Zielgerade mit Aussicht auf Goldmedaille

12. Mai 2011 (15:12 h) – Tags: , ,

Meine Damen und Herren, es wird ernst. Das TZK und ich, wir sind so gut wie fertig miteinander. Lediglich der Saum muss noch gemacht werden. Den nähe ich ja per Hand, mit Hexenstichen. Eine tolle Aufgabe für langweiliges Fernsehprogramm, das hebe ich mir noch auf. Alle anderen Details kann ich aber schonmal zeigen.

Fürs Protokoll: Der von mir verwendete Schnitt ist Kleid 108 A aus Burda 05/11. Ein Kurzgrößenschnitt den ich verlängert habe. Außerdem habe ich das Kleid komplett gefüttert (nicht nur das Oberteil), den Armausschnitt leicht verändert und ein Detail an den Schultern angefügt. Mehr dazu weiter unten.

Der Oberstoff ist ein Glücksfund vom Türkenmarkt, Goldbrokat. Das Futter ein farblich passender Polytaft. Wie man sieht, hat das TZK  einen nahtverdeckten Reißverschluss in der rückwärtigen Mitte, den einzunähen ich eigens für dieses Kleid erlernt habe.

Er ist auch sehr schön verdeckt geworden. Da die Farbauswahl bei nahtverdeckten Reißverschlüssen kleiner zu sein scheint als bei normalen, passt der Ziehnippel farblich nicht ganz optimal. Man könnte ihn austauschen oder bemalen. Oder einfach ignorieren.

Hier sehen wir die rückwärtige Mitte des Taillennaht. Beim Einnähen des Reißverschlusses haben sich die beiden Hälften um zwei Millimeter gegeneinander verschoben. Ich habe bereits zwei Mal getrennt und neu genäht, es lässt sich nicht so einfach beheben. Ich mag perfektionistisch sein, aber mich stört diese Ungenauigkeit. Alle anderen Nähte habe ich gut aufeinandertreffen lassen, nur hier hat es nicht funktioniert. Gut, es ist einer meiner ersten nahtverdeckten Reißverschlüsse, aber trotzdem. Ich werde es jetzt so lassen, vermutlich sieht es außer mir ohnehin niemand. Aber ärgern tuts mich doch.

Innen habe ich das Futter von Hand an den Reißverschluss genäht. Ich liebe die ordentliche Innenansicht die gefütterte Kleidungsstücke haben. Dass man dafür Zeit und Mühe in Handnähte investieren muss, soll mir nur Recht sein. Schneiderkunst ist halt auch Handwerk.

Aussen hat das Kleid keine einzige sichtbare Naht. An Arm- und Halsausschnitten sind Futter und Oberstoff verstürzt. An diesen Kanten ist das Futter mit Bügeleinlage verstärkt damit sich hier nichts verziehen kann. Ich wollte nicht den Oberstoff bebügeln weil sich die Einlage vermutlich in der borkigen Struktur des Brokats abgezeichnet hätte.

Die winzigen Schulternähte haben es in sich. Sie werden erst nach dem Verstürzen der Ausschnitte geschlossen, sonst lässt sich das Kleid ja nicht mehr wenden. Das Futter muss man hier also von Hand zusammennähen. Es ist fast ein wenig schade, dass ich keinen Schnitt mit Ärmeln verwendet habe. Der Goldbrokat lässt sich so dermaßen gut einhalten, dass das vermutlich meine ersten Ärmel ohne Fältchen geworden wären.

Das ist die Innenansicht der Schultern. Ich habe hier mit dem Futter noch ein kleines Bändchen eingenäht. Von Hand, man sieht meine Stiche von innen noch recht deutlich. Unter dem Bändchen sollen später die (aushakbaren) BH-Träger durchgefädelt werden damit sie zum Einen nicht verrutschen und dann zu sehen sind, und zum Anderen damit durch den BH das Oberteil des Kleides noch etwas gespannt wird und nicht zusammenrutscht und dann in der vorderen und hinteren Mitte am Ausschnitt wegsteht.

Insgesamt bin ich schon ein wenig stolz auf meine Arbeit am TZK und die Ergebnisse. Ich habe mir dafür Zeit gelassen und mit Sorgfalt gearbeitet. Ich habe gelernt wie man Schnitte verlängert oder kürzt und wie der nahtverdeckte Reißverschluss ohne Spezialfuss einzunähen ist. Das ist mein erstes Cocktailkleid und das Ergebniss von mehr als zehn Jahren autodidaktischen Nähens. Ich weiß, dass Schnitt und Stoff nicht Jedermanns Wahl wären, aber ich glaube, für mich ist das genau das richtige Kleid um eine der wichtigsten Personen in meinem Leben auf ihrer Hochzeit zu begleiten. Wie ich dann im TZK aussehen werde, erfahrt ihr aber erst im nächsten Post. Wenn der Saum fertig ist ;)

The Romans tell fabulous stories of my baths…and my morals

11. Mai 2011 (10:04 h) – Tags: ,

Mit dem TZK ist es so, dass ich da wirklich mit der mir größtmöglichen Sorgfalt dran arbeite. Das soll so gut wie nur irgend möglich werden. Deshalb übe ich ja zB den nahtverdeckten Reißverschluss vorher am seidenen Unterkleid. Als ich abwechselnd daran und am TZK gearbeitet habe, fiel mir noch ein anderer Faktor auf, der beide Kleider verbindet. Nämlich Liz Taylor. Einmal ist sie natürlich über Umwege die Inspiration zum Unterkleidschnitt. Und zum anderen drängte sich mir bei der Arbeit an einem goldenen Kleid im Stil der Sechziger Jahre schon immer wieder der Gedanke an meinen Lieblingsfilm „Cleopatra“, ebenfalls mit Liz Taylor, auf. Der Film ist von 1963 und Fräulein Taylors Kostüme haben überhaupt gar nichts mit dem antiken Ägypten, dafür aber sehr viel mit der Mode ihrer Zeit gemein. Überhaupt ein grandioser Film, bombastische Ausstattung, große Schauspieler, tolle Dialoge, auf jeden Fall sehenswert. Solche Filme werden heute einfach nicht mehr gedreht (gemeinhin scheint er als überkitschige Monumentalschmonzette verschrieen zu sein. Kann sein, dass ich eine sentimentale Märchentante bin, aber ich kriege Gänsehaut, wenn Richard Burton zu Liz Taylor sagt: „You’re like a great noise that I hear everywhere in my head. I want to be free of you! Of wanting you!“ Egal. Sandalenepen FTW!).

Aber ich schweife ab. Reden wir über das Unterkleid. Dafür habe ich den Schnitt vom Oberteil des Hippiekleides verändert. Die Anzahl an Schnittteilen reduziert und Abnäher rotiert. Klappte ganz gut. Dieses Oberteil habe ich wie beim Hippiekleid mit unelastischem Batist gefüttert. Dann hat man keine sichtbaren Nähte und das Oberteil kann wenigstens versuchen ein bisschen zu stützen.

Die Träger sind hinten unsichtbar mitgefasst, vorne habe ich sie von Hand unter die Spitzen des Oberteils genäht. Sie sind etwas breiter als normal, passt irgendwie zum Look des Kleidchens.

Der angesetzte Rockteil hat hinten zwei französische Abnäher. Im Nahtschatten der Ansatznaht habe ich das Futter vom Oberteil festgesteppt. In der linken Seitennaht verbirgt sich der nahtverdeckte Reißverschluss. Dass ich den nochmal an einem richtigen Kleidungsstück geübt habe, war ganz gut. Konnte schon noch einiges lernen.

Für den Saum habe ich schlussendlich die beigefarbene Spitze ausgewählt. Die sieht nostalgischer aus. Fast als hätte man das Kleid auf dem Flohmarkt gefunden und die Spitze wäre schon ausgewaschen.

Und das ist das Kleid im Ganzen. Ungebügelt und der Puppe passt es auch nicht ganz. Aber es trägt sich wirklich angenehm. Die Seide ist ganz weich auf der Haut. Ich glaube, Seide habe ich noch nie verarbeitet. War zwar flimsig und hat sich auch hier und da verzogen, aber vom Tragegefühl ein Traum. Definitiv einer Liz Taylor würdig.

Untertrikotagenabteilung

4. Mai 2011 (20:40 h) – Tags: , ,

Das TZK muss jetzt erstmal warten. Ich will damit auch nicht zu schnell fertig werden, weil es so viel Spaß macht mit dem Goldbrokat zu arbeiten. Außerdem würde ja bald der nahtverdeckte Reißverschluss in der hinteren Mitte  anstehen. Und obwohl ich das Einnähen eines solchen ja schon geübt habe, ist es sicher nochmal was anderes, das an einer tatsächlichen Klamotte zu machen.

In meiner Warteschleife gibt es erfreulicherweise noch zwei Projekte, die nichts gegen einen nahtverdeckten Reißverschluss einzuwenden hätten. Eins davon wäre Aladins Jogginghose aus mauvefarbenem Leinen. Den Schnitt habe ich schon da, in Detailfragen bin ich aber noch unentschlossen. Also erstmal das andere.

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch daran, dass ich seit einer Ewigkeit immer mal wieder von einem mysteriösen Unterkleid aus Stretchseide geredet habe. Die Seide habe ich schon vor Urzeiten gekauft (vor einem Jahr, um genau zu sein). Mir fehlten aber immer ein Schnitt und eine elastische Spitze für den Saumabschluss. Die Spitze habe ich dann neulich auf dem Türkenmarkt gefunden.

Eigentlich sind es sogar zwei Spitzen. Eine ist zu bräunlich und eine ist zu schweinchenrosa. Die Seide liegt farblich irgendwo dazwischen. Ich finde es auch gar nicht schlimm, wenn das nicht genau passt. Nur kann ich mich nicht richtig entscheiden, ob es eher breichenfarben und retro oder eher pink und kitschig werden soll. Any ideas?

Die Idee für den Schnitt lieferte mir dann neulich Natron. Sie hat mich nämlich auf dieses Projekt aufmerksam gemacht. Wenn etwas im Stil von Elizabeth Taylor daherkommt, muss man es mir ja nicht lange schmackhaft machen. Aber auch ohne die göttliche Liz im Hintergrund ist das ein ganz umwerfendes Unterkleid, finde ich. Der Schnitt ist elegant und wir erfahren nebenbei, dass das historische (und zu unrecht aus der Mode gekommene!) Unterkleid tatsächlich oft in Begleitung eines Reißverschlusses daherkam. Also, mein Plan sieht folgendes vor: Einen ähnlichen Schnitt erstellen, dazu auf das Oberteil vom Hippiekleid zurückgreifen. Das Oberteil mit Batist unelastisch verstärken damit es auch ein wenig stützen kann, den Rockteil vorne glatt und hinten mit senkrechten Abnähern arbeiten. Das Kleid insgesamt kürzer als bei Gertie (meine Überkleider haben halt nicht die klassische Länge der Fünfziger und Sechziger Jahre) und ein wenig ausgestellt. An den Saum die bis dahin zu entscheidende Stretchspitze, in die Seitennaht einen verdeckten Reißverschluss.

Was sonst noch auf dem Markt mitkommen musste ist Folgendes (Nachschub für andere Projekte!):

Schwarzes Leinen für eine weitere und diesmal von mir genähte Version der berühmten Thai-Fischerhose. Der Zipper für die Aladinhose. Druckknöpfe für selbige. Und Knöpfe! Kleine Glitzerknöpfe!

Keine Ahnung für was ich die verwenden werde, aber sie sehen aus wie Mystik-Topase und deshalb musste ich sie kaufen. Kann man sicher auch einfach wie Schmucksteine irgendwo aufnähen. *funkel*

Gold und pink

3. Mai 2011 (16:37 h) – Tags: , ,

Formband habe ich also nochmal neues gekauft. Manchmal muss man halt auch mal in Qualität investieren, da beißt die Maus keinen Faden ab. Mit dem Markenprodukt von Vlieseline sah das Futter auch gleich viel besser aus.

Um Teleris Frage vom letzten Post zu beantworten: Ich glaube, dass das Formband mit dem Kettstich auf die Nahtlinie gebügelt gehört. Ich mache es aber auch oft so, dass ich das Band komplett innen neben die Nahtzugabe bügle. Habe ich so gemacht bevor ich gelesen habe, dass es mit dem Kettstich auf die Nahtlinie gehört. Und Gewohnheiten werd ich nur schwer los ;)

Ich habe beim TZK jetzt alle Teile Goldbrokat zusammengefügt und an der Puppe sieht es schon sooo Sechziger Jahre aus! Hach! Ich freu mich schon auf das Kleid. Als nächstes gehört jetzt das Futter an den Arm- und Halsausschnittkanten angenäht.

Hier sieht man wie viel Mühe ich in das genaue Aufeinandertreffen der Nähte von Oberteil und Rock investiert habe. Wenn schon, denn schon. An der waagerechten Naht sieht man, wie sich die Einstichstellen minimal auseinanderziehen. Da hätte man Einlage aufbügeln können. Die hätte man aber wohl auf der Vorderseite durchgesehen, deshalb habe ich das nicht gemacht. Ich werde aber die Nahtzugaben der waagerechten Naht von Oberstoff und Futter zusammennähen, dann hält das Futter den Oberstoff ein wenig und es sollte sich nicht weiter verziehen.

Nun muss ich erstmal ein oder zwei andere Projekte dazwischenwerfen an denen ich das Einnähen von nahtverdeckten Reißverschlüssen weiter üben kann. Da wäre schon einiges konkret angeplant. More to follow soon.

Neben der Arbeit am TZK helfe ich momentan bei meiner Mutter den Flur zu renovieren und alle Türen zu streichen. Als kleines Danke habe ich gestern von Mama diesen wunderbaren Strauß mit Päonien und Phlox bekommen und zu Hause mit den selbergekauften Gerbera bekanntgemacht. So schön pink! Und wie der Phlox duftet! Und die Päonien liebe ich ja sowieso.

Endlich mal wieder Kunstfaser!

28. April 2011 (18:44 h) – Tags: , ,

Neulich habe ich das Probeteil fürs Trauzeuginnenkleid (ab jetzt kurz TZK genannt) nochmal geändert, hinten die Taille ein wenig tiefer gelegt, an der Brust noch etwas Weite rausgenommen und den Armausschnitt verkleinert. Heute habe ich diese Änderungen auf den Schnitt übertragen und dann mutig angefangen den Goldbrokat zuzuschneiden.

An einem Teststück habe ich Nähen, Bügeln und Säumen ausprobiert und erfreulicherweise macht nichts davon wirklich Schwierigkeiten. Ich hatte befürchtet, dass der Brokat beim Bügeln seine borkige Struktur verlieren würde, aber die ist glücklicherweise nicht totzukriegen. Säumen werde ich das Kleid am Ende von Hand, wenn ich die Hexenstiche noch etwas übe wird davon auch nichts zu sehen sein.

Das Futter habe ich auch gebügelt und zugeschnitten. Normalerweise arbeite ich fast nur mit Naturfasern, aber beim TZK sind die Metallfäden vermutlich noch das Natürlichste. Insofern war ich nicht darauf vorbereitet, dass der Taft sich so schnell statisch aufläd. Das nervt ein wenig und ich befürchte, dass der Unterrock später lieber an den Beinen kleben wird, als dem Rock den nötigen Stand zu verleihen. Dem werde ich versuchen mit Sprühstärke entgegenzuwirken und ansonsten das Beste hoffen. Im allergrößten Notfall könnte man noch einen leichten Petticoat drunterpacken.

Bei Burda wird nur das Oberteil vom Kleid gefüttert, ich möchte aber, wie gesagt, das ganze Kleid füttern. Außerdem werde ich die Bügeleinlage nicht auf den Oberstoff bügeln sondern lieber auf das Futter. Sicher ist sicher. Burda sagt, ich sollte alle Arm- und Halsausschnittkanten mit Vlieseline Formband bebügeln. Ich überlege auch noch die Taillennaht zu verstärken. Aber erstmal muss ich Vlieseline Formband kaufen.

Das geht nämlich nicht. Das ist meine Sparversion an Formband. Viel billiger, aber auch nicht so stark zu formen. Wie man sieht, verzieht sich der Futterstoff und auf die rechte Seite scheint das dunkle Band auch durch. Nagut, war ein Versuch. Teil neu zuschneiden und Markenprodukt kaufen. Gnarf.

Trau schau wem

17. April 2011 (17:42 h) – Tags: , ,

Heute habe ich das geplante goldfarbene Trauzeuginnenkleid mal probegenäht. Dazu musste ich erstmal den Kurzgrößenschnitt verlängern. Zum Glück hat Burda hier genau erklärt wies geht, mein altes Nähbuch wollte die zusätzliche Länge fürs Oberteil nämlich komplett unterhalb des Armausschnitts anbringen. So habe ich den Armausschnitt nur wenig (7mm) und den Bereich zwischen Arm und Taille ein bisschen mehr (13mm) verlängert. Den Rockteil habe ich ebenfalls auseinandergeschnitten und drei Zentimeter Länge zugegeben. Hätte man natürlich auch am Saum anfügen können, aber dann hätte sich die Form des Rockes leicht verschoben. Insgesamt war die Längenänderung wirklich nicht schwierig und ich denke, das werd ich in Zukunft wohl noch öfter machen.

Was mir beim Rumhantieren mit dem Schnitt auch gleich aufgefallen ist: Der hat gar keine Seitennähte! Deshalb hat Burda den Reißverschluss wohl in die hintere Mitte gesetzt. Und ich dachte, ich wäre schlau und könnte den nicht-nahtverdeckt in der Seite unterbringen. Jetzt werde ich auch keine Seitennaht hinzwingen, das sieht nämlich eigentlich ganz schön aus so. Muss ich wohl nochmal einen nahtverdeckten Zipper kaufen und nachschauen wie man den ohne Spezialfuß eingenäht bekommt. Hab ich noch nie gemacht, aber man wächst ja an seinen Herausforderungen.

Wie wir sehen, sitzt das Probeteil schon ziemlich gut. Ich habe hier einen relativ steifen Baumwollstoff mit unfotogenem Karomuster verwendet weil ich meine, dass der mit Taft unterfütterte Goldbrokat auch eher steif fallen wird und das ja auch beim Originalmodell so beabsichtigt ist. Die Taillennaht sitzt genau auf Taille, da ist die Längenänderung also voll aufgegangen. Brust sitzt auch und mit der Rocklänge bin ich vollauf zufrieden.

Auch von hinten gibt es nix zu meckern, ausser dass der Reißverschluss dringend verdeckt sein sollte. Der Saum beult beim Probeteil noch ziemlich, den habe ich nämlich nicht genäht sondern nur umgebügelt und festgesteckt. Hinten in der Mitte könnte er einen oder zwei Zentimeter länger sein, das sieht bei der Seitenansicht noch etwas schief aus.

Ich werde innen an die Schultern kleine Führungsbändchen anbringen durch die man die BH-Träger fädeln kann. Dann rutschen erstmal nicht immer die Träger unter den schmalen Schultern raus, sondern das Oberteil sitzt auch besser wenn es etwas nach aussen gespannt wird. Man sieht es hier nicht so gut, aber ich habe schon überlegt, am Ausschnitt in der hinteren und vorderen Mitte jeweils einen Zentimeter rauszunehmen damit der Stoff da nicht vom Körper wegsteht. Das muss ich Natron mal live vorführen und ihre Meinung einholen.

Insgesamt bin ich aber mit dem Probeteil sehr zufrieden. Die Längenänderung hat super funktioniert und der Schnitt gefällt mir genäht und an mir auch sehr gut. Die stark geschwungenen Prinzessnähte machen eine tolle Figur und obwohl das Kleid eher locker sitzt sieht es nach schmaler Taille aus. Mädchenhaft, retro, unkompliziert. Was will man mehr?

Uli vs Paule

15. April 2011 (17:27 h) – Tags: , , ,

Die erfreuliche Burda 05/11 hat mir neben flattrigen Hippiekleidern für meine bunten Druckstoffe und einem sehr gut frisierten Herren in der Retro-Strecke auch die Lösung für das Trauzeuginnenkleid geliefert. Ihr erinnert euch, bei der Hochzeit von Natron und Red werde ich Trauzeugin sein. Mir gefiel schon beim ersten Durchblättern des aktuellen Heftes das Kleid 108 A (nochmal das Modellfoto, man erkennt aber wenig). Das ist zwar eine Kurzgröße und ich habe exakt Burdas Normal-Körpergröße, aber ich traue mir durchaus zu, das zu ändern. Ich mag den schlichten Schnitt, den Bateau-Ausschnitt und natürlich auch den entzückend schönen Jacquard, den Burda für das Kleid verwendet hat. Der ist bei Alfatex schon wieder ausverkauft, war aber auch nicht wirklich preiswert. Ich hatte da aber noch so einen türkis-goldfarben-schimmernden Jacquard vom Türkenmarkt im Hinterkopf.

Den Jacquard habe ich heute auch gefunden, allerdings nur in violett-golden, grün-golden und orange-golden. Und ich hatte mich auf türkis eingeschossen. Also habe ich ihn nicht mitgenommen. Aber, siehe da, ein paar Stände weiter, DER Stoff. Goldbrokat. Sechziger-Jahre-Uli-Richter-Goldbrokat. Der ideale Stoff für einen so schlichten Schnitt. Hat Stand, macht ordentlich Schau, erinnert mich an mein sagenhaftes Holokleid und das Original-Sixties-Ballkleid in meinem Schrank und passt perfekt zu den kupferfarbenen Haaren. Ich hätte sogar schon die passende Handtasche (auch aus den Sechzigern) in meinem Bestand.

Und weil der Markt heute was gutzumachen hatte, bot er mir auch gleich den perfekten Futterstoff und einen farblich kongenialen Reißverschluss. Das wird sooo umwerfend schön, das Kleid!

Nun weiß ich, was ihr einwerfen wollt. Gold, zu einer Hochzeit! Brokat, und die Braut ohne jegliches Glitzer! Die Möglichkeit, in so einem Kleid zu auffällig gekleidet zu sein, ging mir natürlich auch durch den Kopf. Also habe ich als allererstes Rücksprache mit Natron gehalten, den Stoff fotografiert und vorgezeigt. Und Natron hat meinen Plan abgenickt. Ostern sehen wir uns, dann zeige ich ihr den Stoff nochmal im Original und sollte es am Ende doch wider Erwarten zu grell sein, dann muss das Kleid halt auf eine andere Gelegenheit warten, nähen will ich es auf jeden Fall.

Als Alternativen stünden ja noch das Versacekleid aus meiner ersten Überlegung und das damals schon angesprochene Complet nach Paule Ka zur Wahl. Inzwischen habe ich die betreffende Burda zurückerobert, also zeige ich euch auch wovon ich rede. In der Burda 09/04 (ja, das ist lange her!) gab es einen Junge Avantarde Schnitt vom französischen Designer Paule Ka. Ein Shiftkleid und passender Mantel mit miederartigen Taillendetails und viel Retro-Charme. Als ich das sah, wußte ich sofort: Das ziehe ich an wenn mich mal jemand auf eine Hochzeit einläd!

    

Ich finde es auch nach wie vor wirklich zauberhaft. Auch dieser Rosaton! Aber genau da liegt das Problem. Hätten die beiden Hamburger im letzten Jahr geheiratet, als ich noch schwarze Haare hatte, wäre ich sofort losgezogen und hätte roséfarbene Stoffe gesichtet. Heute habe ich kupferfarbene Haare und es will keine Farbe so recht dazu und gleichzeitig zum Kleid passen. Deshalb, und vielleicht auch weil er eine Nuance zu seriös wirkt, muss Paule erstmal auf die Ersatzbank und ich fange mit einem Probeteil für die Verlängerung des Murkelgrößenschnittes an.

This must be…underwater love

12. April 2011 (20:13 h) – Tags: , , , , ,

Kommen wir nun zu meinen letzten Aktivitäten des vergangenen Wochenendes. Da hat sich mal wieder das Hippiemädchen in mir durchgesetzt, und wir haben schön mit Farbe rumgeschmaddert und gebatikt. Ich habe nämlich jüngst ein paar lange Stufenröcke von Natron abgetreten bekommen, darunter ein beigefarbener (das müsste der hier sein, nach der Anleitung von Sputnikkids Stufenrock). Der hat schon einige Ausflüge ins Mittelalter hinter sich und entsprechende Schlammflecken am Saum. „Kannste vielleicht batiken,“ sagte Natron. Hab ich auch gemacht.

Um den Spaß zu verdoppeln habe ich noch flugs ein weißes Modell „T“-Kleidchen genäht. Und dann bin ich los und habe Batikfarben gekauft. Oh, diese Auswahl! Gelb, orange, mohnrot? Ich habe mich dann für türkis, blau und violett entschieden. Je mehr Farbtöne desto Batik. Beim Kleidchen habe ich mit Bindetechniken gearbeitet, blau wenig abgebunden und die anderen beiden Farben dann fester damit sie weniger anfärben. Den Rock habe ich nur locker zusammengebunden (die Farbe wird ja dankenswerterweise schon von alleine fleckig) und einmal komplett blau gefärbt, türkis und violett dann nur von oben und unten in den Stoff reinsaugen lassen.

Das Gematsche im Putzeimer hat viel Freude gemacht und ich konnte dabei auch gleich die sogar unter Wissenschaftlern noch sehr verbreitete Theorie widerlegen, dass Katzen wasserscheu und farbenblind seien und deshalb für Kaltbatik nicht zu begeistern. So ein Blödsinn. Es gibt ja schließlich Strippchen!

Als wir alle grünlich-blaue Alienfinger und -pfötchen hatten, war es dann auch genug. Ich habe die beiden Kleidungsstücke in die Waschmaschine geworfen (die Katzen nicht) und als sie gestern trocken waren, sahen sie so schön aus! So meerjungfrauenfarbig! Pfauenblau! Märchenlila! Ich bin total begeistert und würde jetzt am liebsten alles einbatiken. Harrrr!

Ich denke, ich werde auf die unterste Stufe des Rockes noch goldfarbene Ornamente stempeln. Irgendwas bordürenmäßiges, orientalisches. Wobei es auf dem Foto mit silber kombiniert auch schön aussieht.

    

Das Kleidchen habe ich hier vielleicht ein bisschen sehr clashy mit Camohosen kombiniert. Das geht natürlich auch solo oder mit Leggings/anderen Hosen. Auf jeden Fall hat es diese tolle Wasseroptik bekommen. Große Liebe!

Hinten habe ich einen runden Ausschnitt gearbeitet. Die Größe ist darauf optimiert, BH-Träger und -Steg noch zu verbergen und in der Verarbeitung geht nichts ohne Vlieseline Formband. Aber sonst gar nicht schwer zu machen. Wenn die Haare länger sind kitzeln sie da im Sommer so freundlich.

Destination: Moon

16. März 2011 (15:12 h) – Tags: , , ,

Meine sehr verehrten Damen und Herren, in Kürze erreichen wir die Mondbasis Mare Tranquillitatis. Auf dem Mond herrschen plus 120 Grad Aussentemperatur und Sonnenschein. Sie haben Anschluss an Flüge zur Marsstation Explorer, Ganymed Raumhafen sowie zum Hyperraumflug nach Betageuze RSH. Wir verabschieden uns von allen Passagieren die hier aus- und umsteigen und wünschen einen entspannten Aufenthalt sowie eine angenehme Weiterreise. Bitte beachten Sie, dass das Tragen von Energiewaffen und besonders Lichtschwertern auf dem Mond verboten ist. Danke, dass Sie mit der NASA geflogen sind.

Mein Weltraum-Flugbegleiterinnen-Kleid ist fertig geworden. Ich habe dafür meinen Jerseykleidchen-Schnitt (aka Modell „T“) abgezeichnet und neu aufgeteilt. In der Passe sind also keine Abnäher versteckt. Wäre auch gar nicht nötig.

Verarbeitet habe ich drei verschiedene Jerseyreste. Die Passe aus orangefarbenem Jersey wollte ich eigentlich auf der Rückseite grade oder nach unten geschwungen verlaufen lassen. Aber schon beim Aufzeichnen habe ich mir so einen Knoten ins Hirn gemacht als ich versucht habe da irgendwelche Winkel zu spiegeln. Deshalb geht sie nun hinten wieder hoch. Das mag ich auch, sieht auch weniger nach Bolerojackeneffekt aus.

Die Blenden an den Ärmelsäumen habe ich verstürzt, dadurch hat man da nicht noch eine Saumnaht. Dabei wollte der Jersey sich gerne verleiern, aber ich habe ihn doch bezwungen.  Und schlussendlich musste natürlich noch das NASA-Logo drauf.

Ich mag das Kleid total gerne. Trägt sich super angenehm und ja, es ist halt so retro-futuristisch *g* Könnte mir vorstellen, den Schnitt mit der geschwungenen Passe auch für andere Farbkombinationen und Shirts mit Seventies-Appeal zu verwenden.

Welcome to voiceprint identification

13. März 2011 (17:28 h) – Tags: , , , ,

Wir erinnern uns, dass ich grade Stoffstapel abbaue. Erst denkt man ja immer, da fällt einem nie was ein, die Stoffe liegen ja nicht umsonst schon länger. Aber mir fällt immer wieder was ein. Für die meisten zumindest. Die Kandidaten, die heute dran sind, machen es einem aber wirklich nicht schwer.

Das wäre mein Modell „T“-Schnitt, aus drei verschiedenen Jerseys gearbeitet. Jeder für sich ergäbe kein Kleid mehr oder nur ein kurzärmeliges Top, aber zusammen sind sie stark ;) Der orangefarbene wäre der Stoff vom Riffelkleid, daraus will ich eine geschwungene Blende und die Ärmelabschlüsse machen. Die Blende soll mittig etwas schmaler sein als aussen. Dazu gesellen sich zwei blaue Kollegen, beide etwas glänzig, aber ich nehm die mit der matteren Seite nach aussen.

Als Pocketprint könnte ich endweder den NASA*-Schriftzug nehmen oder das Symbol der Rebellion (Krieg der Sterne). Wäre beides süß und nach Weltraum-Flugbegleiterin sieht das Kleid sowieso aus. Da bin ich noch etwas unschlüssig, aber das kommt sowieso erst wenn das Kleid fertig ist. Und bevor es so weit ist, muss ich erstmal den Schnitt abmalen und neu aufteilen.

Hinten die Blende lieber grade machen oder auch geschwungen?

*Der Schriftzug der NASA ist, wenn man mal genau hinschaut, auch sehr retro. Und auch wenn sie grade die eigene bemannte Raumfahrt einstellen, finde ich man darf auch mal auf real life science fiction zurückgreifen.