Burdakritik 03/2012

17. Februar 2012 (21:18 h) – Tags:

Musik: Dio singt: "Don't smell the flowers, they're an evil drug to make you lose your mind!" 

Denn sehet, uns ist eine neue Burda erschienen!

Überspringen wir das Editorial (was mir ohnehin schwer fiel ernst zu nehmen) und steigen gleich voll ein. Im “kreativ-trend”-Bastelbereich gibt es diesmal Brustbeutel, Vogelapplikationen (also auf den Schuhen sind sie echt süß!) und heimatlose Schößchen. Ähm.. also wir wollten uns ja nicht lange da vorne aufhalten. Ich weiß auch nicht. Kommen wir lieber zur ersten Modestrecke.

Das ist rustikale Gartenmode. Blümchendrucke und so. “Garden Girls” ist ein hübscher Titel dafür. Aber mit diesen geknoteten Rechteck-Röcken (Modell 118) werde ich nicht mehr warm werden. Ich schätze es, dass die Burda sich auch an Nähanfänger wendet und hätte auch kein Problem damit mal was ganz einfaches zu nähen, aber dieser Look sieht mir einfach zu provisorisch aus. Bin vermutlich alt und spießig. Dafür mag ich Top 119 und die Shorts 114 B (hier sieht man Variante A besser) sehr gerne. Aus den Shorts könnte man bestimmt auch was Sportlicheres machen, so mit farbigen Blenden. Auch sehr interessant ist die etwas edlere Version der Bikerjacke bei Modell 115. Durch den etwas vertieften Ausschnitt und die schmale Form ja eher feminin. Und die Abnäher auf den Vorderteilen haben direkt etwas Couturiges. Bei Kleid 106 B (und allen Varianten in anderen Stoffen die noch folgen) bin ich sehr skeptisch was die Figurfreundlichkeit angeht. Das bauscht schon auf den Fotos (ohne Jacke) eher ungünstig. Hm. Vielleicht aus schwerem Jersey. Die Jacke 122 ist aber wieder ganz süß. Vielleicht mag ich auch einfach diesen rosefarbenen Leinenfeinstrickstoff (ja, so heißt er). Die Hemden hauen mich nicht so um und die Weste 124 mit den Taschen..naja, ich hab ja eh keinen Garten.

Dann kommt meine Shorts im Bildernähkurs und dazu so ein gesmoktes Top was ich eigentlich auch ganz süß finde.

Die nächste Strecke will Elemente der klassischen Herrenmode mädchenhaft interpretieren. Gucken wir mal. Zugegeben, mich verleitet die Bezeichnung “Zaubermantel” dazu, den Mantel 111 mal genau anzusehen. Die Krawattenmuster haben zwar was, aber ich mag die einfarbige, verschlusslose Variante die später kommt lieber. Dann ist es ein toller, leichter Mantel für chic. Bluse 127 ist dafür überhaupt nicht mein Stil. Hochgeschlossen, brav und kragenlos? Nicht mein Ding. Noch weniger geht aber die Kombination von Survivalweste 123 und Hochwasserhosen 112 A auf der nächsten Seite. Hochwasser kann ich gar nicht ab, bin vermutlich vorgeschädigt durch das Tragen zu kurz gewordener Hosen in Schulzeiten. Und Westen…naja, die habt ihr schon aus gutem Grund noch nie an mir gesehen. Und dann auch noch den Kragen bis oben geschlossen! Aber, die nächste Seite macht es wieder gut. Ich liebe diesen Ballett-Look von Wickelshirt 121 B, auch wenn ich selber nicht tanzen kann. Der tiefe Ausschnitt und die engen Ärmel! Ein Lieblingsteil aus dem Heft. Die Jacke 116 sieht auch in gemustertem Stoff super aus und auch die Hose 126 B dazu wäre mal einen zweiten Blick wert. Dann gibt es das Ballettshirt nochmal mit kurzem Arm, was mir aber nicht ganz so gut gefällt.

In der nächsten Strecke geht es dann um edlere Teile für die vielen Vernissagen die wir jeden Monat so besuchen. Bei der Jacke 107 B mag ich dieses tiefgezogene Revers überhaupt nicht. Aber der Mantel von vorhin kommt auch als Jacke daher und da gefällt er mir sehr gut. Schlägt in meine Schwäche für (kleine) Couturejacken. Auch dieses Bouclé und die Fransen die sie bei Modell 109 verwendet haben, ganz zauberhaft. Fast Chanel. Bei Kleid 102 B gefällt mir die ungewöhnliche Farbe der Spitze auch wenn ich sonst nicht auf Teilgefüttertes stehe. Entspannter Schnitt der aber auch kein zu steifes Material vertragen wird.

Die nächste Strecke sind Hochzeitskleid. Schon wieder! Hatten wir nicht sehr viel weiß und Glück in letzter Zeit? Mich begeistert nichts davon so wirklich. Das Pippa-Kleid 104 ist recht elegant mit dem dezenten Wasserfallausschnitt und den Knöpfchen. Über Kleid 106 A muss ich aber wirklich mal meckern. Das ist das unvorteilhaft Bauschige von vorhin. Noch unvorteilhafter in weißem Duchesse. Das muss sogar der Verlag zugeben. Und was machen sie? Anstatt die Weite aus dem Schnitt rauszunehmen? Es werden kleine Druckknöpfen eingenäht die das ganze zusammenhalten sollen. Und das sieht dann genau so aus, als hätte man fünf Minuten vor der Trauung noch Sicherheitsnadeln reingesteckt. Wer will denn so heiraten?! Ganz süß ist, dass es zum Pippa-Kleid auch die Kate-Version gibt. Aber wie viel hat Modell 101 mit dem tatsächlichen Kleid zu tun? Ich seh da jetzt nicht sooo viel Gemeinsamkeiten.

Dann kommt die Plusmode und wie immer bin ich ein wenig neidisch, zumindest auf das Thema. Westernromantik hört sich toll an. Schlussendlich gefallen mir zwar fast nur Tunika 132 A und Kleid 132 B, aber gegen so eine Strecke in Durchschnittsgrößen hätte ich trotzdem nix einzuwenden.

Schlussendlich gibt es noch ein Vintagemodell aus den Fünfzigern, das modernisiert mit seinen Flatterärmeln trotzdem irgendwie nach den Achtzigern aussieht. Und mal wieder ein hübsches Quiltprojekt. Die mag ich in der Burda auch sehr gerne.

Alles in allem macht das Heft nicht den besten ersten Eindruck. Bis auf das Wickeltop bin ich noch bei nichts versucht es nachzunähen. Aber wir wissen ja, dass manche Sachen erst später ihren Auftritt haben. Und ich hätte da ja auch noch so anderthalb bis zwei Meter schwarz-weißen Chanelbouclé für Jacke oder Mantel… ;)

Burdakritik 02/2012

8. Januar 2012 (19:55 h) – Tags: ,

Huch, eine Burdakritik von mir? War das nicht früher immer Natrons Spezialität? War es. Aber die hat ja kein Abo mehr, ich allerdings schon. Wobei ich zugeben muss: Lange Zeit habe ich keine Burdakritiken geschrieben weil mir dieses selbstgefällige Ausgekotze auf Kosten Dritter, was in manchen Blogs oder Foren daraus geworden war, einfach sehr gegen den Strich geht. Also, bei mir solls ein bisschen positiver zugehen. Das wird auch nicht schwer, aus dem aktuellen Heft mag ich nämlich ziemlich viel.

Man findet ja nicht in jeder Ausgabe etwas das einen sofort begeistert. Manche leg ich auch erstmal weg und denke:  ”Naja…” Die Erfahrung zeigt aber, dass solche Hefte ihre Daseinsberechtigung haben. Wie oft habe ich auf der Suche nach einem Schnitt ein uraltes Heft aus dem Regal gezogen. Ich wandel viele Schnitte ab oder bau sie komplett um, deshalb kann ich oft nicht sagen was für ein Potential das ungünstige Kleid auf Seite vierzehn in sechs Monaten vielleicht haben wird, wenn ich gerade auf der Suche nach genau diesen Abnähern bin. Mein liebstes Burdaheft ist übrigens auch schon steinalt, nämlich die sagenhafte Ausgabe 01/06. Aus keinem Heft habe ich mehr nachgenäht. Nichts davon allerdings 2006. Soviel also zu highlightlosen Ausgaben. Nun zum Heft 02/12.

Im Bastelteil am Anfang (der heißt offensichtlich “kreativ-trend”) geht es um am Gürtel befestigte Blasebalgtaschen, Stückwerk aus unterschiedlichen Denims und selbstgemachtes Plissee. Idee Eins finde ich gar nicht schlecht, so wie Burda es gemacht hat eher in einem Endzeit-Fantasy-Kontext, mit Änderungen aber auch als Festivaltaschen. Denim mag ich sowieso und die verschiedenen Blautöne haben was Nostalgisches. Gefällt. Ob ich mir allerdings jemals die Mühe machen werde Plisseefalten auch noch abzusteppen halte ich für fraglich. Aber andererseits nicht ausgeschlossener als siebenhundertundzwanzig Sechsecke mit der Hand zusammenzunähen ;)

Die erste Modestrecke: Streifen. Schon seit einigen Heften gibt es ja diese anfängerfreundlichen Schnitte, die extra als “leicht” markiert sind. Tolle Idee. Mir gefallen aber der Rock 123 B und alle seine Verwandten, egal ob lang oder kurz, nicht besonders. Ich glaube ich mag einfach dieses Rüschenköpfchen über dem Gürtel nicht. Cardigan 122 ist auch nicht so mein Look, aber den selbstgemachten Streifenstoff finde ich prima. Das kann man auf jeden Fall ausbauen. Und dann kommen wir auch schon zu meinem ersten Favoriten, dem Shirt 108 C. Das kommt noch in anderen Versionen, aber gerade in weißem Jersey mag ich es. Futuristisch. Sauber. Schöne Linien. Auf der nächsten Seite der nächste Volltreffer, das Kleid 119 C. In dem gestreiften Stoff kommt die Schnittführung zwar zu wenig zur Geltung, finde ich, aber ich mag diese Schultereinsätze. Und es hat Taschen, das ist nie verkehrt. Dürfte auch auf der Raumstation vorkommen auf die 108 C mich gedanklich katapultiert hat.

Die nächste Strecke heißt Color Blocking. Farbkonzepte sind ja immer etwas..beliebig. Alles in schwarz wäre eine ganz andere Strecke, aber mit den gleichen Schnitten. Okay, hier geht es außerdem in Richtung Seventies. Dann ist ja gut. Von dem weiten Oberteil 105 bin ich nicht soo begeistert, aber der Gürtel! Der ist super. Gerade auch mit gold. Verdammt, wieder ein Einsatzort für goldenes Kunstleder und keines aufzutreiben! Die kleine Jacke 101 mag ich auch. Die sieht nach einer hübschen Alternative zum Blazer aus. Und dann kommt unser Shirt mit dem Bateauausschnitt wieder, diesmal als Kleid 107 B aus unelastischem Material. Durch die glänzenden Partien ist es mir etwas zu dressy, sonst kann ich es mir aber gut aus einem leichten Sommerstoff vorstellen. Gibts natürlich auch als Shirt 107 A, in einem ganz wunderbaren Gelb.

Plusmode kommt diesmal als Hochzeitsstrecke daher. Die Plussachen haben oft ganz tolle Schnitte, da war ich schon ab und an neidisch. Hier hat es mir vor allem das Kleid 134 angetan. Tolle Linienführung, schöner Ausschnitt. Mädchenhaft aber nicht zu verspielt. Okay, über die Schleife können wir reden. Das Kleid 131 und die Jacke 129 finde ich auch eine tolle Kombination mit wunderbarer Silhouette. In lang gefällt mir Kleid 135 nicht mehr so gut. Da stimmen irgendwie die Proportionen nicht mehr so, finde ich. Zu viel Stoff. Vielleicht stimmt es wieder wenn man die Ärmel weglässt. Um die Arme zu bedecken finde ich dieses entzückende Spitzenjäckchen 136 sowieso die bessere Lösung. Ich mag die Bogenkante an den Säumen. Bei Kleid 132 und Mantel 130 liebe ich die Farbe! Und die Kombination von Spitze und glattem Stoff. Das Kleid alleine hat nicht halb so viel Wirkung.

Es folgt der Asia-Look. Kein ganz einfach zu beackerndes Feld, meine ich. Und der Papierschirm mit den Schriftzeichen auf Seite 42 stürzt auch gleich mal in die Faschingsfalle. Dafür gefällt mir der Mantel 113. Kann aber auch sein, dass mich bloß der Goldbrokat ködert. Kleid 117 A ist überhaupt nicht mein Fall. Zu eng, zu konstruiert. Da fehlt mir was lässiges, elegantes dran. Dafür aber die Kimonobluse 116! Hach! Der Stoff! Und die Ärmel sind auch nur weit, aber nicht übertrieben ausgestellt. Wirklich schönes Teil. Der goldene Mantel versucht es nochmal als Jacke 112, und diesmal hat er mich fast gekriegt. Sogar der Chinajacquard sieht hier gar nicht so verkleidet aus. Ob das in freier Wildbahn noch so wäre, bleibt dahingestellt. Aber ich wollte das Zeug ja ohnehin nicht mehr verarbeiten. Ich mag jedenfalls auch die Kontrastierung mit den schwarzen Elementen und die unerwartet schrägen Knopfzierer. Kleid 111 ist keine üble Interpretation des Suzie Wong-Themas, passt in meinem Kopf aber viel besser ins Weltall als in den japanischen Garten. Stellt euch das mal in weiß vor, oder in grau mit dunkelroter Blende. Besser als jede Star Trek Uniform ;) Dann noch mal schnell mein Freund 108 A aus wunderbaren Seidenstoffen. Spätestens jetzt muss man doch von diesem Schnitt überzeugt sein.

Lustigerweise hat Burda dann noch eine futuristische Strecke. Dabei hab ich meine Sci-Fi-Sachen doch schon längst gefunden. Jacke 118 finde ich gar nicht übel, weiß aber jetzt schon, dass mich die weiten Ärmel stören würden. Die glatte Front und der asymmetrische Verschluss punkten aber schonmal. Wir sehen auch gleich Kleid 119 B nochmal in einfarbig. Im Heft toll gestylt, so muss das wirken. Würde auch mit Gürtel funktionieren. Das unentspannte Kleid von eben gibt es auch als Bleistiftrock 121 A. Immernoch neunziger, aber ich mag den frivolen sichtbaren Reißverschluss auf der Rückseite. Wenn auch vielleicht nicht fürs Büro.

Dann hätten wir noch einen wiederaufgelegten Schnitt aus den Fünfzigern. Auch eine Rubrik die ich mag. Diesmal ist es eine kurze Jacke mit viel Weite im Rücken. Ich frage mich wie die ohne Pose aussieht. Das Material ist jedenfalls großartig. Auf der Webseite ist es noch nicht drauf, deshalb kein Bild dazu.

Und dann, oha, Umstandsmode. Hatten wir ja noch nie. Ich mag jedenfalls den Turtleneckkragen zum ansonsten schlichten Kleid bei Modell 127 C. Mal sehen ob ich mich daran noch erinnere wenn ich irgendwann mal in die Verlegenheit kommen sollte.

Kinderkleider und Deko lasse ich mal unkommentiert. Da waren ein paar hübsche Sachen bei, aber nichts was mich völlig aus dem Häuschen gebracht hätte.

Und das war Heft 02/12. Ein paar wunderbare futuristische Shirts und Kleider, reizvolle kurze Jacken, der tolle Gürtel mit dem Kunstleder und die grandiose Kimonobluse. Ganz schön viel Highlights für ein Heft. Und, habt ihrs gemerkt, ich habe keine einzige Hose kommentiert. Hat mich keine angelabert. Was ein gutes Zeichen ist. Ich habe im letzten Jahr nämlich überproportional viele Hosen genäht. Da kann auch mal was anderes kommen.