Happy Gamma Ray!

5. November 2015 (20:36 h) – Tags: , ,

Musik: Slipknot - Vermilion 

Was sonst noch los war ohne viel Zusammenhang:

An Halloween war ich trotz allem mit Freunden feiern. Gelegenheiten sich zu verkleiden gibt es nicht so viele, also bin ich da immer gerne zur Stelle.

Ja, unter der Maske steckt Natron. Und trägt ihren Psychopathen-Einteiler. Ich hatte zum Voodoo-Skull-Makeup immerhin noch ein weißes Shirt in Rippenbögen zerschnitten.

Hätte ich mehr Zeit zum Stylen gehabt, hätte ich gerne auch mehr Aufwand getrieben. Aber wir waren vor der Party noch bei Gamma Ray und haben ein bisschen altmodischen Power-/Speedmetal mitgenommen.

Die Hanseaten und ihre Freunde (unter anderem Serious Black als Vorband) spielten im kleinen Columbia Club. Quasi ein Haus weiter befindet sich die größere Columbiahalle. Und dort traten am selben Abend die Deutschrocker von Madsen vors Publikum. Was erklärte warum in der U-Bahn so verdammt viele bunt gekleidete, kurzhaarige Leute unterwegs waren. Selbst am Einlass zum Club standen sie noch und wurden von den Kartenabreißern eine Tür weiter geschickt. „Das geht euch bestimmt den ganzen Abend so?“, sagte ich zu den Jungs. Worauf sie vielsagend nickten und meinten: „Jup. Einer ist schon drin.“

Ansonsten habe ich mich shoppenderweise im Internet rumgetrieben. Frierliesel hat tatsächlich noch eine Winterjacke gekauft, eine wattierte, die sich wie ein Mumienschlafsack trägt aber viel besser aussieht.

Und nachdem ich schon eine Weile damit liebäugle habe ich mir auch endlich einen Entsafter gekauft. Ich besitze seit etwas mehr als einen Jahr einen Mixer, damit mache ich regelmäßig Smoothies. In denen versuche ich neben Obst auch immer etwas Gemüse unterzubringen, aber so harte Sorten wie Rote Beete oder Möhren kann man im Mixer nur sehr schlecht verarbeiten.

Der Neue im Fuhrpark war wie immer nicht ganz billig, aber er kriegt die Wurzeln anstandslos klein und ich bin sehr begeistert von meinem Rote Beete-Möhren-Ingwer-Orangensaft. Auch Äpfel, Birnen und Pflaumen habe ich schon zu Saft verarbeitet und dann mit Zimt, Muskat und Ingwer in der Mikrowelle aufgewärmt für eine Art Fruchtpunsch. Gesunde Ernährung rockt.

Sieben zu eins

14. September 2015 (17:50 h) – Tags: , , , ,

Musik: In der Küche läuft Doom :) 

Es gibt in meinem engeren Freundeskreis eine 7:1-Geste, bei der man an einer Hand fünf Finger hochhält und bei der anderen nur Daumen, Zeigefinger und kleinen Finger. Die Geste stammt aus Tagen der Weltmeisterschaft und besagt so viel wie: „Wenn eine Sache absolut fantastisch läuft, dann kann was anderes ruhig mal schief gehen, das ist nicht so schlimm. Ärgere dich nicht drüber, freu dich lieber über das was da grade toll läuft.“

Die 7:1-Geste beschreibt mein jüngstes Wochenende in Hamburg ganz hinreichend. Hochgefahren war ich vor allem wegen der weiteren Vervollständigung meiner Tätowierung und weil es sich terminlich anbot auch um den großen Mittelaltermarkt in Öjendorf zu besuchen. Und dann renkt sich mein Tätowierer am Abend vor unserem Termin beim Sport die Schulter aus und im Mittelalter regnet es so ausgiebig, dass ich nicht das weiße Elfenkleid anziehen mag. Yeah.

Aber egal. Hab ehrlich gesagt auch keinen Grund mich zu beschweren. War ich am Freitag halt mit Natron endlich mal wieder im Secondhand und ausgiebig Kaffee trinken.

Dieses superkitschige Achtziger-Jahre-Partykleid hatte es mir irgendwie angetan, ich weiß auch nicht warum. Schwarzer Flockdruck mit buntem Glitzer, Ballonrock, gesmokter Rücken und eine riesige Schleife auf dem Schoß. Aber trotzdem… wüsste ich eine Gelegenheit sowas anzuziehen hätte ich es vermutlich gekauft. So blieb es da und ich schleppt nur ein weiteres der unvermeidlichen Grunger-Karohemden ab.

Der Mittelaltermarkt in Öjendorf war am Samstag trotz Regen total schön. Das ist ja ein riesiges Gelände! User getroffen, Malzbier getrunken, Feuershow angesehen und Edelsteine gekauft. Passt schon.

Zuhause in Berlin habe ich in letzter Zeit einen kleinen Aufräumflash bekommen. Ich hatte ja schon erzählt, dass ich angefangen habe den Balkon schön zu machen. Dort lagerten bisher die letzten (leeren!) Umzugskartons, Bierkisten von einer längst vergangenen Party sowie lauter Kram der eigentlich in den Keller gehört. Dazwischen konnte man noch so viel treten, dass Sprühaktionen mit Bleiche durchführbar waren, anders nutzte ich den Raum aber nicht. Was ein Skandal ist!

Nun habe ich also alles rausgeräumt, die verdammten Pfandkisten in den Supermarkt zurückgebracht, die Pappe in den Müll und das Gerümpel in den Keller. Das fühlte sich schonmal super an.

Dann konnte ich das Stück Teppich ausrollen was meine Mutter mir von ihrer Auslegware gerettet hat als sie sich Laminat hat legen lassen. Mit Siouxsies großartiger Hilfe hab ich das zugeschnitten und auf dem Betonboden verklebt. Nun ist der Balkon das einzige Zimmer in dem ich Teppich habe. Die Katzen finden Teppich offenbar total toll und rollen ständig darauf rum, ich bleibe weiterhin ein Fan von Holzböden. Auch wenn ich zugeben muss, dass der Balkon jetzt natürlich viel kuscheliger und der Raum irgendwie wärmer ist.

Der Balkon ist übrigens komplett verglast, mehr wie ein Wintergarten. Nur falls euch das mit dem Teppich grade verstört haben sollte. Langfristig will ich den anders ausbauen, aber fürs erste stehen ein alter Elchledersessel drin, ein Regal aus meinem Kinderzimmer und die Pflanzen die ich weder totgegossen noch in Hamburg vergessen habe. Und dezenter Dekokikki, versteht sich.

Die Laterne ist gestern schon wieder abgeschmiert, da muss ich wohl doch einen Haken in die Decke bohren. Ansonsten aber schon alles sehr hübsch. Und auf einmal gratis ein Zimmer mehr zu haben ist auch nicht verkehrt.

Wo ich grade so auf dem Wohnungskram-Trip war habe ich auch noch schnell den Spiegel im Schlafzimmer aufgehängt. Das gute Stück habe ich neulich einer Kollegin für nen Zehner abgekauft weil Bleiglas und goldfarbener Rahmen immer irgendwo bei mir reinpassen.

„Mein Hund ist dunkelblau“

19. August 2015 (18:04 h) – Tags: , ,

Musik: Aktuell große Begeisterung für Slipknot - .5: The Gray Chapter 

Neulich erzählten sie auf Arbeit, dass man grade total gut Sternschnuppen sehen könnte. Als ich jedoch abends mit dem Fahrrad nach Hause fuhr war der Himmel bewölkt. Voll schade. Aber dann dachte ich drüber nach und mir wurde klar: Es gibt eigentlich gar nichts was ich mir momentan noch wünschen könnte.

Yup, mein Leben ist grade ziemlich toll. Beispiel gefällig? Das vergangene Wochenende in Hamburg. Das war total super. Ich hatte ein paar Tage Urlaub genommen, den Donnerstag aber schon regulär frei. Also bin ich spontan schon Donnerstag in den Norden gefahren und war mit Natron noch schnell in der „Tattoo“-Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe bevor die im September ihre Pforten schließt. Das MKG ist eins meiner absoluten Lieblingsmuseen, da habe ich schon sehr viele tolle Sachen gesehen. Und auch diese Ausstellung war keine Enttäuschung. Was für Motivation, Kulturgeschichte, soziale Einordnung steckt hinter Tätowierungen? Was kann Tinte unter der Haut außer dekorativ zu sein? Superspannend, mit unerwarteten Perspektiven und Bezügen. Selbst wenn man sich nur grob für das Thema interessiert gibt es jede Menge Denkanstöße und man geht erfrischt und begeistert nach draußen. So wie Museum sein sollte.

Abends stand ein weiterer Punkt auf dem Programm den ich in Hamburg immer gerne mitnehme: Dombesuch.

Mit Natron entspannt Riesenrad gefahren und den Sonnenuntergang über dem Hafen angeschaut. Zuckerzeug gegessen. Lichter fotografiert. Halb amüsiert, halb gegruselt soziale Dynamiken bei den Jugendlichen am Autoscooter beobachtet. Noch ein Bier getrunken und gute Unterhaltungen geführt. Das wieder komplette Stadion von Pauli gesehen. Viel geredet, viel gelacht.

Freitag früh gab es lecker Pancakes, aber mit Entspannung war es bei mir nicht so weit her, denn der Grund warum ich überhaupt in Hamburg war stand an: Mein erster Tattoo-Termin. Ich habe schon vor sehr langer Zeit mal über ein Motiv für eine Tätowierung gesprochen und hatte auch schon einiges gezeichnet.

Das war 2012 und weil ich sowohl Motiv als auch Idee immer noch mag lass ich es jetzt halt endlich mal machen. Schlussendlich nicht auf dem Rücken sondern auf dem Oberschenkel, aber im Großen und Ganzen so wie ich es schon vor drei Jahren geplant hatte. Jugendstil-Dame, Adler, Lamm und Pfau in Brauntönen, mit Pfauenfedern die bis aufs Knie reichen und von meiner dortigen Motorradunfall-Narbe ablenken können.

Ich war zugegeben sehr nervös, aber das hielt glücklicherweise nicht lange. Mit dem Tätowierer habe ich mich echt gut verstanden, ich bin auch ziemlich begeistert von seinen freihand gezeichneten Federn und weh getan hat es ebenfalls weniger als erwartet. Auf der Außenseite des Knies ist meine Haut seit dem Unfall sowieso taub, das kam mir hier endlich mal zupass. Als ich von meinen Plänen für den nächsten Tag erzählte, entschied der Chef mir eine Art Folienpflaster zu verpassen was drei Tage drauf bleiben kann und die Wunde erstmal gut vor Staub und Dreck schützt. Davon abgesehen, dass man die Haut zwischenzeitlich mit Alkohol reinigen musste, was natürlich gut gebrannt hat, war das Pflaster eine fantastische Idee und hat bis ich es Sonntag Mittag abgepult habe gute Dienste geleistet.

Am nächsten Tag sah es zugegeben etwas apokalyptisch aus…

Freitag Abend trudelten die anderen Berliner und westdeutschen Freunde ein und wir veranstalteten die Camp-Party die normalerweise an ersten Festivalabend auf dem Zeltplatz stattfindet bei Natron und Red im Wohnzimmer. Dem Kumpel der dabei vorzeitig und barfuß auf dem Sofa einschlief wurden sehr behutsam die Zehennägel lackiert, wir sahen uns noch Sabatons Wackenauftritt an, sangen wie immer alles mit und genossen es sehr am Ende nicht ins Zelt kriechen zu müssen sondern einfach nebenan auf eine Matratze fallen zu können.

Trotzdem ging das Festivalfeeling am nächsten Tag ungetrübt weiter, und zwar beim Elbriot auf dem Hamburger Großmarktgelände. Das Wetter gab sich große Mühe ein ganzes Wochenende abzubilden, mit Sonne, Wolken, ein bisschen Regen und dann wieder Sonne. Hoodie habe ich den ganzen Tag mitgeschleppt, am Ende aber gar nicht gebraucht.

Weil sie mich in Tolmin schon so begeistert hatten, wollte ich unbedingt Blues Pills nochmal live sehen. Das hieß, dass man die Freunde ein bisschen aus ihrem Frühstückskoma zum Aufbruch drängen musste, aber es lohnte sich definitiv. Ich habe normalerweise ein Problem mit Frauenstimmen, aber hier passt alles. Entspannter Retro-Rock/Blues mit ganz schön viel Gänsehaut bei „Devil Man“. Hab mir beim Merch-Stand gleich ein Shirt geholt, mit viel zu buntem, ganz tollem Artwork.

Für Callejon überließen wir den Kiddos den Platz vor der Bühne, aber Kvelertak standen dann wieder auf der Liste. Und deren death ’n‘ roll war ziemlich amtlich. Ein bisschen überraschend weil ich sie ja auch schon im letzten Jahr beim Aerodrome in Prag gesehen und nicht groß in Erinnerung behalten hatte. Waren Kvelertak damals auch schon so groovy? Egal, diesmal haben sie echt gefallen.

Opeth habe ich mir auf Anraten auch angeguckt und gemocht, obwohl die sonst nicht so in mein Beuteschema fallen würden. Aber es ist ja immer gut seinen Tellerrand zu erweitern.

Soweit ein echt entspannter Festivaltag mit chilliger Musik. Dann kamen Kreator auf die Bühne und nahmen den Laden auseinander. Ich mag das Intro mit den Bengalos auf der Bühne und mit den Papierstreifen die danach ins Publikum geschossen wurden, mussten wir uns während „Enemy Of God“ natürlich sofort verkleiden. Ich wollte wegen der frischen Tätowierung eigentlich nicht so viel Action, aber es gab dann doch tribe-interne Circle Pits die ein bisschen eskalierten und da hintem im Publikum nochmal für ordentlich Stimmung sorgten. Was am Ende schon viel Spaß machte. Kreator waren auch in Höchstform und es fühlte sich mal wieder wie nur zwanzig Minuten an weil die Zeit bei so vielen Übersongs viel zu schnell verging. Toller Auftritt. Danke, Leute!

Letzter Headliner waren In Flames die zumindest live jedes einzelne Mal abliefern. Die legendäre Lichtshow fiel diesmal noch recht bescheiden aus, aber blind waren wir anschließend trotzdem. Ungewöhnlich viel Redebedarf bei Anders Fridén bescherte uns minutenlange Ansagen im Style von Robb Flynn, was ich überhaupt nicht schlecht finde.

Nach Flames taten mir ziemlich die Füße weh und die gefühlte Ewigkeit, die wir am Hauptbahnhof noch beim Fastfood-Versorger anstanden half auch nicht. Trotzdem war es ein supercooler Festivaltag mit tollen Bands, prima Gesellschaft, Kinderschokoladen-Crêpes und ganz viel guter Laune. Und auf dem letzten Stück des Heimwegs schwang das Universum dann nochmal sein magisches Zepter und wir sahen doch noch eine. Eine Sternschnuppe.

 

I absolutely adore this experience!

29. Juli 2015 (21:48 h) – Tags: ,

Musik: House Of Lords - Demons Down 

The same procedure as every year: Den Sommerurlaub habe ich in Slowenien beim Metaldays verbracht. Da führt kein Weg dran vorbei und auch in diesem Jahr war es ein fantastisches Festival mit grandiosen Bands, epischen Zusatzaktivitäten und jeder Menge Sommerfeeling.

Die Tour fing für mich erstmal mit dreihundert Kilometern in die falsche Richtung an. Ich hatte entschieden mit den Hamburgern zu fahren. Hauptgrund war, dass ich die endlosen Kilometer auf der Autobahn dann mit Natron würde wegquatschen können. Also stieg ich erstmal in die Bahn nach Norden. Weil ich einen Zug verpasst hatte blieb noch genug Zeit eine vorläufige Bahncard zu beantragen und das tat ich dann auch.

Freitag Abend hockten Natron, Red und ich auf dem Sofa und hörten in die Bands rein die uns in der nächsten Woche mit Livemusik beglücken wollten. Grade bei den unbekannteren Kapellen taten sich noch ein paar Überraschungen auf und in meiner Running Order war plötzlich doch ziemlich viel gelb markiert.

Den Samstag verbrachten wir dann im Auto. Tausenddreihundert Kilometer Richtung Südosten. Bis kurz nach München macht das ja überhaupt keinen Spaß, erst danach fangen so langsam die Berge an und damit kommt dann auch das Festivalfeeling zurück. Wir bestimmten abwechselnd die Musik im Auto und als wir durch die Dämmerung der österreichischen Berge rauschten und Savatage auf Dead Winter Dead „The time has arrived and this is the one place to be“ sangen wußte ich, dass wir hier definitiv in die richtige Richtung fahren. Große Vorfreude aufs Festival.

Der erste magische Moment der Reise ließ auch gar nicht mehr lange auf sich warten. Wir hatten endlich den Predilpass überquert und waren auf dem besten Weg ins Sočatal, draußen inzwischen tiefste Nacht. Und in den Bergen, fernab von Zivilisation und Licht, guckten die Stadtkinder in den Himmel und sahen die Sterne wie selten zuvor. Millionen davon. Die Milchstraße selbst zog sich als blasses Band über den Himmel.

Als wir wenig später im Festivalley und dann in Tolmin eintrafen war von der romantischen Bergeinsamkeit nichts mehr zu spüren. Wir reihten uns in die Einlassschlange und die Uhr schlug genau Mitternacht. Der Zeltplatz war damit offiziell freigeggeben und früher hatten wir eh nicht ankommen wollen. Punktlandung. Dass wir danach noch eine Stunde rumirrten und die reservierten Campflächen suchten auf denen unsere Freunde bereits warteten… geschenkt.

Der Sonntag fuhr dann gleich auf, was die restliche Woche ausnahmslos bereithalten sollte: Hitze. Um sieben war die Sonne so weit über die Berge gestiegen, dass es im Zelt unerträglich warm wurde und an Schlaf nicht mehr zu denken war. Wenn man nicht grade am Strand oder unter der eiskalten Dusche stand waren vierzig Grad im Schatten schon echt anstrengend. Darunter litt auch die Bandauswahl, denn ob man sich um 15 Uhr in die Knallsonne vor der Bühne stellte oder die kühleren Nachtstunden statt mit Schlaf zu verbringen bis nach drei Uhr morgens mit den letzten Bands verfeierte, musste man sich halt schon zwei Mal überlegen. Es gab an beiden Bühnen gratis Trinkwasser, die Security hielt unermüdlich Wasserschläuche übers Publikum und keiner hat uns zu sportlichen Ausflügen gezwungen, aber körperlich war es alles in allem eine echt anstrengende Woche. So richtig erholt davon bin ich immer noch nicht.

Nichtsdestoweniger habe ich es irgendwie geschafft lauter fantastische Konzerte zu sehen und es ging am Montag Nachmittag auch gleich mehr als amtlich los. Nachdem wir Sonntag Baden waren, Mangos geschlachtet und das unvergleichliche Campgroundfeeling aufgesogen haben zu dem in Tolmin definitiv Beschallung vom „Brothers Of Beer“-Camp, Getränke in Wegwerfdosen, Gleitschirmflieger am Himmel und Insekten im Becher gehören, fingen wir Montag erstmal entspannt an.

Der erste Punkt war die sogenannte Luftmatratzentour, bei der man sein Schwimmgerät ein Stück flussaufwärts trägt und sich dann von der Strömung entspannt zurück zur Tolminkamündung treiben lässt. Getränke im Wacken-Turnbeutel hängt man ins Wasser und sie kühlen sich selbst. Zwischenzeitlich konnten wir an einem Felsen festmachen, tauchten im kristallklaren Fluss und mein wasserdichtes Handy konnte zum ersten Mal beweisen, dass es seine 400 Euro wirklich wert war.

Am Strand angekommen gab es Smoothies. Das ist so ein Faktor den ich am Metaldays wirklich liebe: Vegetarisches Essen, Detox-Getränke die mit launigen Sprüchen beworben werden („Reinventing the green“, „Six feet higher“, „Fuck alcohol, drink a smoothie!“), kleine Verkaufsstände die regionale Produkte anbieten und auf den Leinwänden neben der Bühne laufen tagsüber neben der Motivation mehr Wasser zu trinken und seinen Müll zu recyclen Hinweise auf alle möglichen Aktivitäten die man in der Gegend oder sogar auf dem Festival noch machen kann. Natürlich darf man trotzdem im Campingstühlchen sitzen, Bier trinken und vor der Bühne Pizza essen, aber es gab halt auch die unaufdringliche Option alkoholfrei, mit anständigen Essen und dem einen oder anderen Abenteuerausflug durch die Woche zu kommen. Und genau das habe ich gemacht. Und Powermetal-Kaffee vom Stand getrunken der seine Getränke verschiedenen Genres zugeordnet hatte.

Der Hitze und dem Strand geschuldet trudelten wir Montag erst um 19 Uhr vor der großen Bühne ein. Die erste Band war aber gleich ein richtiges Highlight. Devin Townsend sieht man wirklich nicht oft und ich war mir auch nicht sicher ob der mir nicht zwischenzeitlich zu „ambient“ sein würde, aber es war ein fantastischer Auftritt, gespickt mit extrem unterhaltsamen Ansagen. Große Begeisterung. Den restlichen Abend blieben wir dann einfach vor der Bühne, denn es spielten anschließend Queensrÿche die mir sowohl last.fm als auch Tobi Sammet in seiner Radiosendung dauernd vorschlagen und die mir tatsächlich live richtig gut gefallen haben.

Danach folgten Fear Factory. Mir eine Spur zu industrial, und davon abgesehen, dass sie uns drei Mal buchstabiert haben wie ihr neues Album heißt war der Sound auch nicht ganz toll. Trotzdem kurzweilig.

Der Headliner des Abends hat dann wie immer alle Erwartungen erfüllt. Saxon. Über zwei neuere Songs am Anfang konnte man gepflegt hinwegsehen, danach kamen nur noch Klassiker: „Strangers In The Night“, „The Eagle Has Landed“, „Dallas 1 pm“, „Princess Of the Night“, „Crusader“ und so weiter. Tolle Show und Biff Byford ist einfach eine coole Socke.

Am Dienstag wurden zum einzigen Mal in der Woche Bands durchgetauscht und Slots verschoben, ich konnte dadurch immerhin Sacred Steel sehen die sonst zeitgleich mit wem anders gespielt hätte. Am Ende haben sie mich zwar nicht überzeugt, aber immerhin habe ich das selber sehen können. Vorher waren wir aber natürlich wieder am Strand und entdeckten die Möglichkeiten des Unterwasserselfies. Im Gletscherwasser bedeutete das dauernde Untertauchen zwar auch ein gewisses Maß an Hirnfrost, aber es hat wirklich Spaß gemacht und ist definitiv noch weiter zu perfektionieren.

Nach dem Strand guckten wir bei Blues Pills rein. So eine Band von der mir immer erzählt wurde wie toll die wären, die ich aber noch nie selber angeguckt habe. Mit Frauenstimmen tue ich mich normalerweise eher schwer. Als wir aber Freitag Abend in Hamburg mal reinhörten gefiel mir der Retro-Sound auf Anhieb so gut, dass die Schweden fest in der Running Order eingeplant wurden. Und obwohl es echt warm war und Natron sich schon bei der Luftmatratzentour einen Sonnenbrand auf der Rückseite der Beine geholt hatte standen wir in der Sonne vor der Bühne und waren schwer angetan. Freu mich schon, die beim Elbriot im August nochmal zu sehen.

Als wir anschließend wieder im Camp ankamen zog zwischenzeitlich ein heftiger Wind auf der aber weder Regen noch Abkühlung brachte und uns eigentlich nur zwang unsere Pavillons festzuhalten. Eine Gruppenaktivität die jedes Jahr beim Metaldays irgendwann ansteht. Als der Sturm nachließ verdrückten Natron und ich uns aber schnell wieder in Richtung Bühne. Denn wir hatten noch ein Date mit Zakk Wylde. Black Label Society spielen die Musik die meine Hamburger Begleitung total gerne mag: southern und groovig. Die Bühne hatten sie komplett mit Amps vollgestellt, zwischen den Songs wurden regelmäßig die Gitarren durchgetauscht und alle Bandmitglieder irgendwann mit mehrminütigen Titeln und Ordensnamen vorgestellt. Ziemlich viel Gepose, aber wirklich cool. Dass Zakk Wylde die Frechheit besaß irgendwann ein zwanzigminütiges Gitarrensolo zwischenzuwerfen, fand ich großartig. Am Ende gab es noch eine Hommage an Dimebag Darrell und sehr viel lässiger hätte man den Laden kaum rocken können. Danach beehrten uns noch Dream Theater und Cannibal Corpse aber in Hinblick auf den frühen Weckruf am nächsten Morgen sparte ich mir die wirklich.

Mittwoch hätte man gleich um 15 Uhr bei Diablo Blvd einsteigen können. Die hatte ich bereits als Vorgruppe von mighty Machine Head gesehen und sie waren auch echt gut, aber es war heiß, Leute! Wir lungerten wieder am Strand rum, aßen Mangos und trödelten dann mal an der kleinen Bühne vorbei als Daedric Tales spielten. Powermetalmäßig ging in der ganzen Woche ja kaum was und leider haben mich auch die Österreicher nicht richtig begeistert. Alternativ gab es aber genug Thrash und bei Death Angel ging später vor der Bühne einiges ab. Hat echt Spaß gemacht auch wenn ich mich frage ob Mark Osegueda zwischen seinen Songs da tatsächlich puren Gin getrunken hat oder ob in der Bombay Sapphire Flasche vielleicht (hoffentlich!) doch Wasser drin war. Nach Thrash Angel waren wir also schonmal gut in Stimmung für die Helden von Sepultura. Und die waren fantastisch. Alte Songs, fettes Grinsen bei Andreas Kisser und als Derrick Green bei „Ratamahatta“ selber trommeln sollte hat er ernsthaft am Anfang des Songs gleich mal seine Stöckchen fallen lassen. Das war lustig.

Ich guckte anschließend bei den Italienern von Minotauro auf der kleinen Bühne rein die endlich mal anständigen Powermetal brachten und zwischenzeitlich an Rhapsody erinnerten. Am Ende lieferten sie ein echt nettes Cover von Deep Purple ab und ich konnte grad noch so zur großen Bühne zurückflitzen um mir den Schluss von Hatebreed anzusehen die total anders und auch voll gut waren. Da musste ich an frühe Machine Head denken.

Der nächste Tag hielt dann relativ wenig wichtige Bands bereit, deshalb beschlossen wir an diesem Tag wandern zu gehen. Drei Kilometer vom Campgroud entfernt beginnt ja der Nationalpark Triglav und wartet gleich mit einer unerträglich schönen Schlucht auf durch die unsere Tolminka fließt.

Wir waren fast jedes Jahr dort, einfach weil es so unglaublich wunderschön ist. Wenn man den Weg zur Schlucht einmal überstanden hat kann man sich mit Eis oder Bier stärken und läuft dann ganz entspannt zum Flussbett runter, im Schatten. Dazu gibt es steile Felswände nach oben, schaurige Abgründe, endemische Vegetation, Brücken unter denen das türkisfarbene Wasser durchrauscht, jede Menge Felsen, Strudel, Zauber und Geheimnisse. Eins davon wartete in der Zadlaz-Höhle in die wir vor zwei Jahren schon mutig reingeklettert waren, aber irgendwann aufgeben mussten weil man mit der Taschenlampe zwischen den Zähnen halt auch nur so weit kommt. Damals hatte uns irgendwer erzählt es gäbe ein Stück tiefer in der Höhle einen großen Saal und irgendwie hat das mir keine Ruhe gelassen. Also waren wir wieder da. Zu viert, mit Stirnlampen und großer Entschlossenheit.

Die Höhle war angenehm kühl und weil wir ja schonmal dort gewesen waren kamen wir auch gut voran. Eine Eisentür die scheinbar den Zugang versperrte konnte man einfach aufschieben, und wenn man wirklich gewollte hätte, dass wir da nicht reingehen hätte man ja auch abschließen können. Also weiter. Bis an die Steigung wo wir 2013 aufgegeben hatten. Dort blieben zwei Freunde zurück und mit einem machte ich mich an den Aufstieg der plötzlich gar nicht mehr so schwer war. Auf einem schmalen Steg vorbei am Abgrund ging es weiter und dann plötzlich tat er sich auf, der Saal. Wow. Wir standen in einem Raum über dessen eines Ende sich eine natürliche Brücke spannte während der größte Teil des Bodens steil nach unten wegfiel. Von der Decke formten sich Stalagtiten. Als wir unsere Lampen kurzzeitig ausmachten gab es nur absolute Dunkelheit und eine tiefe Stille in die ab und an ein Wassertropfen unsichtbar ins Nirgendwo fiel. Der Abhang zu unseren Füßen und auch die massiven Felsen über und neben uns rückten auf einmal sehr nahe.

Wir hatten den Saal gefunden und die Höhle erobert so weit sie ohne Kletterausrüstung halt zu bezwingen ist. Ich war total begeistert und stolz und es dauerte noch eine ganze Weile bis ich bemerkte wie anstrengend und nicht ganz ungefährlich die Aktion eigentlich gewesen war. Die nächsten zwei Tage hatte ich jedenfalls furchtbaren Muskelkater in den Oberschenkeln. Als wir wieder ans Tageslicht und zurück in die Hitze gekommen waren sah ich mir die Infotafel zur Höhle mal genauer an. Es gab ein Foto der Gesellschaft welche die Höhle in den zwanziger Jahren erforscht hatte und da stehen sie in genau dem Saal, vor der natürlichen Brücke. Lediglich besser ausgeleuchtet als mein Kumpel und ich.

Von der Höhle stiegen wir weiter zum Flussbett hinab, vorbei am Bärenkopf-Felsen von dem man einen kleinen Einblick in die zauberhaften Wasserbecken dahinter bekommt und machten einen Abstecher zu der Thermalquelle deren 20 Grad sich in die Tolminka mischen, aber in dem eiskalten Wasser hoffnungslos verloren sind. Am Flussbett angekommen gab es dann kein Pardon. Egal ob das nur sechs Grad sind, wir mussten zum anderen Ufer waten und ich weiß nicht ob die Steine unter den Füßen oder das frostige Wasser schlimmer waren.

Nach der Schlucht, dem Entdecken von Powermetal- und Blackmetal-Schmetterlingen und dem anstrengenden Rückweg über die Hitzeebene nach Tolmin hatten wir uns Pizza im Ort wirklich verdient. Wir trafen die anderen Freunde dort, es gab lecker Essen und Natron wurde endlich mal wieder von einer Wespe gestochen.

Der Ausflug hatte recht lange gedauert und als ich dann wieder vor der Bühne aufschlug waren Crowbar mit ihrem Set schon fast durch. Das war voll schade. Die waren total gut. Im Gegensatz zu Accept vom Vorabend oder Black Label Society hatten sie minimalistische drei Amps auf der Bühne zu stehen, darauf zwanzig Bierdosen und kein Backdrop. We are Crowbar, Motherfucker!

Weil der Kumpel mit dem ich nach vorne gegangen war die nächste Band unbedingt sehen wollte blieb ich auch und guckte mir Vreid an. Jemand hatte sie als „black’n’roll“ bezeichnet und es war wirklich angenehm wie groovy Black Metal sein kann.

Die gleichen Freunde die in der Höhle rumgeklettert und Anfang der Woche bereits mit dem Gleitschirm übers Tal geschwebt waren bequatschten mich Donnerstag Nacht noch beim nächsten Abenteuer am Freitag mitzumachen. Keiner wusste so genau worauf wir uns einließen aber „Canyoning“ klang nach Schlucht und ich hoffte einfach mal auf beeindruckende Natur. Und wow, wir wurden nicht enttäuscht.

Was ist also Canyoning? Im Prinzip ist es so: Die Soča und ihre Zuflüsse haben sich im Festivalley teilweise beeindruckende Schluchten in den Kalkstein der Julischen Alpen geschnitten. Dort wo das Wasser konstant fließt haben sich glatte Rutschen und Wasserfälle ergeben. Und wenn man einmal auf eine gewissen Höhe aufgestiegen ist kann man dem Fluss nach unten folgen. Das involviert Wandern im Flussbett, Rutschen auf Wasserläufen und Sprünge von Felsen in türkisfarbene Wasserbecken. An manchen Stellen ist der Flusslauf zu steil und man klettert angeseilt die Felsen entlang oder seilt sich ab um danach wieder einen Wasserfall runter in eine Grotte zu rutschen. All das passiert umgeben von dieser ansonsten total unzugänglichen, grandiosen Naturkulisse. Hier spannt sich eine archaische Brücke über das smaragdfarbene Wasser, dort ist ein Baum quer über den Fluss gefallen. Es gibt hier ein Video in dem die Aktivität schön erklärt und bebildert ist. Wir haben genau diese Tour gemacht und auch der zweite Teil des Videos in dem es ums Rafting geht bildet das ab was wir letztes Jahr beim Metaldays erlebt haben. Riesenfelsensprung inklusive.

Wir bekamen Neoprenklamotten, Helme und Kletterharnisch, dann brachten die Guides uns zum Sušec, einem kleinen Zufluss der Soča. Der Aufstieg zum Startpunkt der Tour war hart. Knallheiß, obwohl man das Neopren noch nichtmal an hatte. Steil und abenteuerlich. Und ich hatte ja eh schon Muskelkater. Man konnte den Fluss schon sehen wie er da seine aquamarinfarbenen Elfentümpel zwischen die Felsen goss und dann wieder weiß und gurgelnd über einen Abgrund sprang. Kristallklares Wasser das man trinken konnte.

Es fiel im Vorfeld der Begriff „natural waterpark“ und tatsächlich standen die Rutschen die man bäuchlings oder mit den Füßen voraus nehmen konnte einem Spaßbad in absolut gar nichts nach. Ziemlich bald kam die erste Gelegenheit von einem Felsen in so ein wunderschönes Wasserbecken zu springen und aus irgendeinem Grund war ich die erste die das tun sollte. Uargh. Andererseits war ich letztes Jahr von sieben Metern gesprungen. Es war definitiv eine Überwindung aber als ich einmal unten war, war die Angst weg und bald konnte ich nicht genug kriegen. Wir sind überall runtergesprungen, Wasserfälle runtergerutscht die sechs Meter und höher waren. Der letzte davon war etwa 13 Meter hoch und man wurde zwar angeseilt, aber nur minimal abgebremst. An einer Stelle fiel man am Ende der Rutsche ins Wasser und schon mit geschlossenen Augen konnte man wahrnehmen, dass es dunkel war. Der Wasserfall ergoss sich in eine Art Grotte. Es gab eine kurze Einweisung ins Klettern mit zwei Karabinern, dann hangelte man sich -klick, klick, klick- an der Felswand entlang. Es blieb fast nicht genug Zeit um mal die wildromantische Umgebung zu genießen oder das Wasser was man nicht aus Versehen geschluckt hatte zu trinken.

Die Tour war anstrengend aber ein unglaubliches Erlebnis. Nichts fühlt sich besser an als seine eigenen Grenzen ein Stück weit nach außen zu verschieben indem man Dinge vor denen man sich ein wenig fürchtet einfach macht.

Nachdem wir vom Veranstalter nach getaner Arbeit den traditionellen selbstgemachten Blaubeerschnaps bekommen hatten lud ein Kumpel die Abenteuertruppe in Tolmin noch zum Burgeressen ein. Ich verpasste den Auftritt von Dr. Living Dead!, was schade aber nicht tragisch war.

Später sahen wir uns natürlich Kataklysm an die so toll waren, dass die Zeit nur so verflog und ich das Gefühl hatte sie hätten nur zwanzig Minuten gespielt. Es gab zwei Songs von ihrem neuen Album was am Freitag erscheint und die Klassiker wie „Push The Venom“ und „In Shadows And Dust“. Supercool, vielen Dank, Katakl!

Der letzte Headliner besiegelte das Festival schließlich mit einer seiner üblichen Machtdemonstrationen. Behemoth machen keine Gefangenen. Der Sound war minimal vermatscht, aber ansonsten lieferten die Polen astrein ab. Blackmetalkitsch mit brennenden gestürzten Kreuzen und schwarzem Flitter. Besser hätte das Festival nicht zuende gehen können.

Ironischerweise zogen in der Nacht Wolken auf und man hätte Samstag so schön ausschlafen können. Wir mussten aber ja unsere Zelte zusammenpacken, alles irgendwie in die Autos stopfen und uns für dieses Jahr vom Sočatal verabschieden.

Immerhin waren die meisten Freunde noch dabei als wir die Burg Landskron in Villach besichtigten, ein paar ulkige Fotos machten und später traditionell in Ainring an der Grenze Quartier bezogen. Mit Zwischenübernachtung ist die Rückfahrt nicht ganz so hart. Wir konnten das Unterwasserselfie nochmal im Schwimmbad ausprobieren und nachdem ich entschieden hatte die restliche Tour mit den Berlinern zu fahren packte ich auch fast alles ins richtige Auto. Meine Boots und Mitbringsel für die Katzensitterin sind in Hamburg gelandet und werden in drei Wochen abgeholt. Die Balkonparty am Abend hielt sich in Grenzen, immerhin lockte der ungewohnte Komfort eines richtigen Bettes.

Ich muss morgen wieder arbeiten, bin körperlich überhaupt nicht erholt, aber ich habe den Kopf zwischenzeitlich wirklich frei gekriegt was viel gebracht hat. Wir hatten eine epische Woche unter Sloweniens Sonne und für mich hat grade die Kombination von Festival und Aktivurlaub total den Unterschied gemacht. Vielleicht bauen wir das nächstes Jahr noch aus. Bis dahin habe ich mir ein Stück vom perfekten Urlaub mitgebracht, nämlich eine Kette mit einem geschnittenen und polierten Sočastein die einer der lokalen Händler dort in Tolmin hergestellt und verkauft hat.

Hiking metal punks

15. Juni 2015 (18:55 h) – Tags:

Musik: Roadrunner United - The Allstar Sessions. Sensationelles Album! 

Fangen wir diesen Eintrag mal damit an, uns bei Metallica zu bedanken. Denn wäre ich letztes Jahr nicht zu Metallica nach Prag gefahren, dann hätte es nie den Moment gegeben wo man aus dem Zug heraus die wunderschöne Landschaft entlang der Elbe sah und wir spontan beschlossen in dieser einen Kneipe, dort wo auf dem Berg orangefarbenen Sonnenschirme stehen, mal ein Bier trinken zu gehen. Was wir jetzt erledigt haben. Allerdings muss ich mich auch, zumindest zähneknirschend, bei Frei.Wild bedanken, denn wenn die dem ohnehin schwachen Line-up des diesjährigen Out & Loud-Festivals nicht den finalen Todesstoß versetzt hätten, dann wäre ich da hin gefahren und nicht in die Sächsische Schweiz.

So hat also das Outiloudi ohne mich stattgefunden. Um aber den Urlaub nicht unverreist verstreichen zu lassen, haben Natron, Red und ich beschlossen, nach Sachsen ins Elbsandsteingebirge zu fahren. Genau dahin wo der Zug langfährt. Alles abklappern was man aus dem Fenster heraus sonst immer anstaunt.

Wir mieteten eine Ferienwohnung in einem sehr kleinen Ort in der Nähe von Bad Schandau und tuckerten mit einem Mietwagen ganz entspannt da runter. Mitten rein in eine Gegend wo Deutschland so aussieht wie auf ausländischen Schokoladenverpackungen: Berge, niedliche kleine Häuschen, ein blauer Fluss, Sonnenschein und biertrinkende Menschen in Sandalen und weißen Socken. Zu allem Überfluss gehörte zu unserer Ferienwohnung auch noch ein weiß-schwarzer Kater namens Nicki. Die perfekte Idylle.

Weil Red ein großer Organisator ist, hatte er auch schon einen Reiseführer und eine Wanderkarte besorgt sowie Programm für drei Tage rausgesucht. Das alles in bester Laune weil sein Fußballverein ja kurz vor knapp mal wieder den Klassenerhalt erzittert hat.

Meine Aufgabe bestand dann nur noch darin die Reisegruppe mit den inzwischen recht beliebten Kurkuma-Ingwer-Shots zu bewirten und abends Yogaübungen vorzuführen die wandermüde Beine entlasten sollten. Ein Leichtes.

Unser erster ganzer Ferientag war der Mittwoch. Wir legten gleich mal ordentlich los und besuchten die Festung Königstein. Eine riesige, niemals eroberte Burganlage deren wechselvolle Geschichte bis ins dreizehnte Jahrhundert zurückreicht.

Man sieht sie schon aus dem Elbtal prächtig auf ihrem Berg thronen, gekrönt von Baumwipfeln. Mitten in der Burg gibt es nämlich einen Festungswald. Einen Wald in einer Burg (godswood!). Das war unerwartet und total schön.

Auf jeden Fall lohnt der nicht sehr schlimme Aufstieg zur Festung. Schon wegen des grandiosen Ausblickes übers Elbsandsteingebirge. Und wegen der vielen unterschiedlichen Gebäude, die diese Burg bilden. Wegen der Türmchen, des Brunnens, der Dunklen Appareille, wegen des schönen Sandsteins aus dem sich unvermutet diese mächtigen Mauern erheben.

Und Biergärten gibt es natürlich auch. Der Unterschied zwischen einem Wandertag mit der Schulklasse und einem Wandertag mit den Freunden ist ja der, dass man sich jederzeit irgendwo hinhocken und ein Eis essen oder meinetwegen auch Alkohol trinken kann. Was die Sache ungleich angenehmer macht. Auf der Festung hätte man locker den ganzen Tag verbringen können, wir blieben allerdings alle paar Meter stehen und riefen „Oh, guck mal, das ist total schööön!“, deshalb schafften wir nicht die komplette Burg. Was okay ist. Man darf ja nochmal wiederkommen. Immerhin habe ich kitschige Schnapsgläser mit Goldrand und Motivdruck gekauft, für meine Saftshots.

Eigentlich hätte man den Tag nun auch beenden können. Aber Natron hatte im Reiseführer noch was spannendes entdeckt. Das sogenannte „Labyrinth“ in der Nähe des Ortes Leupoldishain. Bei uns werden Burgruinen auch gerne mal als „Oder sind das wieder nur drei Steine im Wald?!“ bezeichnet, das Labyrinth ist aber im allerbesten Wortsinn „Steine im Wald“. Sehr viele, sehr große Sandsteine, mitten im Wald. Als hätte jemand am Ende der Schöpfung dieser Gegend noch Material übrig gehabt und weil er es nicht mehr brauchte, hat er es einfach in den Wald geschmissen. Dazwischen krumme Bäume, Farm, Moose und Flechten. Felsspalten, schmale Durchgänge, erodierte Wände, Löcher und Überhänge.

Ich meine, da wohnen doch sicher Goblins in den flauschig überwucherten Felsen! Wir kletterten überall rauf, quetschten uns durch die schmalen Durchbrüche zwischen den Steinen und sprangen von einem Felsen zum nächsten. Das Labyrinth ist ein verzauberter Ort der im Abendlicht umso magischer wirkte.

Das war dann aber wirklich genug für einen Tag. Den Abend verbrachten wir auf der Anhöhe hinter unserer Wohnung sitzend, mit Panorama und lokalen Getränken.

Am Donnerstag war es wieder warm und sonnig. Der bärtige Reiseleiter hatte uns eine Schifffahrt auf der Elbe organisiert. Mit einem historischen Raddampfer nach Dresden. Das war wirklich so cool wie es klingt. Wir gingen in Bad Schandau an Bord und schipperten dreieinhalb Stunden die Elbe hinunter bis in die sächsische Landeshauptstadt. Mit Käffchen, Keksen und exzellenter Aussicht.

Was wir gestern aus der Vogelperspektive gesehen hatten zog jetzt gemächlich uferseitig am Boot vorbei. Putzige Städtchen, Dresdner Vorstadtvillen, Brücken, Kanufahrer. Rechts türmten sich die mächtigen Felsen der Bastei in die Höhe, von links guckte nochmal die Festung Königstein auf uns runter.

Gen Dresden änderte sich die Landschaft, Schlösschen ersetzten die Felsen und statt wildromantischer Wälder gab es Gartenarchitektur aus dem achtzehnten Jahrhundert. Und das alles ohne einen einzigen Schritt laufen zu müssen!

Dresden selbst wollten wir uns natürlich auch angucken. Freundlicherweise haben sie da ihre Touristenattraktionen so praktisch um die Frauenkirche herum zusammengeschoben, dass man auf ziemlich vieles einen Blick werfen kann ohne große Wanderungen zu unternehmen. Schon das Panorama von der Elbe aus ist ziemlich beeindruckend und die helle Sandsteinkuppel besagter Kirche fand ich total faszinierend. Normalerweise sind die Steine immer schon nachgedunkelt.

Auch echt gut hat mir der Fürstenzug gefallen. Ein riesiges Wandbild (aus Meissener Porzellankacheln) auf dem 35 Landesherrscher abgebildet sind. Mit ihren volkstümlichen Beinamen („Friedrich der Gebissene“) und nicht ohne ein gewisses Augenzwinkern. Die Darstellungen sind wirklich schön und es gibt ganz viel zu entdecken.

Und dann stand da auch noch ein Edelsteinhändler und verkaufte „Mugeln“: Rundgeschliffene Steine aus der Region. Ich nahm einen Amethyst mit der eine kürzere Anreise hatte als ich, nämlich nur 25 Kilometer von Dresden entfernt aufgewachsen ist. Für die Sammlung importierter Steine aus dem Urlaub.

Vom Fürstenzug schlenderten wir weiter Richtung Semperoper („Hier brauen die also das Radeberger Bier, ja?“) und Zwinger um danach über die Elbe zu spazieren und auf der anderen Seite noch eine extrem goldene Reiterfigur von Friedrich August II zu bestaunen die im grellen Sonnenlicht fast nicht anzugucken war und meiner Meinung nach sowieso eher Jamie Lannister darstellte.

Und dann hockten wir uns endlich an den steinigen Elbstrand, tranken ein wohlverdientes Bier und hielten die Füße ins Wasser. Ahh!

Zurück ging es später mit der S-Bahn und weil wir ja selbstversorgende Urlauber waren kochten wir abends noch zusammen in unserer WG-Küche. Ein seltenes Vergnügen.

Der Freitag war dann mit Abstand der heißeste Tag mit muckeligen dreißig Grad im Schatten. Wir hatten wieder Wandern auf dem Zettel, aber immerhin durch schattige Wälder, was sich auch als exzellente Idee herausstellte. Der Plan war zur Bastei hochzulaufen. Red hatte ausspioniert, dass ein Aufstieg von Westen, über Zscherregrund und Höllengrund, weniger steile Steigungen hätte als aus der anderen Richtung von Rathen aus kommend. Den Abstieg nahmen wir dann auf Anraten unserer Vermieter über die sogenannten Schwedenlöcher und den Amselgrund und die Wanderer die uns auf den steilen Treppen keuchend entgegenkamen bewiesen, dass unsere Tourenplanung die bessere war.

Erstmal war aber auch der Zscherregrund schon ein fantastischer Wanderweg. Wieder bemooste Felsen und dramatische Überhänge. Red und Natron, die bei „Baldur’s Gate“ immer rucksacktragenden Barbaren und fallenentschärfenden Zwerg spielen nahmen sofort ihre Rollen ein, ich wurde zur Nekromanten-Elfe bestimmt. Entsprechend viel Spaß hatten wir unterwegs schon. Wandern und Burgen sind Dinge die mit Metallern, Rollenspielern und Fantasyfans noch viel mehr Spaß machen als ohnehin schon.

Und ab und an gab es auch diese Steine zu sehen wo Wanderer schon im siebzehnten Jahrhundert ihre Initialen und mehr reingekratzt hatten. Wenn da überall Graffiti gewesen wäre hätte man das unmöglich gefunden aber so machten wir Fotos und versuchten die Texte zu entziffern: „Soll das ein Weinfass sein?“

Der Aufstieg mündete schließlich an der Bastei und kaum hatte man den Einzugsbereich des dortigen Parkplatzes erreicht, war mit einem Schlag alles knüppelvoll. Ein bisschen unerwartet nach der romantischen Waldeinsamkeit zwischen den Felsen. Dazu kam die unerbittliche Sonne auf der Basteibrücke. Aber ein solches Landschaftsspektakel, das es außerdem zu einem der voreingestellten Bildschirmhintergründe bei Windows 7 gebracht hat, das muss man sich schon ansehen wenn man in der Sächsischen Schweiz ist.

Die Basteibrücke und die Aussicht sind ja auch wirklich umwerfend. Wenn man auf die Elbe runterblickt und es kommt grade der Zug nach Prag vorbei in dem wir letztes Jahr saßen, dann sieht das da unten wirklich total wie ein Miniaturwunderland aus. In den umliegenden Felsen kletterten angeseilte Menschen in leuchtenden T-Shirts herum und ich glaube DAS macht da auch richtig viel Spaß.

Nachdem wir noch die Reste der Felsenburg Neurathen besucht hatten verabschiedeten wir uns von dem Touristengedränge und schlugen uns wieder zwischen die Bäume, Richtung Schwedenlöcher.

Für den Tipp zu dieser Route kann man den Vermietern gar nicht genug danken, denn die Landschaft wurde nochmal mächtig beeindruckend. Ein bisschen wie die Tolminka-Klamm in Slowenien, nur ohne das türkisfarbene Wasser. Steile Felswände, enge Schluchten, dazwischen Treppenstufen, umgestürzte Bäume, höhlenartige Durchgänge und alles wild überwuchert. Wow.

(Das Bild mag ich gerne weil es aussieht als ging ich durch die Felsen in eine Zauberwelt. Tatsächlich ein Topos der mittelalterlichen Literatur. Die Felsen als Grenzmarkierung und dahinter tut sich Avantasia eine noch nicht wirklich zu erkennende Dimension auf in der es Elfen und Einhörner gibt.)

Nach diesem sensationellen Wanderweg machten wir einen kleinen Abstecher zum Amselfall. Ein kleiner Wasserfall hinter dem der Eingang zu einer Grotte liegt. Höhle hinter Wasserfall, ich meine mich dunkel an soetwas aus dem Herrn Der Ringe zu erinnern. Kurz nachdem die Hobbits Faramir getroffen haben? Egal.

Das alleine war dem neunzehnten Jahrhundert aber nicht spektakulär genug, deshalb staute man den Bach oberhalb des Wasserfalls kurzerhand auf, baute eine touristisch ausgelegt Bude für Erfrischungsgetränke und wer dem Wirt ein Trinkgeld zahlte, konnte bestaunen wie dieser das Wehr öffnete und der Wasserfall sich kurzzeitig in großer Pracht ergoss. Das ist total lustig und gleichzeitig total bescheuert. Und es läuft immernoch so. Für dreißig Cent gibts zum Bierchen noch etwas Wasserfall. Das wollten wir uns natürlich anschauen, nur war leider so wenig Wasser im Wehr, dass es kein Spektakel gab. Muss man auch hier nochmal vorbeischauen. Ist ja schrecklich.

Vorbei am Amselsee ging es dann entspannt nach Rathen zurück an die Elbe. Und knapp oberhalb des Kurortes lag sie dann, die Pivnice mit den orangefarbenen Sonnenschirmen.

Sie stellte sich als die pittoresken Überreste der Burg Altrathen heraus und nach dem kurzen aber extrem steilen Aufstieg waren wir definitiv reif für das nächste Bier. Da oben zu hocken, umgeben von dieser viel zu schönen Landschaft, am Nebentisch die Kletterer in den Leuchteshirts, und zu wissen man hat seinen Plan vom letzten Jahr erfüllt, das fühlte sich fantastisch an. Urlaub komplett.

Es blieb uns noch den Elberadweg ein paar Kilometer zu unserem Auto zurück zu laufen und am nächsten Tag ging es wieder heim in den Norden. Die Sächsische Schweiz war auf jeden Fall ein fantastischer Kurzurlaub mit Wasser, Bergen, Sonne, Burgen und der richtigen Begleitung. Besser hätte ich meine freien Tage kaum nutzen können.

Reborn as aeon gods

31. Mai 2015 (14:35 h) – Tags: , ,

Musik: Blind Guardian - Prophecies | Stimmung: Und Urlaub! *g*

Es ist so viel toller Scheiß passiert, ich bin ein bisschen überfordert damit das alles in eine Reihenfolge zu bringen. Fangen wir mal so an:

Mittwoch haben Blind Guardian im Huxley’s gespielt. Guardian, die viel zu selten live zu sehen sind. Für die ich schon im November Karten gekauft hatte. Die mit diesem hammermäßigen neuen Album.

Guardian sind nicht irgendwer. Ich höre diese Band schon seit meinen Teenagerzeiten in den Neunzigern und habe tausend Erinnerungen an ganz alte und mittelalte Songs. Und irgendwann während des Konzerts standen Natron und ich nebeneinander und guckten uns an und sie sagte „Klack!“ an genau der Stelle wo damals der Song abbrach weil man vor zwanzig Jahren halt noch Kassetten bespielte die irgendwann unvermittelt zuende waren. Neben dem härteren Sound der Zeiten als Guardian noch eine Thrashband waren mag ich auch den ganzen Bombast der neuen Songs. Meine Musikvorliebe spannt sich zwischen Thrash und Powermetal, zwischen Slayer und Avantasia, wie ihr sicher schon bemerkt habt. Insofern war ich total glücklich mit „The Ninth Wave“ als erstem Song, der hat ein großartiges Intro und legte die Marschrichtung schonmal fest. Darauf folgte „Banished From Sanctuary“ der 1989 auf dem zweiten Album der Band drauf war. Und dann „Nightfall“. Und spätestens damit war klar, dass es ein absolut epischer Abend werden würde. Wie Metallica, die letztes Jahr „Master Of Puppets“ total früh verballert haben, verfügen Guardian auch über so unglaublich viele großartige Songs, dass sie ihre Show mal eben mit was ganz neuem, einem geliebten uralten Song und dem Überklassiker von ihrem laut Natron besten Album eröffnen können.

Ich mochte die Unterbrechung nach etwa dem ersten Drittel, als sie zwei Songs akustik gespielt haben. „A Past And Future Secret“ war natürlich groß, aber der neue „Miracle Machine“ hat mich echt umgehauen. Der kam live noch sehr viel intensiver rüber als auf dem Album und kroch einem eiskalt den Rücken runter. Man merkte deutlich, dass sich die Textsicherheit im Publikum bei den neuen Songs noch in Grenzen hielt, dafür haben wir zwanzig Minuten lang „Valhalla“ gesungen als gäbe es kein Morgen. Überhaupt, dafür dass meine Stadt den Ruf eines eher schnarchigen Publikums hat, war die Stimmung im Volk grandios. Es war nicht voll (WIE KANN DAS SEIN?!), aber die Leute waren absolut top motiviert und sind ab der ersten Minute astrein mitgegangen. Hansi Kürsch war ganz offensichtlich auch mit uns zufrieden und nachdem wir beim „Bard’s Song“ inzwischen auch alle Tomorrows auf die Reihe kriegen hat er das Publikum sogar mit dem Lob „weltspitzenklasse“ bedacht. Ich weiß nicht ob das einfach so ein Ausdruck ist den man in Krefeld halt benutzt, oder ob Hansi genau weiß, dass jeder von uns da unten die Forgotten Tales Liveversion dieses Songs in- und auswendig kennt an deren Ende es eben heißt das wäre „weltspitzenklassedüsseldorf“ gewesen. Jedenfalls finde ich, wir sollten so Verdienstabzeichen bekommen auf denen ein Drache drauf ist und „Bard’s Song, Berlin 27.5.2015 – Weltspitzenklasse“ draufsteht. Zum an die Kutte heften.

Nach zwei Stunden waren wir total glücklich und sehr heiser. Guardian haben vier neue Songs gespielt (neben den schon genannten noch „Prophecies“ und natürlich die Singleauskopplung „Twilight Of The Gods“) und es war super die neuen Sachen mal im Kontext der alten zu hören, dadurch fügte sich mir das alles noch viel mehr zu einem Gesamtbild zusammen. Es gab Klassiker wie „Bright Eyes“ und am Ende traditionell „Mirror, Mirror“. Am allerbesten kam vermutlich „Miracle Machine“ rüber, von dem bin ich immernoch geplättet. Ich musste mit Natron tatsächlich zuhause erstmal einen warmen Kakao trinken um wieder runter zu kommen und den Hals zu beruhigen. Es war ein unglaubliches Konzert und ich fände es toll, wenn es irgendwas davon auf die angekündigte Live-CD zur Tour schaffen würde.

Nachdem ich mir den Tourbericht im Metal Hammer extra für nach der Show aufgespart hatte muss ich sagen, das einzige was besser hätte sein können war die Vorband. Auf der restlichen Tour waren Orphaned Land dabei, die laut Hammer ziemlich gut sein sollten. Bei uns spielte eine Band namens Serenity, die in ihrer Mittelmäßigkeit kaum zu übertreffen waren. Der Sound war zugegeben nicht wirklich toll, aber es gab so ein oder zwei Momente wo mal was großes aus einem Song hätte werden können. Wurde dann aber nicht und am Ende blieb der Seitenhieb den der Sängers zwischenzeitlich in Richtung Tobias Sammet austeilte einem mehr in Erinnerung als alles andere. Um mich herum fummelten die Leute an ihren Handys rum oder starrten Löcher in die Luft, die Langeweile im Publikum war fast zu greifen und der Unterschied zu Guardian die ihre Fans ab der ersten Sekunde fest im Griff hatten beeindruckend. Nagut, Schwamm drüber.

Weil Natron bei mir übernachtete konnte ich sie Donnerstag früh noch mit Kokosschmarrn und Kurkuma-Ingwer-Shots befrühstücken und dann wurde auch endlich meine neue Simkarte zugestellt. Neulich habe ich nämlich mein Telefon aus Versehen vom Küchentisch gefegt und seitdem hat es seine Karte nicht mehr erkannt. Meine Befürchtung war, dass neben der Karte auch das Gerät kaputt sein könnte, aber solange die streikende Post meinen Ersatz nicht lieferte konnte ich das ja nicht herausfinden. Donnerstag kam also endlich die Erlösung und puh, es war wirklich nur eine defekte Simkarte. Das noch ziemlich nagelneue Handy ist nicht kaputt.

Und weil das epische Guardiankonzert und mein gerettetes Telefon nicht genug waren zum Freuen, hat Natron mir vom Rock Hard Festival, wo sie und die Freunde während ich Pfingsten arbeiten musste schonmal die Saison eröffnet haben, noch einen Aufnäher für die Kutte mitgebracht. Passend zu dem Shirt was ich sehr oft trage seit ich es bei Derrick Green auf der Bühne gesehen habe und nachkaufen musste. „Ein Skateboard-Magazin? Das ist doch Hiphopper-Scheiß!“ sagte meine Kollegin, aber ich finde wenn die Skater sich bei unseren Bands bedienen (das Label im Shirt ist zB wie das Logo von Motörhead gestaltet) können wir auch ihre Sachen benutzen. Und Thrash. Ich meine im Sinne von Kreator, Tallica und Testament. Nichts gegen zu sagen, oder? Außerdem mag ich das Design von diesem „Skategoat“-Motiv.

Zu guter Letzt habe ich noch war ganz anderes gemacht und sollte mir zu dem „Weltspitzenklasse“-Abzeichen vielleicht noch eins mit „Körnerfresser, Stufe 5“ irgendwo hinkleben. Ich habe nämlich Brot gebacken. Mein erstes eigenes Brot, nach diesem Rezept was ganz ohne Mehl und Backtriebmittel auskommt. Und das Brot ist super geworden! Total einfach zu machen, total lecker. Geiler Scheiß.

Ich hatte was davon auf Arbeit bei und eine Kollegin hat sich gleich den Rezeptlink schicken lassen. Nachdem sich das mit den Grünen Smoothies schon so toll verbreitet hat sollte ich mal anfragen ob es Bonuszahlungen für Dienste an der Gesundheit der Belegschaft gibt.

Chilli-eating vegan Satyricon Fans

26. April 2015 (00:06 h) – Tags: ,

Musik: DevilDriver - Devil's Son | Stimmung: Urlaub!

Neulich lud mich eine Kollegin ein, mit zu Social Distortion zu kommen. Ehrlich gesagt nicht ganz meine Musik, aber auch nicht so weit weg, dass ich nicht mitgekommen wäre. Wir machen da jetzt ein Austauschprogramm draus. Ich ging als Metaller mit zu Rock’n’Roll und die Kollegin kommt irgendwann mit, wenn Iced Earth mal wieder in der Stadt sind. Die hat sie nämlich schon im Vorprogramm von Volbeat kennengelernt.

Und wie ist Livemusik so wenn sie kein Metal ist? Erstmal will ich auf keinen Fall in Abrede stellen, dass Social Distortion was können. Die waren wirklich gut. Ich fand das Konzert toll, sehr entspannt, chillig. Und viel leiser als gewohnt. Ich hatte brav meine musikoptimierten Ohrstöpsel dabei, brauchte sie aber gar nicht. Das war überraschend angenehm, man hörte das Publikum viel besser mitsingen. Hat mir gefallen. Die Leute gingen auch ganz gut ab, sprangen, pogten und kamen total verschwitzt an die Bar zurück. Und ich stand daneben wie das Metalcore-Kiddo, was den Kopf über ein ausflippendes Rhapsody-Publikum schüttelt. Trotzdem war es ein total schöner Abend. Livemusik verdient Respekt und über den eigenen Tellerrand zu gucken ist eines der erfrischendsten Dinge die man so tun kann.

Nichtsdestoweniger habe ich mir gestern Kontrastprogramm gegeben. Ich habe nämlich frei und weil ich neulich nicht in Berlin auf das Konzert gehen konnte bin ich nach Hamburg gefahren um Satyricon zu sehen. Mit Natron, Red, Ophelia und einem weiteren Kumpel. Und ehe ich jetzt erzähle wie unglaublich toll Satyricon waren, halte ich noch diesen Moment fest: Ich kam mit Boots, Machine Head-Shirt, Bier in der Hand in die Markthalle, die erste Vorband spielte schon und dieser bestimmte Teil meiner Seele, den man nur dann spürt wenn er sich entspannt, atmete auf. Ja, hier bin ich richtig. Das ist meine Musik, das ist endlich wieder Krach.

Bevor aber mal wieder bewiesen war, dass mir halt nur Metal taugt, hatte ich schon einen echt entspannten Tag mit den Hamburgern. Ich war schon ziemlich früh losgefahren und deshalb schon mittags in meiner zweiten Heimatstadt aufgeschlagen. Natron und ich haben uns dann erstmal mit einem Käffchen in die prächtige Sonne auf den Balkon gesetzt. Frühling rockt total. Später haben wir (also eigentlich Natron) Chilli und Naanbrot gemacht und als wir so um den Küchentisch saßen und das lecker Essen verputzten fiel auf, dass es mal wieder aus Versehen vegan geworden war. Nicht Black Metal! Red prophezeite, dass uns Satyricon vermutlich rausschmeißen würden, spätestens wenn sie mitbekämen, dass ich auch noch alkoholfreies Bier im Becher hätte. Ein Risiko, das wir in Kauf nehmen mussten.

Vorband eins waren also Oslo Faenskap. Ein bisschen bescheuert aber wirklich unterhaltsam. Die mochte ich. Zuschauerraum war noch halb leer, vielleicht auch weil sie viel zu früh angefangen hatten, also turnten die Musiker zwischenzeitlich mang den Leuten rum, so weit es das Kabel am Mikro halt erlaubte. Respekt.

Anschließend folgten Vredehammer. Auch die waren gut. Es ging im Publikum schon ganz ordentlich ab, auch Red war sehr begeistert. Danach bauten sie ein bisschen lange um, aber okay, wir gingen dann erstmal Merch angucken und so. Immerhin hieß es Satyricon würden volle zwei Stunden spielen, da wartet man ja gerne drauf.

Und wir wurden nicht enttäuscht. Zwei Stunden fantastische Show, astreiner Sound, tolle Setlist. Ich bin kein klassischer Blackmetaller, aber ich mag die modernen Sachen. Das aktuelle Album von Satyricon hat Groove, das gefällt mir wirklich, wirklich gut. „Our World, It Rumbles Tonight“ haben sie als zweiten Song gespielt. Beeindruckend. Gänsehaut. Und weil so Sachen wie „Nekrohaven“ laut Natron „schon fast zu tanzbar“ klingen, war es nur angebracht, dass zwischenzeitlich auch ganz uralte Songs gespielt wurden. Bei einem Lied hatten sie einen Fan (kein professioneller Gastmusiker!) auf der Bühne, der mit ihnen gespielt hat, nämlich Querflöte. Wow.

Ich mag die respektvolle, unaufgeregte Art die Satyr bei seinen (spärlichen) Ansagen an den Tag legt. Und es war irgendwie cool, dass er mit unserer Leistung als Publikum (hä?) offenbar zufrieden war, jedenfalls sagte er am Ende „good job, well done, thank you“. Auch mein Freund Diogo Bastos war wieder an der Gitarre dabei. Nur hatte ich diesmal extra kein helles Shirt angezogen.

Es war mal echt angenehm, dass es keine Moshpits gab und uns kein Maurizio Iacono ständig zu Crowdsurfen und Circlepits durch die Gegend scheuchte. Einfach nur oldschoolig headbangen ohne ständig Angst zu haben, dass einem wer auf den Kopf fällt. Super. Spätestens mit „Mother North“ haben Satyricon uns dann komplett weggeblasen. Das war echt Wahnsinn. Danke, Leute!

Noch total euphorisch kehrten wir in den Norden der Stadt zurück. Bei Natron und Red hockten wir uns dann in Schlafklamotten aufs Sofa, tranken Cherrycola und rieten Bands anhand von Musikvideos.

Ophelia erkennt alles von In Flames nach zwei Sekunden. Red führte uns noch als Highlight das unzensierte Video zu „Mother North“ vor, was er als Teenager mit einem gefälschten Altersnachweis kaufen musste. Und ich konnte immerhin darauf bestehen, dass die anderen sich den furchtbaren Clip zu Avantasias „Lost In Space“ ansehen.

Am nächsten Vormittag haben wir sehr entspannt opulent zusammen gebruncht. Wie immer wurde mir die Tasse von unserem verkackten Flughafen untergejubelt. Dekoriert mit den Flunschploppern von Lidl die Natron und Red als Getränkemarkierer verwenden.

Um meine Haustiere nicht zu lange alleine zu lassen trat ich heute gleich wieder den Heimweg an. Hörte im Bus die zwei Songs die Satyricon mir live nicht gegönnt hatten und klebte zu Hause erstmal das Poster was ich beim Merch geschenkt bekommen hatte in die Küche. So. Tolles Wochenende gehabt.

 

*Dieser Blogeintragstitel! Bitte, der verdient doch Respekt, oder? Schon als er mir prustend am Mittagstisch eingefallen ist, habe ich mich darauf gefreut den Witz nochmal im Blog bringen zu können. In Reminiszenz an diesen Eintrag. *nichtganzwenigstolzaufdummenspruch*

Einhörner, Drachen und Göttersteine.

5. April 2015 (21:50 h) – Tags:

Musik: Avantasia - Lost In Space | Stimmung: Alles in meinem Flur riecht nach Patchouli!

Neulich war ich in der Stadt unterwegs und entdeckte die Poster fürs Oster-Kloster-Fest im Berliner Umland, unweit des Klosters Chorin. Spontan wieder Lust auf Mittelaltermarkt bekommen. Also die Hamburger mobilisiert und beim Paganfest noch mehr Freunde angefixt. Mit den üblichen Verdächtigen machte ich mich dann am Ostersamstag in Richtung Bernau auf. Der Weg ist nicht ganz kurz, aber wir hatten ein Auto ausleihen können und das machte die ganze Sache furchtbar entspannt.

Wetter war super. Nicht ganz warm, aber sonnig. Wir haben uns Ostern auch schon um Feuerstellen rumgedrängt während hinter uns dicker Schnee fiel. Also keine Beschwerden hier.

Es gab Fruchtwein und Punsch aus Tonbechern, auf manchen war sogar ein Einhorn drauf. Ansonsten gut zu essen, jede Menge Tröten-und-Flöten-Musik und gefühlt war jeder zweite Besucher vom Paganfest auch wieder da.

Zwischenzeitlich wurde mit Feuer und Tanz und tollen Kostümen der Winter ausgetrieben. Der grün-goldene Drache der dabei eine Rolle spielte war echt super gemacht und konnte fauchen und Rauch speien.

Anschließend konnte man sich am Feuer noch ein bisschen aufwärmen. Nicht lange, nur so, dass auch wirklich alle Klamotten am nächsten Tag nach Lagerfeuer riechen. Wenn man nicht den Geruch aus den Haaren waschen muss war es irgendwie kein echter Mittelaltermarkt.

Ich gehe auf so Veranstaltungen ja auch wirklich gerne einkaufen. Hatte extra Budget eingeplant. Red hat bei einem Händler eine Gürtelhalterung für ein Messer gekauft und bei einem wirklich sehr lustigen Kollegen Räucherwerk. So Räuchern mit Kohle und Weihrauch und einer tollen Schale wäre auch was für mich, glaube ich. Würde sicher gut ins Wohnzimmer passen.

Erstmal habe ich aber bei einem Schmuckhändler der wirklich so unendlich viele wunderschöne Ringe und Anhänger hatte, dass ich mich wahrhaftig nicht satt sehen konnte, Geld gelassen. Nicht ganz wenig, aber manche Steine sind halt teurer. Und einen Opal wollte ich schon recht lange haben.

Diesen Ring schmückt ein Welo-Opal aus Äthiopien. Das sagenhafte Farbspiel von grün, blau, gelb und orange kann man gar nicht angemessen festhalten. Ich stehe sehr auf opalisierende Steine und das Feuer in diesem ist wirklich schön. Bin ziemlich glücklich mit meinem Ostergeschenk an mich selber.

Als sich Mittelalter und Sonnenlicht dem Ende neigten, haben wir entschieden vor der Heimfahrt noch beim eigentlich Kloster vierhundert Meter weiter vorbeizuschauen. Denn zumindest ich bin noch nie da gewesen.

Schöne Backsteingotik, sehr effektvoll von der untergehenden Sonne illuminiert. Direkt im und am Kloster gibt es auch Veranstaltungen, Samstag Abend war aber niemand da und wir schlenderten einmal ums Gebäude.

Nebenan ein kleiner Kirchhof und ein See. Perfekte Kulisse für eine Gothic Novel.

Weil man in die Kirche nicht reingehen konnte, wollte ich das Innere durchs Fenster fotografieren. Dachte mir, dass die unebenen Glasscheiben vielleicht einen hübschen Effekt machen würden. Und dann entsteht vor meinem Auge auf einmal diese Traumlandschaft. Auf dem Kirchenschiff ist ein Dach drauf. Wie ich es geschafft habe da Bäume reinzufotografieren ist mir selber nicht sofort klar gewesen. Das ist auf jeden Fall das beste Bild was ich in diesem Jahr bisher gemacht habe. Eine surreale Zauberwelt in der aus Stützpfeilern Äste wachsen und sich der Himmel über dem Kirchenschiff wölbt. Aber nur solange man durchs Fenster guckt. Ginge man rein, wäre es Stein und Gewölbe und Putz. Wie das halt so ist mit den Fantasiewelten.

Ok, noch ein Song und dann gehen wir ins Bett!

30. März 2015 (17:51 h) – Tags: ,

 Stimmung: Yay, Paganmetal!

Es ist schon Ende März und ich habe erst jetzt das erste Konzert für dieses Jahr zu verbuchen. Schockierend. Immerhin waren es gleich sechs Bands beim Paganfest gestern im Postbahnhof. Ich hatte Natron und Red bequatscht, sich die Paganfest-Tour in Berlin anzugucken und ich denke sie haben die teilweise etwas suboptimal gelaufene Planung und Fahrerei auch nicht bereut. Es waren große Teile des Tribes da und mit den Freunden macht Musik einfach noch viel mehr Spaß.

Die ersten beiden Bands waren Frosttide und Obscurity. Am Anfang klangen Frosttide ein wenig wie Wintersun weshalb den noch nicht anwesenden Freunden erstmal eine Änderung der Running Order vorgegaukelt wurde um sie ein bisschen anzutreiben.

Nummer drei waren Finsterforst die tatsächlich nicht Finsterfrost heißen auch wenn wir das erstmal ewig diskutiert haben. Sehr unterhaltsam, aber bis auf ihre Metalversion von „Ein Vogel Wollte Hochzeit Machen“ haben sie mich nicht komplett umgehauen.

Draußen hatte es inzwischen angefangen zu regnen, wie letztes Mal als wir Heidevolk gesehen haben (seinerzeit beim Beastival). Ich wollte damals schon weiter bei den Niederländern reinhören, aber irgendwie ist mir das durch die Lappen gegangen. Diesmal waren sie aber so gut und kurzweilig, dass ich nicht mehr dran vorbeikommen werde. War auch zur Abwechslung mal wieder klarer Gesang, mein Powermetalherz freute sich. Wobei niederländisch echt ulkig klingt, mal so unter uns.

Weil es der letzte Abend der Tour war, waren die Bands entsprechend eingegroovt und gut drauf. Jeder bedankte sich bei jedem und gegen Ende des Sets wurde die Bühne dann von anderen Musikern und Crewleuten geentert, Girlanden umgehängt, Videos gefilmt und auch mal Banner mit Textauszügen hochgehalten. Heidevolk hatten das bei den anderen exzessiv gemacht, also tobten im Gegenzug auch bei ihnen lauter Menschen auf der Bühne rum, während sie noch ihren Song zuende spielen sollten. Das war wirklich lustig und die Laune hat sich auch ins Publikum übertragen.

Soweit war der Nachmittag schon echt gut, aber ich hatte ja auch noch eine Lieblingsband zum drauf freuen. Turisas. Schon bevor sie spielten habe ich mir von denen noch ein Shirt gekauft, Natron so: „Ist das etwa schon das zweite Shirt auf dem Mathias Nygård drauf ist?!“

Und Turisas waren so gut! Saucooles neues Backdrop, super Stimmung, epische Battle zwischen Geige und Akkordion bei „In The Court Of Jarisleif“. Headlinermäßige Show mit guten Lichteffekten und astreiner Songauswahl. Mathias Nygård versprach uns zwischendurch, dass sie noch am Abend nach Finnland zurückfliegen und morgen gleich mit der Arbeit an einem neuen Album beginnen würden, und fügte dann hinzu: „No, actually that’s a lie. Tomorrow we won’t beginn working on a new album but recover from the worst hangover of the tour.“

Nach allen großen Turisas-Songs und auch welchen die ich nicht erwartet hatte gab es am Ende Seifenblasenschnee und als Zugabe ein Cover. Nicht „Rasputin“ oder „Supernaut“ sondern was neues. Ausgerechnet „It’s A Sin“ von den Pet Shop Boys. Das war der Hammer. Dank Gamma Ray, die den auch schon gecovert haben, war ich sogar textsicher.

Für mich war der Abend damit schon perfekt, aber es gab noch zwei weitere Bands. Wieder alles Finnen, wir haben so aber immerhin ein Wort ihrer Sprache gelernt: Kiitos heißt Danke.

Wintersun wollte ich mir gerne endlich mal live anschauen, bisher haben sie zwar oft irgendwo gespielt, ich hatte aber immer was anderes zu tun. Der Sound war für ihren Style nicht optimal und die Freunde haben wohl Recht wenn sie sagen Wintersun käme Open Air besser. Aber es war nichtsdestoweniger ziemlich beeindruckend.

Den letzten Slot belegten dann die Partykönige von Korpiklaani. Ich meine: Es war schon spät, normale Menschen mussten am nächsten Tag arbeiten, wir hatten Hunger und die Stahlkappenstiefel wurden auch nicht unbedingt bequemer. Jede Band die auch nur eine Spur langweiliger als Korpiklaani ist, hätte da nichts mehr reißen können. So tobte aber die Menge, es wurde getanzt und mitgegröhlt, auch wenn keiner eine Ahnung hat was die Finnen da eigentlich singen.

Als ich mit Natron und Ophelia geschunkelt habe, hat Red dieses niedliche Kuttenmädchen-Foto gemacht.

Nachdem Korpiklaani ebenfalls von ihren Tourkollegen geentert und zugrundegefeiert wurden, wir irgendwann unsere Jacken abgeholt und die Pfandbecher weggebracht hatten stürmten wir wie gefühlt alle anderen noch den McDonalds am Ostbahnhof. Das einzige was beim Paganfest nämlich hätte besser laufen können war die Fressiversorgung. Ansonsten bin ich total zufrieden.

Und, Turisas, schon ne Note geschrieben?

Mein unbesinnliches Weihnachten

30. Dezember 2014 (12:40 h) – Tags: ,

Musik: Kreator - Amok Run | Stimmung: Dieses Jahr geh ich nicht mehr arbeiten!

Wie ich hier vermutlich auch schon oft genug erwähnt habe: Ich bin kein ganz großer Freund von Weihnachten. Also von dem was da draußen üblicherweise so abgeht: Turbokonsum, Glühweinbesäufnisse, gnadenlos überzogene Erwartungen und eigentlich wünscht man sich nur, dass alles ganz bald vorbei geht. Insofern habe ich mich auch aus allem was mit Flitterketten und LED-Kerzen daherkam rausgehalten. Dank meiner Freundin Ophelia bin ich aber kurz vor knapp doch noch zu zwei erfrischend unbesinnlichen Adventserlebnissen gekommen. Und sieh mal einer an, wenn man den ganzen Plastikmüll zur Seite geschaufelt hat, liegt darunter doch noch etwas echter Weihnachtszauber und rührt einen so ganz leicht ans Herz.

Natron und Red waren zu ihren Familien in die große Stadt gekommen und wir trafen uns alle am Vorweihnachtswochenende bei der Geburtstagsparty eines Freundes. Ophelia schlug vor, am Sonntag den Weihnachtsmarkt im Plänterwald zu besuchen. Der fand auf dem Gelände des ehemaligen Spreeparks statt, also in einem verlassenen Freizeitpark. Klang unweihnachtlich, also waren Natron und ich dabei.

Vom S-Bahnhof waren wir durch den völlig unbeleuchteten, matschigen Plänterwald gelaufen und hatten über Wölfe und Nachtwanderungen geredet, und das war vermutlich die magische Grenzmarkierung die den ganz normalen Dezember in Berlin von der surrealen Parallelwelt des postapokalyptischen Weihnachtsmarktes abtrennte. Ernsthaft, die Atmosphäre zwischen Riesenrad, Lichtinstallationen, Feuertonnen und Zirkuszelt war so dicht und unwirklich wie ich es nie erwartet hätte wenn man sich eigentlich nur auf einen Glühwein treffen will.

Das Riesenrad als Wahrzeichen des „populärkulturell mythisierten“ Lunaparks sieht man tagsüber schon von weiter her. Natürlich ist es nicht mehr in Betrieb, hier war es aber effektvoll illuminiert und drehte sich auch. Mit einem Geräusch wie tausend gequälte Seelen. Der urbane Endzeitfilm in meinem Kopf ging sofort los.

Es war nicht so voll, es gab Glühwein und ein wenig Nieselregen und überall waren Lichteffekte auf die Häuser, Bäume und Pflastersteine geworfen. Auf einer kleinen herzförmigen Bühne stand eine DJane und spielte Weihnachtsmusik die erfreulicherweise gar nichts Feierliches hatte. Daneben hatte man die Schwanenboote von der Spree geholt und zwischen Feuertonnen gruppiert.

Wir wanderten unter den Lampen die in den Bäumen hingen durch und vorbei an einer Lichtpyramide aus Regenschirmen. Dahinter stand ein Zirkuszelt und darin haben sie tagsüber wohl Märchen für Kinder vorgelesen. Im Stroh standen Sofas, es duftete nach Kindheit und Ophelia las uns uns die erste Seite von „Hans und die Bohnenranke“ vor. War das nicht die Geschichte bei der ich mich immer furchtbar gegruselt hatte wenn der Riese „Ich rieche, rieche Menschenfleisch!“ gerufen hatte?

Es gab auch Dinosaurier und ein Ufo und an eine Häuserwand hatte jemand ein Graffito gemalt das berlinerisch „Frohet Fest“ wünschte.

Das war vermutlich der beste, ungewöhnlichste Weihnachtsmarkt ever und ich bin total froh, dass wir da waren. Als ich am nächsten Tag meine Fotos durchschaute entdeckte ich was passiert wenn ich zu meinen Freunden sage: „Halte mal die Kamera, ich geh aufs Klo!“

 

Zwei Tage später hatte ich einen anderen Weihnachtstermin, wieder mit Ophelia. Die hatte mir schon neulich eine Telegram-Nachricht geschickt:“Wir haben Karten fürs Weihnachtssingen und auf einer steht dein Name!“. Neben den Hamburger Fußballfans gibt es in meinem berliner Freundeskreis als Ausgleich eine Eisern Union Clique um Ophelias Freund. Mit denen traf ich mich am Vorweihnachtstag im Stadion an der Alten Försterei. Nicht zum Spiel, sondern zum Singen. Die Unioner, die ja schon im Sommer ihr Stadion in ein riesiges Public Viewing Wohnzimmer verwandelt hatten, treffen sich traditionell am 23.12. um gemeinsam Weihnachts- und Fußballlieder zu singen. Mit Glühwein, Kerzenschein und Weihnachtsmützen in ihren Vereinsfarben.

Was Fußball angeht bin ich ja mehr mitgefangen-mitgehangen als selber interessiert, aber ich war sofort total beeindruckt mit was für einer großen Begeisterung die Unioner bei der Sache waren. Wenn 27500 Menschen ihre Vereinsparolen brüllen, so dass sie durchs Stadion hallen, ist das schon nicht ganz wenig gänsehaut. Ophelia, die früher genauso wenig Fußballinteresse wie ich hatte, fachsimpelt heute mit Natron über Trainerwechsel und kann natürlich ihre Vereinshymne auswändig singen. Es steckt unweigerlich an.

Wir kämpften ein wenig mit dem Wind der unsere Kerzen immer wieder ausblies und dem Liederheft in dem keiner so schnell die richtige Seite fand, aber wir hatten unglaublich viel Spaß.

Kaffeebecher vom Getränkestand verwandelten unsere Kerzen später in kleine Laternen und die funktionierten total super. Es fühlte sich ziemlich ungewohnt an Weihnachtslieder mal richtig zu singen statt immer nur möglichst laut irgendwo den Refrain mitzugröhlen, aber es war toll. Total rührend, dass es sogar ein Union-Weihnachtslied zur Melodie von „In Der Weihnachtsbäckerei“ gibt.

Die anderen zogen mir im Laufe des Abends auch eine Weihnachtsmütze auf den Kopf und ich schätze, dass ich damit in die Familie adoptiert bin. War auch voll schön bei euch. Danke, dass ihr mir doch noch etwas kitschiges Weihnachtsfeeling untergejubelt habt, Eisern Union!