Der erste Tag vom Rest des Jahres

16. April 2013 (11:53 h) – Tags: ,

Musik: Siouxsie singt irgendeinen Katzen-Schlager 

Ich bin entschlossen in diesem Jahr einen tollen Sommer zu haben. Und gestern war der erste Tag davon. Endlich warm – über 20°C – und ich musste nicht arbeiten.

Nachdem neulich meine Boots auseinandergefallen sind (der Winter war einfach zu lang) habe ich die Chucks-Saison eröffnet. Und nun konnte ich sogar meine Destroyed-Jeans mal wieder aus dem Schrank holen und ein weißes Shirt das ich im Weihnachtssale gekauft hatte und das seit dem auf tolles Wetter wartet. Und ohne Jacke rausgehen! Unglaublich. Zum Supermarkt um die Ecke habe ich sogar mal offene Schuhe getragen. Kann man das glauben! Vor zwei Wochen lag noch dicker Schnee.

Und wer darf auch nicht fehlen wenn es endlich warm ist? Fahrrad! Fahrrad brauchte nur etwas Luft auf die Reifen, dann waren wir startklar und sind eine große Shoppingrunde gefahren. Ich wollte nämlich die Berliner Filiale von Natrons Secondhand-Paradies mal abchecken. “Colours” in der Bergmannstraße. Da wo Kreuzberg richtig schön teuer und hipsterverseucht ist. Egal. Dior-Sonnenbrille auf und durch.

Der Laden ist vermutlich sogar noch größer als der in Hamburg. Eine Sektion in der nach Gewicht bzw zu lächerlichen Einzelpreisen abgerechnet wird, ansonsten einzeln ausgepreist. Auf der Suche nach Hosen bin ich nicht fündig geworden, aber das ganze Zeug was man gar nicht vor hatte zu kaufen war in überreichem Maße vorhanden. Mitgekommen sind ein Röckchen, ein Gürtel und was Niedliches für Natron.

Den konnte ich nicht hängen lassen. Baumwollbatist mit Glitzerstreifen, gestuft, gefüttert und in den gesmokten Bund ist ein Band mit Glöckchen eingezogen. Faerieklingelglitzerglücklich für unter zwei Euro. Könnte man noch einen Farbverlauf reinfärben, aber ich glaube ich lass das einfach so.

Der Gürtel hat fünf Euro gekostet, aber ich wollte ihn wegen der Schließe unbedingt haben. Geprägtes Blech mit der Aufschrift “Good Luck”. Der Rest ist braunes Gummiband in welches irgendwer hinten mal zwei Haken eingenäht hat. Ist ein wenig knapp, das werde ich sicher ersetzen.

Das war schonmal eine schöne Fahrradtour und eine gute Beute, aber eigentlich wollte ich ja Hosen kaufen und Shorts draus machen. Aber es gibt bei mir im Kiez ja auch noch einen anderen Secondhand-Laden. Da hatte ich schonmal eine Jeans gekauft und weiterverarbeitet. Also bin ich da noch hingefahren. Und, oh, sie hatten eine Rabattaktion für Hosen. Wie praktisch. Sieben Hosen habe ich probiert, zwei davon mitgenommen. Für zusammen Zehneurofuffzig.

Diese hier ist von Gucci. Oder aus der Türkei. Egal. Sie hat ein ziemlich ramponiertes Label auf der Rückseite, lauter verschiedene Logonieten und -knöpfe und eine recht abenteuerliche Waschung. Oben total aufwändig, nach unten hin sterbenslangweilig. Den Saum hat immerhin mal einer gekürzt. Dieser Hose wird es zupasskommen eine Shorts zu werden. Die Seitennähte werde ich am Oberschenkel eventuell etwas öffnen müssen, dort sitzt sie nämlich enger als am Bund. Egal, da kann man dann weiße Spitze drunter legen. Generell wird das hier mehr so eine Achtziger-Jahre-Nummer werden mit ausgefranstem Saum und so. Die batikartigen Wascheffekte kann man auch noch verstärken.

Von der zweiten Hose erkennt man auf den Fotos gar nichts. Eine dunkle Jeans halt. Hat einen Stretchanteil. Die werde ich auch kürzen, dann aber vielleicht mit aufgekrempeltem Saum. Mit Farbe geht da sicher auch noch was. Entweder so splattermäßig oder großflächiger. Hm…

Auf jeden Fall gehen die Teile jetzt erstmal alle in die Wäsche um ihren Eau-de-Secondhand-Geruch loszuwerden. Das habe ich gestern nicht mehr geschafft, ich hatte nämlich noch eine Abendverabredung. Zum Angrillen, mit Ophelia und anderen Freunden.

Der Volkspark Friedrichshain sieht mit seinen kahlen Bäumen noch nicht wirklich nach Frühling aus, aber das wird sich bestimmt bald ändern. Es war jedenfalls alle Welt unterwegs um den ersten warmen Tag mit Grill, Bierchen, Fußball und Hund zu genießen. Sogar Flunkyball wurde gespielt. Von Nicht-Metallern. Total ungewohnter Anblick.

Bevor es mit untergehender Sonne dann kühl wurde haben wir lecker gegrillt, gequatscht und das nächste Wochenende angeplant. Total entspannt. So kanns weitergehen.

Echoes of voices in the high towers

7. Juli 2012 (16:15 h) – Tags:

Meine Skaterfreundin Ophelia möchte irgendwann auch wieder pünktlich sein, neulich war sie’s aber noch nicht. Also wartete ich am Eingang zur Tempelhofer Freiheit auf sie. Und da sprang mich die Kunst an.


Quelle: neueberlinerraeume.de

Des Tages leuchtet das Schild nicht, ich hätte es gerne selber fotografiert, aber da auf dem Tempelhofer Flugfeld auch gerade die Bread&Butter stattfindet, waren einige Bereiche abgesperrt und ich kam nicht nah genug ran. Hatte eh nur das Telefon dabei und keine Kamera.

Das ist Teil einer größeren Präsentation von Werken des britischen Künstlers Robert Montgomery die heute eröffnet wird. Typischerweise auf Billboards und Werbetafeln, stellen die Neuen Berliner Räume nicht nur auf dem ehemaligen Flughafen, sondern über die ganze Stadt verteilt verschiedene Texte des Künstlers aus. Poesie die Fragen nach der Zukunft unserer Gesellschaft aufwirft aber auch ganz tief ins Persönliche greift. Ein paar Sätze die man liest und die dann im Kopf kleben bleiben. So funktoniert moderne Dichtung.

Ich bin gespannt beim der nächsten Skaterrunde noch mehr Texte zu entdecken und lege euch Berlinern das Projekt wärmstens ans Herz. Alle weiteren Informationen bei Neue Berliner Räume.

 

Andys Omas Garten*

10. Juni 2012 (19:34 h) – Tags: ,

 Stimmung: So gut bin ich eigentlich gar nicht drauf...:(

Hatte frei und bin durch die Stadt gerannt. Wollte mit Kultur den Mist des Alltags von der Seele spülen. Außerdem war Natron da und das Wetter schön.

Sonnabend waren wir im Deutschen Historischen Museum im Zeughaus von Berlin. Da läuft momentan (noch bis 29. Juli) eine Sonderausstellung zur Modegeschichte: “Fashioning Fashion”. Meine rührigen User waren natürlich schon da, und nach ihren Kommentaren gehend hatte ich eine “kleine” Ausstellung erwartet die Natron und ich in einer Stunde durch hätten. Dem war aber nicht so. Die Ausstellung beschäftigt sich anhand von Originalstücken mit der Mode zwischen 1700 und 1915. Der beeindruckende Wandel der Silhouetten wird genauso beschrieben wie die (Ver-)Formung des Körpers und die Pracht, Verzierung und Texturierung von Stoffen. Robe á la francaise, Jane Austens Empirekleider, die Turnüre und Sans-Ventre-Linie: Alle sind dabei. Dazu die entsprechende Herrenmode (mitunter nicht weniger absurd) und viel, viel Goldstickerei, Klöppelspitze und geschnittener Samt. Wer ein Interesse an Kostümgeschichte und generell dem Wandel der Mode hat, ist dort gut aufgehoben. Wenn man nicht einfach durchlatscht sondern sich mit den Stücken beschäftigt, sie entdeckt und diskutiert, kann man dort den ganzen Tag verbringen und ist hinterher viel zu platt um noch das restliche Museum zu besuchen. Glaubt mir.

Glücklicherweise waren wir vorher auf dem kleinen Trödel-/Touristenfang-Markt hinter dem Bodemuseum. Ich bilde mir ja immer ein, wenn ich drei Mal im Jahr über einen Trödelmarkt schlendere und dabei einen halben Blick auf vier Bücherkisten werfe, werde ich irgendwann eine Originalausgabe von Stefan George finden. Ahem. Diesmal habe ich immerhin ein paar alte Fotos mitgebracht.

Die haben spontan Geschichten in meinem Kopf ausgelöst. Das ganz rechte mit dem kleinen Wanderer am Bergeshang will ich zusammen mit einer Abschrift von Stefan Georges Gedicht Der Tag des Hirten in einen Rahmen setzen. Die Datierung auf der Rückseite ist vom 5. April 1897, also nur zwei Jahre nach Entstehung des Gedichtes. Und der junge Mann, der durch die beeindruckende Natur zum Berggipfel emporsteigt, hat mich an Georges Bild des über die Welt erhobenen Künstlers erinnert.

Das war dann aber auch genug Kultur für einen durchschnittlichen Sonnabend. Wir hatten ja auch noch eine Verabredung zum Grillen. Mit DrowningOphelia auf der Datsche ihrer Eltern.

Das war total gemütlich und entspannt. Und so Laubenpiepen haben ja ihren ganz eigenen Charme. Wenn ich mal groß bin, hätte ich auch gerne so einen urbanen Garten. Ein bisschen rumpelig, aber mit Apfelbaum und wunderschönen alten Bodenfliesen.

Grillen ohne männliche Freunde hat ja eine ganz andere, entspannte Qualität. Und endlich mal Keiner, der blöde Sprüche über fehlende Tierleichen auf dem Grill macht. Ganz lockeres vegetarisches Grillen mit Mädchenbier und Fußball auf dem Smartphone. Denn Fußball war natürlich auch und ist vor allem zu Natrons Freude gut ausgegangen.

Später gabs dann noch geröstete Marshmallows und da seht ihr auch, was ich für eine elendige Frierliesel bin. Zwei Jacken während Natron noch im T-Shirt rumsitzt.

Heute gab es dann noch mal Museum. Ich gehe mit niemanden so gerne in Ausstellungen wie mit Natron und muss es deshalb immer ausnutzen, wenn sie an der Spree ist oder ich an der Alster bin. Außerdem fühlte ich mich irgendwie persönlich angesprochen, als ich neulich über eine Ausstellung zur Kultur des Selbermachens las: “Do It Yourself – Die Mitmach-Revolution” im Museum für Kommunikation (noch bis 2. September). Das ist ja quasi Pflichtprogramm für Natron und Soda. Schon alleine das Poster der Ausstellung auf dem die “Freiheit, das Volk anführend” mit Hammer und Schraubzwinge bewaffnet ist, finde ich grandios.

Ich war noch nie im Museum für Kommunikation und entsprechend beeindruckt vom klassizistischen Prunkbau und der wirklich ansprechenden Gestaltung der Themen im Inneren.

Im Lichthof begrüßen einen drei Roboter die sich selbsständig über den Hof bewegen, einen Ball jagen und die Besucher von der Seite anquatschen. Ganz entzückend. Die haben wir sofort ins Herz geschlossen. Und weil im Museum wirklich absolut nichts los war, hatten die Mitarbeiter auch Zeit uns noch einen Schwang zum Lichthof und seinen Bewohnern zu erzählen.

Die DIY-Ausstellung im zweiten Stock war dann auch wirklich spannend, toll umgesetzt und hat auch Natron und mir, die wir uns wirklich schon viele Gedanken über das was wir tun und warum wir es tun gemacht haben, noch etliche interessante Denkanstöße gegeben. Selbermachen ist sehr viel und funktioniert auf sehr vielen Ebenen: Beschäftigungstherapie, gesellschaftlicher Normerhalt, Bewahrung und Veränderung der Welt, persönliche Freiheit, Kommerzialisierung, Revolutionsbewegung… Um mal einige Aspekte der Ausstellung zu nennen. Wer also in Berlin ist und sein Hobby mal hinterfragen will, dem sei das MFK sehr ans Herz gelegt.

Nicht zuletzt wegen der wirklich liebevollen Ausstattung. Im Spiegel des Toilettenvorraums kann man zB als Briefmarke posieren. Wir waren heute nur in der Sonderausstellung und haben danach noch eine Weile über das Thema diskutiert. Ich hätte aber Lust auch das restliche Museum mal anzusehen. Irgendwann mit Natron.

*”Andys Omas Garten” war zu meinen Abiturzeiten eine feste Partylocation für meine Freunde (darunter jener Andy) und mich. Ich habe die Oma nie kennengelernt und inzwischen auch keinen Kontakt mehr zu irgendwem aus der Zeit, aber an die Laube erinnere ich mich noch gerne.

Read the fucking instructions

28. Mai 2012 (20:45 h) – Tags: ,

 Stimmung: Mehrere Stunden Sport an der frischen Luft! Wie konnte denn sowas passieren?

Sonnenschein! Ein freier Tag! Ihr wisst was das bedeutet: Ich musste die Skates ausprobieren gehen. Dafür hatte ich mich ja schon neulich ganz enthusiastisch mit DrowningOphelia verabredet. Und heute waren wir auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof. Da kann man auf den Rollfeldern und Start- und Landebahnen ganz wunderbar entspannt skaten.

Wenn man es denn kann. Ich konnte als Kind Rollschuhlaufen und Schlittschuhlaufen. Das ist aber zwanzig Jahre her. Seit dem stand ich nie wieder auf so unsicheren Schuhen. Wenn mich Ophelia nicht an der Hand genommen hätte, ware ich ganz bestimmt nicht vom Rasen runter gekommen und schon gar nicht so mutig losgerollt. Aber sie war für mich da, und außerdem hatte ich mir ja vorgenommen einfach zu machen und nicht so viel rumzueiern oder mit X-Beinen kreischend in der Gegend rumzustehen.

Und dann lief es echt gut. Offenbar speichert das Gehirn auch Bewegungsabläufe und man kann sie dann nach ewigen Jahren noch einigermaßen abrufen. Ich bin immerhin nicht hingefallen (NICHT HINGEFALLEN!) und kam ganz gut voran. Das Rumgefuchtel mit den Armen könnte noch sehr viel lässiger werden, aber was meinen ersten Tag auf Inlinern angeht, bin ich echt stolz auf mich.

Und hey, da ist der Eismann! Dem haben wir gleich mal zwei Wassereis abgekauft. Das Wetter heute war fantastisch, warm aber leicht windig und teilweise bewölkt, sonst wäre es echt zu heiß gewesen. Ist ja doch anstrengend, wenn man da seine Kilometer runterreißt. Wir sind ums halbe Gelände gefahren und mehrfach die nördliche Startbahn rauf und runter. Mal gucken wo ich morgen den Muskelkater spüre.

Die Tempelhofer Freiheit ist ein wirklich ganz toller Park mit jeder Menge Sportlern, unheimlich viel Platz und dem nostalgischen Charme eines alten Flughafens. Da muss man auch mal anhalten und die Startbahn im Panorama fotografieren. Wenn es nur nicht so schwer wäre wirklich an einem Punkt stehen zu bleiben…

Ich mag es total, dass auf dem Vorfeld noch ein altes Flugzeug steht, die Markierungen auf dem Asphalt nicht entfernt wurden und man auch noch auf diese Leittafeln stößt.

Ophelia und ich, die beide mehr Ahnung vom Internet als von der Luftfahrt haben, konnte hier drüber lachen: Hold for Follow Me or read the fucking instructions. Tatsächlich wird es wohl bedeuten, dass der Pilot entweder das Follow Me-Fahrzeug abwarten soll oder den Anweisungen des Towers folgen, die über Sprechfunk (Radiotelephone = RTF) vermittelt werden. Habe ich mir gerade mal so zusammengegoogelt.

Tempelhofer Freiheit

22. August 2011 (17:07 h) – Tags: ,

Bei dem seltenen schönen Wetter des Wochenendes war ich mal wieder unterwegs. Meene Stadt ankieken. Der ehemalige Flughafen Tempelhof, inzwischen ein Park,  gehört fast noch zu meinem Kiez und vor einigen Jahren hab ich sogar noch dichter dran gewohnt. Fast schon auf dem Rollfeld. So war ich 2008 auch gegen die Schließung, denn die basslastigen, alten Propellerflugzeug so direkt im Wohnzimmer zu haben, das hatte viel nostalgischen Charme. Überhaupt ist am Flughafen alles Vergangenheit: Naziarchitektur, Luftbrücke, amerikanische Besatzung. Das hat alles seine Spuren hinterlassen und man sieht sie noch heute.

Hier werden heute keine Stadtrundflüge und Learjets mehr abgefertigt. Flugbetrieb gibt es dennoch ohne Ende: ferngesteuerte Hubschrauber, Miniatursegelflieger am Katapult und eine unendliche Fülle von Drachen, fliegenden Wimpelketten und Gleitschirmen die einen Menschen auf einer Art Skateboard ziehen. Alle ohne Starterlaubnis vom Tower.

Auch am Boden ist in diesem seltsamen, baumlosen Park einiges los. Es gibt Jogger, Skater, Leute die Fußball spielen und sogar ein Baseballfeld. Ich habe noch nie echte Menschen live vor meinen Augen Baseball spielen sehen. Hat, vermutlich aufgrund der Trikots, ein ungemein altmodisches Aussehen. Ich persönlich hatte beim Anblick der fast ganz ebenen Rollbahnen wirklich Lust bekommen, mich mal an Inlinern zu versuchen. Oder verlernt man das wenn man erwachsen wird? 

Und der darf natürlich auch nicht fehlen. Keine Party ohne den Fernsehturm. Auf dem roten Schild steht, wofür diese spezielle Grünfläche bestimmt ist. Manche von den Wiesen sind Vogelschutzgebiete, manche Grillplätze oder Hundeauslaufbereiche. Ich persönlich wäre dafür, da mal ein ordentliches Metalfestival zu veranstalten. Mit allen meinen Lieblingsbands als Headlinern. Ich hätte die kürzeste Anreise ever.

Bis dahin drehen Herr Fahrrad und ich gerne noch ein paar Runden auf der Landebahn. Wissend, dass sich darunter unendliche, sagenumwobene Tunnel und Kellerräume befinden (der Flughafen ist immernoch das zweitgrößte zusammenhängende Gebäude der Welt, und zwar nicht wegen dem was über der Erde gebaut ist). Und in irgendeiner dieser Kammern, noch völlig unentdeckt, liegt das Bernsteinzimmer. Bin ich mir ziemlich sicher.

Institut für Amöbenrechte

8. Juni 2011 (10:44 h) – Tags: , , ,

Vielleicht glaubt ihr mir das nicht, aber ich habe mich auch über eure kritischen Kommentare zur Amöbe gefreut. Ich kann nachvollziehen, dass das unter Umständen unverständlich weil kontextgebunden ist, aber für mich hat der Overall einen Look. Das Sackige daran IST der Style der Klamotte ;) Trägt man in Rixdorf momentan so. Aber Berliner Streetstyle ist ja eh ein Kapitel für sich. Passend dazu hat eine lokale Tageszeitung diese Printwerbung rausgebracht:

Hing hier an der Bushaltestelle und hat mich sehr begeistert. Aus der Kampagne gibt es noch mehr wirklich gute Motive. Wenns euch interessiert: Die Mopo kennt Berlin!

Ich werde also das Oberteil nicht enger nähen. Ich mochte aber Junikas Idee mit den Hosentaschen. Die wären wirklich eine gute Ergänzung. Ich werde mal schauen was die Stoffauflage sagt, aber ich fürchte fast, aus dem Batikstoff werden keine Taschen mehr rauskommen, der ist eine knappe Angelegenheit.

Der Geruch von Sonnencreme

4. Juni 2011 (22:41 h) – Tags: , ,

Heute wieder 30 Grad in B. an der Spree. Da hatte ich echt keine Lust zu Hause zu bleiben. Also haben mein geliebtes Fahrrad und ich einen Ausflug gemacht.

An dem häng ich sehr. Das ist uralt, hat mal meinem Vater gehört. Auf der Stange sieht man noch die Stellen wo früher mein Kindersitz (!) befestigt war. Ich will nie wieder ein anderes Fahrrad und schon gar kein Damenrad, das ich mir nicht über die Schulter hängen kann wenn ich es aus dem Keller schleppe. Der rostige Lenker und der ganze abgerockte Look sind übrigens Diebstahlsicherung und Style in einem. Der Fahrradklau in dieser Stadt ist echt grauenvoll.

Wir waren erstmal auf dem Samstagsmarkt. Den wollte ich mir ja schon länger mal anschauen, zumal Berlinbesucher öfter mal danach fragen.

Also, ich sage mal so: Hälfte Stoffe und Kurzwaren, Hälfte Tourikram. Der Teil zur Ankerklause hin ist der, auf dem sich die meisten Stoffhändler die auch regulär auf dem Türkenmarkt zu finden sich, niedergelassen haben. Man erkennt nicht jeden sofort weil sie ja andere Plätze haben. Der Glitzerwarendealer und mein Kurzwarenhändler sind auch da. Das ist gut und sicher eine tolle Sache für alle die weder Dienstags noch Freitags auf den Markt kommen. Der Rest ist marktgewordener Kleinkram: Kissenbezüge, Babylätzchen und eingeschlagene Notizbücher. Röckchen aus Patchworkstoffen. Nachgemachte Threadless-Shirts. Und Sarouelhosen soweit das Auge reicht. In Einheitsgröße, mit Gummizug. Ja, würd ich auch anbieten, aber originell ist was anderes. Außerdem erinnere ich mich noch zu gut daran, wie der Style runtergemacht wurde als er neu war. Nagut. Einer hatte sehr interessante Postkarten mit Ausschnitten von Stadtschildern (“Ichstadt” aus dem Friedrichstadtpalast-Logo und so Sachen) und Streetart. Und vielleicht ist ja auch mal selbstgebastelter Schmuck bei, der einem gefällt. Aber ist schon alles sehr deutlich mit “100% Berliner Handarbeit” und “Souvenir aus Rixdorf” beschrieben. Mich meinen die nicht.

Ich bin dann auch weitergefahren, am Kanal entlang fährt man schön bis fast an den Potsdamer Platz, dann ein bisschen unter die Touristen mischen und schließlich elegant durch den Tiergarten radeln. Ahh. Mit Fahrtwind war das gar kein übles Wetter.

Was ich (Freitag) auf dem Türkenmarkt erstanden habe zeig ich auch noch kurz. Näh meine komischen Hosen nämlich selbst.

Das hier könnte euch bekannt vorkommen. Den Stoff habe ich letztes Jahr schonmal auf dem Markt gekauft und das Maxikleid V1 draus genäht. Ein ganz wunderschöner Stoff. Hab mich echt gefreut den nochmal zu bekommen. Damit auch diesmal der ganze Farbverlauf drauf kommt möchte ich eine Art Overall mit Trägern, Smok und Pluderhose draus machen.

Das hier ist Kunstfaser, eine Art Kreppchiffon, aber mit Glitzerstreifen! Musste ich haben. Wird eine Hose, entweder Aladin oder Burdas Strandhose, mal sehen.

Wunderschönes 12059

29. Januar 2011 (19:01 h) – Tags: ,

Heute nur Bären. Ich hab mal wieder in der großen Stadt gewildert und Fotos gesammelt. Fangen wir mal vor meiner Haustür an.

Manchmal habe ich den Eindruck, die Leute machen sowas nur, damit ich was für den Blog habe. Das ist in einem Schaufenster am Hermannplatz. Dass da mal Straßenbahnen gefahren sind..!

Zwei U-Bahnstationen weiter, am Kotti, entdecken wir den ersten Bären. Berliner Bären! Der hat schließlich eine Krone auf. Ich mag die rasanten Linien und die Kringel. Könnte man nie langsam nachzeichnen.

Mein Lieblingsbär ist aber der hier. Der sieht so flauschig aus!

Wieder mit Krone. Und ach, home sweet home! Das ist ein Kunstprojekt am Steglitzer Bierpinsel, was mehr in den Kiez meiner Kindeit fällt. Das hier ist ebenfalls am Bierpinsel, noch ganz zu Anfang der Grafittiarbeiten. Bär mit Sprühdose, aber ohne Krone.

So rot war der Turm ursprünglich, ist er aber längst nicht mehr. Ist insgesamt ein grandioses Projekt geworden, lohnt sich da mal genauer reinzsuchauen. Nur den Architekten gefällt es nicht *g* Das sind die selben die auch das Internationale Congress Centrum in Berlin gebaut haben, ein gebäudegewordener Teil der Futurismusbegeisterung der Siebziger Jahre. Von den Berlinern liebevoll “Panzerkreuzer Charlottenburg” genannt, sieht das ICC wirklich aus wie direkt aus “Krieg der Sterne” entsprungen. Ich liebe es!

So, noch ein bischen Weltall. Zwei Kometen die spektakulär über der Stadt verglühen. Nee, die Kondensstreifen zweier Flugzeuge am Abendhimmel. Aber trotzdem.

Und schlussendlich, nochmal Berlin als Oberkitsch zum Ausdrucken und Einrahmen. So, noch jemand nicht von der Schönheit der Hauptstadt überzeugt? ;)

In Rixdorf is Musike

5. Dezember 2010 (13:59 h) – Tags:

In den letzten Jahren ist es bei mir zu einer schönen Tradition geworden, den einzigartigen Rixdorfer Weihnachtsmarkt zu besuchen, der leider nur an einem Adventswochenende, dafür aber gleich um die Ecke stattfindet. Obwohl es nur ein paar Minuten zu Fuß sind, könnte der Kulturunterschied zwischen Neukölln und Neukölln nicht größer sein. Mitten im Ghetto befindet sich der Richardplatz, und dort der historische Ortskern von Richardsdorp, dem kleinen Dorf das Rixdorf seinen Namen gab. Erst Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurde Rixdorf dann in Neukölln umbenannt und zwar – man höre und staune – weil die Gegend schon damals so einen mieserablen Ruf hatte der durch die Namensänderung immerhin vertuscht werden sollte. Manche Dinge ändern sich auch nie.

Das Böhmische Dorf also ist die Keimzelle der 650jährigen Geschichte von Rixdorf. Ein noch heute ganz entzückendes Fleckchen mit Schmiede, Kirche und Katzenkopppflaster. Entsprechend ist auch der Rixdorfer Weihnachtsmarkt eine Mischung aus Ständen von unterschiedlichen charitativen Origanisationen und Heimatkunde zum Anfassen. Ganz viel glühweinseelige Nachbarschaftlichkeit und ein bischen heile Welt, an der sowohl Rütli-Schüler als auch die ehrenamtlichen Helfer vom Hospiz Ricam teilnehmen.

Es ist ganz rührend und ein bischen kitschig, aber dafür ist ja auch Weihnachten. Dieser historische Kiosk sieht schon fast wie eine Disney-Kulisse aus. Tatsächlich dient er das restliche Jahr über als Versteck für die Polizei die aus diesem Hinterhalt Geschwindigkeitskontrollen durchführt. Im Böhmischen Dorf gilt Tempo 10 ;)

Ein paar Kuriositäten habe ich aber auch mitgebracht. Angefangen bei diesem Traditionsunternehmen, das für jede Gelegenheit die passende Kutsche parat hat. Tatsächlich gehört zu dem Schild ein alter Hof mit Ställen und dort kann man auch eine kleine Auswahl der Kutschen besichtigen. Habe ich natürlich gemacht.

Ein paar Meter weiter gab es einen Stand der Geld für die Betreuung freilebender Katzen sammelte. Alles an dem Stand waren Katzen. Als Broschen, Bilder, Porzellanfiguren. Ich habe dieses entzückende Kissen mitgenommen. Und irgendwie rührend, schon bevor es bei mir einzog waren Katzenhaare drauf ;)

Und dann habe ich noch einen Euro in Nostalgie, Stadtgeschichte und Blödsinn investiert. Was ist meine andere Schwachstelle, neben Katzen? Richtig, Literatur. Alte Literatur. Für sage und schreibe einen Euro gabs drei gebrauchte Reclamhefte. Zwei Mal Wagner, den wollte ich sowieso mal lesen. Aber diese uralten Ausgaben! Ich schätze sie auf die zweite Hälfte der 1920er Jahre.

Im Tannhäuser liegt noch ein Werbezettel der Reclams Universalbibliothek anpreist: ”Auf weißes, holzfreies Papier in großen, modernen Schriften gedruckt; fester, künstlerischer Einband”. Für 80 Pfennig gabs damals auch moderne Autoren wie Hermann Bahr und Arthur Schnitzler. Darüber hinaus sind beide Bänder mit Bleistift in Sütterlin beschrieben.

Ich entnehme dem Rheingold, dass es jemandem von der Städtischen Oper (heute die Deutsche Oper) Berlin gehörte. Es sind die Namen der Darsteller vermerkt, sowie die Daten 20.2.27 und 6.3.1928. Vermutlich haben sie das Rheingold dort aufgeführt, Google wollte mir aber nix dazu ausspucken.

Das dritte Heft ist ein neues. Das Verlorene Paradies von John Milton. Habe ich zwar schon als “schöne” Ausgabe in englisch, aber ich musst so lachen als ich das hier aufgeblättert habe, deshalb hab ichs mitgenommen. Das Lesezeichen ist von der Herrnhuter Brüdergemeine in Rixdorf. Gottes Segen als Lesezeichen im Milton. Wir erinnern uns, Milton, der Besserwisser mit den markigen Sprüchen. Better to reign in hell than serve in heaven. Und so.

Hello, my name is: Ayşe

7. November 2010 (16:53 h) – Tags:

Wie ihr regelmäßigen Leser ja inzwischen wisst, wohne ich in der türkischen Besatzungszone Berlins. Das hat auch mein Telefonanbieter bemerkt.

Das haben die geschäftstüchtigen Hamburger bestimmt an alle Kunden in der Sonnenallee geschickt. Ich musste so lachen, als ich das Schreiben aufgemacht habe. Es reicht nicht, dass ich hier im Kiez oft auf türkisch angesprochen werde und manche Zeitgenossen dann ernsthaft mit mir darüber diskutieren wollen, ob mein Name deutsch oder türkisch wäre. Auch Tante Alice hat mich fest in Istanbul angesiedelt. You can call me Ayşe.