Rhapsodisch eklektizistisches Schuhwerk

23. März 2012 (20:51 h) – Tags: , , ,

 Stimmung: Ich sollte längst schlafen, muss morgen soooo früh aufstehen!

Hab ma Schuhe jekoft. Kieka:

Mal den Preis raten?

Adidas, Star Wars Edition, das könnten schon gut mal 170 Euro sein, oder?

Ich sags euch. Ganze 17 Euro haben mich die Schuhe gekostet. Da sahen sie aber noch so aus:

Ich wollte neulich ein paar Schuhe zum Arbeiten kaufen und anstatt solchen fand ich diese orangefarbenen Hightops in einem der lokalen Billigläden. Und sofort war ich an die Adidas Originals x Star Wars Kollektion von 2010 erinnert. Von denen hatte ich hier schon mal geschwärmt. Die wunderbaren Skywalker-Sneaker sind inzwischen natürlich nicht mehr zu haben. Aber hey, schreien diese Billigtreter nicht geradezu nach einem Umbau? Ich meine, sie haben RIFFELSTREIFEN..!

Also habe ich sie gekauft und gemoddet. Erstmal natürlich die Streifen. Dafür habe ich Malerkrepp mit der Zickzackschere zurechtgeschnitten und als Schablone aufgeklebt.

Dann habe ich die zu bemalenden Stellen vorsichtig mit Nagellackentferner abgerieben, falls die Schuhe gefettet sind. In Ermangelung von weißer Acrylfarbe habe ich eine Emaillefarbe aus dem Modellbau verwendet um die Streifen noch vorsichtiger auszumalen. Die Farbe deckt sehr gut, ob sie für Schuhe elastisch genug ist wird sich zeigen.

Nur durch die aufgemalten Streifen haben die Schuhe ihren Kaufpreis schonmal optisch verfünffacht. Schon bemerkenswert, wie man auf solche Warenzeichen konditioniert reagiert.

Um die weißen Kappen der Skywalker Originale nachzuahmen und die Schuhgröße optisch um eine Nummer zu reduzieren habe ich vorne an der Spitze einen weißen Streifen aufgemalt. Den hellen Knöchelbereich mit dem schwarzen Streifen habe ich an der Ferse nachgeahmt.

Für den typischen Modellschriftzug habe ich eine Schablone aus Klebefolie gemacht. Auf die getrockneten Schuhe aufgeklebt und zaghaft mit silberner Acrylfarbe ausgemalt. Mit wenig Unterlaufen auch erstaunlich gut zu lesen. Auf dem hinteren Schuh sieht man noch die Schablone.

Damit wollte ich eigentlich fertig sein, aber dann entdeckte ich beim Rumkramen im Internet die Grafiken die bei Adidas auf die Zunge genäht sind. Die mochte ich ohnehin sehr gerne, aber wie sollten sie auf die Schuhe kommen? Die Motive sind für Schablonen oder fürs Durchzeichnen viel zu kompliziert.

Dann erinnerte ich mich an einen Trick den Natron mir mal verraten hatte. Man kann das unglaubliche Freezerpaper, was ich ja schon erfolgreich für Schablonen verwendet habe, auch auf einen Stoff bügeln und diesen dann im Tintenstrahldrucker bedrucken. Epson-Originaltinten sind sogar wasserfest. Das wollte ich schon lange mal ausprobieren.

Und siehe da: Es funktioniert! Ich habe Baumwollbatist verwendet und hatte befürchtet die Farbe würde nicht in dem lockeren Stoff sondern auf dem Freezerpaper hängen bleiben, aber tatsächlich ist nur sehr wenig auf das Papier durchgesuppt. Die Motive sind sehr klar und farbintensiv geworden (Ich hatte die Druckqualität auf „optimales Foto“ und die Papiersorte auf „Normalpapier“ gesetzt). Lediglich in den kleinen Härchen die vom Stoff hochstehen ist noch ein wenig Tinte hängen geblieben und verpasst dem Motiv einen leichten Grauschleier. Bei der Verarbeitung hat sich das aber ganz gut vertüddelt. Wassertest haben meine Probedrucke auch bestanden. Ich brauchte die schönen Drucke also nur auf Vlieseline bügeln, die Ränder unterschlagen und das Ganze dann von Hand aufnähen. Die Wucht in Tüten!

Und hier sieht man dann auch die Rückseiten mit den dunklen Streifen. Eventuell werde ich die weißen Kanten noch etwas abrunden damit sich die Form organischer an die Linien des Schuhs anpasst. So erscheint es mir noch etwas hart. Wobei die neu erstandenen Schnürsenkel den Schwarzanteil schonmal gut ausbalancieren.

Ich bin total happy mit den Schuhen. Einmal natürlich weil orange das neue pink ist und ich nun tatsächlich meine Star Wars Sneaker habe, zum Anderen aber auch weil das hier ein tolles Projekt mit vielen glücklich zusammengefundenen Komponenten ist. Die essentiellen Riffelstreifen brachten die Schuhe selber mit, die Idee Klebeband mit der Zickzackschere als Schablone zuzuschneiden habe ich neulich hier gesehen, für die Schriftzugschablone konnte ich auf einen Plotter zurückgreifen und die hundertste tolle Verwendungsmöglichkeit für Freezerpaper hat mir wie gesagt Natron verraten. Man muss also nicht dauernd das Rad neu erfinden sondern bloß Quellen haben ;)

The glories of Schrägband

29. September 2011 (10:00 h) – Tags: , ,


Nach der dramatischen Entwicklung, die der Reißverschluss-Nebenplot genommen hatte, ging es relativ ruhig mit dem Schrägband weiter. Ich soll die Kanten der Corsage nicht sichtbar mit Schrägband einfassen, sondern wollte das innen wie eine Art Beleg annähen und damit die Kanten schön und ohne sichtbare Nähte verarbeiten. Aber dazu brauchte ich ja erstmal Schrägband aus der Oberseide.

Und, wie erfreulich, da hat Natron schonmal was vorbereitet. Ihr kennt ja hoffentlich die Anleitung für selbstgemachtes Schrägband auf N&S, wenn nicht, lege ich sie euch wärmstens ans Herz. Vor allem der Schrägband-O-Mat begeistert mich immer wieder. Was der einem an Rechenleistung abnimmt und wie komfortable die Sache dadurch wird! Unglaublich! Wo sonst im Internet gibt es sowas? Natron, du hast meine volle Ehrerbietung für dieses Feature!

Und das sind die Arbeitsschritte: Ulkiges Parallelogramm zeichnen, zu schiefer Röhre zusammennähen, einen magischen Streifen daraus schneiden und mit Hilfe des Schrägbandformers zu astreinem Schrägband zusammenbügeln. Klappte auch in dem etwas festeren Seiden-Baumwoll-Köper ganz toll.

Das Schrägband habe ich also entlang der Oberkante der Corsage angenäht, nach innen gefaltet und später von Hand dort festgenäht. Als die Oberkante fertig war, konnte ich die entgültigen Längen der Spiralstäbe festlegen, diese ablängen und mit metallenen Endkappen versehen. Nun sind Stäbe und Planchette an ihren Einsatzorten und die Corsage wiegt ganz gut was.

Es bleibt mir noch, die Unterkante ebenfalls mit Schrägband zu verarbeiten und die Ösen sind auch noch nicht eingeschlagen. Aber dafür ist noch Zeit. Für jetzt freue ich mich über den zwischenfalllosen Arbeitstag und zeige nochmal wie hübsch und ordentlich das Schrägband dann im Einsatz aussieht.

Unten die Außenseite, oben ein Blick auf das Futter und den Besatz aka Schrägband. Winzige Stiche, die meine Finger ganz schön gequält haben.

So sieht die hintere Mitte von innen aus. Die Außenpaneele mit dem Zipper sind zu sehen (und eigentlich nicht so schief), weil die Schnürpaneele abgeschrägt und etwas kleiner sind. Die Futterseide habe ich nicht bis ganz an die Kante gezogen damit die Ösen da keine Löcher reinstanzen und der feine Stoff sich nicht aufribbelt. Auf dem Bild ist viel unsichtbare Handnäherei im Spiel. Macht Arbeit, ist aber notwendig und, um es mit Burda zu sagen, „couturig“. Steh ich total drauf.

Ist aber natürlich im Massen eine Qual für meine Finger. Als ich die Ösen gekauft habe, hatte ich schon mit einem ledernen Fingerhut geliebäugelt, wollte dann aber kein Geld dafür ausgeben. Aber das Prinzip hatte ich mir abgeschaut. Und hab meine Sportbandagen dann selber gemacht. Aus Resten eines festen, elastischen Kunstleders (von Fringy!) ist dieser Fingerschutz für die Stellen, an denen ich schon kaum mehr Hornhaut habe, entstanden.

Soweit ganz bequem, die Nahtzugaben bei dem Teil vom Mittelfinger könnte ich noch weiter zurückschneiden. Da ich ja heute die Corsage fertigstellen und dazu Schrägband an die untere Kante nähen möchte, kann ich die Kollegen gleich mal in Aktion testen.

Parabelflug

26. September 2011 (10:14 h) – Tags: , ,

 Stimmung: Gnaaaaahh!


Meine Motivation in Sachen Brautkleid war deutlich besser geworden, als tatsächlich sowas wie eine Corsage erkennbar wurde. Die Innenlagen habe ich jetzt komplett zusammen. Auch die verstärkenden Unterlagen für die Ösen habe ich eingebaut und schon sämtliche Tunnel für Stäbe abgesteppt. Damit solche Nähte an den Kanten (in diesem Fall den Schnürungskanten) auch parallel verlaufen, habe ich ein Hilfsmittel gebaut. Das was da auf dem Bild so murksig aussieht, sind eigentlich zwei zusammengeleimte Lagen dicker Pappe, die mit starken Magneten auf der Nähmaschine positioniert werden und dann als eine Art Führungsschiene dienen. Ich lasse den Stoff vorsichtig daran entlanggleiten und die Naht wird erstaunlich grade.

Außerdem sind meine Kurzwaren von Piccoli angekommen und ich hab dann auch gleich die Planchette für die vordere Mitte eingenäht. Damit ist bis auf die Ösen (die hab ich vergessen zu kaufen) alles an Chichi in den Innenlagen.

Ich muss nun also unweigerlich mit den Seidenstoffen anfangen. Uahaaah. Die Oberseide habe ich dann auch gehorsam gebügelt und meine Schnittteile darauf übertragen. Als ich drei von den Teilen zusammengenäht hatte und mal die Wirkung der Vorderseite testen wollte, musste ich aber feststellen, dass eine Stelle, die ich für einen Fussel gehalten hatte, ein knallharter Fleck in der Seide ist. Argh! Waschen? Gleich neu zuschneiden? Gefrustet hab ich den Kram erstmal weggelegt. Da geht sie wieder hin, die Motivation.

Das ist immerhin der momentane Stand der Dinge. Der Schneiderbüste passt die Corsage nicht so richtig, aber man kann mit viel Phantasie schon erahnen, was daraus werden soll.

Der Fischer un sin Buex

9. Mai 2011 (13:19 h) – Tags: , , ,

Wie bereits mehrfach erwähnt, schlägt die berüchtigte Burdastyle-Thai-Fischerhose immer größere Wellen. Erst gab es ja nur eine Natron-Version. Dann kam meine Glitzerhose, nun plant Natron eine für Muttern und ich habe ebenfalls noch eine Hose genäht. Dabei habe ich stumpfdumm von Natron nachgemacht. Das ist überhaupt der große Trend momentan bei meinen Nähaktivitäten: Einfach Natron kopieren. Thai-Fischerhose, Ruby, Minigonna, Aladins Jogginhose, Festivaltasche … stand oder steht alles auf meiner Nähliste. Hat Natron eigentlich schonmal was von mir nachgemacht?

Hier also: die Fischerhose. Ich sage gleich, meine Version des Burdaschnittes gab es damals noch kostenlos zum Runterladen, es kann durchaus sein, dass sie den nochmal überarbeitet haben, jetzt wo er sagenhafte 2,50 Dollar kostet. Wenn nicht, wäre das vielleicht mal nötig. Ich bin nämlich voll davon überzeugt, dass wer auch immer den Schnitt und die Anleitung verzapft hat, dabei noch was anderes getan hat. Sowohl im Print-At-Home-Schnitt als auch in den Instructions fehlen Informationen, sind welche falsch oder doppelt. Nichts, was die Herstellung der Hose unmöglich macht, so schwer ist sie ja nun auch wieder nicht. Aber für einen Anfänger vielleicht unnötig verwirrend.

Durch die Klippen in der Anleitung wurde ich also ärgerlicherweise gezwungen mein Gehirn anzuschalten. Und habe es dann als ich die Anleitung verstanden hatte, vergessen wieder auszuschalten. Deshalb habe ich, genau wie Natron damals, zu viel mitgedacht und eine meiner Taschen erstmal spiegelverkehrt platziert. Merke: Bei dieser Hose sind alle Teile genau gleich! Nichts wird gegengleich zugeschnitten! Also musste ich trennen. Weil meine Taschen (Natrons Taschen) aber mit Klett geschlossen werden, musste ich auch eine Hälfte des Kletts wieder runterrupfen. Große Freude! Beim erneuten Annähen war dann erstmal der Unterfaden leer, dann zerbrach die Nadel und als ich dann bereits ein riesiges Garnknäul von zwei gescheiterten Nähversuchen auf dem Klett hatte, wollte ich eigentlich am liebsten ins Bett gehen.

Hier sieht man den abgesteppten Klett nur sehr schlecht. Das kommt auch in echt nicht stärker raus. Die großen Taschen sind meiner Meinung nach eine der besten Änderungen an der Hose. Die machen nicht viel Arbeit (wenn man sie denn gleich richtig platziert) sind praktisch und geben der Hose etwas fast schon Skatermäßiges. Mit weißem Wifebeater-Hemdchen kombiniert kann man die schwarze Version auch als Kampfhose tragen.

Die zweite wichtige Änderung am Originalschnitt ist die Verlängerung der Hosenbeine um zehn Zentimeter. Ich bin ja, bedingt durch traumatische Erfahrungen während meiner Schulzeit, allergisch gegen zu kurze Hosen. Das muss stuken! Auf dem Boden schleifen! Und gut, wenn es regnet kann man die Hosenbeine ja zusammenraffen. Natrons Tunnel mit Bindeband habe ich ebenfalls übernommen, allerdings aus reiner Verpeiltheit die Knopflöcher für den Bändchenauslass innen an den Saum gemacht. Wollte ich nicht mehr ändern und ist eigentlich auch okay so. Meine Knopflöcher werden ja sowieso niemals Schönheitsköniginnen.

Kommen wir nun endlich mal zu dem Teil, den ich nicht bei Natron nachgemacht habe. Dem Umklappbund. Bei Burdas wird der nicht gefüttert, sie machen sich aber auch nicht die Mühe die Nahtzugaben ordentlich zu versäubern. Ich schon. Ich habe zwei Nähte auf dem Bund (anders  ging es nicht aus dem Stoff) und beide sind mit Schrägband eingefasst. Die Oberkannte habe ich doppelt umgeschlagen. So sieht der Bund auch schon innen ordentlich aus und man kann ihn getrost umklappen. Leinen ist ja von beiden Seiten schön.

Wenn man zuerst die Nahtzugaben der senkrechten Nähte mit Schrägband einfasst und dann die waagerechte Kante doppelt umschlägt, dann hat man an zwei Stellen sehr viele Stofflagen übereinander. Es gibt aber einen Trick wie man die problemlos übernähen kann, zeige ich euch mal. Und zwar näht man bis an die dicke Stelle ran. Meine Maschine näht auch immer ganz gut rauf, runter kommt sie aber nicht mehr ohne Stiche auszulassen. Also nähe ich bis auf den Knubbel. Dann versenke ich die Nadel im Stoff und hebe den Nähfuss an. Und nun kommen unsere Helfer ins Spiel. Zwei Plastikverpackungen von Nähnadeln. Es gibt da dickere und dünnere, die Dünnen von Schmetz funktionieren bei mir am besten. Vor den Knubbel legen wir jetzt die zwei Nadelpäckchen, und zwar so, dass eine Gasse frei bleibt in der die Nadel weiternähen kann.

Seht ihr was ich meine? Wenn man nun weiternäht gleitet der Nähfuss auf die Plastikpäckchen, der Druck wird aber auf den Stoff weitergeleitet. Ich nähe so weit auf dem Plastik bis das hintere Ende vom Nähfuss über die dicke Stelle ist. Dann wieder Nadel versenken, Fuß hoch, die Verpackungen entfernen, Fuß runter und weiternähen als wäre nichts passiert. Mit dieser Technik kann man sicher auch auf den Hubbel „aufsteigen“, wenn die Nähmaschine da schon Probleme macht. Wichtig ist halt, die Nadelpäckchen so zu platzieren, dass die Nadel nicht behindert wird und ganz normal weiternähen kann. Ich finde diese Technik super und man muss auch kein extra Zubehör dafür kaufen (wobei es das auch gibt).

Die Fischerhose war dann auch ganz schnell fertig, hat wirklich nur einen Sonntag gebraucht. Ein toller Schnitt der an sich nicht kompliziert ist und schnell genäht. Super Projekt! Es geht aber noch schneller. Wo ich grade bei asiatischer Folklore war, habe ich nämlich noch schnell einen Lungi genäht. Der Lungi ist quasi die Rockversion der Fischerhose und wird von den Männern die keine Fischer sind fast überall auf dem asiatischen Kontinent getragen. Es ist eigentlich nur eine Röhre aus Stoff die wie die Fischerhose eingefaltet und am Bund traditionell eingerollt wird.

Ich habe aber fischerhosenmäßig ein Bindeband angesetzt. Der von mir verwendete (paillettenfreie!) Saristoff ist nämlich ziemlich durchsichtig und wenn man den am Bund umschlägt, hat man immerhin schonmal zwei Stofflagen über dem Hintern. In der Öffentlichkeit sollte man wohl trotzdem besser was druntertragen. Ich habe hier, weil es insgesamt zwei Meter Stoff sind, zwei Falten gelegt. Kann man bei der Hose übrigens auch machen.

Ein ganz, ganz einfacher Schnitt der echt in dreißig Minuten umgesetzt ist. Hätte ich nicht die Schnittkanten begradigen müssen, hätte es nichtmal Verschnitt gegeben. Perfekt für großgemusterte Stoffe die man vielleicht auch noch für was anderes verwenden will. Eine Naht, eine Bindeband. Der einfachste Rock der Welt.

Thank you for smoking.

11. Februar 2011 (16:51 h) – Tags: , ,

Einen der seltsamen Jerseys die ich neulich auf dem Türkenmarkt gekauft hatte, habe ich schon in ein Kleidchen verwandelt. Falls doch irgendwann wieder Sommer werden sollte, so mit 30° im Schatten. Der Schnitt ist Kleid 105 aus der Burda 07/2010, inzwischen ein Null-Euro-Downloadschnitt, falls also wer Interesse hat ;) Ich habe den Bordürenjersey verwendet, allerdings mit der Webrichtung, nicht mit der Bordüre. Die verläuft nun von oben nach unten, was bei diesem Schnitt ein netter Effekt ist, sich aber sonst wohl kaum sinnvoll unterbringen lässt. Mir wäre jedenfalls nicht viel anderes eingefallen.

Für die Rückseite hab ich den Stoff einmal um 180° gedreht, so geht an der Seitennaht der gelbe Bereich in gelb über und der dunkle wieder in braun. Fand ich irgendwie harmonischer, und je nachdem welche Seite man nach vorne dreht kann man die Bordüre links oder rechts tragen. So von der Seite betrachtet wirkt es wie zwei verschiedene Kleider.

Noch ein bisschen Details zur Entstehung: Ich hatte ja neulich im Forum darüber gesprochen, wie viel Mathe man fürs Nähen braucht.  Und prompt sprang es mich bei dieser wirklich wenig komplizierten Klamotte wieder an. Der Rockteil wird eingereiht und an den Brustteil angesetzt, das heißt, im ursprünglichen Zustand ist er etwa zwanzig Zentimeter breiter als der Brustteil. Ich wollte aber, dass der Rand der Bordüre durchgeht, also bei beiden Teilen auf knapp 40 Prozent liegt. Und da war sie, die Mathematik in Form von Prozentrechnung.

Als das einmal aus dem Weg gerechnet war, ging es dann mit der nächsten Herausforderung weiter. Mein erster Smok. Die Burda sagte, ich solle einen Gummifaden mit Zickzack übernähen und später anziehen. Ach was, einen, zehn! Das sah dann schonmal so aus:

Geholfen hat mir dabei der Kordelfuß meiner treuen Necchi. Der hat vorne ein Loch, durch welches gerade ein Hutgummi passt und auf der Unterseite eine Aussparung für eben jenes Gummi. Man muss sich also schon ganz schön anstellen um das Gummi mit dem Zickzack festzunähen. Ich habs nicht geschafft ;)

Das Smoken hat also ziemlich gut geklappt und hätte noch mehr Spaß gemacht wenn ich mich mit den Nahtzugaben nicht so verhühnert hätte. Auf jeden Fall macht es mir immer Freude, ein neues Werkzeug oder einen neuen Trick zu entdecken. Einer den ich schon länger anwende ist das Einreihen mit Hilfe von Kettelmaschine und Angelsehne.

Man kann die Angelsehne nämlich ähnlich wie den Gummifaden gleich mitlaufen lassen wenn man einen Overlocksaum macht. Es gibt da einen kleinen Vorsprung am Nähfuß wo man den Nylonfaden einhaken kann. Das geht prima. Auf der Angelsehne kann der Stoff später problemlos zusammengeschoben werden und wenn er einmal angenäht ist, zieht man den Hilfsfaden einfach wieder raus. Doll.

Das Tubekleid würde ich gerne nochmal nähen, wenn mich mal wieder ein (tendenziell eher groß gemusterter) Jersey anspricht. Dann könnte ich mir auch vorstellen den Saum 25 cm weiter nach oben zu versetzen. Das wär bestimmt auch süß.