Dye, Dye My Darling

21. August 2014 (13:42 h) – Tags: , , , ,

Batikgerümpel war natürlich noch nicht komplett. Ich hatte ja noch mehr Farbe. Nämlich diesmal violett und dunkelblau. Die beiden hatte ich gekauft nachdem ich auf Pinterest diese Kombination mit lilafarben gebatikter Hose und Häkelspitzentop gesehen hatte. Ich musste sofort an meine mauvefarbene Aladinhose von 2011 denken und daran, dass ich sie zu wenig trage und ausserdem schon länger soetwas ähnliches wie ein Häkelspitzentop haben möchte. Der Plan war also: Häkelspitzenborte kaufen, Top nähen, Hose batiken.

Mein Freund der Türkenmarkt hatte natürlich Borte für mich. Oh ja. Erstmal kaufte ich bei dem üblichen Bortendealer zwei Sorten reinweiße Häkelborte, eine schmale und eine breite, die wollte ich zusammen mit einer Art Seersucker aus meinem Bestand verarbeiten. Damit hatte ich eigentlich ausgesorgt. Aber dann schlenderte ich weiter über den Markt und -huch!- die Gardinenhändler hatten auch Borte. Und was für welche! Ich konnte also nicht dran vorbeigehen und kaufte für 8 Euro noch einen Coupon mit 9 Metern cremefarbener Borte. Deren elegantes, schwungvolles Design mit Schlaufen und „Wimpern“, wie der Händler sagte, erinnert mich an Dekore aus dem späten neunzehnten Jahrhundert. Unheimlich schön. Und einen farblich passenden, ungebleichten Batist hätte ich auch noch da.

Es wurden also zwei Häkeltops. Der weiße erstmal zum Ausprobieren des Schnittes. Ich verwende hier Top 104 aus Burda 8/11, allerdings ohne den Reißverschluss in der Seitennaht. Der tut meines Erachtens nicht Not, was ich aber mag ist die Verarbeitung der Ausschnitte mit Schrägband. Self-Schrägband. Das stellte ich also erstmal aus dem Stoff her. Nicht ganz wenig Arbeit, aber die hat sich gelohnt. Das Ausrechnen wie viel Stoff man zu wie viel Schrägband welcher Breite verarbeiten kann mache ich immer mit Natrons Schrägband-O-Mat. Aufzeichnen, zuschneiden, nähen und vor allem bügeln muss ich dann halt noch selber.

Das erste Top ist, wie man sieht, schon ein luftiger Begleiter zu Sommeroutfits geworden. Die zwei Häkelspitzen ergeben einen netten Abschluss und passen sehr gut zu der etwas unruhigen Struktur des Stoffes. Ich habe danach am Schnitt noch zwei Dinge geändert: Die Träger sind an der Schulter noch einen Zentimeter breiter geworden und der Ausschnitt drei Zentimeter weniger tief.

Mit diesen Änderungen habe ich dann das cremefarbene Top in Angriff genommen. Wieder fing die Nummer mit dem Herstellen von Schrägband an. Ächz.

Das Aufnähen der Borte auf den Batist war allerdings fast genauso nervig wie die Schrägbandherstellung. Ich habe die volutenartigen Kringel über den Fransenteilen von Hand angenäht, den Rest aber musterfolgend mit der Maschine. Ich wollte mir die Option offenhalten auch hinter den nach oben zeigenden Schlaufen Stoff rauszuschneiden, denn zuerst habe ich nur die untere Kante weggeschnitten. Das war auch hübsch, aber so gefällt es mir nun noch viel besser. Die Borte passt sich organischer an den Stoff an, meine ich.

Zum Top trage ich die neu gebatikte Pluderhose. Die habe ich sowohl in violett als auch in dunkelblau gefärbt. Dadurch ist sie deutlich dunkler als vorher geworden, das finde ich aber ziemlich schön. Überhaupt bin ich mit dem Ergebnis des Neufärbens sehr zufrieden. Ich habe bewußt keine Kreise oder anderen klassischen Muster abgebunden, so dass die Farben hier mehr ineinander gemurkelt sind was ich mag. Die Hose ist nun noch mehr Hippieklamotte und als solche habe ich sie diesen Sommer schon deutlich häufiger getragen als im letzten.

Hat sich auch zu bunten und engen Oberteilen schon bewährt. Ich hatte zwischenzeitlich fast vergessen, wie bequem diese Hose ist.

Und weil ich natürlich nicht nur *ein* Teil färben kann, habe ich noch mehr Stoffe in die Farbbäder geworfen.

Das sind allesamt Jerseyreste. Im Uhrzeigersinn: Ein großes Stück türkisfarbener Jersey der violett drübergefärbt wurde. Ein kleiner Rest in weiß, jetzt auch violett gemustert, der könnte Shorts oder sowas werden. Daneben ein grauer Jersey mit dunkelblauem Muster und oben mein Favorit, blau über khaki. Davon habe ich noch genug um ein schlichtes Sommerkleidchen draus zu nähen. Falls es nochmal Sommer wird.

But a sense of insufferable gloom pervaded my spirit

20. Februar 2013 (21:13 h) – Tags: , , ,

Musik: Disturbed - Down With The Sickness 

Wenn ich Urlaub habe steht natürlich der Türkenmarkt am Dienstag fest auf dem Programm. Diesmal brauchte ich tatsächlich Bügeleinlage, einen kurzen Reißverschluss und Jersey in schwarz und khaki. Wozu, das werde ich später noch ausführen. Noch ist nichts davon verarbeitet.

Aber das wirklich tolle am Türkenmarkt sind nicht so sehr die Dinge die man kaufen will, sondern die, die man nebenher noch findet. Regelmäßig gehobene Zufallsschätze sind ein Grund warum ich den Markt so sehr liebe. Und gestern war ohne Scheiß ein wirkliches Highlight dabei.

Ich muss kurz ausholen, denn der Stoff den ich gefunden habe ist in gewisser Weise der Bruder eines alten Bekannten. Ihr erinnert euch an den „Untergang des Hauses Usher“? Der monochrome Paiselydruck mit der Aura von Schicksal und Verderben? Den hatte ich vor beinahe zwei Jahren auf dem Markt gefunden und weil der Druck meine Fantasie so dermaßen getriggert hat, habe ich ihn nicht verarbeitet sondern auf einen Rahmen gespannt und an die Wand gehängt. Das Leben hat sich geändert und inzwischen ist ein anderer Stoff auf den Rahmen getackert, aber den Usher schätze ich nach wie vor sehr. Tja, und dann gestern, ich glaube es war sogar der gleiche Stand an dem ich damals den Batist gekauft hatte… Jedenfalls war er wieder da. Zerstörung. Asche. Diesmal als Jerseydruck.

Ich weiß gar nicht was passiert wäre wenn ich den Druck nicht schon vorher gekannt hätte. Vielleicht wäre ich einfach nicht in Stimmung gewesen und vorbei gegangen. Man weiß es nicht. So habe ich ihn natürlich gekauft. Und hatte schon vor dem Bezahlen eine Idee was er werden sollte.

Auf dem Jersey erscheint der Druck etwas gröber. Kann auch sein, dass er nicht ganz sauber gedruckt ist. Wenn man den Stoff spannt ziehen sich die dunklen Partien so auf, dass zwischen den Jerseyrippen wieder hell zum Vorschein kommt. Das stört mich normalerweise sehr, hier habe ich es aber wohlwollend verziehen.

Und was habe ich nun draus genäht, nachdem mir für die Batistversion beim besten Willen nichts einfallen wollte?  Ich glaube die Idee kam, weil ich mit den einfarbigen Stoffen die ich grade gekauft hatte was ähnliches vorhabe. Und mal ehrlich, es ist Jersey, was kann man aus jedem Jersey machen? Leggings!

Ich gebe zu, da ist Natron nicht ganz unschuldig dran. Vor allem nicht an dem Bund, den ich bisher immer unter einigem Rumgefummel mit eingezogenem Gummiband gearbeitet habe. Die Königin der glorifizierten Strumpfhosen schlug nun vor, da einen engeren Umschlagbund aus einem gefalteten Jerseystreifen anzusetzen. Würde dann so halten. Ich war skeptisch, aber ich probierte es aus. War immerhin deutlich weniger Arbeit als ein Tunnelzug und ein Einziehgummi. Und siehe da, es funktioniert. Gut, ich hätte den Bund tiefer ansetzen können, dann wäre das nicht so eine Taillennummer geworden. Aber egal. Für den ersten Versuch okay.

   

Die Platzierung der hellen und dunklen Bereiche war natürlich von entscheidender Wichtigkeit. Wo die Beine eh schon breit genug sind den kaschierenden schwarzen Teil. Soviel habe ich inzwischen immerhin gelernt. Oben werde ich normalerweise natürlich ein längeres Oberteil drüber tragen, dann sieht man den hellen Rand leider nicht mehr. Und mit Stiefeln könnte unten auch was verloren gehen. Trotzdem wird es noch diesen, hm…  Overkneestrumpf-Effekt haben. Und das mag ich wirklich sehr.

Überhaupt finde ich diese Leggings total gelungen. Schöne, fast spitzenartige Farbverläufe, starkes hell und dunkel. Wunderbares Druckmotiv was hier eine ganz neue Charakterstärke entfaltet. Atmet also mal tief durch, ihr bei Black Milk. Das ist meine Antwort auf eure sehr schönen und sehr fragwürdigen Motivdesigns. Und auch nicht ganz von der Hand zu weisen: VIER EURO FÜNFZIG. Ha. Brauch ich jetzt noch Galaxyprint-Leggings?

Samt und Sonders

22. September 2012 (20:21 h) – Tags: ,

Musik: Nevermore - Insignificant | Stimmung: Die Heizung ist an! *kuschel*

Es wird Herbst in der großen Stadt. Noch warmer und freundlicher Herbst, aber Herbst. Und das finde ich auch völlig okay so. Freu mich schon auf Wollmützen und Strumpfhosen mit dicken Stulpen drüber.

Ich hab momentan ein langes Wochenende und konnte gestern das schöne Wetter ordentlich genießen. Ophelia und ich haben einen Ausflug auf den Türkenmarkt gemacht und waren abends noch in unserer Stammkneipe. Das war vielleicht der letzte Tag für Radfahren in der Stadt, also hab ich auch mein Fahrrad nochmal genossen.

In unserem MacLaren’s haben wir das Poster der Award Show mit Sabaton geninjat, denn eine von uns möchte sich das in die Küche hängen *g* Und auch auf dem Türkenmarkt hab ich gute Beute abgeschleppt. Wollt ihr mal gucken?

Ich war wirklich lange nicht mehr auf dem Markt, und deshalb war es total schön diesmal so viele tolle Sachen zu entdecken. Auf dem Türkenmarkt gilt ja die Devise „jetzt oder nie“. Was man nicht gleich kauft kriegt man vielleicht nie wieder. Bei diesem Stoff musste ich gar nicht lange überlegen, auch Ophelia hat gehört wie er ganz laut meinen Namen gerufen hat:

  

Das sind vier Meter Polyestersamt mit hochglänzendem Golddruck. Der Wahnsinn. Der Druck ist nicht ganz mittig drauf, das finde ich aber überhaupt nicht schlimm. Ist dadurch etwas edgy und nicht nur kitschig. Außerdem hat der Meter nur vier Euro gekostet. Man könnte den mittleren Bereich mit angrenzenden Bordüren rausnehmen, dann würde die Sache gar nicht auffallen, aber ich werde den Stoff einfach säumen und lässig als eine Bahn über den Vorhang hängen. Oder irgendwas anderes machen wo das Muster großflächig zur Geltung kommt.

Glitzerseelig habe ich auch noch ein paar Beutel mit Pailletten mitgenommen, für meinen Nibelungenschatz, nicht zum Verarbeiten. Mit direktem Plan sind dann noch zwei dünne, weiche Rippjerseys mitgekommen. Einmal senfgelb und einmal grasgrün. Die werden ganz schlichte langärmelige Modell – „T“ Shirts. So für den Herbst.

Und auch für diesen Stoff habe ich schon einen ganz konkreten, unaufwändigen Verarbeitungsplan. Der Batist wird ein Halstuch. Eine Kollegin hatte neulich so ein tolles Tuch, beigefarben mit Chantillyspitzen-Druck, daran musste ich denken als ich diesen Stoff gesehen habe.

Eigentlich bräuchte ich die Baumwolle nur noch trockenbügeln und einen Rollsaum machen. Das könnte ich tatsächlich grad noch machen. *an die Nähmaschine flitz*

 

Mehr Glitzerstreifen!

6. Juli 2012 (14:58 h) – Tags: , , ,

 Stimmung: Zu doof zum Eincremen -> Sonnenbrand

Vor einer Weile war ich auf dem Türkenmarkt um grauen Jersey zu kaufen, für ein Projekt das hier bestimmt auch demnächst auftaucht. Da projektbezogenes Einkaufen auf dem Markt aber nur sehr selten funktioniert, haben sich noch mehr Stöffchen in meine Einkaufstasche geschlichen.

Einer davon ein zartes, olivfarbenes Baumwollgewebe mit Bordüren und silbernen Glitzerfäden. Fast wie der Stoff aus dem mir Natron neulich das gar nicht mehr scheußliche Tubekleid gezaubert hat, nur ein wenig fester. Davon war noch ein Meter auf dem Ballen, den hab ich gerne mitgenommen. Hatte nämlich sofort die Idee, da ein ganz einfaches kurzes Röckchen draus zu nähen und einen Farbverlauf reinzufärben. Sowas hatte ich vor Urzeiten mal bei einem schönen Mädchen irgendwo im Internet gesehen. Und braune Batikfarbe war auch noch in meinen häuslichen Beständen zu finden, vor ebenfalls längerer Zeit mal auf dem Hollandmarkt erstanden.

Zu Hause habe ich den Stoff vorgewaschen und nach dem Trocknen erstmal gebügelt. Dabei ist seine seersuckermäßige Struktur vorübergehend verschwunden, er ließ sich so aber leichter nähen. Zwei Streifen in Stoffbreite und etwa 40 cm Höhe gerissen, zu einem Ring zusammengesetzt, gesäumt und oben einen Tunnel für ein Gummiband eingenäht. Das ging wirklich schnell.

Dann habe ich das Färbebad angesetzt und eine dolle Konstruktion gebaut, an der ich meinen auf einen Hosenbügel gefalteten Stoff befestigen konnte. Der sollte ja nicht ganz in die Farbe, sondern nur mit dem Saum. Nach oben hin hätte ich die Farbe dann gerne heller. Für diesen Effekt habe ich den Rock nach jeweils ein paar Minuten immer weiter aus der Brühe gezogen, ganz oben habe ich nur kurz getaucht.

Das Ausspülen war wie immer eine schöne Sauerei. Aber die Badewanne könnte eh mal wieder jemand putzen.

Über Nacht durfte mein Noch-Nicht-Röckchen dann trocknen und heute habe ich nur noch den Gummi reingezogen. Kein großer Aufwand. Nähtechnisch ist der Rock also wirklich keine große Sache. Man muss ja auch mal einfache Dinge machen.

So sieht er jetzt aus. Wenn ich ganz toll gewesen wäre, dann hätte ich den Saum gleich mit einem braunen Garn genäht. Aber da war ich hirndumm, wie Natron sagen würde. Ist auch egal, das olivfarbene Garn fällt nicht so sehr auf. Alles in allem eine schöne, schnell gemachte Sommerklamotte, bei der die einzige Herausforderung in der Auswahl des richtigen, weich fallenden Stoffes liegt. Sähe bestimmt auch mit überfärbtem Musterdruck hübsch aus.

Neben dem olivfarbenen Baumwollgewebe habe ich noch einen anderen Stoff nach Hause geschleppt, den ich euch auch gerne noch zeigen möchte. Den habe ich nämlich nicht gekauft weil ich ihn unbedingt brauche, sondern weil er mich amüsiert hat.

So sah ich ihn auf dem Ballen. Was Helles mit Schriftdruck, sieht ein bisschen wie Buchseiten aus. Mal genauer hinsehen, Textdruck finde ich eigentlich ganz hübsch. Schnell stellte sich heraus, dass der Text aus immer wieder der gleichen Bezeichnung in verschiedenen Sprachen bestand.

Und als ich dann las, was da stand, musste ich fast lachen. Griffmuster! Dieser Stoff war nie dazu gedacht, am Meter verkauft zu werden. Den sollte irgendwer in Textblöcke schneiden und als Qualitätsprobe verteilen. Aber meine Türken haben einen unbändigen Geschäftssinn, die verkaufen alles. Mit Erfolg, wie man sieht. Ich werde daraus ein Futter für irgendwas machen, denke ich. Der Stoff hat eine etwas glänzende Oberseite, das würde sich gut eignen. Und ich mag Geheimnisse (und Witzchen) in der Innenverarbeitung.

 

Ponygirls Abenteuer im Norden und Westen

13. März 2012 (16:27 h) – Tags: , ,

Musik: Nevermore - Insignificant 

Na, erkennt ihr die? Das ist mein Kinect-Avatar. Genauer gesagt die Identität die ich bei Natron und Red verwende, auf meiner eigenen XBox habe ich ein Live-Konto für welches ich mir zwangsläufig einen originelleren Benutzernamen ausdenken musste. Da Ponygirl sich in Hamburg aber schon ein lilafarbenes Freundschaftarmband erspielt hat, darf sie dort bleiben und ich hol sie immer raus wenn ich meine Freunde im Norden besuche. Letzte Woche war es mal wieder so weit. Den ganzen Samstag über haben wir PowerUp Heroes gespielt. Stellt euch Mortal Kombat mit Körpereinsatz statt Controller vor (wobei man natürlich zum Fernseher hin agiert, nicht gegen den Mitspieler!). Das hat unheimlich viel Spaß gemacht, aber mir auch tierischen Muskelkater beschert. Vom Konsolenspielen! Ich bin so eine elendige Lusche.

Und was gabs sonst noch so in Hamburg?

Also am Mittwoch waren Natron und ich der Happy Hour wegen im Kleidermarkt. Mit dem festen Vorsatz diesmal keine Jacken und Mäntel zu kaufen. Schließlich besitzen wir beide bereits einen Wintermantel aus dem Laden.

Und haben diese Achtziger-Jahre-Ballkleider nicht auch ihren ganz eigenen Charme? So viel Puff und Taft und Glitzer und riesige Schleifen auf Hüfthöhe? Von den teilweise gigantischen Ärmeln mal ganz zu schweigen. Ich hätte wirklich Lust mal eine trashige Party zu schmeißen für die jede sich so ein unglaubliches Achtzigerkleid im Secondhand kauft. Zumindest im Kleidermarkt gab es so viel Auswahl, dass ich mich spontan nicht hätte entscheiden können.

Nagut, Polyesterkleider haben wir vorerst auch nicht mitgenommen. Anstätten habe ich diesen Gürtel gekauft.

Der ist komplett neu und ungetragen, ich schätze ihn auf die späten Siebziger oder wahrscheinlicher die Achtziger. Wenn man ihn trägt ziehen sich die silbernen Kunstlederstücke leicht auseinander und dazwischen sieht man schwarzes Gummiband. Mich hat er ein bisschen an Prinzessin Leias Gürtel (zum weißen Help-Me-Obi-Wan-Kleid) erinnert, deshalb habe ich ihn mitgenommen. Recherche hat ergeben, dass der Prinzessinnengürtel doch ziemlich anders ist, aber egal. Ich sehe mich schon ein weißes Jerseykleid mit kurzem Saum und weiten Ärmeln nähen.

Kommen wir zu einer weiteren Eroberung aus dem Secondhand. Diese Bluse habe ich bei Vintage & Rags mitgenommen. Normalerweise sind mir die Preise dort zu hoch, aber fünfzehn Euro für ein Stück Kindheitserinnerung konnte ich gerade noch verschmerzen.

Das Muster erinnert mich an die Hemden die mein Vater früher getragen hat. Und der spitze Kragen! Außerdem ist das gute Stück aus 100% bügelfreiem Polyester. Ein veritables Relikt der Vergangenheit die auf den Kodachrome-Fotos meiner Kindheit immer so hübsch vergilt aussieht.

Dazu passend habe ich neulich auf dem holländischen Türkenmarkt Stoffmarkt einen Coupon knallblauen Denim mitgenommen.

Daraus will ich eine Siebziger-Jahre-Hose mit weitem Bein und Bügelfalte machen. Also ein wenig wie die Jeans auf dem Foto, aber mit höherem Bund und mehr Schnitt . So in dem Style, irgendwie… Das Thema habe ich noch nicht recherchiert, aber die Idee steht. Und der Denim passt wunderbar zur Bluse, da ist auch so ein helleres Blau drin. Ringelshirt habe ich auch schon im Schrank.

Aber kommen wir zurück zu meinem Besuch in Hamburg. Nachdem wir zwei Secondhand-Läden durch hatten („Das ist wie OMG that dress! mit Anfassen!“), haben wir am nächsten Tag wieder Kleider geguckt, zähneknirschend aber aufs Anfassen verzichtet. Im Museum für Kunst und Gewerbe ist derzeit eine kleine Ausstellung mit Werken Alexander McQueens zu sehen. Nicht unbedingt mein Lieblingsdesigner, aber Haute Couture ist immer toll, also sind wir rein. Und es war sehr lehrreich und total spannend. Ohnehin ist das MKG einen Besuch wert. Ich finde es toll, dass sie dort ganze Räume mit Stücken aus dem achtzehnten Jahrhundert oder dem Jugendstil eingerichtet haben. Da steht man drin als wär man mit der Zeitmaschine gekommen. Ein viel authentischerer Eindruck als nur alles in der Vitrine. Lohnt sich also wenn ihr mal in Hamburg seid. Lediglich den Wandteppich von William Morris und Edward Burne-Jones, den ich auch sehr gerne sehen wollte, hatten sie renovierungsbedingt abgehängt. Egal. Nächstes Mal. Für die Spiegelkantine komme ich sowieso wieder.

Nach Kultur und Shopping gings dann Freitag auf die CeBIT. Das war nicht meine Idee, aber Leonard und Sheldon haben Penny freundlicherweise mitgenommen und dafür weniger Technik und mehr Entertainment abgeklappert. Außerdem wurde mir für den Rückweg ein Abstecher zum Kraft-Fabrikverkauf mit mächtig Schokolade in Aussicht gestellt. Also los!

Die Nerds wollten Windows 8 angucken und ein Telefon für Natron ausspionieren. Ich wollte Kugelschreiber sammeln und bei Fraunhofer Inspiration für meine Science-Fiction-Geschichte abgreifen.

Zwischen lauter Dingen die in meinem Leben gar nicht vorkommen tat sich mir auch die völlig andersartige Welt der professionellen Gamer auf und wir haben ein bisschen bei irgendeiner Weltmeisterschaft zugeguckt. Wie Fußball live kommentiert. Kurios. Und hey, da drüben ist ja ein Controller frei…!

Bei der Telekom gabs tolle Nokia-Kugelschreiber und irgendwo dann diese lässige Dekoration mit finanziellem Minimalaufwand.

Die Zettel hatten schon andere Besucher zu Notizen verleitet und wir wollten unsere neuen Kugelschreiber natürlich auch mal ausprobieren:

Am spannendsten war dann das CeBIT Lab, die Halle mit den noch im Forschungsstand befindlichen Neuentwicklungen. Viele Roboter zu denen Natron viel erzählen konnte. Und einen hat sie ganz besonders ins Herz geschlossen. Den Nao.

Über Fraunhofers Chip-Im-Ball konnten die Fußballfans dann lange diskutieren. Ich hab mir zwischenzeitlich mal ein wenig Infomaterial zu selbstfahrenden Autos, intelligenten Schaufenstern und dem Schreibtisch der Zukunft besorgt. Um darüber hinwegzutäuschen, dass ich keine Ahnung von Raumschiffantrieben und künstlicher Schwerkraft habe, baue ich gerne solche schon fast greifbare Technik in meine Sci-Fi-Geschichte ein. Demnächst also auf Kallakazza.

In der selben Halle (warum eigentlich?) hatte die Bundeswehr einen Stand aufgebaut an dem wir einen Metallica-Song nachspielen durften. Also Red und ich haben an einer Leuchtewand bunte Lichter ausgeschlagen (Zu viel Transferleistung? Erster Song auf „Kill ‚Em All“.) Er hat gewonnen. Aber es gab Brausepulverlollies für alle.

Das war also mein Ausflug-im-Ausflug in Hannovers ferne Galaxien. Auf dem Heimweg sind wir auch wie versprochen noch ans Kraft-Werk gefahren. Darf ich nun also jemandem einen Oreo-Cappuccino anbieten?

Meet Miss Leonie!

27. Februar 2012 (14:48 h) – Tags: , ,


Szene Eins. Eine Bar die ihre besten Zeiten bereits hinter sich hat. Die Stühle sind hochgestellt, auf dem Tresen steht ein Putzeimer. Mitten im Raum balanciert Leonie auf einer Leiter und poliert einen derangierten Kronleuchter.
Leo (bestimmt) Die Zeit wird entfalten, was gefältelte List verbirgt …!
Sie zieht einige gefaltete Blätter aus der Schürze, blickt darauf.
Leo …sie verdeckt Fehler, verlacht zuletzt mit Schande! … Verlacht zuletzt mit Schande!
Sie räuspert sich, blickt stolz über den Raum. Mit einer Geste: 
Die Zeit wird entfalten, was gefältelte… wird verfalten was entfältelt… (schüttelt den Kopf) Ach, die Cordelia ist so hart zu lernen!
Im Hintergrund betritt Karola den Raum. Sie wedelt aufgeregt mit den Armen.
Leo (mit Pathos) Die Zeit wird verfälteln…
Karo (atemlos) Leo! Hör nur was ich zu erzählen hab!
Leo (fährt herum) Herrje Karo! Erschrick mich doch nicht so! Beinahe wäre ich von der Leiter gepurzelt!
Karo Schilt mich nicht, bis du gehört hast was ich dir erzählen will. Ich sag dir, es ist ganz unfassbar!
Leo (steigt von der Leiter, streicht sich die Schürze glatt) Nun raus damit!
Karo Ganz unfassbar.
Leo Nun wirst du wohl erzählen was so unfassbar ist?!
Karo Sofort! Wir brauchen einen Champagner!
Sie eilt zur Bar.

Wie ihr sicher schon bei Natron gelesen habt, nähen wir nicht nur gemeinsam Trenchcoats, sondern garnieren Euch das ganze als heitere Liebeskomödie im Stil der Jahrhundertmitte. Spot on für Karo und Leo!

Ich erfülle heute schonmal den ersten Teil des Drehplans, nämlich die Vorstellung der Mitwirkenden. Meinen Trench nach Schnitt 119 aus Burda 03/09 werde ich aus einem camelgrundigen Leopardendruck anfertigen. Diesen Baumwollstoff habe ich bereits vor sehr langer Zeit auf dem Türkenmarkt gekauft. Es ist eigentlich ein Vorhangstoff, deshalb liegt er breiter als die üblichen 150 Zentimeter. Und obwohl Leopardenvorhänge einen nicht zu leugnenden Reiz haben, fasste ich schon damals den Plan hier einen Mantel draus zu machen. Zwischenzeitlich raubten mir aber andere Projekte Teile des designierten Stoffes (da ist er zB unten links in meinem Archivquilt) und ich bin froh, dass ich die großen Schnittteile jetzt noch gerade so herausbekommen werde. Für Kleinteile habe ich noch genug kleinere Stoffstücke, auch wenn man bei diesem Muster ja sowohl auf die Druckrichtung als auch auf den inherenten Farbverlauf achten muss.

Der camelfarbene Grundton des Stoffes erinnert mich an die typische Sandfarbe des klassischen Burberry-Trenchcoats. Die Knöpfe sind aus Hornimitat und streben damit auch dem Original entgegen. Der Rest ist allerdings frei dazuerfundenes Design. Für einen extra couturigen Look mache ich das Futter aus knallgelbem Taft. Die Farbkombination rockt irgendwie.

Knöpfe und Schnallen habe ich in zwei Größen gekauft, sehr burdagetreu werde ich nämlich die Gürtelschlaufen runterknöpfen und auch geknöpfte Schulterriegel machen. Die Ärmelspangen werden vier Zentimeter breit sein und mit einer Lederimitat-Schnalle geschlossen, der Gürtel ebenso in fünf Zentimetern Breite.

Ich hatte überlegt den Saum weiter auszustellen, aber dafür reicht mein Stoff nicht. Eventuell werde ich auch auf einen der beiden Sturmsättel verzichten müssen. Dafür habe ich aber die Schnittteile des Futters verlängert und werde den Mantel komplett füttern, nicht nur im Oberteil wie Burda es vorschlägt. Die Länge behalte ich bei, auch wenn ich den Saum dann mit Schrägband verstürzen muss. Mein Stoff gibt leider keine großen Saumzugaben mehr her. Gefüttert wird das hoffentlich nicht mehr so ins Gewicht fallen.

Soweit mein Plan. Ich freue mich schon jetzt darauf den Trench im Sommer über kurzen Kleidern zu tragen. Für heute könnt ihr, falls interessiert, einen Blick auf die große Version des Trench-Along-Logos werfen. Hier habe ich bei Gil Elvgren abgeschaut und Natron und mich als heiße Pinup-Mädels gezeichnet. Erst daraus entwickelte sich dann übrigens der ganze hollywoodreife Überbau. Man hätte auch einfach zwei Mäntel nähen können. Aber das wäre ja nicht halb so unterhaltsam!

*duffle*

16. November 2011 (10:40 h) – Tags: ,

 Stimmung: Boah, ist das kalt geworden!

Es ist zwar schon kurz vor knapp, aber egal. Ich werde mir dieses Jahr doch noch einen Wintermantel nähen. Die Burda hat mit so vielen schönen Schnitten um sich geworfen, meine Türken haben mehr als genug Wollstoffe angeboten, da konnte ich nicht widerstehen.

Motiviert durch den Wunsch nach Bewegungsfreiheit und einer Kapuze ist meine Wahl auf diesen Schnitt gefallen: Der Mantel 111 aus Burda 11/11. Die Knebelknöpfe und die großen Taschen!

Dafür habe ich heute Stoffe gekauft. War gar nicht einfach. Farblich waren gedecktes grün, blau, braun, grau, rostorange und currygelb in der Auswahl. Und auf dem Türkenmarkt hatten sie wirklich jede von diesen Farben! Und mehr! Das ist fast schlimmer als wenn gar nichts dabei ist.

Mit Blick auf den Preis habe ich dann einen denimblauen Wollflausch gekauft. So ein richtig schönes, leicht ungesättigtes Mittelblau. Das Foto trifft die Farben nicht ganz, aber Tageslicht ist derzeit ja ein rahres Gut. Für das Futter der Kapuze habe ich den sandfarbenen Plüsch mitgenommen. Es gibt ja nichts Schmusigeres als eine fellgefütterte Kapuze. Außerdem gabs noch Knebelknöpfe und passende Kordel. Die Strickbündchen habe ich bei Karstadt gekauft, die werde ich innen an die Ärmelabschlüsse setzen, dann zieht es nicht so rein.

Weitere Änderung soll ein verdeckter Reißverschluss sein. Bei aller Liebe zum Dufflecoat, das zieht doch trotz Untertritt durch die Knöpfe. Außerdem überlege ich, die Ärmel mit Steppfutter und den Corpus mit dem Plüsch zu füttern. Dazu müsste ich aber nochmal Plüsch nachkaufen. Ein wärmendes Zwischenfutter wäre auch nicht verkehrt. Mal gucken, was das online so kosten soll.

Es kommen mit Sicherheit noch andere Projekte dazwischen, bevor ich den Mantel fertig habe (ich sehe sie am Horizont schon heraufziehen). Aber ich freu mich schon darauf, den Mantel zu tragen!

Patchworkstoffe in Potsdam

4. September 2011 (20:01 h) – Tags: , ,

Normalerweise verpasse ich die Termine des Holländischen Stoffmarktes regelmäßig. In den letzten fünf Jahren war ich ein einziges Mal dort. Nicht so ein Drama, ich kann ja auf dem türkischen Stoffmarkt einkaufen. Aber gegen Abwechslung ist nun auch nichts zu sagen.

Dieses Mal hat mich glücklicherweise Drowning Ophelia rechtzeitig an den Markt erinnert, und so haben wir dann heute gemeinsam den Ausflug ins mollig warme Potsdam gemacht. Das ist zwar fast eine Tagesreise, dafür begrüßt einen die Landeshauptstadt aber immer gleich mit einer vollen Ladung klassizistischen Preussenprunks. Auch nett.

Natron, als regelmäßigere Marktbesucherin, hatte mich gewarnt, nicht mit den Preisvorstellunges meiner Türken da hin zu gehen. Und ja, fünfzehn Euro für einen Meter Jersey tun schon ein bisschen weh. Aber es gibt auch preiswertere (und teurere) Stoffe und an Auswahl ist der Holländische Stoffmarkt so schnell nicht zu schlagen.

Eigentlich wollte ich ja nur gucken und mein Budget schonen. Ich *brauche* ja gar nichts Spezielles. Das hat schonmal nicht geklappt.

Da Ophelia auf der Suche nach Patchworkstoffen war, konnte ich die auch nicht ignorieren. Da gibt es neben viel Niedlichkeiten und viel teurem Zeug ja auch wirklich abgefahrene Sachen. Bazillen, Wikinger und bekloppte Fledermäuse. Irgendwann kriegen sie mich.

Die Kurzwaren machen mich auch immer schwach. Borten und Verschlüsse und Knöpfe und Schrägbänder. Hach! Die Bommelborten hätte ich schon aufgrund ihres ulkigen holländischen Namens kaufen wollen.

Und auch diese prachtvollen Goldborten haben laut und deutlich meinen Namen gerufen. Die wollten in meine Loggia einziehen. Alle.

Daneben habe ich allerding auch den vollen Overkill an Chiffonröschen-Perlenstickerei-Glitzerkitsch-und-Plissee-auf-drei-Zentimetern-Borte gesehen. In weiß und elfenbein. Was da auf Natrons Brautkleid alles *nicht* stattfindet ist unglaublich.

Und das sind die Halunken, die mir schlussendlich doch Geld aus der Tasche gezogen haben. Der braune Jersey mit Wolken sollte eigentlich ein Überraschungsshirt für Natron werden, aber da ich momentan schon so viel Verantwortung für ihr Brautkleid trage, habe ich entschieden, hier die Details lieber vorher abzuklären.

Der andere ist ein Patchworkstoff. Am gleichen Stand gab es auch einen der mit oberkörperfreien Feuerwehrmännern (!) bedruckt war. Der hat Ophelia und mir beinahe die Schamesröte ins Gesicht getrieben. Meine Wahl fiel dann aber auf die Version oben. Neben der megarührenden Inkaszene ist er mit Dias-de-los-muertos-Kitsch, Tequillaflaschen und Totenköpfen bedruckt. Lacht ruhig. Der Druck hat irgendwas mit mir gemacht. Diese Inkaprinz-rettet-schöne-Frau-vor-Menschenopfer-Szene ist so schnulztriefend, dass sie schon wieder cool ist. Zumindest für einen Kissenbezug.

Daneben haben sich vier tolle Verschlüsse für einen noch nicht geplanten Wintermantel und Batikfarben in braun und oliv in meine Tasche gegaunert. Und orangefarbenes Klettband. Für das Retro-Sci-Fi-Projekt. Das geht weiter. Irgendwann.

von fröuden, hochgeziten – I. Aventiure

30. August 2011 (11:40 h) – Tags: , , ,


So, jetzt wirds ernst. Die Hamburger treffen hochzeitsrelevante Entscheidungen, das heißt, es wird eher früher als später einen Termin geben. Zu dem sollte die Braut dann ein formidables Hochzeitskleid tragen, made by Tante Soda from Berlin. Also muss ich jetzt auch mal anfangen.

Ihr erinnert euch, dass Natron nach langen Überlegungen und mehreren Entwürfen ihre Wahl zugunsten eines Kleides mit Tüllrock in Tea-Length, Corsage und Weste getroffen hatte. Elfenbeinfarben. Seide. Und Tüll. TÜÜÜÜLLLLL!

So weit, so gut. In meiner Funktion als beste Freundin, Trauzeugin und Brautkleidschneiderin habe ich Natron dann zum Stoffgroßhändler begleitet. Und wir haben schwere Entscheidungen getroffen. Zwischen Off-White, Champagner und Elfenbein. Zwischen Rautentüll und Wabentüll. Erfreulicherweise hatten wir nicht auch noch einen genervten zukünftigen Bräutigam an der Seite. Natron: „Für den ist das doch eh bloß ein weißer Fummel!“

Der Einkauf ist zugegeben schon etwas länger her. Dann kam aber die Festivalsaison dazwischen und hat sämtliche Anproben unmöglich gemacht (es sei denn wir hätten auf dem Acker in Tolmin die welterste „Brautkleidanprobe meets Metalfestival“-Aktion veranstaltet) *g* Am kommenden Wochenende sehen wir uns aber dann endlich in zivilisierter Ruhe.

Für euch gibts heute natürlich noch einen Blick auf die Stoffe. So schöööön.

Links der Oberstoff für Corsage und Weste. Ein Seidengemisch mit diesen köpertypischen Schrägrillen. Der ist relativ fest. Die Corsage wird natürlich noch mit Zwischenfutter und Stahl und allem toten Deibel ausgestattet werden, aber für die Weste muss der Stand reichen.

Rechts das Innenfutter. Das ist reine Seide. Ich werde das auf Natrons Bitte hin noch per Hand vorwaschen, von wegen Schadstoffe und so. Das kommt dann innen in die Corsage und in die Weste.

Und hier die fotoscheuen Freunde. Tüll und Tüll. Der linke ist sehr zart, hat eine Rautenstruktur und die richtige Farbe für die Corsage. Das wird der obere Rock. Der rechte hat viel Stand, ist aber eine Idee zu gelblich. Deshalb wird er nur den Unterrock geben. Zusammen sind das 18,5 Meter, ob das reichen wird, werden wir sehen. Für den Unterrock kann ich immernoch was dazukaufen.

Ihr seht, da liegt noch eine Menge Arbeit vor mir. Ich werde mich aber in bester Nibelungen-Manier heldenmutig in den Kampf werfen und bis Samstag ein Probestück für die Corsage anfertigen. Erste Âventiure: Go!

*Ich weiß, dass das mittelhochdeutsche „hôchgezîten“ nicht mit „Hochzeiten“ zu übersetzen ist. Aber für Wortspiele und Blogtitel muss auch mal die wissenschaftliche Richtigkeit dran glauben.

Der Geruch von Sonnencreme

4. Juni 2011 (22:41 h) – Tags: , ,

Heute wieder 30 Grad in B. an der Spree. Da hatte ich echt keine Lust zu Hause zu bleiben. Also haben mein geliebtes Fahrrad und ich einen Ausflug gemacht.

An dem häng ich sehr. Das ist uralt, hat mal meinem Vater gehört. Auf der Stange sieht man noch die Stellen wo früher mein Kindersitz (!) befestigt war. Ich will nie wieder ein anderes Fahrrad und schon gar kein Damenrad, das ich mir nicht über die Schulter hängen kann wenn ich es aus dem Keller schleppe. Der rostige Lenker und der ganze abgerockte Look sind übrigens Diebstahlsicherung und Style in einem. Der Fahrradklau in dieser Stadt ist echt grauenvoll.

Wir waren erstmal auf dem Samstagsmarkt. Den wollte ich mir ja schon länger mal anschauen, zumal Berlinbesucher öfter mal danach fragen.

Also, ich sage mal so: Hälfte Stoffe und Kurzwaren, Hälfte Tourikram. Der Teil zur Ankerklause hin ist der, auf dem sich die meisten Stoffhändler die auch regulär auf dem Türkenmarkt zu finden sich, niedergelassen haben. Man erkennt nicht jeden sofort weil sie ja andere Plätze haben. Der Glitzerwarendealer und mein Kurzwarenhändler sind auch da. Das ist gut und sicher eine tolle Sache für alle die weder Dienstags noch Freitags auf den Markt kommen. Der Rest ist marktgewordener Kleinkram: Kissenbezüge, Babylätzchen und eingeschlagene Notizbücher. Röckchen aus Patchworkstoffen. Nachgemachte Threadless-Shirts. Und Sarouelhosen soweit das Auge reicht. In Einheitsgröße, mit Gummizug. Ja, würd ich auch anbieten, aber originell ist was anderes. Außerdem erinnere ich mich noch zu gut daran, wie der Style runtergemacht wurde als er neu war. Nagut. Einer hatte sehr interessante Postkarten mit Ausschnitten von Stadtschildern („Ichstadt“ aus dem Friedrichstadtpalast-Logo und so Sachen) und Streetart. Und vielleicht ist ja auch mal selbstgebastelter Schmuck bei, der einem gefällt. Aber ist schon alles sehr deutlich mit „100% Berliner Handarbeit“ und „Souvenir aus Rixdorf“ beschrieben. Mich meinen die nicht.

Ich bin dann auch weitergefahren, am Kanal entlang fährt man schön bis fast an den Potsdamer Platz, dann ein bisschen unter die Touristen mischen und schließlich elegant durch den Tiergarten radeln. Ahh. Mit Fahrtwind war das gar kein übles Wetter.

Was ich (Freitag) auf dem Türkenmarkt erstanden habe zeig ich auch noch kurz. Näh meine komischen Hosen nämlich selbst.

Das hier könnte euch bekannt vorkommen. Den Stoff habe ich letztes Jahr schonmal auf dem Markt gekauft und das Maxikleid V1 draus genäht. Ein ganz wunderschöner Stoff. Hab mich echt gefreut den nochmal zu bekommen. Damit auch diesmal der ganze Farbverlauf drauf kommt möchte ich eine Art Overall mit Trägern, Smok und Pluderhose draus machen.

Das hier ist Kunstfaser, eine Art Kreppchiffon, aber mit Glitzerstreifen! Musste ich haben. Wird eine Hose, entweder Aladin oder Burdas Strandhose, mal sehen.