John Walker His Book

27. Oktober 2015 (18:53 h) – Tags: , , ,

Musik: Slipknot - Wait And Bleed 

Kaum ist es Herbst bin ich krank geworden. Hocke mit Mandelentzündung zu Hause und vertreibe mir die Zeit mit Wohnungsverbesserungsprojekten. Mein Balkon hat -vermutlich noch aus Zeiten in denen er nicht verglast war-  doppelte Holztüren mit Glaseinsätzen. Diese Scheiben wollte ich schon seit geraumer Zeit bemalen. Wie Bleiglas, dachte ich mir. Ich suchte im Internet nach Jugendstilfenstern und der Plan sah machbar aus. Dann nahm ich das Dover Pictorial Archives Buch „Treasury Of Art Nouveau Design & Ornament“ in die Hand. Aus diesem Buch stammt auch meine Tattoovorlage. Und so wie jene Element einer Speisekarte gewesen war, sprangen mir nun die hochformatigen Ex Libris ins Auge. Eins womit ein gewisser un-google-barer John Walker seine Bücher zu markieren pflegte empfand ich als besonders passend und daraus entwickelte ich dann zwei Motive.

Auf beiden sind Insignien des bildenden Künstlers dargestellt, das gefällt mir und ich war so frei noch Strickkunst und Nähhandwerk symbolisch unterzubringen.

Ich zog die Motive im Grafikprogramm auf die richtige Größe auf, teilte sie auf, druckte auf A4 und klebte dann alles im Stil eines Download-Schnittmusters zusammen. Diese Vorlagen konnte ich dann von hinten gegen die (frisch geputzten) Fensterscheiben kleben. Und dann ging es los.

Tagsüber habe ich hinter die Vorlage noch ein dunkles Handtuch gehängt, denn ohne Gegenlicht waren die Linien deutlich besser zu erkennen. Damit meine Hände beim Malen nicht wieder Fett auf dem Glas hinterlassen -worauf die Farbe dann nicht gut haftet- habe ich die rechte Hand mit Tüchern und Pflaster abgeklebt.

Die Linien und Flächen habe ich mit schwarzer Acrylfarbe aufgemalt. Man darf nicht so sehr mit Wasser verdünnen weil es dann nicht mehr gut deckt. Ansonsten malt Acryl sich hervorragend auf Glas. Über das Entfernen kann Zukunfts-Soda sich Gedanken machen finde ich.

Soweit sind beide Motive in ihren schwarzen Linien auf den Scheiben. Ich möchte sie noch farbig ausmalen, wie Bleiglasfenster halt. Wobei ich zugeben muss, dass das ganze auch so schon höchst elegant aussieht. Der Balkon wirkt durch die Jugendstilmotive wie ein Gewächshaus aus dem späten neunzehnten Jahrhundert!

Nichtsdestoweniger, ich habe schon Window Color gekauft. Lieber hätte ich die „Sonnenscheinfarben“ verwendet die es in meiner Kindheit gab, die haben sich leichter vermalen lassen meine ich. Aber die kann man offenbar nicht mehr kaufen. Also Window Color und auf das Beste hoffen.

Wenn es klappt soll es auf der zweiten Türen, die vor diesen -innerhalb der Zimmers- liegen noch ein paar Motive geben. Dann hätte man einen Zwei-Ebenen-Effekt wenn die Türen zu sind. In die leere Fläche zwischen den Säulen könnte noch sowas wie Sonne und Mond und ein Spruch in das Schriftband unten. Irgendwas Düsteres über Kunst und Leben was Stefan George gesagt hat.

God is an illusion

22. Februar 2015 (19:54 h) – Tags: , , ,

Musik: Machine Head - None But My Own 

Vor einer Woche ging der verdammte Reißverschluss an meiner Winterjacke kaputt! Ich mag die Jacke wirklich sehr, aber nachdem ich schon beide Taschenbeutel repariert und das Ärmelfutter eingekürzt habe ist das hier etwas zu viel Audience Participation. Ich habe weniger als keine Lust den Zipper da rauszufummeln, einen neuen (der auch erstmal fast zehn Euro gekostet hat) reinzutüddeln und das ganze dann wieder zuzunähen. Die Jacke hat noch einen Übertritt mit so Industriehaken, damit kann man sie auch erstmal zumachen. Und genau das werde ich auch die ganze nächste Woche noch tun, denn an diesem Wochenende habe ich den Reißverschluss nicht ausgetauscht.

Ich habe Sport gemacht, eingekauft und gekocht und die restliche Zeit in ungesunder Körperhaltung am Boden oder Arbeitstisch gehockt und Acrylfarbdämpfe eingeatmet. Es ging weiter mit dem Projekt „Hausaltar“.

Erstmal habe ich die Rückwand fertig gemacht. In die Mondstrahlen kamen noch angejugendstilte Ornamente und ein paar dekorative Symbole habe ich auch noch rausgesucht. Chakren, nichts womit man aus Versehen den Teufel heraufbeschwört.

Den Styroporrahmen habe ich dann auch zusammengesetzt, mit der Heißklebepistole. In Tradition des Seerosen-Rahmens wurde er erstmal schwarz grundiert. Nachdem das über Nacht getrocknet war habe ich heute mit abgedunkelter Goldfarbe drübergewischt und ein paar Highlights mit der glitzerigen Schablonierfarbe gesetzt die mir eine Kollegin neulich mitgebracht hat (<- hab mir in der Firma schon den Ruf des Bastlers erarbeitet).

Und dann kamen wir also unweigerlich zu dem Regalbrett was die Abstellfläche des Hausaltars sein soll. So richtig wusste ich nicht was ich damit machen wollte. Nur schwarz-gold mit Strahlen konnte es nicht bleiben. Ich hab also die goldenen Bereiche wieder schwarz übergemalt. Weil die Goldfarbe aber damals nur schwer gedeckt hat und ich drei Schichten auftragen musste sieht man die Strahlen noch immer als Relief. Ich *hätte* das anschleifen können, aber ganz ehrlich, dafür war ich schlicht zu faul heute.

Als schwarz getrocknet war habe ich dunkelbraun drüber gemalt und beim Pinseln spontan versucht eine Art Holzmaserung hinzufaken. Und das ist viel besser geworden als ich erwartet hätte!

Hier sieht man das mit dem Strahlenrelief ganz gut. Mich stört es nicht wirklich, ich finde die Geschichte hinter den Dingen muss man nicht immer unsichtbar machen.

Es liegt auch schon bereit die Karte „Stäbe drei“ aus dem Tarot Mucha was ich neulich als Jugendstil-Referenz-Datenbank gekauft habe. Den oberen Teil der Umrandung habe ich ausgewählt um ihn als Schnörkel aufs Brett zu bringen.

Den Schnörkel habe ich freihand nachgemalt, dafür ist er okay geworden. Die Goldfarbe habe ich hier mit gelbem Ocker gemischt damit sie gleich beim ersten Mal deckt. Das hat geklappt.

Beim Schnörkelmalen hatte ich viel Zeit über die restliche Gestaltung des Brettes nachzudenken. Weil mir das mit dem Auge beim ursprünglichen Design gefallen hat, entschied ich wieder ein Auge unterzubringen, am besten in den leeren Bereich in der Mitte wo beim Tarot die Zahl steht.

Und das ging dann ein bisschen mit mir durch. Zwischen „stilisiert“ und „total ausgearbeitet“ habe ich keine Abstufungen gefunden, deshalb ist es halt letzteres geworden. Hat Spaß gemacht und war eine gute Übung mit Acrylfarbe.

Nun will ich noch den unteren Bereich des Brettes füllen. Aber da weiß ich noch nicht so genau. Ich hätte noch einen Spruch, der aus der gleichen Vorlage wie der auf dem Mondbanner stammt und deshalb genauso nach Songtiteln von Kataklysm und Blind Guardian klingt (tatsächlich hat Vader einen Song namens „The Eye Of The Abyss“, wie ich zufällig ergoogelt habe). Aber ob ich nochmal ein Schriftband mache…?

Vielleicht schreibe ich es auch einfach nur aufs Holz. Oder ich finde noch ein paar dekorative Symbole und mache was mit Farbe.

Das Universum an der Wohnzimmerwand

12. Februar 2015 (09:43 h) – Tags: , , ,

Musik: Trivium - No Hope For The Human Race 

Habe fast drei Wochen nichts gebloggt, das ist sogar mir aufgefallen. Ich könnte jetzt Ausreden ins Feld führen. Zum Beispiel dieses unglaubliche neue Album was Blind Guardian da veröffentlicht haben und was ich, in einem Ansatz seine epische Tragweite zu verstehen, rauf und runter höre. Oder die Katzen die immer geflauscht werden müssen. Aber es reicht auch einfach zu sagen: Hab halt nichts zu erzählen gehabt. So.

Wir haben Zeit auf dem Sofa verbracht, die Flauschfraktion und ich. Haben Alien geguckt und Live-DVDs von Bands. Ich habe gestrickt und mit dem Klapprechner das Internet durchkämmt. Und irgendwann hatte ich halt wieder Bock was selber zu machen. Und Glück, dass sich im Wohnzimmer immer noch irgendein unfertiges Projekt findet. Ich habe also Projekt Hausaltar in Angriff genommen.

Jetzt nehmt das „Altar“ in Hausaltar bitte nicht zu wörtlich. Ich verstehe das im besten Sinne als einen Platz wo ich meinen spiritistischen Dekokram hinstellen kann. Das Universum weiß dann schon was ich meine.

Der Hausaltar soll im Prinzip aus einem geschwungenen Regalbrett und einem bilderartigen Hintergrund für die Sachen auf dem Brett bestehen. Wie genau dieser Hintergrund aussehen soll war mir lange Zeit unklar, erst Ende letzten Jahres hatte ich eine gute Idee, die ich jetzt auch so umsetze. Das Regalbrett war schon länger fertig, das hatte ich bemalt. Und werd es jetzt nochmal komplett umgestalten weil es nicht mehr zu dem neuen Hintergrund passt.

Erstmal habe ich aber diesen Arbeitstisch aufgeräumt. Downloads würden da keinen Platz wegnehmen, aber ich kaufe immernoch viel lieber CDs. Wegen der Artworks und Booklets und der Hintergrundgeschichten zu den Konzeptalben. Blöderweise ist im Bücherregal kaum mehr Platz für die vielen CDs und so liegen sie ewig vor der Anlage rum. Um das Problem muss ich mich ein andermal kümmern.

Hier sehen wir links das Regalbrett wie ich es ursprünglich bemalt habe. Dann sehen wir den Hintergrund, den habe ich aus drei kleineren Teilen zusammengesetzt und in Form geschnitten. Ich verwende hier wieder mit Glitzerpapier kaschiertes Plastik. Wie auch beim Parfumregal, und es sind wieder Vitrinenrückwände die auf Arbeit abgefallen sind. Rechts liegen zugeschnittene Stuckleisten aus Styropor, die werden den Rahmen für das Glitzerzeug bilden.

Das ist soweit schonmal ein Plan. Aber hatte jemand erwartet, dass ich mich mit dunkelblauem Glitter als Rückwand zufriedengebe? Nur weil es dunkelblau ist und glitzert? Es gab, bevor diese Platten auftauchten, die Idee den Hintergrund zu malen, so mit Universum und Mond und Chichi. Und wenigstens etwas davon wollte ich hier hinüberretten. Ich probierte also aus, ob und wie sich das Glitzer mit Acrylfarbe bemalen lässt und war total begeistert von den Möglichkeiten. Wenn man grundiert kann man die Farben darauf ganz normal verwenden, wenn man sie runterverdünnt kann man auch direkt auf dem Glitzer transparent und aquarellartig malen. Also was will man mehr.

Ich konstruierte den Mond, schnitt eine Vorlage aus Papier und übertrug ihn. Dann fing ich glücklich an die Bereiche schwarz und weiß zu grundieren und später Schatten und Krater aufzumalen. Super.

Und dann dämmerte es mir. Der Mond sieht so zwar schön rund aus, aber ist mein schattierter Bereich nicht genau da wo das Licht herkommt? Ach, fuck! Also wieder übergemalt. Den schwarzen Bereich einen Ticken mehr blau gemacht und den hellen weniger schattiert, nur so allgemein ein paar Unebenheiten angedeutet.

Zwischenzeitlich habe ich in einem Hermetik-Buch noch einen guten, alles-und-nichtssagenden Spruch gefunden und für diesen ein Spruchband über den Mond gezeichnet. Und dann Strahlen nach unten, weshalb die Strahlen auf dem Regalbrett weg müssen.

Das ist der momentane Stand, das ist noch nicht fertig. Mit den Strahlen habe ich noch was vor und den Styroporstuck will ich auch noch anmalen und dann wie gesagt das Brett neu machen. Da soll auch noch etwas Deko dran um die Winkel drunter zu verdecken und erst dann kann der ganze Kram an die Wand. Fühlt sich schon gut an wieder ein etwas größeres Projekt zu machen.

Fork you!

2. November 2014 (18:48 h) – Tags: ,

Musik: Iron Maiden - Public Enema Number One 

Ich bin kein großer Held in der Küche. Kochen, Abschmecken und das Kreieren von zauberhaften Gerichten liegen mir gar nicht und es gab Phasen in meinem Leben da habe ich Essen als lästige Notwendigkeit betrachtet und mich von Chips, Schokolade, Nudeln und Pepsi light ernährt. Momentan ist das Pendel in die andere Richtung ausgeschlagen und ich ernähre mich supergesund. Wahnsinnig viel Gemüse, Vollkornprodukte und Grüne Smoothies. Dazu kommt, dass ich Alkohol immer schlechter vertrage und deswegen kaum mehr trinke. Süßkram und Junkfood habe ich ebenfalls extrem zusammengestrichen. Ich besitze zwei Kochbücher die meine goldenen Kälber in der Küche geworden sind. Nach dem einen koche ich mit lauter Zutaten die ich im Leben noch nie eingekauft habe, nach dem anderen mixe ich Grüne Smoothies. Dafür habe ich mir extra einen Hochleistungsmixer gekauft.

Wenn ich also nicht grade ein guter berliner Hipster bin und Gojibeeren oder regional gezüchtete Brokkolisprossen im Bioladen einkaufe, verbringe ich neuerdings recht viel Zeit in meiner Küche. Dabei fiel mir auf, dass mir beim Abtrocknen immer wieder die gleichen drei Motive in die Hand kommen.

Geschirrhandtücher kann man auch kaufen, das stimmt. Aber ich hatte Baumwolle von einem anderen Projekt über und Lust ein Motiv umzusetzen das ich als Brachiosaurus wirklich gerne mag (ursprünglich ein Artwork von Gemma Correll die auch sonst ziemlich tolle Sachen macht) .

Das Motiv habe ich ausgedruckt, mit Schneiderkopierpapier übertragen und nachgemalt. Das graue Handtuch dazu war so schnell genäht, dass ich noch ein zweites gemacht habe was jetzt auf einen selbstironischen Spruch oder ein doofes Motiv wartet.

Wo wir grade dabei sind zeige ich euch auch noch den Anfang der Idee, nämlich die Geschirrtücher die ich letztes Weihnachten für Natron gemacht hatte. Damals hatte ich nur die gebloggt die meine Mama bekommen hatte.

Auch das sind alles Sprüche und Grafiken die ich aus dem Netz gezogen habe. Das letzte ist ein Motiv von Marc Johns der einen wunderbar bescheuerten Humor zu haben scheint. Insofern passt es super zu Natron.

Mir machen Gemüseschnippeln und das Ausprobieren von neuen Gerichten und Zutaten momentan richtig viel Spaß. Mit den Smoothies habe ich meinen Lieblingskollegen schon ordentlich angefixt und die anderen immerhin von „Ihhh, was ist das denn?!“ zu „Nagut, es schmeckt besser als es aussieht…“ gebracht. Ich betrachte es trotzdem nicht als Küchenskillz wenn ich das nachhample was das Kochbuch mir vortanzt. Was auch völlig okay ist. Man muss ja nicht alles können.

Wohnungs-Update

25. Juni 2014 (08:24 h) – Tags: , , , ,

Musik: Metallica - Sweet Amber | Stimmung: Voll schönes Regenwetter!

Kurz bevor die Festivalsaison sich so unbarmherzig in den Sommer gedrängt hat, habe ich noch ein paar lose Enden in der Wohnung verknotet. Unfertige Projekte kann ich immer nur bedingt lange tolerieren.

An der Kommode die ich im Frühjahr auf dem Trödel gekauft hatte ist nun endlich das Fries ausgebessert. Ich habe den weggebrochenen Teil durch ein Stück trompe-l’œil Malerei ersetzt.

Gemalt habe ich mit Aquarellfarben auf Pappe, anschließend das fertige Teil mit mattem Klarlack eingesprüht um die Farbe widerstandsfähiger zu machen. Die Pappe habe ich schließlich mit Hafties an die Kommode gepappt, daher kommt der kleine Abstand und Schatten der noch den letzten Schliff verleiht. Außerdem wird das Holz nicht beschädigt.

Auf den ersten Blick fällt die Reparatur tatsächlich nicht sofort auf und das war alles was ich wollte. Die Kommode ist wieder komplett.

Und ich musste auch kein Loch in die Rückwand schneiden. Ursprünglich hatte ich geplant die XBox in der Kommode unterzubringen und längere Kabel von dort zum Fernseher zu ziehen. Das scheiterte ziemlich schnell daran, dass es das Kabel fürs Kinect nicht in länger gibt. Also musste die XBox in der Nähe des Fernsehers bleiben. Entertainmentgeräte die sichtbar im Wohnzimmer rumstehen. Ich war nicht begeistert.

Übergangsweise stand die Konsole auf dem Katzensofa und die Zimmerantenne baumelte an ihrem Kabel unter dem Fernseher. Grauenvoll. Glücklicherweise fand ich dann heraus, dass man die XBox auch aufrecht hinstellen kann und damit war entschieden, dass das Fernsehgerümpel ein Regalbrett hinter dem eigentlichen Fernseher bekommen sollte.

Das Brett und die Winkel habe ich in Wandfarbe getarnt und einen zusätzlichen Winkel in schwarz lackiert der neben der XBox dafür sorgt, dass die Konsole keinen Abflug macht. Damit ist das Regal so mimetisch wie es nur sein kann..

Die Kabel habe ich erst hinter die Konsole geklemmt und dann in der Zimmerecke runtergeführt. Sie hängen jetzt nicht mehr direkt unter dem Fernseher runter und das ist schon viel wert. Eventuell verpasse ich ihnen auch noch einen Anstrich in jadegrün. Mal sehen.

Der Fernseher ist immer noch ein Angeber der das Wohnzimmer dominieren möchte, aber immerhin habe ich seine Gerätekumpels schonmal unter Kontrolle gebracht. Optisch ist das ganze ein Kompromiss, das ist mir schon klar. Mein durchgestyltes Wohnzimmer leidet unter diesem Einbruch moderner Technik etwas, ich möchte aber auch nicht leugnen wie gemütlich Lieblingsfilme, absurde Dokus und Konzert-DVDs vom Sofa aus sind. Und neulich habe ich die ganze Nacht lang Adventuregames gezockt bis es halb vier war und schon wieder hell wurde.

Ansonsten war ich noch in der Küche und habe mal wieder so eine Pinterest-Idee umgesetzt. Eine Tafel für Notizen, Einkaufslisten und Songzitate, das wäre doch total schön! Gesagt, getan. Ich besorgte Tafelfolie im Baumarkt und klebte sie erst auf eine Pappe und diese dann mit Powerstrips an den Kühlschrank. Noch zu gut erinnere ich mich an das schockierte Gesicht meiner Hauswartsfrau als sie beim Vormieter Aufkleber auf dem Kühlschrank entdeckte. Deshalb lieber kein Risiko eingehen und das ganze entfernbar.

Natron schreibt mir bei jedem Besuch ein Zitat ihrer Southern-Rock-Freunde an den Kühlschrank. Ansonsten benutze ich die Tafel für Einkaufsnotizen und To-Do-Erinnerungen. Ziemlich praktisch und den sich ständig wandelnden Charakter der Fläche mag ich auch total. Fehlt eigentlich nur noch bunte Kreide.

Kommode flicken, quer durch die Kulturen

17. März 2014 (10:44 h) – Tags: , , , ,

Musik: Behemoth - Blow Your Trumpets Gabriel 

Die Kommode ist -wenig Wunder- schnell zur Königin des Wohnzimmers geworden. Ich habe Sessel umgestellt um die Möbel harmonischer zu verteilen und neulich war ich extra noch in der Drogerie um dunkle Möbelpolitur zu kaufen. Damit habe ich das alte Stück wirklich sehr schön aufpolieren können. Die Schrammen im Holz sind sehr viel weniger sichtbar und die Oberflächen glänzen nun wieder schön. Dolle Sache.

Was das fehlende Fries auf der rechten Tür angeht habe ich ein paar Pläne im Kopf bewegt. Ziemlich frei nach der japanischen Kintsugi-Technik, bei der zerbrochenes Porzellan mit einem metallhaltigem Kleber zusammengesetzt wird, so dass die Bruchstellen später sichtbar in zB gold hervorgehoben sind, überlegte ich den fehlenden Bereich als Schattenriss in messingfarben aufzumalen. Die Grundform ist ja auf dem ausgeblichenen Untergrund noch gut zu erkennen bzw kann sie gegengleich von der zweiten Tür abgenommen werden. Dazu würden Türgriffe aus Messing dann gut passen.

Das war die erste Idee und ich finde sie auch immernoch ziemlich schön, aber dahinter lauerte noch eine zweite. Die größere Herausforderung die ich deshalb annehmen musste. Wenn ich schon ein gemaltes Teil einsetze, dann kann ich auch versuchen das fehlende Ornament aufzumalen. Also trompe-l’œil: So schattiert, dass es eine Dreidimensionalität vortäuscht und den fehlenden Teil sozusagen hinillusioniert. Mir ist klar, dass das kein geringer Anspruch ist und ich sicher nicht in der Lage sein werde etwas zu malen, das den Betrachter am Ende wirklich hinters Licht führt. Man wird immer sehen, dass hier Farbe statt Holz wirkt. Das ist mir aber auch ganz recht so. Wenn ich die Möglichkeit hätte da aus Holz genau das fehlende Stück nachzuschnitzen, so dass die Tür am Ende aussieht wie vor dem Bruch, dann fände ich das fast zu langweilig. Die Idee hinter Kintsugi, dass etwas durch einen sichtbar nachwirkenden Schaden an Schönheit und Charakter gewinnt, die mag ich sehr gerne. Man soll meiner Kommode also ruhig ansehen, dass sie nicht mehr unversehrt ist.

Ich bin nun zur Tat geschritten und habe die Form des Holzornaments mit transparenter Folie abgenommen. Erst von der rechten Tür, später habe ich Details von der linken, intakten Seite ergänzt. Das ging ziemlich gut. Von der Folie habe ich das Motiv auf Transparentpapier übertragen, es nochmal an der Tür korrigiert und dann die Form aus dünner Pappe ausgeschnitten. Wenn ich auf Pappe male habe ich erstmal schon eine grundlegende Dreidimensionalität durch das aufgesetzte Material, zum anderen macht es mir die Arbeit leichter weil ich nicht senkrecht an der Tür malen muss sondern die Pappe hinlegen kann wo ich will.

Testweise habe ich das Pappstück passgenau in die Lücke gesetzt und obwohl es in weiß noch total rausleuchtet hat sich das Ausfüllen der Lücke schon so gut angefühlt. Wie eine Prothese für die Schönheit des Möbels. Als wenn das Ornament in seinen Formen wieder fließen konnte und die Kommode einmal zufrieden aufgeatmet hat. Ich sehe da auch keinen Widerspruch zur Akzeptanz von Fehlerhaftigkeit. Für mich bedeutet diese nicht zu sagen: „Tja, ist halt kaputt, ist aber okay wenn ich es so lasse“, sondern mit dem Schaden zu arbeiten und irgendwas draus zu machen was den Gegenstand insgesamt oder zumindest seine Ästhetik wieder funktionieren lässt.

Auf dem Boden vor dem Schränkchen hockend habe ich den Einsatz zuerst in einem passenden Braunton bemalt und dabei schonmal die Maserung angedeutet. Ich verwende meine geliebten Aquarellfarben auch wenn ich weiß, dass die nicht wasserfest sind. Mit Aquarell kann ich am besten schattieren und Farbtöne mischen. Die Auswahl an Grundfarben habe ich in Acryl einfach nicht und es lässt sich auch nicht so gut vermalen. Ich werde die Pappe am Ende mit Sprühlack versuchen widerstandsfähiger zu machen bzw den dezenten Glanz des Holzes nachahmen.

Das ist der Stand meiner Schattierungsarbeiten soweit. Weil das geschnitzte Holz so eine glatte Oberfläche hat muss ich ziemlich kräftige Lichter mit Deckweiss setzen. Eventuell muss ich auch die Schatten dazu stärker ausarbeiten. Auf dem Foto wirkt der gemalte Teil recht blaustichig. Das liegt an den mickrigen Lichtverhältnissen, in Wirklichkeit ist es noch ein bisschen schöner.

Ich bin mit dem Projekt bisher eindeutig zufrieden. Wenn ich die Gelegenheit dazu finde, werde ich nochmal nach Möbelgriffen trödeln gehen. Mit sehr viel Glück finde ich irgendwas das sich so gut einpasst, dass ich nur den rechten Griff austauschen muss und der linke, der aus irgendeiner Form von Proto-Plastik besteht, bleiben kann. Wahrscheinlicher werde ich aber beide austauschen. Dann bleibt noch das weggebrochene Ornament auf dem Aufsatz zu ergänzen. Dafür muss mir aber irgendeine Art von Relief in die Hände fallen. Nicht zu groß und thematisch passend.

Don’t forget to be awesome

2. März 2013 (15:20 h) – Tags:

Musik: Irgendwas von Unisonic auf einer CD namens "Toast 1" | Stimmung: *schnief* *hust* *röchel*

Da habe ich neulich noch darüber nachgedacht, woran es wohl liegen mag, dass die Frau mit dem lächerlich schwachen Immunsystem (<- thats me) in diesem Winter noch gar nicht krank geworden ist, und prompt fühlt sich eine Erkältung auf den Plan gerufen. Danke auch. Jetzt bin ich krankgeschrieben und sitze mit Plüschdecke, Schniefnase und leicht erhöhter Temperatur am Rechner. Während draußen zum gefühlten ersten Mal in diesem Jahr die Sonne scheint. Egal. Ich habe einen neuen, schnellen, wunderschönen Rechner. Damit macht Photoshop wieder richtig Spaß.

Und deshalb möchte ich auch mein Blogdesign endlich mal überarbeiten. Die Farben sollen ein wenig anders werden (aber jetzt auch nicht pink oder so!) und ich will vor allem einen neuen Header zeichnen. In dem sollen natürlich wieder meine Katzen und ich vorkommen. Außerdem alle möglichen Dinge die auch in diesem Blog immer wieder auftauchen. Ihr werdet sehen.

Heute habe ich schonmal mich gezeichnet. Die Outlines zum größten Teil mit Bleistift, alles andere dann digital. Als Referenz habe ich dieses Stockfoto verwendet.

Das ist auch die Originalgröße der Zeichnung. Weil es ja für den Header ist habe ich es nicht größer gemacht. Ist auch so schon wieder viel zu detailreich geworden. Das mache ich jedes Mal und dann verschwindet es alles beim Verkleinern.

Ich mag die Pose weil die Hände im Vordergrund stehen. Alles was ich hier blogge ist ja schließlich mit meinen Händen genäht, gebastelt, fotografiert, geschrieben. Außerdem gibt es einen schönen Platz für ein Shirtmotiv. Den hat natürlich die beste Band der Welt bekommen. Meine geliebte Armbanduhr habe ich auch abgebildet, ebenso ein generisches Sommeroutfit und wenigstens einen Ohrring.

Und jetzt geh ich die Katzen zeichnen.

Damit Adolf Loos Recht behält

9. Oktober 2012 (14:20 h) – Tags: ,

Musik: Van Canto - The Mission 

Wer sich zu viel Zeit lässt, den bestraft das Universum. Mich, die ich mich in trügerischer Sicherheit bewogen hatte, nun damit, dass ich erstmal nicht mit meiner Retro-Sci-Fi-Jacke weitermachen kann. Ihr erinnert euch vielleicht noch, ich wollte so eine orangefarbene Riffeljacke nähen, wie Luke Skywalker sie am Anfang von „The Empire Strikes Back“ trägt, die sogenannte Hooth Snowspeeder Jacket. Und dafür hatte ich vor langer Zeit schon orangefarenes Nylon bei Extremtextil ausspioniert. Das wäre ziemlich ideal für die Jacke gewesen. Als ich es nun bestellen wollte, musste ich aber feststellen, dass die Farbe leider momentan nicht verfügbar ist. Dammich!

Also erstmal keine Jacke. Und was mache ich wenn ich nicht ins Weltall kann? Richtig, ich verstecke mich in meiner anderen Epoche, der Zeit um 1900. Die dort ansässigen Präraffaeliten sollen auch ein Projekt bekommen, dazu aber mehr wenn ich tatsächlich Stoff gekauft habe und es losgeht. Und wen kann man noch besuchen wenn man grad mal da ist? Achja, den Jugendstil. Da habe ich wieder meine Dover Pictorial Archive Ausgaben gewälzt und eigentlich Bordüren gesucht. Gefunden habe ich aber hübsche Frauen und dramatischen Faltenwurf. Und weil ich grad Lust drauf hatte, hab ich eine zweite Version einer Tattooidee gezeichnet.

Das hatte ich noch gar nicht hier erzählt. Es gibt die Idee in meinem Kopf, ein Tattoo machen zu lassen, was meine ästhetizistischen Freunde aus der Magisterarbeit würdigt. Genauer gesagt Hugo von Hofmannsthals „Lebenslied“ denn das sagt eigentlich alles und nichts über seine Zeit, das Leben, die Kunst und das All aus. Erscheint mir insofern eine gute Grundlage und ungemein dekorativ wäre es auch. Ich würde die Tiere aus dem Gedicht, also Adler, Lamm und Pfau, als Jugendstilgrafiken umsetzen wollen.

Das ist keine Idee die ich sofort machen muss, ich will erstmal sehen wie es sich entwickelt. Seit Geburt des Gedanken ist das Tattoo nämlich schon von der Wade auf den Rücken umgezogen und die Tiere habe ich durch eine generische Jugendstiltrutsche ergänzt. Frau mit Flatterlaken und Schnörkelhaaren ist gleich viel mehr Jugendstil als alles was ich mit den Tieren machen könnte.

Das hier war die erste Skizze. Ich war anfangs sehr skeptisch, ob es eine gute Idee ist sein Tattoo selber zu zeichnen, aber inzwischen mag ich den Gedanken. Und, mal ehrlich, ich kann das eh nicht aus der Hand geben, ich Kontrollfreak.

Ich wusste noch nicht so recht wohin mit dem Lamm, hatte es später noch links neben die Frau gesetzt. Aber die Adler auf dem Handgelenk (physikalisch zugegeben eine kleine Herausforderung) war schonmal super. Das Kleid brauchte ordentlich Bausch und dieser Sternennimbus gefiel mir auch sehr gut. Wenn überhaupt wäre die Frau eine Allegorie auf Leben, Kunst und All, da dürfte sie ruhig so gekrönt sein.

Die Zeichnung lag etwa ein Vierteljahr. Erst jetzt hatte ich, wie gesagt, Lust es nochmal neu zu versuchen. Diesmal andere Pose und dank Referenz auch besserer Faltenwurf.

Links oben sieht man noch ein wenig von meiner Vorlage, die ich aber freihand und gespiegelt abgemalt habe. Und dann alles außer Gesicht und Faltenwurf verändert. Ich mag die frontale Position der Frau, das gefällt mir besser als ein Profil, auch wenn der muchaeske Kopfschmuck nun natürlich weg ist. Ihre Haare könnten fast noch dramatischer sein. Der Adler sieht hier noch sehr nach Papagei aus, aber den habe ich auch noch nicht geübt. Eher unzufrieden bin ich mit dem unromantischen Kasten da unten. Ich brauche etwas wo das Lamm drauf stehen kann, sonst kommt es nicht an ihre Hand ran. Und die Berührung finde ich irgendwie ganz gut. Trotzdem gibt es bestimmt irgendeine elegantere Lösung für einen Schnörkelpodest oder sowas. Ich guck nochmal in meine Bücher.

Latente Verbrecher und degenerierte Aristokraten

3. März 2012 (15:24 h) – Tags: ,

Ich habe die „Jugendstil“-Zeichnung zum Abschluss gebracht. Ich bin von meiner Arbeit nicht völlig überzeugt und deshalb fehlte mir gegen Ende auch etwas der Elan, aber ich habe fürs nächste Mal Einiges gelernt. Und darauf kommt es am Ende ja auch an. Jedenfalls nenne ich die Zeichnung an diesem Punkt fertig:

Diesen nicht übermäßig originellen Hintergrund mit ubiquitärem Rundschnörkel habe ich noch dazugefügt. Die Farben habe ich im Bereich braun-dunkelblau gelassen. Während des Zeichnens im Photoshop war ich einmal mit meinen Shortcut verrutscht und statt Strg+U (Farben / Sättigung / Helligkeit ändern) bin ich bei Strg+I (Farben invertieren) gelandet. Das ergab auf dem hellen Hintergrund mit der Papierstruktur ein dunkles Blau mit hellen Strenkeln. Das Weltall! Nachdem ich den Effekt entdeckt hatte, musste ich ihn natürlich auch verwenden. Also habe ich das Weltall noch etwas verbessert und mittig in meinen Rundschnörkel gesetzt. In Kombination mit den Brauntönes des restlichen Bildes könnte man jetzt auch ein Steampunk-Raumschiff hineininterpretieren. Seht ihr wir aufwändig der Innenraum und die Bullaugen dekoriert sind? Von rechts zieht es herein weil jemand die Luftaufwertungsmaschine zu stark eingestellt hat. Das hat sich bestimmt Jules Verne ausgedacht.

Ähm, ja. Das Steampunkt-Raumschiff war nicht beabsichtigt und ist nochmal eine ganz andere Geschichte. Reden wir lieber über den Text unten rechts. Weil ich das Laken und die Schärpe nicht ordentlich zuende gemalt hatte und dann aber auch nicht so viel vom unteren Rand wegschneiden wollte, habe ich diese Stufe mit Schnörkel eingebaut. Und die schrie nach einen mehr oder weniger sinnigen Text, der den leeren Raum dekorativ ausfüllen sollte. Ich war schon fast so weit etwas völlig Profanes zu schreiben, denn ich wollte ja lediglich den Zierwert der Buchstaben nutzen. Auf Grundlage des Ästhetizismus könnte man den Blanktext übrigens bis zur Kunstform hochargumentieren, wenn man denn wollte. Während ich also über Nutz- und Zierwert von Buchstaben nachdachte, kam mir ein Zitat in den Sinn, das ich vor sehr langer Zeit mal irgendwo kontextlos aufgeschnappt hatte. Unser aller Freund Google wusste natürlich mehr und so landete ich schnell bei Adolf Loos und seiner Streitschrift „Ornament und Verbrechen“ aus den Jahr 1908. Loos war Architekt und wandte sich gegen die übermäßigen Verzierungen und Ornamentalisierungen von Gebrauchsgegenständen und Gebäuden. Man mag argumentieren, dass er dabei ebenso übers Ziel hinaus schoss, aber das ist bei den radikalen Stilwechseln in der Kunstgeschichte ja öfter der Fall. Jedenfalls bezeichnet Loos das Ornament als Verbrechen, als nutzloses, arbeitszeitraubendes Symbol einer rückschrittlichen Gesellschaft. Auch wenn ich eher Freund einer ausdekorierten Ästhetik bin kann ich seinen Punkt nicht vom Tisch weisen. Wer sich selber mal einen Eindruck verschaffen möchte findet hier Auszüge aus „Ornament und Verbrechen“. Vor allem der einleitende Absatz in dem Loos über tätowierte Menschen spricht entbehrt aus heutiger Perspektive nicht einer gewissen absurden Komik.

Warum aber nun gerade Adolf Loos unter einem Versuch sich an den Jugendstil heranzuprischen? Ich empfand den zitierten Satz als ganz passend und ein wenig ironisch, denn das was ich da mache ist ja gerade der Versuch nichts Neues zu erschaffen sondern Altes erneut und ohne großen persönlichen Einfluss durchzukauen. Also kein neues Ornament, wohl aber ein Ornament. Mit etwas Augenzwinkern.

Wollen wir aber nochmal zu meiner Zeichnung zurückkehren und ein paar Details anschauen. Hier sehen wir einige Dinge die ich gelernt habe. Plastische Effekte reduzieren: Die Haare sind fast gar nicht schattiert und bei der Haut habe ich mich ja auch zu weniger Lichteffekten gezwungen. Im Kontrast dazu stehen das deutlicher ausgearbeitete Laken und die unruhigen Bereiche mit dem kleinteiligen Schmuck. Farbige Schatten: Sind eigentlich immer wichtig und in jedes Bild einzuarbeiten. Hier bin ich mit den Farben aber etwas mutiger gewesen und habe flächig mit rot und grün gearbeitet. Die Hautfarbe versucht nichteinmal realistisch zu wirken. Linienstärken: Die äußere Kontur ist dicker als die inneren, die ich teilweise auch in braun statt schwarz gemacht habe. Wirkt auf uns erstmal wie ein Comic, hatte um die Jahrhundertwende aber einen anderen Effekt. Generell gilt: Lieber flächig und ornamental als realistisch. Die Auflösung „realistischer“ Details wie Haare oder Stofffalten in zweidimensionale Ornamente. Man kann sich da wirklich einiges erlauben, aber es ist erstmal ziemlich schwer sich von den gängigen Vorstellungen und dem üblichen Versuch einer realistischen Darstellung zu lösen. Fand ich zumindest.

Hier habe ich nochmal einen anderen Ausschnitt gewählt. Weil mir nämlich aufgefallen ist, dass ich mich selber wesentlich einfacher davon überzeugen kann hier einen unbekannten Mucha auf dem Bildschirm zu haben, wenn ich nicht das Gesicht meiner Figur sehe. Die Schärpe zum Beispiel finde ich schon total gelungen.

Was ist also das Problem mit dem Gesicht? Das hatte ich neulich schon kurz angeschnitten. Es liegt bereits an der Linienzeichnung. Hier hat ein Bewohner des einundzwanzigsten Jahrhunderts das gemalt was er für eine hübsche weibliche Person hielt. Schönheitsideale ändern sich aber laufend. Wie wichtig es ist sowas zu berücksichtigen war mir noch nicht klar als ich meine Vorzeichnung gemacht habe. Inzwischen habe ich gesehen, dass Miss Jugendstil niemals eine so deutliche Kinnlinie hätte. Wenn möglich hätte sie den Kopf weiter in den Nacken gelegt und es hätte diese typische Unterperspektive gegeben. Sie hätte auch keine so schmalen Arme und ihr Augenaufschlag wäre sehr viel lasziver. Überhaupt wäre mehr Ungefähres in ihrem Gesicht. Ein bisschen Trauer und Entrückung.

So weit also mein vorläufiges Fazit zum Projekt „Jugendstil“. Ich habe einiges gelernt, viel entdeckt und es war sehr spannend sich mal in diese Epoche hineinzuvertiefen. Natürlich würde ich damit gerne weiter machen und mich auch zeichnerisch weiter verbessern, aber es stehen auch noch viele andere Projekte um mich herum und scharren mit den Füßen. Was ich als nächstes mache hab ich noch nicht entschieden, also haltet bitte nicht den Atem an ;)

Meet Miss Leonie!

27. Februar 2012 (14:48 h) – Tags: , ,


Szene Eins. Eine Bar die ihre besten Zeiten bereits hinter sich hat. Die Stühle sind hochgestellt, auf dem Tresen steht ein Putzeimer. Mitten im Raum balanciert Leonie auf einer Leiter und poliert einen derangierten Kronleuchter.
Leo (bestimmt) Die Zeit wird entfalten, was gefältelte List verbirgt …!
Sie zieht einige gefaltete Blätter aus der Schürze, blickt darauf.
Leo …sie verdeckt Fehler, verlacht zuletzt mit Schande! … Verlacht zuletzt mit Schande!
Sie räuspert sich, blickt stolz über den Raum. Mit einer Geste: 
Die Zeit wird entfalten, was gefältelte… wird verfalten was entfältelt… (schüttelt den Kopf) Ach, die Cordelia ist so hart zu lernen!
Im Hintergrund betritt Karola den Raum. Sie wedelt aufgeregt mit den Armen.
Leo (mit Pathos) Die Zeit wird verfälteln…
Karo (atemlos) Leo! Hör nur was ich zu erzählen hab!
Leo (fährt herum) Herrje Karo! Erschrick mich doch nicht so! Beinahe wäre ich von der Leiter gepurzelt!
Karo Schilt mich nicht, bis du gehört hast was ich dir erzählen will. Ich sag dir, es ist ganz unfassbar!
Leo (steigt von der Leiter, streicht sich die Schürze glatt) Nun raus damit!
Karo Ganz unfassbar.
Leo Nun wirst du wohl erzählen was so unfassbar ist?!
Karo Sofort! Wir brauchen einen Champagner!
Sie eilt zur Bar.

Wie ihr sicher schon bei Natron gelesen habt, nähen wir nicht nur gemeinsam Trenchcoats, sondern garnieren Euch das ganze als heitere Liebeskomödie im Stil der Jahrhundertmitte. Spot on für Karo und Leo!

Ich erfülle heute schonmal den ersten Teil des Drehplans, nämlich die Vorstellung der Mitwirkenden. Meinen Trench nach Schnitt 119 aus Burda 03/09 werde ich aus einem camelgrundigen Leopardendruck anfertigen. Diesen Baumwollstoff habe ich bereits vor sehr langer Zeit auf dem Türkenmarkt gekauft. Es ist eigentlich ein Vorhangstoff, deshalb liegt er breiter als die üblichen 150 Zentimeter. Und obwohl Leopardenvorhänge einen nicht zu leugnenden Reiz haben, fasste ich schon damals den Plan hier einen Mantel draus zu machen. Zwischenzeitlich raubten mir aber andere Projekte Teile des designierten Stoffes (da ist er zB unten links in meinem Archivquilt) und ich bin froh, dass ich die großen Schnittteile jetzt noch gerade so herausbekommen werde. Für Kleinteile habe ich noch genug kleinere Stoffstücke, auch wenn man bei diesem Muster ja sowohl auf die Druckrichtung als auch auf den inherenten Farbverlauf achten muss.

Der camelfarbene Grundton des Stoffes erinnert mich an die typische Sandfarbe des klassischen Burberry-Trenchcoats. Die Knöpfe sind aus Hornimitat und streben damit auch dem Original entgegen. Der Rest ist allerdings frei dazuerfundenes Design. Für einen extra couturigen Look mache ich das Futter aus knallgelbem Taft. Die Farbkombination rockt irgendwie.

Knöpfe und Schnallen habe ich in zwei Größen gekauft, sehr burdagetreu werde ich nämlich die Gürtelschlaufen runterknöpfen und auch geknöpfte Schulterriegel machen. Die Ärmelspangen werden vier Zentimeter breit sein und mit einer Lederimitat-Schnalle geschlossen, der Gürtel ebenso in fünf Zentimetern Breite.

Ich hatte überlegt den Saum weiter auszustellen, aber dafür reicht mein Stoff nicht. Eventuell werde ich auch auf einen der beiden Sturmsättel verzichten müssen. Dafür habe ich aber die Schnittteile des Futters verlängert und werde den Mantel komplett füttern, nicht nur im Oberteil wie Burda es vorschlägt. Die Länge behalte ich bei, auch wenn ich den Saum dann mit Schrägband verstürzen muss. Mein Stoff gibt leider keine großen Saumzugaben mehr her. Gefüttert wird das hoffentlich nicht mehr so ins Gewicht fallen.

Soweit mein Plan. Ich freue mich schon jetzt darauf den Trench im Sommer über kurzen Kleidern zu tragen. Für heute könnt ihr, falls interessiert, einen Blick auf die große Version des Trench-Along-Logos werfen. Hier habe ich bei Gil Elvgren abgeschaut und Natron und mich als heiße Pinup-Mädels gezeichnet. Erst daraus entwickelte sich dann übrigens der ganze hollywoodreife Überbau. Man hätte auch einfach zwei Mäntel nähen können. Aber das wäre ja nicht halb so unterhaltsam!