Mein unbesinnliches Weihnachten

30. Dezember 2014 (12:40 h) – Tags: ,

Musik: Kreator - Amok Run | Stimmung: Dieses Jahr geh ich nicht mehr arbeiten!

Wie ich hier vermutlich auch schon oft genug erwähnt habe: Ich bin kein ganz großer Freund von Weihnachten. Also von dem was da draußen üblicherweise so abgeht: Turbokonsum, Glühweinbesäufnisse, gnadenlos überzogene Erwartungen und eigentlich wünscht man sich nur, dass alles ganz bald vorbei geht. Insofern habe ich mich auch aus allem was mit Flitterketten und LED-Kerzen daherkam rausgehalten. Dank meiner Freundin Ophelia bin ich aber kurz vor knapp doch noch zu zwei erfrischend unbesinnlichen Adventserlebnissen gekommen. Und sieh mal einer an, wenn man den ganzen Plastikmüll zur Seite geschaufelt hat, liegt darunter doch noch etwas echter Weihnachtszauber und rührt einen so ganz leicht ans Herz.

Natron und Red waren zu ihren Familien in die große Stadt gekommen und wir trafen uns alle am Vorweihnachtswochenende bei der Geburtstagsparty eines Freundes. Ophelia schlug vor, am Sonntag den Weihnachtsmarkt im Plänterwald zu besuchen. Der fand auf dem Gelände des ehemaligen Spreeparks statt, also in einem verlassenen Freizeitpark. Klang unweihnachtlich, also waren Natron und ich dabei.

Vom S-Bahnhof waren wir durch den völlig unbeleuchteten, matschigen Plänterwald gelaufen und hatten über Wölfe und Nachtwanderungen geredet, und das war vermutlich die magische Grenzmarkierung die den ganz normalen Dezember in Berlin von der surrealen Parallelwelt des postapokalyptischen Weihnachtsmarktes abtrennte. Ernsthaft, die Atmosphäre zwischen Riesenrad, Lichtinstallationen, Feuertonnen und Zirkuszelt war so dicht und unwirklich wie ich es nie erwartet hätte wenn man sich eigentlich nur auf einen Glühwein treffen will.

Das Riesenrad als Wahrzeichen des „populärkulturell mythisierten“ Lunaparks sieht man tagsüber schon von weiter her. Natürlich ist es nicht mehr in Betrieb, hier war es aber effektvoll illuminiert und drehte sich auch. Mit einem Geräusch wie tausend gequälte Seelen. Der urbane Endzeitfilm in meinem Kopf ging sofort los.

Es war nicht so voll, es gab Glühwein und ein wenig Nieselregen und überall waren Lichteffekte auf die Häuser, Bäume und Pflastersteine geworfen. Auf einer kleinen herzförmigen Bühne stand eine DJane und spielte Weihnachtsmusik die erfreulicherweise gar nichts Feierliches hatte. Daneben hatte man die Schwanenboote von der Spree geholt und zwischen Feuertonnen gruppiert.

Wir wanderten unter den Lampen die in den Bäumen hingen durch und vorbei an einer Lichtpyramide aus Regenschirmen. Dahinter stand ein Zirkuszelt und darin haben sie tagsüber wohl Märchen für Kinder vorgelesen. Im Stroh standen Sofas, es duftete nach Kindheit und Ophelia las uns uns die erste Seite von „Hans und die Bohnenranke“ vor. War das nicht die Geschichte bei der ich mich immer furchtbar gegruselt hatte wenn der Riese „Ich rieche, rieche Menschenfleisch!“ gerufen hatte?

Es gab auch Dinosaurier und ein Ufo und an eine Häuserwand hatte jemand ein Graffito gemalt das berlinerisch „Frohet Fest“ wünschte.

Das war vermutlich der beste, ungewöhnlichste Weihnachtsmarkt ever und ich bin total froh, dass wir da waren. Als ich am nächsten Tag meine Fotos durchschaute entdeckte ich was passiert wenn ich zu meinen Freunden sage: „Halte mal die Kamera, ich geh aufs Klo!“

 

Zwei Tage später hatte ich einen anderen Weihnachtstermin, wieder mit Ophelia. Die hatte mir schon neulich eine Telegram-Nachricht geschickt:“Wir haben Karten fürs Weihnachtssingen und auf einer steht dein Name!“. Neben den Hamburger Fußballfans gibt es in meinem berliner Freundeskreis als Ausgleich eine Eisern Union Clique um Ophelias Freund. Mit denen traf ich mich am Vorweihnachtstag im Stadion an der Alten Försterei. Nicht zum Spiel, sondern zum Singen. Die Unioner, die ja schon im Sommer ihr Stadion in ein riesiges Public Viewing Wohnzimmer verwandelt hatten, treffen sich traditionell am 23.12. um gemeinsam Weihnachts- und Fußballlieder zu singen. Mit Glühwein, Kerzenschein und Weihnachtsmützen in ihren Vereinsfarben.

Was Fußball angeht bin ich ja mehr mitgefangen-mitgehangen als selber interessiert, aber ich war sofort total beeindruckt mit was für einer großen Begeisterung die Unioner bei der Sache waren. Wenn 27500 Menschen ihre Vereinsparolen brüllen, so dass sie durchs Stadion hallen, ist das schon nicht ganz wenig gänsehaut. Ophelia, die früher genauso wenig Fußballinteresse wie ich hatte, fachsimpelt heute mit Natron über Trainerwechsel und kann natürlich ihre Vereinshymne auswändig singen. Es steckt unweigerlich an.

Wir kämpften ein wenig mit dem Wind der unsere Kerzen immer wieder ausblies und dem Liederheft in dem keiner so schnell die richtige Seite fand, aber wir hatten unglaublich viel Spaß.

Kaffeebecher vom Getränkestand verwandelten unsere Kerzen später in kleine Laternen und die funktionierten total super. Es fühlte sich ziemlich ungewohnt an Weihnachtslieder mal richtig zu singen statt immer nur möglichst laut irgendwo den Refrain mitzugröhlen, aber es war toll. Total rührend, dass es sogar ein Union-Weihnachtslied zur Melodie von „In Der Weihnachtsbäckerei“ gibt.

Die anderen zogen mir im Laufe des Abends auch eine Weihnachtsmütze auf den Kopf und ich schätze, dass ich damit in die Familie adoptiert bin. War auch voll schön bei euch. Danke, dass ihr mir doch noch etwas kitschiges Weihnachtsfeeling untergejubelt habt, Eisern Union!

Guten Tag, kann ich Ihnen was aufschwatzen?

1. März 2014 (18:05 h) – Tags: , ,

Musik: Kiss - God Gave Rock 'n' Roll To You 

Es ist nicht besonders warm in der großen Stadt, aber dafür wunderbar sonnig. Ich habe ein freies Wochenende und musste mir für die bestandene Stresswoche was gönnen. Also war ich trödeln, was Besseres gibt es bei Sonnenschein und Frühlingsfrischluft fast gar nicht.

Am Freitag besuchte ich erstmal den Möbeldealer in der Richardstraße und sah mich nach einer Kommode fürs Wohnzimmer um. Die Kommode soll an die Wand gegenüber des Sofas und sie ist fürs Vorankommen des gesamten Wohnzimmers so etwas wie das lange Element für ein gewonnenes Tetris-Level: Ohne kommt man einfach nicht weiter. Ich will noch Bilder und anderen Scheiß an und vor die Wand hängen, aber ich weiß ja nicht wohin wenn ich nicht weiß wie groß die Kommode wird. Das bremst mich also schon eine Weile, deshalb hat die Kommode inzwischen eine recht hohe Priorität. Der Kieztrödler war nett und hatte auch ein paar Kommoden die er mir sogar nach Hause liefern würde. Alle nicht in Top-Zustand, aber ich habe ohnehin festgestellt, dass mich immer grade die schrabbeligen Exemplare interessieren. Viele Schränkchen waren ziemlich groß, mehr für die 200-qm-Wohnungen die man im neunzehnten Jahrjundert offenbar so eingerichtet hat. Ich hab jetzt zwei bis drei Modelle in die Auswahl genommen aber noch nichts gekauft.

Heute bin ich dann erstmal auf den Fehrbelliner Platz gefahren. Ohne irgendwas zu suchen, einfach so zum Stöbern. Die Gesellschaft von altem Kram macht mich glücklich. Ich hab ein paar Jugendstilbroschen angeschaut und einen mentalen Vermerk zum Teppichhändler gemacht, der hatte nämlich auch so kleine orientalische Brücken wie sie gerne noch bei mir ins Wohnzimmer einziehen dürfen. Neben dem ganzen Gerümpel was man kaufen könnte, mag ich Trödelmärkte aber auch für ihre Händler. Ich habe folgende wunderbare Konversation zwischen zwei älteren Herren mitbekommen als sich ein potentieller Kunde für ein Set Briefmarken interessierte: Kunde: „Und was sollen die kosten?“ Händler: „Dieter, watt willste denn für die hier haben?“ Dieter: „Wie viele sind denn da drauf?“ Händler (betrachtet die Briefmarken): „Fünf Jute, der Rest is Kompott.“ Dieter: „Dann zehn Euro.“ Auch mein Titel ist das Zitat eines anderen Händlers bei dem ich später einkaufte und noch was geschenkt bekam.

Es hat mich nichts so richtig angesprungen, deshalb habe ich den Fehrbelliner Platz wieder verlassen ohne eingekauft zu haben. Aber es ist von dort ja nicht so weit zum 17. Juni. Wo der auch von Touristen gut frequentierte Trödelmarkt ist auf dem ich meine Wohnzimmerlampe gekauft habe. Die Händler dort haben mMn etwas hochwertigere Waren und der Markt ist auch deutlich größer. Es lohnt sich beide abzugrasen, dann sollte man aber mit dem Fehrbelliner Platz anfangen und gut Zeit einplanen um zwischenzeitlich auch mal was zu essen. Nur so als Veranstaltungstipp für Berlinbesucher.

Der 17. Juni war super heute. Gleich zu Anfang begegnete mir eine wunderschöne Tischlampe die perfekt ins Wohnzimmer gepasst hätte, nur habe ich gar keinen Tisch dafür. Vielleicht für die Kommode? Erstmal weitergegangen. Die Russin der ich meine Deckenlampe abgekauft hatte bot wieder tolle Art Déco Lampen an, ein anderer hatte ganz kleine Kronleuchter bei denen ich auch fast schwach geworden wäre. Sind ja schließlich zwei Anschlüsse an der Wohnzimmerdecke. Als ich es an einem anderen Stand dann erneut glitzern sah, erinnerte ich mich wieder daran, dass ich ja unbedingt noch einzelne Lüsterkristalle kaufen wollte um sie ins Schlafzimmerfenster zu hängen. Im Wohnzimmer habe ich bereits welche und wenn die Sonne da draufscheint werfen sie hundert Regenbogen-Lichtpunkte ins Zimmer.

Diese Auswahl habe ich heute mitgenommen, für acht Euro. Besonders fasziniert mich der blaue Kristall. In der Art gab es noch violette und orangefarbene. Total schade, dass wir nie erfahren werden an was für einer extravaganten Lampe die mal dran waren.

Ich hab wirklich viel angeschaut, auch viel Schmuck. Ich habe auch bei den Händlern rumgestöbert die „nur“ die üblichen Silberringe mit Steinen oder ohne hatten. Ich trage auch auf Arbeit gerne Ringe und werd da so bald nicht zu viele haben. An einem Stand blieb ich hängen weil mir ein Ring mit Sichelmond und Stern so gut gefiel. „Kosten alle fünf Euro, ist Silber“, sagte der Händler. Für fünf Euro kann man ja nicht viel falsch machen, dachte ich mir. Wir quatschten noch ein bisschen und ich suchte mir drei Ringe aus. „Machen wir zehn Euro, ich wollte dir eh einen Ring schenken“, meinte der Händler als ich bezahlen wollte. Das war total niedlich und rührend.

Ich hab zwei schwarze Steine ausgesucht weil ich auf Arbeit oft Plugs und Ohrstecker mit solchen Steinen trag und dann passt es zusammen und das mag ich total. Der Mondring ist ein bisschen zu groß, passt nur auf den Zeigefinger, aber ich finde ihn so toll. Hab neulich auch schon Ohrstecker mit Mondsicheln gekauft. Den kleinen Ring hab ich bewußt so ausgesucht, dass er auf ein oberes Fingerglied passt. Midi-Ringe finde ich momentan total super.

Total glücklich aber auch zunehmend hungrig klapperte ich noch die zweite Hälfte vom Markt ab. Bekam eine Nachricht von einer Kollegin, dass sich der ganze Stress den wir diese Woche auf Arbeit hatten nun zum Guten geklärt hat. Alles schön. Was mache ich heute eigentlich zu Essen? Ich schrieb schonmal eine mentale Einkaufsliste und war eigentlich bereits dabei den Markt wieder zu verlassen. Aber ich hatte eben einen so reinrassigen Jugendstil-Bilderrahmen in der Hand gehabt… ich frag wenigstens was der kosten soll. Der Händler war grad nicht da, sein Kumpel mit der Ware etwas überfordert. „Zehn Euro?“, schlug er vor. Dann kam der Chef zurück und meckerte. Mein Türkisch ist sehr begrenzt, aber offensichtlich hatte der Kumpel ihm grade den Preis ruiniert. „Nee, also zwanzig muss ich auf jeden Fall dafür haben! Das ist alt!“ Ich wendete ein, dass weder Glas noch Rückwand dran wären. „Aber das ist Holz! Nagut, fünfzehn.“ Für fünfzehn war der Rahmen dann meins.

Ich denke der bleibt im Wohnzimmer. Eventuell habe ich noch genug Plexiglas im Keller um das Glas zu ersetzen. Was ich da rahmen will weiß ich noch nicht. Ist aber das kleinste Problem.

Auf dem 17. Juni habe ich neben den weiter verbreiteten Möbelgriffen aus Porzellan auch welche aus Messing gesehen, sogar mit Art Déco Mustern. Damit könnte ich die Griffe meiner in der Richardstraße favorisierten Kommode austauschen, wenn ich sie denn kaufen sollte. Die war ziemlich abgerockt, ein Griff fehlte, die Zierelemente auf der entsprechenden Tür ebenfalls. Dafür sollte sie fast nix kosten und ich weiß, wie viel Spaß ich am Aufarbeiten hätte. Wenn das Teil eh nicht mehr so edel ist kann ich da auch viel entspannter irgendwas mutiges mit machen. Hm. Ich glaube in dem Tetris-Vorschaufeld habe ich grade das lange Element gesehen.

Gute alte Tante Hertha

27. August 2013 (13:01 h) – Tags: ,

 Stimmung: Lesen oder Wände bemalen...Oh diese Entscheidungen!

Das Wohnzimmer ist soweit jadegrün. Ich hatte am Samstag mit Ophelia ihre für eine Neubauwohnung zu hohe Leiter gegen meine kleinere getauscht und konnte nun auch die Ecke überm Bücherregal streichen ohne mein Leben dabei zu riskieren. Danke, Ophelia!

Das restliche Wochenende habe ich mir dann aber eine Auszeit vom Renovieren genommen. Natron und Red waren in der Stadt und hatten ihren Hamburger Sportverein mitgebracht. Wir waren alle bei Tante Hertha im Olympiastadion auf ein Tässchen Bier eingeladen.

Ich war – Asche auf mein westberliner Haupt – noch nie im Olympiastadion. Deshalb bin ich gerne mitgekommen, auch wenn ich jetzt nicht der größte Fußballfan unter der Sonne bin.

Und sieh an, das Olympiastadion ist ziemlich beeindruckend. Wir sind fälschlicherweise durchs Osttor reingegangen, aber egal, konnten wir den Prunkbau noch etwas weiter umrunden.

Unsere Plätze waren nämlich in der Nähe der Gasttribüne, mehr am Marathontor. Kennt man ja aus dem Fensehen. Bei aller-allerbestem Stadionwetter konnte man da gut sitzen, sehen und auch fix rausklettern und Getränkenachschub besorgen.

Dass Stadion und Spielfeld im Fernsehen viel größer aussehen und in echt erfreulich kleiner und überschaubarer sind, wußte ich schon von Schalke. Dass man beim Spiel auf sein eigenes Urteilsvermögen vertrauen sollte, merkt man erst wenn die weisen Kommentare von Béla Réthy fehlen. Zum Glück hat Natron auch ziemlich viel Ahnung von Fußball.

Es hat jedenfalls total viel Spaß gemacht. Ich habe einen Plastikbecher mit Fabian Lustenberger mitgenommen damit ich beim nächsten Festival zwischen Red mit HSV-Becher und Natrons Paulibecher auch meine Stadt repräsentieren kann. Wackenbecher hat ja jeder bei, die verwechselt man zu leicht.

In Anbetracht des taggenauen fünfzigjährigen Bundesliga-Jubiläums hätte man den Hamburgern auch gerne noch ein Tor gegönnt, aber so funktioniert es halt nicht und die Hertha hat schließlich mit 1:0 gewonnen. Red hats mit Fassung getragen. Überhaupt fand ich es total süß, wie er und seine Frau mit ihren gegnerischen Fußballshirts trotzdem das gleiche ungewohnte Blau getragen haben.

Sind sie nicht Zucker?

Wir konnten nach Abpfiff noch einen Blick darauf werfen, wie effektvoll das Stadion nach Einbruch der Dunkelheit zu illuminieren ist, dann gings zurück nach Neukölln, wir hatten noch was vor.

Wir hatten den ganzen Tag über ziemlich entspannt ausgesehen. In Ermangelung eines Fußballshirts habe ich wenigstens ein sportliches angezogen.

Für den Abendtermin musste aber andere Garderobe her. In Reminiszenz an alte Zeiten haben wir uns aufgegruftet und sind zur Alten Sack Party ins K17 gefahren.

Im K17 habe ich früher echt viel rumgehangen, insofern war es wirklich nett da mal wieder hinzugehen. Außerdem müssen wir alten Säcke bei der Party keinen Eintritt bezahlen.

Auf einem von vier Floors lief der ganze alte Scheiß der als wir vor zehn Jahren dazu getanzt haben schon alt war. Sisters, Joy Division, In Extremo, Suicide Commando. Ein Nostalgieflash nach dem anderen. Ich habe mir zwei Songs vom DJ gewünscht und anders als früher wurden sie auch prompt gespielt. Nach „Sparrows and Nightingales“ von Wolfsheim zu fragen und damit die Tanzfläche knüppeldicke zu füllen war eine Freude die mir mit Zwanzig konsequent verwehrt geblieben ist.

Von der erfreulich alten Musik abgesehen war es auch toll so viele bekannte Gesichter zu sehen. Neben denen die auch vor zehn Jahren schon auf jeder Party waren, mit denen man aber nie gesprochen hat, waren auch jede Menge Freunde, mein halber Tribe, deren Freunde, Nuschen und Bekannte da.

Sieht hier ein wenig wie Strandparty am Jugendgefängnis aus, ist aber der Hinterhof vom K17. Ja, wir haben viel Spaß gehabt, getanzt und gequatscht.

Sonntag hätte ich dann total viel machen können. Meine überfällige Steuererklärung zum Beispiel oder einen Skaterausflug nach Tempelhof. Aber ich hatte ehrlich gesagt keine Lust und habe mich anstätten mit Ned Stark und Robert Baratheon aufs Sofa gepackt und den ganzen Tag „Game Of Thrones“ gelesen. Und das war super.

Der erste Tag vom Rest des Jahres

16. April 2013 (11:53 h) – Tags: , ,

Musik: Siouxsie singt irgendeinen Katzen-Schlager 

Ich bin entschlossen in diesem Jahr einen tollen Sommer zu haben. Und gestern war der erste Tag davon. Endlich warm – über 20°C – und ich musste nicht arbeiten.

Nachdem neulich meine Boots auseinandergefallen sind (der Winter war einfach zu lang) habe ich die Chucks-Saison eröffnet. Und nun konnte ich sogar meine Destroyed-Jeans mal wieder aus dem Schrank holen und ein weißes Shirt das ich im Weihnachtssale gekauft hatte und das seit dem auf tolles Wetter wartet. Und ohne Jacke rausgehen! Unglaublich. Zum Supermarkt um die Ecke habe ich sogar mal offene Schuhe getragen. Kann man das glauben! Vor zwei Wochen lag noch dicker Schnee.

Und wer darf auch nicht fehlen wenn es endlich warm ist? Fahrrad! Fahrrad brauchte nur etwas Luft auf die Reifen, dann waren wir startklar und sind eine große Shoppingrunde gefahren. Ich wollte nämlich die Berliner Filiale von Natrons Secondhand-Paradies mal abchecken. „Colours“ in der Bergmannstraße. Da wo Kreuzberg richtig schön teuer und hipsterverseucht ist. Egal. Dior-Sonnenbrille auf und durch.

Der Laden ist vermutlich sogar noch größer als der in Hamburg. Eine Sektion in der nach Gewicht bzw zu lächerlichen Einzelpreisen abgerechnet wird, ansonsten einzeln ausgepreist. Auf der Suche nach Hosen bin ich nicht fündig geworden, aber das ganze Zeug was man gar nicht vor hatte zu kaufen war in überreichem Maße vorhanden. Mitgekommen sind ein Röckchen, ein Gürtel und was Niedliches für Natron.

Den konnte ich nicht hängen lassen. Baumwollbatist mit Glitzerstreifen, gestuft, gefüttert und in den gesmokten Bund ist ein Band mit Glöckchen eingezogen. Faerieklingelglitzerglücklich für unter zwei Euro. Könnte man noch einen Farbverlauf reinfärben, aber ich glaube ich lass das einfach so.

Der Gürtel hat fünf Euro gekostet, aber ich wollte ihn wegen der Schließe unbedingt haben. Geprägtes Blech mit der Aufschrift „Good Luck“. Der Rest ist braunes Gummiband in welches irgendwer hinten mal zwei Haken eingenäht hat. Ist ein wenig knapp, das werde ich sicher ersetzen.

Das war schonmal eine schöne Fahrradtour und eine gute Beute, aber eigentlich wollte ich ja Hosen kaufen und Shorts draus machen. Aber es gibt bei mir im Kiez ja auch noch einen anderen Secondhand-Laden. Da hatte ich schonmal eine Jeans gekauft und weiterverarbeitet. Also bin ich da noch hingefahren. Und, oh, sie hatten eine Rabattaktion für Hosen. Wie praktisch. Sieben Hosen habe ich probiert, zwei davon mitgenommen. Für zusammen Zehneurofuffzig.

Diese hier ist von Gucci. Oder aus der Türkei. Egal. Sie hat ein ziemlich ramponiertes Label auf der Rückseite, lauter verschiedene Logonieten und -knöpfe und eine recht abenteuerliche Waschung. Oben total aufwändig, nach unten hin sterbenslangweilig. Den Saum hat immerhin mal einer gekürzt. Dieser Hose wird es zupasskommen eine Shorts zu werden. Die Seitennähte werde ich am Oberschenkel eventuell etwas öffnen müssen, dort sitzt sie nämlich enger als am Bund. Egal, da kann man dann weiße Spitze drunter legen. Generell wird das hier mehr so eine Achtziger-Jahre-Nummer werden mit ausgefranstem Saum und so. Die batikartigen Wascheffekte kann man auch noch verstärken.

Von der zweiten Hose erkennt man auf den Fotos gar nichts. Eine dunkle Jeans halt. Hat einen Stretchanteil. Die werde ich auch kürzen, dann aber vielleicht mit aufgekrempeltem Saum. Mit Farbe geht da sicher auch noch was. Entweder so splattermäßig oder großflächiger. Hm…

Auf jeden Fall gehen die Teile jetzt erstmal alle in die Wäsche um ihren Eau-de-Secondhand-Geruch loszuwerden. Das habe ich gestern nicht mehr geschafft, ich hatte nämlich noch eine Abendverabredung. Zum Angrillen, mit Ophelia und anderen Freunden.

Der Volkspark Friedrichshain sieht mit seinen kahlen Bäumen noch nicht wirklich nach Frühling aus, aber das wird sich bestimmt bald ändern. Es war jedenfalls alle Welt unterwegs um den ersten warmen Tag mit Grill, Bierchen, Fußball und Hund zu genießen. Sogar Flunkyball wurde gespielt. Von Nicht-Metallern. Total ungewohnter Anblick.

Bevor es mit untergehender Sonne dann kühl wurde haben wir lecker gegrillt, gequatscht und das nächste Wochenende angeplant. Total entspannt. So kanns weitergehen.

Echoes of voices in the high towers

7. Juli 2012 (16:15 h) – Tags:

Meine Skaterfreundin Ophelia möchte irgendwann auch wieder pünktlich sein, neulich war sie’s aber noch nicht. Also wartete ich am Eingang zur Tempelhofer Freiheit auf sie. Und da sprang mich die Kunst an.


Quelle: neueberlinerraeume.de

Des Tages leuchtet das Schild nicht, ich hätte es gerne selber fotografiert, aber da auf dem Tempelhofer Flugfeld auch gerade die Bread&Butter stattfindet, waren einige Bereiche abgesperrt und ich kam nicht nah genug ran. Hatte eh nur das Telefon dabei und keine Kamera.

Das ist Teil einer größeren Präsentation von Werken des britischen Künstlers Robert Montgomery die heute eröffnet wird. Typischerweise auf Billboards und Werbetafeln, stellen die Neuen Berliner Räume nicht nur auf dem ehemaligen Flughafen, sondern über die ganze Stadt verteilt verschiedene Texte des Künstlers aus. Poesie die Fragen nach der Zukunft unserer Gesellschaft aufwirft aber auch ganz tief ins Persönliche greift. Ein paar Sätze die man liest und die dann im Kopf kleben bleiben. So funktoniert moderne Dichtung.

Ich bin gespannt beim der nächsten Skaterrunde noch mehr Texte zu entdecken und lege euch Berlinern das Projekt wärmstens ans Herz. Alle weiteren Informationen bei Neue Berliner Räume.

 

Andys Omas Garten*

10. Juni 2012 (19:34 h) – Tags: , ,

 Stimmung: So gut bin ich eigentlich gar nicht drauf...:(

Hatte frei und bin durch die Stadt gerannt. Wollte mit Kultur den Mist des Alltags von der Seele spülen. Außerdem war Natron da und das Wetter schön.

Sonnabend waren wir im Deutschen Historischen Museum im Zeughaus von Berlin. Da läuft momentan (noch bis 29. Juli) eine Sonderausstellung zur Modegeschichte: „Fashioning Fashion“. Meine rührigen User waren natürlich schon da, und nach ihren Kommentaren gehend hatte ich eine „kleine“ Ausstellung erwartet die Natron und ich in einer Stunde durch hätten. Dem war aber nicht so. Die Ausstellung beschäftigt sich anhand von Originalstücken mit der Mode zwischen 1700 und 1915. Der beeindruckende Wandel der Silhouetten wird genauso beschrieben wie die (Ver-)Formung des Körpers und die Pracht, Verzierung und Texturierung von Stoffen. Robe á la francaise, Jane Austens Empirekleider, die Turnüre und Sans-Ventre-Linie: Alle sind dabei. Dazu die entsprechende Herrenmode (mitunter nicht weniger absurd) und viel, viel Goldstickerei, Klöppelspitze und geschnittener Samt. Wer ein Interesse an Kostümgeschichte und generell dem Wandel der Mode hat, ist dort gut aufgehoben. Wenn man nicht einfach durchlatscht sondern sich mit den Stücken beschäftigt, sie entdeckt und diskutiert, kann man dort den ganzen Tag verbringen und ist hinterher viel zu platt um noch das restliche Museum zu besuchen. Glaubt mir.

Glücklicherweise waren wir vorher auf dem kleinen Trödel-/Touristenfang-Markt hinter dem Bodemuseum. Ich bilde mir ja immer ein, wenn ich drei Mal im Jahr über einen Trödelmarkt schlendere und dabei einen halben Blick auf vier Bücherkisten werfe, werde ich irgendwann eine Originalausgabe von Stefan George finden. Ahem. Diesmal habe ich immerhin ein paar alte Fotos mitgebracht.

Die haben spontan Geschichten in meinem Kopf ausgelöst. Das ganz rechte mit dem kleinen Wanderer am Bergeshang will ich zusammen mit einer Abschrift von Stefan Georges Gedicht Der Tag des Hirten in einen Rahmen setzen. Die Datierung auf der Rückseite ist vom 5. April 1897, also nur zwei Jahre nach Entstehung des Gedichtes. Und der junge Mann, der durch die beeindruckende Natur zum Berggipfel emporsteigt, hat mich an Georges Bild des über die Welt erhobenen Künstlers erinnert.

Das war dann aber auch genug Kultur für einen durchschnittlichen Sonnabend. Wir hatten ja auch noch eine Verabredung zum Grillen. Mit DrowningOphelia auf der Datsche ihrer Eltern.

Das war total gemütlich und entspannt. Und so Laubenpiepen haben ja ihren ganz eigenen Charme. Wenn ich mal groß bin, hätte ich auch gerne so einen urbanen Garten. Ein bisschen rumpelig, aber mit Apfelbaum und wunderschönen alten Bodenfliesen.

Grillen ohne männliche Freunde hat ja eine ganz andere, entspannte Qualität. Und endlich mal Keiner, der blöde Sprüche über fehlende Tierleichen auf dem Grill macht. Ganz lockeres vegetarisches Grillen mit Mädchenbier und Fußball auf dem Smartphone. Denn Fußball war natürlich auch und ist vor allem zu Natrons Freude gut ausgegangen.

Später gabs dann noch geröstete Marshmallows und da seht ihr auch, was ich für eine elendige Frierliesel bin. Zwei Jacken während Natron noch im T-Shirt rumsitzt.

Heute gab es dann noch mal Museum. Ich gehe mit niemanden so gerne in Ausstellungen wie mit Natron und muss es deshalb immer ausnutzen, wenn sie an der Spree ist oder ich an der Alster bin. Außerdem fühlte ich mich irgendwie persönlich angesprochen, als ich neulich über eine Ausstellung zur Kultur des Selbermachens las: „Do It Yourself – Die Mitmach-Revolution“ im Museum für Kommunikation (noch bis 2. September). Das ist ja quasi Pflichtprogramm für Natron und Soda. Schon alleine das Poster der Ausstellung auf dem die „Freiheit, das Volk anführend“ mit Hammer und Schraubzwinge bewaffnet ist, finde ich grandios.

Ich war noch nie im Museum für Kommunikation und entsprechend beeindruckt vom klassizistischen Prunkbau und der wirklich ansprechenden Gestaltung der Themen im Inneren.

Im Lichthof begrüßen einen drei Roboter die sich selbsständig über den Hof bewegen, einen Ball jagen und die Besucher von der Seite anquatschen. Ganz entzückend. Die haben wir sofort ins Herz geschlossen. Und weil im Museum wirklich absolut nichts los war, hatten die Mitarbeiter auch Zeit uns noch einen Schwang zum Lichthof und seinen Bewohnern zu erzählen.

Die DIY-Ausstellung im zweiten Stock war dann auch wirklich spannend, toll umgesetzt und hat auch Natron und mir, die wir uns wirklich schon viele Gedanken über das was wir tun und warum wir es tun gemacht haben, noch etliche interessante Denkanstöße gegeben. Selbermachen ist sehr viel und funktioniert auf sehr vielen Ebenen: Beschäftigungstherapie, gesellschaftlicher Normerhalt, Bewahrung und Veränderung der Welt, persönliche Freiheit, Kommerzialisierung, Revolutionsbewegung… Um mal einige Aspekte der Ausstellung zu nennen. Wer also in Berlin ist und sein Hobby mal hinterfragen will, dem sei das MFK sehr ans Herz gelegt.

Nicht zuletzt wegen der wirklich liebevollen Ausstattung. Im Spiegel des Toilettenvorraums kann man zB als Briefmarke posieren. Wir waren heute nur in der Sonderausstellung und haben danach noch eine Weile über das Thema diskutiert. Ich hätte aber Lust auch das restliche Museum mal anzusehen. Irgendwann mit Natron.

*“Andys Omas Garten“ war zu meinen Abiturzeiten eine feste Partylocation für meine Freunde (darunter jener Andy) und mich. Ich habe die Oma nie kennengelernt und inzwischen auch keinen Kontakt mehr zu irgendwem aus der Zeit, aber an die Laube erinnere ich mich noch gerne.

Read the fucking instructions

28. Mai 2012 (20:45 h) – Tags: ,

 Stimmung: Mehrere Stunden Sport an der frischen Luft! Wie konnte denn sowas passieren?

Sonnenschein! Ein freier Tag! Ihr wisst was das bedeutet: Ich musste die Skates ausprobieren gehen. Dafür hatte ich mich ja schon neulich ganz enthusiastisch mit DrowningOphelia verabredet. Und heute waren wir auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof. Da kann man auf den Rollfeldern und Start- und Landebahnen ganz wunderbar entspannt skaten.

Wenn man es denn kann. Ich konnte als Kind Rollschuhlaufen und Schlittschuhlaufen. Das ist aber zwanzig Jahre her. Seit dem stand ich nie wieder auf so unsicheren Schuhen. Wenn mich Ophelia nicht an der Hand genommen hätte, ware ich ganz bestimmt nicht vom Rasen runter gekommen und schon gar nicht so mutig losgerollt. Aber sie war für mich da, und außerdem hatte ich mir ja vorgenommen einfach zu machen und nicht so viel rumzueiern oder mit X-Beinen kreischend in der Gegend rumzustehen.

Und dann lief es echt gut. Offenbar speichert das Gehirn auch Bewegungsabläufe und man kann sie dann nach ewigen Jahren noch einigermaßen abrufen. Ich bin immerhin nicht hingefallen (NICHT HINGEFALLEN!) und kam ganz gut voran. Das Rumgefuchtel mit den Armen könnte noch sehr viel lässiger werden, aber was meinen ersten Tag auf Inlinern angeht, bin ich echt stolz auf mich.

Und hey, da ist der Eismann! Dem haben wir gleich mal zwei Wassereis abgekauft. Das Wetter heute war fantastisch, warm aber leicht windig und teilweise bewölkt, sonst wäre es echt zu heiß gewesen. Ist ja doch anstrengend, wenn man da seine Kilometer runterreißt. Wir sind ums halbe Gelände gefahren und mehrfach die nördliche Startbahn rauf und runter. Mal gucken wo ich morgen den Muskelkater spüre.

Die Tempelhofer Freiheit ist ein wirklich ganz toller Park mit jeder Menge Sportlern, unheimlich viel Platz und dem nostalgischen Charme eines alten Flughafens. Da muss man auch mal anhalten und die Startbahn im Panorama fotografieren. Wenn es nur nicht so schwer wäre wirklich an einem Punkt stehen zu bleiben…

Ich mag es total, dass auf dem Vorfeld noch ein altes Flugzeug steht, die Markierungen auf dem Asphalt nicht entfernt wurden und man auch noch auf diese Leittafeln stößt.

Ophelia und ich, die beide mehr Ahnung vom Internet als von der Luftfahrt haben, konnte hier drüber lachen: Hold for Follow Me or read the fucking instructions. Tatsächlich wird es wohl bedeuten, dass der Pilot entweder das Follow Me-Fahrzeug abwarten soll oder den Anweisungen des Towers folgen, die über Sprechfunk (Radiotelephone = RTF) vermittelt werden. Habe ich mir gerade mal so zusammengegoogelt.

Frohe Glühweihnachten!

23. Dezember 2011 (16:28 h) – Tags: ,

Passend zu meiner nicht ganz so adventösen Stimmung ist das Weihnachtsfest bisher auch eher unbesinnlich angelaufen. Mittwoch mit den frisch in der großen Stadt aufgeschlagenen Hamburgern auf dem Weihnachtsmarkt am Potsdamer Platz gewesen, zum Glühweintrinken.

(Da seht ihr auch meinen Loopschal und den Düffelmantel im Einsatz.)

Gestern waren wir dann traditionell Metal-Weihnachten feiern mit den restlichen Partypeoples. Obwohl ich vom Glühwein noch etwas angeschlagen war (die tun da doch irgendwas rein!), wars ein echt lustiger Abend. An dieser Stelle muss ich aber die Wettermacher mal daran erinnern, dass letztes Jahr zu dieser Zeit schon total viel Schnee lag. Wo bleibt der dieses Jahr? 

Ich wünsch euch ein fröhliches Weihnachten ohne zu viel Stress. Verbringt Zeit mit Menschen die euch was bedeuten und nehmt den Rest nicht so ernst. Es wird alles wieder.

Heidencamp 11 – Hell over Postbahnhof

4. Oktober 2011 (12:13 h) – Tags: , ,

Musik: Muss den Turisas-Ohrwurm aus meinem Kopf kriegen... 

Die Gelegenheiten, bei Sonnenschein und Warmwetter noch ein bisschen auf Sommer zu machen, werden immer rarer. Deshalb haben wir das vergangene Wochenende nochmal richtig ausgenutzt. Am Sonntag war nämlich Heidenfest im Postbahnhof am Ostbahnhof. Als extended show mit neun (!) Bands hat das einem Festivaltag kaum nachgestanden.

Vor allem die Strandbar hinterm Postbahnhof hat viel zum Metalcamp-Feeling beigetragen. Fehlten nur noch die eiskalten Gletscherflüsse und drei von sechs Campbewohnern. Hier sind immerhin Red, Natron und DrowningOphelia.  Alle drei im Karoröckchen, möchte ich anmerken.

Die erste Band für die wir „nach vorne“ gegangen sind waren Todtgelichter aus Hamburg. Die waren zwar nicht sehr pagan, aber erstaunlich gut. Ihre Sängerin hatte erfreulicherweise mal keine Trällerelsen-Nightwish-Stimme und der Kalkleichen-Look mit weißen Klamotten und unendlich viel Schminke (in den Haaren!) hat auch was hergemacht.

Weiter ging es mit Trollfest, die hatten wir ja auch in Tolmin gesehen und live machen sie immernoch viel Spaß. Ich habe auch versucht Bilder zu machen, aber wie immer: Unscharfe Bandfotos sind meine Spezialität.

Zwischenzeitlich haben wir dann fast alle Metaller die ich kenne getroffen und sogar die Bekanntschaft von der Einlassschlange stellte sich als Freundin der Exfreundin des Kumpels den ich neulich glaube beim Tierarzt gesehen zu haben heraus. Berlin kann echt nen Dorf sein.

Mit Natron auf Klo. Wenn die da so große Spiegel aufhängen, ist man immer versucht, blöde Fotos zu machen.

Eine von den zwei Bands die ich etwas besser drauf habe, und die auch last.fm mir dauernd unterjubeln will, sind Alestorm. Gut, da kann man auch mitsingen wenn man die Songs zum ersten Mal hört, aber immerhin habe ich sie schon ein paar Mal live gesehen. Hatte mich also auf deren Auftritt gefreut und ja, sie waren auch echt party. Zu allem Überfluss trug der Keyboarder ein Shirt mit Imperiumslogo und damit war dann auch der Star-Wars-Faktor vom Metalcamp bedient.

Viel Zeit zum Verschnaufen blieb nicht, denn mit Turisas stand mein persönlicher Höhepunkt des Abends an. Ich mag die total gerne. Neben ihren eigenen Songs haben sie ein paar unglaubliche Cover gemacht. „Supernaut“ in der Pagans-covern-Ministry-covern-Black Sabbath-Version zum Beispiel. Live haben sie „Rasputin“ gespielt. Let’s fucking disco! Als Ophelia mich mit nach vorne in den Pit geschleppt hat, wars aus. So viel Spaß und so viele blaue Flecken. Nebenbei habe ich gelernt, was das eigentliche Problem meines Turnschuhmetaller-Daseins ist. Nicht die Menschen, die einem auf die Zehen treten. Sondern die, die einem auf die Hacke treten, man hebt den Fuß, und der Schuh ist weg. Fast passiert.

Insofern keine Actionfotos von Turisas, aber Ophelia und ich haben uns beide das von ihr so genannte Turisas „Supervillain“-Shirt gekauft (das offiziell „Byzantine Black“ heißt und so aussieht). in Zukunft müssen wir uns also absprechen wer was anzieht ;)

Die Headliner waren Finntroll und Wintersun. Mit Finntroll bin ich aller Begeisterung meiner Mitmenschen zum Trotz noch nie so richtig klar gekommen. Die hör ich auch zu Hause fast nie. Aber live ist immer was anderes und obwohl ich schon total kaputt war, hat es sich gelohnt die anzuschauen. Trollhammaren! Bei Wintersun war aber Ende. Außerdem mussten wir ja noch Turisas im Foyer kennen lernen.

Noch ein Fangirl-Foto gefällig? Auch wenns langsam peinlich wird, das hier ist ganz lustig. „Let’s do a MySpace-Emokiddie-Poserpic, okay?“ mit dem Sänger von Alestorm:

Wir hatten also einen Heidenspaß beim Heidenfest. Aber gut, dass Montag Feiertag war.

Kulturrebellion

19. September 2011 (15:08 h) – Tags: , ,

 Stimmung: Sie haben Leonard und Sheldon in unser Parlament gewählt...

Nachdem ich jüngst in Hamburg war, ist Hamburg nun zu uns an die Spree gekommen. In Form von Gamma Ray auf einem kostenlosen Minikonzert mit den schwedischen Bands Bullet und Crucified Barbara. Ich hätte die Veranstaltung total nicht mitbekommen, aber zum Glück ist Drowning Ophelia immer besser informiert und hat mich einfach mitgenommen.

Zusammen waren wir also im Trafo, einem ehemaligen Heizkraftwerk in Mitte. Dort hat der ZDF Kulturkanal zusammen mit motor.de eine Konzertreihe für BERLIN LIVE veranstaltet. Vier Abende mit unterschiedlicher Musik, einer davon Metal, das Ganze läuft nächstes Jahr im Fernsehen. Klingt kompliziert, war aber gut.

Das hat schon mit der unglaublich beeindruckenden Location angefangen. Draußen hat es zwar ohne Unterlass geregnet, so dass Ophelia und ich in bester Wackenmanier als wandernde Mülltüten ankamen, drinnen hat uns das ZDF aber sogar die Garderobe spendiert und es konnte losgehen.

Mit Fotos. Der gute Blogger hat ja immer seine Kamera dabei, und im Trafo hat sich das so dermaßen gelohnt, dass wir erstmal alles fotografieren mussten, bevor wir endlich mal ein Bier geholt haben. Ganz tolle Industrieatmosphäre. Ich war noch nie in einem Technoclub, aber so stelle ich mir einen vor (das Trafo beherbert den offensichtlich szeneberühmten Tresor Club, es ist also wirklich eine Technolocation).

In diese pittoreske Szenerie hatten sie gleich drei komplette Bühnen gestellt. Dazwischen sammelte sich eine überschaubare, aber gut gelaunte Metallergemeinde. Die schwedischen Bands habe ich zwar nicht gekannt, aber sie haben Spaß gemacht und Gamma Ray natürlich umso mehr. Zwischen den Bands, die abwechselnd auf ihren jeweiligen Bühnen gespielt haben, gabs ein paar Interviews und Herr Hansen hat uns einen Schwang aus seiner Jugend erzählt.

Ganz toll fand ich die offensichtlich erst bei der Probe entstandene Idee, die Schweden auf zwei Bühnen gemeinsam „Killed By Death“ von Motörhead spielen zu lassen. Das hatte einen unglaublichen Surround-Sound. Sowas sollten wir öfter machen.

Gamma Ray haben den Abend dann mit „Send Me A Sign“ getoppt und zu allem Überfluss am Ende mit den anderen Musikern zusammen noch Helloweens „I Want Out“ gesungen. Paaarty!

Zwischendrin hat man es zwar auch mal vergessen, aber weil das ganze natürlich eine Fernsehproduktion war, hat dauernd irgendwer eine Kamera auf einen gerichtet. Und ich kam mir beim Musikhören beobachtet vor, als ich last.fm angeschafft habe! Wie gut Ophelia und ich also live abgehen, könnt ihr dann irgendwann im ZDF bestaunen ;)

Weil die ganze Sache nicht so ewig ging, waren wir Mädels anschließend noch in unserer Stammkneipe. Und da wurde es dann doch noch ein langer Abend…