Only be remembered for what you create

18. Dezember 2014 (09:24 h) – Tags: ,

Musik: Avantasia - The Great Mystery | Stimmung: Nachtschicht ist NICHT wie frei!

Schon wieder der tag „heavy metal“! Näht die Alte gar nichts mehr?!  -Ich gebe zu, in letzter Zeit ist es im Blog etwas musiklastig geworden. Aber hey, ich kann hier machen was ich will. Über Weihnachtsgeschenke will ich noch nichts schreiben, und um daneben noch irgendwas für mich zu machen fehlt mir einfach die Zeit. Der Dezember ist ein verdammter Stressmonat geworden.

Nicht alles negativer Stress, aber halt auch kaum welche von diesen lässigen Abenden an denen man saumseelig und teetrinkend im Internet rumgammelt, Musik von last.fm reinshuffeln lässt und alle naselang mal von Pinterest rüberschaut um ein Video ganz anzugucken. Das fehlt schon ein wenig. Aber im Januar fehlt dann vielleicht wieder die Zeit mit den Freunden, den Bands und dem ganzen anderen Trubel.

Also Bands. Das letzte Konzert für dieses Jahr stellten Kreator die momentan mit Sodom, Vader und Arch Enemy unterwegs sind. Da wollte ich natürlich auch mal vorbeischauen. Die momentan offenbar total angesagte Konzertlocation ist das Huxleys bei mir um die Ecke. Umso besser, da kann ich im Zweifelsfall nach Hause laufen. Trotzdem sind Natron und ich erstmal zu Vader zu spät gekommen. Dafür gibt es keine Ausrede.

Vader waren nice. Wir trafen die schon versammelten Freunde und die, die später dazukamen. Die zweite Band waren dann Sodom, und die hatte ich noch unter „von denen kenne ich fast nix, ist auch nicht so wichtig“ verbucht. Das sah Onkel Tom aber anders! Was man doch alles von Sodom kennt! Und sie waren so gut! Vielen Dank für die positive Überraschung, Leute.

Arch Enemy haben mich dann aber tatsächlich nicht so interessiert. Meine Freunde waren nur wegen denen da und sind abgegangen, ich bin mal Merch gucken, mal aufs Klo und mal was futtern gegangen. Man wird halt nicht mit jeder Band warm. Hätte ich zu dem Zeitpunkt schon gewußt, dass Jeff Loomis da neuerdings Gitarre spielt hätte ich vielleicht anders hingehört, aber so ist das sauber an mir vorübergegangen. Vielleicht irgendwann mal, Arch Enemy.

Kreator haben dann wie erwartet keine Gefangenen gemacht. Das Publikum war supergut drauf, es war wieder fast so warm wie bei Machine Head und Mille rief zum Circle Pit „hauptstadt-fucking-style“ auf. Und weil wir bei ihren eigenen Songs noch nicht genug Spaß hatten gab es dann als erste Zugabe ein mehr als amtliches Cover von „Number Of The Beast“. Dazu Pyros und Flitter und der Abend war perfekt.

Und irgendwann gibts dann hier auch mal wieder DIY.

It’s all about the blood, the sweat, the tears

9. Dezember 2014 (13:04 h) – Tags: , , ,

Musik: Iced Earth - Dark Saga | Stimmung: Und geht weiter!

Von meinen vielen Überstunden konnte ich letzte Woche welche lohnenswert in einen freien Tag investieren. An diesem bin ich nach Hamburg gefahren, Natron holte mich vom Bahnhof ab und wir tingelten gleich los in Richtung Weihnachtsmarkt. Lustigerweise haben sie bei mir auf Arbeit Bildschirmhintergründe mit Hamburger Stadtansichten (Firma kommt aus HH) und der Weihnachtsmarkt vor dem Rathaus ist auch dabei. Es gab also in absolut pittoresker Kulisse den ersten Glühwein der Saison und ein bisschen was eingekauft haben wir auch.

Ich habe es in diesem Jahr nicht zum Rixdorfer Weihnachtsmarkt bei mir um die Ecke  geschafft, wo ich mir eigentlich einen Herrnhuter Stern fürs Fenster kaufen wollte. Das hat man hier in unmittelbarer Nähe zum Böhmischen Dorf nämlich so dekoriert. Glücklicherweise gab es die Sterne aber auch in Hamburg und ich habe mir meinen dort mitgebracht. Außerdem Räucherstäbchen und ein paar Steine für mein esoterisches Wohnzimmer.

Bergkristall und Lapislazuli aussen hat mir neulich ein lieber Bekannter geschenkt, den sternförmigen Amethyst und das Fluorit-Klötzchen habe ich aus Prag mitgebracht, neu ist in der Mitte pinkfarbener Chalkopyrit der glitzert als wäre er mit Nagellack angemalt.

Außerdem habe ich noch diesen Ammoniten gekauft der noch 140 Millionen Jahre altes Perlmutt drauf hat. Wow.

Auf dem Weg zu Natron nach Hause stoppten wir noch bei ihrem Trödelladen und auch da konnte ich natürlich nicht an altem Scheiß vorbeigehen. Ich habe mich zwischenzeitlich verflucht so einen schweren Brocken nach Berlin schleppen zu müssen, aber diesen alten Kirchenleuchter musste ich mitnehmen.

Natron hatte vegetarisches Chilli und Naanbrot gemacht, ich begutachtete ihre aktuellen Nähprojekte und durfte an ihren Haaren rumschnippeln. Das war ein super entspannter Tag und schon total schön. Ich bin aber ja nicht zur Entspannung in den Norden gefahren. Sondern weil ich noch eine Rechnung offen hatte mit der Band die ich im Sommer nicht sehen konnte als Toyah krank war. Machine Head haben zum Glück zwischenzeitlich ein neues Album herausgebracht und sind deshalb nochmal in Europa unterwegs.

Weil das eine von meinen absoluten Lieblingsbands ist, war es nicht ganz einfach ein Shirt für den Abend auszuwählen. Normalerweise ziehe ich eine Band an die grob aus dem gleichen Genre stammt aber irgendwie größer und toller ist. Nur wer ist toller als Machine Head? Metallica kann man quasi immer tragen, das wollte ich nicht schon wieder tun. Schließlich zog ich was völlig abwegiges an, nämlich das rote Edguy-Shirt was ich neulich beim Paradise gekauft hatte. Und -ha!- das war gar keine schlechte Wahl, weil Machine Head ihre Bühne nämlich komplett in rot tapeziert hatten und die Löwen vom „Defenders Of The Crown“-Motiv auf dem Shirt fast genau die gleichen wie die vom Lioncrest auf der Bühne waren.

Natrons Mann verschließt sich der Großartigkeit dieser Band irgendwie, deshalb zog ich nur mit Natron los. Mädchenkonzert, wie in ganz alten Zeiten. Ich fürchte meine Glaubwürdigkeit leidet darunter, dass ich jedes Konzert über das ich hier schreibe als absoluten Hammer darstelle. Aber mich begeistert Livemusik immer wieder und jede Band ist ja anders toll.

Machine Head waren ein absolutes Stress-Konzert. Im positiven Sinne. Ich weiß gar nicht so richtig wie ich es beschreiben soll, ohne dass man denkt „Oh nee, das würde ich mir ja nicht antun!“. Fangen wir vielleicht mal so an, dass ich spätestens seit dem Paradise eine intensive Powermetal-Phase habe. Ich höre also Gamma Ray, Freedom Call, Edguy und -am heftigsten von allen- Avantasia. Das ist toll, macht gute Laune und verbessert mir jeden Tag. Aber es ist auch richtig viel Kitsch mit Effekten und Geträller. So ein bisschen als wenn man nur Süßigkeiten essen würde. Erstmal der Himmel auf Erden, aber dann kriegt man irgendwann so leichte Zahnschmerzen, nur kann man trotzdem noch lange nicht damit aufhören. Das Gegenteil von diesen ganzen Zuckerschnecken waren dann Machine Head. Die haben einen so durchgeprügelt, dass man am Ende wieder auf normal Null angekommen war.

Die Grosse Freiheit, wo sie gespielt haben, ist wirklich kein so riesiger Laden und war entsprechend auch ausverkauft. Ich finde es meist sehr angenehm eine große Band in einem kleinen Club zu sehen. Ist direkter, man sieht was von der Bühne und wenn du Glück hast schmeißt Robb Flynn einen halbvollen Becher nach dir. Es gab zwei Vorbands, Diablo Blvd und Devil You Know, die ersten waren sehr unterhaltsam, die zweiten haben mich nicht so umgehauen.

Aber Machine Head. Sie haben nicht, wie ich fast erwartet hatte, mit „Now We Die“ eröffnet. Der kam dann aber ziemlich bald und war live echt überwältigend. Das ist überhaupt vermutlich der überragendste Song auf dem sehr, sehr guten neuen Album. Es gibt auch schon ein Video dazu was zwischenzeitlich wirklich ein bisschen verstörend ist.

Live gab es insgesamt eine gute Mischung als altem Scheiß und neuem Scheiß, von der Bloodstone & Diamonds haben sie sogar „Sail Into The Black“ gespielt was ich nie für einen Livesong gehalten hätte. Aber vielleicht auch um das Tempo zwischenzeitlich mal rauszunehmen. Denn quasi ab der ersten Minute ist das Publikum total abgegangen. Keine Chance da mit verschränkten Armen zu stehen und mit dem Fuß zu wippen. In dem kleinen Laden riss immer wieder ein riesiger Circle Pit auf und verschlang teilweise zwei Drittel des Raumes. Die Leute sind gesprungen und ausgeflippt bis es gefühlte 80 Grad waren und der Schweiß von der Decke tropfte.

Ich habe irgendwann das T-Shirt hochgekrempelt und unter den BH gesteckt, meine Haare waren so eklig verschwitzt und verklebt und nur weil Natron mich noch zu Stahlkappenstiefeln überredet hatte blieben die Füße einigermaßen verschont. Aber wow, das war wirklich beeindruckend. „The Blood, The Sweat, The Tears“ ging unglaublich ab, „Davidian“ hat Robb Flynn so clever angesagt, dass wirklich jeder auf dem Zettel hatte wann „Let freedom ring with a shotgun blast!“ reinzubrüllen wäre und beim Anfang von „Aethetics Of Hate“ riefen sie im Publikum „Dimebag! Dimebag!“ was ein bisschen Gänsehaut war. Der Song fadete dann in „Game Over“ über und nachdem wir auch noch „Darkness Within“ mit zehnminütiger Ansage bekommen hatten beendeten Machine Head die Show traditionell mit „Halo“. Wir waren wie aus dem Wasser gezogen, nassgeschwitzt, erschöpft, glücklich und wiedergeboren. Das war richtig, richtig geil.

Zuhause tranken wir noch einen Rum-Cola mit Red, der vor der XBox gehockt und auch Halo gespielt hatte. Erst dann war ich soweit runtergekommen, dass ich auch irgendwann mal schlafen konnte.

Ich fuhr am nächsten Tag wieder mit der Bahn zurück, ein Luxus den ich mir gegönnt hatte weil meine Zeit in Hamburg ja dieses mal eher knapp bemessen war. Und im ICE kann man sogar noch viel entspannter stricken als im Auto, insofern bin ich mit den zweiten Socken auch gut vorangekommen.

You’re all about to make a fool of yourself

19. November 2014 (15:54 h) – Tags: ,

Musik: Avantasia - Stargazers | Stimmung: Fühlt sich an wie drei Wochen Urlaub

Auch in diesem Jahr hat sich die Festivalsaison bis in den November hingezogen. Am letzten Wochenende konnten wir den Metalurlaub für dieses Jahr würdig abschließen und haben nicht nur grandiose Bands gesehen sondern auch ein riesiges Badeland unsicher gemacht sowie in Ferienwohnungen zusammen WG-Erfahrung gesammelt. Die Rede ist, natürlich, vom

Das Festival ist in diesem Jahr noch toller gewesen als bei der Premiere 2013. Wirklich. Das lag vermutlich zum einen am Lineup mit dem sie mir persönlich eine große Freude gemacht haben, zum anderen aber sicher auch daran, dass diesmal fast alle Tribemitglieder dabei waren.

Ich bin Donnerstag mit Ophelia und Freund angereist. Spät, weil nach der Arbeit. Die anderen hatten also schon unsere WG bezogen, das Wohnzimmer mit Nerf-Darts vollgeschossen und ihre Musikanlage auf der Terrasse aufgebaut. Nach dem Begrüßen machten wir uns trotzdem erstmal gemeinsam auf zum Ostseestrand. Auf die Düne davor hatte man einen sehr amtlichen MHP-Schriftzug gebaut der wie in der Hollywood Hills angestrahlt wurde. Das sah echt toll aus. Und wurde geentert.

Ein paar Schritte weiter eröffnete sich die Ostsee. Wassertemperatur vergleichbar mit der Tolminka hinter dem Festivalgelände vom Metalcamp, Luft aber November in Deutschland statt mediterranem August. Trotzdem musste da gebadet werden. Manche von meinen Freunden kennen echt kein Pardon. Die waren jede Morgen da drin.

Red hat hier beim Gruppenfoto noch nichtmal wieder Schuhe an. Ich war nicht kalt baden. Mir hat die Seebrücke und später unsere Campparty draußen vor der Ferienwohnung gereicht. Man hätte im November ja ruhig mal drinnen feiern können. Aber draußen ist irgendwie mehr Festival und es hat immerhin nicht geregnet. Also haben wir alle anwohnenden Gäste der Ferienanlage mit unserem Mitgegröhle zu den üblichen Songs belästigt.

Ich habe hier tatsächlich selbstgepressten Orangensaft mit Zitrone und Ananas im Becher. Dass ich keinen Alkohol getrunken habe, ist lustigerweise niemandem aufgefallen. An den folgenden Abenden vor der Bühne hab ich auch mal Bier gehabt, aber im Großen und Ganzen echt wenig getrunken. Und das scheint der Weg zu sein. Mir gings super, ich war abends nicht weniger gut drauf und morgens auf jeden Fall fit.

Bevor es Freitag dann aber mit den Bands losging waren wir erstmal im Spaßbad. Und das heißt rutschen! Leider war die „Blaue Rutsche“ gesperrrt, das ist die bei der man durch die Dunkelheit in ein Sternenmeer rutscht. War ein bisschen schade, aber wir haben dafür umso mehr Kilometer auf der Reifenrutsche absolviert.

Und der Church Of The Bucket gehuldigt. Da befindet sich ein riesiger Eimer auf diesem Klettergerüst in den immer wieder Wasser läuft. Ist er voll läutet eine Glocke zum Gottesdienst. Wir versammelten uns dann unten und brachten uns mehr oder weniger andächtig in Position. Dann knallte das Wasser auf uns herunter, riss gnadenlos an zu locker sitzenden Bikinihöschen und verschaffte im allgemeinen eine ziemliche Tauferfahrung. Grandios. Das haben wir immer wieder gemacht.

Ansonsten kam der Aufpuste-Morgenstern den die Freunde im Sommer bei der epischen Schlacht von Skelfir bekommen hatten auch gerne mit auf die Reifenrutsche. Die war überhaupt das tollste.

Es gibt ein Video vom Rutschen bei dem ich mich immer wieder wegschmeißen kann, aber leider kriege ich es hier nicht eingebunden. Deshalb nur ein Link den ihr dann auf dem Player euer Wahl abspielen könnt: Badespaß für Metaller.

Wie man dort schon sieht liegt die Gefahr des Rutschens nicht auf der Strecke sondern im Auffangbecken am Ende. Benutzt man die Rutsche wie vorgesehen alleine kommt man ungeschoren davon. Hat natürlich keiner gemacht. Und so sind wir nach jeder Partie alle übereinandergepurzelt und haben riesige Auffahrunfälle produziert. Ich sage euch, so viele blaue Flecken bekommt man in keinem Moshpit.

Neben Eimer und Reifenrutsche gab es noch die Wildwasserbahn, Whirlpools, eine kurze aber sehr steile Rutsche an deren Ende man wie Jesus einige Meter übers Wasser schlittern konnte, die Grotte mit farbwechselndem Licht und lauter anderen nassen Unterhaltungskram. Ganz viel Spaß.

Achso, und Musik gab es auch noch. Am Freitag gleich ganz ordentlich. Ich finde kaum etwas erfüllender als mit lauter anderen Metallern vor einer Bühne zu stehen und eine Lieblingsband abzufeiern. Lärm, Schweiß und totale Begeisterung. Reißt einen auf eine angenehme Art aus dem Alltag.

Von den Headlinern habe ich nur einen gesehen, dafür aber ein fantastisches Powermetal-Wochenende gemacht. Ab und zu kriege ich ganz üble Phasen in denen ich nur heroischen Kitsch mit guten Stimmen hören mag. Und dazu haben die Bands die ich im Vorfeld auf der Running Order markiert hatten nicht ganz wenig beigetragen.

Angefangen haben wir aber mit Dr. Living Dead! die ich bisher nicht auf dem Zettel hatte. Aber im Programmheft standen das Wort „Thrash“ und dann kann es so verkehrt nicht sein, dachte ich. Also hin. Vier Schweden mit Totenkopfmasken, die erfreulicherweise noch vom kleinen Riff Rondell in den etwas größeren Ballroom umgezogen waren, spielten achtzigerlastigen Crossover-Thrash. Yup, Crossover. Es gab eine Zeit, da wäre das für mich inakzeptabel gewesen und Korn galten mir damals als der Untergang des Abendlandes. Glücklicherweise verändern sich aber Horizonte und weil ich inzwischen ua Disturbed und die Beastie Boys mag, hatte ich auch bei Dr. Living Dead! viel Spaß. Ein gelungener, schneller Einstieg ins Festival und auf dem Player zu Hause sind sie auch schon gelandet.

Ebenfalls am Freitag spielten Knorkator. Und die kann ich einfach nicht nachvollziehen. Meine Freunde sind fast alle von Knorkator begeistert, sogar Natron sagte, dass sie live, wenn man in der richtigen Stimmung ist, ganz unterhaltsam wären. Also bin ich mal für zwei Songs mitgegangen. Hm. War irgendwie… nicht meins. Hier sehr schön fotografisch festgehalten: Ich ziehe ein WTF-Gesicht, Red ist glücklich und die Freunde hinter uns gehen total ab. Mag ich, das Bild.

Im weiteren Verlauf des Abends kamen wir dann auch endlich zu den Bands denen ich entgegengehibbelt hatte. Die Party fand komplett im kleinen Baltic Ballroom statt. Ein Nasenquetsche, aber irgendwie funktionierte es trotzdem. Zuerst spielten Freedom Call.

Was es mit denen ist, weiß ich nicht. Bei Freedom Call habe ich sofort ein Grinsen im Gesicht. Das ist Happy Metal. Man kann (und muss!) alles mitsingen und die Band hat so eine unerklärliche positive, motivierende Ausstrahlung, dass ich denen sofort eine Fitness-DVD abkaufen würde.

Die Stimmung bei Freedom Call hätte besser kaum sein können. Wir hatten uns sofort auf Betriebstemperatur gefeiert was auch nicht schlecht war, denn nach dem Umbau ging es gleich powerlastig weiter.

Ja, Kai Hansen hat ein bisschen zugenommen. Aber piepegal. Ich habe mich spätestens seit Veröffentlichung von Empire Of The Undead darauf gefreut Gamma Ray wieder live zu sehen. Ich mag das Album total und vor allem die Über-Hymne „Avalon“. Und weil sie das wohl ahnten haben die Hamburger auch gleich mit dem Song eröffnet. Das war ganz groß. Überhaupt ein Hammer-Konzert. „I Want Out“, den ich als Zugabe erwartet hatte, haben sie ziemlich früh gespielt, dafür aber später andere Klassiker wie „Rebellion In Dreamland“ und noch zwei neue Stücke. Vielen Dank, Gamma Ray! Am Ende fing ich noch zwei (!) von Hansens Plektren auf und hätte durchgeschwitzt und ein weniger heiser nicht glücklicher sein können.

Ich hatte mir die Aftershowparty nach Gamma Ray gespart und auch nicht Within Temptation angeschaut, war also „früh“ im Bett und Samstag wieder fit für das Spaßbad. Das hieß noch mehr Rutschen, noch mehr blaue Flecke, Eistee und Schwimmbad-Pommes und Chlor in den Augen. Alles super.

Ich brachte dann mit Red den bisher aufgelaufenen Pfand in den Supermarkt auf dem Gelände der Ferienanlage, das waren immerhin fast 12 Euro. Wir kauften dafür gleich wieder ein und versammelten uns dann in unserer WG-Küche, einer kochte Nudeln und ich brachte den anderen den Refrain von „Defenders Of the Crown“ bei weil ich sowieso seit Tagen schon nichts anderes als Edguy im Ohr hatte.

Bevor es später aber wieder Powermetal gab durften die anderen auch mal eine von ihren Bands genießen. Satyricon hatten ja schon beim Metalcamp abgeräumt und diesmal, wo ich nicht erst beim dritten Song mit einem Cocktail vom Strand eintrudelte, waren sie fast noch besser. Total präziser Sound, erfrischend wenig Bühnenshow und wie höflich Satyr sich nach jedem Applaus bedankt hat!

Satyricon spielten auf der großen Bühne im Zelt aber aus irgendeinem Grund waren total wenig Leute da. Das war ungewohnt, aber nicht negativ. Immerhin standen wir so weit vorne, dass ich mehr als ein überstrahltes, unscharfes Foto schießen konnte.

Dieses mit perfekter Gitarrenheldenpose mag ich ziemlich gerne. Allerdings hat Tourgitarrist Diogo Bastos mitbekommen, dass ich ihn fotografiert habe und anschließend die einzige Person mit grauem Glitzershirt (es ist immerhin von behemoth!) im Publikum von der Bühne runter abgecheckt.

Nach Satyricon standen Powerwolf auf dem Programm. Und bei aller Liebe: Der Kontrast war wirklich ein bisschen hart. Also sind wir erstmal ins Riff Rondell ausgewichen um ein Auge auf Mantar zu werfen. Zwei Mann die ordentlich Krach machten und wenigstens habe ich jetzt einen Eindruck was „Sludge“ für ein Genre sein soll. Genauso guckten wir später noch ganz kurz bei Powerwolf rein, mussten aber zwischenzeitlich vor allem noch den Merchbereich in der „Mall“ durchkramen. Ich schleppte sechs CDs ab, darunter das nagelneue Album von Machine Head, und ein Shirt. In rot, kann man wieder nicht auf leeren Konzerten anziehen.

Beute in die Wohnung gebracht war es dann endlich, endlich Zeit für den Headliner am Samstag. Seit mir last fm neulich den Titeltrack von „Space Police“ untergejubelt hat klebt mir Edguy im Ohr. Lange mehr keinen so hartnäckigen Sound im Kopf gehabt.

In meinem Freundeskreis gehen die Meinungen zu Edguy ziemlich auseinander. Ich habe mich unheimlich drauf gefreut und boah, es war unglaublich. Das Publikum war wieder übersichtlich, aber neben mir standen zwei Typen die jedes einzelne Wort mitsingen konnten. Partyfaktor war da vorne also gegeben.

Tobi Sammet, wie erwartet ein bisschen hyperaktiv, machte vor einem Song mal eine vermeintlich ernste Ansage, sie würden den jemandem widmen der normalerweise nicht gebührend Aufmerksamkeit bekäme und so: … Ihm. Es folgte „Superheroes“. Eins zu Null, Sammet.

Es gab endlich mal wieder ein anständiges Schlagzeugsolo, im Laufe dessen der Drummer den Imperialen Marsch auf der Blockflöte (!) anspielte und dann zuende trommelte, sie spielten ihr mutiges Falco-Cover und als „Space Police“ kam wußte ich: Mein Festival ist komplett. Die Bands auf die ich hingefiebert hatte haben restlos überzeugt, dazu hat man noch ein paar neue mit nach Hause genommen. Auch Machine Heads neues Album ist fantastisch, hat es aber grade ein bisschen schwer gegen den ganzen klebrigen Powermetal anzukommen. Rutschenparadies war super, allgemeine Stimmung total entspannt, mit Natrons Haaren kann man tolle Flechtfrisuren machen und ich würde sofort mit den Freunden in eine WG ziehen. Metal ist super.

Trollmachineheart

6. August 2014 (18:01 h) – Tags: ,

Musik: Newsted - Nocturus | Stimmung: Oder sind 65 Fotos zu viel?

So, das letzte Campinggerümpel ist getrocknet, gewaschen und in den Keller gebracht. Zeit mal über den Sommerurlaub zu sprechen. Traditionsgerecht war ich wieder beim METALDAYS in Tolmin / Slowenien. Das kleine Festival mit der unglaublich schönen Umgebung, den eiskalten Bergflüssen und der verdammt langen Anreise ist inzwischen fester Bestandteil meines Sommers geworden. Für fünf Tage Metal, Baden, Abenteuer und Blödsinn mit meinem Tribe lohnen sich tausend Kilometer Anreise immer wieder.

Erfreulicherweise ließ sich die ewige Fahrerei diesmal aufteilen und meine Fahrgemeinschaft und ich konnten sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg bei Ophelias Verwandten in Bayern zwischenübernachten. Das hat die Sache deutlich entspannt. Nachdem wir also Freitag Abend in München noch exzellent bewirtet und unterhalten wurden konnten wir am Samstag stressfrei in Richtung Alpen aufbrechen. Treffpunkt mit den Freunden: Lago del Predil. Normalerweise treffen wir uns auf Autobahnrasthöfen. Das Treffen diesmal kurz vor die italienisch-slowenische Grenze an den wunderschönen, türkisfarbenen Bergsee zu verlagern war eine fantastische Idee. Jedes Jahr fahren wir auf dem Weg über den Pass an diesem See vorbei und seufzen wehmütig, nun haben wir ihn endlich mal erbadet.

Die Stühlchen an der Passstraße, neben ziemlich dicht am Abgrund geparkten Autos, ergaben schon ein kleines Camp, tatsächlich erwägten wir sogar dort noch zu grillen, entschieden uns dann aber quasi demokratisch für Pizza in Tolmin. Zeit war noch jede Menge, denn die restliche Strecke ist überschaubar. Kaum ist man wieder ins Auto gestiegen hat man auch schon den Predilpass erklommen wo an der Staatsgrenze wieder ausgestiegen werden muss um das traditionelle Passfoto zu schießen.

Die Gruppe ist jedes Jahr neu gemischt, diesmal wieder etwas größer, weshalb sie vor allem funktioniert wenn man nicht versucht ALLE zu irgendwas zu motivieren sondern den Zerfall akzeptiert in die, die Heaven Shall Burn sehen wollen, die, die lieber nochmal zwei Stunden schlafen und die, die grade den richtigen Pegel haben um jetzt Projekt Kutte aufnähershoppend anzugehen. Was ganz gut geklappt hat.

Nachdem wir in Tolmin angekommen waren, die Soča begrüßt und den üblichen Anreisetrubel gesehen hatten gab es die abgestimmte Pizza. Fantastische Pizza. Und Lašco-Bier. Und zum Abschluss noch ein Eis vom Wirt. Womit man auch anstoßen kann.

Und dann mussten wir uns entscheiden: Fünfzehn Euro Frühanreisergebühr bezahlen und das Zelt im Hellen aufbauen oder bis Mitternacht warten obwohl man von der Fahrerei vielleicht schon völlig groggy ist. Ich blieb bei der Mitternachtstruppe, die ihre unvermeidlichen Campingstühlchen ans Sočaufer stellte. Gaslampe in die Mitte, Akkulautsprecher rausgeholt. Wir beobachteten wie Nebel auf dem Wasser aufzog, sahen die Sterne und -was war das denn?!- sogar ein paar Glühwürmchen. Davon bin ich immer noch begeistert. Hab noch nie zuvor Glühwürmchen gesehen. Natur, die leuchtet!

Später wurde gemeinsam „God Gave Rock ’n‘ Roll To You“ gesungen und wir verbrachten den friedlichsten Abend der Woche bis es dann Sonntag war und wir unseren Acker beziehen konnten. Dank einer wahnsinnig kleidsamen Stirnlampe die sich bei meinen Eltern noch im Keller angefunden hatte konnte ich mein Zelt problemlos aufbauen, die Pavillons mussten aber bis zum Morgen warten.

Am Sonntag spielen noch keine Bands, wir benutzten den Tag zum Besorgen von Bändchen, Paycards und Pfand-Müllbeuteln, zum generellen Eingrooven, dem ersten Schritt ins grauenvoll kalte Wasser und dem unvermeidlichen Im-Camp-Rumlungern zu später Stunde. Wir waren angekommen.

Am Abend wurde zwei Camps weiter eine inoffizielle Warm-Up-Party gefeiert und wie gute Laubenpieper sind wir in Hausschuhen vorbeigeschlurft um mal nach dem Rechten zu sehen. Ganz schnell fanden wir uns aber mittem im Trubel wieder, Red trug dem DJ unsere Tribehymne an und kurz darauf gröhlten alle bei Grave Diggers „Rebellion“ mit.

Auch die restliche Woche über wurde bei Nachbarns jede Nacht lautstark durchgefeiert, was ein wenig zu Lasten unserer Schlafqualität ging. Dennoch gab es diese magischen Festivalmomente, morgens um halb sieben, wenn die Brothers of Beer endlich ins Bett gegangen waren und die Krawalltüten von schräg links noch schliefen. Man kriecht aus dem Zelt, alle Generatoren sind aus, im Dämmerlicht hängt dicker, schwerer Nebel zwischen den Bergen und erste Sonnenstrahlen ziehen goldene Bahnen hinein, feuchte, süße Luft welche die Wärme des Tages schon ahnen lässt, ein paar Vögel zwitschern, ein paar zerstörte Gestalten schleichen in Richtung Dixies. Empfindliche Campingplatzpoesie die ein paar Stunden später von erbarmungsloser Sonne, „Guten Morgen“-Brüllerei und Instantkaffee vom Gaskocher gnadenlos in den Boden gestampft wird.

Am Montag ging die Party dann offiziell los und die Bühnen stiegen in den Trubel ein. Noch bevor ich aber die erste Band sah, machte sich die diesjährige Slowenien-Reise schon mal unvergesslich. Ein Kumpel, den es mit dem Arsch auch nicht richtig auf seinem Campingstühlchen hält, hatte im Vorfeld Freizeitaktivität organisiert an die wir anderen uns dann nach Laune ranhängen konnten. Wir gingen Raften. Und das war die beste Aktion der Woche.

In dem Sočatal, das als „Festivalley“ unser launiges Metallertreffen beherbergt, kann man auch „normal“ Urlaub machen. Dann geht man wandern, radfahren und vielleicht gleitschirmfliegen. Die Soča bietet etwas flussaufwärts aber auch moderate Stromschnellen und deshalb gibt es auch Leute die einen dort im Schlauchboot durchs Wasser manövrieren. Das klang nach Abenteuer, also war ich dabei. Wie nicht wenige meiner Freunde. Wir bekamen Helme, Schwimmwesten und Neoprenklamotten gestellt, unser Steuermann gab uns eine kurze Einweisung ins Paddeln („And if you fall in the water… well, nice to have met you“) und dann stieg ich mit Natron, einer Freundin die tapfer ihre Wasserangst überwinden wollte und den beiden Feuerwehrleuten (=Rettungsschwimmer) ins Boot. Besser ging kaum.

Der Guide zeigte uns wie wir tatsächlich wieders ins Boot kämen, was wir lassen sollten um unsere Freunde nicht unnötig mit den Paddeln zu hauen und wie man die anderen Boote mit viel Wassergespritze zu begrüßen hat. Dann sollten wir alle erstmal ins Wasser springen. Da zeigte sich, dass Neopren doch erstaunlich warm hält, wie sinnvoll es war die Schwimmweste so eng zu ziehen, dass sie am Unterbrustumfang hängen bleibt und wie unelegant man im Zweifelsfall zurück ins Boot klettern kann. Schon das war viel Spaß.

Anfangs hing sogar noch etwas Nebel auf dem Fluss, der zog sich aber bald zurück um mit seiner dichterischen Schwermut nicht bei unserem unbeschwert nassen und lauten Abenteuer zu stören.

Der erste Teil der Strecke war ruhiger, also konnten wir ausgiebig unsere Leute in den anderen beiden Booten nassspritzen, ebenso einen brasilianischen Kanuten der uns -grade stolze Weltmeister geworden- augenzwinkernd erzählte er wäre für Agentinien gewesen. Auf der Hälfte der Strecke machten die Guides zwei Boote an einem Felsen fest, wir stiegen alle auf jenen Felsen aus und das dritte Boot wurde umgedreht und zur Rampe halb auf den Stein hochgezogen. Eine Rutsche! Ein Trampolin! Jeder musste ins Wasser, die abenteuerlustigen Männchen auch gerne mit Salto oder zur Kugel („Ball of happiness! You want to try?“) zusammengerollt.

Danach ging es mit etwas unruhigerem Wasser weiter. Der Guide steuerte uns erbarmungslos auf jeden Felsen drauf und ich bin nachhaltig beeindruckt was so ein Schlauchboot alles mitmacht. Wenn man nicht grade kreischend über seine Freunde im Bootsinneren fiel oder über einen Felsen rutschte gab es tatsächlich genug Gelegenheit die wunderschöne Soča und ihre Ufer zu genießen. Es gibt dort ja keine Strände oder Möglichkeiten durch den dichten Bewuchs ans Ufer zu kommen, und so war man fast ganz allein mit dem glasklaren Wasser, wildromantischen Fluss, den Julischen Alpen und der ganzen Grandezza der Natur die ein Stadtkind wie mich total umgehauen hat. Fotografin Ophelia hatte glücklicherweise eine wasserfeste Kamera mitgebracht, sonst könnte ich nichts hiervon visuell mit euch teilen.

„Do you want to jump from a rock? Who wants to jump?!“ fragt der Guide schließlich und ich war etwas unsicher, denn die Felsen in dieser Gegend sind mitunter nicht ganz klein. Dann kamen wir an den Felsen und naja… er war groß, also ganz schön riesig. Schon ziemlich hoch. Ähhh… Das Boot machte unten fest. „If you climb up the rock – you jump. There is no climbing down.“ Ich guckte hoch. Die Kletterpartie sah verlockend aus. Ich guckte zu Natron, Natron schüttelte den Kopf. No way, punk. Dann sah ich wie Ophelia hochkletterte. Und ein bisschen angestachelt von dem Heldenmut unserer anderen wasserscheuen Freundin dachte ich herausforderungssuchend: „Wenn Ophelia das macht, dann will ich auch.“ Und schon war ich aus dem Boot raus und hatte die Neoprenschuhe auf den Stein gesetzt. Ein Überhang machte das Klettern zu einer kleinen Herausforderung, aber da hatte mein Hirn schon auf Survival umgeschaltet. Wie das Boot unter mir weggefahren ist habe ich kaum mitbekommen. Mit rasendem Herzschlag stand ich dann oben. Wow, die Aussicht! Flussaufwärts und flussabwärts. Und sind das da etwa riesige Forellen im türkisfarbenen Wasser direkt unter uns? Mit Ophelias Freund, dem Koch, scherzten wir, dass mindestens eine davon mitzubringen sei bei der Landung im Wasser. Der Guide zeigte uns wie wir springen sollten. Arme an den Körper und etwa zwei Meter vom Stein weg springen. Dann sprang er und ich wusste genau, dass ich mich in ein paar Minuten wenn ich dort vorne stehen würde, ganz furchtbar hassen würde. Ich springe normalerweise nicht von irgendwo runter. Nichtmal vom 3-Meter-Brett im Schwimmbad. Auf keinen Fall. Warum habe ich bloß gedacht ich müsste das tun was Fallschirmspringerin Ophelia tut?! Oh Gott! Ich atmete ganz flach und machte zwei Deals mit mir selber: Erstens, nicht runtergucken. Zweitens, nicht lange humhampeln. Hingehen, springen. Puhh. Irgendwann war unweigerlich derjenige vor mit gesprungen, die winzigen Freunde in den winzigen Booten da unten hatte Applaus geklatscht und dann ich. Nicht runtergucken. Wie springt man nochmal zwei Meter von irgendwas weg? Ahhh. Ich kreuzte die Arme wie eine ägyptische Mumie vor der Brust und dann, dann bin ich irgendwie gesprungen. Keine Ahnung. Erinnerungslücke. Ich weiß noch, dass ich während des Fallens, in dem Moment wo es dir den Magen so furchtbar hebt, dachte: „Das Wasser müsste jetzt wirklich gleich kommen. Wann kommt denn das Wasser?! Kommt denn nie das Wasser?!“ Platsch! Durch die Schwimmweste ist man nicht wirklich tief eingetaucht, Forellen hatten vermutlich auch schon Reißaus genommen, und ich bin mit einem unglaublichen Adrenalinspiegel zum Boot geschwommen. Sicher haben die anderen geklatscht, ich habe es gar nicht gehört. War dann viel zu zitterlich um alleine ins Boot zu klettern. Wow. Ich bin von dem Felsen gesprungen und von hier unten konnte man abschätzen, der war sicher sieben Meter hoch. Sieben Meter! Ich bin von einem Sieben-Meter-Felsen gesprungen und danach konnte mir NICHTS mehr passieren.

Wenn ich mir dieses Bild anschaue wird mir ehrlich gesagt immer noch mulmig.

Die Tour ging weiter, und weil die Bootsbesatzung jedes Mal ihre Plätze durchtauschte konnte ich nun auch mal ganz vorne sitzen, mit toller Aussicht und dem Job den Paddeltakt anzugeben. Auf die einzige wirklich gefährliche Stelle wies der Guide uns glücklicherweise erst hin nachdem wir sie passiert hatten. Schließlich landeten wir wieder am Strand und es hieß wir hätte drei Dinge zu tun: „First we have to carry the boat, then we drive you back to Tolmin, then you get a Šnops.“ Das Boot zu tragen war harte Arbeit weil es wirklich recht schwer war, dann wechselten wir das Neopren und unsere klatschnassen Badesachen darunter wieder gegen trockenes Zeug, das fühlte sich schonmal richtig gut an. Nach kurzer Fahrt in zwei abenteuerlichen weißen Kleinbussen trafen wir im Orgabüro des Raftingveranstalters ein und zum Aufwärmen gab es für alle selbstgemachten Blaubeerschnaps. Borovničevec, der in Slowenien traditionell mit Gästen getrunken wird und uns sofort begeistert hat. Noch bevor wir zurück am Campground waren mussten wir den nächsten Supermarkt stürmen um das Zeug flaschenweise zum Zelt zu tragen wo es die ganze Woche über immer wieder und sehr gerne getrunken wurde. Grandios. Warum haben wir das nicht schon in den letzten Jahren entdeckt?

Nach dem Rafting war die Welt für mich zwar eine andere, aber auf dem Festival hatte sich natürlich nichts geändert. Bands spielten laut Running Order. Rising Storm aus Berlin und Alogia aus Serbien hatte ich grade verpasst. Seis drum. Die Bandsache nahm ich dieses Jahr sehr gelassen, denn es hatte auf der Running Order keine einzige Kapelle gegeben die ich *unbedingt* hätte sehen müssen. Megadeth und Sabaton, klar. Guckt man sich an. Aber es waren keine Ich-freu-mich-so-unglaublich-auf-Blind-Guardian oder Machine-Head-muss-ich-sehen-komme-was-wolle dabei. Das war nicht schlimm weil ich ja beim Outiloudi schon mehr als auf meine Kosten gekommen war. Im Gegenteil, ich nutzte die Situation um mal unbekannte Bands anzugucken. Auf der Webseite vom Metaldays konnte man im Vorfeld Infos zu allen noch so kleinen Bands abrufen, inklusive Hörprobe. Daran habe ich meine persönliche Running Order zusammengestellt und alle markiert die interessant klangen. Als Dekoverantwortliche des Camps oblag es mir, neben Solarlaternen, Batiktüchern und Wimpelketten, auch eine wasserfeste Version dieser Running Order an unsere Pavillons zu kleben und so fanden sich nicht wenig Freunde bei meinen ausgesuchten Bands wieder. Es stellte sich als wirklich gute Idee heraus mal Musik anzugucken die man noch nicht kannte und dann entweder total mitzufeiern oder nach zwei Songs Richtung Strand abzudrehen.

Montag habe ich aber wirklich nur Children Of Bodom gesehen, die den Slot einnahmen den Slayer vor drei Jahren hatten: Habe ich grade vor einer Woche als Support von Metallica gesehen, hätte uns eigentlich gleich mitnehmen können. Tolmin-COB waren deutlich weniger keyboardlastig als Prag-COB, insofern bin ich dankbar beide Versionen mal gehört zu haben. Nach den Kindern von Bodo M. liefen wir an der kleinen Bühne vorbei wo grade Turning Golem eine unglaubliche, theatralische Inszenierung ablieferten und Red total begeisterten. Wir anderen fanden uns am Strand wieder, diese Momente der plötzlichen Begeisterung für eine vorher unbekannte Band würden uns noch im Laufe der Woche ereilen.

Am Dienstag kam ich dann mal dazu mehr Bands anzugucken. Es fing an mit Roxin Palace aus Italien die sicher gut waren mir aber nicht nachhaltig in Erinnerung geblieben sind. Zu viele Bands gesehen. Mehr als jemals zuvor in Slowenien. Es verschwimmt insofern leider.

Danach fing es an zu regnen. Muss halt auch mal sein. Das Wetter war in diesem Jahr weniger knallheiß und öfter unterbrochen von Regen was gar nicht negativ war. Außerdem konnten wir dank Bewölkung und dank Zeltplatz in Baumnähe fast zwei Stunden länger schlafen als in den letzten Jahren. Das war toll. Regen war also kein Problem, den bin ich ja gewöhnt. Es regnet neuerdings ja dauernd wenn ich vor einer Bühne stehe. Turnschuhe hatte ich nutzloserweise nach Prag entschlammt, das Erdreich hatten sie sofort wieder drauf. Immerhin konnte ich auch Boots anziehen. Ein Poncho-Selfie mit der Crew die sich da vermutlich grad das Ende von Gold ansieht will ich euch natürlich auch nicht vorenthalten.

Danach tingelten wir zur kleinen Bühne wo die Ungarn von Crossholder spielten die ich gar nicht auf meine Liste geschrieben hatte. Während wir also der Band lauschten ergab sich neben uns eine dieser Situationen die gar nicht mal selten sind und für die man Metaller einfach lieben muss: Das Publikum stahl der Band die Show. Eine Rotte unerschrockener Badegäste hatte ein Schlauchboot mit vor die Bühne gebracht. Soweit nicht ungewöhnlich. Auch Crowdsurfer sieht man öfter mal in Booten. Wie sie da aber mit einer wachsenden Anzahl von Leuten das Schlauchboot durchs magere Publikum rannten, es vor der Bühne in den Graben und die Arme der Security entleerten, zurückrannten, Einen reinsetzten, das Boot wieder hochhievten, zurück zur Bühne rannten, es auskippten, zurück zum Turm, neu besetzten, nach vorne rennen, auskippen, und so weiter. Mit einem ameisenhaften Eifer. Das war groß.

Bei Crossholders letztem Ton war es 18:30 h. Eine angemessene Uhrzeit um mal vor der großen Bühne aufzuschlagen. Mit den Mädels aus dem Camp sahen Natron und ich uns Vaderbuyst aus den Niederlanden an. Klassischer Heavy Rock der wirklich gute Laune machte und ordentlich befeiert wurde. Gute Wahl, hätte ich mir normalerweise vielleicht nie angeguckt. Währenddessen ließ auch der Regen nach und aus den umliegenden Bergwäldern stieg die Feuchtigkeit sofort wieder gen Himmel, so dass uns die Wolken später mit dem gleichen Wasser nochmal nass machen konnten.

Vanderbuyst hatten richtig viel Spaß gemacht, deshalb trafen wir erst nach deren Auftritt an der zweiten Bühne ein. Hier spielten Scarab grade ihre letzten zwei Songs. Und verdammt, die Ägypter waren auch richtig gut! Das war total schade, aber ich werde Scarab dann mal vom heimischen Rechner aus verfolgen.

Wir sahen uns später noch Manilla Road an, die genausowenig begeistern konnten wie Borknagar zeitgleich auf der großen Bühne. Was tut man da also? Man geht an den Strand und trinkt Cocktails.

Im Partyzelt am Strand war die Stimmung bereits kurz vorm Siedepunkt und Natron und ich waren sofort dabei. Metalklassiker wurden lauthals vom Partyvolk gesungen, wir tranken Melonen-Mischgetränke und dann hätten wir irgendwann zu Satyricon vor die Bühne zurückkehren sollen. Aber hier war grad richtig Laune. Noch ein Cocktail oder Satyricon? „Machen wir das vom nächsten Song abhängig,“ schlug Natron vor. Die ersten Takte von „Denim And Leather“ erklangen. „Das klingt nach Cocktail!“

Tatsächlich schafften wir aber doch irgendwann den Absprung vom Partystrand und fanden unsere Freunde links neben dem Bierstand vor der Bühne. Darauf Satyricon die wirklich sehr beeindruckend waren. Also so richtig. Fantastischer Sound, großartige Show. Gerne wieder beim Paradise, Leute!

Wir waren schon am Dienstag, zwischen den Regenphasen, mit der sogenannten „Luftmatratzentour“ unterwegs. Das heißt, man schnappt sich seine Schwimmunterlage, marschiert damit etwas fünfzehn Minuten lang zu einem Strand weiter flussaufwärts, geht dort ins Wasser und lässt sich eine entspannte halbe Stunde lang von der Strömung der Soča zurück zur Tolminka-Mündung treiben wo normalerweise gebadet wird und die anderen Freunde Quartier bezogen haben. Weil das wirklich viel Spaß macht nahmen Natron und ich es Mittwoch nochmal in Angriff. Diesmal packten wir Bierdosen in einen Turnbeutel und brachten sie als selbstkühlende Verpflegung mit ins Wasser. Die Luftmatratzentour wurde begleitet vom ganz üblichen Blödsinn eines Metalfestivals am Fluss: Strandbesatzungen bringen Wasserpistolen in Position und beschießen vorübertreibende Badeinseln, am Brüllstrand wird gebrüllt, die Österreicher vertäuen Schlauchboote, Matratzen und unendlich viel Kinderplantsch-Spielzeug zu einem riesigen Floss, übermotivierte Sabaton-Fans haben aus Plastikflaschen, Bierdosen und sehr viel Gaffatape Maschinengewehre gebaut und treiben auf dem Kriegsschiff Talvisoča flussabwärts (wenn sie nicht grade ihre ferngesteuerten Panzer gassiführen).

Wir entdeckten unterwegs einen Felsen, der nur sehr wenig aus dem Wasser ragte. Da könnte man sich gut dran festhalten… also wurde zurückgepaddelt und dann verweilten wir mitten auf dem Fluss. Für die Betreiber vorüberziehender Palmeninseln und Aufpuste-Einhörner war der Felsen nicht sofort zu erkennen und es muss ausgesehen haben als trotzten wir jeglichen Gesetzen der Physik. „What is this sorcery?!“, riefen sie.

Direkt vom Strand gingen wir zurück zur Bühne, denn die nächste Band kannte zwar keiner, aber sehen wollte sie jeder. Weil sie einen ulkigen Namen haben: Space Unicorn On Fire. Damit kriegt man meine Freunde. Gegen den oldschooligen Heavy Rock der Italienier war auch gar nichts zu sagen und wir hatten viel Spaß vor der Bühne. Als es wieder anfing leicht zu regnen suchten Natron und ich Zuflucht unter dem Krokodil. Gut wenn man immer eins dabei hat.

Der Regen hatten es auch gar nicht ernst gemeint. Kurz darauf war es schon wieder trocken und die Freunde sprangen lichtschwertkämpfend durch das Infield.

Wir sahen später noch Black Diamond aus Slowenien und Artillery aus Dänemark, bei Saltatio Mortis reichte es aber. Zurück ins Camp und grillen. Mittelaltergedudel von der Bühne, die Freunde die vom Konzert zurückkehrten fassten es als „Tröten und Flöten und flache Kapitalismuskritik“ zusammen. Wohl nichts verpasst. Amorphis sparte ich mir ebenfalls, zumal Natron grade die perfekte Methode entdeckt hatte um Knoblauch zu grillen. Also ganze Knoblauchknollen. Ohne irgendwas anderes.

Die Party ging später erst bei Volbeat weiter. Ich bin nicht der größte Fan der dänischen Rock’n’Roll-Metaller, aber live ist immer noch was anderes als auf Platte, also fand ich mich auch im Laufe des ersten Songs an der üblichen Stelle links vom Bierstand ein. Und guck mal. Live sind Volbeat viel mehr metal als erwartet. Ziemlich cool. Es fing grade an richtig Spaß zu machen. Sänger Poulsen erklärte aber, dass er Stimmprobleme habe, räusperte sich auch ziemlich viel und ließ das Publikum „Ring Of Fire“ singen. Nach etwa fünf Songs ging es dann wohl nicht mehr. Es verließen erst er, dann die Band die Bühne und jemand von der Orga kam heraus um zwischen vielen Entschuldigungen den Auftritt für beendet zu erklären. Voll schade. Ich gehe seit fast zwanzig Jahren auf Konzerte und Festivals und das war das erste Mal, dass ein Gig tatsächlich abgebrochen werden musste. Insofern kann ich mich nicht beschweren, aber für die, die sich total auf die Band gefreut hatten, tat es mir schon leid.

Wir machten das Beste draus, kehrten zum Camp zurück, stellten einen Lautsprecher in die Mitte des Stuhlkreises, drehten Volbeat auf und stießen mit Blaubeerschnaps auf die Gesundheit von Michael Poulsen an. Campparty!

Am Donnerstag wollten die Freunde, die noch nicht dort waren, die Burgruine besuchen die man vom Camp aus sehen kann. Ich bin zwar schon dort gewesen und wusste, dass von der Burg selber nicht viel übrig ist, der Blick von der sogenannten Ziegenklippe dafür aber ein grandioser. Also ging ich nochmal mit. Ein bisschen Wandern ist ja immer nett.

Tatsächlich hat man von der Burg aus einen tollen Ausblick nicht nur auf Tolmin und das Festivalgelände, sondern auch in die andere Richtung des Sočatals.

Ich habe mich allerdings relativ schnell wieder auf den Rückweg gemacht, denn Skelfir wollte ich wirklich ganz gerne sehen. Mit den im Camp gebliebenen Freunden versammelte ich mich vor der kleinen Bühne, wo die Viking-Deathmetaller ordentlich Stimmung machten. „Do you want an epic battle?“, brüllte der Sänger zwischen zwei Songs und aus einem schwarzen Müllsack verteilte die Band aufgepustete Plastik-Morgensterne ins Publikum. Die begeisterten Krieger vor der Bühne teilten sich wie zur Wall Of Death und beim nächsten Song ging die Schlacht zwischen links und rechts los. Ganz großes Kino.

Rechts hatte offenbar gewonnen und bekam von der Bühne eine Flasche Met oder ähnliches gereicht, welche die Runde unter den Kriegern machte und dann entleert (keine Glasflaschen im Naturschutzgebiet!) brav an den Sänger zurückgereicht wurde. Eine abschließende kleine Spitze gegen Volbeat hätten Skelfir sich vielleicht sparen können, aber sonst waren sie maximal unterhaltsam.

Danach gingen wir Kadaver aus Berlin anschauen. Die sollten ursprünglich am Freitag spielen, aber jeden Tag wurde die Running Order, grade für die kleine Bühne, nochmal ordentlich durchgemischt und das hat wirklich genervt. Einige Bands habe ich verpasst weil ich nicht mitbekommen hatte, dass deren Slot nach vorne getauscht worden war. Wenn man sich nicht ständig am Info Point aktualisierte war man mitunter Neese. Aber, Kadaver haben wir immerhin erwischt. Und das war auch gut so. Super entspannter Seventies-Retro-Rock mit Seifenblasen. Ich war danach total gechillt. Hat viel Spaß gemacht.

Im Camp mussten wir unbedingt noch mit unseren blau-roten Hamburger und Berliner Bundesliga-Bechern anstoßen. Alle vier Vereine waren vertreten.

Moonsorrow habe ich mir später auch angeschaut, aber wie bei Volbeat der Rock’n’Roll-Faktor live zurücksteckt, geht bei Moonsorrow der Folk-Anteil unter. Und das fand ich ziemlich schade.

Danach spielten kontrastreich Megadeth. Diejenigen die vor drei Jahren beim Big Four in Gelsenkirchen so grandios abgeluscht haben. Insofern war das Konzert jetzt Dave Mustaines letzte Chance. Megadeth fuhren LED-Rückwände mit hektischen Animationen auf, Dave sah furchtbar runtergekommen aus, performte auch nur mittelmäßig, aber der Sound war viel besser als beim letzten Mal und die Band rettete ihm wirklich den Arsch. Ich bin ein bisschen versöhnt. Zum eigentlichen Potential der Band ist noch viel Luft nach oben, das ist wohl wahr. Aber ich bin froh sie überhaupt wieder akzeptabel live gesehen zu haben, denn seien wir mal ehrlich: Unsere alten Thrash-Helden werden auch nicht fitter. Guckt Megadeth, Slayer und Metallica an wann immer ihr die Chance habt!

Freitag begann wieder am Strand wo sich abermals der Wasserstand geändert hatte und die Strömung der Tolminka mit sinkendem Pegel enorm zugenommen hatte. Also Luftmatratze rein und zum Mini-Rafting in den kalten Fluss. Und gleich nochmal!

Als wir vom Strand zurückkehrten entschied ein Kumpel seine leckgeschlagene Schwimmmatratze nicht wieder mit nach Hause zu nehmen sondern vor Ort schon zu entsorgen. Vorher musste das Ding aber nochmal prall aufgepustet werden damit sich dann alle mit Messern bewaffnet zum Massaker auf den Badekeks stürzen konnten.

Wir gingen später noch entspannt Lord Shades und Cruel Humanity anschauen, wobei mir grade letztere wirklich gut gefielen. Black Metal in Badelatschen.

Bei My Dying Bride wollten wir mal reingucken, aus Gruftiezeiten hatte ich den Namen noch vage in Erinnerung. Tatsächlich schafften sie einen beeindruckenden Spagat zwischen Gothic und Deathmetal. Im Publikum hielten sich gelangweilte Metalcore-Kiddies an ihrem Platz direkt vor der Bühne fest während neben ihnen dunkel geschminkte Mädchen total abgingen. Irgendwie lustig.

Als wir Ex-Grufties Natron, Ophelia und ich so nostalgieseelig beisammenstanden ergab sich auch der Titel für diesen Blogeintrag. Aus unseren T-Shirts.

In der Umbaupause wurden die erwähnten Kiddos dann immer hibbeliger und gingen später wohl bei Heaven Shall Burn total ab. Ich habe das nicht so gesehen weil ich weiter hinten stand und mir nur die ersten drei oder vier Songs anhörte. Metalcore halt. Nicht so meins. Vom Camp aus konnte man die Bühne aber auch noch gut hören und das Cover von Blind Guardians „Valhalla“ was Heaven Shall Burn da hinlegten war schon nicht übel.

Ansonsten zogen wir lange Hosen an und diskutierten im Camp ausführlich welche Songs des neuen Albums Sabaton wohl gleich spielen würden. Wäre es wohl möglich, dass sie mit „Night Witches“ statt traditionell mit „Ghost Division“ eröffnen? Von ihrem fetten Bühnenaufbau hatten wir im Laufe des Tages schon Einzelteile rumstehen sehen. Als wir dann aber vor der Bühne standen und zehntausend Leute den Countdown mitsangen, da war schon klar: Sabaton machen keine Gefangenen. Das Schlagzeug war auf und in einen Panzer gebaut. Aus seinen Kanonenrohren schoss er zum Einmarsch der Band Pyros ab.

„We are Sabaton and this is Ghost Division!“ Hätten wir das also geklärt. Die Party ging sofort los. Sabaton spielten ein paar neue Songs die wirklich gut ankamen, Herr Brodén quatschte zwischenzeitlich so viel, dass es sich seine Bandkollegen mit einer Dose Bier zum Picknick auf dem Panzer gemütlich machten und als sie für „Resist And Bite“ drei Gitarren brauchten musste er tatsächlich auch selber zur Klampfe greifen. Zur Demonstration seiner Gitrarrenskills spielte der Sänger ein paar Metalklassiker an und mir ging das Herz auf als das Publikum nach drei Tönen die erste Strophe von „Master Of Puppets“ sauber fertigsang. „You know your Metallica!“

Auch die Barleute waren mächtig am Mitfeiern, turnten auf ihrem Container rum und hatten irgendeine Konstruktion gebaut die Druckluft involvierte und es ihnen ermöglichte stapelweise Plastikbecher ins Publikum zu verschießen. Das bekam berechtigten Szenenapplaus aus der Menge.

Nachdem Sabaton dermaßen abgeräumt hatten war Tiamat auf der kleinen Bühne irgendwie keine Option mehr, außerdem dräute für den Abreisesamstag Unwetter und wir entschlossen uns, die Zelte eher zeitig abzubauen, was auch ein früheres Zubettgehen involvierte.

Der Samstag begann dann total unwetterfrei. Das Zelt was ich in seine Tasche faltete war trotzdem von oben noch taunass und hatte unten am Boden eine halbe Wiese kleben. Das wurde später auf dem Balkon getrocknet. Nach und nach machten sich die Fahrgemeinschaften vom Acker bis nur ein gut aufgeräumtes Stück Grün zurückblieb. Weil wir nur bis etwa Regensburg zu fahren hatten, gönnten Ophelia, ihr Freund und ich uns den Luxus erst noch im Tolminer Supermarkt Reiseverpflegung zu kaufen und dann gemächlich mit Option auf Zwischenstopps Richtung Predilpass aufzubrechen. Ich berichtete vom Fort Hermann was ich im letzten Jahr besucht hatte. Das lag auf dem Weg und für ein bisschen Wandern und Klettern waren die anderen beiden gerne zu haben. Also parkten wir an der Flitscher Klause, überquerten die mächtige Schlucht daneben und stiegen dann zur Ruine des Forts auf.

Auf dem Weg gab es schon einige Befestigungsanlagen, Munitionslager und Schützenposition. Und Kräuter. Der Koch kann an sowas nicht vorbeigehen. Ein Sträußchen Melisse schaffte es bis ins Auto und jedes Mal wenn man fortan die Kühlbox öffnete duftete das ganze Auto nach Melisse.

Im letzten Jahr hat mich das Fort schon total begeistert, weil ich aber ja meine Kamera damals verloren hatte konnte ich keine eigenen Bilder schießen. Das aufholen zu können war einer der Gründe warum ich meine Freunde zu diesem Ausflug gedrängt hatte. Und dann stehe ich endlich in der Ruine und zücke die Kamera und auf dem Display erscheint: „Akku fast leer. Bitte laden Sie die Kamera auf.“ Das ist doch nicht fair!

Glücklicherweise hat mir Ophelia aber eine von ihren zwei Kameras geliehen. Es kontne also losgehen. Die Umgebung, die während unseres Aufstiegs schon eine astreine Kulisse für verschiedenste Rollenspiele abgegeben hätte, mündete nun in dieser atemberaubenden Ruine. Tatsächlich sind es Steine im Wald, aber die komplett unrestaurierte Festung, die zerstörten Räume in denen sich die Natur schon wieder angesiedelt hat, die Korrosionen der Wände, Moos, Pfützen auf den Bodenfliesen und nicht zuletzt das von draußen schon heranziehende Gewitter erschufen mit ihrer Farbpalette und dem gigantischen Rumpeln des Donners eine so dichte Atmosphäre, dass ich mich dem unmöglich entziehen konnte.

Außer uns kletterte keiner in der Festung herum, also pirschte ich die meiste Zeit alleine durch die Trümmer eingestürzter Decken und fühlte mich ein wenig wie der Geist von Harrenhal.

Ich wollte unbedingt noch ein paar Artefakte mitnehmen, irgendwas was Teil des Forts war und dort eine Funktion erfüllt hat. Es lag inzwischen ja alles wie Geröll durcheinander, aber ich fand ein paar Bruchstücke von Bodenfliesen die als magische Schätze im Arsenal meines Gamecharakters erschienen.

So sehr das dichter werdene Donnergrollen zur schaurigen Stimmung in der Ruine beitrug, wir waren vernünftig genug zu entscheiden, dass es wohl nicht die beste Idee sei das Gewitter auf der Spitze einer Berges zu erleben. Auf dem Rückweg zum Auto mussten wir das grade durchlebte Rollenspieler-Level noch weiter ausspinnen, dem Kräutersammler kam die Rolle des Heilers zu und mir mit den Artefakten die Position der Zauberin. Wetterzauber hatte ich aber offenbar noch keinen in der Hexenschule gehabt, jedenfalls gerieten wir sehr bald in fetten Regen. Was halb so schlimm war. Ich war noch seelig geflasht von meinen Eindrücken und im Auto konnten wir ja alle auch trockene Shirts anziehen.

Wir stoppten nach Überquerung des Passes noch kurz am Lago del Predil, der sogar im Regen noch total schön ist. Noch schöner wenn drei Ninjas schwarze Kapuzenpullover anhaben.

Dann ging es in Tarvisio noch Pizza essen und von dort zog sich die Strecke doch noch ziemlich hin. Zum Glück konnten wir wieder einen Zwischenstopp machen und die herzliche Unterbringung bei Ophelias Verwandschaft machte auch die Rückfahrt deutlich einfacher.

Die Bade- und Gamerausflüge auf Hin- und Rückfahrt hatten das diesjährige Metaldays wunderbar eingebettet, aber auch davon abgesehen war es ein fantastischer Urlaub in Slowenien. Anders als die letzten Jahre, aber grade das hat es gebracht. Wir waren diesmal nicht in der tollen Klamm, dafür haben wir uns die Soča erpaddelt. Aus beiden Flüssen habe ich inzwischen so viel Wasser getrunken, dass ich mich auch zuhause noch mit ihnen verbunden fühlen kann. Musikalisch hat sich das Festival auch anders angefühlt, mit weniger Erwartungen und mehr Überraschungen. Es war definitiv eine gute Idee im Vorfeld die kleineren Bands zu recherchieren. Ich habe gefühlt weniger im Camp rumgesessen, definitiv mehr Bands gesehen und Baden waren wir auch total viel. Dazu noch der Triumph der Selbstüberwindung beim Springen vom Riesenfelsen und ich wüsste kaum was ich mir noch wünschen sollte.

Danke Metaldays, du bist ein wunderbares Festival! Ich stimme dem Biersponsor zu: Mehr braucht kein Mensch.

Wet but true

11. Juli 2014 (19:32 h) – Tags: ,

Musik: Metallica - St. Anger (hat übrigens die Abstimmung gewonnen gehabt) 

Irgendeinen Fluch scheine ich auf mich geladen zu haben, dass ich Livekonzerte neuerdings so oft in strömendem Regen erleben darf. Aber fangen wir von vorne an: Die Lieblingsband, die größte, wichtigste, die überhaupt EINE, ist auf Europatournee. Sogar in der netten Hansestadt. Aber Tickets, obwohl astronomisch teuer, waren ganz fix ausverkauft. Und zwar schon im Herbst letzten Jahres, meine ich. Ich schmollte also kurz und suchte dann nach Alternativen. Geh ich die Band halt im Ausland anschauen. Vielleicht nicht unbedingt im teuren Helsinki. Als ich Natron und Red fragte ob sie mit mir zu Metallica nach Prag fahren wollten sagten beide ohne zu zögern Ja.

Wir entschieden noch einen Tag für Stadtbummel dranzuhängen, buchten ein Gründerzeit-Hotel und kauften Front-Of-Stage-Konzertkarten für deutlich weniger Geld als sie in Deutschland gekostet hätten. Und vergangenen Sonntag gings dann los. Ich traf die Hamburger im Zug, wo wir uns die nicht ganz kurze Fahrzeit erfolgreich mit Brettspielchen, Mischgetränken und nicht zuletzt dem Ausblick auf das Elbsandsteingebirge vertrieben. So schnell sind fünf Stunden selten vergangen.

Der schöne Prager Hauptbahnhof erinnerte mich gleich wieder daran warum ich die Stadt so mag: Jugendstil. Überall, nicht zu knapp. Da geht mir echt das Herz auf. Ich war schon oft in Prag, öfter zumindest als in jeder anderen europäischen Großstadt. Es ist da ein bisschen wie zu Hause, aber die Architektur ist viel schöner. Die touristische Innenstadt, die Burg, die Moldau, alles was da im Schulterschluss abgegrast werden muss, sowas hat Berlin auch zu bieten. Und auch diese szenig verranzten Stadtbereiche mit Kneipen und Klamottenläden und zuplakatierten Wänden. Diese Atmosphäre macht mich glauben, ich würde ohne Probleme nach Prag ziehen, Tschechisch lernen und zB im Renommiergebäude des Goethe-Instituts am Moldauufer arbeiten können. Im nächsten Leben vielleicht.

Fürs erste gaben wir entspannte Touristen und tauschten unsere ollen Euros gegen schöne Kronen, suchten die Tramstation, sprachen alles falsch aus und blieben dauernd mitten im Weg stehen um „Ahhh!“ und „Ohh!“ und „Lékárna heißt Apotheke!“ zu rufen.

Das Hotel hatte auf der Webseite wie eine abenteuerliche Mischung aus Historismus, Kitsch und Blümchentapeten ausgesehen, tatsächlich war es dann aber durchaus geschmackvoll und edel. Ich war beinahe ein wenig enttäuscht. Bis ich hinter der Rezeptionstheke ein veritables Jugendstil-Schränkchen entdeckte und wir das Frühstück am nächsten Morgen im neunzehnten Jahrhundert unter böhmischen Kristalllüstern einnahmen.

Vom Sonntag war noch ein Abend übrig, also bummelten wir schonmal an der Moldau entlang und zur Karlsbrücke. Ach, guck mal, wie schön! Und die Tretboote auf dem Wasser, das machen wir morgen auch! Die niedrig stehende Sonne ließ die Karlsbrücke in ganzer Schönheit wirken und ich meine, dass ich 1998, als ich das erste Mal mit Natron dort war, schonmal so ähnliche Fotos gemacht habe.

Meine Mutter hatte uns dran erinnert, die Abbildung des heiligen Nepomuk zu berühren und was zu wünschen, also taten wir das und wünschten uns einen Halbfinalsieg für die DFB-Elf. Die brasilianischen Touristen, die durchaus auch in der Stadt unterwegs waren, hatten diese Gelegenheit offenbar ausgelassen, wie sich später herausstellen sollte.

Am Ende der Brücke trafen wir noch unverhofft auf Jamie Lannister mit seinem goldenen Schwert. Und dann dauerte es auch gar nicht mehr lange und wir hatten den nächsten Gasthof gefunden um endlich wieder tschechisches Bier zu trinken. Ahhh.

Danach hielten wir noch die Füße in die Moldau und nannten es dann einen Tag. Weil Prag uns ja nicht ganz neu ist, wollten wir das Besichtigungsprogramm nicht übertreiben und hatten für den folgenden Tag nur Sachen geplant die Spaß machen und mit B anfangen: Burg, Bier, Boot, Briefpost schreiben.

Den Anfang machte die Burg. Es gab fantastischen Sonnenschein und aus Erfahrung wußte ich wie schön der in die Glasfenster des Veitsdoms reinleuchtet. Man hätte vom Hotel auch laufen können, aber wir nahmen die Tram um das Rumgerenne nicht gleich ausufern zu lassen. Immerhin steigt man da ja auch einen ganz schönen Berg hinauf. Aber wir wurden reich entlohnt. Die Burg, der Dom, alle schön wie eh und je. Und dann entdeckt man Dinge an die man sich plötzlich wieder erinnert und lauter Neues dazu. Fremde Städte wieder zu besuchen hat einen ganz eigenen Reiz.

Die Aussenseite des Doms und die restliche Burganlage galt es natürlich auch noch zu erwandern. Die großartige gotische Fassade der Kathedrale kommt gar nicht dazu anständig zu wirken weil man kaum weit genug zurücktreten kann um sie anzuschauen. Das ist ziemlich ungewöhnlich, aber so guckt man dann wenigstens mal auf die Details.

Das ist ja fast eine kleine Stadt da innerhalb der Burgmauern und man hätte mit Leichtigkeit noch einen ganzen Tag dort verbringen können. Aber wir machten ja Tourismus light, tranken also nur noch einen Eiskaffee, schlenderten noch ein Ründchen und ließen dann vom Vorplatz der Burg das gigantische Stadtpanorama auf uns wirken. Ach, guck mal, hier gibt es schon wieder Pivo. Also noch schnell eines der traditionellen „Wir-hocken-irgendwo-zusammen-und trinken-was“-Fotos für alle Freunde in der WhatsApp-Gruppe gemacht.

Die Hitze war inzwischen echt drückend geworden, deshalb ließen wir den Abstieg langsam angehen, setzten uns dann in einen schattigen Park und sahen zwei Menschen zu die riesige Seifenblasen über die Wiese schweben ließen. Voll schön.

Ein paar Schritte weiter lockte das Moldauufer schon wieder mit Schatten, Ausblick und Schwänen und was besseres hatten wir eh nicht zu tun. Füße ins Wasser, Blick auf die Karlsbrücke fotografieren.

Erst als der Himmel sich später zugezogen hatte und die Temperaturen etwas runterkamen machten wir uns daran, auf einer Moldauinsel ein Tretboot auszuleihen. Mal eine Auszeit von all dem Trubel in der Stadt war echt angenehm. Nur die Moldau und wir. Eine Insel umrunden, die Brücken durchfahren. Zwischenzeitlich ließen wir das Boot einfach treiben. Fehlte nur noch was zu Trinken. Moment, ist das eine schwimmende Bar?

Es war eine schwimmende Bar an die wir mehr oder weniger geschickt andockten. Tolle Geschäftsidee. Wir stießen mit dem nächsten Bier an und Wolkenexpertin Natron zeigte uns am inzwischen recht dunkel gewordenen Himmel die Nibostratus Pannus, die sie als „Die Fünf-Minuten-Wolke“ vorstellte. Sieht man sie und es regnet noch nicht, dann fängt es innerhalb der nächsten fünf Minuten an. Echt? Ist ja total spannend… Warte, hast du auch grad einen Tropfen abgekriegt?!

Gewitter war angekündigt und nach der Dämse des Tages auch zu erwarten gewesen. Noch tröpfelte es aber nur, so dass wir das Tretboot zurückbrachten und dann ganz entspannt Richtung Hotel schlenderten. Unterwegs kamen wir an dem Esoterikladen vorbei der am Sonntag schon durch die geschlossene Ladentür total nach Rächerwerk gerochen hatte. Da konnte ich natürlich nicht dran vorbei. Red ging es ähnlich als wir anschließend eine Pivnice passierten. „Pivnice“ heißt „Bierlokal“ und ich sehe wie sich das Wort schon in unserem Sprachgebrauch als Bezeichnung für eine bestimmte Art von Kneipe festgesetzt hat. Also noch ein Bierchen. Und dann, dann regnete es endlich richtig. Als wir auf dem Heimweg waren.

Immerhin war es nicht kalt. Und wir konnten im Hotel was Trockenes anziehen und die Schuhe föhnen. Halb so schlimm.

Unterbrochen von einer guten Auswahl tschechischer Biere durch Prag zu spazieren hatte einen formidablen, unanstrengenden Touristentag am Montag abgegeben. Dienstag war anders. Dienstag war das Konzert. Und Fußball. Und Unwetter. Dienstag wurde ein wirklich verrückter Tag.

Der Auftritt meiner Lieblingsband war Teil des Aerodrome-Festivals bei dem ausserdem noch Kvelertak, Children Of Bodom und Alice In Chains spielen sollten. Insofern fing die Veranstaltung schon am frühen Nachmittag an. Wir machten uns entsprechend zeitig auf den Weg zum Messegelände hinter dem Bahnhof Holešovice, wo die Sause staffinden sollte. Messegelände klang erstmal total unromantisch.

Auf dem Weg durch die Stadt begegnete uns der einzige Hinweis auf die zeitgleich in der restlichen Welt stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft.

Hier zeigen Red und Natron wie sie sich den Ausgang des Spiels Brasilien-Deutschland wünschen: 0 zu 2. Little did we know.

Die Tschechen sind keine große Fußballnation und sie ignorieren die WM größtenteils. Was völlig okay ist, reist man nicht mit einem Paar was schon jetzt darüber nachdenkt wie einem zukünftigen Kind der jeweils favorisierte Bundesligaverein schmackhaft zu machen ist („Bei Mamas Club gibt es aber keinen Dinosaurier!“ „Dafür sind wir alle Piraten!“). Angefixt von den Hamburgern und vorgeprägt von meiner WM-verrückten Heimat sah ich bald auch überall nur Fußbälle.

Zum Beispiel in dem Blumenrelief an den Wänden unserer Hotelzimmer.

Oder in den Straßenlaternen mit ihren entzückenden Krönchen.

Wir hatten tatsächlich auch Schminkstifte dabei. Wenn man wegen Sodas Schlagerkapelle das Halbfinale verpasst dann muss man sein Team unterstützen wie man nur kann.

Vor den Fußball hatten die Götter aber glücklicherweise das Festival gesetzt. Und uns wurde schnell klar, dass „Messegelände“ hier nicht die Leipziger Agra bedeutet. Die Bühne stand inmitten einer wilden Mischung verschiedener Archtekturstile. Imperiale Schnörkel und Türmchen von 1848, verrottende Sowjetbauten, eine hochmoderne gläserne Pyramide. Und ein nostalgischer Lunapark mit Riesenrad und Achterbahn. Zoo und irgendwas mit Dinosauriern gleich angeschlossen. Das war.. surreal, to say the least. Ich meine, es war ein ganz normaler Festivaltag mit Bands, Merch, Bier und überproportional viel Fressiständen. Aber es fühlte sich auch irgendwie an wie ein Endzeitfilm. Als Natron mich später darauf hinwies, dass während Metallica spielen Trip durch Prag rennt, auf der Suche nach dem Laster, dabei in Straßenschlachten gerät und an Ende im Kampf mit dem Reiter die Stadt in Schutt und Asche legt, war die Illusion perfekt (das ist die Handlung von Metallicas großartigem, poetisch-apokalyptischen Meta-Konzertfilm „Through The Never“).

Ich schätze, dass etwa 10.000 Besucher da waren. Dass die ersten die durch den Einlass kamen sofort die Beine in die Hand nahmen und Richtung Bühne sprinteten, zeigte schon: Hier spielt nicht irgendwer. Wir hatten das Gerenne zum Glück nicht nötig (Und, mal ehrlich, dann steht man fünf Stunden angewurzelt auf seinem Platz bis Metallica anfängt?) denn wir hatten ja Golden Circle Tickets. Der Golden Circle ist der Bereich direkt vor der Bühne, abgegrenzt durch Gitter und Security. Ich bin von der Zwei-Klassen-Gesellschaft auch nicht komplett überzeugt und fühlte mich schon komisch wenn ich nach hinten guckte wo sich die anderen drängelten, aber man muss zugeben, der Circle hat die Sache wirklich total entspannt gemacht.

Hier sieht man hinter meinem Metallica-Grinsen die Absperrung mit Gedränge während wir entspannt auf dem Rasen sitzen. Bis zur Hauptband war der Circle halbleer, wir konnten problemlos rein und raus, Getränke holen, im Schatten sitzen, mal einen Blick auf die Band werfen, wieder was zu Essen holen, etc.

Den Anfang machten Kvelertak, die ich musikalisch viel schrabbeliger erwartet hatte. Was man aber vor allem über sie sagen muss ist: Der Typ trägt eine Eule auf dem Kopf. Eine ausgestopfte Eule, wie eine Maske oder einen Helm. Eine Eule. Das hat mich etwas verstört und als er sie nach dem ersten Song abnahm war ich immernoch zu verwirrt um mir ein musikalisches Urteil über Kvelertak zu bilden.

Was wir auch festgestellt haben ist, die Tschechen tragen keine Kutten. Dafür Sandalen, wenn sie aufs Konzert gehen. Das sah nach einer ganz doofen Idee aus, es ist doch vorprogrammiert, dass dir einer auf die Zehen steigt.

Nach der Eule sahen wir uns Children Of Bodom an. Mit dem finnischen Hipster-Look des Sängers kam ich viel besser klar. Das Keyboard war offenbar deutlich prominenter ausgesteuert als sonst, ich musste jedenfalls sofort an Wintersun denken. Was ja nichts schlechtes ist. COB haben mir gefallen.

In der Umbaupause war es dann Zeit den WM-Ticker aufs Handy zu buchen und sich kleine Nationalflaggen ins Gesicht zu malen. Umgehend outeten sich nicht wenig andere Konzertbesucher als Deutsche oder zumindest fußball-affine Polen.

Was wir auch noch machen mussten war Abstimmen. Das Konzept der aktuellen Metallica-Tour basiert darauf, dass die Besucher der jeweiligen Konzerte im Vorfeld online aus allen Metallica-Songs auswählen dürfen welche sie live hören wollen. Dabei darf man aber keine obskuren Raritäten erwarten, es herrscht ein ziemlich umfassender Konsens darüber welche Songs als Klassiker auf jeder Show gespielt werden müssen. Was ich mir altes oder seltenes gewünscht habe ist gnadenlos rausgeflogen. Womit ich leben kann. Einen Song hat die Band bestimmt, nämlich einen ganz neuen Song der grade erst veröffentlicht wurde. Und einer wurde dann vor Ort noch per Handy ausgewählt, aus den drei Songs die es ganz ans Ende der Liste geschafft hatten. In unserem Fall waren das „The Day That Never Comes“, „St. Anger“ und „Unforgiven II“. In den Umbaupausen liefen auf den Leinwänden kleine Promo-Clips in denen uns die Metallicas das Wahlsystem vorstellten und zum Abstimmen anfeuerten. Total niedlich.

Erstmal kamen aber noch Alice In Chains auf die Bühne. Die habe ich seit den Neunziger gar nicht mehr auf dem Zettel gehabt. Und obwohl sie ja wohl ein tolles Comeback-Album abgeliefert haben und auch beim Aerodrome astrein performten war ihr Grunge-Style nicht das Richtige um auf Metallica vorzubereiten. Zu chillig. Zu eintönig.

In der Zwischenzeit hatten die Wolken, die den ganzen Tag konsequent an der Sonne vorübergezogen waren und uns in der Hitze hatten sitzen lassen, es geschafft den Himmel vollzumachen. Da waren auch schon die Fünf-Minuten-Wolken und los ging der Regen. Wie gut, dass wir feste Schuhe anhatten und auch Regenponchos die *rein zufällig* unsere Landesfarben abbildeten.

Der Circle füllte sich nun richtig und was dahinter abging mag ich mir gar nicht vorstellen. Wir hatten gute Plätze in der Nähe des Laufstegs der von der Bühne U-förmig ins Publikum und zurück reichte. Durch diese Nähe zur Bühne fühlte sich das ganze Konzert am Ende anders an. Nicht die Stadionatmosphäre die ich bei Metallica sonst erlebt habe. Das da vorne hätten auch Blind Guardian sein können. Metallica waren auf einmal richtige Menschen, nicht die Halbgötter an die man nie rankommt. Sie werden nass wenn sie auf die Bühne kommen. Genau wie wir fünf Meter weiter. Weil man das was hinter einem passiert ja nie mitbekommt wirkte es wie ein ganz kleines Konzert. Meine Helden in meinem Wohnzimmer. Total toll. Insofern haben sich die Golden Circle Tickets auf jeden Fall mehr als gelohnt.

Die Band fing um acht Uhr an und bretterte gleich mit „Battery“ und „Master Of Puppets“ los. Das hat grade den zweiten Über-Song angenehm von seinem Thron gehoben. Wir haben so viele geile Songs, wir müssen den hier nicht bis zum Ende aufheben, wir sind schließlich Metallica.

Statt Backdrop gab es LED-Leinwände die gestochen scharfe Aufnahmen von der Bühne zeigten und auch einen Teil der Visualisierungen die bei „Through The Never“ zum Einsatz gekommen waren. Dadurch fühlte man sich noch mehr als wäre man in dem Film und fragte sich unweigerlich was am Ende von Prag noch stehen würde.

Der Regen hatte mächtig zugelegt. Also so richtig. Unwetterartig. Man sieht es hier ein wenig wo Kirk sich ganz schnell wieder vom Laufsteg verdrückt.

Zwischen den Songs schob ein Wischerkommando das Wasser von der Bühne und James Hetfield kommentierte: „It’s like playing in a fucking swimming pool!“ Das Wasser lief von der Ponchokapuze in den Ausschnitt und Regen klatschte einem direkt in die Augen, der Boden war eine riesige Matschsuppe geworden in der meine Turnschuhe mit Schlamm vollliefen und gerne noch drin stecken geblieben wären (eindeutiger Vorteil Badelatschen). Plastikfolie klebte an der Sonnencreme auf den Armen, die Hosen zogen das Wasser hoch und wir froren nur nicht weil wir wie die Pinguine zusammgedrängt standen. Ging der Pinguin neben dir Bier holen merktest du das sofort. James zog sich laufend neue, trockene Shirts an, aber ich wagte irgendwann nicht mehr meine Kamera rauszuholen weil die Linse schon total beschlagen war und einem klitschnass auch alles aus der Hand rutschte. Das war Beastivalwetter mit Ausschlag nach oben.

Immerhin sahen die Laserstrahlen die unter anderem beim Intro von „One“ zum Einsatz kamen im Regen total toll aus. Die Wassertropfen brachen das farbige Licht auf und glitzten wie bunte Diamanten in den Lichtstrahlen. Der Stimmung unter den sehr sangesgewaltigen Tschechen tat der Regen auch keinen Abbruch. Bei „Nothing Else Matters“ stoppte das Unwetter dann kurz, kaum kommentierte James den Umstand ging es aber auch schon weiter.

Am Ende hatten Metallica fast zweieinhalb Stunden gespielt, die Stimmung mit „Whiskey In The Jar“ nochmal hochgerissen und als sie uns dann traditionell mit „Seek And Destroy“ verabschiedeten und das Publikum mitsang wie ein Mann fielen von der Bühne und den Türmen lauter schwarze Wasserbälle mit Bandlogo und von irgendwo rollten riesige farbige Versionen an, die dann unermüdlich hin und hergeworfen wurden.

Ganz großes Konzert. Party. Kindergeburtstag. Matschgetümmel. Meine Lieblingsband ist mir, wenn überhaupt möglich, noch ein wenig näher ans Herz gerückt. Red hat mir einen von den schwarzen Wasserbällen als Souvenir aufgefangen den ich an die Brust drücken konnte als wir uns schließlich unseren Weg durch den Schmodder und die tausend pfandfreien Plastikbecher bahnten. Danke, Metallica!

Aber huch, Fußball war ja auch noch. Ein Blick aufs Handy: Zwei zu Null, nee Moment, Fünf zu Null?! Meine Fußballfans flippten in ungläubiger Begeisterung aus und auch die anderen Deutschen die mit uns auf die Tram warteten hatten wenig weitere Gesprächsthemen. Immerhin schafften wir es noch rechtzeitig in eine Kneipe wo die letzten beiden Tore miterlebt werden konnten.

Als am nächsten Tag unser Zug Verspätung hatte, das Gleis ewig nicht bekanntgegeben wurde und irgendwelche anderen Ärgerlichkeiten passierten, zeigten wir nur gelassen sieben und einen Finger in die Höhe. Wenn an einem einzigen Tag so viel unglaublicher Scheiß passiert, dann ist es klar, dass das Universum das danach wieder ausgleichen muss.

Blind Guardians of Asgard

4. Juni 2014 (15:44 h) – Tags: ,

Musik: Behemoth - Diamonos 

Bin wieder zurück vom offiziellen Auftakt der Festivalsaison, dem Out & Loud in Geiselwind/Bayern. Im letzten Jahr hieß die Veranstaltung noch Beastival und startete mit dem besten Lineup. Dieses Jahr hat, wenn das überhaupt möglich ist, die Bandauswahl noch überboten. Drei Tage lang sind wir fast gar nicht dazu gekommen im Camp rumzulungern weil dauernd irgendeine famose Kapelle beklatscht werden wollte. Die Zusammenstellung war dabei ein wenig „shuffle all“ und so sind wir von Freedom Call zu Sepultura zu den Reitern gezogen oder haben Behemoth zwischen Rage und Doro genossen.

Es ging am Donnerstag auch schon sehr amtlich los. Ich war entspannt mit Lieblingsfahrgemeinschaft Ophelia unterwegs. Die schon Mittwoch angereisten Freunde hatten uns einen Zeltplatz freigehalten. Zum Aufbau kamen wir aber erstmal nicht, als wir eintrafen war es nämlich grad 14.oo h und Stormwarrior spielten. Also scheuchten uns Natron, Red und die anderen aus dem Auto zum Bändchenstand und schnell vor die Bühne. Wir waren rechtzeitig zu „Heading Northe“ da und konnten gleich mitfeiern. Gelungener Kaltstart.

Aber was sehen wir da? Regnet es etwa schon wieder? Im letzten Jahr hat das Universum sich alle Mühe gegeben uns wegzuschwemmen. Hat das etwa nicht gereicht?! Doch, hat es. Der Regen gab bald auf und nach viel, viel Party bei Freedom Call konnten wir unsere anschließende Pizza schon im Trockenen genießen. Das restliche Wochenende wartete mit Wolken aber auch ordentlich Sonnenschein auf. Dafür waren die Nächte kalt. Oh, so kalt! „Like Christmas, ho, ho, ho!“ wie ein gut gelaunter Biff Byford später von seinem warmen Plätzchen auf der Bühne runterkommentierte.

Ich hatte meine Campingausrüstung im Vorfeld erweitert und auch eine Isomatte mitgenommen. Die wollte ich unter mein Luftbett packen damit die Kälte aus dem Boden da nicht so durchkommt. Ich dachte Schlafsack, Fleecedecke und dicke Flauschidecke dazu müssten reichen. Taten sie nicht. Ich bin eine furchtbare Frierliesel, das ist bekannt. Aber es waren nachts wirklich nur 4°C! Am Ende habe ich die Isomatte mit *in* den Schlafsack gerollt und konnte so einigermaßen schlafen. Nicht toll, nicht wirklich warm, aber das Beste was in der Situation möglich war. Fürs nächste Jahr habe ich meine Lektion aber gelernt. Nicht am Equipment sparen. Dann kaufe ich mir einen Schlafsack mit Komfortbereich bis 0°C, auch wenn der wieder ein kleines Vermögen kostet.

Der Rest vom aufgestockten Campinggerümpel bestand aus neuem Zelt plus einer gescheiten Lampe dafür und der NVA-Plane, die Ostalgiker Red erfolgreich in unserer Gruppe verbreitet hat. Und ich bin von allem wirklich begeistert. Das Zelt hat gute Dienste geleistet und vor allem der zusätzliche Stauraum im Vorzelt ist der Wahnsinn. Sechserträger Wasser, dreckige Stiefel, Campingstühlchen. Alles hat sein Zuhause dort gefunden. Ich habe immer den Seiteneingang benutzt weil man den mit einer Hand aufzippen kann, wenn es warm ist kann man mit offenem Fronteingang aber sicher ganz gut durchlüften. Lustigerweise hat Ophelia fast das gleiche Zelt. Wir liefen aber nicht Gefahr das zu verwechseln, ich habe mein temporäres Zuhause nämlich gleich angefangen zu dekorieren.

Diese Wimpelkette (Natron und Red haben auch jeweils eine bekommen) war ein Weihnachtsgeschenk der rührigen User. Die einzelnen Wimpel sind mit Lieblingsband, Haustierchen, Rebellenlogo und lauter anderem personalisiertem Motiv verziert. Total schön. Die Wimpelkette kommt auf jeden Fall mit nach Slowenien und wird noch durch ein paar Solarleuchten ergänzt. Deko. Ich kann irgendwie nicht anders.

Aber gucken wir auch mal auf die Bands. Die vielen, tollen Bands die wir gesehen haben. Stormwarrior zum Ankommen, bei Solstafir haben wir unsere Zelte aufgebaut, die also nur aus der Ferne gehört. Freedom Call war dann nicht verhandelbar, da hatte ich mich schon voll drauf gefreut. Und sie sind einfach so eine unschlagbare Gute-Laune-Band. Der „happy metal party“-Refrain klebt mir ehrlich gesagt immer noch im Ohr.

Dann haben wir Pizza geholt, auf die hatte ich mich auch gefreut. Die Fressiversorgung ist auf dem Outiloudi ziemlich gut. Nach der Pizza brüllten uns Sepultura ein Ständchen und sie waren der Hammer. Ich bin nicht damit einverstanden, dass Derrick Green seine tollen, langen Dreads abgeschnitten hat, aber das ist auch der einzige Kritikpunkt den ich anbringen kann. Die Brasilianer haben den Laden echt gerockt und sogar Ratamahatta gespielt, den Song mit dem ich sie in den Neunzigern überhaupt entdeckt habe. Ganz groß. Natron hatte anschließend zwei Tage Nackenschmerzen.

Wir waren noch total geflasht von Sepultura als es dann mit den Reitern weiter ging. Die einzige Band die auch schon im letzten Jahr in Geiselwind gespielt hat. Damals vor allem mit alten Songs, was eine unerwartete Freude war. Inzwischen haben sie ein neues Album herausgebracht mit dessen Bewertung ich mich sehr schwer tue. Sagen wir mal so: Die Zeiten Mitte der 2000er, als wir die Reiter in Wacken abgefeiert haben und den Spaß unseres Leben hatten, sind vorbei. 2014 clashten ganz alte Sachen und genauso tolle mittelalte Songs mit dem Zeug der letzten drei Alben und die Liveshow wurde dadurch extrem heterogen. Geiler Song – komischer neuer Scheiß – was ganz neues was gar nicht sooo übel klingt – Seemann. Ungefähr so. Ich bin nicht überzeugt, habe mir aber trotzdem einen alten Reiter-Patch für die Kutte gekauft. In memoriam, sozusagen.

Headliner für Donnerstag waren Powerwolf. Die haben natürlich wie immer abgeliefert. Dem lückenhaften Mobilfunknetz in der bayerischen Pampa war zu verdanken, dass wir die Wölfe erst nach dem Auftritt getroffen haben. Da brachte mir das Artist-Bändchen was Falk Maria Schlegel für mich besorgt hatte natürlich nicht mehr viel, aber wir bekamen die restlichen Getränkegutscheine der Band geschenkt und konnten wenigstens noch kurz quatschen bevor Powerwolf den Tourbus Richtung Bratislava besteigen mussten. Nebenbei lief in der Konzerthalle Karaoke till death mit Liveband, was erstaunlich lustig war.

Freitag gingen wir duschen und lungerten dann in der Sonne rum. Sonne! Die erste Band zu der ich mit den anderen Richtung Infield aufbrach waren Rage. Ganz entspannt hockten wir uns vor die Bühne und lauschten drei Mann die ordentlich Stimmung machen. Bis Wagner und Smolski plötzlich beide ihre Amps zerschossen hatten und wir in den Genuss eines spontanen Schlagzeugsolos kamen. Weil danach immer noch nichts ging, ergiff der Drummer seine Chance, sprang ans Mikro und veranstaltete ein paar Singspielchen mit uns: „Das wollte ich schon immer mal machen!“ Am Ende gab es wieder Gitarren und noch ein bisschen Musike, so dass Rage mir in allerbester Erinnerung bleiben werden.

Wir drehten eine Runde über den Merchbereich, Musik gab es zwar auch in den Hallen, aber die Bands die ich mir dort angucken wollte waren an einer Hand abzuzählen und so hingen wir fast ausschließlich draußen ab. War ja auch schönes Wetter. Und unverzeihlich wenn wir den Anfang von Behemoth verpasst hätten! Die unglaubliche Show vom Paradise funktionierte auch bei Sonnenschein und mit neuem Album. Bemoth waren einfach SO GUT! Gänsehaut, Pyros und Flitter. Obwohl musikalisch überhaupt nicht zu vergleichen standen die Polen Sepultura in nichts nach und ich fürchte die beiden haben mich vielleicht noch ein ganz klein wenig mehr begeistert als die unumstrittenen alten Helden mit ihren grandiosen Best-of-Shows.

Nach Bemoth wurde es dunkel und kalt. Ich ging mit einigen zum Camp zurück, wo wir in Decken gewickelt den rituellen Stuhlkreis bildeten, tranken und Blödsinn redeten während Doro auf der Bühne offenbar nicht ganz überzeugen konnte. Sagten die, die da waren. Ich trug inzwischen zwei Zipperjacken und einen Pullover übereinander und trotzdem war es kalt. Vielleicht hätte man sich noch eine Fleecedecke mitnehmen sollen zu Saxon. Aber irgendwer sagte, sie hätten eine besondere Pyroshow und daran hätte man sich ja auch wärmen können. Saxon hatten kurzfristig freundlicherweise ihren Slot mit Amon Amarth getauscht, so dass die Schweden Samstag spielen konnten und wir Freitag Abend mit eine ordentlichen Portion NWoBHM beendeten. Pyros hielten sich in Grenzen, aber die Setlist von Saxon war fantastisch. Normalerweise bestehen die darauf uns die erste Hälfte ihrer Auftriffe lang mit neuen Liedern zu belästigen bevor am Ende die Klassiker kommen die jeder hören will. Diesmal haben sie nur alten Scheiß gespielt. Davon gibt es auch wirklich genug und wir kamen unter anderem in den Genuss von Strong Arm Of The Law, 747 (Strangers In The Night), The Eagle Has Landed, Motorcycle Man, Rock ’n‘ Roll Gypsy und natürlich Crusader, Princess Of The Night und Denim And Leather. Es blieb ausser Ride Like The Wind gar nichts zu wünschen übrig und wer so eine unglaubliche Show spielt braucht meiner Meinung nach auch gar keine zusatzlichen Effekte. Daumen hoch für Saxon!

Nach einer weiteren durchfrorenen Nacht und Aufwärmen unter der Dusche und in der Sonne ging es Samstag recht früh vor der Bühne los. Eine von den Bands die ich mir auf Platte gar nicht anhöre, die aber live taugen und hoffentlich noch eine Karriere hinlegen werden sind Dust Bolt. Noch sehr jung, mit neiderweckenden Haaren, spielen sie sehr amtlichen Thrash zu dem wir uns wieder auf dem warmen Asphalt vor der Bühne versammelten. Anschließend wurde im Camp gegrillt aber irgendwas von dem was ich gegessen habe war nicht okay. Mir gings nicht so gut, ich ging aber trotzdem mit als die anderen Vader anschauen wollten. Danach spielten Tyrfing in der Halle. Nachdem wir ihr Logo auf der Running Order mit Mühe entziffert hatten waren sie auch auf der Bühne nur schwer wiederzuerkennen. Das knickte ich nach zwei Songs und ging ins Zelt. Schlafen. War noch hell und demnach warm und ich verpennte seelig den Rest von Tyrfing sowie Ensiferum und Hail of Bullets. Um die zweiten war es ein wenig schade, aber egal. Mir ging es anschließend so viel besser, das hatte sich gelohnt.

Wir hatten ja auch noch was vor. Nämlich Amon Amarth. Ich war, irrationalerweise, ein wenig stinkig mit Amoth weil das letzte Konzert in Hamburg total überfüllt war und es keinen Spaß gemacht hatte da nur rumgeschubst und eingedrängelt zu werden. Dafür konnte die Band nichts, aber irgendwie hatte es bei mir einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. In Geiselwind war es auch voll (Tageskarten), aber nicht zu voll. Eher so, dass man endlich mal nicht frieren musste. Und guck, da haben die Vikinger wieder richtig Party gemacht. Bei irgendeinem Song, vielleicht war es Pursuit Of Vikings, änderte sich die Struktur im Publikum und die Crowdsurfer mussten umgeleitet werden. Warum sitzen die da drüben alle am Boden? Oh, die RUDERN! Das war wirklich cool. Johan Hegg riss dann noch den Witz der Titel dieses Blogeintrags wurde und ich war versöhnt mit Amoth.

Anschließend verzichtete ich auf Moonspell in der Halle und wir sammelten uns wieder am Wellenbrecher um den letzten Hauptact randalefrei von weiter hinten genießen zu können. Da waren wirklich alle Campbewohner anwesend, denn solche Bands verpasst man nicht. Zumal sie zwei Jahre nicht live gespielt haben. Die Rede ist von Blind Guardian. In meinem Ranking deutscher Metalbands ganz weit vorne, wenn nicht die besten überhaupt. Der Veranstalter hatte sie gebeten eine Best-of Show zu spielen und wow! Der ganze alte Scheiß! Lord Of the Rings, Mordred’s Song, Bright Eyes. Es ist ja nicht so, dass diese Band jemals ein *schlechtes* Album gemacht hätte und gegen Nightfall und die Sachen von Edge Of Time ist nun wirklich nichts zu sagen, aber zum Beispiel Lord Of The Rings hatte ich überhaupt nicht auf dem Zettel. Nicht als Livesong und vermutlich habe ich es auch zehn Jahre lang nicht auf Platte gehört. Aber zum Glück war mein Hirn so: „Den kennen wir! Moment, ich such dazu schnell was raus!“ und -bing!- war der Text wieder da. Natürlich haben wir auch den Bard’s Song gesungen, mein Tribe vermutlich lauter als alle anderen, und als Zugabe gab es Valhalla. Mehr kann man sich nicht wünschen. Das war weltspitzenklasse, Blind Guardian!

Als alle von Guardian zurückgekehrt waren versammelten wir uns nochmal im Camp um den letzten Abend ausklingen zu lassen. Zufällig entdeckt ein Kumpel zwischen dem üblichen Müll auf einem unserer Tische originalverpacktes Campingbesteck: „Hat einer von euch Campingbesteck bei Amazon bestellt?“ Wir rätselten wo das hergekommen sein könnte, es fanden sich auf dem zweiten Tisch noch mehr Gabeln und Löffel. Offenbar eine Werbemaßnahme, die irgendeine arme Sau während der überwältigenden Performance von Guardian klammheimlich auf dem Zeltplatz verteilen musste. Und die Polizei hatte auf zahlreichen Postern gewarnt, dass uns was geklaut werden könnte! Wir verteilten das Besteck in der Gruppe und ich weiß jetzt schon, wie ich an den kalten Abend in Geiselwind zurückdenken werde wenn wir in Slowenien anfangen das Zeug auseinander zu sortieren. Meins ist das transparent blaue!

Grade die Nichtmetaller, die sich hier durch absätzelange Begeisterungsstürme zu einer nicht enden wollenden Anzahl von Bands lesen mussten, haben es schon längst erkannt: Dieses kleine Festival lebt von seinem riesigen Lineup. So viele so unglaubliche Bands werden wir das ganze Jahr über nicht mehr an einem Wochenende sehen. Das Outiloudi war ein furioser Auftakt für die Festivalsaison und hat richtig viel Spaß gemacht. Mein neues Campinggerümpel ist erfolgreich getestet und die entspannte Fahrgemeinschaft mit Ophelia hat so gut funktioniert, dass ich mir um die Mördertour nach Slowenien nun auch keine Sorgen mehr mache. Bring it on, Metalsommer!

 

Achso, noch ein Wort zum Thema Penicillin: Ihr erinnert euch, ich war krank und musste die ganze Woche über Antibiotika nehmen, was zur Folge hatte, dass ich in Geiselwind überhaupt keinen Alkohol getrunken habe. Und Festival ohne Alk, wie hat das nun funktioniert? Erstmal muss ich sagen, dass meine Freunde sehr rücksichtsvoll sind, für mich anstandslos Wasser geholt haben und keiner dabei war der doch immer noch versuchen musste einem ein Bier aufzuquatschen. Außerdem war die Stimmung wie immer gut, und das hat mich mitgerissen. Ich war mindestens genauso drauf wie sonst und teilweise erwischte ich mich dabei zu denken, das ich im Interesse des nächsten Morgens langsmal mal vorsichtig sein sollte mit dem Alkohol. Die anderen meinte da müsste in den Antibiotika irgendwas drin sein. Das hätte ich überhaupt nicht erwartet. Natürlich war es ein angenehmer Nebeneffekt morgens garantiert unverkatert aufzuwachen und auch körperlich etwas fitter zu sein, aber vor allem bin ich begeistert, dass alkoholfrei meiner Laune überhaupt gar keinen Abbruch getan hat. Die Notfall-Schokoriegel die ich für Stimmungstiefs eingekauft hatte, habe ich zwischenzeitlich total vergessen und erst Sonntag in Berlin wieder ausgepackt. Es gab zwei oder drei Momente wo ich dachte: „Jetzt wär ein Bier toll!“ und vor allem hätte ich den Talisker Dark Storm und die Honigwhiskey-Gingerale-Mische gerne probiert, aber der Verzicht hat niemals wirklich weh getan. Ich muss sagen, ich bin ein wenig versucht das weiter durchzuziehen. Mal sehen.

Guten Tag, kann ich Ihnen was aufschwatzen?

1. März 2014 (18:05 h) – Tags: , ,

Musik: Kiss - God Gave Rock 'n' Roll To You 

Es ist nicht besonders warm in der großen Stadt, aber dafür wunderbar sonnig. Ich habe ein freies Wochenende und musste mir für die bestandene Stresswoche was gönnen. Also war ich trödeln, was Besseres gibt es bei Sonnenschein und Frühlingsfrischluft fast gar nicht.

Am Freitag besuchte ich erstmal den Möbeldealer in der Richardstraße und sah mich nach einer Kommode fürs Wohnzimmer um. Die Kommode soll an die Wand gegenüber des Sofas und sie ist fürs Vorankommen des gesamten Wohnzimmers so etwas wie das lange Element für ein gewonnenes Tetris-Level: Ohne kommt man einfach nicht weiter. Ich will noch Bilder und anderen Scheiß an und vor die Wand hängen, aber ich weiß ja nicht wohin wenn ich nicht weiß wie groß die Kommode wird. Das bremst mich also schon eine Weile, deshalb hat die Kommode inzwischen eine recht hohe Priorität. Der Kieztrödler war nett und hatte auch ein paar Kommoden die er mir sogar nach Hause liefern würde. Alle nicht in Top-Zustand, aber ich habe ohnehin festgestellt, dass mich immer grade die schrabbeligen Exemplare interessieren. Viele Schränkchen waren ziemlich groß, mehr für die 200-qm-Wohnungen die man im neunzehnten Jahrjundert offenbar so eingerichtet hat. Ich hab jetzt zwei bis drei Modelle in die Auswahl genommen aber noch nichts gekauft.

Heute bin ich dann erstmal auf den Fehrbelliner Platz gefahren. Ohne irgendwas zu suchen, einfach so zum Stöbern. Die Gesellschaft von altem Kram macht mich glücklich. Ich hab ein paar Jugendstilbroschen angeschaut und einen mentalen Vermerk zum Teppichhändler gemacht, der hatte nämlich auch so kleine orientalische Brücken wie sie gerne noch bei mir ins Wohnzimmer einziehen dürfen. Neben dem ganzen Gerümpel was man kaufen könnte, mag ich Trödelmärkte aber auch für ihre Händler. Ich habe folgende wunderbare Konversation zwischen zwei älteren Herren mitbekommen als sich ein potentieller Kunde für ein Set Briefmarken interessierte: Kunde: „Und was sollen die kosten?“ Händler: „Dieter, watt willste denn für die hier haben?“ Dieter: „Wie viele sind denn da drauf?“ Händler (betrachtet die Briefmarken): „Fünf Jute, der Rest is Kompott.“ Dieter: „Dann zehn Euro.“ Auch mein Titel ist das Zitat eines anderen Händlers bei dem ich später einkaufte und noch was geschenkt bekam.

Es hat mich nichts so richtig angesprungen, deshalb habe ich den Fehrbelliner Platz wieder verlassen ohne eingekauft zu haben. Aber es ist von dort ja nicht so weit zum 17. Juni. Wo der auch von Touristen gut frequentierte Trödelmarkt ist auf dem ich meine Wohnzimmerlampe gekauft habe. Die Händler dort haben mMn etwas hochwertigere Waren und der Markt ist auch deutlich größer. Es lohnt sich beide abzugrasen, dann sollte man aber mit dem Fehrbelliner Platz anfangen und gut Zeit einplanen um zwischenzeitlich auch mal was zu essen. Nur so als Veranstaltungstipp für Berlinbesucher.

Der 17. Juni war super heute. Gleich zu Anfang begegnete mir eine wunderschöne Tischlampe die perfekt ins Wohnzimmer gepasst hätte, nur habe ich gar keinen Tisch dafür. Vielleicht für die Kommode? Erstmal weitergegangen. Die Russin der ich meine Deckenlampe abgekauft hatte bot wieder tolle Art Déco Lampen an, ein anderer hatte ganz kleine Kronleuchter bei denen ich auch fast schwach geworden wäre. Sind ja schließlich zwei Anschlüsse an der Wohnzimmerdecke. Als ich es an einem anderen Stand dann erneut glitzern sah, erinnerte ich mich wieder daran, dass ich ja unbedingt noch einzelne Lüsterkristalle kaufen wollte um sie ins Schlafzimmerfenster zu hängen. Im Wohnzimmer habe ich bereits welche und wenn die Sonne da draufscheint werfen sie hundert Regenbogen-Lichtpunkte ins Zimmer.

Diese Auswahl habe ich heute mitgenommen, für acht Euro. Besonders fasziniert mich der blaue Kristall. In der Art gab es noch violette und orangefarbene. Total schade, dass wir nie erfahren werden an was für einer extravaganten Lampe die mal dran waren.

Ich hab wirklich viel angeschaut, auch viel Schmuck. Ich habe auch bei den Händlern rumgestöbert die „nur“ die üblichen Silberringe mit Steinen oder ohne hatten. Ich trage auch auf Arbeit gerne Ringe und werd da so bald nicht zu viele haben. An einem Stand blieb ich hängen weil mir ein Ring mit Sichelmond und Stern so gut gefiel. „Kosten alle fünf Euro, ist Silber“, sagte der Händler. Für fünf Euro kann man ja nicht viel falsch machen, dachte ich mir. Wir quatschten noch ein bisschen und ich suchte mir drei Ringe aus. „Machen wir zehn Euro, ich wollte dir eh einen Ring schenken“, meinte der Händler als ich bezahlen wollte. Das war total niedlich und rührend.

Ich hab zwei schwarze Steine ausgesucht weil ich auf Arbeit oft Plugs und Ohrstecker mit solchen Steinen trag und dann passt es zusammen und das mag ich total. Der Mondring ist ein bisschen zu groß, passt nur auf den Zeigefinger, aber ich finde ihn so toll. Hab neulich auch schon Ohrstecker mit Mondsicheln gekauft. Den kleinen Ring hab ich bewußt so ausgesucht, dass er auf ein oberes Fingerglied passt. Midi-Ringe finde ich momentan total super.

Total glücklich aber auch zunehmend hungrig klapperte ich noch die zweite Hälfte vom Markt ab. Bekam eine Nachricht von einer Kollegin, dass sich der ganze Stress den wir diese Woche auf Arbeit hatten nun zum Guten geklärt hat. Alles schön. Was mache ich heute eigentlich zu Essen? Ich schrieb schonmal eine mentale Einkaufsliste und war eigentlich bereits dabei den Markt wieder zu verlassen. Aber ich hatte eben einen so reinrassigen Jugendstil-Bilderrahmen in der Hand gehabt… ich frag wenigstens was der kosten soll. Der Händler war grad nicht da, sein Kumpel mit der Ware etwas überfordert. „Zehn Euro?“, schlug er vor. Dann kam der Chef zurück und meckerte. Mein Türkisch ist sehr begrenzt, aber offensichtlich hatte der Kumpel ihm grade den Preis ruiniert. „Nee, also zwanzig muss ich auf jeden Fall dafür haben! Das ist alt!“ Ich wendete ein, dass weder Glas noch Rückwand dran wären. „Aber das ist Holz! Nagut, fünfzehn.“ Für fünfzehn war der Rahmen dann meins.

Ich denke der bleibt im Wohnzimmer. Eventuell habe ich noch genug Plexiglas im Keller um das Glas zu ersetzen. Was ich da rahmen will weiß ich noch nicht. Ist aber das kleinste Problem.

Auf dem 17. Juni habe ich neben den weiter verbreiteten Möbelgriffen aus Porzellan auch welche aus Messing gesehen, sogar mit Art Déco Mustern. Damit könnte ich die Griffe meiner in der Richardstraße favorisierten Kommode austauschen, wenn ich sie denn kaufen sollte. Die war ziemlich abgerockt, ein Griff fehlte, die Zierelemente auf der entsprechenden Tür ebenfalls. Dafür sollte sie fast nix kosten und ich weiß, wie viel Spaß ich am Aufarbeiten hätte. Wenn das Teil eh nicht mehr so edel ist kann ich da auch viel entspannter irgendwas mutiges mit machen. Hm. Ich glaube in dem Tetris-Vorschaufeld habe ich grade das lange Element gesehen.

Ist das Corpsepaint oder hast du nur schlecht geschlafen?

21. Januar 2014 (19:13 h) – Tags: ,

Musik: Iron Maiden - The Prisoner 

Schon vor einiger Zeit hatte ich die Idee, eine Corpsepaint-Party zu feiern. Also eine Veranstaltung zu der jeder mit Corpsepaint (Was ist das?) erscheint. Meine Freunde muss man zu Blödsinn ja nicht lange überreden.

Tatsächlich stattgefunden hat das ganze dann am letzten Wochenende. Natron und Red waren in der großen Stadt, wir hatten zusammen ein paar Vorbereitungen getroffen, das Theatermakeup im Netz bestellt und Samstagabend wurde es schließlich ernst.

Sowas malt man ja auch nicht alle Tage. Grade das feine Gefrickel bei manchen Bemalungen hat etwas gedauert, aber wir haben sooo gut ausgesehen. Manche hatten sich schon vor Ewigkeiten für ihren Look entschieden („Ich bin Turisas! Keiner ist Turisas!“), bei anderen war es eher spontan. Dass wir die meisten Sachen vor Ort gemalt haben und keiner so mit der S-Bahn gefahren ist, verzeihe ich ihnen.

Voll lustig war es, eine ganz normale Party zu feiern, bei der aber alle anderen seltsam aussehen. Ach Moment, ich bin ja auch angemalt. Mimik war dann gar nicht mehr so einfach einzuschätzen. „Lächel halt mal!“ -„Ich lächel doch!“

Und um die epische Schönheit der Corpsepaints auch angemessen zu würdigen habe ich ein paar Mugshots gemacht. Die sind wirklich klasse geworden.

Wie man sieht war die Sache auch nicht total blackmetal-bierernst. Die „I Don’t Care“-Bear Variante (unten links) fand ich zB mit eine der besten. Ich bin ja versucht, die Schminke auch mit auf die Sommerfestivals zu nehmen. Immerhin würde man darunter keinen Sonnenbrand bekommen.

Erstmal sollte ich aber Mathias Nygård von Turisas drauf hinweisen, dass ihm so ein Nasenring wie meiner auch echt gut stehen würde und dann habe ich auch noch ernsthafte Konkurrenz für Immortal zusammengephotoshopt.

Songs of fire on ice

8. Januar 2014 (19:29 h) – Tags: , ,

Musik: Ex Deo - In Her Dark Embrace 

Wie schon erzählt hatte ich mir ja Schlittschuhe gekauft. Als Winter-Skates, weil es auf dem Tempelhofer Flugfeld momentan etwas zu ungemütlich zum Inlineskaten ist. Ich habe als Kind das letzte Mal Runden auf einer Eisbahn gedreht, aber wie viel anders als Skaten kann es sein? Dachte ich mir und verabredete mich mit DrowningOphelia zum Eislaufen in Wilmersdorf. Durch die halbe Stadt, aber die Eisbahn dort ist wirklich groß und nicht teuer. Außerdem hat sie bis spätabends auf und berieselt das Schlittschuhpublikum mit Musike. Kurzzeitig vermutete ich eine Playlist von Songs mit Feuer-Thematik, die These erwies sich aber als nicht haltbar. Blogtitel hat sie trotzdem hergegeben.

Nachdem Ophelias Schlittschuhe neu geschliffen waren mussten wir also raus, aufs Glatte. Wie schon beim Wiedereinstieg ins Rollschuhlaufen dachte ich mir: „Nicht lange Rumhampeln, Fuss aufs Eis und los!“ Und das hat auch prima funktioniert. Keiner von uns ist hingefallen und wir konnten sogar bremsen bzw ausweichen als plötzlich das Eisverbesserungsfahrzeug vor uns auf die Fläche fuhr. Nach der ersten Runde wurden wir immer besser und irgendwann werde ich auch nicht mehr so viel mit den Armen rudern sondern völlig elegant und gelassen übers Eis gleiten. Irgendwann.

Auf der Innenfläche, also im Zentrum des 400-Meter-Rings den wir fuhren, übten Mädchen Eiskunstlauf. Aww! Eisballett! Sah total schön aus und als es später auch einen Kurs mit ganz normalen Menschen gab, beschloss ich auch mal solche beeindruckenden Figuren zu lernen. Wenn ich irgendwann zu gut normal Schlittschuhlaufen kann.

Nach einigen Kilometern Eislauf gab es dann zur Belohnung Glühwein. Insgesamt hatten wir also einen tollen Abend und ich bin schon ganz scharf drauf wieder Schlittschuhlaufen zu gehen.

Und sonst noch? Hatte zwei Tage frei und hab meine Fenster geputzt (damit der Regen heute wieder eine saubere Scheibe vorfindet), aufgeräumt und das erste DIY-Projekt des Jahres durchgezogen.

Das ist so. Mein Badezimmer ist relativ klein. Nicht winzig, es hat eine Badewanne, aber einen Schrank kriege ich da nicht unter. Das kollidiert ein wenig mit der Tatsache, dass ich ständig Parfum und Kosmetik nach Hause bringe. Und wohin dann damit? Der Waschbeckenunterschrank ist megamäßig vollgestopft, die schönen Parfumflaschen wollte ich aber gerne sichtbar hinstellen. Also musste ich ein Regal bauen.

Das Parfumregal setzt sich zusammen aus wiederverwertetem Holz (den alten Fußleisten aus dem Haus meiner Mutter) und wiederverwerteter Weihnachtsdeko (Vitrinenrückwände von Arbeit). Letztere *musste* ich vor dem Müllcontainer retten, denn sie glitzern.

Ich mag den Kontrast zwischen dem eher rustikalen Charme der Holzleisten / Beschläge und der Glitzerrückwand. Vor dem türkisfarbenen Flitter sehen die Parfumflaschen auch ganz toll aus.

Weil ich nicht zwischen die Fliesen bohren wollte habe ich das Regal an zwei weißen Ketten aufgehängt. Über der Toilette nimmt es keinen Platz weg und ich kann jetzt das Fenster zum Lüften auch wieder ganz aufmachen ohne erstmal alle Düfte wegräumen zu müssen.

Und da… es glitzert durch die Flakons durch. Hach! Von dem Recyclingcharakter des Projekts mal abgesehen mag ich es auch einfach für sein mädchenhaftes Gefunkel und das schöne Präsentieren von schönen Dingen. Mal gucken was ich ganz oben noch reinstelle.

Baden, Freitag, Samstag

18. November 2013 (18:26 h) – Tags: ,

Musik: Metallica - That Was Just Your Life | Stimmung: Und Urlaub hat noch nichtmal angefangen!

Meine in diesem Jahr ungewöhnlich lange und abwechslungsreiche Festivalsaison 2013 würde ich dann wohl für beendet erklären. Nach Beastival und Metalcamp waren wir noch beim ganz neuen Metal Hammer Paradise. Mitte November? Ja. Das Festival fand in der Ferienanlage Weissenhäuser Strand an der Ostsee statt. Mit Ferienwohnung statt Zelt. Ungewohnt viel Zivilisation an die man sich tatsächlich erstmal gewöhnen musste. Aber gegen Kühlschrank, eigene Dusche und ein komplett dixiefreies Wochenende war dann doch nicht viel zu sagen.

Wir reisten schon Donnerstag an, um einen Abend zum Eingrooven zu haben bevor die Konzerte losgingen. Die Fahrt zu fünft in einem kleinen Auto war zwar recht grenzwertig, aber egal. Die Hamburger waren mal wieder als erste da und hatten unsere Wohnungen schon bezogen, Eiswürfel vorbereitet und statt Schokolade lag eine Running Order auf dem Kopfkissen.

Wir gingen einkaufen, das Gelände auschecken und kehrten beim Italiener ein. Auch die Ostsee direkt hinter dem Ferienpark musste besucht werden. Den restlichen Abend verbrachten wir dann mit hemmungslosem Blödsinn im Wohnzimmer.

Wir hatten Musik dabei, fürs Feeling auch unsere Plastikbecher und natürlich hatte jeder seine Nerf eingepackt. Die Klettpfeile sind, wie man sieht, gut an der Gardine hängen geblieben. Tons of never endling fun.

Hier halte ich mir einen Eiswürfel auf die Nase. Red hatte bei dem Versuch jemand anderem die Nerf zuzuwerfen versagt und mir das Plastikteil ins Gesicht gekloppt. War nicht schlimm, wir haben uns auch gleich wieder vertragen, ich hatte dann nur für die restliche Zeit einen Bluterguss auf dem Nasenrücken. Was uns nicht umbringt macht uns härter, ne?

Freitag früh konnten wir total luxuriös zusammen frühstücken. Tomate mit Büffelmozzarella ist vermutlich nicht metal, aber wenn schon, denn schon. Schlafen in richtigen Betten war auch ein ungewohntes Vergnügen und ließ die meisten von uns fit genug sein um nach dem Frühstück Bändchen zu holen.

Freitag war der eigentliche Anreisetag. Da wir uns damit aber nicht mehr beschäftigen mussten konnten wir schonmal die zweite Attraktion neben den Bands besuchen: Das Badeparadies. Wo es in Tolmin Sommer, Gletscherflüsse und Naturspektakel gibt, punktet der Weissenhäuser Strand mit einer der „größten und schönsten Wasserspiellandschaften Europas“ (eigene Aussage). Und das ist nicht übertrieben.

Ich hatte ein Kinderbecken und eine Rutsche erwartet, aber es gab über ein halbes Dutzend Rutschen, Wildwasserbahn, Grotte, Wasserfall und einen riesigen Eimer, der sich immer wieder füllte und seine hunderte Liter dann in einer gigantischen Wasserkaskade auf einen herunterknallen ließ. Mein Highlight war vermutlich die Reifenrutsche. Während man durch die ewig langen Tunnel rauschte änderten sich immer wieder die Farben und Lichteffekte in der Röhre und am Ende fühlte es sich wie eine Wiedergeburtserfahrung an. Nur leicht dadurch gemildert, dass wir fünf Reifen miteinander verbanden und unter lautem Absingen von „Rebellion“ duch die Röhren schossen. In einer anderen Rutsche waren die Tunnel so angelegt, dass man zwischenzeitlich in komplette Dunkelheit getaucht war und dann in ein Meer von Sternen fiel. Die Wildwasserbahn endete in einer veritablen Grotte mit Einblick ins Piranhabecken und beeindruckendem Lichtwechsel. Wo wir gegeneinander rutschen konnten taten wir es, wenn man irgendwo runtertauchen oder blöd sein konnte probierten wir es aus. Die üblichen Feriengäste mit ihren Kindern machten nur ein Drittel der Besucher aus und ich bin mir nicht sicher ob sie mehr Spaß als die Metaller hatten.

Erschöpft, glücklich und ein bisschen verdooft von so viel Spaßbad („Wenn King Diamond eine Rutsche wäre, wäre er die Reifenrutsche!“) trotteten wir später zurück in unsere Ferienwohnungen.

Natron und ich hatten nämlich noch Zeit und vor allem den Luxus eines Badezimmers um uns für die anstehenden Bands hübsch zu machen.

So hübsch wie es halt geht. Tatsächlich machten wir vor allem blöde Fotos mit Duckface weil wir uns ein bisschen wie Metaltussis vorkamen. Normalerweise sind wir ja auf Festivals nicht geschminkt und die Haare freuen sich schon wenn man sie ab und zu mal bürstet.

Unser erstes Date hatten wir dann mit Unleashed. Mal wieder so eine Band die ich aufgrund ihres Logos ewig lange in die Blackmetal-Ecke gesteckt hatte. Unleashed spielten auf der großen Bühne. Hinter dem Spaßband hatten sie ein riesiges Festivalzelt aufgebaut und darin befand sich die große Bühne. Astreiner Sound wie aber auch auf den beide kleineren Stages. Viel Spaß.

Die kleinere Bühne trug den epischen Namen „Baltic Ballroom“ und befand sich im Hauptgebäude. Eine veritable Disko in der die Temperaturen ganz schnell auf Sauna anstiegen und die aufgrund der niedrigen Decke was von einer gemütlichen Nasenquetsche hatte. Hier sollten Samael groß angekündigt ihr Album „Passage“ spielen. Hatte ich mir extra vorher angehört. Und dann traten Samael auf und tja, denen hatte wohl keiner gesagt, dass sie „Passage“ spielen sollten. Ich fands nicht wirklich tragisch, nicht so ganz meine Richtung und dann mussten wir nach einer halben Stunde sowieso zurück ins Zelt wechseln um Saxon zu sehen. Diese Art von Überschneidungen zog sich durch das ganze Wochenende und war etwas ärgerlich. Saxon waren dafür wie immer Partygarant mit Mitsinggarantie.

Den nächsten Vormittag verbrachten wir natürlich wieder im Spaßband. Spaßbad forever! Tatsächlich ist das Badeparadies neben der Platzierung ausserhalb der eigentlichen Festivalsaison und dem Ü30-freundlichem Komfort der Ferienwohnungen ein großer Faktor bei diesem Festival. Zusammen mit den Bands ein großer Unterhaltungspunkt und ein Grund wieder hinzufahren.

Als wir zurück zur Unterkunft liefen fand ich mich hinter Red und Natron wieder. Und guckte auf ihre Rücken und dachte: „Verdammt, ich brauche auch eine Kutte!“ Ein paar Patches konnte ich auch abends gleich einkaufen, insgesamt war der Shoppingbereich aber viel zu übersichtlich. Das geht besser!

Samstag fingen die Bands schon früher an und wir besuchten erstmal Vader im Baltic Ballroom. Vader spielen in irgendwessen Wohnzimmer!

Dann flitzten wir rüber zur dritten Bühne die in einem kleinen Blockhaus unterkam. Skihüttencharme bei Dust Bolt.

Auch hier war der Sound astrein und Dust Bolt hatte ich bereits bei der Awardshow in Berlin gesehen. Davon abgesehen, dass sie mit ihren perfekten Haaren irgendwie niedlich sind, liebe ich jeden Zwanzigjährigen der anständigen Thrash spielt und nicht diesen unsäglichen Kiddiecore.

Wir kamen nochmal zurück in diese Hütte, die sie „Riff Rondell“ genannt hatten die bei uns aber schnell „Riot Rotunde“ hieß weil sich den eigentlichen Namen mal wieder keiner gemerkt hatte. Nach Dust Bolt spielten Dark Age aus Hamburg. Anständiger Modern Metal zu dem die halbe Band ihre entzückenden Kinder mitgebracht hatte.

Der Abend hatte aber grad erst angefangen und als nächsten Punkt trafen wir alle Freunde im Ballroom um zusammen bei Grave Digger mitzusingen. Auf Digger kann man sich verlassen und wir hatten viel Spaß und am Ende deutlich weniger Stimme.

Mit Natron und Red rannte ich nach Digger wieder ins Zelt zurück um uns das Kontrastprogramm mit Behemoth zu geben. Ich wäre da alleine vermutlich gar nicht hingegangen aber aus Erfahrung weiß ich, dass es selten enttäuscht sich einfach an die beiden ranzuhängen. Und Behemoth waren wirklich der Hammer! Fantastische Bühnenshow, präziser Sound, erfrischend klassische Blackmetal-Texte.

Nachdem sie zwei gestürzte Kreuze abgebrannt und sich auch sonst mit Pyros und Effekten totgeschmissen hatten, schossen Behemoth am Ende eine Riesenladung schwarzen Flitter ins Publikum und ich begann zu verstehen warum es diese bunt glitzernden Shirts von der Band gibt.

Nach Behemoth sahen wir uns Helloween an auf die ich wirklich recht gespannt war. Das aktuelle Album klingt so erfreulich nach den guten alten Helloween die wir Ende der Neunziger gehört haben. Aber irgendwie… Der Funke ist nicht übergesprungen. Sänger Andi Deris wirkte dermaßen verstrahlt, zickte die anderen Musiker an und selbst das willkommene Schlagzeugsolo wirkte deshalb wie eine Zwangspause. Irgendwie nicht. Schade, Helloween.

Natron schleppte uns dann noch schnell zu Orchid wo Red und ich uns schulterzuckend anschauten und von ihr als Banausen betitelt dann bald wieder Richtung Zelt wanderten.

Dort stand der letzte Programmpunkt an: Feiern mit Sabaton. Alle neun Mitreisenden waren anwesend, wir warteten noch etwas länger weil Sabatons Flieger nach Hamburg wohl verspätet war, aber gegen Mitternacht ging es dann los. „We are Sabaton and this is Ghost Division!“ Party on von Null auf Hundert. Dass meine Freunde headbangen, textsicher und mitsingfreudig sind haben sie schon oft bewiesen. Diesmal hatte ein Hamburger Kumpel die Sache aber noch weiter geführt.

Es hat sich zu einer Tradition entwickelt, dass bei Sabaton aus dem Publikum Schokolade, vorzugsweise Kinder-Milchschnitte, auf die Bühne geworfen wird. Ich weiß nicht wann das angefangen hat, ich habe es beim Metalcamp 2012 das erste Mal erlebt. Irgendwer warf was auf die Bühne, Joakim Brodén fing es, guckte drauf und sagte mit seinem hinreißenden schwedischen Akzent: „Kinder? Milk? Schnitte?“ Seit dem hat es bei jedem Konzert so einen Vorfall gegeben und jedes Mal wiesen die Schweden darauf hin, dass es sich um ein Metalkonzert handelt und sie lieber Unterwäsche von weiblichen Fans hätten.

Nun hatte also auch einer von uns einen entsprechenden Vorsatz: „Unsere Milchschnitten werden die Bühnenscheinwerfer verdunkeln. Sabaton werden im Schatten spielen.“ Bewaffnet drängten sich unsere Jungs nach vorne und hagelten ihre Schokis so gut auf die Bühne, dass sogar der Schlagzeuger was fing und es zurück ins Publikum warf. Joakim Brodén nahm das Stöckchen auch prompt auf und kommentierte vor allem den absurd großen BH, den der Kumpel ihm freundlicherweise noch dazu geworfen hatte.

Das Ding hing das restliche Konzert über am Mikrophonständer wo der Sänger es immer wieder abnahm, mal um die Brust und mal auf den Kopf zog. Stolz wie Bolle hatten meine Freunde mal eben die Band und das restliche Publikum unterhalten. Irgendwer der hinter uns stand hat glaube ich sogar ein Video von uns gemacht als wir zusammen gesungen haben. Zu allem Überfluss hatte Joakim Brodén am Ende der Show schon wieder seine Hose zerrissen und es kann wohl mit gutem Gewissen behauptet werden, dass wir unmöglich mehr Spaß bei Sabaton hätten haben können.

Nach dem Konzert zogen sich die Fahrer und ihre Freundinnen Richtung Bett zurück, aber wir anderen waren ja noch viel zu aufgekratzt und dann war da noch die Kneipe in der gestern abend schon so gute Stimmung war… Also weiterfeiern.

Von der Kneipe zogen wir zur offiziellen Aftershow-Party. Metaldisko auf dem klebrigsten Fußboden der Welt mit viel Headbangen und weiterem Blödsinn. Bisher habe ich den letzten Abend immer viel ruhiger angehen lassen weil ja die Heimfahrt schon dräute, aber diesmal ist es irgendwie eskaliert. Und obwohl meine Freunde noch weitergefeiert haben als ich schon längst im Bett lag, rächte sich der lange Abend vor allem bei mir und ließ mich die Heimfahrt etwas weniger erholt antreten als ich gehofft hatte. Aber egal. Für Erholung ist da keiner von uns hingefahren.

Und weil wir Freitag von einer regionalen Journalistin angequatscht wurden, konnten wir am Samstag noch ein Souvenir in Form der Lübecker Nachrichten mitnehmen. Was will man mehr.

Kurzum war es also ein tolles Wochenende. Hammergeiles Spaßbad, viele tolle Bands, unendlich Spaß mit dem Tribe gehabt. Natürlich gab es auch Schattenseiten, zB dass sie uns etwa zweihundert Euro aus dem verschlossenen Hotelzimmer geklaut haben, das meiste davon aus meinem Portemonnaie. Fünfzehn Jahre Zeltplatz und nie kommt was weg und dann wohnt man einmal zivilisiert *sigh*. Aber ich hatte schon vor Ort beschlossen mir davon nicht die Laune verderben zu lassen und das hat auch ganz gut geklappt.

Mit geliehenem Geld hab ich mir dann noch ein Festivalshirt gekauft und als der Chefredakteur von Metal Hammer, den wir bei der Metaldisko getroffen hatten, sagte: „Kommt bitte wieder!“ konnten wir das ohne zu zögern versprechen.