The Royal Wedding: Pippa rechnet ab

3. Januar 2012 (18:24 h) – Tags: , , , , , ,


Da Natron ja nun ihren Abschlussbericht zur Hochzeit gemacht hat, mag ich auch schnell nachziehen und das schreiben was ich dazu noch sagen wollte.

Ersteinmal wollen wir uns einen Moment Zeit nehmen und das fertige Brautkleid in ganzer Schönheit andächtig genießen:

Es ist ja wirklich sehr schön geworden. Da lohnt sich jedes Rumgezupfe.

Ihr erinnert euch: Natron hatte das Kleid entworfen und ich habe es für sie genäht. Corsage und Weste aus elfenbeinfarbener Seide, Petticoat und Tüllrock aus fast 30 Metern Tüll. Dabei sind das eine oder andere Problem aufgetaucht, aber ich habe sie stur niedergekämpft und bin mit dem fertigen Kleid auch sehr zufrieden gewesen. Der Tüllrock war wirklich sehr bauschig (fürs Auto fast zu bauschig) und vor allem hat mir gefallen, wie viel Effekt die Corsage auch unter der eher lockeren Weste noch hatte. Zusammen mit Natrons roten Accessoires ein wirklich gelungenes Hochzeitsoutfit für das ich natürlich auch am Tag der Trauung die Verantwortung übernommen habe. Sprich, ich habe die Pippa Middleton gegeben und unermüdlich den Saum gerade gezupft bzw der Braut den Lippenstift nachgemalt.

Makeup und Frisur habe ich ihr ebenfalls gemacht, morgens im Hotelzimmer. Normalerweise reichen meine Stylistinnen-Talente gut für den Hausgebrauch, wenns wichtig ist kann ich mich aber auch mal ins Zeug legen. Das lernt man ja auch bei jahrelangen WGT-Besuchen ;)

Neben Frisur, Makeup und Kleid hat die Braut von mir auch noch ein Alternativoberteil für den entspannteren Teil der Feier bekommen. Das „Braut“-Shirt hat leider keiner so richtig gut von vorne fotografiert, dafür sieht man hier aber wenigstens Natrons Wechselschuhe. Ich bin ehrlich überrascht gewesen wie süß Shirt, Tüllrock und Turnschuhe aussehen. Kann vermutlich nicht jede tragen, zum eher unkonventionellen Style unserer Hamburgerin hat es aber wunderbar gepasst. Der Bräutigam wechselte entsprechend von Schlips und Kragen ins Metalshirt. 

A propos Metalshirt. Das war auch den Gästen als Ergänzung zum Anzug freigestellt. Trotzdem haben sie sich alle schick gemacht. Und die wiedervereinte Crew vom Metalcamp war mal ganz schnieke.

Zu Vergleich: So sehen sie normalerweise aus. Kaum wiederzuerkennen ;)

Bevor wir nun zum Trauzeuginnenkleid kommen, möchte ich euch noch was anderes zeigen. Die Royal Wedding-Tasse. Eine kleine Erinnerung für die Gäste der Trauung die Natron und Red sich ausgedacht haben. Das Design im Stil kitschiger Souvenirs für Hochzeitstouristen habe ich gemacht.

Dabei habe ich die royalen Wappentiere durch typische Accessoires aus dem Leben des Brautpaares ersetzt. Weil Tassen wirklich nicht so leicht zu fotografieren sind gibts hier die Entwurfszeichnung (Die Namen der Beiden habe ich verpixelt. Privatsphäre im Internet und so…):

Und nun werfen wir schlussendlich noch kurz einen Blick auf mein Kleid. Das TZK (Trauzeuginnenkleid) habe ich bereits im Frühjahr 2011 genäht. Weil wir bei der Hochzeit im Oktober zwar unglaublich schönes Sonnenwetter hatten, es aber natürlich keine 30°C mehr waren, habe ich noch eine kleine Strickjacke drüber getragen. Und dazu goldenen Schmuck.

Die Frisur war viel unkomplizierter als sie aussieht und ein Klacks im Vergleich zu Natrons Filmdiven-Locken. Mein Kleid aus Goldbrokat neigt leider dazu Fotos durch sein aufdringliches Reflektieren zu verderben. Aber eins hab ich doch:

Und hier, weils so schön ist, noch ein ganz staatstragendes Bild von der Trauung.  Ich durfte Natrons Blumen halten und meine Gefühlslage beim Ja-Wort könnt ihr an meinem Gesicht ablesen: Quietschgerührt.

Nun sind Natron und Red also verheiratet. Ich bin froh, dass ich zur Hochzeit was beitragen konnte und wünsche den beiden eine wunderbare, liebevolle Zukunft.

Meine irrationale Sorge, die beste Freundin durch ihre Hochzeit irgendwie „hergeben“ zu müssen, hat sich übrigens nicht erfüllt. Natron und ich sind immernoch genauso dicke wie zuvor. Und genauso albern:

Fertig / Party!

19. Oktober 2011 (19:40 h) – Tags: ,

Musik: Van Canto - Master Of Puppets | Stimmung: Mal gucken ob mein Sekt schon kalt ist


Heute habe ich die letzten Stiche am Brautkleid getan. An jedem Teil noch ein wenig Kleinkram erledigt. Den Verschluss in die Röcke genäht, an der Weste noch einen Druckknopf zur Sicherheit angefügt und an der Corsage zum zweiten Mal den Reißverschluss rausgenommen. Jetzt ist ein teilbarer Zipper drin, der ist zwar nicht nahtverdeckt, macht aber das An- und Ausziehen sehr viel einfacher. Mein dritter Reißverschluss in dieser Klamotte. Macht man auch nicht für jedes Projekt.

Insgesamt habe ich etwa 200 Euro für Material ausgegeben, von den Arbeitsstunden wollen wir mal lieber gar nicht reden. Wenn ich die grob überschlage ist das eher ein 2000 Euro-Kleid. Aber darum geht es überhaupt nicht. Ich habe es gerne genäht, es war mir eine Ehre und ein schon lange gegebenes Versprechen.

Es hat Spaß gemacht und manchmal hat es mich auch gefrustet. Wie bei jedem Projekt habe ich Neues dazugelernt und konnte gleichzeitig vieles von dem anwenden was ich mir in den letzten zehn Jahren so beigebracht habe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich bisher kein so aufwändiges Projekt genäht habe, und sicherlich habe ich noch nie mit so viel Gewissenhaftigkeit und teuren Materialien gearbeitet.

Ich habe bei Natrons Brautkleid mein Bestes gegeben und keine Mühen gescheut. Das würde ich für niemand anderes machen. Ich weiß, dass das Kleid nicht überall perfekt ist, aber das ist okay. Das Leben ist auch so.

Ich hoffe nun einfach, dass alles passt, dass Natron sich darin wohl fühlt und wir alle eine tolle Party feiern werden. Ich bin ein bisschen erleichtert, dass ich fertig bin. Aber richtig stolz werde ich vermutlich erst am Freitag sein.

Von heleden lobebæren – V. Âventuire

18. Oktober 2011 (18:19 h) – Tags: , ,

Musik: Metallica - Welcome Home (Sanitarium) | Stimmung: Volle Kanne Hochzeitsstress, dabei heirate gar nicht ich


Der große Tag rückt näher und ich hab heute in Sachen Brautkleid sozusagen das fünfte von vier Teilen genäht. Das Kleid besteht ja aus Corsage, Weste, Petticoat und Rock. Da ich mir aber vorstellen kann, dass Natron die Corsage auf Dauer zu unbequem wird (Es gibt Torte!), habe ich mir ein alternatives Oberteil für den lässigeren Part der Feier ausgedacht. Das war ausnahmsweise mal ganz alleine meine Idee.

Natron kriegt von mir ein weißes Shirt (Modell „T“) mit Schriftzug. Shirt und Tüllrock sieht nämlich auch ganz und gar bezaubernd aus, wie wir bei den Anproben schon festgestellt haben.

Dazu habe ich erstmal einen Schriftzug am Rechner erstellt und die Buchstaben in Originalgröße ausgedruckt. Mit dem Cutter ausgeschnitten ergab das meine Schablone.

Dann habe ich erstmal das Shirt zugeschnitten und einen Stoffrest mit Vlieseline verstärkt. Auf diesen habe ich die Buchstaben übertragen, das muss man natürlich spiegelverkehrt machen. Das T geht noch mit der großen Schere auszuschneiden, bei den kleinen Löchern musste aber ein feineres Werkzeug ran.

Da dies ja kein Alltagsshirt sein wird, habe ich mir erlaubt, die Buchstaben nicht zu versäubern. Hat auch einen niedlichen Look und wenn sie will, kann Natron die Buchstaben später runternehmen und das Shirt batiken oder irgendwas anderes damit machen.

Aufgenäht habe ich den Schriftzug dann mit Heftstichen in rotem Knopflochgarn. Damit auch was in rot dabei ist. Sieht irgendwie süß und diy-ig aus, finde ich.

Bevor ich dann das Shirt zusammengesetzt habe, musste ich mir Gedanken darüber machen, wie es gesäumt werden soll. Normalerweise nähe ich die Säume mit der Zwillingsnadel. Da bei der großen Necchi die Nadelposition aber um 90° gedreht ist, kann sie keine klassischen Zwillingsnähte machen. Das heißt, ich hole für sowas immer die kleine Necchi raus. Drei Maschinen auf dem Tisch macht nur bedingt Spaß und da neulich jemand gesagt hat, alle Kettelmaschinen könnten auch Flatlocknähte, musste ich der Sache mal auf den Grund gehen.

Und siehe da, es ist wirklich nur eine Frage der Fadenspannungen. Mit einem bisschen Rumprobieren bin ich zu den schönsten Säumen der letzten zehn Jahre gekommen. Eine tolle Entdeckung welche die Herstellung von Jerseyshirts noch einfacher macht. Ich bin begeistert.

Insofern ist das Braut-Shirt jetzt das schönste Modell „T“ was ich je genäht habe. Das ist wohl angemessen.

Fürs Foto hab ich den Saum nach innen umgeschlagen, auf der Puppe stimmen die Maße nicht und die Röcke sitzen zu hoch. Mit den roten Stiefelchen wird das zuckersüß aussehen.

Von weinen und von klagen – IV. Âventiure

16. Oktober 2011 (18:47 h) – Tags: ,


Zuerst mal die beste Nachricht: Meine Zahnschmerzen sind weg. Von alleine. Keine Ahnung wie sowas passieren kann, aber mir solls Recht sein.

Gestern war ich aber trotzdem nölig. Da ist es mit dem Brautkleid natürlich auch nicht so gut gelaufen. Ich habe immerhin mal die achteinhalb Meter Tüll eingereiht und testweise über den Petticoat gesteckt. Mal gucken, ob ich damit davon komme, den Tüll auf dem Oberrock einfach als eine lange Bahn zu verarbeiten.

Komme ich nicht. Also das geht leider gar nicht. Am Bund stehts fast waagerecht weg und um die Hüfte gibts viel zu viel Volumen. Naja, hätte ja klappen können. Dann eben doch Teller.

Auf die hatte ich gestern aber wirklich gar keine Lust. Also habe ich lieber erstmal die Unterlage aus cremefarbenem Futtersatin zugeschnitten. Damit man nicht durch den Oberrock auf die waagerechten Nähte des Petticoats durchgucken kann, gibts da ja noch einen Unterrock.

Den habe ich aus sechs Bahnen gearbeitet. Eigentlich wollte ich einen Tellerock zuschneiden, aber die Stoffbreite gab keinen her. Bevor ich da komische Stücke ansetze mache ich lieber Bahnen. Gesagt, getan. Den Rock habe ich auch gleich schön ausgebügelt und gesäumt. UND WAS TUT ER?!

Er zipfelt! Und zwar nicht nur ein bisschen sondern ganz schön heftig. Danke, schräger Fadenverlauf! Ich habe versucht, die Nähte einzuhalten und durch sowas wie eine Stütznaht zu sichern. Also Stütznähte funktionieren wohl besser wenn man mit Differentialtransport näht. Bei mir hats nicht so gut hingehauen. Hätte der Satin aber sowieso ignoriert, der beult dann einfach neben der Naht.

Stütznähte wieder raus und der Wahrheit ins Glotzauge geblickt: Das muss vom Saum runter. Von meinem schon gesäumten Saum! Dem Rollsaum! Grandios. Schon hatte ich keine Lust mehr und habs liegen gelassen.

Bis heute. Hilft ja nix, das Teil muss fertig werden. Also habe ich heute den wunderbaren Rollsaum wieder aufgemacht. Am liebsten hätte ich ihn ja runtergeschnitten, aber die Länge des Unterrocks war so schon knapp. Wieder gebügelt. Vorsichthalber schonmal den Bund angesetzt. Den Rock mit Bund über den Petticoat gezogen und versucht, den Saum mit Hilfe des Rockabrunders auf der Schneiderbüste zu begradigen. Ging nicht. Der Petticoat hat zu viel Volumen, so lang ist der Rockabrunder nicht. Also mit Maßband runtergemessen. Deppenarbeit. Man hat ja sonst nix zu tun.

Dann habe ich schon sehr frustig einen neuen Rollsaum gemacht und jetzt ist der Mist endlich einigermaßen gerade.

Weil ich dann ja ohnehin schon miese Laune hatte, konnte ich auch zu dem Teil kommen um den ich so erfolglos versucht hatte mich zu drücken: Tellerröcke aus Tüll zuschneiden.

Das ist der Schnitt. Riesengroß! Ich musste die Kreisform mit einem Fadenzirkel anzeichnen. Dazu habe ich das eine Ende um einen Filzstift geknotet und das andere um einen Nagel. Den habe ich in eine Rille zwischen die Dielen gedrückt. Verzeih mir, Bruno Möhring!*

Der Schnitt war aber noch nicht die Herausforderung. Die kam erst mit dem Übertragen. Wo bitte kann ich hier drei mal zwei Meter Tüll ausbreiten? Jedenfalls nicht im Arbeitszimmer.

Ins Schlafzimmer musste ich ausweichen. Möbel rücken, Katzen verscheuchen! Was hier wie eine dicke Staubschicht aussieht ist dann auch endlich der ausgebreitete Tüll. Vier Lagen. Legt man auch nicht mal eben so übereinander. Nur mit viel Gezuppel.

Daraus sind acht Halbkreise entstanden, von mir anschließend zu zwei Bahnen zusammengenäht und eingereiht. Ja, es sieht schon schön aus, jetzt wo es endlich alles zusammen den einen Oberrock ergibt. Aber ich kanns heute nicht ganz wertschätzen. Irgendwie hatte ich mir mehr Tüll vorgestellt. Mehr Lagen würden aber am Bund schon wieder so sehr auftragen. Ich weiß auch nicht. Der hat mich zu sehr geärgert, als dass ich ihn mögen könnte, der Rock.

Mit dem Gröbsten bin ich dann soweit fertig. Die Röcke muss ich noch jeweils in der Hinteren Mitte zusammennähen und Verschlüsse anbringen. Bei Weste und Corsage wäre noch etwas Feintuning nötig. Und eine fünfte von vier Âventiuren hätte ich auch noch im Ärmel. Heute gibts aber nur noch Glühwein.

*Bruno Möhring ist der -nicht ganz unbekannte- Architekt, der das Haus in dem ich wohnte 1926 entworfen hat. Habe ich vor Kurzem durch einen absoluten Zufall herausgefunden. Echt kurios.

Von küener recken strîten

14. Oktober 2011 (21:58 h) – Tags: ,

 Stimmung: Herr Lehrer! Das Universum hat mich schon wieder getreten!


Mann, was für ein Tag! Jetzt schleppe ich diese elendige Erkältung schon bestimmte zehn Tage mit mir rum, und sie erfreut sich immernoch bester Gesundheit. Dazu bekomme ich dann heute noch Zahnschmerzen. Zahnschmerzen! Verdammt nochmal!  Ich seh mich schon Montag beim Zahnarzt sitzen statt endlich eine Strickjacke fürs TZK kaufen.

Dazu kommt, dass ich zu pleite und zu sehr in Zeitnot bin um zu Natron und Reds Polka/Polterabend nach Hamburg zu fahren. Das Brautkleid muss ja langsam mal fertig werden. Noch eine Woche. Puh.

Also, wo waren wir? Bei zwei Lagen Unterrock und viel Gedenke bezüglich des Oberrocks. Über den werde ich jetzt nicht weiter nachdenken, den werd ich einfach ausprobieren. Achteinhalb Meter Tüll einhalten und an die Puppe drapieren. Wenns gut aussieht wirds der Bahnenrock, wenn nicht mache ich Teller. So.

Am Petticoat geschah in der Zwischenzeit Folgendes: Ich habe eine unterste Lage aus weißem Taft genäht. Die soll verhindern, dass der gemeine Tüll Natron an den Beinen kratzt. Sicherheitsvorkehrungen stehen also schonmal.

Dann habe ich noch eine dritte Lage aus dem cremefarbenen Untertüll genäht. Damit waren die zehn Meter davon größtenteils aufgebraucht. Also bin ich auf den Türkenmarkt gefahren (heute nochmal mit dem Rad, demnächst vermutlich nur noch mit dem Bus) und habe nochmal drei Meter weißen Tüll gekauft. Mit Zahnschmerzen und mieser Laune macht der Türkenmarkt keinen Spaß! Sorry, Nachtdrossel, ich wäre keine gute Unterhaltung gewesen.

Den Tüll habe ich zu Hause gleich in zwei kürzere Stufen verwandelt. Der eigentlich dreistufige Petticoat wird nämlich zwischen den langen Lagen noch durch zweistufige aufgepolstert. Daraus ergibt sich die Glockenform, die Natron sich für ihren Rock gewünscht hatte.

Insgesamt hatte ich dann also fünf Lagen Tüll und eine Lage Taft. Muhahah. Das ist ganz schön viel Volumen. Da es aber erfahrungsgemäß wieder etwas in sich zusammenfällt, ist das auch ganz gut so.

Für die ganzen Freunde habe ich dann einen Bund angefertigt. Ganz trivial aus einem Rest weißem Taft, verstärkt durch Bügeleinlage. Immerhin muss man sechs mal drauf langnähen. Der Taft ließ sich noch problemlos am Bund befestigen. Mit jeder Lage Tüll wurde es dann aber anstrengender.

So viel Gebausche muss man ja auch erstmal plattkämpfen. Da hat sie sich wacker geschlagen, die gute alte Necchi.

Schlussendlich habe ich die Lagen noch in der Hinteren Mitte zusammengenäht und alle herunterhängenden Fädchen sauber vernäht. Damit ist der Petticoat fertig, er schreit bloß noch nach einem Verschluss. Ich werde Klettband annähen, hab ihn auch extra so konzipiert, dass man die Weite verstellen kann. Das Theater mit Haken und Augen geb ich mir erst beim Oberrock.

So, und das ist er: The Petticoat. Der gibt dem Rock die Form, und mir hat er einen ziemlichen Prinzessinnenflash verpasst. So bauschig. Und so schön. Ich bin beeindruckt, wie gut das mit der Glockenform hingehauen hat. Muss ja auch mal was klappen.

Dritte Âventiure – Wo es flauschet und bauschet

12. Oktober 2011 (19:29 h) – Tags: ,

 Stimmung: Nun geht halt endlich weg, du blöde Erkältung!


Der Tüll. Mein Freund. Der verlangt ja ganz andere Leistungen ab als die Seide. Lässt sich nicht anzeichnen, spuckt die Stecknadeln immer wieder raus und klettet mit jedem Fitzelchen Dreck eine Lebensgemeinschaft zusammen. Der Gute.

Aufgrund der ungeheuren Stoffmassen musste ich zum Zuschneiden wohl oder übel auf den Fußboden auswandern. Das hat ihm natürlich Spaß gemacht. Immerhin konnte ich die Rillen meines Dielenbodens als Lineal verwenden. Als ich viele Tüllstreifen zugeschnitten habe. Viele!

Die Streifen habe ich dann zusammengefügt und nach einiger Überlegung von Hand eingereiht. Die untereste Stufe des Petticoats hat fast zehn Meter Umfang. Das kann mich ja wohl nicht schrecken.

Auf fünf Meter nochwas eingereiht, musste ich sie dann an die zweite Stufe nähen. Auch das habe ich auf dem Fußboden erledigt. Auf dem Weg zum Tisch hätte der Tüll doch wieder alle Nadeln verloren und seine Liebe zu den winzigen Unebenheiten der hölzernen Tischplatte entdeckt. Verdammt ungewohnte Arbeitshaltung. Nun hab ich Muskelkater.

Da habe ich also drei Stufen zusammengebaut und dann ganz gierig auf die Puppe gesteckt und was soll ich sagen: Eine Lage ist ja wohl mal ziemlich lahm. Was zu erwarten war.

Inzwischen sind es zwei Lagen die sich hier unten auf dem Foto mächtig aufplustern. Wenn ich mir das gerade mal so über den Monitor hinweg ansehe, dann hat es in der Realität weniger Bausch. Weshalb es auch noch eine dritte Lage geben wird. Und dann eine vierte und fünfte, kürzere. Weil zwischenzeitlich der Tüll zuende gehen wird, kommen die kurzen Stufen erst, nachdem ich Freitag auf dem Türkenmarkt für Nachschub gesorgt haben werde.

Währenddessen werde ich mich schonmal um die unterste Lage aus Polytaft und den eigentlich Tüllrock, den sogenannten Oberrock, kümmern. Letzterer bereitet mir Kopfschmerzen. Schneide ich den als eingereihten Tellerrock zu, oder kloppe ich da einfach alles was ich an Obertüll habe in einer langen Bahn drauf? Gleichmäßige aber mäßige Kräuselung oder viel Kräusel mit abnehmendem Volumen gen Saum?

Mit digitaler Unterstützung habe ich herausgefunden, dass die Version Tellerrock auf nur vier Lagen kommt, die Kräuselung wird durchgehend etwas mehr als 2:1 sein. Das ist nicht so viel, dass der darunterliegende Polytaft (hier habe ich extra nochmal einen cremefarbenen Futterstoff gekauft, wegen der Farbe) völlig unsichtbar wird.

Die Variante mit den Bahnen könnte man auch vierlagig arbeiten, dann würd es sich am Bund etwa 10:1 und am Saum etwa 3:1 kräuseln. Das könnte mir die mühsam erzeugte Glockenform (as opposed to Kegelform) des Rockes ruinieren und obwohl der Obertüll sich gut plattdrückt, muss ich eigentlich nicht so viel Gebausche am Bund haben. Wäre aber mit Sicherheit schneller zu nähen als die Tellerversion.

Kann eigentlich noch irgendwer folgen?

Ab jetzt nur noch Röcke

10. Oktober 2011 (19:46 h) – Tags: ,

Musik: Powerwolf - Sanctified With Dynamite | Stimmung: Der erste Glühwein des Jahres!


Ich hatte wirklich unterschätzt wie lange es dauert, fünf Knopflöcher von Hand zu stechen. Damit war ich heute fast den ganzen Tag beschäftigt. Erstmal hab ich natürlich noch an den Armausschnitten Futter und Oberstoff zusammengenäht, aber das ging ja verhältnismäßig schnell.

Dann habe ich vermutlich eine ganze Stunde lang mit mir und dem Internet darüber debattiert, ob die Knopflöcher waagerecht oder senkrecht zu stechen sind. Nach der Regel „Wenn die Knopfleiste angesetzt oder abgesteppt ist längs, wenn sie in Richtung Revers geht quer“ hätten die Knopflöcher waagerecht sein müssen. Aber es ist ja keine Jacke und das Futter habe ich auch nicht wie bei einer solchen eingesetzt. Am Ende habe ich mich, der Vorderen Mitte zuliebe, für senkrecht entschieden. Auch wenn ich persönlich, für mich, sie eher waagerecht mag. Aber ich näh ja nicht für mich.

Als erstes kamen aber sowieso die Knöpfe dran. Da habe ich ohne großen Aufwand die 15 Millimeter-Variante ausgesucht. Eigentlich wollte ich sie so beziehen, dass die Köperstreifen in die gleiche Richtung laufen wie auf der Weste.

Eigentlich. Blöderweise hatte mein Hirn sich aber so auf waagerechte Knopflöcher eingeschossen, dass ich die Knöpfe auch waagerecht mimetisch bezogen habe. Nun sind sie immerhin alle in die gleiche Richtung schief.

Das Beziehen ging recht gut und ich musste mich wirklich zusammenreißen, die Knöpfe nicht in den Mund zu stecken, so sehr sahen sie nach Traubenzuckerbonbons aus.

Hier sehen wir, wie ich bei den Knopflöchern vorgegangen bin. Nachdem ich auf der Rückseite markiert hatte wo sie hin sollen, habe ich um jedes Knopfloch einen Rand gesteppt, mit der Maschine. Das Stadium stehen wir ganz rechts. Dann habe ich darin den Schlitz aufgeschnitten und mit dickem Garn im Knopflochstich umstickt. Ganz links. Das ist der Teil, der am längsten dauert. Einen Traubenzuckerdrops drauflegen (Mitte) geht dann ganz schnell.

Und da sind sie dann schlussendlich an ihrem Einsatzort, die quergestreiften Dinger. Manche gehen noch recht stramm durch ihr Knopfloch, aber noch größer hätte ich die wirklich nicht machen wollen.

Und für einmal „Ahhhh!“: Die fertige Weste. Ich könnte das obere Ende der Knopfleiste noch mit einem Haken-und-Augen-Paar sichern. Mal gucken, ob das Not tut. Habs erstmal auf die Liste geschrieben.

In der dritten Âventiure folgt: TÜÜLLL!

Down With the Sickness

9. Oktober 2011 (18:42 h) – Tags: ,

Musik: Disturbed - Droppin' Plates 


Mit ganz viel Ingwer- und Pfefferminztee hab ich heute doch noch was geschafft. Muss ja auch mal fertig werden. Irgendwie hoffe ich ja, dass der Teil mit dem Tüll schneller geht. Famous last words…

Heute also erstmal am Obermaterial die Armausschnitte vorbereitet. Wenn ich Oberstoff und Futter verstürze, dann ja nur an der Kragenkante und am unteren Saum. Die Armausschnitte und Knopfleisten-Kanten muss ich von Hand machen. Deshalb habe ich an den Armen die Nahtzugaben schonmal auf etwa einen Zentimeter zurückgeschnitten, eingeschnitten und nach innen umgeheftet. Gebügelt sah das schon fast wie fertig aus. Das gleiche Spiel folgte dann beim Futter, das ich heute morgen fix zusammengenäht hab.

Dann ging es daran, aus zwei Westen eine zu machen. Also habe ich erstmal den Kragen an der Oberstoff-Weste befestigt. Hab versucht, dabei etwas Weite anzuschieben, damit der Kragen sich später besser um die Kante legt. Bin mir nicht sicher, ob das geklappt hat.

Jedenfalls kam danach das Futter dran und wurde akribisch an den Kanten Nahtlinie auf Nahtlinie festgesteckt. Nähen, Nahtzugaben zurückschneiden, vor allen an den Spitzen und Ecken.

Ein letzter Blick auf die linken Seiten, dann wurde es ernst. Ich hab die Weste gewendet und die ganzen Spitzen und Ecken mit dem Geodreieck schön rausgeformt. An den Kanten brauchte es viel Sorgfalt um da alles hinzubügeln. Weil man die Seide ja eigentlich nur von links bügeln soll, habe ich ein Geschirrhandtuch drübergelegt. Das ging dann ganz gut.

So weit, so gut. Der Rest ist Handnähen. Ich habe am unteren Saum das Futter stellenweise fixiert, es an den Knopfleisten angenäht und den Kragen mit Hexenstichen runtergezwungen. Die Armausschnitte mach ich morgen.

Bleibt die Frage: 11 oder 15 Millimeter-Knöpfe? Hm…, Natron?

Kein origineller Titel heute, bin krank

8. Oktober 2011 (12:52 h) – Tags: ,

 Stimmung: Auf dem Weg zurück ins Bett...


Seit einer Woche versuche ich, diese Erkältung wegzuignorieren und sie wird bloß jede Nacht schlimmer. Heute früh war der Punkt erreicht, an dem ich ohne Aspirin Komplex nichtmal aufstehen und den Katzen Frühstück machen konnte. Ob wir heute große Fortschritte in Sachen Brautkleid erwarten können, halte ich demnach für sehr fraglich.

Aber gestern habe ich immerhin was zustande gebracht. Nach Anweisung meines schlauen Zettels habe ich erstmal den Papierschnitt für die Weste aktualisiert. Der sieht inzwischen schon sehr bunt und abenteuerlich aus.

Dann habe ich mir die Hände gewaschen und die Stoffe vom Bügel genommen (damit sie nicht unnötig knautschten bewahre ich die Seidenstoffe hängend an Rockbügeln auf). Zum Glück hatten wir damals zwei Meter von dem Mischgewebe gekauft, so konnte ich die kleinen Webfehler, die es noch gab, elegant umschiffen und habe erstmal alle Teile aus dem Oberstoff zugeschnitten.

Die verbogene Nadel in der Maschine ausgetauscht und alle Teile zusammengefügt. Den Kragen habe ich mit der weißen Baumwolle verstürzt die auch in der Corsage zur Anwendung gekommen ist. Vom Futterstoff haben wir nämlich nur einen Meter gekauft.

Bevor ich mich dann ans Futter ranschleichen konnte, mussten erst noch die Leistentaschen auf die Weste. Ich bin ja davon ausgegangen, da tatsächliche, funktionale Leistentaschen einzubauen. Hätte ich auch ohne mit der Wimper zu zucken getan. Aber Natron hatte nie vor, da irgendwas reinzutun. Also haben wir uns auf Attrappen geeinigt. Ging natürlich schneller.

Mit einem Heftfaden die Stellen für die Leistentasche durchschlagen, Leiste aus Resten des Oberstoffs zuschneiden und verstürzen, der Länge nach auf die Markierung nähen, hochklappen und die kurzen Kanten am Ende von Hand annähen. Sieht prima aus und genau so sollte auch die echte Tasche aussehen.

Als nächstes will ich den Kragen und damit auch gleich das Futter annähen. Also habe ich gestern noch schnell die Teile aus Futterstoff zugeschnitten. Zusammensetzen wollte ich sie heute, aber momentan fühle ich mich dafür zu matschig. Wenn ich was vermurkse kriegen wir Probleme, vom Futter ist nämlich kaum mehr was übrig um neu zuzuschneiden. Also lassen wir das heute lieber.

So weit ist die Weste immerhin schon. In weiß sieht die total edel aus. Ich freu mich schon auf das fertige Stück.

Welcome to Westworld

7. Oktober 2011 (09:12 h) – Tags: ,


Bevor wir neulich feiern waren, musste Natron erstmal zur Anprobe ran. Wenn sie schon mal in Berlin ist…

Die Corsage konnte man mit gutem Willen über den Kopf ziehen. Ich bin mit dem Sitz nicht völlig zufrieden, aber auch nicht gewillt, das ganze Teil nochmal auseinanderzunehmen. Zumal ja sowieso alles von der Weste verdeckt wird. Das einzige was der Corsage eventuell noch wiederfahren wird, ist dass ich den Reißverschluss zum zweiten Mal rausrupfe und endlich doch einen Teilbaren einsetze. Würde das Anziehen sehr viel leichter machen. Aber erstmal bräuchte ich einen eher zarten, teilbaren Zipper, nicht diese monströsen Dinger, die es im Kaufhaus gibt. Haben meine Türken, das weiß ich. Weiß nur nicht, wann ich das nächste Mal auf den Markt komme.

Über der Corsage haben wir natürlich noch die Weste probiert. Und das hat mir dann schon sehr gut gefallen.

Ein paar kleinere Änderungen sind schon abgesteckt. Die Taille muss einen Ticken tiefer rutschen damit sie mit der Corsage übereinstimmt. Vorne mittig will ich die Unterkante noch einen Fingerbreit runterziehen. Und der Kragen wird schlussendlich wohl mit Hexenstichen befestigt werden, sonst klappt er nämlich genau so nach oben wie es der Testkragen auf dem Bild tut. Für die Knöpfe habe ich schon überziehbare Rohlinge in 11 mm Größe gekauft, hätte aber auch noch 15 mm hier, muss man am Ende mal sehen was besser passt. Die Knopflöcher werde ich jedenfalls von Hand stechen, das wird im Zweifelsfall ordentlicher als mit der Maschine.

Von hinten sieht man die niedlichen Schwalbenschwänzchen. Die liebe ich jetzt schon. Auch die Taille lässt, sofern man mal von dem Geknautsche um die Stecknadeln absieht, eine schöne Form erkennen. Waagerecht musste ich aus dem Rücken nochmal Weite rausnehmen.

Die Änderungen werde ich jetzt auf den Schnitt übertragen und dann geht es wieder los mit Händewaschen, Blutvermeiden und all den anderen Vorkehrungen, die weiße Seide so fordert.