücke gesetzt und obwohl es in weiß noch total rausleuchtet hat sich das Ausfüllen der Lücke schon so gut angefühlt. Wie eine Prothese für die Schönheit des Möbels. Als wenn das Ornament in seinen Formen wieder fließen konnte und die Kommode einmal zufrieden aufgeatmet hat. Ich sehe da auch keinen Widerspruch zur Akzeptanz von Fehlerhaftigkeit. Für mich bedeutet diese nicht zu sagen: „Tja, ist halt kaputt, ist aber okay wenn ich es so lasse“, sondern mit dem Schaden zu arbeiten und irgendwas draus zu machen was den Gegenstand insgesamt oder zumindest seine Ästhetik wieder funktionieren lässt.

Auf dem Boden vor dem Schränkchen hockend habe ich den Einsatz zuerst in einem passenden Braunton bemalt und dabei schonmal die Maserung angedeutet. Ich verwende meine geliebten Aquarellfarben auch wenn ich weiß, dass die nicht wasserfest sind. Mit Aquarell kann ich am besten schattieren und Farbtöne mischen. Die Auswahl an Grundfarben habe ich in Acryl einfach nicht und es lässt sich auch nicht so gut vermalen. Ich werde die Pappe am Ende mit Sprühlack versuchen widerstandsfähiger zu machen bzw den dezenten Glanz des Holzes nachahmen.

Das ist der Stand meiner Schattierungsarbeiten soweit. Weil das geschnitzte Holz so eine glatte Oberfläche hat muss ich ziemlich kräftige Lichter mit Deckweiss setzen. Eventuell muss ich auch die Schatten dazu stärker ausarbeiten. Auf dem Foto wirkt der gemalte Teil recht blaustichig. Das liegt an den mickrigen Lichtverhältnissen, in Wirklichkeit ist es noch ein bisschen schöner.

Ich bin mit dem Projekt bisher eindeutig zufrieden. Wenn ich die Gelegenheit dazu finde, werde ich nochmal nach Möbelgriffen trödeln gehen. Mit sehr viel Glück finde ich irgendwas das sich so gut einpasst, dass ich nur den rechten Griff austauschen muss und der linke, der aus irgendeiner Form von Proto-Plastik besteht, bleiben kann. Wahrscheinlicher werde ich aber beide austauschen. Dann bleibt noch das weggebrochene Ornament auf dem Aufsatz zu ergänzen. Dafür muss mir aber irgendeine Art von Relief in die Hände fallen. Nicht zu groß und thematisch passend.

Trés commode, Madame!

11. März 2014 (20:00 h) – Tags: , , , ,

Musik: Blind Guardian - Battlefield | Stimmung: Tetrislevel fertig gespielt!

Heute früh habe ich mir eine „Can-do Liste“ gemacht weil mir so viele Dinge im Kopf rumschwirrten die ich alle an meinen zwei freien Tagen, also heute und morgen, machen könnte. Könnte, nicht müsste. Alles Sachen auf die ich tatsächlich Lust habe.

Als erstes bin ich dann, weil fantastisch sonniges Wetter war, zum Baumarkt geradelt. Mein erster Fahrradausflug in diesem Jahr, da bin ich etwas zimperlich und vermutlich Schönwetterradler. Der Baumarkt hatte neulich ein Prospekt durchgesteckt und darin waren LED-Lichtleisten beworben. Ich hatte Weihnachten meinen lilafarbenen Sternenlichtervorhang auf dem verglasten Balkon und mochte das farbige Licht was durch die Türen ins jadegrüne Wohnzimmer schien sehr gerne. Den Effekt will ich jetzt mit farbigen LEDs emulieren. Am besten mit Farbwechsel und Fernbedienung. Dafür habe ich heute Equipment gekauft.

Außerdem brauchte ich Blumentöpfe um meine fröhlich wuchernden Echeveria umzutopfen. Nachdem ich die in meinen Einkaufskorb geräumt hatte kamen noch ein Kratzbrett für die Kitties mit sowie Katzenfutter und drei ganz entzückend niedliche Mini-Sukkulenten.

Sind die nicht goldig?! Sukkulenten wachsen auf meinem Balkon wie bescheuert weil sie da viel Sonne haben, deshalb hab ich mich getraut noch mehr davon anzuschaffen. Das rechte sind Lithops, und sie sehen wirklich wie Steine aus. Oder wie Augen. Das mochte ich. Was die beiden anderen sind muss ich noch herausfinden. Sehen aus wie kleine Aliens. Ich finde die drei da auf ihrem gemeinsamen Untersetzer total niedlich und bin gespannt wie sie sich machen werden.

Nachdem ich das Fahrrad noch ein zweites Mal bemühen musste weil ich natürlich nicht daran gedacht hatte auch Kakteenerde mitzubringen, konnte ich auch die Echeveria umtopfen. Dabei habe ich der einen Pflanze gleich ihre Ableger abgeschnitten und diese einzeln eingepflanzt. Mal gucken ob sie werden.

Vorne steht der Ingwer den ich neulich eingepflanzt habe. Auch der ist so gut gewachsen, dass ich ihn heute umgetopft habe. Schon ein ganz hübscher Garten. Der allerdings *hust* auf leeren Umzugskartons steht. Wenn ich den Balkon mache wird das alles besser, versprochen!

Das Kratzbrett was ich den Haustieren gekauft habe legte ich erstmal auf den Teppich im Wohnzimmer. Seit ich nämlich eine total zerfledderte Kratzgelegenheit im Arbeitszimmer ausgetauscht habe, gehen die Katzen da nicht mehr dran und wetzen ihre Krallen lieber an meinen Orientteppichen. Da bin ich nicht so begeistert von, also legte ich das Brett etwa auf die Stelle die sie bekratzen. Toyah kam, schnupperte dran und drehte sich wieder um. Siouxsie ging schnurrstracks auf das Ding zu, stellte sich drauf und fing an zu kratzen als wenn das schon ewig da läge. Die gute Katze! Und so schlau! Eigentlich will ich das Brett lieber an der Wand haben, aber Hauptsache es wird erstmal angenommen.

Nachdem ich also mit Pflanzen und Katzen durch war hab ich nochmal auf die Can-do Liste geschaut. Was könnte noch? Oh, „Trödler aufsuchen – Kommode klarmachen“ klingt gut. Also wieder aufs Rad, in die Richardstraße geradelt. Sie waren noch da, die Kommoden die ich in meine Auswahl genommen hatte. Dem Favoriten hatte man inzwschen sogar einen losen Türgriff festgeschraubt. Überhaupt strahlte der mich heute so richtig an. Also Händler aufgesucht, Preis erfragt. 85 Euro. Gebongt.

Im Hof stand grade der Lieferwaren, da boten sie mir an die Kommode gleich zu liefern. Nun musste ich mich tatsächlich beeilen um vorher zu Hause zu sein. Kaum war ich da, rief der Händler an um sich zu entschuldigen, dass er doch keinen Schlüssel für die Schranktür hat. Nagut, nicht so wichtig. Aber sehr nett, dass er extra angerufen hat. Kurz darauf klingelten auch schon seine Kollegen und schleppten mein tonnenschweres Möbel fluchend in den zweiten Stock. Und da ist sie nun, die Kommode.

Mit Möbeln kenne ich mich nicht so aus, deshalb tue ich mich recht schwer damit das Stück zu datieren. Vor dem zweiten Weltkrieg. Aber wie weit? Jahrhundertwende? Eigentlich zu wenig Jugendstil. Für Historismus zu schlicht, für Biedermeier schon wieder zu verspielt, finde ich.

Zu Hause habe ich meine Neuerwerbung erstmal geputzt. Stand beim Händler zwar überdacht aber trotzdem fast draußen. Da kam ganz gut Dreck runter. Natürlich ist das Stück nicht in Top-Zustand. Beim Aufsatz ist mittig das Zierelement weggebrochen und auf der rechten Tür fehlt es auch. Der Lack ist zerschrammt, hat Wachsflecken und kleine runde Stellen wo mal was drauf stand. Es würde mich ja brennend interessieren was das war und was die Kommode überhaupt schon so gesehen hat.

Der rechte Türgriff ist weg, da habe ich aber ja schon was auf dem Trödel am 17. Juni ausspioniert. Was ich anstelle der fehlenden Zierdinger mache weiß ich noch nicht, aber ein paar vage Ideen gibt es schon. Mich stören diese Blessuren ehrlich gesagt überhaupt nicht. Da hat jemand halt Geschichte und Charakter. Und gibt mir die Chance dem noch eine persönliche Note hinzuzufügen.

Die Kommode ist ziemlich groß, ich werde ohne Probleme meine Xbox, die Spiele und DVDs drin unterbringen. Und mehr. Auf dem Aufsatz (oder davor) sollen die Jugendstil-Buchstützen stehen und ein paar alte Bände halten. Und dann wäre noch Platz für eine Tischlampe. Ich habe erstmal diesen schwarzen Plastikleuchter draufgestellt, aber so richtig gefällt mir das nicht. Da kann gerne noch was altes. Die Innenfächer der Kommode waren mal mit Papier ausgeschlagen, es sind noch Reißnägel und ein Papierschnipsel drin gewesen. Das könnte ich auch wieder machen. Für Kabel werde ich schamlos ein Loch in die Rückwand bohren. Das hätte ich bei einer neuen Ikea-Kommode auch gemacht.

Das Wohnzimmer ist auf einmal deutlich voller, aber ich sehe jetzt die Gestaltung der ganzen Wand heranreifen. Da freu ich mich schon drauf.

Und bis die Katzen in und auf die Kommode geklettert waren hat es natürlich auch nicht lange gedauert.

Guten Tag, kann ich Ihnen was aufschwatzen?

1. März 2014 (18:05 h) – Tags: , ,

Musik: Kiss - God Gave Rock 'n' Roll To You 

Es ist nicht besonders warm in der großen Stadt, aber dafür wunderbar sonnig. Ich habe ein freies Wochenende und musste mir für die bestandene Stresswoche was gönnen. Also war ich trödeln, was Besseres gibt es bei Sonnenschein und Frühlingsfrischluft fast gar nicht.

Am Freitag besuchte ich erstmal den Möbeldealer in der Richardstraße und sah mich nach einer Kommode fürs Wohnzimmer um. Die Kommode soll an die Wand gegenüber des Sofas und sie ist fürs Vorankommen des gesamten Wohnzimmers so etwas wie das lange Element für ein gewonnenes Tetris-Level: Ohne kommt man einfach nicht weiter. Ich will noch Bilder und anderen Scheiß an und vor die Wand hängen, aber ich weiß ja nicht wohin wenn ich nicht weiß wie groß die Kommode wird. Das bremst mich also schon eine Weile, deshalb hat die Kommode inzwischen eine recht hohe Priorität. Der Kieztrödler war nett und hatte auch ein paar Kommoden die er mir sogar nach Hause liefern würde. Alle nicht in Top-Zustand, aber ich habe ohnehin festgestellt, dass mich immer grade die schrabbeligen Exemplare interessieren. Viele Schränkchen waren ziemlich groß, mehr für die 200-qm-Wohnungen die man im neunzehnten Jahrjundert offenbar so eingerichtet hat. Ich hab jetzt zwei bis drei Modelle in die Auswahl genommen aber noch nichts gekauft.

Heute bin ich dann erstmal auf den Fehrbelliner Platz gefahren. Ohne irgendwas zu suchen, einfach so zum Stöbern. Die Gesellschaft von altem Kram macht mich glücklich. Ich hab ein paar Jugendstilbroschen angeschaut und einen mentalen Vermerk zum Teppichhändler gemacht, der hatte nämlich auch so kleine orientalische Brücken wie sie gerne noch bei mir ins Wohnzimmer einziehen dürfen. Neben dem ganzen Gerümpel was man kaufen könnte, mag ich Trödelmärkte aber auch für ihre Händler. Ich habe folgende wunderbare Konversation zwischen zwei älteren Herren mitbekommen als sich ein potentieller Kunde für ein Set Briefmarken interessierte: Kunde: „Und was sollen die kosten?“ Händler: „Dieter, watt willste denn für die hier haben?“ Dieter: „Wie viele sind denn da drauf?“ Händler (betrachtet die Briefmarken): „Fünf Jute, der Rest is Kompott.“ Dieter: „Dann zehn Euro.“ Auch mein Titel ist das Zitat eines anderen Händlers bei dem ich später einkaufte und noch was geschenkt bekam.

Es hat mich nichts so richtig angesprungen, deshalb habe ich den Fehrbelliner Platz wieder verlassen ohne eingekauft zu haben. Aber es ist von dort ja nicht so weit zum 17. Juni. Wo der auch von Touristen gut frequentierte Trödelmarkt ist auf dem ich meine Wohnzimmerlampe gekauft habe. Die Händler dort haben mMn etwas hochwertigere Waren und der Markt ist auch deutlich größer. Es lohnt sich beide abzugrasen, dann sollte man aber mit dem Fehrbelliner Platz anfangen und gut Zeit einplanen um zwischenzeitlich auch mal was zu essen. Nur so als Veranstaltungstipp für Berlinbesucher.

Der 17. Juni war super heute. Gleich zu Anfang begegnete mir eine wunderschöne Tischlampe die perfekt ins Wohnzimmer gepasst hätte, nur habe ich gar keinen Tisch dafür. Vielleicht für die Kommode? Erstmal weitergegangen. Die Russin der ich meine Deckenlampe abgekauft hatte bot wieder tolle Art Déco Lampen an, ein anderer hatte ganz kleine Kronleuchter bei denen ich auch fast schwach geworden wäre. Sind ja schließlich zwei Anschlüsse an der Wohnzimmerdecke. Als ich es an einem anderen Stand dann erneut glitzern sah, erinnerte ich mich wieder daran, dass ich ja unbedingt noch einzelne Lüsterkristalle kaufen wollte um sie ins Schlafzimmerfenster zu hängen. Im Wohnzimmer habe ich bereits welche und wenn die Sonne da draufscheint werfen sie hundert Regenbogen-Lichtpunkte ins Zimmer.

Diese Auswahl habe ich heute mitgenommen, für acht Euro. Besonders fasziniert mich der blaue Kristall. In der Art gab es noch violette und orangefarbene. Total schade, dass wir nie erfahren werden an was für einer extravaganten Lampe die mal dran waren.

Ich hab wirklich viel angeschaut, auch viel Schmuck. Ich habe auch bei den Händlern rumgestöbert die „nur“ die üblichen Silberringe mit Steinen oder ohne hatten. Ich trage auch auf Arbeit gerne Ringe und werd da so bald nicht zu viele haben. An einem Stand blieb ich hängen weil mir ein Ring mit Sichelmond und Stern so gut gefiel. „Kosten alle fünf Euro, ist Silber“, sagte der Händler. Für fünf Euro kann man ja nicht viel falsch machen, dachte ich mir. Wir quatschten noch ein bisschen und ich suchte mir drei Ringe aus. „Machen wir zehn Euro, ich wollte dir eh einen Ring schenken“, meinte der Händler als ich bezahlen wollte. Das war total niedlich und rührend.

Ich hab zwei schwarze Steine ausgesucht weil ich auf Arbeit oft Plugs und Ohrstecker mit solchen Steinen trag und dann passt es zusammen und das mag ich total. Der Mondring ist ein bisschen zu groß, passt nur auf den Zeigefinger, aber ich finde ihn so toll. Hab neulich auch schon Ohrstecker mit Mondsicheln gekauft. Den kleinen Ring hab ich bewußt so ausgesucht, dass er auf ein oberes Fingerglied passt. Midi-Ringe finde ich momentan total super.

Total glücklich aber auch zunehmend hungrig klapperte ich noch die zweite Hälfte vom Markt ab. Bekam eine Nachricht von einer Kollegin, dass sich der ganze Stress den wir diese Woche auf Arbeit hatten nun zum Guten geklärt hat. Alles schön. Was mache ich heute eigentlich zu Essen? Ich schrieb schonmal eine mentale Einkaufsliste und war eigentlich bereits dabei den Markt wieder zu verlassen. Aber ich hatte eben einen so reinrassigen Jugendstil-Bilderrahmen in der Hand gehabt… ich frag wenigstens was der kosten soll. Der Händler war grad nicht da, sein Kumpel mit der Ware etwas überfordert. „Zehn Euro?“, schlug er vor. Dann kam der Chef zurück und meckerte. Mein Türkisch ist sehr begrenzt, aber offensichtlich hatte der Kumpel ihm grade den Preis ruiniert. „Nee, also zwanzig muss ich auf jeden Fall dafür haben! Das ist alt!“ Ich wendete ein, dass weder Glas noch Rückwand dran wären. „Aber das ist Holz! Nagut, fünfzehn.“ Für fünfzehn war der Rahmen dann meins.

Ich denke der bleibt im Wohnzimmer. Eventuell habe ich noch genug Plexiglas im Keller um das Glas zu ersetzen. Was ich da rahmen will weiß ich noch nicht. Ist aber das kleinste Problem.

Auf dem 17. Juni habe ich neben den weiter verbreiteten Möbelgriffen aus Porzellan auch welche aus Messing gesehen, sogar mit Art Déco Mustern. Damit könnte ich die Griffe meiner in der Richardstraße favorisierten Kommode austauschen, wenn ich sie denn kaufen sollte. Die war ziemlich abgerockt, ein Griff fehlte, die Zierelemente auf der entsprechenden Tür ebenfalls. Dafür sollte sie fast nix kosten und ich weiß, wie viel Spaß ich am Aufarbeiten hätte. Wenn das Teil eh nicht mehr so edel ist kann ich da auch viel entspannter irgendwas mutiges mit machen. Hm. Ich glaube in dem Tetris-Vorschaufeld habe ich grade das lange Element gesehen.

With your leather and your spikes

26. Februar 2014 (10:49 h) – Tags: , ,

Musik: Machine Head - Left Unfinished | Stimmung: Ich mach sie doch fertig, Machine Head!

Neulich war ich mit Natron und Red bei Iced Earth in Hamburg. Die Vorbands haben schon mächtig Stimmung gemacht und erfahrungsgemäß ist das Publikum in der Markthalle ja auch immer entspannt und gut drauf. Wir standen also im Innenraum und warteten auf den Hauptact. Um uns herum wurden bereits begeistert die Pausenfüller-Songs vom Band mitgesungen. Dann tippte der Typ der hinter uns stand Natron auf die Schulter. Stellte sich heraus, er war total begeistert von ihrer Kutte, vor allem von dem Backpatch, in den sie ja noch einige Verschönerungsarbeit investiert hat. Das passiert regelmäßig wenn ich mit Natron auf Konzerten oder Festivals bin. Und klar, wir loben zumindest untereinander ja auch wenn jemand zB einen kompletten Dragonforce-Schriftzug auf seine Kutte gestickt hat. So absurd wie es auf den ersten Blick erscheint, in eine Metaller-Kutte fließt auch jede Menge Handarbeit. Und je origineller und liebevoller die umgesetzt ist, umso mehr beeindruckt mich das.

Ihr seht es also auch schon heraufdämmern: Da verbinden sich zwei meiner Leidenschaften. Es ist also bereits mehr als Zeit, dass ich auch eine Kutte trage. Den konkreten Plan hatte ich bereits beim Paradise im November gefasst und war danach bei einem Hamburgbesuch auch schon im Kleidermarkt um Ausgangsmaterial in Form einer Jacke zu kaufen. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, meine Kutte aus einer Armeejacke zu machen, weil ich neben Reds schwarzer und Natrons Denimkutte gerne eine eigene Grundfarbe hätte. Außerdem trage ich panzergrün inzwischen sehr gern weil es einen schönen Farbkontrast zu meiner Haarfarbe bildet. Also kaufte ich eine Armeejacke.

Das hier ist, wie sich später herausstellte, offenbar ein Modeklassiker. Eine italienische Armeejacke aus den später Siebzigern, an den Sternen auf dem Kragen, schrägen aufgesetzten Taschen und dem Gummizug in der Taille zu erkennen. Das ist wirklich eine lässige Jacke die sich bestimmt vielfältig hätte stylen lassen. Tatsächlich war ich sofort versucht sie nicht für eine Kutte zu kaufen, aber dann fand ich auf dem selben Ständer noch einen flecktarngemusterten Überzieher der den Zweck einer grungemäßigen Alltagsjacke wunderbar erfüllen konnte, und so durfte die Italienerin Kutte werden. Was ja auch nicht das schlechteste Schicksal ist.

Erstmal habe ich die Ärmel und daran angeschnittenen Seitenstreifen rausgenommen, den Gummizug entfernt, das Baumwollfutter komplett rausgerissen und die Jacke deutlich gekürzt. Die aufgesetzten Taschen mussten ebenfalls dran glauben, hinten habe ich die Bewegungsfalte rausgenommen und natürlich die Armausschnitte auch an einen deutlich schmaleren Korpus angepasst. Von der ursprünglichen Jacke ist gar nicht mehr so viel Material übrig geblieben.

Den Kragen mit den Sternen habe ich natürlich unberührt gelassen, sogar die untergeknöpfte Sturmklappe ist noch dran. Die Schulterriegel hatte ich rausgetrennt und habe sie dann ein kleines Stück nach innen versetzt wieder rangenäht. Auch den Klett fürs Namensschild, den ich abtrennen musste um die Armausschnitte anzupassen, habe ich wieder drangenäht. Es kann sein, dass der irgendwann der Patchgestaltung weichen muss, aber erstmal will ich ihn dranlassen.

Im Nacken habe ich einen waagerechten Abnäher gemacht, da beulte der Stoff weil er ja eigentlich eine weite Jacke mit beuteligem Rücken sein will. Diese Naht verschwindet vermutlich auch irgendwann unter Aufnähern.

Auf Anraten von Natron habe ich schlussendlich aus dem Futter noch eine kleine Innentasche mit Klett genäht und mit einer einzelnen Naht befestigt. Sollte das zu unhandlich sein kann man sie später noch weiter annähen, wenn die Aufnäher drauf sind. Ich denkte für so Kleinkram wie Ohrstöpsel, Paycard oder Pfandmarken kann man gut eine Innentasche gebrauchen.

Die Kutte befindet sich jetzt also in ihrem jungfräulichen Urzustand. Nicht mehr Armeejacke, aber auch noch keine Aufnäher drauf. Das wird auch nochmal eine ganz eigene Herausforderung werden. Ich habe mir in den Kopf gesetzt ein Farbschema einzuhalten und nur Patches in den Farben schwarz, weiß, rot und silber aufzunähen. Da gibt es viele, aber eher früher als später werde ich wohl *den* Patch finden der dann aber leider gelb oder grün ist und nicht mitmachen darf. Als Backpatch muss natürlich was von der Lieblingsband draufkommen. Lieblingsalbum „Ride The Lightning“ ist lila (da geht es schon los), also spekuliere ich auf das Motiv von „Kill ‚em All“. Online war es nicht dingfest zu machen, aber Aufnähershopping macht auf Festival eh mehr Spaß. Langfristig will ich dann noch viele Nieten für den Achtziger-Kitschfaktor dazubauen. Wir werden sehen.

Bisher habe ich die Kutte über Shirts mit Ärmeln, ärmellosen Shirts und Kapuzenjacke probiert und was soll ich sagen: Ich bin wirklich kein Freund von Westen, finde ich normalerweise schrecklich, aber die hier, die kann was. Die gefällt mir jetzt schon, deshalb wir sie mit Aufnäher dann später vermutlich fantastisch aussehen. Ich freu mich schon total auf die Festivalsaison.

Be- und Verschenki

29. Dezember 2013 (12:03 h) – Tags: , ,

Musik: Newsted - As The Crow Flies | Stimmung: Karten für ein Konzert meiner Lieblingsband im Sommer gekauft. OMG, ich freu mich schon sooooo!

Seit einigen Jahren bin ich kein soo großer Fan von Weihnachten mehr. Zu viel Kommerz, zu viel materieller Wahnsinn. Der Grundgedanke des religiösen Feiertages verschüttet unter Tonnen von Plastikspielzeug, Ewartungshaltung und gepanschtem Glühwein.

Trotzdem will ich auch nicht den Grinch geben und anderen Leuten etwas miesreden nur weil ich ihre Begeisterung dafür nicht teile. Und es gab sie ja auch, die magischen Momente. Als ich mit Natron auf dem Rixdorfer Weihnachtsmarkt stand, Lichter in den Bäumen, Kopfsteinpflaster unter den Füßen. Kindern zugeschaut die begeistert auf Kamelen geritten sind. Oder das Bild, das Ophelia und ihr Freund vom Weihnachtssingen in der Alten Försterei geschickt haben. Das war das rührendste was ich in der ganzen Adventszeit gesehen habe.

Obwohl ich arbeiten musste bin ich am Heiligen Abend noch zu meiner Familie gefahren und gestern habe ich mich dann mit der anderen Familie, dem Tribe, zum traditionellen Rauhnachtstrinken in der Kneipe getroffen. Damit ist Weihnachten für mich wunderbar unbesinnlich zuende gegangen.

Natürlich habe ich auch Sachen verschenkt und welche bekommen. Richtig schöne Sachen. Ich zeig euch mal was.

Meine Mutter sengt öfter mal ihre Topflappen an, deshalb habe ich ihr ein paar neue genäht. Und passende Geschirrtücher mit Füchslein und Wölfchen (oder sollen das etwa Waschbären sein?). Die Borte habe ich bei meinem Kurzwarendealer auf dem Türkenmarkt gekauft und weil die Tiere simpel und niedlich genug waren habe ich sie dann auf die Topflappen draufgestickt. Mit der Maschine, ohne Freihand-Quiltfüßchen. Das ist nicht ganz perfekt geworden, aber egal. Dazu gabs noch ein paar dicke Schafwollsocken und was Leckeres zu trinken.

Von Natron und ihrem Mann habe ich einen Bluetooth-Lautsprecher bekommen den in unserem Freundeskreis einige haben und der mir das Musikhören vom Handy (was ich auch zu Hause ständig mache) in jedem Zimmer ermöglichen wird. Gute Sache, das. Und weil wir auch immer noch was Selbstgemachtes schenken, hat Natron mir noch einen ganz wunderbaren Traumfänger gebastelt.

Ich finde es total toll, was da alles dranhängt: Muscheln, Federn, Perlen, ein Schlüssel und ein Kristallherz. Alte Schätze und neue Schönheiten. Mein Kopf hat das natürlich alles schon ins metaphysische Konzept des Schlafzimmers eingepasst. Ich habe den Traumfänger übers Bett ins Fenster gehängt und wenn die Sonne im Frühjahr wieder weiter links aufgehen wird, dann kann das Bleikristall Regenbogenspenkel ins Zimmer funkeln.

Was meine Mutter mir geschenkt hat, hatten wir neulich zusammen auf dem Trödel am Fehrbelliner Platz gekauft und ich habe es nicht wirklich geschafft das zwischenzeitlich zu vergessen. Weil es so toll ist!

Jugendstil-Buchstützen. Aus Bronze. Ich finde sie wunderschön! Ich habe vor, bei meinem Trödeltürken noch nach einer alten Kommode fürs Wohnzimmer zu schauen und darauf werde ich dann die beiden Damen stellen und dazwischen ein paar alte Renommierbücher. Jugendstildichtung zwischen stilistisch passenden Buchstützen. Hach!

Weil mein Ästhetizismus-Fimmel in meiner Familie aber nicht immer ganz ernst genommen wird, hatten die eleganten Damen noch Mütze und Schal bekommen. „Die haben nichts an, die frieren doch!“ Ich musste sehr drüber schmunzeln.

„…reißt mir keine Seiten raus, sonst ist es mit der Freundschaft aus!“

23. November 2013 (17:44 h) – Tags:

Musik: Mortal Sin - Psychology Of Death 

Auf Flohmärkte braucht man mich nicht lange bitten. Als meine Mutter ankündigte, dem Trödel auf dem Fehrbelliner Platz einen Besuch abstatten zu wollen, habe ich mich gleich mal angeschlossen.

Es gab fragwürdige Scheußlichkeiten. Es gab wirklich schöne Dinge. Und Kuriositäten. Und etliches bei dem meine Mutter rief: „Guck mal, das habe ich auch! Und da, mein Rosenthal-Hase!“ Ich hatte ein paar alte Bücher in der Hand und war mehrmals kurz davor ein Set kuriose Likörgläser zu kaufen, dachte dann aber immer daran, dass die Leute mit denen ich Schnaps trinke allesamt liebenswerte Bachulken sind und zierliche Gläschen da nicht lange überleben werden.

Nichtsdestoweniger habe ich etwas mitgebracht. Zwischen allerlei anderem Kram zog ich zielsicher ein Jugendstil-Poesiealbum hervor. Der Händler wußte nichts darüber, außer dass es in gutem Zustand ist und er die Schrift nicht lesen kann. „‚Nen Zehner“ wollte er dafür.

Das Album ist dunkelblau gebunden mit Golddruck und metallenem Verschluss. Auch die Vorblätter haben ein niedliches Jugendstil-Muster. Ganz vorne hat die Besitzerin ihren Namen reingeschrieben: Annemarie Brandenburger, 1924. Das späte Datum irritiert mich etwas, Mitte der Zwanziger war der Jugendstil nur noch in seinen letzten Ausläufern verbreitet. Vielleicht muss man es eher als Art Déco einordnen. Ich tue mich oft schwer, die beiden voneinander zu trennen.

Mein Studium des Fundstücks hat folgende Geschichte in meinem Kopf ergeben: Annemarie ist in Nowawes zur Schule gegangen, vielleicht auf ein Mädchengymnasium (Nowawes ist heute ein Teil von Babelsberg bei Potsdam). In ihrem Abschlussjahr 1924 hat sie alle Schulfreundinnen und auch einige Lehrer in das Album schreiben lassen. Später notierte Annemarie mit Bleistift was aus den einzelnen Personen geworden ist: „verheiratet mit Werner Schwerin 12.4.1930“, „wandert nach Palästina aus Oktober 1934“, „gestorben April 1940“, etc.

Diese Notizen sind ganz einzigartig und man fragt sich unweigerlich was für Leben Dorothea, Grete und Fifi so hatten.

Von einem, dem Lehrer Walther Nohl, haben wir sogar ein Foto. Mit zurückgekämmtem Haar, Kneifer und Uhrenkette sieht er aus wie ein Charakter aus der „Feuerzangenbowle“.

Auch sehr beeindruckend ist diese Zeichnung, mit der Luise Taubert ihren Eintrag schmückt. Das Zehlendorf, was sie als Ort angibt, ist übrigens inzwischen als Steglitz-Zehlendorf mit dem Berliner Stadtbezirk zusammengelegt in dem ich geboren bin.

Meine Kenntnisse des Sütterlin sind begrenzt, aber ich merke, dass ich es besser lesen kann je öfter ich es übe. Ein paar der Poesiealbum-Sprüche konnte ich entziffern. Im Zweifelsfall muss ich aber immer meine Mutter hinzuziehen.

Ich mochte den hier, von Lieselotte Kluge: „Was vergangen, kehrt nicht wieder, / Aber ging es leuchtend nieder, / Leuchte’s lange noch zurück!“ Da ist ein wenig Interpretationsspielraum, das gefällt mir (das ausgelassene „d“ im letzten Vers ignorierend).

Im großen und ganzen habe ich aber die Weisheit von diesen Sprüchen schon angezweifelt als ich selber noch ein Poesiealbum hatte. Manche sind nett, manche irgendwie blöd, manche geradezu empörend. Das hat sich vom Inhalt in den letzten neunzig Jahren kaum geändert. Da heißt wenn es heute überhaupt noch Poesiealben gibt.

Diesen Spruch zeige ich euch noch weil er eine Ausnahme ist. Ein absolutes Bekenntnis seiner Zeit. Als Dokument wirklich spannend und interessanteweise auch schon in lateinischen Buchstaben.

Ich werde versuchen da immer mal wieder was zu entziffern. Ansonsten stelle ich das Poesiealbum jetzt zu meiner wachsenden Sammlung alter Bücher und Alben und freu mich schon drauf am nächsten Wochenende vielleicht nochmal trödeln zu gehen. Dass meine neuen Lammfellstiefel warm genug für solche Ausflüge sind haben sie heute zumindest schon bewiesen.

Nicht schubsen, ich hab ’ne Antiquität im Beutel.

13. Oktober 2013 (16:02 h) – Tags: ,

Musik: Machine Head - Halo 

Ursprünglich wollte ich ins Wohnzimmer einen Kronleuchter hängen. Eine ganz bestimmte Art von Kronleuchter, wie die heißen habe ich leider noch nicht herausgefunden. Jedenfalls sollte er nicht mit einzelnen Kristallen behängt sein, sondern die Glassteine sollten zu Schnüren verbunden sein, an einen Ring reichen und unten mittig wieder zusammengehen. So wie hier etwa. So einen Kristalleuchter hatte ich mir in den Kopf gesetzt und irgendwann werde ich auch mal so einen haben.

Fürs Wohnzimmer kam es anders. Weil, da geht man nichtsahnend auf den Trödel und will einfach nur nach ein paar alten Fotos suchen und dann sieht man: Mensch, die haben hier auch total schöne alte Lampen. Projekt Fotos war sofort gestorben und mein Radar peilte nach Deckenlampen. Historistischer Overkill und sehr reduzierter Jugendstil in Messing. You name it. Ein Händler hatte französische Lampen aus den dreißiger Jahren, fast so wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber ein bisschen zu klein, und dann waren unterhalb des Reifens auch nur einzelne Kristallreihen, keine Schnüre. Ich trödelte weiter über den Markt. Und ha! Da war sie, meine Lampe. Kein Kristalleuchter, sondern Art déco mit Glasbehang und ein wenig Farbe.

Die russische Händlerin war sehr nett, erzählte die Lampe wäre aus den zwanziger Jahren, mit 120 Glasröhrchen (und keins zerbrochen!), die Elektrik wäre neu. Vielleicht war es ja früher eine Gaslampe, ich fand es jedenfalls sehr schön, dass man ein textilummanteltes Kabel eingebaut hatte. Ich fragte ob sie einen Karton dafür hätte. Ja, ihr Mann hätte da was gebaut… sie lächelte entschuldigend.  Ich habe dann nicht wenig Geld, aber auch keinen Kronleuchterpreis bezahlt und am Ende habe ich meine Antiquität in einer kongenialen Konstruktion aus Eimer und Lampenschirm sicher nach Hause getragen.

Dort musste ich erstmal noch einen Haken in die hohle Decke schrauben. Zum Glück ist die Lampe nicht sehr schwer. Dann habe ich die Kabel angeschlossen und eine nicht ganz so helle Energiesparlampe aus einer anderen Leuchte genommen. Zu hell soll die Deckenlampe auf keinen Fall leuchten, aber ich werde ihr auch gerne noch eine eigene Glühbirne kaufen.

Und tada! Jetzt habe ich eine Art déco-Lampe im Wohnzimmer. Alter Scheiß. Ich liebe sowas.

Die Grundform ist ein nicht ganz gleichwinkeliges Sechseck aus dünnen Metallplatten. Diese sind geprägt, dass sie wie Flechtwerk aussehen. In jeder Platte befindet sich ein farbiger Glasstein, das hat mir sofort gefallen. Drei Steine sehen aus wie Opalithglas, zwei sind rot und einer grün. Ich mag die Unausgewogenheit und alle Farben passen gut ins Wohnzimmer.

An den Metallteilen sind die langen Glasröhrchen befestigt und an deren Ende noch kleine Glasperlen. Immer eine kleinere und dann eine größere Perle. Die weißen Glasröhrchen lassen den Leuchter insofern gut in mein Wohnzimmerkonzept passen, als dass ich immer drauf achte auch weiß zu verwenden, damit die Wand mit dem weißen Bücherregal nicht aus der Gesamtoptik fällt.

Außerdem brechen die Glasteile das Licht sehr schön. Durch die farbigen Cabochons leuchtet es durch und auf den Röhrchen entsteht so ein Halo. War noch zu hell zum Fotografieren, aber heute abend kann ich mir die ganze Schönheit leider nicht angucken weil ich auf Arbeit sein werde.

Ich könnte jetzt noch sehr viel mehr über meinen Trödelfund erzählen. Schon die sinnvolle Eleganz des Messingtrichters an der Befestigung reicht für eine Seite. Und wenn man dann noch überlegt, wo die Lampe früher mal gewohnt hat. Hach. Eduard Mörike hat sogar ein Gedicht auf eine (Biedermeier-)Lampe geschrieben, fiel mir heute zufällig ein.

Für das eklektische Wohnzimmer ist das ein toller neuer Bewohner und meine unerklärliche Begeisterung für die Vergangenheit befriedigt es auch ein Stück weit. Ich habe aber auch noch Jugendstil-Buchstützen und Historismus-Figuren auf dem Trödel gesehen und mein Herz seufzte. Irgendwann gehe ich wieder hin und kaufe mehr alten Kram. Hey, andere investieren in Louis Vuitton-Handtaschen!

Manchmal hat man auch einfach Glück.

8. Oktober 2013 (11:09 h) – Tags:

Ein unverhofftes Geschenk fiel mir heute in die Hände. Man könnte auch sagen ich hab im Müll rumgekramt. Aber der Reihe nach.

Es ist Samstag, ich wollte einkaufen gehen. Und wenn ich aus dem Haus gehe, kann ich gleich den Müll runterbringen. Als ich auf dem Hof stand und ansetzte, meinen Müllsack in die graue Tonne zu werfen, fiel mein Blick auf ein altes Buch, was ganz oben auf anderen Plastikbeuteln lag. Müllsack wieder abgesetzt, Buch inspiziert. „Postkarten-Album“ stand drauf, ich blätterte kurz durch, waren aber leider keine Postkarten mehr drin. Trotzdem ein total schönes, altes Album. Rausgefischt, auf die Papiertonne gelegt. Nachdem ich dann sichergestellt hatte, dass das Album soweit sauber war, zog ich mir eine ebenfalls saubere Zeitung aus der Papiertonne, wickelte das Buch ein, steckte es in meine riesige Einkaufstasche und ging erstmal shoppen.

Später zuhause habe ich mir das Fundstück dann genauer betrachtet.

Der Einband ist wirklich aufwändig gestaltet, mit geprägten Mustern und Golddruck. Natürlich ist er schon mächtig lädiert, aber auch das hat Charme.

Schlägt man das Album auf, sieht man wofür es gedacht war: Um Postkarten aufzubewahren, die einem Freunde aus aller Herren Länder geschrieben hatten. Neben dem Boten mit Wanderstab und Postkarte sind Tintenfass und Schreibfeder abgebildet. Dazu ein Bergsee und die Lagunenstadt, umflattert von weitreisenden Zugvögeln. Und sehen wir da einen Hauch von Jugendstil in der Schrifttype und den Dekoren des Rahmens darüber?

Ganz offensichtlich hat das Album auch mal Postkarten beherbergt. Ich mag mir kaum ausmalen, was darauf wieder für Geschichten zu finden gewesen wären!

Auf einer Seite kleben immerhin noch zwei Briefmarken. Kurzes googlegestütztes Studium der Poststempel verriet, dass die linke Marke am 10.3. eines Jahres mit einer Null gestempelt wurde und die rechte in Breslau im Jahr 00. Das heißt… 1900? Huch! Wikipedia wußte noch mehr über die Briefmarke mit der Germania und da sie erst 1900 herausgegeben wurde, kann ich mir vorstellen, dass der Albumsbesitzer sie dort aufklebte weil sie halt noch ganz neu war.

Damit war das Album mit einem Mal viel älter als ich ursprünglich geschätzt hatte. Aber ja, sowohl auf den Briefmarken als auch auf Vorblatt und Einband sind Anklänge an das Jugendstildesign zu erkennen. Es passt also durchaus in die Jahrhundertwende. Das macht mir noch unerklärlicher warum einer meiner Nachbarn es weggeschmissen hat, aber man weiß ja nie was dahinter steckt.

Ich will das Album nicht für Postkarten verwenden, sondern für die alten Fotos die ich so gerne auf dem Trödel kaufe. Damit hatte ich ja angefangen um die schönen Bilder gerahmt ins Schlafzimmer zu hängen, aber die Wände sind schon recht voll. Ein Album für eine bunte Mischung von Fotografien und ähnlichem ist der perfekte Grund mehr davon kaufen zu dürfen.

Ich werde noch Fotoecken besorgen um die unhandlichen Formate zu befestigen. Was ich bisher untergebracht habe gefällt mir aber schon total gut. Das wird ein richtiges Märchenbuch, weil mein Hirn natürlich zu jeder unbekannten Dame im Tornürenkleid einen skandalösen Abend im literarischen Salon erfindet und dem jungen Mann mit kaiserlicher Uniform eine sehnsüchtige Geliebte und einen strengen Vater an die Seite stellt.

Als ich übrigens mit voller Tasche von meiner Shoppingtour nach Hause zurückkehrte begegneten mir die Müllwerker wie sie grade die entleerten Tonnen zurück in den Hof schoben. Danke, Universum.

Krieg den Palästen

28. April 2013 (14:00 h) – Tags: , ,

Musik: Gamma Ray - Watcher In the Sky 

Mir hat es eine diebische Freude gemacht die Gucci-Jeans die ich neulich im Secondhand gekauft hatte zu zerstören. Nicht nur weil so eine Umgestaltung immer toll ist, sondern auch weil ich mir ab und an die Vorstellung gegönnt habe, eine Vierhundert-Euro-Hose zu zerschneiden und mit Sandpapier und Farbe zu bearbeiten. Muhahah. Ob es nun so war oder die Hose von vornherein eine Fälschung war ist aber eigentlich völlig egal. Am Ende habe ich sie ja nicht wegen der Marke gekauft sondern weil ich eine Destroyed-Shorts für den Sommer haben wollte.

Und die habe ich jetzt.

Zunächst hatte ich die Länge grob abgeschnitten und dann die Seitennähte ein Stück weit geöffnet um da ein Dreieck aus dem Hosenstoff zwischenzusetzen. Bei Shorts muss der Saum für mich weit sein. Dann habe ich Sandpapier rausgeholt und unter Herstellung von einer Million blauer Fusseln die Säume zerschreddert und Abrieb/Löcher in den restlichen Hosenstoff gerieben. Das war nicht wenig Arbeit. Die Länge habe ich dabei immer wieder reduziert, es könnten jetzt noch etwa 5 cm runter, aber ich habe mich erstmal dagegen entschieden. Zu kurz muss ja auch nicht.

Dann kam der farbliche Aspekt. Erstmal habe ich die Hose mit schwarzem Tee überfärbt. Das hat wenig Ergebnis gebracht, könnte also irgendwann auch mal wiederholt werden, wenn sich der Dirty-Denim-Look nicht von alleine einstellt ;) Deutlich mehr Effekt hat verdünnte schwarze und blaue Stoffmalfarbe auf feuchtem Stoff gebracht. Damit habe ich die Seiten abgedunkelt, Batikeffekte verstärkt und die Form der hinteren Hosentaschen deutlicher rausgearbeitet. Zu guter Letzt gab es dann noch etwas neongelbe Modellbaufarbe auf das eh schon ramponierte Markenlogo. Friss das, Gucci.

Da könnte jetzt noch Strass drauf, aber ich habe ja auch noch eine zweite Hose zu bearbeiten. Diese werd ich so lassen, denke ich. Ich mag den ziemlich starken Destroyed-Look mit den ungraden Säumen, die Batikeffekte und den Klecks Neonfarbe auf der Rückseite. Das ist Sommer 2012/13 meets Achtziger mit einen Touch Diesel-Dirty-Denim aus den Neunzigern. Auf einer (gefälschten) Designerjeans für Siebeneurofuffzig. DIY-Streetstyle. Yeah!