Wie viele Finger hat Yoda?

21. November 2015 (20:09 h) – Tags: , , , ,

Musik: Iced Earth - Dark City 

Neues aus meinem Elfenbeinturm. Zwei Wochen Urlaub sind so gut wie um, aber ich kann nicht klagen. Bin fleißig gewesen und hab viel gemacht. Zum Beispiel das hier:

Weil im Herbst traditionell gestrickt wird und ich mich mit den Socken und fingerlosen Handschuhen schon so gut in Fahrt gebracht hatte gab es gleich noch ein Paar warme Hände. Ich hab mich zuerst in das Garn (schwarz mit meinen geliebten Drachenfarben) verguckt (das Garn ist „Cascara“ von Schoeller + Stahl in Farbe 04), und dann zufällig eine Anleitung für Handschuhe auf dicken Nadeln gefunden (das ist Drops 103-25). Es war zugegeben wirklich seltsam mit 8er (!) Nadeln Handschuhe zu stricken und bei den einzelnen Fingern waren auch kaum noch genug Maschen für ein ganzes Nadelspiel übrig.

Aber diese ulkigen dreifingerigen Fäustlinge haben mich während ihrer Entstehung schon ungemein erheitert. Durch das dick-und-dünner Garn sehen Daumen und Zeigefinger total krumm aus und das ganze hat was von Sumpfmonsterhänden. Vom Unterhaltungsfaktor abgesehen ist der einzelne Zeigefinger aber auch ganz praktisch. Man kann ihn durch den winzigen Henkel von Glühweintassen auf Weihnachtsmärkten stecken. Und einen Stift oder eine Zigarette könnte man auch gut halten.

Vergangenes Wochenende war ich (dank angenehmerer Temperaturen noch ohne Handschuhe) mal wieder auf dem Trödel. Nur kurz, nur auf dem siebzehnten Juni, weil ich was ganz bestimmtes gesucht habe. Ein Händler dort verkauft Buchstaben die mal auf Grabsteinen drauf waren. Ich finde das nicht gruselig, mich faszinieren eher die vielen unterschiedlichen Schriftarten und -stile die dort alle in einer Kiste durcheinanderfliegen. Ich hatte schonmal einen Spruch mit solchen Buchstaben gebaut.

Dieser hier ist mir im Hirn geblieben als ich nach Zitaten für die Bleiglas-Bemalung der Balkontüren gesucht habe. Ein Credo meiner geliebten Ästhetizisten: L’art pour l’art. Kunst die nur für ihren Selbstwert existiert, keinen Dienst am Leben verrichtet, in keiner Wechselwirkung mit ihm steht und in gewisser Weise nichtmal ein Publikum braucht.

Für die Auslassungszeichen habe ich ein kleines „l“ und ein Asterisk verwendet. Mehr Sternchen und auch Kreuze habe ich lose auf dem Hausaltar verteilt.

Die Buchstaben sind mit Heißkleber direkt auf die Tapete geklebt. Ob das irgendwann wieder runtergeht ist mir wie immer momentan egal. Sagt selbst, ist das „P“ nicht zum Verlieben?

Und wo wir grade von den Balkontüren sprachen. Ja, ich habe die Jugendstilbilder auf dem Glas noch ausgemalt. Es fehlen noch die Details auf den vorderen Türen, aber hier schonmal ein kleiner Ausschnitt um zu zeigen wie fantastisch die Bilder in farbig aussehen:

Ansonsten war ich in den vergangenen Wochen sehr viel Laufen. Ohne Zeit zu messen, nur raus und loslaufen. Das ist Therapie für mich. Letzten Sonntag hat es in Strömen geregnet, aber ich habe mich lange nicht mehr so gut gefühlt wie dort im Park, Wasser in den Schuhen, pitschnass und außer Atem.

Der Sturm hat auch einen Baum in die Spree geworfen und etliche Äste abgeknickt. Ein paar kleine davon habe ich neulich aufgesammelt und heimgetragen um was draus zu bauen.

Das Netz habe ich mit dünner Wolle reingewebt. Die „Spinne“ sieht man auf diesen Fotos nicht so gut, es ist eine kleine Facettperle die das Licht zu Regenbogenflecken aufbrechen würde, wenn irgendwann mal wieder die Sonne schiene. Der Behang besteht aus Federn, Perlen, einer Lochmünze und kleinen Steinen die ich von irgendwo mitgebracht habe. Einer ist aus der Elbe in Dresden, meine ich. Aus noch mehr Ästen habe ich noch mehr Kreise gebogen und werde damit noch mehr Traumfänger bauen. Weil es manchmal auch voll Spaß macht ein berliner Hipstergirl zu sein.

Zu guter Letzt noch ein Update was die Stickerei der Zeichnung von Chiara Bautista angeht. Die Haare des Mädchens und die Schrift habe ich fertig, jetzt geht es mit dem vorderen Teil des Wolfes weiter. Rechts flauscht eine Katze ins Bild weil Katzen immer und überall dabei sein müssen.

 

 

 

*Der Titel war mal die einundzwanzigste von „Zwanzig Fragen zu Beowulf“, einem Test den mein damaliger Dozent zu Beginn seines sprachwissenschaflichen Seminars austeilte um abzufragen wer den Primärtext überhaupt gelesen hatte. Besagter Dozent war auch ein großer Filmfan, prägte den Ausspruch „Wenn Sie Pulp Fiction nicht gesehen haben können Sie unmöglich Mediävistik studieren!“ und diskutierte mit uns ein Semester lang über die Tolkien-Verfilmungen. Ein großer Held meiner Unizeiten. Achso, die richtige Antwort war drei. Yoda hat drei Finger, das ist offenbar bei Puppen in denen einer drinsteckt gängig weil man da seine fünf Finger besser aufteilen kann.

 

John Walker His Book

27. Oktober 2015 (18:53 h) – Tags: , , ,

Musik: Slipknot - Wait And Bleed 

Kaum ist es Herbst bin ich krank geworden. Hocke mit Mandelentzündung zu Hause und vertreibe mir die Zeit mit Wohnungsverbesserungsprojekten. Mein Balkon hat -vermutlich noch aus Zeiten in denen er nicht verglast war-  doppelte Holztüren mit Glaseinsätzen. Diese Scheiben wollte ich schon seit geraumer Zeit bemalen. Wie Bleiglas, dachte ich mir. Ich suchte im Internet nach Jugendstilfenstern und der Plan sah machbar aus. Dann nahm ich das Dover Pictorial Archives Buch „Treasury Of Art Nouveau Design & Ornament“ in die Hand. Aus diesem Buch stammt auch meine Tattoovorlage. Und so wie jene Element einer Speisekarte gewesen war, sprangen mir nun die hochformatigen Ex Libris ins Auge. Eins womit ein gewisser un-google-barer John Walker seine Bücher zu markieren pflegte empfand ich als besonders passend und daraus entwickelte ich dann zwei Motive.

Auf beiden sind Insignien des bildenden Künstlers dargestellt, das gefällt mir und ich war so frei noch Strickkunst und Nähhandwerk symbolisch unterzubringen.

Ich zog die Motive im Grafikprogramm auf die richtige Größe auf, teilte sie auf, druckte auf A4 und klebte dann alles im Stil eines Download-Schnittmusters zusammen. Diese Vorlagen konnte ich dann von hinten gegen die (frisch geputzten) Fensterscheiben kleben. Und dann ging es los.

Tagsüber habe ich hinter die Vorlage noch ein dunkles Handtuch gehängt, denn ohne Gegenlicht waren die Linien deutlich besser zu erkennen. Damit meine Hände beim Malen nicht wieder Fett auf dem Glas hinterlassen -worauf die Farbe dann nicht gut haftet- habe ich die rechte Hand mit Tüchern und Pflaster abgeklebt.

Die Linien und Flächen habe ich mit schwarzer Acrylfarbe aufgemalt. Man darf nicht so sehr mit Wasser verdünnen weil es dann nicht mehr gut deckt. Ansonsten malt Acryl sich hervorragend auf Glas. Über das Entfernen kann Zukunfts-Soda sich Gedanken machen finde ich.

Soweit sind beide Motive in ihren schwarzen Linien auf den Scheiben. Ich möchte sie noch farbig ausmalen, wie Bleiglasfenster halt. Wobei ich zugeben muss, dass das ganze auch so schon höchst elegant aussieht. Der Balkon wirkt durch die Jugendstilmotive wie ein Gewächshaus aus dem späten neunzehnten Jahrhundert!

Nichtsdestoweniger, ich habe schon Window Color gekauft. Lieber hätte ich die „Sonnenscheinfarben“ verwendet die es in meiner Kindheit gab, die haben sich leichter vermalen lassen meine ich. Aber die kann man offenbar nicht mehr kaufen. Also Window Color und auf das Beste hoffen.

Wenn es klappt soll es auf der zweiten Türen, die vor diesen -innerhalb der Zimmers- liegen noch ein paar Motive geben. Dann hätte man einen Zwei-Ebenen-Effekt wenn die Türen zu sind. In die leere Fläche zwischen den Säulen könnte noch sowas wie Sonne und Mond und ein Spruch in das Schriftband unten. Irgendwas Düsteres über Kunst und Leben was Stefan George gesagt hat.

October Rust

21. Oktober 2015 (19:47 h) – Tags: , ,

Musik: Neues Maiden-Album mag ich sehr, Trivium leider nicht besonders... 

Es ist definitiv Herbst und damit wieder Zeit sich in seiner Wohnung einzumurmeln. Ich habe mich zuerst sehr schwer getan den Sommer gehen zu lassen, aber jetzt ist die Aussicht auf Lichterketten, Glühwein und Strickprojekte auf einmal gar nicht mehr so schlimm. Was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass ich meine Wohnung noch ein wenig gemütlicher gemacht habe.

Den neulich aufgehübschten Balkon habe ich weiter dekoriert. Mit Grünpflanzen, der zerbrochenen Achatdruse, einem Puppenkopf aus Porzellan und diesem zauberhaften Fotoheftchen was ich neulich in einer Kiste mit Dias gefunden habe: „Das unterirdische Zauberreich der Attendorfer Tropfsteinhöhle“. Offenbar eine uralte Reiseerinnerung meiner Vorfahren.

Seit ich die Sukkulenten öfter wässere wachsen sie wie bescheuert und ich habe wieder was über Zimmerpflanzen gelernt. Auch Wüstenbewohner muss man gießen.

In die Balkontür habe ich die farbigen Laternen gehängt die schon fast überall in meiner Wohnung mal untergekommen waren.

Und dann habe ich im Wohnzimmer weiter gemacht. Weil ich sie ohnehin fast nie benutzt habe, sind Fernseher, XBox und Antenne wieder in ihre Kisten gewandert. Die mcgywer-mäßig an die Wand gefluchte Fernsehhalterung habe ich ebenso trickreich wieder abgebaut, worauf ich ein klein wenig stolz bin. Auch alle anderen Halterungen sind verschwunden, Löcher zugespachtelt, Wandfarbe drübergestrichen.

Ich wollte dann meine ertrödelten Goldrahmen an den Wänden verteilen, aber zu diesem Zwecke sollten wenigstens auch Bilder drin sein. Was im Schlafzimmer die alten Fotos sind sollen hier Kunstwerke meiner Lieblingsmaler werden. Könnte man ja im Copyshop drucken lassen, dachte ich mir. Und dann fiel mir ein, dass ich Jugendstil und Präraffaeliten nicht erst seit gestern schätze und deshalb diverse Kalender unter dem Arbeitstisch horte…

Perfekt! Ein paar Klassiker sind also sofort auf zugeschnittene Amazon-Kartonagen geklebt und in die Rahmen montiert worden.

An die Stelle des Fernsehers ist nun der tschechische Jugendstil gerückt. Sehr viel ästhetischer, wie ich finde.

Die Präraffaeliten, Jaime Lannisters Ringlöwen und ein asiatisches Hängedingens habe ich zwischen Kommode und Hausaltar geworfen und plötzlich beginnt die Wand eine ganz neue Wirkung zu entwickeln.

Ein paar Rahmen habe ich noch, aber spontan keine Bilder dafür. Waterhouse‘ „The Siren“ würde ich gerne noch unterbringen, irgendwas von Klimt oder Franz von Stuck und die russische Taschenikone die ich vor kurzem auf Arbeit gefunden habe.

Zunächst hat aber nur noch der Hausaltar ein kleines Update erhalten und damit ists fürs erste schonmal ganz gemütlich im Wohnzimmer.

Sieben zu eins

14. September 2015 (17:50 h) – Tags: , , , ,

Musik: In der Küche läuft Doom :) 

Es gibt in meinem engeren Freundeskreis eine 7:1-Geste, bei der man an einer Hand fünf Finger hochhält und bei der anderen nur Daumen, Zeigefinger und kleinen Finger. Die Geste stammt aus Tagen der Weltmeisterschaft und besagt so viel wie: „Wenn eine Sache absolut fantastisch läuft, dann kann was anderes ruhig mal schief gehen, das ist nicht so schlimm. Ärgere dich nicht drüber, freu dich lieber über das was da grade toll läuft.“

Die 7:1-Geste beschreibt mein jüngstes Wochenende in Hamburg ganz hinreichend. Hochgefahren war ich vor allem wegen der weiteren Vervollständigung meiner Tätowierung und weil es sich terminlich anbot auch um den großen Mittelaltermarkt in Öjendorf zu besuchen. Und dann renkt sich mein Tätowierer am Abend vor unserem Termin beim Sport die Schulter aus und im Mittelalter regnet es so ausgiebig, dass ich nicht das weiße Elfenkleid anziehen mag. Yeah.

Aber egal. Hab ehrlich gesagt auch keinen Grund mich zu beschweren. War ich am Freitag halt mit Natron endlich mal wieder im Secondhand und ausgiebig Kaffee trinken.

Dieses superkitschige Achtziger-Jahre-Partykleid hatte es mir irgendwie angetan, ich weiß auch nicht warum. Schwarzer Flockdruck mit buntem Glitzer, Ballonrock, gesmokter Rücken und eine riesige Schleife auf dem Schoß. Aber trotzdem… wüsste ich eine Gelegenheit sowas anzuziehen hätte ich es vermutlich gekauft. So blieb es da und ich schleppt nur ein weiteres der unvermeidlichen Grunger-Karohemden ab.

Der Mittelaltermarkt in Öjendorf war am Samstag trotz Regen total schön. Das ist ja ein riesiges Gelände! User getroffen, Malzbier getrunken, Feuershow angesehen und Edelsteine gekauft. Passt schon.

Zuhause in Berlin habe ich in letzter Zeit einen kleinen Aufräumflash bekommen. Ich hatte ja schon erzählt, dass ich angefangen habe den Balkon schön zu machen. Dort lagerten bisher die letzten (leeren!) Umzugskartons, Bierkisten von einer längst vergangenen Party sowie lauter Kram der eigentlich in den Keller gehört. Dazwischen konnte man noch so viel treten, dass Sprühaktionen mit Bleiche durchführbar waren, anders nutzte ich den Raum aber nicht. Was ein Skandal ist!

Nun habe ich also alles rausgeräumt, die verdammten Pfandkisten in den Supermarkt zurückgebracht, die Pappe in den Müll und das Gerümpel in den Keller. Das fühlte sich schonmal super an.

Dann konnte ich das Stück Teppich ausrollen was meine Mutter mir von ihrer Auslegware gerettet hat als sie sich Laminat hat legen lassen. Mit Siouxsies großartiger Hilfe hab ich das zugeschnitten und auf dem Betonboden verklebt. Nun ist der Balkon das einzige Zimmer in dem ich Teppich habe. Die Katzen finden Teppich offenbar total toll und rollen ständig darauf rum, ich bleibe weiterhin ein Fan von Holzböden. Auch wenn ich zugeben muss, dass der Balkon jetzt natürlich viel kuscheliger und der Raum irgendwie wärmer ist.

Der Balkon ist übrigens komplett verglast, mehr wie ein Wintergarten. Nur falls euch das mit dem Teppich grade verstört haben sollte. Langfristig will ich den anders ausbauen, aber fürs erste stehen ein alter Elchledersessel drin, ein Regal aus meinem Kinderzimmer und die Pflanzen die ich weder totgegossen noch in Hamburg vergessen habe. Und dezenter Dekokikki, versteht sich.

Die Laterne ist gestern schon wieder abgeschmiert, da muss ich wohl doch einen Haken in die Decke bohren. Ansonsten aber schon alles sehr hübsch. Und auf einmal gratis ein Zimmer mehr zu haben ist auch nicht verkehrt.

Wo ich grade so auf dem Wohnungskram-Trip war habe ich auch noch schnell den Spiegel im Schlafzimmer aufgehängt. Das gute Stück habe ich neulich einer Kollegin für nen Zehner abgekauft weil Bleiglas und goldfarbener Rahmen immer irgendwo bei mir reinpassen.

Zum Lila Lindwurm

7. Juli 2015 (22:27 h) – Tags: , ,

Musik: Iced Earth - Damien | Stimmung: Einem befreundeten Kater eine Maus abgeluchst und entkommen lassen. Ist das ein lauterer Eingriff in die Natur?

„Wie steht es eigentlich um das Drachentuch?“, fragte Janina neulich in den Kommentaren. Und meine erste Reaktion war eine geprägt von schlechtem Gewissen. Das große Tuch mit dem Drachenmotiv was ich im letzten Jahr auf einem Festival gekauft habe und schon damals färben wollte lag immernoch im Stapel mit dem ganzen Zeug was befummelt werden möchte. Ich mach das noch, irgendwann!

Und dann ließ es mir doch keine Ruhe und am Ende habe ich im Wohnzimmer Möbel gerückt, eine große Malerplane ausgebreitet und das Tuch nun endlich eingefärbt. Das Problem bei der Sache war, dass ich mehrere Farben verwenden wollte, genauer gesagt pink, violett, blau, türkis und grün. Ich hatte schon verschiedene Techniken ausprobiert, was auch zu erfreulichen Kollateralprojekten geführt hat, und war am Ende beim Marabu Fashion Spray hängen geblieben. Nur wollte ich das auf feuchtem Stoff anwenden und dann würde das ganze recht nass werden und liegend trocknen müssen. Es kam mir jetzt zupass, dass es draußen dreißig Grad und mehr waren, also habe ich die Tür zu und die Fenster auf gemacht und das Projekt konnte in Ruhe im Wohnzimmer trocknen.

Katzen sind zwischenzeitlich natürlich trotzdem drübergelatscht, aber da erwartet inzwischen ja auch keiner mehr was anderes von uns.

Das Ergebnis ist tatsächlich weniger batik geworden als ich beabsichtigt hatte. Es sind keine Bereiche weiß geblieben und die Farben gehen fast zu harmonisch ineinander über. Ich hätte da mehr abbinden und rummatschen sollen, aber da ich ja nur einen Versuch hatte war ich vorsichtig und bin auch Nummer sicher gegangen. Außerdem kommt in dem Motiv ja schon ziemlich viel kleinteiliges Gefrickel vor, das hätte auch zu unruhig werden können.

Das fast trockene Tuch habe ich dann im Backofen fertig getrocknet und dabei auch die Farben fixiert. Man kann diese nämlich bügeln oder backen, bei der Tuchgröße fand ich letzteres ganz praktisch. Das fertige Tuch war dann total schön warm und ich hab es mir gleich mal umgewickelt. Und obwohl es auch einen astreinen Strandlook abgäbe ist es an die Wand gekommen. Nicht im Wohnzimmer wie ursprünglich geplant, da war nämlich kein Platz mehr weil irgendwer zwischenzeitlich einen Hausaltar aufgebaut hat.

Ich hab es jetzt im Arbeitszimmer über den Rechner gehängt. Dafür habe ich den Archivquilt abgenommen, mal wechseln ist ganz gut. Der Drache ist ein prima Kumpel im Arbeitszimmer, aber auf einer farbigen Wand käme er noch viel besser rüber, meine ich. Kann also sein, dass er noch mal woanders unterkommt. Hab ihn auch erstmal nur mit Nägeln an die Wand geheftet.

Wäre das also auch erledigt, hat nur etwas mehr als ein Jahr gelegen. Mein Dank geht an Janina, für die unverhoffte Motivation!

Die schwebend unbeschwerten Abgründe und die Gärten

9. April 2015 (18:16 h) – Tags: , ,

Musik: Manowar - The Gods Made Heavy Metal | Stimmung: Weihrauch-Räucherstäbchen machen Atmosphäre wie in einer katholischen Kirche

Übrigens habe ich den Hausaltar inzwischen fertig. Also sagen wir mal „einstweilig fertig“. Ich möchte auf keinen Fall ausschließen, dass ich da noch weiter fummeln und dekorieren werde.

Jetzt ist also das Regalbrett fertig bemalt und ich habe es an die Wand geschraubt. Zu dem Schnörkel und dem Auge habe ich noch mehr Spruch gemalt, und dazwischen ein Heiliges Herz. Es fehlte noch irgendwas kleines und ich entschied über das Herz noch ein paar winzige Sterne zu setzen. Wie viele? Natron bestand auf vier. Aus ballsportlichen Gründen.

Die blaue Glitzerrückwand ist mit dem Styropor-Rahmen zusammengeleimt und die beiden habe ich sorglos an die Tapete geklebt. Es ist möglich, dass ich mich dafür irgendwann verfluchen werde, dann nämlich wenn ich die Rückwand runternehmen will und die Tapete mit abreiße. Aber damit kann sich Zukunfts-Soda beschäftigen wenn es soweit ist.

Man sieht hier, dass ich den Altar schon wieder ziemlich voll gestellt habe. Meinem vage pantheistischen Universumsglauben folgend wollte ich ein paar unterschiedliche sakrale Figuren zusammenstellen. Maria, ein Buddha, gerne auch Bastet oder Ganesha. Dazu Räucherstäbchenhalter und Kerzen. Auf der Suche nach Kerzenhaltern stieß ich dann in einer Kiste auf eine Tüte voller Halbedelsteine und sternförmiger Muscheln, deshalb habe ich noch jede Menge Kleinstkram dazu dekoriert.

Um unter dem Brett die Winkel zu verdecken die es an der Wand halten habe ich ein Glitzerhalstuch an die Brettkante getackert. Aus einem Rest dunkelblauem Samt habe ich unter viel Aufwand eine Art Zaddelstreifen genäht und diesen zusammen mit einer gold-schwarzen Borte über die Tackerklammern genagelt. Nachtblau auf schwarz fällt der Zaddelstreifen jetzt viel zu wenig auf, und ich behalte mir vor da noch mehr Deko ranzuschmeißen. Auch unten, wo ein Zopfgummi das Tuch rafft, könnte noch irgendwas Güldenes dran.

Ich konnte noch zwei Styroporkonsolen aus dem Ärmel zaubern, die habe ich mit Acryl so ähnlich wie den Altarrahmen bemalt. Damit man da auch was draufstellen kann sind an die Wand breite Winkel geschraubt, die wurden mit dunkelblauem Samt bezogen und die Konsolen nur druntergeklebt. Wo die Winkel ein Minimum zu breit waren habe ich sie knallhart in Wandfarbe bemalt, sieht man wirklich kaum.

Rechts steht der Foo-Hund vom Trödel drauf. In den Halter auf seinem Rücken passen nur sehr kleine Kerzen, so wie für Weihnachtsbäume oder -pyramiden. Und um diese zu besorgen ist definitiv die falsche Jahreszeit, aber ich hatte noch Christbaumkugeln. Matt dunkelblau mit glitzernden Sternen, die stammen aus der gleichen Deko-Kampagne wie die Rückwände vom Hausaltar. Eine habe ich mit goldfarbenen Sternen bemalt und kopfüber in den Kerzenhalter gesetzt. So trägt der Wächterlöwe jetzt das All auf dem Rücken. Das war mehr eine spontane Idee ohne bedeutungsschwere Hintergedanken, aber inzwischen finde ich die Vorstellung einer solchen Kreatur die alles trägt und beschützt total poetisch.

Links steht eine Buddhafigur die ich mal irgendwo geschenkt bekommen habe. Sie sitzt auf einem Kästchen in dem profanerweise nur ein Katzenspielzeug drin ist. Weiß ja keiner. Um die Proportionen zum Universums-Wächter auszugleichen habe ich hinter die Figur einen kleinen Messingteller an die Wand geklebt, nur mit Haftgummis um den Teller nicht zu beschädigen. Der stammt nämlich aus dem Nachlass meines Großonkels welcher ihn aus Persien mitgebracht hat.

Ich bin mit dem Hausaltar sehr zufrieden. Abends werfen die Kristalle im Wohnzimmerfenster dort regenbogenfarbene Lichtsprenkel drauf und alles glitzert und leuchtet. Als nächstes könnte ich jetzt die nicht ganz wenigen goldfarbenen Bilderrahmen und Dekodinge von der Ablage hinter dem Sofa nehmen und um den Altar herum an der Wand positionieren. Aber damit tue ich mich noch etwas schwer. Und so ist es ja auch schon ziemlich schön.

Die Kollegen vom Hausaltar

15. März 2015 (16:41 h) – Tags: , , ,

Musik: Machine Head - Game Over 

Ein sehr gutes Wochenende sieht so aus: Freitag Besuch von Natron bekommen, mit ihr Laufen gegangen, dann auf den Türkenmarkt, später zusammen gekocht und die halbe Nacht Musik gehört, Räucherstäbchen abgebrannt und über Gott und die Welt geredet. Am nächsten Tag zusammen auf den Trödel gegangen und Schätze gefunden, nochmal gut gegessen und abends dann mal wieder wenigstens eine Kleinigkeit genäht.

Auf dem Türkenmarkt habe ich endlich schwarzen Polyesterjersey bekommen. Ich will daraus Sportklamotten nähen, und es war gar nicht einfach den Stoff aufzutreiben. Überall nur Baumwolle! Ich meine, nichts gegen Naturfaser, aber beim Sport ist Kunstfaser angenehmer weil sie so schnell wieder trocknet.

Der Trödel auf dem Fehrbelliner Platz war witterungsbedingt extrem zusammengeschrumpft, und ich habe die Händler auch wirklich nicht darum beneidet bei Wind und Niesel an den Ständen rumzufrieren.

Diese gar nicht sehr große Figur war mein erster Fund. Eine Art Wächterlöwe mit Kerzenhalter auf dem Rücken. Passt super ins panasiatische Wohnzimmer und ist erstmal auf dem Couchtisch eingezogen.

Für insgesamt zwanzig Euro habe ich noch diese drei Bilderrahmen mitgenommen. Den mittleren habe ich erstmal wieder zusammengetackert, der fiel fast auseinander. Wenn ich irgendwann ein Acrylglas für die Pool-Nymphen zuschneiden lasse dann kann ich auch diesen Rahmen hier Gläser spendieren, dann sind sie wieder topfit. Alternativ hätte ich, seit ich neulich ein wenig mit Acrylfarben gemalt habe, wieder Lust mehr zu malen, vielleicht auch mit Öl dann braucht es gar kein Glas drüber.

Auf jeden Fall möchte ich aber noch versuchen den hinteren Rahmen mit den jugendstilartigen Blumenmuster abzulackieren. Da hat nämlich irgendwann so ein Flachkräcker den Rahmen mit Goldfarbe übergemalt. Und damit Blattgold und Charme ruiniert. Macht das nicht, Leute! Ich will versuchen die Goldfarbe mit Chemikalie abzulösen, wie das am besten geht muss ich noch erforschen.

Und weil ich dann so drin war im Wohnzimmer rumzudekorieren und Natron mir auch ein ganz wunderschönes Patchworkdeckchen mitgebracht hat, fand ich es könnte noch viel mehr so Deckchen geben. Zum Beispiel für die Ecke auf der Fensterbank. Dort steht die Lavalampe die ich neulich aus dem Keller geholt habe. Als die Dinger in den Neunzigern nochmal modern waren habe ich mir diese gekauft und bin immernoch ein großer Fan von dem beruhigenden Geblubber und den tollen Farben. Für meine alte Lampe habe ich allerdings erstmal eine Austauschflasche gekauft. Die Flüssigkeit bleicht mit der Zeit und auch das Wachs wird immer zäher, deshalb verkauft der Hersteller Ersatzflaschen und so habe ich jetzt wieder eine nagelneue Lampe, quasi.

Die Lampe ist violett mit orangefarbener Lava, und auch die restliche Deko dazu hat violett und gold drin, also habe ich das Deckchen ebenfalls in den Farben gestaltet. Den Acetatsamt hatte ich noch da, ebenso die Pailletten und Satinbänder, den Rest hat Freitag der Markt spendiert. Daraus habe ich Samstag Abend fix ein Deckchen mit viel Borte genäht.

Jetzt haben Lavalampe und Buddhafigur einen kleinen Teppich auf dem sie sitzen und der die ganze Ecke schön zusammenhält. Farblich total passend ist die zerbrochene Achatdruse die ich umso mehr liebe weil sie kaputt wie ein gebrochenes steinernes Herz wirkt und damit ein Übermaß an Poesie auf die Fensterbank bringt.

God is an illusion

22. Februar 2015 (19:54 h) – Tags: , , ,

Musik: Machine Head - None But My Own 

Vor einer Woche ging der verdammte Reißverschluss an meiner Winterjacke kaputt! Ich mag die Jacke wirklich sehr, aber nachdem ich schon beide Taschenbeutel repariert und das Ärmelfutter eingekürzt habe ist das hier etwas zu viel Audience Participation. Ich habe weniger als keine Lust den Zipper da rauszufummeln, einen neuen (der auch erstmal fast zehn Euro gekostet hat) reinzutüddeln und das ganze dann wieder zuzunähen. Die Jacke hat noch einen Übertritt mit so Industriehaken, damit kann man sie auch erstmal zumachen. Und genau das werde ich auch die ganze nächste Woche noch tun, denn an diesem Wochenende habe ich den Reißverschluss nicht ausgetauscht.

Ich habe Sport gemacht, eingekauft und gekocht und die restliche Zeit in ungesunder Körperhaltung am Boden oder Arbeitstisch gehockt und Acrylfarbdämpfe eingeatmet. Es ging weiter mit dem Projekt „Hausaltar“.

Erstmal habe ich die Rückwand fertig gemacht. In die Mondstrahlen kamen noch angejugendstilte Ornamente und ein paar dekorative Symbole habe ich auch noch rausgesucht. Chakren, nichts womit man aus Versehen den Teufel heraufbeschwört.

Den Styroporrahmen habe ich dann auch zusammengesetzt, mit der Heißklebepistole. In Tradition des Seerosen-Rahmens wurde er erstmal schwarz grundiert. Nachdem das über Nacht getrocknet war habe ich heute mit abgedunkelter Goldfarbe drübergewischt und ein paar Highlights mit der glitzerigen Schablonierfarbe gesetzt die mir eine Kollegin neulich mitgebracht hat (<- hab mir in der Firma schon den Ruf des Bastlers erarbeitet).

Und dann kamen wir also unweigerlich zu dem Regalbrett was die Abstellfläche des Hausaltars sein soll. So richtig wusste ich nicht was ich damit machen wollte. Nur schwarz-gold mit Strahlen konnte es nicht bleiben. Ich hab also die goldenen Bereiche wieder schwarz übergemalt. Weil die Goldfarbe aber damals nur schwer gedeckt hat und ich drei Schichten auftragen musste sieht man die Strahlen noch immer als Relief. Ich *hätte* das anschleifen können, aber ganz ehrlich, dafür war ich schlicht zu faul heute.

Als schwarz getrocknet war habe ich dunkelbraun drüber gemalt und beim Pinseln spontan versucht eine Art Holzmaserung hinzufaken. Und das ist viel besser geworden als ich erwartet hätte!

Hier sieht man das mit dem Strahlenrelief ganz gut. Mich stört es nicht wirklich, ich finde die Geschichte hinter den Dingen muss man nicht immer unsichtbar machen.

Es liegt auch schon bereit die Karte „Stäbe drei“ aus dem Tarot Mucha was ich neulich als Jugendstil-Referenz-Datenbank gekauft habe. Den oberen Teil der Umrandung habe ich ausgewählt um ihn als Schnörkel aufs Brett zu bringen.

Den Schnörkel habe ich freihand nachgemalt, dafür ist er okay geworden. Die Goldfarbe habe ich hier mit gelbem Ocker gemischt damit sie gleich beim ersten Mal deckt. Das hat geklappt.

Beim Schnörkelmalen hatte ich viel Zeit über die restliche Gestaltung des Brettes nachzudenken. Weil mir das mit dem Auge beim ursprünglichen Design gefallen hat, entschied ich wieder ein Auge unterzubringen, am besten in den leeren Bereich in der Mitte wo beim Tarot die Zahl steht.

Und das ging dann ein bisschen mit mir durch. Zwischen „stilisiert“ und „total ausgearbeitet“ habe ich keine Abstufungen gefunden, deshalb ist es halt letzteres geworden. Hat Spaß gemacht und war eine gute Übung mit Acrylfarbe.

Nun will ich noch den unteren Bereich des Brettes füllen. Aber da weiß ich noch nicht so genau. Ich hätte noch einen Spruch, der aus der gleichen Vorlage wie der auf dem Mondbanner stammt und deshalb genauso nach Songtiteln von Kataklysm und Blind Guardian klingt (tatsächlich hat Vader einen Song namens „The Eye Of The Abyss“, wie ich zufällig ergoogelt habe). Aber ob ich nochmal ein Schriftband mache…?

Vielleicht schreibe ich es auch einfach nur aufs Holz. Oder ich finde noch ein paar dekorative Symbole und mache was mit Farbe.

Das Universum an der Wohnzimmerwand

12. Februar 2015 (09:43 h) – Tags: , , ,

Musik: Trivium - No Hope For The Human Race 

Habe fast drei Wochen nichts gebloggt, das ist sogar mir aufgefallen. Ich könnte jetzt Ausreden ins Feld führen. Zum Beispiel dieses unglaubliche neue Album was Blind Guardian da veröffentlicht haben und was ich, in einem Ansatz seine epische Tragweite zu verstehen, rauf und runter höre. Oder die Katzen die immer geflauscht werden müssen. Aber es reicht auch einfach zu sagen: Hab halt nichts zu erzählen gehabt. So.

Wir haben Zeit auf dem Sofa verbracht, die Flauschfraktion und ich. Haben Alien geguckt und Live-DVDs von Bands. Ich habe gestrickt und mit dem Klapprechner das Internet durchkämmt. Und irgendwann hatte ich halt wieder Bock was selber zu machen. Und Glück, dass sich im Wohnzimmer immer noch irgendein unfertiges Projekt findet. Ich habe also Projekt Hausaltar in Angriff genommen.

Jetzt nehmt das „Altar“ in Hausaltar bitte nicht zu wörtlich. Ich verstehe das im besten Sinne als einen Platz wo ich meinen spiritistischen Dekokram hinstellen kann. Das Universum weiß dann schon was ich meine.

Der Hausaltar soll im Prinzip aus einem geschwungenen Regalbrett und einem bilderartigen Hintergrund für die Sachen auf dem Brett bestehen. Wie genau dieser Hintergrund aussehen soll war mir lange Zeit unklar, erst Ende letzten Jahres hatte ich eine gute Idee, die ich jetzt auch so umsetze. Das Regalbrett war schon länger fertig, das hatte ich bemalt. Und werd es jetzt nochmal komplett umgestalten weil es nicht mehr zu dem neuen Hintergrund passt.

Erstmal habe ich aber diesen Arbeitstisch aufgeräumt. Downloads würden da keinen Platz wegnehmen, aber ich kaufe immernoch viel lieber CDs. Wegen der Artworks und Booklets und der Hintergrundgeschichten zu den Konzeptalben. Blöderweise ist im Bücherregal kaum mehr Platz für die vielen CDs und so liegen sie ewig vor der Anlage rum. Um das Problem muss ich mich ein andermal kümmern.

Hier sehen wir links das Regalbrett wie ich es ursprünglich bemalt habe. Dann sehen wir den Hintergrund, den habe ich aus drei kleineren Teilen zusammengesetzt und in Form geschnitten. Ich verwende hier wieder mit Glitzerpapier kaschiertes Plastik. Wie auch beim Parfumregal, und es sind wieder Vitrinenrückwände die auf Arbeit abgefallen sind. Rechts liegen zugeschnittene Stuckleisten aus Styropor, die werden den Rahmen für das Glitzerzeug bilden.

Das ist soweit schonmal ein Plan. Aber hatte jemand erwartet, dass ich mich mit dunkelblauem Glitter als Rückwand zufriedengebe? Nur weil es dunkelblau ist und glitzert? Es gab, bevor diese Platten auftauchten, die Idee den Hintergrund zu malen, so mit Universum und Mond und Chichi. Und wenigstens etwas davon wollte ich hier hinüberretten. Ich probierte also aus, ob und wie sich das Glitzer mit Acrylfarbe bemalen lässt und war total begeistert von den Möglichkeiten. Wenn man grundiert kann man die Farben darauf ganz normal verwenden, wenn man sie runterverdünnt kann man auch direkt auf dem Glitzer transparent und aquarellartig malen. Also was will man mehr.

Ich konstruierte den Mond, schnitt eine Vorlage aus Papier und übertrug ihn. Dann fing ich glücklich an die Bereiche schwarz und weiß zu grundieren und später Schatten und Krater aufzumalen. Super.

Und dann dämmerte es mir. Der Mond sieht so zwar schön rund aus, aber ist mein schattierter Bereich nicht genau da wo das Licht herkommt? Ach, fuck! Also wieder übergemalt. Den schwarzen Bereich einen Ticken mehr blau gemacht und den hellen weniger schattiert, nur so allgemein ein paar Unebenheiten angedeutet.

Zwischenzeitlich habe ich in einem Hermetik-Buch noch einen guten, alles-und-nichtssagenden Spruch gefunden und für diesen ein Spruchband über den Mond gezeichnet. Und dann Strahlen nach unten, weshalb die Strahlen auf dem Regalbrett weg müssen.

Das ist der momentane Stand, das ist noch nicht fertig. Mit den Strahlen habe ich noch was vor und den Styroporstuck will ich auch noch anmalen und dann wie gesagt das Brett neu machen. Da soll auch noch etwas Deko dran um die Winkel drunter zu verdecken und erst dann kann der ganze Kram an die Wand. Fühlt sich schon gut an wieder ein etwas größeres Projekt zu machen.

Bloodstone & Diamonds

17. August 2014 (18:28 h) – Tags: , ,

Musik: Behemoth - At The Left Hand Ov God 

Wie heißt es so schön: Pech mit Bands, Glück beim Trödel. Und das Trödelglück war mir heute richtig hold! Weil ich keine Aftershowparty in den Knochen zu stecken hatte konnte ich beizeiten aufstehen und mich in Richtung Fehrbelliner Platz aufmachen. Sonntag ist Trödeltag.

Wie immer guckte ich nach Bildern, Dekofiguren, Fotos und allem was Jugendstil ist. Letzteres fand sich als Kehrblech, als Klavierleuchter und als Kragenschachtel (wohl zur Aufbewahrung des Vatermörders). Ein Stand verkaufte alles für fünf Euro und für den Preis könnte ich ein kleines, ovales Bild mit schnörkeligem Messingrahmen schonmal mitnehmen. Den gleichen Rahmen, nur etwas größer und ohne Bild oder Glas bekam ich später von einem anderen Händler geschenkt.

Hier habe ich das total beliebige italienische Landschaftsbild schon entfernt. In ovale Rahmen gehören nämlich was? Genau, Portraits. Der kleine Rahmen ist etwa 14 cm hoch, der andere etwa 17 cm. Für den größeren hätte ich noch Plexiglas da, wenn ich das oval zugesägt bekomme (Laubsäge?) dann setze ich da ein Glas rein. Sonst halt nicht.

An einem anderen Stand kaufte ich silberne Ohrstecker mit Aventurin weil ich noch ein paar grüne Stecker gebrauchen konnte. Und Halbedelsteine haben es mir irgendwie angetan in letzter Zeit. Ich nahm noch einen Ring mit und genau genommen gabs den für lau als der Händler den Gesamtpreis nochmal „für Schüler und Studenten“ augenzwinkernd reduzierte. Der Ring ist aus Blutstein (Hämatit). Neulich habe ich nämlich gelernt, dass der metallisch glänzende Stein beim Schleifen roten Staub abgibt der das Schleifwasser dann wie Blut erscheinen lässt, daher sein Name. Tatsächlich ist sogar die rote Farbe des Planeten Mars auf das Mineral Hämatit zurückzuführen. Krasser Scheiß, also wollte ich gerne was aus Blutstein haben.

Der beste Fund des Tages aber ist das fast 40 cm große Bild was ich bei einem Händler gefunden habe der sonst auch Taschenbücher und Porzellanfiguren hatte. Auf den Rahmen klebte der Preis, 34 Euro. Als ich das Stück in die Hand nahm, sagte der Händler gleich: „Das können Sie für 25 Euro haben. Hab heute schon gut verkauft.“ Der Rahmen ist aus Holz, die Ornamente sind in Gips draufgesetzt. Das Bild selber ist auf Porzellan gedruckt. „Ein Druck, aber ist ein altes Bild. Aus dem Museum.“ Ich wollte trotzdem noch drüber nachdenken und setzte erstmal meine Runde über den Markt fort.

Natürlich konnte ich das Stück aber nicht da lassen. Als ich zurückkehrte sprach der Händler grad mit einem anderen Kunden, also sah ich mich um und entdeckte den größeren ovalen Messingrahmen. Den hielt ich in der Hand als ich an der Reihe war und bekundete das Bild kaufen zu wollen. „Also 25 Euro, und den gebe ich ihnen so dazu“, sprach der Verkäufer und erzählte mir dann, dass zwischenzeitlich ein anderer Interessent für das Bild da gewesen wäre. Da hatte ich grad noch Glück gehabt, sonst wäre mein Prachtstück schon bald mit dem Zug nach Kiew unterwegs gewesen.

Zuhause recherchierte ich das Motiv auf der Porzellanplatte. Ein Hoch auf Googles invertierte Bildersuche! Wir haben es mit dem französischen Maler William Adolphe Bouguereau zu tun. Das Bild „Le crépuscule“ (Die Abenddämmerung) ist 1882 entstanden und reiht sich mit Morgendämmerung, Tag und Nacht in eine Vierergruppe. Ich mag seine zarte Anmut und das schon den Jugendstil erahnen lassende Stoffgeflatter. Zwar ist der Rahmen dazu fast zu wuchtig, aber grade durch seine massige Form wird das ganze zu einem mächtigen Prunkstück was sich an der jadegrünen Wohnzimmerwand fantastisch machen wird.