Sieben zu eins

14. September 2015 (17:50 h) – Tags: , , , ,

Musik: In der Küche läuft Doom :) 

Es gibt in meinem engeren Freundeskreis eine 7:1-Geste, bei der man an einer Hand fünf Finger hochhält und bei der anderen nur Daumen, Zeigefinger und kleinen Finger. Die Geste stammt aus Tagen der Weltmeisterschaft und besagt so viel wie: „Wenn eine Sache absolut fantastisch läuft, dann kann was anderes ruhig mal schief gehen, das ist nicht so schlimm. Ärgere dich nicht drüber, freu dich lieber über das was da grade toll läuft.“

Die 7:1-Geste beschreibt mein jüngstes Wochenende in Hamburg ganz hinreichend. Hochgefahren war ich vor allem wegen der weiteren Vervollständigung meiner Tätowierung und weil es sich terminlich anbot auch um den großen Mittelaltermarkt in Öjendorf zu besuchen. Und dann renkt sich mein Tätowierer am Abend vor unserem Termin beim Sport die Schulter aus und im Mittelalter regnet es so ausgiebig, dass ich nicht das weiße Elfenkleid anziehen mag. Yeah.

Aber egal. Hab ehrlich gesagt auch keinen Grund mich zu beschweren. War ich am Freitag halt mit Natron endlich mal wieder im Secondhand und ausgiebig Kaffee trinken.

Dieses superkitschige Achtziger-Jahre-Partykleid hatte es mir irgendwie angetan, ich weiß auch nicht warum. Schwarzer Flockdruck mit buntem Glitzer, Ballonrock, gesmokter Rücken und eine riesige Schleife auf dem Schoß. Aber trotzdem… wüsste ich eine Gelegenheit sowas anzuziehen hätte ich es vermutlich gekauft. So blieb es da und ich schleppt nur ein weiteres der unvermeidlichen Grunger-Karohemden ab.

Der Mittelaltermarkt in Öjendorf war am Samstag trotz Regen total schön. Das ist ja ein riesiges Gelände! User getroffen, Malzbier getrunken, Feuershow angesehen und Edelsteine gekauft. Passt schon.

Zuhause in Berlin habe ich in letzter Zeit einen kleinen Aufräumflash bekommen. Ich hatte ja schon erzählt, dass ich angefangen habe den Balkon schön zu machen. Dort lagerten bisher die letzten (leeren!) Umzugskartons, Bierkisten von einer längst vergangenen Party sowie lauter Kram der eigentlich in den Keller gehört. Dazwischen konnte man noch so viel treten, dass Sprühaktionen mit Bleiche durchführbar waren, anders nutzte ich den Raum aber nicht. Was ein Skandal ist!

Nun habe ich also alles rausgeräumt, die verdammten Pfandkisten in den Supermarkt zurückgebracht, die Pappe in den Müll und das Gerümpel in den Keller. Das fühlte sich schonmal super an.

Dann konnte ich das Stück Teppich ausrollen was meine Mutter mir von ihrer Auslegware gerettet hat als sie sich Laminat hat legen lassen. Mit Siouxsies großartiger Hilfe hab ich das zugeschnitten und auf dem Betonboden verklebt. Nun ist der Balkon das einzige Zimmer in dem ich Teppich habe. Die Katzen finden Teppich offenbar total toll und rollen ständig darauf rum, ich bleibe weiterhin ein Fan von Holzböden. Auch wenn ich zugeben muss, dass der Balkon jetzt natürlich viel kuscheliger und der Raum irgendwie wärmer ist.

Der Balkon ist übrigens komplett verglast, mehr wie ein Wintergarten. Nur falls euch das mit dem Teppich grade verstört haben sollte. Langfristig will ich den anders ausbauen, aber fürs erste stehen ein alter Elchledersessel drin, ein Regal aus meinem Kinderzimmer und die Pflanzen die ich weder totgegossen noch in Hamburg vergessen habe. Und dezenter Dekokikki, versteht sich.

Die Laterne ist gestern schon wieder abgeschmiert, da muss ich wohl doch einen Haken in die Decke bohren. Ansonsten aber schon alles sehr hübsch. Und auf einmal gratis ein Zimmer mehr zu haben ist auch nicht verkehrt.

Wo ich grade so auf dem Wohnungskram-Trip war habe ich auch noch schnell den Spiegel im Schlafzimmer aufgehängt. Das gute Stück habe ich neulich einer Kollegin für nen Zehner abgekauft weil Bleiglas und goldfarbener Rahmen immer irgendwo bei mir reinpassen.

Ein Platz für meine Kronjuwelen

11. April 2014 (20:36 h) – Tags: ,

Musik: Iced Earth - If I Could See You | Stimmung: Pizzaglücklich.

Hab frei. Und Pläne. Heute war ich erstmal im Baumarkt. In dem anderen, weil ich neulich zu wenig von dem was auf meiner Liste stand bekommen hatte. Aber jeder Baumarkt hat entweder das eine oder das andere. War wieder nicht komplett erfolgreich, aber immerhin habe ich diesmal keine Pflanzen als Frusteinkauf nach Hause getragen.

Was ich bekommen habe sind Regalbretter mit geschwungener Kante. So hell furniert. Eins davon habe ich angeschliffen und darauf trocknet grade die erste Schicht schwarzer Acrylfarbe. Das zweite ist schon an der Wand.

Als Schönheitsplätzchen im Schlafzimmer. Ich hatte neulich die ungute Organisation meines Schmuckes angesprochen und habe die Sache nun behoben.

Ein helles Regalbrett, zwei pseudo-schmiedeeiserne Schnörkelauflagen und viel Gefluche. An der von mir auserkorenen Stelle besteht die Schlafzimmerwand offenbar aus Käse. Schief. Die Dübel kamen unter großzügigem Verkrümeln von Wandmaterial wieder raus.

Ich musste ein wenig tricksen und mein liebster Trick ist, die Bohrlöcher mit Heißkleber zu füllen und dann schnell Dübel reinzudrücken. Ein paar Minuten später ist das fest und man kann neu anschrauben. Und da hielt das Brett auf einmal. Ich hoffe sehr, dass keine Katze auf die Idee eines Belastungstests kommt.

Auf dem Brett stehen der güldene Standspiegel, mein Ringdisplay, eine Muschelschale mit Ohrschmuck und die geflochtene Schachtel mit Echsendeckel in der Armbänder uä wohnen. Eine einzige Kette darf am Spiegel hängen.

Das passt ins Stilkonzept des Schlafzimmers, keine Frage. Ich benutze den Raum bisher allerdings echt nur zum Schlafen und jedes Mal wenn ich reinkomme streckt das Bett die Arme aus und zieht mich unter die Decke. Damit muss es jetzt auf jeden Fall aufhören. Wenn ich Schmuck aussuche heißt das, ich bin kurz davor aus dem Haus zu gehen.

Schlafzimmer-Level completed.

14. August 2013 (07:45 h) – Tags: , , ,

Ganz weit unten auf meinem Klemmbrett, vergraben unter Zeichnungen und Notizen, befindet sich die Masterliste für alles was in meiner Wohnung noch zu tun ist. Diese hatte ich begeisterter Listenschreiber angefangen kurz nachdem ich hier eingezogen war. Nach Zimmern sortiert steht da alles drauf was ich noch machen will. Und wenn mir noch was einfällt wird die Liste natürlich immer länger. Der Punkt „Wohnzimmer“ sieht noch sehr traurig aus, aber ich stell mich wirklich an wenn es darum geht mit dem Raum mal voranzukommen. Wandfarbe und so. Sigh.

Das Arbeitszimmer dagegen ist laut Liste schon fertig. Deckenlampe, Rollos… alles angebracht. Das Badezimmer bedarf eigentlich nur noch ein paar Kleinigkeiten hätte ich nicht neulich noch eine genial-bescheuerte Idee für die wenige Wandfläche in dem Zimmer gehabt.

Einen anderen Raum konnte ich jetzt aber komplett abstreichen und da bin ich auch sehr stolz drauf, es ist dort ja nicht grade wenig geschehen. Das Schlafzimmer. Erst habe ich die Wände blau gestrichen, dann Stuck aufgeklebt, Vorhänge genäht, Schnörkelborten aufgemalt, Dutzende Bilder aufgehängt, etc. Es blieb als Endgegner nur noch der sogenannte Masterschnörkel über. Eine Art Torbogen den ich auf die Stirnwand malen wollte.

Eigentlich sollte das mit einer Projektion geschehen weil die Schablonen für die Bordüren angesichts der Rauhfasertapete nicht so gut funktioniert hatten. Aber einen Projektor zu improvisieren oder auszuleihen war gar nicht so einfach. Also habe ich das geknickt und schlussendlich doch wieder Schablonen gemacht.

Der Torbogen ist aus verschiedenen Motiven zusammengesetzt, ich habe mich hier aus dem Nachdruck eines Schablonenkatalogs von 1910 bedient. Bis das am Rechner erstellt, skaliert und auf A4-Größen aufgeteilt war dauerte es relativ lange. Dann konnte ich die Krone (=den oberen Teil des Tores), die Füße und seitlichen Ranken jeweils auf unzählige Bögen Papier ausdrucken und zusammenpuzzeln wie einen Schnitt von Burdastyle.

Entsprechend habe ich die Teile dann auch ausgeschnitten, allerdings so, dass Positive übrigblieben. Mithilfe einer Mittellinie habe ich die Kronenhälfte dann an die Wand positioniert, mit Klebestreifen fixiert und mit einem gelben Buntstift umrandet.

Und dann mussten die Formen ja nur noch mit Pinsel und Abtönfarbe ausgemalt werden. Haha. Nur noch. Das war ein ganz schönes Gefrickel. Überkopf, auf der Leiter, ohne irgendwo anzutatschen wo die Farbe noch nass ist.

Die Seiten habe ich, wie auch die Linien an den Bortenschnörkeln unter der Decke, mit Klebeband begrenzt. Dann entsprechend die Fußteile positioniert und ganz am Ende die kleinen Ranken die sich um die Seiten winden aufgesetzt. Da musste dann auch die blaue Wandfarbe nochmal ran. Konnte ich immerhin gleich meine Patzer an anderen Stellen korrigieren.

Am Boden rumzukrauchen und  diese Muster zu malen wo man eigentlich gar keinen Platz hat und mit dem Pinselstiel an die andere Wand stößt hat auch nicht so richtig Spaß gemacht. Aber nach zweieinhalb Tagen war der Schnörkel fertig.

Es war mir ein Bedürfniss die Schlafzimmerwände wie geplant fertig zu stellen. Ich hasse es wenn solche tollen Projekte erst verschleppt werden und dann irgendwann halbfertig dahinsterben weil man sich schon so an den Gedanken gewöhnt hat, dass das eh nich fertig wird. Davon abgesehen erfüllt der Torbogen eine metaphysische Aufgabe in dem unwirklichen Schlafzimmer was ich als Rückzugsort von der Welt betrachte.

So sieht es aus wenn man im Bett liegt. Ich habe die Truhe nonchalant vor einen der Füße des Torbogens gestellt. Da stand sie vorher auch und ich finde es ehrlich gesagt auch eher lässig wenn das Motiv so marginal verdeckt ist.

Also, die Methode mit Positivschablonen eigenet sich für Rauhfaserwände recht gut. Ich glaube nicht, dass es sehr viel länger dauert das Motiv mit Pinsel sauber auszufüllen als Schablonen auszumalen und dann alle Kanten mit der Wandfarbe korrigieren zu müssen. Ich würde es jedenfalls wieder so machen, auch wenn ich grade ein wenig von Wandmalereien geheilt bin.

Das wichtigste ist aber wie glücklich ich mit dem fertigen Zimmer bin. Überhaupt war es total schön, nach dem Urlaub in meine Wohnung zurückzukommen. Die entwickelt sich in die richtige Richtung. Insofern sollte ich Projekte Wohnzimmer/Balkon nun auch nicht mehr so ewig aufschieben…

I can’t understand how we got by those troopers. I thought we were dead!

18. Februar 2013 (19:36 h) – Tags: , , , , ,

Musik: Turisas - The March Of The Varangian Guard 

Ich hab Urlaub, und Urlaub ist so ziemlich das Beste was man haben kann. Ich hänge völlig ohne schlechtes Gewissen abwechselnd im Bett und am Rechner rum. Totale Entspannung.

Stimmt natürlich nur teilweise. In Wahrheit habe ich total viel Spaß dabei meinen ganzen Kram abzuarbeiten. Die Wohnung soll soweit vorankommen, dass ich im März meine schon fast ins Reich des Mythischen verortete Einweihungsparty veranstalten kann. Dafür muss ich keine wirklich schlimmen Sachen mehr machen, aber schon welche die Zeit fressen.

Sache eins: Der Sturmtruppler. Alle denen ich IRL von dem Projekt erzählt habe nennen ihn Struppi. Also Struppi.

Erfreulicherweise hatte ich in den letzten Tagen mal wieder Lust den fertig zu malen. Zu sowas kann ich mich nicht zwingen, insofern wäre ich ein wirklich armer Berufskünstler.

Nachdem Freitag ein halb havariertes Flugzeug meinen Arbeitstag zur Nachtschicht und meine Partypläne zunichten gemacht hatte, bin ich am Sonnabend immerhin ausgeschlafen und fit gewesen und konnte mal wieder in den Baumarkt fahren. Dass die mich noch nicht mit Namen begrüßen… Diesmal habe ich nebst Katzengras und Eisenwaren auch eine ganz wichtige Holzleiste gekauft. Die sogenannte Struppileiste.

Die kam am Sonntag zum Einsatz, als ich den fertigen Sturmtruppler dann mit seinem Rückseitenstoff gedoppelt und zu einem zeitaufwändigen Jurtenvorhang verarbeitet habe. Das bedeutet allerdings auch, dass Siouxsie jetzt nicht mehr so gut mit ihm kuscheln kann.

Die Struppileiste habe ich an die Wand geschraubt, da wurde der Vorhang aufgefädelt und voila, fertig war der stilistisch ziemlich wilde Türvorhang.

Lebensgroßer Sturmtruppler, Stoffmalfarben auf tapetengemustertem Jacquard. Das sieht doch wirklich aus wie ein Wandbehang. Ich finds toll, dass man die verdeckte Tür gar nicht auf den ersten Blick erahnt. Der leere Bereich über den Kopf des Kameraden stört mich allerdings noch ein wenig. Wenn mir was schönes einfällt wird das noch ergänzt. Anonsten bin ich ganz zufrieden.

Hier haben wir nochmal eine Nahaufnahme. Gerade den Bereich um die Körpermitte finde ich gut gelungen. Da machen die Schatten einen schönen plastischen Effekt. Die Waffe war auf meiner Vorlage nur sehr dürftig angedeutet, die habe ich noch extra recherchiert. Blaster E-11. Hat so ein seitlich rausstehendes Magazin. Wissen, das ich nie wieder brauchen werde, das fortan aber meinen Kopf ein kleines bisschen weiter verstopfen wird.

Auf die Rückseite vom Struppi habe ich ja erstmal ein schwarzes Leinen und dann den opulenten Saristoff genäht. Damit es auch von der Schlafzimmerseite entsprechend gut aussieht.

Und das tut es, wenn ich das mal ganz unbescheiden bemerken darf. Der Sari ist wunderschön, wie für diesen Job gemacht. Wenn die Katzen den Vorhang ein wenig ins Zimmer schieben dann glitzern seine goldenen Pailletten wie ein ganzer Sternenhimmel.

Die tollen Bordüren sieht man leider meist nicht weil der Türrahmen sie verdeckt. Aber was sollte ich machen? Einkürzen ging ja wohl nicht. Egal, so sind sie ein bisschen Innenschön, nur für mich.

Und wo wir grad dabei sind und es brauchbare Fotos vom Schlafzimmer gibt zeige ich euch auch noch den verbesserten Böcklin, neuerdings ja hinter Plexiglas.

Da spiegelt sich der Kronleuchter drin. Über meine stetig wachsende Sammlung an Bildern und… Dingen freu ich mich jedes Mal wenn ich ins Schlafzimmer komme. Seit da ein imperialer Soldat Wache hält schläft es sich natürlich noch besser im Königreich von Eskapismia.

Ja.

Und sonst so?

Naja, ich war noch mit der flauschigen Furchtkatze beim Tierarzt, musste sie leider zu ihrer Gesundheit zwingen und habe nicht grade wenig Geld für ein Herzultraschall hingeblättert. Nun soll Fräulein Toyah Betablocker nehmen, den ersten hat sie ohne es zu merken gierig mit Malzpaste weggeschlabbert. Wäre zu schön wenn das so weiterginge. Außerdem war ich beim Friseur und meine Haare haben nun wieder überall die selbe Farbe. Die insgesamt viel heller und knalliger sein dürfte. Wenn ich irgendwann mal einen Friseur finde der versteht was ich ihm sagen will…

Achso, und, haha, das habe ich noch gemacht: Das zweite von den kleinen Stairway-Brettern mit Winkeln an die Wand gedübelt. Hatte Siouxsie ebenfalls hinuntergerissen, was zu erwarten gewesen war.

Nun hoffe ich, dass die restlichen Bretter an der Wand bleiben. Die würden dann nämlich richtig weh tun. Total optimistisch habe ich heute schonmal die Löcher zugespachtelt, die bei den beiden Abstürzen in die Wand geschlagen wurden. Stairway ist damit wieder voll funktionsfähig und sollte von Katzen wieder benutzt werden! Hm. Jetzt grad scheinen Polstermöbeln die verlockendere Alternative zu sein.

Man erreicht mehr mit einem freundlichen Wort und einer Pistole als mit einem freundlichen Wort allein.

6. Februar 2013 (20:40 h) – Tags: , ,

Musik: Sabaton - Lion From The North 

Erstaunlich was man in elterlichen Kommoden noch findet wenn man was ganz anderes sucht. Und das kam so: Ich habe eine Vorliebe für alte Dinge, das wisst ihr. Alte Dinge erzählen Geschichten, haben Charakter. Wenn sie dann noch Familienerbstücke sind, umso besser. Als solches kam eine Armbanduhr in meinen Besitz. Die hatte mal mein Vater getragen. Das gute Stück ist ein wunderbares Relikt der Siebziger, ein dicker Wecker mit Sekundenzeiger der wie bei einer Automatikuhr schleicht und nicht ruckweise um die Stunde tickt. Die Uhr läuft aber mit Batterie. Kurios, toll, ein Erinnerungsstück an meinen Vater, ich liebe sie. Weil sie aber schon so alt ist krankt sie etwas und frisst Batterien in drei Monaten leer. Ich wollte bereits ein neues Uhrwerk einbauen lassen, aber solche Uhrwerke gibt es nicht mehr. Also werde ich der Uhr alle Vierteljahre eine neue Batterie spendieren, das ist sie mir wert, damite ich sie nur tragen kann. Und weil ich auf Arbeit ja irgendwie an der Quelle sitze, bat ich neulich meinen Kollegen mir die Uhr zu öffnen und die Batterie rauszuholen. Aber. Beim Zudrücken des Gehäusedeckels würde der Druck auf dem leicht vorstehenden Acrylglas lasten. Um das zu vermeiden bekam ich den Auftrag, etwas zu suchen, wo die Uhr so reinpasst, dass nur das Gehäuse aufliegt und nicht das Glas. Einen Plastikdeckel oder sowas.

Und mit diesem Auftrag durchkämmten meine Mutter und ich dann heute ihre Schränke. Es fand sich eine Dose Sunblock, Preisetikett sagte 4,99 DM, die war eh hoffnungslos abgelaufen. Den Deckel habe ich zurechtgefeilt und werde ihn mal meinem Kollegen präsentieren. Das war das. Und dann zogen wir noch die Schubladen einer anderen Kommode auf.

Und darin lagen diese beiden alten Luftpistolen. Mit dem langen Lauf (wenn man ihn spannt wird er kürzer) haben sie so etwas revolvermäßiges, deshalb wollte ich sie für mein Kuriositätenkabinett von Schlafzimmer haben. Ich musste zwar erstmal in den Garten gehen und ahnungslos an den Pistolen rumfummeln bis ich sicher war, dass da auch wirklich keine Munition mehr drin ist, aber davon abgesehen kann ein alleinstehendes Cowgirl sich ruhig ein paar Waffen ins Schlafzimmer hängen, man weiß ja nie, hier im Wilden Westen.

Die silberfarbene Luftpistole ist eine Diana Modell 2. Das steht drauf. Die andere scheint irgendwas ähnliches zu sein. Kurios ist auch das Motiv der Firma, das Modell 2 oben auf den Lauf geprägt hat.

Diana, die Göttin der Jagd, wirft Pfeil und Bogen fort während sie mit der anderen Hand triumphierend ein Gewehr in die Höhe streckt. Cupid bought a gun.

Zuhause bin ich dann mit meiner Beute durchs Schlafzimmer getigert und habe einen guten Platz zur Präsentation gesucht. Sie hätten auch gut über den Böcklin gepasst, aber da hätte ich das Bett abrücken müssen und so. Mindestens genauso schön sind die Pistolen nun an anderer Stelle.

Hab sie mit vier sehr langen Nägeln befestigt. Die hatte meine Mutter glücklicherweise auch noch parat.

Und so hängen sie jetzt unter dem Mustertuch, zwischen den Klavierleuchtern. Hat was Salonhaftes und erinnert mich an eine Szene im Briefwechsel zwischen den Dichtern George und Hofmannsthal, wo einer den anderen beinahe zum Duell („dem was mit Ihrem oder meinem Tod endet“) gefordert hätte. Machte man in den 1890er Jahren wohl noch so.

Und jetzt, wo ich neulich still und heimlich noch das Kissen auf der Truhe in welcher ich meine Bettwäsche verwahre in blauem Samt bezogen habe, fehlt im Schlafzimmer wirklich nur noch das große Schablonenmotiv an der Stirnwand. Das will ich aber ums Verrecken nicht mit Schablone machen. Muss mal irgendwo einen Projektor ausleihen gehen.

And she’s building a stairway to heaven

5. Januar 2013 (22:08 h) – Tags: , , , ,

Musik: Machine Head - Locust | Stimmung: Mini Oreos must die!

Meine neue Wohnung entwickelt sich in Phasen. Nach der Phase in der man voller Elan alles möglich gebaut und geräumt hat und dann irgendwann erschöpft auf dem Sofa kollabiert ist, die restlichen Umzugskartons seelig ignorierend, ist ja schon so gemütlich, kommt jetzt der Teil wo mich der übrige Umzugsmist wieder total nervt. Weg mit dem Gerümpel, ich will endlich fertig werden. Was jetzt noch rumsteht würde gerne noch zehn Jahre rumstehen, es muss also am liebsten sofort weg. Gleichzeitig hab ich mal eine Liste geschrieben mit allem was noch zu tun ist, Zimmer für Zimmer. Und die – schluck – ist leider doch noch recht lang. Also Zähne zusammenbeißen und weitermachen.

In dem Urlaub den ich zwischen den Jahren hatte wollte ich ganz viel schaffen. Geschafft habe ich ein bisschen was. Zu viele Bierchen mit Freunden, zu viel gefeiert und dann hat das Universum mir noch ein kleines Bonbon zugesteckt um mein amourös nicht so doll gelaufenes Jahr doch noch sehr nett abzuschließen. Ich beschwer mich ja gar nicht.

Nachdem ich die ersten Tage auf Arbeit genutzt habe um mich von meinem Urlaub zu erholen, habe ich dieses Wochenende schon wieder frei. Und jetzt fühlt es sich so an, als würde ich tatsächlich was schaffen. Ich war heute einkaufen (gesundes Zeug und kein Alkohol bis zu meinem Geburtstag, bei H&M durft auch noch ein niedliches Sternchenshirt aus dem Sale mitkommen), habe Möhren-Brokkoli-Nudelauflauf gemacht, die Wohnung durchgesaugt und die letzten Bilder im Schlafzimmer aufgehängt. Damit hatten Natron und ich bereits neulich angefangen, sowas macht sich wirklich viel leichter wenn man es zu zweit macht, aber dann kam (natürlich!) wieder ein Kneipenabend dazwischen. Also lagen die restlichen Bilder eine Weile, ich habe mir ihr Schicksal dann für heute vorgenommen weil ich morgen am Sankt Sonntag ja keinen Krach machen darf.

Die Fotos sind leider ein ziemlicher Negerkampf im Tunnel, es war draußen schon Nacht und so sehr ich mein dunkles Schlafzimmer liebe, fotografieren ließe sich weiß besser. Bitte das zu entschuldigen.

Dieses Bild und die Jugendstil-Klavierleuchter habe ich heute als erstes angebaut. Für die Leuchter musste ich bohren, das macht ja am meisten Lärm. Irgendwo in der Wand gehen auch Heizungsrohre lang, man spürt die Wärme durch die Tapete, glücklicherweise habe ich keins davon angebohrt. In der letzten Wohnung hatte ich die Kerzen neben einem Spiegel, irgendwie sinnvoller, aber egal. Jetzt rahmen sie ein Mustertuch ein was meine Mutter für mich nach historischer Vorlage gestickt hat. Dieses Wandstück ist genau gegenüber der Tür, also das erste was man beim Betreten des Zimmers sieht. Ich hab es bewusst etwas spartanischer gestaltet denn der Rest, ihr werdet es gleich sehen, ist ziemlich… öhm, üppig zugehängt.

Schon nah an der Petersburger Hängung, irgendwann werde ich auch noch Rahmen an Rahmen hängen. Links davon ist der oben gezeigte Wandabschnitt, direkt entlang der Wand steht mein Bett. Rechts erahnt man mit viel gutem Willen den Samtvorhang vorm Fenster. Es ist wirklich kein großes Zimmer. Aber, ahhh, machen die Bilder nicht alle Welt an Unterschied? Meiner Meinung nach kommen die Schnörkel, der Kronleuchter und der ganze historisierende Rahmen erst jetzt richtig zur Geltung.

Mittig unter den fledermausförmigen Schnörkel habe ich einen mal von einer Userin geschenkten Goldrahmen mit Böcklin-Poster gehängt. Das war ein ziemlicher Akt, denn das Bild habe ich erstmal mit der Wasserwaage ausgerichtet, dabei stellte sich heraus, dass weder die Decke noch mein Schnörkel gerade waren. Nun sah das Bild schief aus. Also habe ich es zur Decke ausgerichtet. Das funktionierte solange man direkt davor stand, von der Tür aus sah es trotzdem nicht gerade aus. Ich glaube, dieses Problem hat sich erst durch die gewaltige Menge der anderen Bilder und Bildchen gegeben. Arnold Böcklin, man verzeihe mir diesen Ausbruch von Klugscheißerei, ist übrigens rein zufällig auch ein Symbolist, genau wie Stefan George. Ich schwöre, ich mochte das Bild schon lange vor meinem Studium! Das muss doch Vorbestimmung sein.

Entsprechend reiht sich da weiter links auch der Rahmen ein, in den ich das letztjährig auf dem Flohmarkt geschossene Foto vom Wanderer zusammen mit einem George-Gedicht montiert habe. Der Rest sind Mitbringsel, Verwandte, Wedgwood-Kopien und Erbstücke. Links unter dem Böcklin habe ich alle Hochzeitsfotos zusammengestellt. Auch von Natron und Red ist eins dabei, künstlich daguerrotypiert. Auf dem Wandvorsprung ganz links sind drei ähnlich gerahmte Fotos untereinander angeordnet. Zwei tatsächliche Vorfahren und die erste meiner adoptierten Verwandten. Zufällig ergab das die drei Lebensalter, also haben Natron und ich ganz tiefsinnig noch eine kleine goldene Taschenuhr aus dem Erbe meiner Großmutter dazugehängt.

Eigentlich wollte ich die gegenüberliegende Wand frei lassen. Damit man auf dem Weg zum Bett keine Bilder von der Wand fegt und um dem Auge auch mal Erholung zu gönnen. Aber. Da waren ja noch soooo viele Bilder. Also ist es immerhin eine übersichtliche tag-cloud neben der Tür geworden. Ein altmodischer Lichtschalter wäre jetzt noch die Sahnehaube. In dem konvexen Sonnenspiegel sieht man übrigens das Mustertuch und die Klavierleuchter reflektiert.

Was fehlt jetzt noch im Schlafzimmer? Vor allem natürlich der Boss-Schnörkel an der Stirnwand. Ich drücke mich davor den mit Schablone zu machen und will mal bei meinen büroarbeitenden Freunden rumfragen ob da wer einen OH-Projektor übers Wochenende ausleihen kann. Das Astra-Brettchen ist auch noch nicht wieder an der Wand. Beim Umzug war ein P runtergekommen, das hätte ich problemlos ausgebessert. Bis Katze Toyah das Brett nochmal umwarf und alle Buchstaben abfielen. Justamente liegt das Ding aber mit trocknendem Kleber im Arbeitszimmer und der morgige Tag wird zeigen ob UHU-Alleskleber den Job hinkriegt oder nicht. Dann wollte ich auch noch das Kissen auf der Truhe in der meine Bettwäsche wohnt mit einem Rest Vorhangsamt beziehen. Und Herr Böcklin hätte in seinem Rahmen gerne eine Scheibe Plexiglas, dann würde er sich mehr wie ein richtiges Bild fühlen und weniger wie das Poster das er ist.

So, fragt ihr euch jetzt auch schon die ganze Zeit was das ewige Gelaber mit dem Titel des Eintrags zu tun hat? Und ob gerade ich nicht weiß, dass Led Zeppelin natürlich singen „And she’s buying a stairway to heaven“?

Also, da ist noch ein zweites Projekt was Natron und ich geschafft haben. Schon länger angeplant aber durch Ikeas Lieferschwierigkeiten zu einem Weihnachtsgeschenk für meine Katzen verzögert. Der Stairway To Heaven.

Ich weiß wie gerne meine Katzen in luftiger Höhe rumkramen. Hätte ich es vergessen, hätten mich ihre Kletterkünste auf meterhohen Umzugskartonstapeln dran erinnert. 2006, in meiner rosafarbenen Einzimmerwohnung, hockte dauernd eine Katze auf dem Schrank oder warf Bücher aus dem Regal. In der letzten Wohnung gab es dann leider keine solchen Aufstiegsmöglichkeiten. Das fanden die Tiere und irgendwie auch Frauchen schade. Also wollte ich ihnen eine Klettergelegenheit bauen die nur für sie und entsprechend sicher sein sollte. Aber hübsch halt auch noch. Kein pfötchenbemusterter Kratzbaum.

Es sind beschlaglose Regalbretter aus dem Ikea geworden. Das populäre LACK-Regal und sein Kumpel PERSBY. Damit habe ich eine Treppe zwischen Fenster und Sofa gebaut. Wie ihr seht hätte ich mir das unterste Brett sparen können. Aber egal. Sie werden ja nicht jünger, da wird die seniorengerechte Aufstiegshilfe vielleicht irgendwann geschätzt werden. Die Regalbretter sollen zwischen 5 und fünfzehn Kilo aushalten. Müsste für meine kleinen Moppel eigentlich noch reichen.

Ich habe jedes Brett mit einem zugeschnittenen Platzset bzw Tischläufer aus der Grabbelkiste beklebt. Damit die Haustiere beim Abstieg nicht übers Ziel hinausschliddern. Auf das oberste Brett will ich auch noch ein Kissen legen, sollte das als Plätzchen angenommen werden würde es die Verweildauer deutlich erhöhen.

Bisher hat leider nur Siouxsie das Kletterparadies erobert. Das allerdings sofort nach dem Aufbau. Man kann aus der Höhe ja auch so gut aus dem Fenster gucken. Als neulich ein Freund zu Besuch war und wir die halbe Nacht durchgequatscht haben lag Prinzessin Siouxsie auf der obersten Etage, Pfötchen über den Rand baumelnd. Und, ganz ehrlich, was kann man sich schon Dekorativeres ins Regal stellen als eine Katze?

Neues Piercing – Neues Glück

12. Dezember 2012 (17:05 h) – Tags: , , , ,

Musik: Metallica - Purify 

Auch auf die Gefahr hin, hier jammerig zu klingen: Ich hatte in den letzten Monaten genug Gelegenheit herauszufinden was einem wirklich hilft wenn man am Boden ist. Das wichtigste sind Freunde. Die mit einem Bier trinken gehen oder zu Ikea fahren. Die zuhören und doofe Witze machen. Und auch die, die schnurrend und fusselnd neben einem auf dem Sofa pennen. Was mir auch immer wieder geholfen hat ist Musik. Die moralische Unterstützung die Machine Head, Metallica und Iced Earth einem geben ist grade in selbstmitleidigen Heulphasen nicht zu unterschätzen.

Und weil es ja auch vorangehen soll hab ich mich jetzt mal fürs Durchhalten belohnt. „Neues Piercing, neues Glück“ sagt mein Freund Byxe immer. Beides kann ich ganz gut gebrauchen, also hab ich mir heute vom Meister ein Loch ins Ohr stechen lassen.

Das Helix da oben. Weil ich auf Arbeit ja keine Tunnel sondern Plugs mit großen Strasssteinen trage, wollte ich für den Neuen auch Glitzer. Und Byxe hat mir diese süße Pavé-Kugel spendiert. Ich mags schon jetzt total. *freu* Ist mein erstes Knorpelpiercing also werden wir mal abwarten wie es sich macht. Die Abheilphase wird auf jeden Fall ein Job für das Aaaaah-Kissen sein.

An anderer Front…  Sturmtruppi ist schon so weit gekommen:

Ich konnte den Helm natürlich nicht in Ruhe lassen und hab die verzerrte Partie nochmal übergemalt. Ging zum Glück mit den Stoffmalfarben ganz gut. Hab heute auch nochmal zwei Dosen weiß gekauft, meine Güte, so ein großes Motiv frisst ja was an Farbe. Das hatte ich definitiv unterschätzt. Genauso wie lange es dauert das zu malen.

Vielen Dank übrigens auch für eure Genesungswünsche. Der kleinen Toyah geht es zum Glück wieder besser.

Fünf Reclams und ein Glühwein

10. Dezember 2012 (15:09 h) – Tags: , , ,

Musik: Alestorm - Set Sail And Conquer | Stimmung: Gute Besserung, kleine Toyah...

Ich habe meine Frühschichten endlich überstanden und mit einer entspannten Arbeitswoche begonnen. Blöderweise bin ich selber nicht ganz entspannt. Das liegt zum einen daran, dass es meiner Katze Toyah nicht gut geht, zum anderen ist es der Gesamtsituation geschuldet und wird deshalb im Internet nicht weiter ausgeführt.

Dessen ungeachtet musste ich meine Freizeit natürlich mit Inhalt füllen. Sonntagabend war ich mit Freunden auf dem schönen Rixdorfer Weihnachtsmarkt. Ein Händler hatte Trödel und Alkohol, da habe ich wie auch schon in der Vergangenheit Reclamhefte gekauft. Den Schiller und Georg Heyms Gedichte für mich, Hauptmanns gruseligen Bahnwärter Thiel habe ich Ophelia aufs Auge gedrückt, ich hoffe sie kriegt jetzt kein schiefes Bild von mir. An der Kasse gabs auch Glühwein, was den Titel des Eintrags erklärt.

Und weil in den geräumigen Taschen meines mollig warmen Düffelmantels noch Platz war, konnte ich auch noch einen Topflappen mit Stadtplandruck mitnehmen. Abgebildet sind Ophelias Adresse und Kiez, meine waren schon längst ausverkauft. Trotzdem finde ich die Idee total super und kiezig und da die Stände auf dem Rixdorfer Weihnachtsmarkt eigentlich alle karitativer Natur sind darf man da ruhig mal was einkaufen.

Heute musste ich mich dann zwingen wenigstens bis acht zu schlafen. Die verdammten Frühschichten steckten noch so in mir drin, dass ich ohne Probleme um fünf hätte aufstehen können. Dann habe ich mich für einen Schlunztag entschieden, das heißt eine gemütliche Hose über mein Schlafshirt gezogen und darauf verzichtet heute das Haus zu verlassen. Anstätten habe ich meine Freundin die Nähmaschine besucht.

Neulich hatte ich nämlich mein Dinkelkissen in der Hand. Zugegeben schon recht alt. Es verliert Dinkel und der Bezug ist auch schon..naja, sind wir ehrlich: versifft. Da könnte mal was neues. Die Dinkelkörner werden ja sicher auch nicht besser mit der Zeit. Also hatte ich neuen Dinkel besorgt und habe heute sowohl ein neues Innenkissen als auch einen neuen Bezug genäht. Ich hatte nicht vor ein neues Kissen zu nähen, aber wenn man bei etwas, das nur aus drei Komponenten besteht, alle drei austauscht, dann hat man unweigerlich ein neues Ding geschaffen.

Das neue Dinkelkissen sollte nun also einen schnell gemachten Bezug aus irgendeinem gemusterten Stoff bekommen. Meine Wahl fiel schlussendlich auf die Inkaschnulze. Liegt ja auch schon lang genug. Trotzdem ist noch genug für ein Kissen übrig. Irgendwie sollte es das ja irgendwann mal werden.

Da das Dinkelkissen also nicht wirklich viel Zeit gefressen hat, habe ich mich auch noch an den Sturmtruppler gesetzt. Ich hatte neulich Schneiderkopierpapier gekauft um die Linienzeichnung zu übertragen, heute ging es dann mit Stoffmalfarbe weiter.

Mal kein Pinsel mit drei Haaren im Einsatz. Die für mich ungewohnt grobe Arbeitsweise ist der schieren Größe dieser Malerei geschuldet.

Und natürlich bin ich mal wieder nicht so richtig zufrieden mit meiner Arbeit. Ja, ich weiß, am Ende zählt nur die Gesamtwirkung, aber ich gucke mir hier das Foto an und frage mich, wann ich das Motiv so verzerrt habe.

Nagut, mal gucken was passiert wenn ich weitermale. Aus der Nummer komme ich ja eh nicht mehr raus. Den Trooper male ich fertig und dann hänge ich ihn auf, und dann wird er auch gut aussehen, aber bis dahin werd ich noch ein paar Mal an mir zweifeln.

 

Imperiale Schützenhilfe

5. Dezember 2012 (17:19 h) – Tags: , , , ,

Musik: Machine Head - Beautiful Mourning 

Schichtarbeit ist manchmal eine ziemlich perverse Sache. Heute hatte ich frei und bin um halb sechs aufgestanden. Länger zu schlafen hätte sich nicht gelohnt, ich geh ja nur von einer Frühschicht in die nächste. Lange bevor die Sonne aufging war ich also schon mit meinem aktuellen Wohnungsprojekt beschäftigt.

Man mag es auf den ersten Blick nicht glauben, aber auch das hier ist ein Projekt fürs Schlafzimmer. Fürs schnörkelige Kitschzimmer. Das hat nämlich keine Tür. Also, einen Türrahmen hat es natürlich schon, aber keine Türe. Die hat irgendein Schlaumeier mal durch eine Falttür ersetzt und das originale Türblatt ist dann offenbar verschwunden. Die Hausmeisterin konnte jedenfalls auch nicht weiterhelfen. Nun war diese Falttür… naja, sagen wir mal alt. Siffig. Kaputt. Die konnte ich nicht ertragen, also steht sie jetzt im Keller und wartet geduldig auf ihr Schicksal.

Mein Plan war anstelle einer Tür einen Vorhang anzubringen. Keinen mit Stange oder Schiene, sondern das was ich einen Jurtenvorhang nenne: Ein glatter Stoff auf einer Leiste, den man wie den Eingang einer Jurte zur Seite schlagen muss wenn man durch will. Und dann ging meine überreiche Fantasie mit mir noch eine Runde weiter. Wenn der Jurtenvorhang auf der Flurseite ist, dann verdeckt er quasi wie ein Wandbehang den Türrahmen. Man sieht also gar nicht auf den ersten Blick, dass da noch ein Zimmer ist. Das Schlafzimmer ist also gar nicht richtig da. Es ist ein magisches Zimmer. Um es zu betreten muss man eine symbolische Grenze überqueren, diese markiert ein Jurtenvorhang viel stärker als eine Tür. Genau wie Parzival einen Fluss überqueren muss um ins Reich des Gralkönigs zu kommen. Sir Orfeo durch einen Berg ins Feenreich gelangt und seine Dame Heurodis wiederholt. Auch Frodo betritt Mordor übrigens nicht zufällig durch diese Berghöhle wo er Kankra begegnet. Ich denke, ihr versteht was ich meine. Die Zäsur hinter der sich das Zauberland verbirgt. In diesem Fall ein Ort von Traum und Heilung und Sicherheit. Das mag ein wenig durchgeknallt und spirituell klingen, aber mir gefällt die Idee total.

Auf der praktisch-realistischen Ebene brauche ich also nun einen Vorhang. Für die Schlafzimmerseite hatte ich sofort eine Idee. Da liegt noch so ein Saristoff in meinem Bestand, dunkelblau mit türkisfarbenen Rändern und goldfarbenen Pailletten, ein wenig wie ein Sternenhimmel.

Der hier, meine ich. Das ist ein altes Bild, da wollte ich ihn schon mal verarbeiten. Der Stoff liegt schon relativ lange, insofern freu ich mich umso mehr, dass er jetzt seine Bestimmung findet. Dass da eine Katze drauf sitzt ist sehr passend, ihr werdet gleich sehen, dass sie mir heute auch nicht von der Seite gewichen sind.

So, Schlafzimmerseite also Sari. Den muss ich mit einem dunklen Stoff hinterlegen, sonst wirkt er nicht. Ist recht transparent. Und die andere Seite? Langfristig möchte ich da gerne ein großes Patchwork mit Regenbogenfarbverlauf und selbst gebatikten Stoffen machen, aber es wird ganz bestimmt noch eine Weile dauern bis ich zu sowas komme. Hm… Die Idee für eine kurzfristige Lösung (die dann gerne ein paar Jahre hängen darf) kam mir neulich sehr spontan. Ich war der Meinung noch etwa zehn Meter Leopardenstoff zu haben, der würde farblich in den Flur passen, und da wollte ich dann einen lebensgroßen Sturmtruppler draufmalen. Als Palastwache für das unwirkliche Zimmer. Yeah, Sturmtruppler!

Den Leopardenstoff habe ich offenbar nicht mit umgezogen oder irgendwas ist schon vorher damit passiert, jedenfalls finde ich ihn nicht mehr. Ist aber egal, den Sturmtruppler mache ich natürlich trotzdem. Und weil ich inzwischen die dunkelblauen Samtvorhänge genäht (aber noch nicht angemessen für euch fotografiert) habe, sind meine alten Schlafzimmervorhänge nun quasi arbeitslos.

Ich spreche von denen hier. Mittelbrauner Möbelbezugsstoff in Jacquardwebung. Hat so ein puristenbarockes Schnörkelmuster. Die Vorhänge, beziehungsweise einer davon, bieten sich insofern an, als dass sie schon mit schwarzem Leinen gedoppelt sind. Immer noch edgy, aber nicht mehr ganz so schräg wie Leopardenmuster.

Nachdem ich dann also das Internet nach Bildern von Sturmtrupplern mit Füßen durchkämmt habe, einen ausgesucht, aufgearbeitet und ausgedruckt, konnte ich ihn heute auf Lebensgröße vergrößern. Damit auch Prinzessin Leia nicht mosern kann „Aren’t you a little short for a stormtrooper?“ habe ich den jungen Mann gleich mal auf 198 cm aufgezogen. Das habe ich mit Rastervergrößerung gemacht. Eine Methode die ich vergleichsweise selten verwende, die dann aber immer tolle Ergebnisse bringt.

Zuersteinmal, um sechs Uhr früh, habe ich einen entsprechend großen Bogen Packpapier mit einem Raster vorbereitet. Ich habe die Vorlage 1:9 vergrößert, also was auf dem A4 Blatt ein Zentimeter ist sind auf dem Packpapier neun.

Und dann habe ich den Sturmtruppler Kästchen für Kästchen abgemalt. Zwei begeisterte Katzen waren dabei nur mit Mühe vom Papier fernzuhalten.

Das hat inklusive Frühstückspause etwa drei Stunden gebraucht. Dann war es spät genug um zu duschen und sich auf den Weg zum Einkaufen zu machen. Um auf Nummer sicher zu gehen habe ich noch drei Gläser Stoffmalfarbe gekauft: weiß, schwarz und grau. Außerdem lauter anderen Bastelkram über den ich so kurz vor Weihnachten nicht sprechen kann und ein Abstecher in die Drogerie musste auch noch sein. Beautykram, Bodylotion und Duschgel kaufe ich total gerne.

Da hängt Herr Sturmtruppler schonmal in voller Größe an meinem Stoffregal. Das hatte ich wie neulich angedeutet ja nach oben verlängert und habe es dann hinter Ikea-Vorhängen versteckt. Sieht das ganze Zimmer gleich viel ordentlicher aus.

So, die alten Vorhänge hatte ich letzte Woche schon gewaschen, die musste ich nur noch bügeln. Und dann stellte sich die Frage, wie die Vorlage für den Sturmtruppler da eigentlich drauf kommen sollte.

Erstmal habe ich den Papierkameraden ausgeschnitten und die Umrisse sehr prosaisch mit Edding nachgemalt. Für die innenliegenden Details wollte ich Kopierpapier verwenden. Wollte. War aber keins da. Und damit fand das Projekt dann sein heutiges Ende und ich konnte es noch ausführlich bloggen. Muss also in den nächsten Tagen nochmal los und das Papier besorgen. Für heute geh ich ins Bett, die Frühschicht dräut.

 

Noch einen Teller Eskapismus? Gerne!

26. November 2012 (22:53 h) – Tags: , , , , ,

Musik: Queen - Seven Seas Of Rhye | Stimmung: Nackenschmerzen

Ich komme langsam voran mit meiner Wohnung. Man kann auch schneller umgezogen sein. Wenn man nur Möbel in die Wohnung stellt. Wenn man in jedem Zimmer irgendeinen Traumspleen verwirklichen muss dauert es unter Umständen länger. Aber ich habe nicht das Gefühl, als hätte ich eine Wahl. Trotzdem, es ist schön etwas das man grade braucht aus dem Regal nehmen zu können, anstatt jedes Mal kramend in einer Umzugskiste zu verwinden. Außerdem bin ich von übersehenen oder nicht lieferbaren Ikea-Teilen und überheblichen Verkäufern im Technikladen mehr als bedient.

Was habe ich also getan, in den letzten Tagen? Ich war mehrmals, sowohl alleine als auch in Begleitung verschiedener motorisierter Freunde, bei Ikea und habe dort mehr als genug Geld gelassen. Dafür gab es aber auch schöne Möbel und das Arbeitszimmer konnte endlich Gestalt annehmen.

Der Rechner okkupierte den Nähtisch, deshalb stängelten die Nähmaschinen heimatlos herum, weshalb ich auch keine Gardinen nähen konnte. Die Klamotten lagerten gleichsam im Regal das für Stoffe und Kurzwaren vorgesehen war, so dass letztere nicht aus ihren Kisten kamen und massiv im Weg rumstanden. Ich brauchte also zwei Dinge: Schreibtisch und Kleiderschrank.

Und die habe ich nun. Der Kleiderschrank, den Siouxsie hier quasi schon zusammengebaut hat, punktet sogar mit Spiegeltüren und Innenbeleuchtung. Muhahaha. Wenn man die Türen aufmacht geht in meinem Schrank das Licht an, genau wie im Kühlschrank. Bin total begeistert.

An anderer Front, nämlich im Wohnzimmer, habe ich mich einem alten Kumpel zugewandt: Dem Untergang des Hauses Usher. Diesen auf einen Rahmen getackerten Stoff finde ich schon so lange schön, dass er jetzt mal einem anderen weichen konnte.

Weil mein Wohnzimmer irgendwann, wenn es groß ist, mal orientalistisch-opulent in gold und dunklen Juwelentönen erstrahlen soll, hat Heinrich VIII seinen Auftritt bekommen. Ein olivgrüner Samt mit mattem Golddruck.

Wo der am Ende seinen Platz findet ist noch nicht abzusehen. Im Wohnzimmer geht noch so einiges, gerade was Textilien angeht.

Im Bad habe ich auch endlich meinen Spiegel, Glasbord und Haken wieder an die Wände gebracht. Kurz bevor ich einen bleibenden Haltungsschaden vom ewigen Bücken nach Abschminklotion und Nachtcreme bekommen habe.

Und dann musste ja auch noch das Schlafzimmer nachziehen. Weil meine Pläne hier nicht ganz uneitel sind muss ich am Ball bleiben. Entweder man macht es sofort oder gar nicht mehr. Die Rede ist von Schnörkelborten. Gemalten Schnörkelborten. Nach historischen Vorbildern. Mit Schablone auf Rauhfaser. Ahem.

Erstmal habe ich Testschnörkel ausgedruckt und an die Wand gepinnt. Bis mir der hier gefallen hat. Den habe ich dann als Schablone gearbeitet. Schon das Ausschneiden aus zwei Lagen verleimtem Packpapier ging ganz schön auf die Handgelenke. Das Teppichmesser war dafür auch nur bedingt geeignet, aber das richtige mit der drehbaren Klinge lag noch irgendwo unauffindbar in einer Kiste…

Unter Zuhilfenahme verschiedener Kleber und Tricks habe ich die Schablonen (es gibt noch einen zweiten Schnörkel, natürlich) an die Wand gebracht. Dazwischen Abstände ausgemessen, Linien abgeklebt und schließlich mein Glück mit einem Spülschwamm und getupfter Abtönfarbe versucht.

Naja. Dem Perfektionisten ist es noch viiiel zu murkelig, aber der hätte sich halt eine Wohnung ohne Rauhfaser aussuchen sollen. Tatsächlich musste ich einiges mit dem Pinsel korrigieren, aber die Gesamtwirkung stimmt.

Und lässt sich bei Kunstlicht wirklich nicht fotografieren. Aber da soll ja eh noch mehr. Ein Tag mit Nackenschmerzen und blöder Arbeitshaltung hat mich noch nicht von meinen größenwahnsinnigen Plänen abgebracht. Projekt magisches Renaissanceporno-Präraffaeliten-Retrokitsch-Schlafzimmer geht weiter. Fotos kommen also ohnehin noch.