Piraten, Cowboys und Banditen.

6. März 2013 (17:18 h) – Tags: , , , , ,

Musik: Bruce Dickinson - King In Crimson | Stimmung: Jetzt ärgert es mich noch mehr, nicht zu Alestorm auf dem Paganfest gehen zu können.

Die Bronchitis ist glücklicherweise auf dem Rückzug. Ich kann zwar immer noch nichts Anstrengendes machen und verlasse meine Wohnung nur wenn es wirklich nötig ist, aber zuhause rumhampeln geht schon wieder ganz gut. Deshalb habe ich heute die Sachen die ich neulich genäht habe für euch fotografiert.

Schon vor einer ganzen Weile kaufte ich grünen und currygelben Rippjersey auf dem Türkenmarkt. Aus dem grünen habe ich das Shirt mit den Ringdrückern genäht. Der Stoff ist sehr weich und angenehm, ich hab mich gefreut als ich den nochmal bekommen habe. In gebrochenem weiss, da wußte ich sofort was der werden soll. Ein Cowboyunterhemd.

Neben Retro-SF habe ich auch eine kleine Schwäche für Western. Es gibt ja kaum einen Typ, der so eine inhärente Lässigkeit besitzt wie der Cowboy. Da kann man modisch ruhig mal drauf zurückgreifen. Auch wenn ich im echten Leben Schiss vor Pferden habe.

Beim Cowboyunterhemd habe ich den ersten Poloschlitz meines Lebens gearbeitet. Und den gleich in Jersey. Weil ich das Material mit dünner Bügeleinlage verstärkt hatte ging das aber ganz gut. Die Knöpfe sind aus Holz und waren vor gefühlten zwanzig Jahren mal an einem gekauften Kleid dran. Den Ausschnitt habe ich mit einem Jerseystreifen eingefasst, wie Schrägband aber unsichtbar von Hand angenäht. Der Rest ist mein Modell „T“-Schnitt, für den ich neulich erst lange Ärmel gezeichnet habe.

Der Idylle wegen habe ich dazu eine dunkle Jeans (sogar Lewis!) und meinen Gürteltier-Gürtel kombiniert. Brauche ich noch einen Cowboyhut und einen unrasierten Kerl der mit mir schweigend in den Sonnenuntergang reitet.

Falls das nicht klappt hätte ich noch ein anderes Klischee. Eigentlich geht mir der ganze Piratenrummel den die Industrie da nimmermüde raushaut ziemlich auf den Senkel. Der Pirat ist mir auch ein wenig zu tagesaktuell und frei von ritterlichen Tugenden um ein wirklicher Held zu sein, aber manchmal… naja, es ist ja nur Mode.

Ich hatte ursprünglich auch gar nicht vor, auf einem Seelenverkäufer anzuheuern, ich wollte bloß ein Paar längsgestreifte Leggings nähen die an der Naht keine Cevrons bilden. Also nicht aus gestreiftem Stoff sondern mit Hilfe eines längs zerteilten Schnittes und zwei Farben Jersey. Schwarz-weiß war mir zu kontrastreich, mein Dealer hatte khaki und schwarz, hab ich das mitgenommen.

Aus einem so megasimplen Schnitt wie einer Leggings ganz viele Einzelteile zu machen hat sich nicht ganz richtig angefühlt, aber mit der Kettelmaschine sind die ja schnell wieder zusammen. Auf den Stoff übertragen und ausschneiden macht weniger Spaß.

Den Bund habe ich so gemacht wie bei der Usher-Leggings, mit einem Umkrempelstreifen. Das funktioniert prima. Die Säume habe ich nur abgekettelt, da trage ich sowieso Stiefel drüber.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob da noch ein Streifen mehr pro Bein sein sollte und alle dann entsprechend schmaler. Vielleicht mache ich nochmal eine Version. Mit rostrot wären die Hosen sicher auch schön.

Obwohl mir das gezeigte Outfit fürs Rausgehen zu viel wäre mag ich den Ethno-Touch an meiner Piratin. Hätte ich noch mehr gesucht, hätte ich bestimmt noch ganz andere Teile dazu kombinieren können. Was mal wieder beweist, wie viele abgefahrene Looks man eigentlich schon im Schrank hat ohne es zu wissen.

Fehlt noch der Bandit, nee?

Der ist mehr eine Transferleistung und ausserdem der Beweis, dass Diebstahl zu keinem guten Ende führt. Wer Natrons Blog liest erinnert sich an dem Zimtrock. Den schönen, simplen Zimtrock. Als sie mir davon am Telefon erzählte wollte ich auch gerne so einen Rock nähen. Halt nicht genau so, mein Bund sollte geschwungen und vorne spitz sein, aber den sichtbaren Zipper und die Materialien wollte ich größtenteils übernehmen. In Ermangelung von Zimtstoff wählte ich einen dunkelblauen Leinenbatist aus meinem Bestand den ich farblich passend unterfüttern wollte.

Also die Idee war gut, und dass sich das Kunstleder beim Absteppen ein wenig verzogen hat sieht man jetzt auch nicht auf den ersten Blick, aber… Wir werden keine Freunde. Der Bund ist zu weit geworden weshalb der Rock total nervig rutscht, die Länge gefällt mir irgendwie auch nicht so richtig und mein Batist fällt bei weitem nicht so schön wie Zimti. Ändern wäre eine ganze Menge Arbeit, das werd ich wohl nicht tun. Ich werd den Rock ausser Sichtweite lagern und irgendwann vermutlich den Reißverschluss und die Spitzenborte am Unterrock abtrennen und den Rest entsorgen. Passiert.

Immerhin, das Shirt was ich da anhabe ist auch neulich genäht. Der Stoff lag seit letztem Sommer. Mit dem Plan ein ganz simples Modell „T“ zu werden. Hab ich mal schnell gemacht. Einen schwarzer BH drunter und es gibt nichts dran zu meckern.

Mehr Glitzerstreifen!

6. Juli 2012 (14:58 h) – Tags: , , ,

 Stimmung: Zu doof zum Eincremen -> Sonnenbrand

Vor einer Weile war ich auf dem Türkenmarkt um grauen Jersey zu kaufen, für ein Projekt das hier bestimmt auch demnächst auftaucht. Da projektbezogenes Einkaufen auf dem Markt aber nur sehr selten funktioniert, haben sich noch mehr Stöffchen in meine Einkaufstasche geschlichen.

Einer davon ein zartes, olivfarbenes Baumwollgewebe mit Bordüren und silbernen Glitzerfäden. Fast wie der Stoff aus dem mir Natron neulich das gar nicht mehr scheußliche Tubekleid gezaubert hat, nur ein wenig fester. Davon war noch ein Meter auf dem Ballen, den hab ich gerne mitgenommen. Hatte nämlich sofort die Idee, da ein ganz einfaches kurzes Röckchen draus zu nähen und einen Farbverlauf reinzufärben. Sowas hatte ich vor Urzeiten mal bei einem schönen Mädchen irgendwo im Internet gesehen. Und braune Batikfarbe war auch noch in meinen häuslichen Beständen zu finden, vor ebenfalls längerer Zeit mal auf dem Hollandmarkt erstanden.

Zu Hause habe ich den Stoff vorgewaschen und nach dem Trocknen erstmal gebügelt. Dabei ist seine seersuckermäßige Struktur vorübergehend verschwunden, er ließ sich so aber leichter nähen. Zwei Streifen in Stoffbreite und etwa 40 cm Höhe gerissen, zu einem Ring zusammengesetzt, gesäumt und oben einen Tunnel für ein Gummiband eingenäht. Das ging wirklich schnell.

Dann habe ich das Färbebad angesetzt und eine dolle Konstruktion gebaut, an der ich meinen auf einen Hosenbügel gefalteten Stoff befestigen konnte. Der sollte ja nicht ganz in die Farbe, sondern nur mit dem Saum. Nach oben hin hätte ich die Farbe dann gerne heller. Für diesen Effekt habe ich den Rock nach jeweils ein paar Minuten immer weiter aus der Brühe gezogen, ganz oben habe ich nur kurz getaucht.

Das Ausspülen war wie immer eine schöne Sauerei. Aber die Badewanne könnte eh mal wieder jemand putzen.

Über Nacht durfte mein Noch-Nicht-Röckchen dann trocknen und heute habe ich nur noch den Gummi reingezogen. Kein großer Aufwand. Nähtechnisch ist der Rock also wirklich keine große Sache. Man muss ja auch mal einfache Dinge machen.

So sieht er jetzt aus. Wenn ich ganz toll gewesen wäre, dann hätte ich den Saum gleich mit einem braunen Garn genäht. Aber da war ich hirndumm, wie Natron sagen würde. Ist auch egal, das olivfarbene Garn fällt nicht so sehr auf. Alles in allem eine schöne, schnell gemachte Sommerklamotte, bei der die einzige Herausforderung in der Auswahl des richtigen, weich fallenden Stoffes liegt. Sähe bestimmt auch mit überfärbtem Musterdruck hübsch aus.

Neben dem olivfarbenen Baumwollgewebe habe ich noch einen anderen Stoff nach Hause geschleppt, den ich euch auch gerne noch zeigen möchte. Den habe ich nämlich nicht gekauft weil ich ihn unbedingt brauche, sondern weil er mich amüsiert hat.

So sah ich ihn auf dem Ballen. Was Helles mit Schriftdruck, sieht ein bisschen wie Buchseiten aus. Mal genauer hinsehen, Textdruck finde ich eigentlich ganz hübsch. Schnell stellte sich heraus, dass der Text aus immer wieder der gleichen Bezeichnung in verschiedenen Sprachen bestand.

Und als ich dann las, was da stand, musste ich fast lachen. Griffmuster! Dieser Stoff war nie dazu gedacht, am Meter verkauft zu werden. Den sollte irgendwer in Textblöcke schneiden und als Qualitätsprobe verteilen. Aber meine Türken haben einen unbändigen Geschäftssinn, die verkaufen alles. Mit Erfolg, wie man sieht. Ich werde daraus ein Futter für irgendwas machen, denke ich. Der Stoff hat eine etwas glänzende Oberseite, das würde sich gut eignen. Und ich mag Geheimnisse (und Witzchen) in der Innenverarbeitung.

 

Minigonna get you

31. Mai 2011 (12:59 h) – Tags: ,

„Io prendo una birra, per favore!“ Und damit sind meine Italienischkenntnisse weitestgehend erschöpft. Trotzdem habe ich mich an einen Schnitt aus der italienischen „La mia boutique“ gewagt. Nicht ganz allein, die Pionierarbeit hat nämlich Natron schon erledigt. Sie hatte den kleinen italienischen Minirock bereits im letzten Jahr genäht und ich habe insofern davon profitiert, als dass ich mich nicht mehr Satz für Satz durch die Nähanleitung kämpfen musste sondern einfach das nachgemacht habe, was ich bei Natrons Rock abschauen durfte. Italienisch habe ich also nicht gelernt.

Mit Vorlage war der Rock nicht schwer zu nähen, hat aber gedauert weil er aus sehr vielen sehr kleinen Teilen besteht. Ich habe fast einen Meter Baumwolle mit Camodruck aufgebraucht, nur die Tiefe der Blasebalgtaschen habe ich aus dünnerem Material zugeschnitten. Damit da nichts aufträgt. Ein sichtbarer und ein unsichtbarer Reißverschluss sind von alten Cargohosen meines Freundes abgetrennt und die Knöpfe wie üblich von meinem Kurzwarendealer am Maybachufer. Nun lasset Bilder folgen!

Werfen wir noch einen Blick auf die Details, sie haben mich viel Zeit gekostet. Erstmal habe ich den Schnitt nur sehr geringfügig geändert. Einmal in der Länge ein paar Zentimeter zugegeben weil der Minigonna schon sehr mini ist. Und dann den Bund verändert weil ich die italienische Originalversion nur so halb verstanden hatte. Da sollte der Innenbund aus Jersey sein, genauso ein Aussen in der hinteren Mitte eingesetztes Dreieck? Damit es dehnt? Hm. Ich habe alles aus der Camobaumwolle gemacht, bei mir dehnt nix. Aber das Dreieck habe ich beibehalten, als Zierelement. Das ist irgendwie so rührend achtziger.

Die Gürtelschlaufen sind auch entsprechend im Dreieck angenäht. Ausserdem erkennt man, dass ich Bund und Sattel und überhaupt alle (Kapp-)Nähte nochmal sichtbar abgesteppt habe. Das passt zum funktionalen Look des Druckes und hebt auch die Schnittstruktur gegen das Muster etwas hervor. Die Gesäßtaschen sind mit drei Abnähern beutelig gemacht, das habe ich so noch nirgends gesehen, ist aber eigentlich ganz cool. Engineered.

Vorne sind die Taschen mit Kellerfalte, die linke hat zusätzlich diesen aufgesetzten Zierreißverschluss. Farblich dazu passen die messingfarbenen Knöpfe mit Wappenlogo auf schwarz. Die Vordertaschen haben dann noch einen Streifen als Tiefe angenäht, damit stehen sie blasebalgmäßig vom Rock weg. Ganz schön viel Volumen für einen glatten Minirock. Aber ich mag diese Details, das ist mal was anderes. Italienisches Design, ne?

Rollrasenverlegerversagerbesiegerkopierer

19. Mai 2011 (21:32 h) – Tags: , ,

Vielen Dank für eure lieben Kommentare zum TZK! Ich hab mich gefreut, dass es bei fast allen von euch auch so gut angekommen ist wie es mir gefällt.

Als Lockerungsübung nach dem ganzen mega-ordentlichen Gefummel mit Goldbrokat habe ich zwei von Natron getestete Sachen eingeworfen. Einmal die schon seit einiger Zeit angekündigte Aladinhose und zum anderen den kurzen Sari-Wickelrock der bei Natron quasi als Abfallproduckt meiner Thai-Fischerhose entstanden ist. Fangen wir mal mit dem Rock an.

Ich habe einen schwarzen Sari mit roter Bordürenkante verwendet. Ja, schwarz-rot, die von mir viel geschmähte Farbkombination billiger Unterwäsche aus dem Sexshop. Wirklich nicht meine liebste Zusammenstellung, aber mit dem ganzen Flitter und Muster drüber hats mir gefallen. Immerhin gut mit schwarzen Shirts und Leggings zu kombinieren. Der Rock ist gänzlich unspektakulär wie der von Natron gearbeitet. Ich habe den Saristoff mit schwarzer Baumwolle in Hemdenqualität unterfüttert. Anders als bei Natron hat mein Rock Seitennähte, ich hab ihn nämlich leicht ausgestellt gearbeitet. Ging wirklich fix und war ganz einfach. Sollte man viel öfter nähen.

Und dann die Aladinhose. Ich habe Leinen verwendet und musste deshalb die Bündchen am Saum anders arbeiten als Natron. Ansonsten aber wieder stumpfdumm genau so. Spitz zulaufender Bund, Hose angerafft, Hüftpassentaschen.

Von hinten eigentlich fast genauso wie von vorne. Ich hab seitlich einen nahtverdeckten (*g*) Reißverschluss eingesetzt. Der Schritt hängt etwa auf Kniehöhe, das ist ungewohnt, aber ziemlich bequem. Definitiv eine Lieblingshose.

Das ist meine Alternative zu elastischen Bündchen. Ich habe das Hosenbein an eine Art Manschette gerafft und die äussere Seitennaht etwas weiter offen gelassen. Die Manschette überlappt und wird mit drei Druckknöpfen geschlossen. Funktioniert prima und erlaubt auch Boots zu der Hose. Ich trag aber lieber Flipflops.

Der Fischer un sin Buex

9. Mai 2011 (13:19 h) – Tags: , , ,

Wie bereits mehrfach erwähnt, schlägt die berüchtigte Burdastyle-Thai-Fischerhose immer größere Wellen. Erst gab es ja nur eine Natron-Version. Dann kam meine Glitzerhose, nun plant Natron eine für Muttern und ich habe ebenfalls noch eine Hose genäht. Dabei habe ich stumpfdumm von Natron nachgemacht. Das ist überhaupt der große Trend momentan bei meinen Nähaktivitäten: Einfach Natron kopieren. Thai-Fischerhose, Ruby, Minigonna, Aladins Jogginhose, Festivaltasche … stand oder steht alles auf meiner Nähliste. Hat Natron eigentlich schonmal was von mir nachgemacht?

Hier also: die Fischerhose. Ich sage gleich, meine Version des Burdaschnittes gab es damals noch kostenlos zum Runterladen, es kann durchaus sein, dass sie den nochmal überarbeitet haben, jetzt wo er sagenhafte 2,50 Dollar kostet. Wenn nicht, wäre das vielleicht mal nötig. Ich bin nämlich voll davon überzeugt, dass wer auch immer den Schnitt und die Anleitung verzapft hat, dabei noch was anderes getan hat. Sowohl im Print-At-Home-Schnitt als auch in den Instructions fehlen Informationen, sind welche falsch oder doppelt. Nichts, was die Herstellung der Hose unmöglich macht, so schwer ist sie ja nun auch wieder nicht. Aber für einen Anfänger vielleicht unnötig verwirrend.

Durch die Klippen in der Anleitung wurde ich also ärgerlicherweise gezwungen mein Gehirn anzuschalten. Und habe es dann als ich die Anleitung verstanden hatte, vergessen wieder auszuschalten. Deshalb habe ich, genau wie Natron damals, zu viel mitgedacht und eine meiner Taschen erstmal spiegelverkehrt platziert. Merke: Bei dieser Hose sind alle Teile genau gleich! Nichts wird gegengleich zugeschnitten! Also musste ich trennen. Weil meine Taschen (Natrons Taschen) aber mit Klett geschlossen werden, musste ich auch eine Hälfte des Kletts wieder runterrupfen. Große Freude! Beim erneuten Annähen war dann erstmal der Unterfaden leer, dann zerbrach die Nadel und als ich dann bereits ein riesiges Garnknäul von zwei gescheiterten Nähversuchen auf dem Klett hatte, wollte ich eigentlich am liebsten ins Bett gehen.

Hier sieht man den abgesteppten Klett nur sehr schlecht. Das kommt auch in echt nicht stärker raus. Die großen Taschen sind meiner Meinung nach eine der besten Änderungen an der Hose. Die machen nicht viel Arbeit (wenn man sie denn gleich richtig platziert) sind praktisch und geben der Hose etwas fast schon Skatermäßiges. Mit weißem Wifebeater-Hemdchen kombiniert kann man die schwarze Version auch als Kampfhose tragen.

Die zweite wichtige Änderung am Originalschnitt ist die Verlängerung der Hosenbeine um zehn Zentimeter. Ich bin ja, bedingt durch traumatische Erfahrungen während meiner Schulzeit, allergisch gegen zu kurze Hosen. Das muss stuken! Auf dem Boden schleifen! Und gut, wenn es regnet kann man die Hosenbeine ja zusammenraffen. Natrons Tunnel mit Bindeband habe ich ebenfalls übernommen, allerdings aus reiner Verpeiltheit die Knopflöcher für den Bändchenauslass innen an den Saum gemacht. Wollte ich nicht mehr ändern und ist eigentlich auch okay so. Meine Knopflöcher werden ja sowieso niemals Schönheitsköniginnen.

Kommen wir nun endlich mal zu dem Teil, den ich nicht bei Natron nachgemacht habe. Dem Umklappbund. Bei Burdas wird der nicht gefüttert, sie machen sich aber auch nicht die Mühe die Nahtzugaben ordentlich zu versäubern. Ich schon. Ich habe zwei Nähte auf dem Bund (anders  ging es nicht aus dem Stoff) und beide sind mit Schrägband eingefasst. Die Oberkannte habe ich doppelt umgeschlagen. So sieht der Bund auch schon innen ordentlich aus und man kann ihn getrost umklappen. Leinen ist ja von beiden Seiten schön.

Wenn man zuerst die Nahtzugaben der senkrechten Nähte mit Schrägband einfasst und dann die waagerechte Kante doppelt umschlägt, dann hat man an zwei Stellen sehr viele Stofflagen übereinander. Es gibt aber einen Trick wie man die problemlos übernähen kann, zeige ich euch mal. Und zwar näht man bis an die dicke Stelle ran. Meine Maschine näht auch immer ganz gut rauf, runter kommt sie aber nicht mehr ohne Stiche auszulassen. Also nähe ich bis auf den Knubbel. Dann versenke ich die Nadel im Stoff und hebe den Nähfuss an. Und nun kommen unsere Helfer ins Spiel. Zwei Plastikverpackungen von Nähnadeln. Es gibt da dickere und dünnere, die Dünnen von Schmetz funktionieren bei mir am besten. Vor den Knubbel legen wir jetzt die zwei Nadelpäckchen, und zwar so, dass eine Gasse frei bleibt in der die Nadel weiternähen kann.

Seht ihr was ich meine? Wenn man nun weiternäht gleitet der Nähfuss auf die Plastikpäckchen, der Druck wird aber auf den Stoff weitergeleitet. Ich nähe so weit auf dem Plastik bis das hintere Ende vom Nähfuss über die dicke Stelle ist. Dann wieder Nadel versenken, Fuß hoch, die Verpackungen entfernen, Fuß runter und weiternähen als wäre nichts passiert. Mit dieser Technik kann man sicher auch auf den Hubbel „aufsteigen“, wenn die Nähmaschine da schon Probleme macht. Wichtig ist halt, die Nadelpäckchen so zu platzieren, dass die Nadel nicht behindert wird und ganz normal weiternähen kann. Ich finde diese Technik super und man muss auch kein extra Zubehör dafür kaufen (wobei es das auch gibt).

Die Fischerhose war dann auch ganz schnell fertig, hat wirklich nur einen Sonntag gebraucht. Ein toller Schnitt der an sich nicht kompliziert ist und schnell genäht. Super Projekt! Es geht aber noch schneller. Wo ich grade bei asiatischer Folklore war, habe ich nämlich noch schnell einen Lungi genäht. Der Lungi ist quasi die Rockversion der Fischerhose und wird von den Männern die keine Fischer sind fast überall auf dem asiatischen Kontinent getragen. Es ist eigentlich nur eine Röhre aus Stoff die wie die Fischerhose eingefaltet und am Bund traditionell eingerollt wird.

Ich habe aber fischerhosenmäßig ein Bindeband angesetzt. Der von mir verwendete (paillettenfreie!) Saristoff ist nämlich ziemlich durchsichtig und wenn man den am Bund umschlägt, hat man immerhin schonmal zwei Stofflagen über dem Hintern. In der Öffentlichkeit sollte man wohl trotzdem besser was druntertragen. Ich habe hier, weil es insgesamt zwei Meter Stoff sind, zwei Falten gelegt. Kann man bei der Hose übrigens auch machen.

Ein ganz, ganz einfacher Schnitt der echt in dreißig Minuten umgesetzt ist. Hätte ich nicht die Schnittkanten begradigen müssen, hätte es nichtmal Verschnitt gegeben. Perfekt für großgemusterte Stoffe die man vielleicht auch noch für was anderes verwenden will. Eine Naht, eine Bindeband. Der einfachste Rock der Welt.

This must be…underwater love

12. April 2011 (20:13 h) – Tags: , , , , ,

Kommen wir nun zu meinen letzten Aktivitäten des vergangenen Wochenendes. Da hat sich mal wieder das Hippiemädchen in mir durchgesetzt, und wir haben schön mit Farbe rumgeschmaddert und gebatikt. Ich habe nämlich jüngst ein paar lange Stufenröcke von Natron abgetreten bekommen, darunter ein beigefarbener (das müsste der hier sein, nach der Anleitung von Sputnikkids Stufenrock). Der hat schon einige Ausflüge ins Mittelalter hinter sich und entsprechende Schlammflecken am Saum. „Kannste vielleicht batiken,“ sagte Natron. Hab ich auch gemacht.

Um den Spaß zu verdoppeln habe ich noch flugs ein weißes Modell „T“-Kleidchen genäht. Und dann bin ich los und habe Batikfarben gekauft. Oh, diese Auswahl! Gelb, orange, mohnrot? Ich habe mich dann für türkis, blau und violett entschieden. Je mehr Farbtöne desto Batik. Beim Kleidchen habe ich mit Bindetechniken gearbeitet, blau wenig abgebunden und die anderen beiden Farben dann fester damit sie weniger anfärben. Den Rock habe ich nur locker zusammengebunden (die Farbe wird ja dankenswerterweise schon von alleine fleckig) und einmal komplett blau gefärbt, türkis und violett dann nur von oben und unten in den Stoff reinsaugen lassen.

Das Gematsche im Putzeimer hat viel Freude gemacht und ich konnte dabei auch gleich die sogar unter Wissenschaftlern noch sehr verbreitete Theorie widerlegen, dass Katzen wasserscheu und farbenblind seien und deshalb für Kaltbatik nicht zu begeistern. So ein Blödsinn. Es gibt ja schließlich Strippchen!

Als wir alle grünlich-blaue Alienfinger und -pfötchen hatten, war es dann auch genug. Ich habe die beiden Kleidungsstücke in die Waschmaschine geworfen (die Katzen nicht) und als sie gestern trocken waren, sahen sie so schön aus! So meerjungfrauenfarbig! Pfauenblau! Märchenlila! Ich bin total begeistert und würde jetzt am liebsten alles einbatiken. Harrrr!

Ich denke, ich werde auf die unterste Stufe des Rockes noch goldfarbene Ornamente stempeln. Irgendwas bordürenmäßiges, orientalisches. Wobei es auf dem Foto mit silber kombiniert auch schön aussieht.

    

Das Kleidchen habe ich hier vielleicht ein bisschen sehr clashy mit Camohosen kombiniert. Das geht natürlich auch solo oder mit Leggings/anderen Hosen. Auf jeden Fall hat es diese tolle Wasseroptik bekommen. Große Liebe!

Hinten habe ich einen runden Ausschnitt gearbeitet. Die Größe ist darauf optimiert, BH-Träger und -Steg noch zu verbergen und in der Verarbeitung geht nichts ohne Vlieseline Formband. Aber sonst gar nicht schwer zu machen. Wenn die Haare länger sind kitzeln sie da im Sommer so freundlich.

Pailletten und Paisleys

28. Dezember 2010 (15:03 h) – Tags: ,

Ich habe den neulich angekündigten Paillettenrock aus der Burda 1/2011 (Rock 111)  inzwischen fertig genäht. Im Prinzip gar kein schwerer Schnitt, aber der Paillettenstoff ist gewöhnungsbedürftig. 

Man hat vom ersten Moment, in dem man dem Stoff mit der Schere begegnet, halbe Pailletten überall rumzufliegen. Außerdem weigerte sich meine Kettelmaschine beständig den Stoff zu verarbeiten. Die Pailletten waren irgendwie zu viel für sie, das Drama hat mich zwei Nadeln gekostet und schlussendlich bin ich auf die Necchi umgestiegen.  In einem normalen Stoff wäre der Rock aber überhaupt kein Problem. Dann könnte man auch Oberstoff und Futter am Bund so schön miteinander verstürzen wie es sich die Burda gedacht hat. Die Idee ist für Paillettenstoff weniger geeignet, der Bund sitzt nämlich auf Taille und die ollen Glitzerdinger pieksen ständig in die Haut. Hat so genervt, dass ich am Ende ein Satinschrägband (sogar farblich passend, wofür hatte ich das nur mal gekauft?!) um die Oberkante genäht habe. Hätte ich das von Anfang an so geplant, hätte ich mir viel Arbeit erspart.

Für das Futter habe ich einen ebenfalls noch vorhandenen Futterstoff in rot-braun verwendet. Im Gegensatz zum Oberstoff ist der aber nicht elastisch. Das macht den Rock etwas enger, es schadet bei diesem Schnitt also wohl nicht eine Größe größer zuzuschneiden, auch wenn die Burdagrößen sonst passen (wie bei mir).

Auch wenn es etwas mehr Wirtschaft war als ich erwartet hatte, mag ich den Rock gerne. Der ist so ein bisschen Glamour ohne total overdressed zu sein. Kann man bestimmt auch schön mit einem lockeren Shirt und farbigen Strumpfhosen kombinieren. Ich hab ihn zwar jetzt erstmal an Weihnachten getragen, aber eigentlich plane ich den auch für den Alltag. Glitzer forever.

U gleich pi mal d

16. Juni 2010 (21:55 h) – Tags: ,

Ich bin ja immer dafür, dass man nicht prinzipiell alles vergessen sollte was man mal in der Schule gelernt hat. Grade beim Nähen kommt einem grade Mathematik oft hilfreich zur Seite. Für meinen Sari-Stufenrock habe ich erstmal einen Schlachtplan entwickelt weil die Sache aus verschiedenen Gründen nicht so glatt lief wie ich sie mir vorgestellt hatte. Einmal hatte ich aufgrund eines Denkfehlers oder in geistiger Umnachtung, ist im Nahhinein nicht mehr zu rekonstruieren, zu wenig von dem schwarz-roten Bordürenstoff gekauft. Zwei Meter Saumumfang für einen Stufenrock wäre schon arg eng. Außerdem passte das rot sowieso nicht so richtig aber lila und grün nebeneinander gingen auch nicht weil die Pailletten in Größe und Anordnung zu ähnlich wären. Ich behalf mir also mit dem was noch da war. Aus einem alten Saristoff mit Bordüre konnte ich die unterste Stufe machen, dann grün, dann aubergine. Damit die Stufen trotz Stoffknappheit rausgingen und der Kräuselfaktor von einer Stufe zur Nächsten nicht zu unterschiedlich ausfiel habe ich also alles erstmal maßstabsgerecht gezeichnet und ausgerechnet.

Mit im Bild: Sommerfarben für die Fingernägel! Die unterste Stufe hat nun einen Saumumfang von 340 cm, das ist okay. Durch den Leinenunterrock bauscht es nochmal zusätzlich und die Pailletten funkeln sowieso, dass es eine wahre Pracht ist. Den Gummi im Bund hätte ich enger machen können, könnte ich aber auch noch ändern. Momentan hab ich keine Lust dazu.

Soweit also der Rock. Beim Styling sollte man vielleicht drauf achten, dass es mehr Hippiemädchen als rumänische Bettlerin wird, aber zu dem Behufe habe ich mir bereits Ohrringe mit Federn bzw Muschelscheiben gekauft. Dazu ein schlichtes Ripptop, Fringy, Flipfliops, fertig.