Okkulter Landhausstil

16. August 2014 (15:57 h) – Tags: , , ,

Musik: last.fm Mixradio mit Videos. Nice. 

Es ist Samstag. In Hamburg spielen heute Machine Head beim Elb Riot. Ich liebe Machine Head, ich habe ein freies Wochenende und ich hatte auch eine Karte. Warum hocke ich trotzdem in Berlin vorm Rechner und blogge? Weil Katzen.

Toyah, die ja ohnehin öfter mal krank ist, ein Herzproblem und Futterunverträglichkeiten besitzt, hat eine Bindehautentzündung. Diese Montagskatze! Und weil ich niemanden verpflichten kann/will dem Tier drei Mal am Tag eine Salbe ins Auge zu schmieren, habe ich schweren Herzens entschieden heute nicht Robb Flynn anzuhimmeln sondern mein genervtes Haustier unterm Bett vorzuziehen und zu verarzten. Das tat schon ein wenig weh. Aber Familienmitglieder gehen immer vor Rockstars.

Um das Beste aus dem Wochenende zu machen habe ich mir ein paar Projekte vorgenommen und ein paar alte Filme auf DVD rausgesucht. Das erste Projekt betrifft mein Wohnzimmer. Seit die Wände dort immer weiter Gestalt annehmen wird zunehmend deutlich, dass die Decke und Deckenlampe etwas Unterstützung brauchen um dagegen anzustinken. Ursprünglich wollte ich um die Lampe ein Sonnenmotiv malen. Das wäre sicher schön geworden und hätte die Lampe prominenter wirken lassen. Dann fand ich neulich aber durch Zufall das hier. Ich konnte mir sofort vorstellen wie toll so ein achtzackiger Stern als Motiv an der Decke wirken würde.

Im Baumarkt kaufte ich also Styroporleisten. Holz wäre mir schon wieder zu schwer geworden. Die Decke ist hohl, deshalb ist alles was man ankleben kann und nicht bohren muss von Vorteil. Die Leisten sind nicht so das klassische Styropor, so porös und krümelig, sondern eher wie ganz leichtes Plastik. Man kann sie aber mit einer feinen Säge zuschneiden.

Ich hatte zuerst eine maßstabsgerechte Vorlage auf Packpapier gezeichnet und die Längen der Teilstücke abgemessen. Die Winkel haben zum Glück alle 45°, so konnte ich sie mit Hilfe einer Gehrungslade zusägen. Ein Grund warum ich den achtzackigen und keinen siebenzackigen Stern gewählt habe, obwohl letzterer bei behemoth immer so schick aussieht.

Die einzelne Teile habe ich dann auf der Vorlage schonmal zusammengelegt.

Da waren natürlich auch die Katzen nie fern.

Ich ging dann ich den Keller um weiße Dispersionsfarbe und Styroporkleber zu holen. Styropor ist ja empfindlich und reagiert mit Lösungsmitteln, deshalb war ich froh noch einen geeigneten Kleber zu besitzen. Und dann taugte der nichts. Der Styroporkleber hat mehr Schaden als Nutzen gebracht. Die kleinen Klebstellen der Leisten konnte er nicht zusammenhalten weil er ua total langsam trocknete. Das hat genervt.

Risikofreudig habe ich also zu dem Goldenen Kalb eines jeden Bastlers, dem Heißkleber, gegriffen. Und der hat den Job erledigt. Das Styropor leitet die Wärme ja nicht weg, deshalb hat der Kleber etwas länger gebracht bis er hart war, das war aber machbar und sollte mir später nochmal den Arsch retten. Fürs erste konnte ich nun meine Leisten schonmal zu etwas zusammenbauen was im amerikanischen Pinterest als „cottage barn window-style picture frame“ mit kitschigen Hochzeitsfotos bestückt werden würde.

Dann habe ich den fertigen Stern weiß gestrichen. Ich hatte über andere Farben nachgedacht, erst wollte ich ihn dunkel machen. Aber in weiß sehen die Leisten halt schon am meisten nach Stuck aus und lassen die schöne Art Déco-Lampe im Wohnzimmer auch noch für sich wirken.

Nachdem zwei Anstriche über Nacht getrocknet waren ging es daran den Sternenstuck an die Decke zu bringen. Dafür habe ich mir clever die Vorlage aus dem Packpapier geschnitten und sie mit Hafties an die Decke gepappt. Das konnte ich korrigieren bis es grade war. Hier kam mir endlich mal die furchtbare Rauhfaser an der Decke zuhilfe und ich konnte meine geometrische Form an den Kanten der Tapetenbahnen ausrichten. Als es so saß wie geplant habe ich die Eckpunkte mit Bleistift auf die Decke markiert und das Papier wieder abgenommen.

Dann gab ich dem Styroporkleber noch eine Chance, strich den Stern damit ein und drückte ihn an die Decke. Und er fiel sofort wieder runter. Danke, du Arsch.

Ich habe dann einen kleinen Tobsuchtsanfall bekommen und nachdem ich mich wieder beruhigt hatte die Kleberreste von Decke und Stern gewischt. Also kein Styroporkleber. Hm… Heißkleber?

Da war ich skeptisch. Bis ich den Stern da oben habe und ausgerichtet ist der Heißkleber doch schon längst wieder erkaltet. Andererseits war ich aber auch verzweifelt und der Kleber war beim letzten Mal ja recht langsam abgekühlt. Also Heißkleber. Es hat damit auch funktioniert, nicht perfekt, aber das Ding ist an der Decke. Puh.

Jetzt, wo ich den ganzen Ärger mit dem Kleber schon wieder vergesse, gefällt mir das Projekt total gut. Der Sternenstuck lenkt den Blick an die Decke und die Lampe kommt ein bisschen besser raus, genau was ich erreichen wollte. Die achtzackige Form ist simple Geometrie, aber hat auch was okkultistisches ohne zu aufdringlich zu sein. In weiß wirkt der Stuck vor allem durch das Spiel von Licht und Schatten und von unten sieht man meine Ungenauigkeiten und Patzer glücklicherweise nicht mehr. Willkommen im Wohnzimmer, Achterstern.

Präraffaelitische Poolparty

10. August 2014 (19:16 h) – Tags: ,

 Stimmung: GRRM soweit fertig gelesen. Oh, das furchtbare vorläufige Ende!

Mein Exfreund bracht mal einen großen hölzernen Bilderrahmen an. Auf etlichen alten Klamottenfotos steht der Rahmen dekorativ im Hintergrund. Hier zum Beispiel. Ein furchtbar schweres Teil, vor allem aufgrund der fünf Millimeter dicken Acrylglasscheibe die es umschloss. Ich habe den Rahmen behalten und wollte ihn nun Teil meines Wohnzimmers werden lassen. Aber zuerst musste das Acryl raus. Es war künstlerisch zerkratzt, wäre es durchsichtig gewesen hätte ich es gerne drin gelassen und mit dem Gewicht arbeiten wollen. So wog der Rahmen plötzlich nur noch die Hälfte.

Ich hielt den weiß gewischten Rahmen probeweiser an die jadegrüne Wand. Schön, aber passte nicht. In einem anderen Leben, in einem weißen Schlafzimmer mit Schnörkelmöbeln. Aber nicht in der Opiumhöhle die mein Wohnzimmer ist. Ich entschied den Rahmen neu zu lackieren. Erst wollte ich die alte Farbe anlaugen, aber dann bekam ich Angst vor den Chemikalien und wischte die Oberfläche nur mit Wasser und Seife ab. Wie sich herausstellte reichte das auch vollkommen um neue Acrylfarbe drüber zu malen.

Der erste Anstrich war schwarz, genau wie der zweite. Danach sah der Bilderrahmen einem Gruftietraum schon sehr ähnlich.

Das schöne Seerosenmuster kam in einfarbig ganz anders zur Geltung. Auf den ersten Blick sah schwarz cool aus, beim zweiten erschien es mir auf eine schlechte Art kitschig. Also fuhr ich fort wie geplant und mischte schwarze mit goldener Acrylfarbe. Das so abgetönte Gold versuchte ich nur auf die Höhen des Motivs zu wischen, so dass die Vertiefungen dazwischen dunkel blieben. Das war gar nicht so einfach, ich hatte aber mit einer ähnlichen Technik in der Vergangenheit schon gute Effekte erzielt, also blieb ich dran.

Nach einer Schicht Dunkelgold setzte ich noch Akzente mit der unverdünnten Goldfarbe. Die Seerosen kamen nun ziemlich gut heraus.

Weil der Rahmen auch alleine nicht komplett leicht war, schraubte ich ihm zwei stabile, flache Aufhänger auf die Rückseite. Dann maß ich alles von der Decke her aus und bohrte entsprechende Löcher in die Wand über der Kommode. Das alte Möbel, was ich dabei als Treppe missbrauchte, trug mein Gewicht ohne zu wackeln oder zu knarren. Ich kletterte hinunter, trat ein paar Schritte zurück und sah: Der Rahmen war schief. Oh, warum?! Wie konnte das nur? Ich hatte doch alles so sorgfältig gemessen! Das Ding wieder runtergewuchtet, nachgemessen. Stimmte doch alles. Rahmen wieder an die Wand, Wasserwaage drauf und diesmal hing alles total grade. Offenbar hatte ich mir diese Schreckensmomente selber eingebrockt als ich den Rahmen nicht sauber mit seinem Aufhänger an der Schraube eingehakt hatte. Also alles gut. Puh.

Unter den Rahmen, quasi zwischen ihn und die Kommode, montierte ich das Fünf-Euro-Schwert vom Flohmarkt. Offenbar verwendet man für sowas üblicherweise Garderobenhaken. Also kaufte ich schnörkelige, messingfarbene Mantelhaken die tatsächlich hervorragende Schwerthalter abgeben.

Der Gesamteindruck von Goldrahmen, Schwert und Kommode stimmte schonmal. Nur war ersterer noch leer. Laaangweilig! Bei der Wahl eines auszustellenden Bildes ließ ich mich vom Rahmen inspirieren. Von den Seerosen. Irgendwas mit Seerosen. Oder mit Wasser. Klimts Wasserschlangen II. Oder Waterhouses The Lady Of Shalott. Dann fiel mir das am meisten seerosenartige Gemälde ein, was ich kenne: Hylas And The Nymphs, auch von Waterhouse. Das war es! Ist auch das einzige Gemälde von Waterhouse dem ich tatsächlich schonmal in einer Ausstellung gegenüberstand.

Abgesehen von den wunderschönen Frauendarstellungen von John Waterhouse mag ich das Gemälde weil alles darauf auf Hylas‘ Verderben hinweist. Der dunkle Hintergrund, der Ast der wie ein Speer durch seinen Rücken geht, die absteigende Linie seines Blickes zur Zentralnymphe. Der Künstler hat den Moment dargestellt in dem Hylas, den Wasserkrug noch in der Hand, denkt: „Was sollte ich nochmal holen? Ach, war bestimmt nicht so wichtig.“ Und schon haben die Naturgeister ihn am Saum gepackt und da sinkt er dahin, der schöne Jüngling.

Ich besorgte das Poster bei amazon und erstand im Baumarkt eine schwarze Hartschaumplatte die ich als Hintergrund verwenden konnte. Der Bildausschnitt des Rahmens ist 101 x 57 cm. Wer baut denn sowas?! Handelübliche Platten, auch Plexigläser, haben 100 x 50 cm. Wäre das zu einfach gewesen? Mein Vater hätte den Rahmen auseinandergenommen, verkleinert und wieder zusammengesetzt. Ich traute mir das nicht zu und habe deshalb eine größere Platte gekauft und sie mittig zersägt bzw neu aneinandergesetzt, so dass hinter dem Poster eine senkrechte Mittelnaht runtergeht. Nicht ganz elegant, aber man sieht es glücklicherweise kaum.

Hylas‘ Poolparty passt sich farblich sehr schön in die Wohnzimmerecke ein und die gesamte Ansicht mit Kommode, Literatur, nackten Buchstützerinnen, Schwert, Seerosen und ebenfalls nackten Nymphen gefällt mir sehr gut. Der Messington genau wie die Nymphenhaarfarbe der Kommode ziehen sich durch die ganze Ecke und spielen gut mit dem Jadegrün zusammen.

Langfristig möchte ich dem Bild gerne noch ein dünnes Plexiglas verpassen, aber da muss ich dann auch wieder eine (sehr viel) größere Platte kaufen und zusägen lassen. Das wird teuer, also schiebe ich es noch etwas auf die lange Bank.

Wohnungs-Update

25. Juni 2014 (08:24 h) – Tags: , , , ,

Musik: Metallica - Sweet Amber | Stimmung: Voll schönes Regenwetter!

Kurz bevor die Festivalsaison sich so unbarmherzig in den Sommer gedrängt hat, habe ich noch ein paar lose Enden in der Wohnung verknotet. Unfertige Projekte kann ich immer nur bedingt lange tolerieren.

An der Kommode die ich im Frühjahr auf dem Trödel gekauft hatte ist nun endlich das Fries ausgebessert. Ich habe den weggebrochenen Teil durch ein Stück trompe-l’œil Malerei ersetzt.

Gemalt habe ich mit Aquarellfarben auf Pappe, anschließend das fertige Teil mit mattem Klarlack eingesprüht um die Farbe widerstandsfähiger zu machen. Die Pappe habe ich schließlich mit Hafties an die Kommode gepappt, daher kommt der kleine Abstand und Schatten der noch den letzten Schliff verleiht. Außerdem wird das Holz nicht beschädigt.

Auf den ersten Blick fällt die Reparatur tatsächlich nicht sofort auf und das war alles was ich wollte. Die Kommode ist wieder komplett.

Und ich musste auch kein Loch in die Rückwand schneiden. Ursprünglich hatte ich geplant die XBox in der Kommode unterzubringen und längere Kabel von dort zum Fernseher zu ziehen. Das scheiterte ziemlich schnell daran, dass es das Kabel fürs Kinect nicht in länger gibt. Also musste die XBox in der Nähe des Fernsehers bleiben. Entertainmentgeräte die sichtbar im Wohnzimmer rumstehen. Ich war nicht begeistert.

Übergangsweise stand die Konsole auf dem Katzensofa und die Zimmerantenne baumelte an ihrem Kabel unter dem Fernseher. Grauenvoll. Glücklicherweise fand ich dann heraus, dass man die XBox auch aufrecht hinstellen kann und damit war entschieden, dass das Fernsehgerümpel ein Regalbrett hinter dem eigentlichen Fernseher bekommen sollte.

Das Brett und die Winkel habe ich in Wandfarbe getarnt und einen zusätzlichen Winkel in schwarz lackiert der neben der XBox dafür sorgt, dass die Konsole keinen Abflug macht. Damit ist das Regal so mimetisch wie es nur sein kann..

Die Kabel habe ich erst hinter die Konsole geklemmt und dann in der Zimmerecke runtergeführt. Sie hängen jetzt nicht mehr direkt unter dem Fernseher runter und das ist schon viel wert. Eventuell verpasse ich ihnen auch noch einen Anstrich in jadegrün. Mal sehen.

Der Fernseher ist immer noch ein Angeber der das Wohnzimmer dominieren möchte, aber immerhin habe ich seine Gerätekumpels schonmal unter Kontrolle gebracht. Optisch ist das ganze ein Kompromiss, das ist mir schon klar. Mein durchgestyltes Wohnzimmer leidet unter diesem Einbruch moderner Technik etwas, ich möchte aber auch nicht leugnen wie gemütlich Lieblingsfilme, absurde Dokus und Konzert-DVDs vom Sofa aus sind. Und neulich habe ich die ganze Nacht lang Adventuregames gezockt bis es halb vier war und schon wieder hell wurde.

Ansonsten war ich noch in der Küche und habe mal wieder so eine Pinterest-Idee umgesetzt. Eine Tafel für Notizen, Einkaufslisten und Songzitate, das wäre doch total schön! Gesagt, getan. Ich besorgte Tafelfolie im Baumarkt und klebte sie erst auf eine Pappe und diese dann mit Powerstrips an den Kühlschrank. Noch zu gut erinnere ich mich an das schockierte Gesicht meiner Hauswartsfrau als sie beim Vormieter Aufkleber auf dem Kühlschrank entdeckte. Deshalb lieber kein Risiko eingehen und das ganze entfernbar.

Natron schreibt mir bei jedem Besuch ein Zitat ihrer Southern-Rock-Freunde an den Kühlschrank. Ansonsten benutze ich die Tafel für Einkaufsnotizen und To-Do-Erinnerungen. Ziemlich praktisch und den sich ständig wandelnden Charakter der Fläche mag ich auch total. Fehlt eigentlich nur noch bunte Kreide.

You will never find a more wretched hive of scum and villainy

8. Mai 2014 (14:13 h) – Tags: , , ,

Musik: Newsted - Skyscraper 

Die jüngsten Fortschritte des Wohnzimmers erlaube ich mir mal in einem Beitrag zusammenzufassen. Irgendwann wird es vielleicht auch langweilig. Also, was ist passiert?

Ich hatte schon vor einer Weile bei meinem liebsten Händler für Fernöstliches auf dem Türkenmarkt eine Fischglocke mitgenommen. Eine Schelle aus Messing die in Form eines lachenden Fisches gearbeitet ist. Tatsächlich hat sie sich schon hier auf den Fotos der Lampe eingeschlichen.

Nun habe ich noch eine breite Borte besorgt und diese recht aufwändig mit Pailletten, Schmucksteinen und Kaurischnecken bestickt. Letztere fand ich grade zum Fisch ganz passend.

Von den Jetstein-Imitaten die man unten sieht hatte ich nur noch zwei Ovale und einen Rhombus, deshalb habe ich weiter oben einfach schwarze Pailletten aufgestickt. Kaurischnecken sind auch keine mehr da.

Am unteren Ende habe ich die Borte mustergenau abgeschrägt und nochmal ordentlich Perlen angenäht. Jetzt hängt der Fisch neben der Balkontür und tut so, als könne man da nach Personal läuten. Kommt aber keiner, ich habs probiert.

Mit ganz anderer regionaler Inspiration ist noch ein Kissen auf meinem Sofa eingezogen. Im September 2011 war ich mit Ophelia auf dem holländischen Stoffmarkt in Potsdam und habe dort unter anderem einen recht abenteuerlichen Patchworkstoff, bedruckt mit mexikanischen Klischees, mitgenommen. Ich hatte daraus bisher einen Bezug für ein Dinkelkissen genäht, was allerdings auch schon wieder anderthalb Jahre her ist. Der Rest sollte immer ein Kissen werden, am besten eins mit Troddelborte.

Das längliche Format kam dem Druck sehr entgegen. Ich hatte es eigentlich nur der Abwechslung wegen bei Ikea mitgenommen aber inzwischen mag ich die Form zum Kuscheln total gerne. Wie man sieht ist auf dem Bezugsstoff sämtlicher Dia-de-los-Muertos-Kitsch vertreten, dazu Our Lady of Guadalupe, ein schundromanverdächtiger Inkaprinz mit lebloser Dame und eine Tequilaflasche darf natürlich auch nicht fehlen. Der Spruch „Me Equivoqué Contigo“ bedeutet übersetzt so viel wie „Ich habe mich in dir geirrt“ und ist der Titel eines offenbar wahnsinnig populären spanischsprachigen Liedes. Wieder was gelernt.

Ich habe die Rückseite aus rot-weißem Vichykaro gemacht, das lag grade parat. Und weil ich die Troddelborten erst nach dem Zusammensetzen aufgenäht habe und das teilweise von Hand geschehen musste, hatte ich Zeit mir vorzustellen wie in Mexico City vielleicht eine junge Frau sitzt und einen Stoff der mit Dirndlmädchen, Biergläsern und Schloss Neuschwanstein bedruck ist zu einem Kissenbezug zusammennäht. Für ihr europäisches Wohnzimmer. Statt „Me Equivoqué Contigo“ steht dann „O’zapft is!“ drauf, Eichenlaub statt Kakteen und Juanita wird auch erstmal Google anwerfen um das alles zu recherchieren.

In meinem eklektischen Wohnzimmer hat das Mexikokissen Verstärkung durch einen zweiten Our-Lady-Of-Guadalupe-Druck bekommen, ansonsten gliedert es sich aber erstaunlich schmerzfrei auf dem Sofa ein.

Gehen wir nun nochmal ein paar Schritte vom Sofa weg, zur Balkontür. Ursprünglich wollte ich da gar keinen Vorhang anbauen. Auf dem verglasten Balkon hängen dünne Vorhänge die ich nie aufziehe, das reicht um die Privatsphäre zu wahren. Nun passierte es aber so, dass Ophelia nach ihrem Umzug einen Fernseher zu viel hatte und mir das gute Stück als Dauerleihgabe anbot. Im gleichen Zug bekam ich auch meine XBox zurück die ich ihr für meine fernseherfreie Zeit überlassen hatte. Ich ließ beide Geräte ein paar Wochen stehen und dachte über Platzierung im Wohnzimmer nach. Auf GAR KEINEN FALL sollte der Fernseher an die Wand gegenüber des Sofas. Davon abgesehen, dass das für XBox-Kinect ungünstig ist will ich den Apparat auch nicht wie ein Goldenes Kalb mein Zimmer dominieren haben. Also entschied ich, den Fernseher an die Wand zwischen Fenster und Balkontür zu bauen, auf eine schwenkbare Halterung, dann kann man auf dem Sofa lümmeln und fernsehen. Nicht ganz die naheliegendste Lösung aber für mich die bessere.

Und da kommt der Vorhang ins Spiel. Durch die Balkontür und das Fenster kommt den ganzen Tag Sonne oder zumindest Tageslicht, das stellte ich mir als störende Hintergrundbeleuchtung vor. Also sollte ein verdunkelnder Vorhang her. Ich habe dafür einen dunkelgrünen Samt verwendet den mir Natron mal für ein Fantasygewand überlassen hatte. Und weil das natürlich an sich viel zu schlicht war kam noch ein Sari aus meinen Beständen dazu.

Es ist nur ein Schal der normalerweise nach links zusammengeschoben ist. Den Sari habe ich noch seitlich eingerafft und festgenäht, das sieht auch hübsch aus wenn der Vorhang nicht zugezogen ist.

Und natürlich kamen auch noch Borten zum Einsatz. Die wunderbare Brokatborte unten ist der Rest von den Schlafzimmervorhängen und spielt immer wieder toll mit Samt zusammen. Der Sari hat die senkrechten Borten schon aufgedruckt, deshalb gab es nur eine zugegeben eigentlich zu helle Fansenborte an den Saum.

Das letzte Wochenende habe ich dann damit verbracht eine TV-Wandhalterung zu kaufen und diese mit schier übermenschlichem Aufwand an die Wand zu bringen. Das hält bombenfest und sollte ich jemals einen anderen Platz für den Fernseher haben werde ich die Schrauben abflexen müssen, raus gehen die nicht mehr. Sonntag kam dann Ophelia nochmal kurz vorbei und zusammen bauten wir den Fernseher auf die Halterung. Anschließend habe ich alles verkabelt, die XBox wieder aktiviert und nach zwanzig Sicherheitsabfragen und dreihundert Updates konnte ich dann erstmal eine Runde Hexic spielen und danach, weil ja Star Wars Tag war, einen Lieblingsfilm auf DVD gucken.

Das Fernsehprogramm empfange ich noch nicht wieder, was egal ist weil ich Samstag zum Grand Prix ohnehin arbeiten muss. Die XBox soll auch definitiv nicht auf dem Katzensofa stehen bleiben, da muss ich noch längere Kabel für alles kaufen. Davon abgesehen war es aber wirklich entspannt mit einer Katze im Arm auf dem Sofa rumzuliegen und DVDs zu gucken. Das machen wir in Zukunft sicher noch öfter.

Kreuzberger Salonkitsch

21. April 2014 (19:42 h) – Tags: , ,

Musik: Hammergeiles neues Gamma Ray Album! 

Hab alle Osterfeiertage gearbeitet, das war aber nicht schlimm weil ich davor eine Woche Urlaub hatte und außerdem Natron zu Besuch in der großen Stadt war. Mit ihr musste ich natürlich die Sehenswürdigkeiten in meinem Kiez abklappern. Also ua den Türkenmarkt und das Colours in der Bergmannstraße. Letzteres haben wir am Mittwoch besucht, ohne große Pläne, nur mal gucken was der Second Hand so hergibt.

Ich bin diesmal bescheiden mit nur einem Hemd abgezogen, deshalb will ich auch gar nicht viel über das Klamottenstöbern erzählen. Die eigentlichen Schätze gab es in anderen Geschäften der Bergmannstraße. Noch bevor wir am Second Hand angekommen waren blieben wir bei einem Orientkitsch-Laden hängen. Guck mal, Schlüsselanhänger mit Fatimas Hand und einer Troddel! Voll schön. Ich nehm einen in türkis mit.

Zuhause stellte sich dann heraus, dass das Türkis ein wenig *zu* gut zu meiner Wandfarbe passt, deshalb kann ich den Anhänger nicht einfach irgendwo annageln. Also hat er seinen Platz jetzt am Schlüssel in der Wohnzimmertür gefunden. Schönes Detail mit dem ich sehr zufrieden bin.

Ein paar Schritte weiter gab es einen kleinen Trödelladen. Sie hatten auf der Straße Tische mit allerhand Kram aufgebaut und darunter war auch eine sehr hübsche kleine Lampe. Messing und krakeliertes Glas, aber sie war schief. Ich frag mal nach dem Preis. Wir gehen also die Stufen zum Souterrain-Geschäft herunter und Natron sagt: „Heilige Scheiße!“ Der Laden war winzig. Aber bis unter die Decke vollgestopft mit Möbeln, Figuren, Teppichen und Kronleuchtern. Zwei davon kamen mir verdächtig bekannt vor… stellte sich heraus: Der Händler ist auch regelmäßig auf dem Trödel am 17. Juni vertreten. Und wir hatten seinen Hort gefunden. Woah.

Das Ende der Geschichte waren achtzehn Euro für eine Tischlampe die ich zuhause wieder grade gebogen habe.

Sie ersetzt jetzt auf der Kommode meinen schwarzen Plastikleuchter. Auch wenn ich keinen Seltenheitswert und kein hohes Alter bei der Lampe vermute, passt sie doch so viel besser ins Gesamtbild. Messing zu den Messingdetails an der Kommode und das krakelierte Glas ist metallisch bedampft, das hat einen tollen Glitzer- und Spiegeleffekt.

Im Dunkeln leuchtet es schöne Lichtflecken an die Wand. Die Ausschnitte im Messingblech sehen fast so aus, als würden da noch Steine drin sitzen. Ich mag das Licht, mir war der sechsflammige Leuchter vorher einfach zu hell.

Zum Wohnzimmer gibt es noch viel mehr Neues zu erzählen, allerdings erst wenn ich wieder Fotos gemacht habe und endlich den Vorhang an der Balkontür gesäumt. Es wird toll, aber haltet noch nicht die Luft an!

Stick ‚em with the pointy end

13. April 2014 (18:25 h) – Tags: , ,

Musik: Savatage - Starlight 

Sonntag morgens um zehn sind nur Touristen unterwegs. Die Berliner schlafen noch. Ausser mir, ich bin schon wieder auf Trödelpirsch gewesen. Umgeben von Schweizern, Briten und Baden-Würtembergern.

Auf dem Fehrbelliner Platz gab es eine ganz beeindruckende Jugendstillampe für die Wand, aber ich bräuchte eher eine Tischlampe und für so großes hatte ich eh kein Budget eingeplant. Ansonsten schöne Bilderrahmen und Schnurkes ohne Ende. Ich hatte auf Dekoratives fürs Wohnzimmer spekuliert, was man an die Wand hängen kann, oder auch Figuren. Aber so richtig… Hm. Trotzdem habe ich aber den ganzen Markt abgegrast. Am vorletzten Stand jede Menge Bücher, oben drauf die Nibelungen als Reclamausgabe und darauf ein Schwert. Jup, ein Schwert. Ein dekoratives, keins zum Kämpfen, aber im Schmücken ungemein gut. Ich schätzte, dass die Händlerin vermutlich so um die fünfzig Euro dafür haben wollen würde, aber Fragen alleine kostet ja nix. Und dann sagte sie: „Fünf Euro.“ Ernsthaft? Die Dame hat mir die Überraschung wohl angesehen und erklärte sie wäre gar keine richtige Händlerin, sie löse hier nur den Haushalt ihrer Schwiegereltern auf. Okay. Deren Schwert war dann für ein Taschengeld meins.

Ich bin immernoch ein wenig baff, das war ja nun wirklich kein Preis. Entsprechend grinsend bin ich dann mit aus der Tasche ragendem Schwert zum U-Bahnhof gelaufen um den Weg Richtung 17. Juni anzutreten. Unterwegs wies mich eine ältere Dame auch gleich darauf hin, wie gefährlich das Metall da wäre. Kaum ist man bewaffnet kriegen die Leute Angst.

Und hier die Details, damit man auch was erkennt. Das Heft ist aus Messing, verziert mit historisierendem Dekor. Auf der Parierstange reißen irgendwelche Viecher (Löwen? Fische?) das Maul auf und die Enden bilden diese bemerkenswerten Kreuze. Leider sitzt die Klinge darin ziemlich locker, aber um Robb Stark zu rächen wird es eh nicht langen.

Die Klinge selber ist entsprechend auch kein Valyrischer Stahl. Ein bisschen angerostet, und die tollen Motive darauf sind auch stellenweise abgerieben. Eingerahmt von Schnörkelmuster findet in der Mitte eine Schlachtszene zu Pferde statt. Reiter mit erhobenen Säbeln und so. Voll schön gemacht.

Ich werde das Schwert ins Wohnzimmer hängen. Je mehr ich drüber nachdenke umso begeisterter bin ich nämlich davon. Ich mag, dass es so zierlich und mädchenhaft ist, aber gleichzeitig eine ritterliche Waffe. Als solche repräsentiert sie für mich die Ritterlichen Tugenden während gleichzeitig die Präraffaeliten, Beowulf, Tolkien und ein Rattenschwanz an Fantasy anklingen. Sowas kann man sich schonmal an die Wand hängen.

Mit Schwert bin ich also am 17. Juni aufgekreuzt um noch eine weitere Runde Trödelmarkt mitzunehmen. Das Wetter war inzwischen etwas garstiger geworden aber der Markt trotzdem proppenvoll. Ein ganz entzückender älterer Händler, der Wedgwood-Porzellan aus Großbritannien importiert, unterhielt sich mit mir über die unterschiedlichen Farben der Stücke. Blau ist am verbreitetsten, schwarz aus unerfindlichen Gründen immer am teuersten und neulich hatte er sogar eine rosafarbene Vase. Sensationell. Irgendwann werde ich ihm eine blaue Dose abkaufen, für Schmuck im Schlafzimmer.

Nachdem ein anderer Händler das Schwert sofort als solches erkannte und darauf bestand die Klinge in Zeitungspapier zu wickeln, suchte ich den Stand auf an dem ich neulich Möbelgriffe aus Messing gesehen hatte. Projekt Kommode, ihr wisst Bescheid. Ich hatte den einen verbleibenden Griff von der Kommodentür abgeschraubt und als Größenvergleich mitgenommen. „Zeigen Se ma her!“, sagte der Verkäufer. Und dann: „Dit is Bakelit und een Möbelgriff. Die hier sind Türknäufe.“ Erklärte warum sie so viel massiver und mit Holzschraube auf der Rückseite gearbeitet waren. Wir diskutierten die Verwendbarkeit von Türknäufen als Möbelgriffe, ich entschied, dass das machbar wäre und nahm zwei Messinggriffe mit.

Die haben nicht ganz wenig gekostet, aber sie sind halt sehr schön und passen zur Kommode. Wenn ich bei sowas spare ärgert mich das danach ewig, das habe ich inzwischen gelernt. Den weißlichen Belag in den Vertiefungen der Motive habe ich nach dem Foto noch entfernt bzw mit dunkler Acrylfarbe übergewischt.

Um die Knäufe anzubringen musste ich die Befestigungslöcher in den Türen aufbohren. Keine große Sache. Erfreulicherweise verschwanden die Schrauben auf der Rückseite fast vollständig im Holz und gucken innen nur ganz wenig raus. Deutlich geringere Gefahr hängenzubleiben als bei den Originalgriffen. Das Holzdekor was ursprünglich unter dem Griff war ist nun auch weggefallen, das heißt ich muss es auf der rechten Seite gar nicht mehr ergänzen. Umso besser. Und dann passt die Metallfarbe auch noch so gut zum Schlüsselloch!

Auf dem Trödel blieb ich noch im Bereich der Türbeschläge und schaute mir Klinken, Griffe, Jugendstil-Briefklappen und -awww!- Türklopfer an. So ein Ding wäre auch eine schöne, nutzlose Wandzier. Hm. Leider nicht ganz billig, aber irgendwann nehm ich mal einen mit. Heute gab etwas ähnliches, allerdings von vornherein als funktionslose Dekoration gedacht.

Der Ringlöwe stammt laut Verkäufer aus Tagen der Gründerzeit und war vielleicht zusammen mit seinem Pendant mal an den Seiten einer Uhr befestigt. Tatsächlich sieht er auch nur wuchtig und schwer aus, ist aber aus Messingblech geprägt, nichtmal der Ring ist massiv. Insofern gibt er ein astreines Dekoteil ab und erfreut mit seiner nutzlosen Schönheit mein ästhetizistisches Herz. Auch der wird seinen Platz an der Wohnzimmerwand finden.

Für die Wand sammle ich momentan Dekostücke an. Mit nur einem Teil kann ich ja keine Hängung beginnen, also warte ich bis was zusammenkommt. Schwert, Jugendstil-Rahmen, ein entsprechendes Medaillon, Ringlöwen und einen großen Bilderrahmen der darauf wartet umlackiert zu werden habe ich schon in petto.

Ein Platz für meine Kronjuwelen

11. April 2014 (20:36 h) – Tags: ,

Musik: Iced Earth - If I Could See You | Stimmung: Pizzaglücklich.

Hab frei. Und Pläne. Heute war ich erstmal im Baumarkt. In dem anderen, weil ich neulich zu wenig von dem was auf meiner Liste stand bekommen hatte. Aber jeder Baumarkt hat entweder das eine oder das andere. War wieder nicht komplett erfolgreich, aber immerhin habe ich diesmal keine Pflanzen als Frusteinkauf nach Hause getragen.

Was ich bekommen habe sind Regalbretter mit geschwungener Kante. So hell furniert. Eins davon habe ich angeschliffen und darauf trocknet grade die erste Schicht schwarzer Acrylfarbe. Das zweite ist schon an der Wand.

Als Schönheitsplätzchen im Schlafzimmer. Ich hatte neulich die ungute Organisation meines Schmuckes angesprochen und habe die Sache nun behoben.

Ein helles Regalbrett, zwei pseudo-schmiedeeiserne Schnörkelauflagen und viel Gefluche. An der von mir auserkorenen Stelle besteht die Schlafzimmerwand offenbar aus Käse. Schief. Die Dübel kamen unter großzügigem Verkrümeln von Wandmaterial wieder raus.

Ich musste ein wenig tricksen und mein liebster Trick ist, die Bohrlöcher mit Heißkleber zu füllen und dann schnell Dübel reinzudrücken. Ein paar Minuten später ist das fest und man kann neu anschrauben. Und da hielt das Brett auf einmal. Ich hoffe sehr, dass keine Katze auf die Idee eines Belastungstests kommt.

Auf dem Brett stehen der güldene Standspiegel, mein Ringdisplay, eine Muschelschale mit Ohrschmuck und die geflochtene Schachtel mit Echsendeckel in der Armbänder uä wohnen. Eine einzige Kette darf am Spiegel hängen.

Das passt ins Stilkonzept des Schlafzimmers, keine Frage. Ich benutze den Raum bisher allerdings echt nur zum Schlafen und jedes Mal wenn ich reinkomme streckt das Bett die Arme aus und zieht mich unter die Decke. Damit muss es jetzt auf jeden Fall aufhören. Wenn ich Schmuck aussuche heißt das, ich bin kurz davor aus dem Haus zu gehen.

Keine Macht den Drogen

20. März 2014 (17:57 h) – Tags: ,

Musik: Kreator - We Are Legion 

Neulich schrieb ich darüber, dass ich im Baumarkt LED-Leisten gekauft hätte. Für den verglasten Balkon. Tatsächlich hatte ich diese farbwechselnden Lichtleisten schon bei einem meiner Möbelhaus-Besuche zur Zeit meines Umzugs vor fast anderthalb Jahren entdeckt und wußte sofort, dass ich sowas gerne irgendwo verwenden mag. Die Frage war nur wo. Die meisten Einsatzmöglichkeiten waren mir irgendwie zu offensichtlich oder es war eine farbige Wandfläche im Weg.

Als ich letzte Weihnachten meinen violetten Lichtervorhang wieder rausgeholt und auf den Balkon gehängt hatte erleuchtete das farbige Licht den ganzen Raum und fing sich in den weißen Vorhängen, so dass aus dem Balkon ein magisch-buntes Zimmer wurde. Im Kontrast zu den jadegrünen Wohnzimmerwänden sah die Farbe toll aus und ich konnte mir jetzt endlich vorstellen wo die LEDs zum Einsatz kommen würden.

Der Baumarkt hatte die Lichtleisten im Angebot und die Fünf-Meter-Variante kostete grade mal einen Euro mehr als die in drei Metern Länge. Ich habe also eine Leiste mit farbigen LEDs mitgenommen, fünf Meter lang, dimmbar, kürzbar, mit Eckverbindern und Fernbedienung.

Nachdem ich meinen Balkon nochmal sorgfältig ausgemessen hatte musste ich also nun ran und die Leiste zerschneiden. Einfach so, mit der Schere. Per Verbinder kann man die Teile dann so zusammenfügen, dass Ecken überwunden werden können. Ich habe Physik in der Oberstufe abgewählt weil ich Elektrik nicht verstanden hatte. Und nun soll ich da was bauen? Mir war etwas mulmig.

Aber ich bin stumpfdumm nach der Anleitung verfahren und zu meiner großen Überraschung funktionierte alles und die Lichter leuchteten auch nach zwei Verbinderstücken noch. Das war cool.

Auf dem Balkon habe ich die Decke an drei Seiten mit LED-Leisten beklebt. Eigentlich soll man die Dinger noch festschrauben, Material war dabei, aber die Schrauben gingen nicht in die Decke, und überhaupt klebte das Zeug auf der Tapete (irgendwer hat in dieser Wohnung alle Decken tapeziert!) bombig. Hab ich also so gelassen. Nur den Sender für die Fernbedienung habe ich angeschraubt.

Und jetzt gehe ich auf meinen Balkon, ziele rechts oben in die Ecke und kann per Knopfdruck fünfzehn Farben (auch weiß) anschalten und dimmen oder eins von vier Farbwechselprogrammen durchlaufen lassen. Ehrlich gesagt kommt aber nur das mit den soften Farbübergängen zum Einsatz, die anderen sind… naja, sie machen einer Dorfdisko alle Ehre.

Ich sitze nun also abends im Wohnzimmer und suche mir eine Farbe für den Balkon aus oder lasse alle durchlaufen. Das ist ziemlich schön.

Ich habe damit mal wieder ein Stück Einhorn-Regenbögen-Wunderland aus meinem Kopf umgesetzt und in der Realität Form annehmen lassen. Die einzige Erklärung die ich für meine Faszination mit diesem Zeug habe ist die mescalingeschwängerte Idee der inneren Vision die Aldous Huxley in seiner Drogenstudie „The Doors Of Perception“ anbringt: Regenbögen, Edelsteine und sicher auch Hologlitzer erinnern uns unbewußt an eine Art paradiesische Urvision wie sie andererweise durch Drogen abrufbar wird. Regina Regenbogens Glücksbärchi-Wolkenland, die Kristalle aus den Defa-Filmen und der Hort der Nibelungen sind Paradiesvorstellungen die in der Grundbeschreibung meiner Seele abgeheftet sind und jede Manifestation dieser in der Wirklichkeit klingt daran und macht mich deshalb glücklich. Auch Regenbogen-LEDs.

Kommode flicken, quer durch die Kulturen

17. März 2014 (10:44 h) – Tags: , , , ,

Musik: Behemoth - Blow Your Trumpets Gabriel 

Die Kommode ist -wenig Wunder- schnell zur Königin des Wohnzimmers geworden. Ich habe Sessel umgestellt um die Möbel harmonischer zu verteilen und neulich war ich extra noch in der Drogerie um dunkle Möbelpolitur zu kaufen. Damit habe ich das alte Stück wirklich sehr schön aufpolieren können. Die Schrammen im Holz sind sehr viel weniger sichtbar und die Oberflächen glänzen nun wieder schön. Dolle Sache.

Was das fehlende Fries auf der rechten Tür angeht habe ich ein paar Pläne im Kopf bewegt. Ziemlich frei nach der japanischen Kintsugi-Technik, bei der zerbrochenes Porzellan mit einem metallhaltigem Kleber zusammengesetzt wird, so dass die Bruchstellen später sichtbar in zB gold hervorgehoben sind, überlegte ich den fehlenden Bereich als Schattenriss in messingfarben aufzumalen. Die Grundform ist ja auf dem ausgeblichenen Untergrund noch gut zu erkennen bzw kann sie gegengleich von der zweiten Tür abgenommen werden. Dazu würden Türgriffe aus Messing dann gut passen.

Das war die erste Idee und ich finde sie auch immernoch ziemlich schön, aber dahinter lauerte noch eine zweite. Die größere Herausforderung die ich deshalb annehmen musste. Wenn ich schon ein gemaltes Teil einsetze, dann kann ich auch versuchen das fehlende Ornament aufzumalen. Also trompe-l’œil: So schattiert, dass es eine Dreidimensionalität vortäuscht und den fehlenden Teil sozusagen hinillusioniert. Mir ist klar, dass das kein geringer Anspruch ist und ich sicher nicht in der Lage sein werde etwas zu malen, das den Betrachter am Ende wirklich hinters Licht führt. Man wird immer sehen, dass hier Farbe statt Holz wirkt. Das ist mir aber auch ganz recht so. Wenn ich die Möglichkeit hätte da aus Holz genau das fehlende Stück nachzuschnitzen, so dass die Tür am Ende aussieht wie vor dem Bruch, dann fände ich das fast zu langweilig. Die Idee hinter Kintsugi, dass etwas durch einen sichtbar nachwirkenden Schaden an Schönheit und Charakter gewinnt, die mag ich sehr gerne. Man soll meiner Kommode also ruhig ansehen, dass sie nicht mehr unversehrt ist.

Ich bin nun zur Tat geschritten und habe die Form des Holzornaments mit transparenter Folie abgenommen. Erst von der rechten Tür, später habe ich Details von der linken, intakten Seite ergänzt. Das ging ziemlich gut. Von der Folie habe ich das Motiv auf Transparentpapier übertragen, es nochmal an der Tür korrigiert und dann die Form aus dünner Pappe ausgeschnitten. Wenn ich auf Pappe male habe ich erstmal schon eine grundlegende Dreidimensionalität durch das aufgesetzte Material, zum anderen macht es mir die Arbeit leichter weil ich nicht senkrecht an der Tür malen muss sondern die Pappe hinlegen kann wo ich will.

Testweise habe ich das Pappstück passgenau in die Lücke gesetzt und obwohl es in weiß noch total rausleuchtet hat sich das Ausfüllen der Lücke schon so gut angefühlt. Wie eine Prothese für die Schönheit des Möbels. Als wenn das Ornament in seinen Formen wieder fließen konnte und die Kommode einmal zufrieden aufgeatmet hat. Ich sehe da auch keinen Widerspruch zur Akzeptanz von Fehlerhaftigkeit. Für mich bedeutet diese nicht zu sagen: „Tja, ist halt kaputt, ist aber okay wenn ich es so lasse“, sondern mit dem Schaden zu arbeiten und irgendwas draus zu machen was den Gegenstand insgesamt oder zumindest seine Ästhetik wieder funktionieren lässt.

Auf dem Boden vor dem Schränkchen hockend habe ich den Einsatz zuerst in einem passenden Braunton bemalt und dabei schonmal die Maserung angedeutet. Ich verwende meine geliebten Aquarellfarben auch wenn ich weiß, dass die nicht wasserfest sind. Mit Aquarell kann ich am besten schattieren und Farbtöne mischen. Die Auswahl an Grundfarben habe ich in Acryl einfach nicht und es lässt sich auch nicht so gut vermalen. Ich werde die Pappe am Ende mit Sprühlack versuchen widerstandsfähiger zu machen bzw den dezenten Glanz des Holzes nachahmen.

Das ist der Stand meiner Schattierungsarbeiten soweit. Weil das geschnitzte Holz so eine glatte Oberfläche hat muss ich ziemlich kräftige Lichter mit Deckweiss setzen. Eventuell muss ich auch die Schatten dazu stärker ausarbeiten. Auf dem Foto wirkt der gemalte Teil recht blaustichig. Das liegt an den mickrigen Lichtverhältnissen, in Wirklichkeit ist es noch ein bisschen schöner.

Ich bin mit dem Projekt bisher eindeutig zufrieden. Wenn ich die Gelegenheit dazu finde, werde ich nochmal nach Möbelgriffen trödeln gehen. Mit sehr viel Glück finde ich irgendwas das sich so gut einpasst, dass ich nur den rechten Griff austauschen muss und der linke, der aus irgendeiner Form von Proto-Plastik besteht, bleiben kann. Wahrscheinlicher werde ich aber beide austauschen. Dann bleibt noch das weggebrochene Ornament auf dem Aufsatz zu ergänzen. Dafür muss mir aber irgendeine Art von Relief in die Hände fallen. Nicht zu groß und thematisch passend.

Trés commode, Madame!

11. März 2014 (20:00 h) – Tags: , , , ,

Musik: Blind Guardian - Battlefield | Stimmung: Tetrislevel fertig gespielt!

Heute früh habe ich mir eine „Can-do Liste“ gemacht weil mir so viele Dinge im Kopf rumschwirrten die ich alle an meinen zwei freien Tagen, also heute und morgen, machen könnte. Könnte, nicht müsste. Alles Sachen auf die ich tatsächlich Lust habe.

Als erstes bin ich dann, weil fantastisch sonniges Wetter war, zum Baumarkt geradelt. Mein erster Fahrradausflug in diesem Jahr, da bin ich etwas zimperlich und vermutlich Schönwetterradler. Der Baumarkt hatte neulich ein Prospekt durchgesteckt und darin waren LED-Lichtleisten beworben. Ich hatte Weihnachten meinen lilafarbenen Sternenlichtervorhang auf dem verglasten Balkon und mochte das farbige Licht was durch die Türen ins jadegrüne Wohnzimmer schien sehr gerne. Den Effekt will ich jetzt mit farbigen LEDs emulieren. Am besten mit Farbwechsel und Fernbedienung. Dafür habe ich heute Equipment gekauft.

Außerdem brauchte ich Blumentöpfe um meine fröhlich wuchernden Echeveria umzutopfen. Nachdem ich die in meinen Einkaufskorb geräumt hatte kamen noch ein Kratzbrett für die Kitties mit sowie Katzenfutter und drei ganz entzückend niedliche Mini-Sukkulenten.

Sind die nicht goldig?! Sukkulenten wachsen auf meinem Balkon wie bescheuert weil sie da viel Sonne haben, deshalb hab ich mich getraut noch mehr davon anzuschaffen. Das rechte sind Lithops, und sie sehen wirklich wie Steine aus. Oder wie Augen. Das mochte ich. Was die beiden anderen sind muss ich noch herausfinden. Sehen aus wie kleine Aliens. Ich finde die drei da auf ihrem gemeinsamen Untersetzer total niedlich und bin gespannt wie sie sich machen werden.

Nachdem ich das Fahrrad noch ein zweites Mal bemühen musste weil ich natürlich nicht daran gedacht hatte auch Kakteenerde mitzubringen, konnte ich auch die Echeveria umtopfen. Dabei habe ich der einen Pflanze gleich ihre Ableger abgeschnitten und diese einzeln eingepflanzt. Mal gucken ob sie werden.

Vorne steht der Ingwer den ich neulich eingepflanzt habe. Auch der ist so gut gewachsen, dass ich ihn heute umgetopft habe. Schon ein ganz hübscher Garten. Der allerdings *hust* auf leeren Umzugskartons steht. Wenn ich den Balkon mache wird das alles besser, versprochen!

Das Kratzbrett was ich den Haustieren gekauft habe legte ich erstmal auf den Teppich im Wohnzimmer. Seit ich nämlich eine total zerfledderte Kratzgelegenheit im Arbeitszimmer ausgetauscht habe, gehen die Katzen da nicht mehr dran und wetzen ihre Krallen lieber an meinen Orientteppichen. Da bin ich nicht so begeistert von, also legte ich das Brett etwa auf die Stelle die sie bekratzen. Toyah kam, schnupperte dran und drehte sich wieder um. Siouxsie ging schnurrstracks auf das Ding zu, stellte sich drauf und fing an zu kratzen als wenn das schon ewig da läge. Die gute Katze! Und so schlau! Eigentlich will ich das Brett lieber an der Wand haben, aber Hauptsache es wird erstmal angenommen.

Nachdem ich also mit Pflanzen und Katzen durch war hab ich nochmal auf die Can-do Liste geschaut. Was könnte noch? Oh, „Trödler aufsuchen – Kommode klarmachen“ klingt gut. Also wieder aufs Rad, in die Richardstraße geradelt. Sie waren noch da, die Kommoden die ich in meine Auswahl genommen hatte. Dem Favoriten hatte man inzwschen sogar einen losen Türgriff festgeschraubt. Überhaupt strahlte der mich heute so richtig an. Also Händler aufgesucht, Preis erfragt. 85 Euro. Gebongt.

Im Hof stand grade der Lieferwaren, da boten sie mir an die Kommode gleich zu liefern. Nun musste ich mich tatsächlich beeilen um vorher zu Hause zu sein. Kaum war ich da, rief der Händler an um sich zu entschuldigen, dass er doch keinen Schlüssel für die Schranktür hat. Nagut, nicht so wichtig. Aber sehr nett, dass er extra angerufen hat. Kurz darauf klingelten auch schon seine Kollegen und schleppten mein tonnenschweres Möbel fluchend in den zweiten Stock. Und da ist sie nun, die Kommode.

Mit Möbeln kenne ich mich nicht so aus, deshalb tue ich mich recht schwer damit das Stück zu datieren. Vor dem zweiten Weltkrieg. Aber wie weit? Jahrhundertwende? Eigentlich zu wenig Jugendstil. Für Historismus zu schlicht, für Biedermeier schon wieder zu verspielt, finde ich.

Zu Hause habe ich meine Neuerwerbung erstmal geputzt. Stand beim Händler zwar überdacht aber trotzdem fast draußen. Da kam ganz gut Dreck runter. Natürlich ist das Stück nicht in Top-Zustand. Beim Aufsatz ist mittig das Zierelement weggebrochen und auf der rechten Tür fehlt es auch. Der Lack ist zerschrammt, hat Wachsflecken und kleine runde Stellen wo mal was drauf stand. Es würde mich ja brennend interessieren was das war und was die Kommode überhaupt schon so gesehen hat.

Der rechte Türgriff ist weg, da habe ich aber ja schon was auf dem Trödel am 17. Juni ausspioniert. Was ich anstelle der fehlenden Zierdinger mache weiß ich noch nicht, aber ein paar vage Ideen gibt es schon. Mich stören diese Blessuren ehrlich gesagt überhaupt nicht. Da hat jemand halt Geschichte und Charakter. Und gibt mir die Chance dem noch eine persönliche Note hinzuzufügen.

Die Kommode ist ziemlich groß, ich werde ohne Probleme meine Xbox, die Spiele und DVDs drin unterbringen. Und mehr. Auf dem Aufsatz (oder davor) sollen die Jugendstil-Buchstützen stehen und ein paar alte Bände halten. Und dann wäre noch Platz für eine Tischlampe. Ich habe erstmal diesen schwarzen Plastikleuchter draufgestellt, aber so richtig gefällt mir das nicht. Da kann gerne noch was altes. Die Innenfächer der Kommode waren mal mit Papier ausgeschlagen, es sind noch Reißnägel und ein Papierschnipsel drin gewesen. Das könnte ich auch wieder machen. Für Kabel werde ich schamlos ein Loch in die Rückwand bohren. Das hätte ich bei einer neuen Ikea-Kommode auch gemacht.

Das Wohnzimmer ist auf einmal deutlich voller, aber ich sehe jetzt die Gestaltung der ganzen Wand heranreifen. Da freu ich mich schon drauf.

Und bis die Katzen in und auf die Kommode geklettert waren hat es natürlich auch nicht lange gedauert.